houbetklôster
stN.
‘Hauptkloster, Mutterkloster’
die kóniginn Alene von Bonewig macht dasselb closter,
und wart ein heubtcloster Lanc
42,19
MWB 2 1713,9; Bearbeiter: Luxner
houbetkrenzel
stN.
‘(kleiner) Kranz’ (für den Kopf):
an ir [
der megde
] hovbit krenzil / uol
komin ane schrenzil [Makel] / sint die sehz bluomen
Martina
47,69
MWB 2 1713,12; Bearbeiter: Luxner
houbetkünic
stM.
‘oberster König’
das ist Marroch dú hoͮbitstat, / da ist ein
sidil in gesat / dem hohstin houbit kúnege da RvEWchr
2800
MWB 2 1713,16; Bearbeiter: Luxner
houbetküsselîn
stN.
Dimin. zu
houbetküssen
.
‘(kleines) Kopfkissen’
so sach er in dem bette / ouch ligen ein houbt kusselin
Vät
20331;
we in, di do neyn [nähen]
pholelin [l. phülwelîn
‘(kleines) Federkissen’
] undir alle hende
elbogin und machin houbtkusselin undir allis alderis houbte,
selin [Seelen] zu betrugene Cranc
Ez 13,18
MWB 2 1713,19; Bearbeiter: Luxner
houbetküssen
stN.
‘Kopfkissen’
her [Christus] was vore in dem schiffe ûf eime
houptkussin slâfinde EvBeh
Mc 4,38;
des âbendes an einer stat er [Jacob] slief, / dar
was er kumen altersein. / sîn houbet küsse was ein stein Renner
20406;
Cranc
Ez 13,21;
BrAsb
55;
Stagel
26,12
MWB 2 1713,26; Bearbeiter: Luxner
houbetlachen
stN.
‘Kopftuch, Schleier’
si het ouch bezzer gwant / denne dehein geburinne da: /
[...] ein sidin houptlachen gut / und einen wol
gestalten hut / und gut linin gwant StrKD
145,399.
119,436;
ich sach die heilegen engel und der vreuden hort: / dô hâte ir houbet lâchen
vür gehangen Wartb (S)
127,10;
peplum: hoͮbitlachen SummHeinr
1:324,122;
Gl
3:663,49
(BStK287)
MWB 2 1713,32; Bearbeiter: Luxner
houbetlachenære
stM.
wohl Hersteller von Kopftüchern (vgl.
houbetlachen
; s. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.
385):
Chvnrat der hovbtlachner UrkCorp
2329,17;
Ellenbvrch hern Hermannes witiwe des havptlachner ebd.
3282,36
MWB 2 1713,40; Bearbeiter: Luxner
houbetlant
stN.
‘großes, bedeutendes Land, Region’ (andere Länder und Provinzen
umfassend):
da stozit an ein michil lant, / das ouch ist houbit lant
genant / vil lande dú darinne sint RvEWchr
2093;
das ist dú mindir Asẏa. / in disim houbit
lande da / Efphesus dú stat nu ist ebd.
2101
u.ö.;
daz Pârîs der wîgant / Sidonje hâte ir houbetlant / sô
vîentlichen an geriten KvWTroj
42674
MWB 2 1713,45; Bearbeiter: Luxner
houbetlast
stMF.
‘außerordentliche Last, Bürde’
ez ist verlüste ein houbetlast, / daz ieman kêret in den kreiz
[Kampfplatz] / ze strîten, dâ man niht enweiz / wâ
man sich enthalten sol KvWPart
4176;
sô daz dir niht swære / was aller bürden houbetlast
KvWLd
32,49
MWB 2 1713,53; Bearbeiter: Luxner
houbetlaster
stN.
‘Hauptsünde, -laster’ (vgl. LThK 4,1212 und
houbetsünde
):
dar umbe sol ein ieglich mensche snel unde wacker sîn unde niht træge an gotes
dienste: wan daz ist ouch der selben houbetlaster einez PrBerth
1:8,16;
diu siben volk daz sint die siben leie sünder, die in der heiligen kristenheit
alle tage sündent, die siben houbetsünde, die siben houbetlaster ebd.
1:187,18;
wan frâzheit ist der sünden houbetlaster einz ebd.
1:515,34.
1:517,9
MWB 2 1713,59; Bearbeiter: Luxner
houbetlëne
stF.
Rücken- oder Kopflehne an einem Bett oder Stuhl:
columnas eius fecit argenteas, reclinatorium / aureum
[...] sine [von Salomos Bett]
stollen waren silberin, / sine houbitlene was guldin Brun
111.
– Maria als die houbetlëne der Trinität:
di ture guldine houbetlene breit, / di do gab so richen
scheit [Glanz, vgl. Glr. z. St.] , / Maria di reine
meit was, / von der ich in dem buche las, / daz si der heiligen drivaldekeit / ein
houbetlene were Brun
1541;
ebd.
3828
MWB 2 1714,4; Bearbeiter: Luxner
höubetlîn, höuptel
stN.
Dimin. zu
houbet
.
1
‘Köpfchen’
1.1 von Kindern und jungen Tieren 1.2 bei Pflanzen 2 Spitze, Ende von etw., hier ‘(weibl.)
Brustwarze’
1
‘Köpfchen’
1.1
von Kindern und jungen Tieren:
ir frouwen, [...], ob ir fürhtet, daz ez
[das Kind] iht lebende an die werlt müge komen,
wan ê daz ez âne touf blîbe, sô toufet im ê daz höubetlîn ûf die gnâde unsers
herren PrBerth
1:299,2;
wer möhte einem kindelîn sîn houbetlîn oder sîniu hendelîn oder sîniu
füezelîn abe gebîzen? ebd.
2:270,19;
die des stains niht habent, die habent diu häuptel von
enander gekêrt [von jungen Schwalben]
BdN
201,7
1.2
bei Pflanzen:
zemitelst [der Lilienblüte]
stêt ain gelbez nägel dar inn und dar umb stênt klaineu dingel mit gelben
hauptleinn [Staubbeutel]
BdN
406,6
2
Spitze, Ende von etw., hier ‘(weibl.)
Brustwarze’
daz dritt zaichen [einer
Schwangerschaft] ist, daz daz häuptlein an dem prüstel
rœter wirt und auch die âdern an dem selben häuptlein werdent rœter
BdN
40,20
MWB 2 1714,14; Bearbeiter: Luxner
houbetlingen
Adv.
‘jeder einzeln’
dat si ine truͦwelois sulin scheldin vuͦr usin gemeinin magin
inde hovitlingein widir in sin UrkCorp (WMU)
146,17
MWB 2 1714,32; Bearbeiter: Luxner
houbetlist
stM.
‘größte Kunst(-fertigkeit)’
sît diu [Nachtigall] von
Hagenouwe [Reinmar] , / [...]
/ der werlde alsus geswigen ist, / diu aller dœne houbetlist / versigelt in
ir zungen truoc Tr
4782;
ez si ein küniginne, / si versaget im niht ir minne, / si weiz des sol wol den
houbetlist, / daz sin dienst niender ist / so groz so der des er da gert
StrFra
563;
KvWTroj
1991.
– bezogen auf die septem artes liberales:
si [Medea] was ein meisterîn von
art / der siben houbetliste KvWTroj
7451.
MWB 2 1714,36; Bearbeiter: Luxner
houbetliute
stM. (Pl.)
1
‘Hauptleute, Anführer’ (bes. milit.; vgl.
houbethërre
und
houbetman
) 2
‘Zinsleute, zinspflichtige Untertanen’
1
‘Hauptleute, Anführer’ (bes. milit.; vgl.
houbethërre
und
houbetman
):
dâ sach man in vil stoltzer schar / daz her sich stellen zû der zît, / als ez
solde in einen strît. / leitsagen [Wegweiser] wurden dô
gegeben / den houbtlûten LivlChr
4214;
geb vns abir got ein gelucke, daz wir iemanne viengen, die sol wir selbe
haben, ez enweren danne houbtlute UrkCorp (WMU)
N746,10;
romisch riche, als ich e sprach, / so ho an gewalde uf brach, / daz sie di
lant her und dar / besatzten mit houbtluten gar Pass I/II (HSW)
2224.
23743.
– (stellvertretende) Träger der Herrschaftsgewalt:
swenn er [der König von
Böhmen] uns sîne Bêheim [die Böhmen]
sant / ze houbetliuten in daz lant Ottok
21997;
dem koning gebot der keisir / gein Vngirn mit im reisin. / Bozey vnd
Muthinam geweldig zcu hant / der herczog macht an siner stad im lant. / do dy
zcwen houblut waren Dalimil
56,5.
– wohl ‘Vorsteher einer Stadt, (Stadt-)
Aufseher’
ob aber die fuerleut van Trint nicht wollen fueren, so sol man faren
lassen, wer da wil, doch das man nem der hauptleut urlaub und geschaft
[Anordnung]
StatTrient
159.
– übertr. auf die Hauptsünden:
ir [der dritten Schar von Sünden] houbtliut
sint grimme. / der namen sîn dir drî geseit: / hôchvart, lüg und gîtikeit
Helbl
7,308
2
‘Zinsleute, zinspflichtige Untertanen’
hominis illuc attinentes, qui appellantur houetlude alibi morantes soluunt de
capitibus suis annuatim marcam UrkMittelrhein
1,178
(a. 1222)
MWB 2 1714,46; Bearbeiter: Luxner
houbetloc
stM.
‘Kopfhaar’ (anders Singer, der houbetloch ansetzt,
vgl. Glossar S. 498):
si pand ir har und ir zoph / oben umb ir haubet lock
HvNstAp
20252
MWB 2 1715,12; Bearbeiter: Luxner
houbetloch
stN.
‘Halsausschnitt’ bei Kleidung (vgl.
houbetgat
und
houbetluoc
):
capitium: hoͮbitloch SummHeinr
1:324,119;
wan ir des rockes houbetloch / sô michel was geschepfet
doch, / daz sich ir hût dâ niht verhal KvWTroj
20221;
ûzen ûf dem ermel was / gerigen [angebracht] ein
edel borte / biz an des ermels orte. / des houbtlochs ansetze wâren sam
Heidin III
3871;
Parz
307,1;
KvWPart
17206
MWB 2 1715,15; Bearbeiter: Luxner
houbetlochen
swV.
nur als Part.Prät.
‘mit einem Halsausschnitt versehen’ (vgl.
houbetloch
):
stirbet der mann, so sol das wip vor aller teilungen vorus nemen ir gewant,
das zu irem libe gehört und was gehoubt locchet ist UrkStraßb
4,2:27,28
(a. 1311);
es sollent auch die vorgeschrieben gewant, was gehauptlöchet ist, ein halp jor
e der man stirbet, gemacht oder gekoufft sin one geverde ebd.
4,2:122,16
(a. 1322).
4,2:122,7
(a. 1322)
MWB 2 1715,24; Bearbeiter: Luxner
houbetlôn
stMN.
‘höchster Lohn’
[
dirre fröde
] ist dennoch gegen dem houbtlône
alsô kleine, als ein puncte gegen dem mere PrNvStr
271,11
MWB 2 1715,33; Bearbeiter: Luxner
houbetlôs
Adj.
‘ohne Kopf’
die boten giengen dô dar în, / dâ si Ortlieben vunden / mit einer starken
wunden / in dem bluote ligen houbetlôs KlageB
863;
zwischen helm unde rant / het in erlanget daz swert; / daz houbet spranc im
hinwert, / daz ros in houbetlôsen truoc Bit
9277.
– jmdn. houbetlôsen tuon
‘jmdn. enthaupten’
waz hulfe, ob ich slüege dich / ode ob du houbetlôsen mich / tætest mit der
dînen kraft? Bit
658.
– subst.:
diu freche [die Königin von Amazûn] , niht diu
kranke, / brach dur manic rotten har / in die houbetlôsen schar [Schar
kopfloser Wesen im Tatarenheer (vgl. Reinfr
20071-20079)]
Reinfr
20122
MWB 2 1715,36; Bearbeiter: Luxner
houbetluc
stM.
‘schwere Lüge, Verleumdung’
ob deheine dem andern ein hoͮbetlug [
mendatium
[...] capitale
] vf leit, im
ze swekenne sine ere, der sol dem beszern ein phunt vnd den burgern ein phunt
UrkCorp (WMU)
26A,40
MWB 2 1715,49; Bearbeiter: Luxner
houbetluoc
stMN.
‘Halsausschnitt’ bei Kleidung (vgl.
houbetloch
):
der roc den unser hêre trûc / was oben, bî dem houbetlûc, /
mit andern tûchern ubernât JvFrst
9394
MWB 2 1715,54; Bearbeiter: Luxner
houbetmâc (?)
stM.
‘nächster Verwandter’ (vgl. DRW 5,313):
der grêve von Massidam / und der burcgrêve Sigeram: / mit hurte sie ûf
einander triben. / ich klage mîn hôhen mage [La.
houbetmâge
] : / die sint beide tôt beliben
[zur La. s. ZfdA 1 (1841), S.
18; vgl. auch ae. hêafodmâga
]
KgTirol
F 6,6
MWB 2 1715,58; Bearbeiter: Luxner
houbetmâlære
stM.
‘hervorragender Künstler, Maler’
ein bilder vürstelicher werk, / ein houbetmaler reiner site, / ein goltsmit
ganzer triuwe Damen
6,3
MWB 2 1716,1; Bearbeiter: Luxner
houbetman
stM.
‘bedeutende, herausragende Person’ (vgl.
houbethërre
und
houbetliute
)
1
‘Oberhaupt, Anführer’ (bes. milit.) 2
‘Bester’ (im Hinblick auf einen best. Sachverhalt)
1
‘Oberhaupt, Anführer’ (bes. milit.):
in manger herten vreise bin ich gewesen zanger / houbt man der tempeleise
JTit
649,2;
Zacheus ainer was genant, / der was gewaltig riche. / er lepte gar weltlich /
und was ain furst, ain hoptman / der súnder [vgl. princeps
publicanorum Lc 19,2]
SHort
7633;
swer samenunge hat, der dez hauptman ist, der gibt fuͤnf pfunt
NüP
98;
alsô wurdin in der stunt / di brûdre tôtlîchin wunt / und der Polênen houbtman
/ vûrtin sî gevangin von dan NvJer
1910;
der künec von Bailîe / Sinagûn der valsches vrîe / der
dritten schar was houbtman Wh
344,3;
KvWTurn
261;
Parz
763,23;
Tr
4592.
GTroj
14335.
– bei Tieren:
aber ir [der Kraniche] hauptman
der hüett ir aller mit aufgerecktem kragen und siht sich umb mit fleiz
BdN
191,5
u.ö.
– (stellvertretender) Träger der Herrschaftsgewalt:
wir haben uns sô bedâht, / daz wir um einen houptman /
den keiser wellen sprechen an, / daz er uns den mit râte gebe, / dem man glîch
gehôrsam lebe Kreuzf
4717;
so sol mich min herre der chvnich fristen, oder swer an siner stat
hauptman ist UrkCorp (WMU)
3083,19;
so hant die burger erwelt R. Brunen her umbe ze einem hoͧptman und
ze einem burgermeister StBZürich
129;
PrBerth
2:230,27;
GFrau
704
2
‘Bester’ (im Hinblick auf einen best. Sachverhalt):
ouch gap der linden tolde / ir schaten, als si solde, / dem
houbetman der wâren zuht [Gurnemanz]
Parz
162,23
MWB 2 1716,5; Bearbeiter: Luxner |