houbetdach
stN.
‘Kopfbedeckung’
swâ manz vor dem huote sach: / der was ein tiwer houbetdach
Parz
63,22;
ûf gebûren swarte / kom nie bezzer houbetdach Helmbr
39;
zuo allem dem gesmîde gib ich dir ein houbetdach, / daz man ob ritters houbet
sô schœnez nie gesach OrtnAW
117,1;
OrtnC
213,1
MWB 2 1708,55; Bearbeiter: Luxner
houbetdecke
stF.
eine kapuzenartige Kopfbedeckung (auch Teile des Oberkörpers bedeckend; vgl.
gugele
):
peplum, amiculum id est velamen capitis vel pectoris: hoͮbttvͦch
vel hoͮbetlachen, hoͮbetdecha SummHeinr
2:411,283
MWB 2 1708,62; Bearbeiter: Luxner
houbetdinc
stN.
‘Hauptsache, wesentliches Merkmal’
ein zwelf jâr alter jungelinc, / stille, zühtic, dienesthaft, daz sint driu
houbetdinc, / diu des urkünde gebent, daz man sich vürbaz mac an im versehen, / ob
er kome an diu zwênzic jâr, / daz er gemeine unt ouch geminne werde
RvZw
200,2
MWB 2 1709,3; Bearbeiter: Luxner
houbetdûht
stF.
‘Kopfschmerz; Blutandrang im Kopf’
swen die houptdühte müent, der binde des
gîres [des Geiers] hout in ein tuoch mit einem
wollînen vadem umbe den hals, sô gewirret ime daz nimêre Barth
155,22
MWB 2 1709,9; Bearbeiter: Luxner
houbeten
swV.
1
‘jmdn. enthaupten’ (vgl.
enthoubeten
) 2
‘jmdn./etw. als übergeordnet, höherstehend anerkennen; jmdm./etw. anhängen,
folgen’
2.1 mit Präp.
ane
und Akk. (nicht immer klar von
ane houbeten
zu unterscheiden) 2.2 mit Pron.-Adv. dâ(r)/ da(r) ane , dâ(r)/ da(r) hin und
dâ(r)/ da(r) zuo 2.3
‘(als Land) zu einer Hauptstadt gehören’ (mit
dâr
oder
hin
und präp. Erg.) 3 in der Wendung jmdm. hëlfen ~
‘etw. durchsetzen, verwirklichen’
1
‘jmdn. enthaupten’ (vgl.
enthoubeten
):
sante Petir wart gecruciget. s. Paulus wart gehoͮbtet
Spec
84,15;
Marsilie hat uile widir mir getan: / er hiz mir houbten zwene
mine man Rol
816;
swer den totslac getut, den sol man haupten
StRAugsb
108,23;
Kchr
8369;
Konr
12,6
2
‘jmdn./etw. als übergeordnet, höherstehend anerkennen; jmdm./etw. anhängen,
folgen’
2.1
mit Präp.
ane
und Akk. (nicht immer klar von
ane houbeten
zu unterscheiden):
allez sin geslechte / houbete an den kvnen degen
Herb
9161;
guter man, sagan, / houbtestu ouch an den man / den sie in disen stunden /
haben alhi gebunden? Pass I/II (HSW)
5588;
hovbet sivnde der sint sibene, vnn niht me, die heizent hovbet sivnde; wan
alle die sivnde, die man irdenchen kan, die hovbetont alle an die siben hovbet
sivnde Bihteb
29;
HvFritzlHl
89,34;
Dietr
301
2.2
mit Pron.-Adv. dâ(r)/ da(r) ane, dâ(r)/ da(r) hin und
dâ(r)/ da(r) zuo:
unz das Rummalus die stat Rome gestifte, da man nú hin
hoͮbtet OberrhChr
41,24;
dannoch stuͦnt des kuͦningis uane / da sie
houbitin ane Athis
C 78;
von Anthyoch vuͦr sente Peter zv Rome vnd besaz den stul da. da wir
alle zv suln hovbeten PrLpz (L)
86,6
2.3
‘(als Land) zu einer Hauptstadt gehören’ (mit
dâr
oder
hin
und präp. Erg.):
si [Jaboc und Arnon] gewnnen
Esebon, / des landis houbit stat, zehant, / dar houbite das selbe lant, / da
Seon ê krone truͦg RvEWchr
14429;
indisin selbin ziten was, /
[...] ze Laurente mit kraft / so
krefterichú herschaft / das dú lant al geliche gar / hoptetin bi
dén ziten dar, / dú noh Ẏtalia sint genant ebd.
19963;
Palakers houbtet hin gegen Endiân Wartb (S)
167,13
3
in der Wendung jmdm. hëlfen ~
‘etw. durchsetzen, verwirklichen’
daz jch jnen sol helfin bi miner trúwe [...]
dis allis hoͮpton vnd fúrdirne mit allim vlize UrkCorp
(WMU)
558,39;
vnd sol oͮch inen der schvltheisse beholfen sin vnd das helfen
hoͮbeton mit libe vnd mit gvͦte ebd.
1798,3
MWB 2 1709,14; Bearbeiter: Luxner
houbet|êre
stF.
‘große Ehre’
dô stuont si [die Gräfin von Bleis] ûf unde neic /
dem künge alters eine / und den vürsten gemeine / und dankete in vil sêre / der
grôzen houbetêre [bezogen auf das Angebot, den König von
Francrîche zu ehelichen]
GFrau
2290
MWB 2 1709,53; Bearbeiter: Luxner
houbetgat
stN.
aus dem Nd. übernommen (vgl. Schiller/ Lübben 2,319; DWB 4,1,1,1488 sowie
Kluge, S. 333 s.v. Gat(t)); in der Form houbetgaʒ dürfte
eine hyperkorrekte verhochdeutschte Form vorliegen.
‘Halsausschnitt, Kragen’ (vgl.
houbetloch
):
sô vindet man ime [dem Kläger] zu rechte:
gezogentlîche bî sîme houbtgate [der Kläger soll seinen Gegner am
Kragen fassen]
SSp (W)
1:63,1;
so vint man zuͦ rechte: gezogenliche bi dem houbitgazze UrkCorp
(WMU)
51,9
MWB 2 1709,59; Bearbeiter: Luxner
houbetgaʒ
stN.
→
houbetgat
MWB 2 1710,5;
houbetgebende
stN.
‘(um den Kopf gebundener) weiblicher Kopfschmuck’ (vgl.
gebende
2
):
si want mit ir hende / wider ab ir houbtgebende
Parz
780,8;
hi nach is giscribin, daz nichein vrowe urmi man mac me
virwirki sinis gutis, dan also viele alsi uri hobitgibende geldi mac. daz sal sex
phennige wert sie Mühlh
165,12
MWB 2 1710,6; Bearbeiter: Luxner
houbetgëlt
stN.
‘Kapital, Grundvermögen’ im Ggs. zu sonstigen Nebenbeträgen
(vgl.
houbetguot
):
syn hauptgelt vnd schaden WeistGr
2,327
(a. 1315);
den schaden suͤllen wir im oder sinen erben mit dem selben haupgelt
gentzlich bezaln vnd abrihten UrkWürzb
40,270
(a. 1339);
und sal dan der vorgenant junge alse lange vorwert leisten, bis daz dem
vorgenant Heinrîch Wîzin heibitgelt und schade genzlîche une gar virgulden wirt
UrkPrivR
146,39
(a. 1344);
UrkHeilbr
6,21
(a. 1277)
MWB 2 1710,13; Bearbeiter: Luxner
houbetgerihte
stN.
‘oberstes Gericht’
darrinne [in den nördl. Ländern]
was, als ichz las, / der lande hoͮbt stat gelegen / unde hoͮbt
stuͦl, do man sach pflegen / ir hoͮbet gerihtes ê da vor
RvEWchr
16670
MWB 2 1710,23; Bearbeiter: Luxner
houbetgeschäl
stN.
Bed. unklar (vgl. DWB 4,1, 2,3831 s.v. Geschäl
‘dünnes Fleischstück’):
sy sullent auch furbaß kain haubtgeschell an dem rintflaisch lassen
UrkEichst
2,153
(a. 1319)
MWB 2 1710,28; Bearbeiter: Luxner
houbetgeschîde
stN.
‘Leiden im Kopf, Schwindel’ (vgl. DWB 4,2,613 s.v.
Hauptgescheid und Hauptgeschein):
lât varen iuwern zorn, / wenne ir habt daz houptgeschîde Renner
12221
MWB 2 1710,32; Bearbeiter: Luxner
houbetgestiudel
stN.
‘Halfter, Zaum(-zeug)’ (vgl.
houbetstiudel
):
capistrum: hoͮbtgestuͤdel VocOpt
26.013.
26.013
MWB 2 1710,36; Bearbeiter: Luxner
houbetgeswër
stN.
wohl ‘Hirnleiden; Tobsucht’ (vgl.
houbetswër
):
frenesis: hoͮptgeswer VocOpt
43.047
MWB 2 1710,39; Bearbeiter: Luxner
houbetgewant
stN.
‘(um den Kopf gebundene) Kopfbedeckung’ (vgl.
gewant
3
):
Gâwân die wunden verbant / mit der frouwen houbtgewant
Parz
507,22;
ze sînes bettes houpte suocht er sîn gürtelgwant [La. haubet
gewant
]
WolfdA
75,1
MWB 2 1710,42; Bearbeiter: Luxner
houbetgezierde
stF.
‘Kopfschmuck’
ich wolde du soldes dir ervar / gesmide guldin, edel gar / von werke, von
gesteine, / gurtel, vingerlin, vurspan reine, / houbetgezierde, gut gesloufe
Schampiflor
269
MWB 2 1710,47; Bearbeiter: Luxner
houbetgolt
stN.
‘goldener Kopfschmuck, Stirnreif’
her [Eneas] sande ein tûre houbetgolt / irre
[Lavinias] meisterinne En
12996;
nie golt so klar geliutert wart in dem heizen fiure. / des wirke ich hie ein
houbetgolt zu krone disen beiden [
manheit unde ritterlich
gemüte
]
Frl
5:46,12;
ir houbitgolt vorwiret mit gesteine edele unde clar, / des was an ir wunder,
des nam dâ manigir war RosengF (LKN)
9,112
MWB 2 1710,52; Bearbeiter: Luxner
houbetguot
stN.
‘Kapital, Grundvermögen’ (vgl. auch
houbetgëlt
und
houbetschaz
):
es ist aber wirser dann wüecher, wann sy den herren an irem hawptgüet nichtz
dafür abtzyehent Schachzb
66,194;
vindet ein cristen sin gut in eins iuden gewalt daz im
verstoln oder geraubet ist, daz sol im der iude wider geben umbe daz hauptgut
StRAugsb
55,15.
99,11.
– in Verbindung mit Zinsen (vgl.
gesuoch
):
swelher jud leihet uf pfant, der sol uf dem selben pfant
haben habtguͦt und gesuͦch StRMünch
289,2;
[der Burggraf an seinen Vogt:] wis den juden beholfen
gein aller manclich vmb ir gult, ez sei heubtgut oder gesuch UrkWürzb
39,219
(a. 1323);
SchwSp
75b;
StRAugsb
20,22;
UrkHohenz
2,371
(a. 1323).
– in Verbindung mit (Geschäfts-)Gewinn (vgl.
gewin
):
sô sîn wille alsô ergât, / daz houbtguot uns hie bestât, / den gewin er mit im
füeret hin UvEtzAlex
1998;
hat er fonf pfont [...] vnd wil da mit chavffen oder
verchavffen [...] so sol er gewin vnd havbtguot verstiwren
DRW
5,297f.
(Bergmann, München; a. 1294);
KvHelmsd
3642;
StRAugsb
169,25.
– in Verbindung mit (finanziellen) Verlusten (vgl.
1schade
):
noch enmag kain iude uf sine pfant niht mer behaben
hauptguͦtz und schadens denne das pfant werd StRAugsb
55,3;
de regthere sulen deme uͥden alse wale regthen vanme schaden alse vanme
hoiftgude UrkKöln
4,120
(a. 1327);
StRMünch
289,7;
UrkStraßb
3,118,19
(a. 1297)
MWB 2 1710,61; Bearbeiter: Luxner
houbethaft
Adj.
‘außerordentlich, besonders’
1 in negativem Kontext 2 in positivem Kontext
1
in negativem Kontext:
dich und dîne genôze / füeret er [der Teufel] hiut
in die helle / du bist der untriwen geselle. / dô si die rede getâten, / zesamne si
aber trâten / mit houbethafter vîentschaft StrKarl
12047;
daz wurde ein houbthafte scham / beide mir und minen kinden
StrKD
4,68;
besnîdet iuh von houbethaften
mailen [Makel] , / iwer herze machet raine
Kchr
9426;
RvEBarl
14781;
HeslApk
4656.
– häufig
~ sünde
‘schwere Sünde, Todsünde’ (vgl.
houbetsünde
):
von in [
hôchvart, unkiusche und
gîticheit
] kumt luoder unde frâz, / spil,
arcwân, nît, zorn und haz / und manic ander houbthaftiu sünde
Renner
15899;
sin erstiz werch Adames was ein hoͮbthaft sunde
Spec
7,10;
diser tot der fuͤr daz
puͤritor [Stadttor] hintz dem grab getragen
waz, der bezeichent einen ieglichen menschen der mit toͤtlichen
suͤnden und mit haubthaften suͤnden gevallen ist
PrOberalt
161,33;
PrBerth
1:488,16;
StrKD
147,147
2
in positivem Kontext:
die este [an einem allegor. Baum] habent iemer
jugent: / daz sint die houbethaften tugent StrFra
1292;
ein bilder houbethafter zuht, / ein volliu gruft der sinne RvZw
136,4
MWB 2 1711,26; Bearbeiter: Luxner
houbethaftic
Adj.
1
‘schlimm, verhängnisvoll’
2
‘einer Leibes- oder Lebensstrafe unterliegend’ (bei Kapitalverbrechen) (vgl. WMU 2,885)
1
‘schlimm, verhängnisvoll’
nû weste der arme herre niht / der houbethaftigen geschiht, / diu im dâ heime
was geschehen [ein feindl. Heer erwartet ihn]
Mai
157,36.
–
~ sünde/ gebrëste
‘schwere Sünde, Todsünde’ (vgl.
houbetsünde
):
die houpthæftigen sunde, / der si vermiden chunde, / der
besæze daz himel riche StrKD
144,21;
er [der Teufel] hat sherphe zende als der lewe.
[...] mit dem zande werdent ertoetet alle die in
hoͮftaphtigen sunden vervarent PrLeys
18,38;
nv flege [anflehen] wir die
getriwen, / daz si vns mvͤzze enriwen [l.
ent|riuwen, vgl. Glr. Z. St.] / von
hauphaftiger svnde Wernh
A 2305;
Spec
47,6;
SHort
8749;
unde wirt er [der Mensch] vunden an eime
houbethaftigen gebresten ([...]: diz sint houbetsünde),
wizzet, wer an der einem wirt funden, der muoz êwiclîche verlorn sîn
Katrei (Pf)
454,9
2
‘einer Leibes- oder Lebensstrafe unterliegend’ (bei
Kapitalverbrechen) (vgl. WMU 2,885):
daz dehain rihtær noch amptman [...] iht suͦln
haben ze rihten vͦber læzlich geschiht oder vͦber hauptheftige, noch
vͦber leiplich oder des gutes UrkCorp (WMU)
2345,16
MWB 2 1711,50; Bearbeiter: Luxner
houbethâr
stN.
‘Kopfhaar’
sie [Hersint] det einen duc
zvͦ der helle. [...] da hat sie daz huͦbethar
uerlorn ReinFu
S2,914
MWB 2 1712,9; Bearbeiter: Luxner
houbethërre
swM.
‘bedeutende, herausragende Person’ (vgl.
houbetliute
und
houbetman
)
1
‘Oberhaupt, Anführer’ (bes. milit.) 2
‘Kirchenpatron, Hauptheiliger’
1
‘Oberhaupt, Anführer’ (bes. milit.):
des huses hŏbet herre [...] / enpfing mit
grossen eren den Kriechen vil gemeit WolfdD
944,1;
der keiser hete heimelîche an geschriben, alle die schuldic waren an dem
babeste; die hiez er offenliche nennen, die houbetherren der getat BuchdKg
(M)
175,4;
in wart in den selben tagen / kunt getan
[...] daz ælliu haidenschaft / da mit gewalt læge
[...] und daz Wildhelm der Osterman /
des [Gen.] hauptherre wære WhvÖst
16241;
in ain ander dar und dar / begunden si sich werren, / des
strites hoͮbet herren RvEWh
1242;
Tr
18948;
KvWPart
3318;
Ammenh
7277;
Dietr
8571
2
‘Kirchenpatron, Hauptheiliger’
unde wil ein vrier man sich selben an eine kilchen geben. dem heiligen der da
hovbetherre ist. daz mag in nieman erwenden SchwSp
142a;
ich hân ir [vorzüglicher Männer] mêre denne drî
gesehen, / die wêrlich mir niht konden verjehen / welch heilige in iren kirchen wêr
/ houbtherre Renner
2656;
da von bite wir euch fleizziglichen, daz ir got zu einem lobe und unserm
hauptherrn zu ern [...] daz selbe heyligtume also erlichen
enpfahet UrkBasel
4:166,29
(a. 1347);
StatTrient
114
MWB 2 1712,12; Bearbeiter: Luxner
houbethof
stM.
‘Amtssitz’ (hier des Papstes):
binnen dirre zit geschach, / daz der pabest tot gelac, / der zu Rome da pflac
/ des amtes an dem houbthove Pass III
64,79
MWB 2 1712,37; Bearbeiter: Luxner
houbethovestat
stF.
‘Richtstätte’
die ratgeben habent ab genomen mit gemainem rate, daz man vor
Gekinger tor an der houpthofstat nieman mer houpten sol StRAugsb
234,29
MWB 2 1712,41; Bearbeiter: Luxner |