hornval
stM.
‘an die Aussätzigen fallendes Gut’ (vgl.
hornbruoder
mit Lit.):
und sullent die zwei teil [des minderwertigen
Brotes] geben in daz spitâl und daz ander dritteil an den hornval,
den ûzsetzigen StRMeran
416
MWB 2 1698,21; Bearbeiter: Hansen
hornvël
stN.
Haut aus Horn:
er sluͦg sie [die Mutter der
Riesen] uf daz horn vel, / daz der slag wart so hel / daz er ir
durch daz hertze hal / und druz daz leben verstal Rennew
30817
(vgl.
und sint der [Riesen] huͤte / von harte
dickem horne ebd.
30410f. )
MWB 2 1698,26; Bearbeiter: Hansen
hornvihe
stN.
‘Hörner tragendes Vieh, Hornvieh’, hier metonymisch für dessen
Fleisch:
ouch sal keyn knochenhaͤwer saltzen hornvehe, he en wolle eß dan selbiz
bederben [gebrauchen] in syme huse
StRHeiligenst
69
MWB 2 1698,31; Bearbeiter: Hansen
hornzeichen
stN.
‘Hornsignal’
der truchsêze Tinas / mit sînen jagetgesellen was / dem
künege alsô nâhen kumen, / daz er wol hête vernumen / sîn hornzeichen und sîn horn
HvFreibTr
3573;
ir hornzeichen hornten sie ebd.
2421
MWB 2 1698,36; Bearbeiter: Hansen
horrehuon
stN.
→
urhuon
MWB 2 1698,41;
horsac
stM.
‘mit Dreck angefüllter Sack’ (bildl. für den vergänglichen
menschlichen Körper):
allez daz uz dem menschen get. / daz man grifet vnd siht. / daz ist hor vnd
anders niht. / wirt ez inder sere wunt. / da beginnet er stinken sazestvnt. / sint
der stinkent har sack / sin hochvart niht lazzen mak StrKD
81,Zusatzv. g;
hie dez menschen horsacke / der wiget gen dem smacke / dez himels als ein bone
/ tvot gein der goldes crone Martina
248,9.
120,63;
mich armen horsag und mist / sult ir nit han fúr
Jesum Crist! SHort
2425.
– im Vergleich:
dar zuo wil dû ir den lîp, der ir iezuo ist als ein horsac, wider geben ze der
wünneclîchen urstende liehter danne diu sunne DvASchr
385,17
MWB 2 1698,42; Bearbeiter: Hansen
hœrsagen
subst. Inf.
in präp. Wendungen mit von, mit, nâch
‘vom Hörensagen, durch Erzählungen anderer’ (vgl.
hœren
1.4):
sage mir, hest dv mir von hoͤrsagende also vil von Rome geseit oder
bist du selber do gesin? MerswZM
70,9
u.ö.;
do kam ouch ein gemeinre schelme und ein sterben under die lute
dar [in Straßburg] , daz nieman von ime selben gedohte
noch von horsagenden, daz so groszes sterben ie do gewere ClosChr
120,16;
daz mit hoͮre sagenne nieman einen widemen erzugen mag UrkCorp
(WMU)
N167,22;
nach hörsagen DRW
5,1551
(StraßbMünzg.; um 1330)
MWB 2 1698,56; Bearbeiter: Hansen
hôrsam
Adj.
‘gehorsam, untertan’ (mit Dat.; vgl. Schiller/ Lübben
2,304; vgl. auch
gehôrsam
Adj., Adv.):
er hatte ouch ertzengels kraft, / wande er vil hôrsam was / sînem vater, als
ich las, / unde alsô gâr gehorsam, / daz er den tôt an sich nam
Kröllwitz
1876;
herre [d.i. der
lantgrâve
] , wol seht daz ir, / wie û hôrsam wesen wir,
/ wie ouch gar willic und bereit / wir warten an ûwer werdicheit
Kreuzf
4710;
des sol beide spat und vru / im horsam wesin min lib
Brun
9596
MWB 2 1699,4; Bearbeiter: Hansen
hôrsam
stM.
‘Gehorsam, Gehorsamspflicht’ (vgl.
gehôrsam
stM.):
du solt gemartert werden mit mir, verraten in der abegunst,
gesuͦchet in der vare, gevangen in dem hasse, gebunden in dem horsame
Mechth
1: 29,6;
do di gotes degene / mit gebet unt mit segene / pegiengen ir
gehorsam [La. iren horsam
]
Rol
5801;
der stein bezeichent den horsam; / her si ro wilde adir zam /
her sal e gehorsam sin / und gedenken an gotes pin Brun
1796.
3724.
–
‘klösterlicher Gehorsam, Klostergelübde’
ein ieglich aptruͤnne / der ist ane gotes hulde, / und
wirt geniwet diu shulde / der suͤnden der er dich erliez, / da din lib die
gehorsamin [La. den horsam
] gehiez
Rennew
16176.
– in der Wendung ~
tuon
‘ein (Kloster-)Gelübde ablegen’
her habe hôrsam getân oder nicht, her hât doch den herschilt neder gelegit
SSp
76,13;
bruͤder Hainrich von Múndelingen vnde bruͦder Hainrich
der Buͤmaister, die horsam da getan hant UrkCorp (WMU)
3296,6
MWB 2 1699,14; Bearbeiter: Hansen
hôrsame
stF.
‘Gehorsam, Gehorsamspflicht’ (vgl.
gehôrsame
):
div horsami div dem merren wirt irbotin· got wirt
getan [
oboedientia quae maioribus praebetur Deo
exhibetur
]
BrZw
5.
7.
72
u.ö.;
der richtare da ze himele / haizet si selbe uallen. / den
allen / gehaizet er selbe sinen segen, / di in siner gehorsam [La.
an sinere horsam
] wellent leben [sein
Gebot erfüllen wollen]
Rol
3368
MWB 2 1699,34; Bearbeiter: Hansen
hôrsamen
swV.
‘Gehorsam leisten, gehorchen’ (vgl.
gehôrsamen
):
von der minne gitriwende von der hilfe gotis er horsamei
[
ex caritate, confidens de adiutorio Dei,
oboediat
]
BrZw
68.
5.
71.
– mit Dat.:
he sprach: ‘o du iungelinc, stant vf.’ di tote di uf stet, he
horsamminde dem worte in der zit [interl. zu ait: ‘o
iuuenis, surge.’ mortuus assurgit parens dicto in
tempore
]
Sedulius
1v,6;
von gehorde des orin er horsamut mir
[
obauditu auris oboedivit mihi
]
BrZw
5.
53.
– subst. Part.:
wolnusten horsamende [
voluptatibus
oboedientes
]
BrZw
5
MWB 2 1699,42; Bearbeiter: Hansen
hort
stF.
→
hurt
MWB 2 1699,53;
hort
stM.
auch hart; flekt. -de-, auch -te-
(z.B.
Daniel
3298);
im Pl. auch umgelautete Formen (
RvEWchr
31827;
PrBerth
1:467,27 ).
1
‘Schatz’
1.1 eigentl. 1.2 übertr. 2
‘große Menge, Fülle’ (offen zu
1.2
) 3
‘Ort, an dem ein Schatz lagert, Schatzkammer’
1
‘Schatz’
1.1
eigentl.:
ein man vant einen grozzen hort. / do wande er, daz er an
ein ort [Ende] / siner armuͦt chomen wære
StrKD
67,1;
bî Nibelunges horde NibB
88,3;
von silber und von golde / butens im grôzen hort
UvZLanz
8327;
rîchtuom, guot und grôzer hort RvEBarl
4966;
der nach golde niht hinegie noh gedinget an des hortes schatze
[interl. zu qui post aurum non abiit. nec sperauit in
pecunie thesauris
]
PsM
Per 21,8;
Wh
283,5;
KvWWelt
203.
– phras. etw. (guot, schaz o.ä.) ze ~
lëgen
‘etw. sparen’
Tandareis [...] / kunt niht daz guot ze horde
legen, / ez gap sô willeclîch der degen / armen unde rîchen / sîn gâbe sô
mildeclîchen PleierTand
18012;
ez sol auch nieman dhein silber da chauffen, denn daz er ze hort legen
welle, oder hintz marcht welle fveren UrbBayJ
529;
LBarl
5839.
– wohl hierher i.S.v. ‘Schmuckstück’ (oder
Textverderbnis? vgl. Anm.z.St.):
zu allen vier porten / junckfrawen mit reichen horten
/ peschlagen giengen außher do HvNstAp
13172
1.2
übertr.:
si hânt der sælden meisten hort / an dirre werlte
SM: JvR
1: 10,4;
witz ist ein hort, der niht enkan / geroubet werden, noch
verstoln KvWTroj
2052;
der Mîssenær hât sanges hort in sînes herzen schrîne
KvWLd
32,286;
got lâze uns hie sô wol geleben / daz wir besitzen iemer
dort / der êwiclichen fröuden hort KvWSchwanr
1642;
[Gott ist] der beste hort
[...] ob allen hörden PrBerth
1:467,27;
sus teilet got siner genaden hort Vät
2747;
der bezeichenunge hort [den
‘Bedeutungsschatz’ des spirituellen
Wortsinns] / erkande er niht RvEBarl
1547;
StrKD
61,220;
LvRegFr
4948;
SHort
73.
– spez. ‘Wort-, Sprachschatz’
sam truog Boethius von kriechisch in lateines hort mit
fleiz waz Aristotiles het in die kunst gedrungen BdN
Reimvorr. 5,5.
– von Personen (auch Gott):
do er sach das sein hort, / ich main sein eliches
weib, / hette geleget in unzucht iren leib HvNstAp
14659;
vraw Tzucht di chlagt von hertzen / ir trautez lieb und irn hort
Suchenw
11,113;
nu chûm, herre, aller tugent hort, / erloͤse
mich von den toͤden wider / in den ich lige von vorchten nider
GvJudenb
970;
dû, rehter hellehunt, / muost immer sîn des tiuvels
hort Ottok
3457;
Hawich
1016;
WhvÖst
15894
2
‘große Menge, Fülle’ (offen zu
1.2
):
daz ich des alles sî gewert, / des ich von worten hân gegert,
/ und habe des alles vollen hort Tr
4911;
mit eim stecken er si [die Ziege] umbe treip / unt
sluoc ir slege einen hort Bîspel (Pf)
11,27;
der [der Steuereinnehmer] quam in Jerusalem dort /
mit einer grozen rote hort [
cum turba magna I Mcc
1,30]
Macc
1526
u.ö.;
franzoyser sprâche kund er hort [er beherrschte
sie ganz und gar, wörtl. ‘konnte er eine
Menge’
]
Wh
192,12;
durch preises hort [höchstes Lob]
Suchenw
14,335;
sünde und lasters hort SM: KvL
12: 4,8;
jâmers hort Wh
306,6;
Parz
683,25;
SM:JvR
1: 2,1.
– wohl auch ‘Sippe, Geschlecht’ (?), an offenbar
verderbter Stelle (vgl. tschech. Vorlage):
ich wil dich mid den deinen hort / als lange beschermin, als ich bin
Dalimil (B)
45,46
3
‘Ort, an dem ein Schatz lagert, Schatzkammer’
du hast den schatz der alden, /
[...], / an eime horde vunden Vät
38639;
dar were ein man gebunden, / der hette schatz gevunden / an
vil grozen horden ebd.
38665
MWB 2 1699,54; Bearbeiter: Hansen
hortære
stM.
→
hordære
MWB 2 1700,58;
horten
swV.
→
horden
MWB 2 1700,59;
hortgadem
stN.
hier -gaden.
‘Schatzkammer’
an schaz kamer [...] / alde an hort gaden
PrSchw (Sch)
397a,29
MWB 2 1700,60; Bearbeiter: Hansen
hor|tumel,
hor|tûbel,
hor|tûchel
stM.
auch hore-.
die Rohrdommel, ein Vogel (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 383ff.;
s.a. AWB 4,1268ff.):
onocrotalus, onocrotolus avis delectans stagnis et paludibus id est: hortubel,
hortdumil, horoduchil SummHeinr
2:386,61;
cretobolus: hortubel ebd.
2:241,01.40;
onocrotalus: hortumil ebd.
1:162,698.
2:65,239;
onocrotalus : horredubil Gl
3:355,6
(BStK927);
cretobolus : hortubil ebd.
3:360,62
(BStK927).
3:672,9
(BStK287)
MWB 2 1700,63; Bearbeiter: Hansen
hôrunge
stF.
1
‘das Hören, Anhören’ (von etw.; zur Übers. von lat.
auditio und auditus ) 2
‘Zugehörigkeit, Hörigkeit’
1
‘das Hören, Anhören’ (von etw.; zur Übers. von lat.
auditio und auditus):
uone horunge dere ubilen nihne furhtet er PsWindb
111,7;
von der poßen horung PsMb
32 (Glossar);
BrZw
67
2
‘Zugehörigkeit, Hörigkeit’
das sö [...] in deheine wise schuldig sint zetuonde
deheinen dienst, den ein burgere von sinen burgrehte oder ieman anders von siner
horunge der stat [...] zuo Offenburg tuͦn sol
DRW
5,1564
(FreibDiözArch.; a. 1310)
MWB 2 1701,8; Bearbeiter: Hansen
horvaʒ
stN.
ein Gefäß aus Ton, Lehm:
ist er [das Götzenbild] silber oder golt, / vil
starke dû sîn hüeten solt; / ist er steinîn oder von hor [hier
‘Ton, Lehm’
] , / so enbesliuzestu niht daz
tor, / [...]; / der got von golde ist umbe daz / swacher
denne ein horvaz LBarl
13266
MWB 2 1701,18; Bearbeiter: Hansen
horwehtic
Adj.
‘schmutzig’
ich sach sin schoͤppfenisse [den
Teufel] mit geistlichen oͮgen: swartz, horwehtig und eime
grúwelichen manne gelich Mechth
7: 7,28
MWB 2 1701,24; Bearbeiter: Hansen
hörwelîn, hörwel
stN.
auch hoͤrwli, hörbel; Dimin. zu hor.
‘Schmutz, Schlamm’, hier konkret
‘Schlammbrei’
do spirzte er [Jesus] vz in di
erden vnd machte ein hörbel vz der speischel. vnd straich daz hörbel über sin
[des Blinden] augen [Io 9,6]
EvAug
238,13.
238,22.
239,2;
hoͤrwelin EvAlem
52 (Io 9,15);
hoͤrwli ebd.
52 (Io 9,6)
u.ö.
MWB 2 1701,28; Bearbeiter: Hansen
horwen
swV.
→
horwigen
MWB 2 1701,35;
horwic
Adj.
auch horig, horg, harbic.
‘schmutzig, dreckig’ (zu
hor
stN.):
dô was diu selbe strâze / horwec ûz der mâze, / als ez ofte in
grôzen steten ist Eracl
3878;
so chumpt ewr hunt her mit horwigen fuͤzzen. vnd vnsaubert vns vnser pet
gewant GestRom
116;
weil er sich nicht waschen gat, / so ist er albeg harbig
Teichn
283,17
u.ö.;
horgez antlitze UvTürhTr
2485;
NvJer
25132;
sprichw.:
ich weiz wol, daz horwic hant / mechet selten wîz gewant Freid
70,6.
–
‘schlammig’
daz gemain wazzer [...] macht die
strâz horwig BdN
104,26
u.ö.;
swâ er [der Hirsch] siht dorn und horgen wech, dâ
uber springet er, unz er die truchene begrîft PrStPaul
14,23;
ez was ein horwigez muor, / dâ diu just
[Tjost] zem êrsten geschach UvZLanz
2916;
als dicke so die vrosche varn in eime horigen phuͦle PrLpz
(L)
65,3.
41,30.
– einen Farbton bezeichnend:
swel mensche ist calt unde trukener nature, der [...]
ist an dem libe horwic gevar oder ert var Lucid (H)
23,13.
– bildl. von Sünde:
die sich nich in der misten / der horigen sunden welgen / und
iren schepfer nicht irbelgen, / die sint priester genamet dort
HeslApk
1151;
sie waschen abe die sunde / von horiges herzen grunde / mit
ruwen tragenden tropfen ebd.
2094;
swenne vns unser missetât / swarz unde horich gemachet hât
Kröllwitz
1686.
– vom vergänglichen menschlichen Körper (vgl.
horsac
,
horlade
):
ach liͤp, nu wis unfro, / du geschanter lip, du unreines
as, / [...] / du wurme spise, du horwiger sack Erz
III
6,65;
der horwige irdenische sac PrBerth
1:98,22;
die [
sele
] lutter von im
gesant / wart in diz horeg gewant HeslApk
1898
MWB 2 1701,36; Bearbeiter: Hansen
horwigen, horwen
swV.
horwigen nur verkürzt horgen.
‘etw./ jmdn. beschmutzen, beflecken’ (übertr.
von sündhaftem Verhalten; vgl.
behorgen
,
gehorwen
):
dv solt dich gehabin wol / wis ane leit vnd ane dol / und wis gar ane sorge /
daz dich kein sunde horge Martina
77,72;
der horwet der toufe cleit / der houbethafte sunde tut
HeslApk
4648;
daz sie daz cleit nicht horwen ebd.
4665.
4769(La.)
MWB 2 1702,5; Bearbeiter: Hansen
horwurm (?)
stM.
Ansatz und Bed. unsicher, wohl ein Darmparasit (vgl. hor in der Bed.
‘Kot, Mist’; oder zu
hârwurm
?):
wil dû die horwürme vertrîben, sô nim honich unde mirren unde zinziber unde
siud daz in ainer airschal Barth
159 (Anhang)
MWB 2 1702,13; Bearbeiter: Hansen |