hâ – haber- haberlîte – hachelen hachelwërc – hage hage- – 2hagen hagen- – halbe halbe – hallergëlt hallergülte – halphimel halp|hunt – halpvaste halpvierteil – halser halsgebeine – halsveste halsvlinken – hamerslac hamerslahen – hanef hanef|âkambe – 1hansen 2hansen – hantgiften hantgiftphenninc – hantsalbe hantschmänt – hantvestlich hantvestunge – hârbendelîn hantvestunge stF. hantvingerlîn stN. hantvol stF. hantvölleht Adj. hantvöllic Adj. hantvride stM. hantvridebrëche Adj. hantvridehaft Adj. hantwërc stN. hantwërcknëht stM. hantwërcliute st.Pl. hantwërcman stM. hantwërcmeister stM. hantwërkære stM. hantwërkic Adj. hantwîle stswF. hantwinden stN. hantworhticheit stF. hantzoum stM. hap stN. har Adj. har stM. hâr stN. hârbant stN. hârbendelîn stN. hârblôʒ – hârlouf harm – harnaffe harnasch, harnas – 1harre 2harre – hartruore hartsinnic – haselbir haselbluome – hasenvleisch hasenwint – havendierne havengazzer – haʒʒiclich haʒ|zorn – heberînmelwer hebesal – 3hecken heckenjeger – hegelîn hegeln – heidenisch heidenischheit – heilalle heilant – heilige heiligeistlîcheit – heilvuorlich heilwâc – heime suochen hei|metze – heimvart heimvartlich – heitber, heidelber heiter – heiʒmuot heiʒsühtic – hëlfebære hëlfebërnde – hëlkleit helle – helleglocke hellegluot – hellemunt hellemünzer – hellerigel hellerîs – helle- hellesun – hellevreisærin hellevunke – hëllunge helm – hëlmschîn hëlmschirbe – helwërtwitze hely – hendewinden hendewringen – hennenvuoʒ hentschuocher – herbërgen herbërgerîe – hêre herebërge – hergesidele hêrgesidele – hêrischheit hërkêre – Herodære Herodiane – hêrrennôt hêrrenphruonde – herschrîære hêrschunge – hertes hërtgëlt – hërverloufen herverten – hërzeblüete hërzebluot – hërzekrachen hërzekranc (?) – hërze|nabele (?) hërzenandâht – hërzenvride hërzenvrô – hërzestôʒ hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn hërzewaʒʒer – heselîn heselîn – hîbære hichela – hierunder hiesch – himelbalsem himelbære – himelgesanc himelgesinde – himelknabe himelknolle – himelpalas himelphat – himelschheit himelschlich – himelstîge himelstîgunge – himelval himelvane – himelvürste himelvürstin – hinde hinden – hindergêunge hindergrîfen – hindernisse hinderrât – hinderstelle hinderstellic – hinderwërtlingen hinder wîchen – hinker hinkêre – hinnëben hin nëmen – hînt hintber – hinwërt hinwësunge – hirngupfe hirnhût – hirtelîn hirtelôs – hirʒmilch hirʒ- – hiu hiubelhuot – hiuten hiutezucker – hôchgebirge hôchgebluomet – hôchgenant hôchgenende – hôchgewaltic hôchgewîht – hôchmeister hôchmësse – hôchvart hôchvart – hôchzîtkleit hôchzîtlich – hœhe hôheclich – holde hölde – hol|loch hol|louch – holzapfelîn holzban – holzheit holzhërre – holzschuoherin holzstîc – honec honec|bluome (?) – honec|tranc honec|triefende – hônheit honic – hopfenziech hopferebe – horgen horgewat – hornicsprenget (?) hornîn – horten hortgadem – hospitâl hossen – houbeten houbet|êre – houbetkleit houbetklôster – houbetman houbetman|ambet – houbetsachwaltære houbetschande – houbetsünde houbetsündic – houbetwaʒʒer houbetwëgen – höuptinc höurëht – höuwezëhende houwic – hovegeselle hovegesinde – hovelich hovelîche – hovephenninc hovephliht – hoveschar höveschære – hovestatzins hove|stetære – hovezins hovezorn – 1hûchen 2hûchen – hüenerhirne hüenerhûs – hûfeht hufel – hügenisse hügenumft – hüllenwëbære hüllenwëbærinne – humerâl hummen – hundertweide hundesber – hungergîtic hungerhâr – hunt huntaffe – huobdinc huobe – huof huofblat – huorgelust huorgelustic – huotelôs huote|strëbe (?) – hurmelen hurnaʒ
– hurticlich hurtieren – hûs|êre hûsgëlt – hûslode hûslôs – hûsvrouwe hûswer – hûwen hûwen – hy
|
hantvestunge
stF.
‘Urkunde’
in alle deme rechte inde in der vriheide inde in den guͦden gewoneden, die si
van alders mit haintvestingen in geschrichte inde sunder geschrichte here haint
bracht UrkCorp (WMU)
3485,12;
so wa der stede reht van Colne, vriheide, guͦde inde redelighe gewoneden jnde
hantuestingen vnzwiflig sint ebd.
43AB,46,42,41;
[Kaiser Konstantin] gaff [...]
sente Silvester dat roymsche rich / ind hantfestinge, dat alle
paise [Päpste] weren / vuͦrwert des roymschen riches
heren HagenChr (G)
559
MWB 2 1195,36; Bearbeiter: Tao
hantvingerlîn, -vingerl
stN.
‘Ring, der an der Hand getragen wird, Fingerring’
dise vrowe hate siben meide [...]. di sechste di tet
ir ane daz hantvingerlîn an di hant HvFritzlHl
238,10;
daz man ez [das durch Essig weich gemachte
Ei] leiht mit der hant [...] müg
[...] sô lang geziehen, alsô daz man ez durch ain
hantvingerl zieh BdN
352,33.
–
‘(königlicher) Siegelring’
mit unserm grossen ingesiegel versiegelt und unserm handvingerlin und auch
unser selbes hendeschrift gezeychnet DRW
5,47
(a. 1349)
MWB 2 1195,47; Bearbeiter: Tao
hantvol
stF.
1
‘soviel eine Hand fassen kann’ ; mit Gen.d.S. 2
‘eine kleine, unbedeutende Anzahl (von Leuten)’ ;
1
‘soviel eine Hand fassen kann’; mit Gen.d.S.:
man sal nemen ein hantuol sabenboumes vnde zwo hant uol
saluei vnde ander halbe hant uol ruten SalArz
115,57;
eyne hantfol weyssenre [wächserner] kerzen
UrkGerKöln
364
(a. 1336);
drî hant vol [...] / des korns Philipp
4475;
Ipocr
55;
BenRez
25;
Seuse
214,2.
– ohne Gen.d.S.:
von siner gæhe kam im daz / daz er [...] vergaz /
bî dem mülsteine / melwes alsô kleine, / ez fulte kûme eine hant. /
[...] unde gâhte hin wider / da er die hantvol hete
verlân Bîspel (Pf)
17,15.
17,31.
– personif.:
sage ane, muntvol, wiltû dich / hantvol gelîchen? daz ist doch vil
ungelich: / wil danne hantvol schôzvol übermenegen, des enmac niht sîn
RvZw
97,2.3.7
2
‘eine kleine, unbedeutende Anzahl (von Leuten)’;
mit Gen.d.P.:
ein hant vol rîter Wh
107,21;
unser ist kume ein hantvol Rennew
31477;
ir hantvol gein unser menige niht enwigt Loheng
2835;
Martina
281,92;
Brun
11143.
– ohne Gen.d.P.:
man sach mit manlîcher wer / des marchgrâven Willelms her,
/ die hant vol als er mohte hân Wh
13,9;
waz touc diu hant vol genant / gein dem her ûz al der
heiden lant? ebd.
328,29
MWB 2 1195,58; Bearbeiter: Tao
hantvölleht
Adj.
‘die Hand füllend, soviel eine Hand fassen kann’
sie wurffen den bruͦch hantvollecht off yn und wuczeten uff
yn, als er ein dieb were und man yn zum galgen furen solt Lanc
605,15
MWB 2 1196,17; Bearbeiter: Tao
hantvöllic
Adj.
‘die Hand füllend’
sam gelw, sidin risten [Haarzöpfe] ,
/ gros, hanpfollige, linde / hat [l. hant
] aller kaiser kinde / gevlohten noch enpflohten SHort
5811;
unde sol er in siner hant haben einen aichinen stap, der sol
einer dumellen lanch sin unde sleht [...] unde hantvollic
StRAugsb
89,31.
–
‘soviel eine Hand fassen kann’
er want sin hend [...], er rauffte
sin har uß hantvöllig, er reiß sin cleider Lanc
69,23
MWB 2 1196,22; Bearbeiter: Tao
hantvride
stM.
sw.
KarlGalie
12172.
‘mit Hand und Mund gelobter Friede, Friedensgelöbnis’
jst aber der hantfride mit dem toͤtslage gebrochen, so sol des mage einer, der
da erslagen wart, clagen UrkCorp (WMU)
879HKSa,19;
StRAugsb
122,5;
KarlGalie
12172;
UrkWittelsb
2,115
(a. 1300);
mag in [den Friedensbrecher] danne
der clager beziugen mit drin mannen [...], daz er den
hantfride gaeben hat in des mannes hant, der im den fride chunte, so sol im der vogt
rihten mit der aehte StRAugsb
122,28;
unde wirt under den ein rehter hantfride gemachet ebd.
85,13;
UrkWittelsb
1,141
(a. 1255).
1,344
(a.1281);
MGHConst
2:596,27
(a. 1256);
UrkWittelsb
2,115
(a. 1300);
von den herren wart dô sâ / ein hantvride genomen dâ
RvEAlex
2366;
des heten hantvride getân / Gramoflanz und Gâwân
Parz
691,3
MWB 2 1196,31; Bearbeiter: Tao
hantvridebrëche
Adj.
‘den hantvride brechend’
vnd sol der rihtær den gewalt haben, daz er selb dritte bewær di schuld ovf
den fridbrechen man. ob der hantfridbræch man ehaft not bewæret, daz er ze dem tag
niht chomen moͤht [...], so sol man im ze reht einen andern
tach geben UrkCorp (WMU)
475AB,23
MWB 2 1196,48; Bearbeiter: Tao
hantvridehaft
Adj.
‘durch einen hantvride gebunden’
ist daz, daz der hantfridehafte man ehaft not bewæret, daz er ze dem tage niht
mohte chomen UrkWittelsb
1,141
(a. 1255)
MWB 2 1196,55; Bearbeiter: Tao
hantwërc
stN.
vgl.
antwërc
.
1
‘Arbeit mit Händen, Handarbeit’
2
‘Handwerk’ (vgl.
antwërc
2 ) 2.1
‘(berufsmäßig ausgeübte, gewerbliche) Tätigkeit eines Handwerkers’
2.2
‘Recht, ein Handwerk auszuüben’
2.3
‘ Handwerkszeug, Gerätschaft’
2.4
‘Handwerkerschaft, Zunft’
3
‘mit der Hand Geschaffenes’
4 für antwërc
1
‘Kriegsgerät, Belagerungs- und Wurfmaschine’
1
‘Arbeit mit Händen, Handarbeit’
mvzzicheit ist ein viint der sele [...] so werdin di
brvdere becunberit mit hanwerkin BrHoh
48
2
‘Handwerk’ (vgl. →
antwërc
2)
2.1
‘(berufsmäßig ausgeübte, gewerbliche) Tätigkeit eines Handwerkers’
so svns [sollen sie (die
Handwerker)] mit allir diemvͦti an ir hantwerche sin [
cum omni humilitate faciant ipsas artes
]
BrEng
57;
daz her ein gantz jar blibe in der stat an sime hantwercke
StRSchweidn
523
(a.1328);
hot hantwerg aber hoͤher krafft, / so muͤßen die wappen wir begeben / und
lernen an dem stule weben MinneR 410
282.
299.
– in Verbindung mit kunnen, trîben, üeben, wirken:
ich bin ein man / der niht hantwerkes kan WälGa
8166;
Ottok
35025;
BuchdRügen
569;
zu Nazareth, da er
[Joseph] bleib / und sin hantwerc aber treib
Pass I/II (HSW)
4396;
daz di hantwerke gar / mochtin [...] ir
hantwerc ubin PfzdHech
236,16;
daz daz selbe hantwerch redleich und recht wiert geworcht
StRBrünn
395.
– übertr.:
des [des ungeschlachten
Benehmens] he [der Riese Witold]
immir began / ze wilichen hantwerke he quam Roth
4669;
daz man in [den Ritter] sihet triben / sin
hantwerg, daz er treiben sol HeinzelRitt
213
2.2
‘Recht, ein Handwerk auszuüben’
wer wider den rat tut [...], deme sal man syn
hantwerk eynen monden niderlegen UrkBresl
103
(a. 1342);
das der sin antwerck hier und an allen stetten verloren haben sol
DRW
5,148
(Schmoller, StraßbTucherZft.; a. 1350)
2.3
‘ Handwerkszeug, Gerätschaft’
irn schepfer [...], / der alle
dinc an siner craft / hat von nichte geschaft: / himel, erden, tiere, berk / ane
vorligen hantwerk HeslApk
17922;
bi weme man dazselbe hantwerc begrifet di wage, di man heizet seiger,
[...] wirt he verwunden mit dem richter
[...], man slet im abe di hant
StRFreiberg
76,14
2.4
‘Handwerkerschaft, Zunft’
zevht sich ein man in den marht, [...] vnd
gewinnet purchreht da inne, ist er vleischer eder ledrer, er sol niht sten zv
den anderen maisteren des selben hantwerches UrkCorp (WMU)
3068,28;
swelich recht und gewonhait die schuester und elliu
hantwerih ein [in] unserr stat ze Munichen untzher
gehabt habent StRMünch
134,4;
si schullen auch uber ieglich hantwerch [...]
besunder maister setzen StRBrünn
395;
StRSchweidn
522
(a. 1328);
Köditz
93,28.
93,32;
HvFritzlHl
158,11;
PfzdHech
236,14
3
‘mit der Hand Geschaffenes’
die vorworchten heiden, / die ir hantwerk an beten
HeslApk
15587.
– ein Gestell, auf dem Götzenbilder stehen:
ain hantwerc heten si erhaben / alnach der chuͦnige gebot
Rol
3490.
– Schöpfung Gottes:
got, [...] irbarme dich ubir din
hantwerk / zum jungesten herze sere HeslApk
110;
wen du Crist [...] din hantwerk
hast irlost ebd.
9812
(vgl. Apc 5,9);
her [Gott] sazte in
[den Menschen] uf sin hantwerg [vgl.
V. 6790f.: constituisti eum super opera manuum tuarum Ps
8,7]
Brun
6802
4
für antwërc
1
‘Kriegsgerät, Belagerungs- und Wurfmaschine’
er ne darf in sinin mangen / niemir sail gespannen, / noch
gerichten sin hantwerc / an dehainen hohen berc Rol
7661;
sie triben ir hantwerke dar Herb
3672;
stellinde dâ vur den berc / manchirleige hantwerc, / dâ man
vestin mit brechin pflît NvJer
6688;
kunst, / sturmis hantwerc zu bûwin ebd.
19562;
Kreuzf
5337;
UvEtzAlex
9256.
9276
MWB 2 1196,59; Bearbeiter: Tao
hantwërcknëht
stM.
‘Handwerksgeselle’
man verbuͤtt auch allen hantwerkknehten und fremden knehten,
die nit behuset sint, swert und mezzer WüP
82,2
MWB 2 1197,61; Bearbeiter: Tao
hantwërcliute, hantwërkesliute
st.Pl.
‘Handwerker’
von dis chlostirs hantwerchlutin [
de artificibus monasterii
]
BrEng
57;
ovch hat min herre in dem dorf zv Masbach vier vnd zwenzek markethuͤs. dar
inne sulen alle die luͤte sizze, di veilen kovf wollen habe, vnd hantwercluͤte
UrkCorp (WMU)
3318,8,9;
von dem [l. den
] hantwerchluten, dir ir innunge gewinnen sullen
StRSchweidn
522
(a. 1328);
StatDtOrd
106,17;
Renner
16070;
RvBib
168,26.
–
die hantwerchslaͤwt StRMünch
456,4
MWB 2 1198,1; Bearbeiter: Tao
hantwërcman, hantwërkesman
stM.
‘Handwerker’
ez haben ouch geboten di burger vom rat, daz dhein gewantsneider, noch kein
kramer noch dhein hantwerkman, [...] kein sein kram noch
gadem niht offenn sol haben an dheinem veirtag NüP
162;
so mag auch nyemant datz kainem goltsmit noch datz kainem
andern hantwerchman [...] chainerlay
werck [Werkstoff]
verpieten [beschlagnahmen] , daz im geantwurtt ist ze
wuͤrchen StRMünch
416,13;
ich râte, daz der hantwercman, / ê daz er vâh ze reden an, / von êrsten reden
lerne HvBer
9630.
9639.
–
ouch tar keyn koufman odir hantwerkis man haldin eyn hunt odir eyn krymmenden
vogil bi xx tage reyse no dem herren MarcoPolo
25,18;
ez sol chain hantwerchsman daz werck, daz im ze wuͤrchen ist
geben, nicht tewrer versetzen [...] dann umb als vil, als
sein lon ist StRMünch
416,24.
416,19
MWB 2 1198,11; Bearbeiter: Tao
hantwërcmeister, hantwërkenmeister
stM.
‘Meister einer Zunft’
mit rate der eldisten und der hantwerchmeister StRSchweidn
520
(a. 1328);
diz sint die ammecht der hantwerkenmeister aller gemeyne, welchen man in eyme
hantwercht zcu meister kuist, daz sie den anderen iren gewerken vor sullen sin
ebd.
522
(a. 1328);
wer der drier rete ist, der ensal kein schultheyze, colner nach keinreley
hanthwerg meyster sij, die wyle her der rete ist StRMühlh
89
MWB 2 1198,29; Bearbeiter: Tao
hantwërkære
stM.
‘Handwerker’
wir verbieten ovch bi fvmf phunden alle gesworn ainung an des pischofes willen
vnd wizzen zwischen purgærn wider purgær, hantwercher wider hantwercher
UrkCorp (WMU)
888,10,11;
daz sint hantwerkære: / smid und bogenære, / slôzær und
goltsmit, [...]
Ottok
65663;
daz der kunic hiez ritter tuon / maniges hantwerkæres sun
ebd.
64981.
14213.
– hierher oder allgemeiner ‘jmd., der Handarbeit verrichtet’
swer hantwercher gewinnet in sein weingarten, oder ze welcher hant aribait daz
ist, daz tagwerich haizzent StRWien
65
MWB 2 1198,39; Bearbeiter: Tao
hantwërkic
Adj.
‘mit der Hand arbeitend’
ir sult wizzen, daz man di aposteln nimmet in mangerleie wesen. zu deme
êrsten: [...]. zu deme anderen mâle: alse si hantwerkige
lûte wâren und erbeiteten umme nôtdurft HvFritzlHl
158,10
MWB 2 1198,51; Bearbeiter: Tao
hantwîle
stswF.
vgl. →
hant
stF. 9.2.1.
die Zeit, die man braucht, um die Hand umzudrehen, ‘Moment, Augenblick’
daz fur [...], / da mite er alle dine
sunde / in einer hantwile hete uerbrant Litan
1233;
[Paulus sagt, die Auferstehung] gischehe in momento, in
ictu oculi [vgl. I Cor 15,52] , in einre hantwile, vnde in
eime ovgon bliche, alse schire so ein ovge uf unde zvo ist gitán
PrWack
12,73.
2,75;
daz sie bit gereiden wusze [
= vuoze
] na volge der stimmen des gebodes mit den werken, daz in einer hant wilen [
uno momento
] daz gebot der meisteren vnd die werch der iungersen mit snelheide
der godes worten [= vorten, Furcht] irvullet
werden BrEb
5
MWB 2 1198,56; Bearbeiter: Tao
hantwinden
stN.
Klagegebärde, ‘Händeringen’
niemen iht dâ anders vant / wan jâmer und hantwinden
Ottok
64138;
hant winden und bitter klage / werdet ir horen an dem tage
Erz III
6,43
MWB 2 1199,6; Bearbeiter: Tao
hantworhticheit
stF.
‘Geschicklichkeit, Kunst’
ars eterna: ewege behendikeit, hantwortikeit, kunstekeit VocAbstr
(H)
A,15
MWB 2 1199,10; Bearbeiter: Tao
hantzoum
stM.
‘Zügel’
habena: hantzoͮn VocOpt
26.008
MWB 2 1199,13; Bearbeiter: Tao
hap
stN.
1
‘Hafen’ (vgl.
habe
stF. 6 ,
habene
stF.) 2
‘Haff’ (Bereich des Meeres hinter einer Landzunge) als geogr. Name (zu mnd.
haf , s. Pfeifer, EtymWB 1,492) 3
‘(ruhiges) Meer’ , hier übertr.
1
‘Hafen’ (vgl.
habe
stF. 6,
habene
stF.):
artûs im wîse boten gap, / dier solde senden an daz hap
Parz
785,26;
[der Fisch] sich zurucke hûb / widder kên dem habe
NvJer
27695;
Wartb (S)
158,9
2
‘Haff’ (Bereich des Meeres hinter einer Landzunge) als geogr. Name (zu mnd.
haf, s. Pfeifer, EtymWB 1,492):
–
daz vrische hap
‘das Frische Haff’
ein teil vûr ouch ir her / mit schiffen oben um daz lant, / daz ist daz
vrische hab genant LivlChr
3832.
3982;
sî soldin sô hin abe / varn ûf dem vrischin habe / und
irspêhin eine stat, / dî bequêmlîch wêr gesat / zu bûwne NvJer
5024.
4851.
12070.
–
daz kûrische hap
‘das Kurische Haff’
an der widirrîse / zugin sî zu îse / ubir daz kûrische
hab NvJer
22692
3
‘(ruhiges) Meer’, hier übertr.:
– für Gott:
er ist daz hab / daz weder grunt noch ende hat!
Hiob
3260;
got vater, grundeloses hab ebd.
94
u.ö.
– für Hiob:
er was der tugende hab Hiob
666.
7054.
–
des todes hab Hiob
4376;
etteliche lute hin ab / varen in diz hellesche hab ebd.
8818
MWB 2 1199,15; Bearbeiterin: Herbers
har, her
Adj.
auch härwe, herwe, herbe.
1
‘schneidend, stechend; spitz’ , von Pflanzen(teilen) 2
‘herb, streng; schlimm’
3
‘wild, grimmig’
1
‘schneidend, stechend; spitz’, von Pflanzen(teilen):
der halm [hat] herwe
grete [Spitzen]
Daniel
2311;
herwe ist er [
dorn
] der zanken ebd.
2181
2
‘herb, streng; schlimm’
– in Bezug auf Geschmack:
mit herbem wein BdN
355,16;
so must man da gen ertznye / von pilleln machen
[...], / und
syropeln [Sirup] , daz so bitter were, / so herb,
so suͤr und so ungut, / daz kein mensch in sinem muͤt / sich getorst dez
underwinden Minneb
5451;
der veltlatucke [wilder Lattich]
herbez raffen [Zusammenziehen] / dût des herzen bitter
rûwe JvFrst
1644.
– in Bezug auf Empfindungen:
iz sint zwei jâr daz ane gie diser hunger harewer
Gen
2434;
[man] leit im drûf [auf den
Kopf] vil herbiu phlaster, / daz sêrgete in ie vaster
LvRegFr
3617.
– in Bezug auf Ereignisse, Handlungen, Schicksale:
man si da cholte mite hungere, mit dvrste, mit herweme
lebenne Spec
108,28;
einin herwen tôt lêit er ebd.
58,25.
41,21;
AvaLJ
163,2;
da warin si sibinzic iâre envancnusse mit herwem dieniste
Spec
38,30.
144,31;
Erinn
712;
ir ungenade die herben / han ich mit keiner sach
verschult Minneb
2016.
4936.
– Adv.:
er [Fürst] wirt teiln gar herb / den sinen ewer
erb Dalimil
4,49
3
‘wild, grimmig’
[das Einhorn] ist gar scharpf und härwe, alsô daz ez kain
jäger gevâhen mag mit gewalt BdN
161,22
MWB 2 1199,36; Bearbeiterin: Herbers
har
stM.
Gen. -wes, -bes.
1
‘Flachs’
2
‘aus Flachs hergestellter Stoff’ (?) 3
‘Flachsfeld’ (Flurbezeichnung)
1
‘Flachs’
linum: hare Gl
3:664,25;
den rûhen har Wernh
2390;
sus wârens bêdenthalben gar, / gelîche geschart
[geordnet] als ein har / her Gunthêr und die sîne, /
die recken von dem Rîne Bit
11940
(oder zu hâr stN.?);
–
~
spinnen:
die andern spunnen den har Wernh
2399.
A 2120;
sumlîche muosten spinnen und bürsten ir den har Kudr
1006,1.
–
~ bearbeiten:
also man den har îe offter blîwet vnd fvrbet vnd also er da von schone
wirt vnd wize PrFrgmLpz
284;
swer har in diu stat pringet oder in der stat derret oder
pliwet oder swinget StRMünch
222,22.
–
ûz hare:
sin gewant was unsenfte ûz hare gemachit deme lîbe ze
martyre Spec
82,19;
die alben [liturgisches
Gewand]
[...], die warent gewurkt uzer hare
Lucid
87,8.
– als Abgabe:
sy wolte das haben ze recht / von den die ir gesessen
waren, / so die ir aigen chraut laren [sammelten] , /
ir rueben oder har, / sy musten ir geben oder man nam ins gar
HvBurg
5603;
[der Hof] giltet [...] vier
hvͤnre, zwaintzzeck chæse, zwaintzzeck chloben harwes UrkCorp
(WMU)
1288,28.
N687,6;
Chrevtzhof geit ze cinse [...] 12 reihst harbes
und 30 ayer UrbSonnenb
61.
62;
StiftZwettl
422
2
‘aus Flachs hergestellter Stoff’ (?):
die cleider, die er an trúg, / die waren böse gnuͦg / vsz einem harwe
[Konjektur, Hs. einer haren (s. →
hare stswF.)] gesnitten Krone
19761
3
‘Flachsfeld’ (Flurbezeichnung):
ein stucke an der gensevurte, ein stucke in Eckebolzheim banne, ein stucke
āme hare UrkCorp (WMU)
N101,25
MWB 2 1199,63; Bearbeiterin: Herbers
hâr
stN.
Pl. auch hærer
PrSchw
1,55.
1
‘Haar’ , zumeist bezogen auf die Gesamtheit von Haaren, auch im Sg. 1.1 von Menschen 1.1.1 meist Kopfhaar, seltener andere Körperbehaarung 1.1.2
grâwe hâre , bildl. für Altsein/-werden oder Trauer 1.1.3 Reißen an den Haaren, Ausreißen oder (Ab)Scheren der Haare als Zeichen von
Trauer, Zorn, Strafe o.ä. 1.1.3.1
daz hâr zerren/ roufen 1.1.3.2 Haare entfernen 1.1.3.3 rechtssprachl. (s.a. DRW 4,1353-1357), 1.2 von Tieren 1.3 im Gen.Pl. stellvertretend für eine Spezies (Haar als Erkennungszeichen von
Mensch und Tier), solicher hâr 1.4 sprichwörtl., 1.5 bezogen auf ein einzelnes Haar 2 bezogen auf das einzelne Haar stellvertretend für etw. Kleines, Geringes,
Wertloses (s.a. Friedrich, PhrasWB 201ff.) 2.1
‘im Geringsten’
2.1.1
als/ sam/ umbe ein hâr
‘auch nur das Geringste’
2.1.2 mit Präp., bî/ gegen/ mit einem hâre 2.1.3 in Verbindung mit breit , grôz o.ä. 2.2 in Verbindung mit negativen Ausdrücken zur Verstärkung der Negation, ‘kein
bisschen, nicht im Geringsten, überhaupt nicht(s)’
2.2.1
niht ein hâr 2.2.2
niht (als) umbe ein hâr u.ä. 2.3 in verschiedenen verbalen Wendungen
1
‘Haar’, zumeist bezogen auf die Gesamtheit von Haaren, auch im Sg.
1.1
von Menschen
1.1.1
meist Kopfhaar, seltener andere Körperbehaarung:
daz houbit tet er
[Gott] sinewel, zôch uber den gebel ein vel, /
[...] bedacte iz mit hâre Gen
117;
dâ was ir hâr und ir
lîch [Körper] / sô gar dem wunsche gelîch
Iw
1333;
Tr
715;
di hâre ûweres houbites sint alle gezalt EvBeh
Mt 10,30;
hinder die fuze sin stunt sie / vnd mit ir zahern
wusch sie die / vnd druckente sie mit ir hare EvStPaul
7050.
7087.
–
ouch wâren im diu ôren / als einem walttôren /
vermieset zewâre / mit spannelangem hâre Iw
442;
har der augbrawen dicke, / die hant zornlich
geschicke Physiogn
155.
– häufig mit Bezeichnungen der Beschaffenheit (Farbe, Form):
ir har ist dunne, braune, swartz
Physiogn
93;
ich sach, deist sicherlîchen wâr, / eins gebûren sun, der truoc
ein hâr, / daz was reide unde val; / ob der ahsel hin ze#. tal / mit
lenge ez volleclîchen gie Helmbr
10;
ez hete der gebûre / ein ragendez hâr ruozvar
Iw
433;
Tr
4004;
Wh
59,9;
loterpfaffen mit langem har vnd spíllævt sínt ovz dem frid
UrkCorp (WMU)
475AB,3,24.
– bezogen auf die Art der Frisur:
ir hâr gevlohten Wig
7095;
herr, sô wil ich iu verjehen, / daz ich einen hân gesehen, / der
treit ungerischez hâr [langes Haar in Zöpfen
geflochten]
Helbl
1,225;
ob ein phafe odir ein geistlich man wirt gesen mit werltlicheme
hare unde mit werltlichin cleiderin, den sal man haldin vor einen leien
RbGörlitz
102;
[die Frauen sollen den Bußgang machen]
barhobet vn̄ mit enphlohtem hare vn̄ baruuͦz UrkCorp
(WMU)
2130,44;
OberBairLdr
56
1.1.2
grâwe hâre, bildl. für Altsein/-werden oder Trauer:
man seit al vür wâr / nu manic jâr, / diu wîp hazzen grâwez hâr
MF:Veld
13:1,3;
dâ sint als jaemerlîchiu jâr, / daz ich mich under den ougen rampf
[dass ich unter den Augen runzlig wurde] /
und sprach: ‘nu gênt ûz, grâwe hâr.’ MF:Reinm
35:2,7.
–
grâwe/ wîze hâre gewinnen:
‘owê mir dirre nôt!’ / sprach ein wîp: ‘der sumer wil zergân; /
des gewinne ich lîhte noch vor leide ein grâwez hâr.
[...]’ Neidh
WL 7:1,3;
dâ von gewinne ich noch daz hâr, / daz man in
wîzer varwe sehen mac MF:Reinm
21: 4,3.
–
ir spiegelliehten ougen klâr, / sold ich diu mit
gewalte an sehen, / sô swüere ich wol daz mir gewüehse niemer grâwez hâr
KLD:GvN
8: 3,7
1.1.3
Reißen an den Haaren, Ausreißen oder (Ab)Scheren der Haare als Zeichen von
Trauer, Zorn, Strafe o.ä.
1.1.3.1
daz hâr zerren/ roufen:
er begund jæmerlîchen klagen / und hêt sich
selber nâch erslagen. / daz hâr er ûz dem houbt zart, / daz er dâ von
blôz wart EnikWchr
15429;
sin hare began er rauffen / vnd grosz trurikeit kauffen
Krone
20835;
Roth
1774.
–
sich nëmen ze hâre/ vâhen in daz hâr:
mit beiden handen er sich nam / ze hâre und schrei
Wildon
1,195;
von Berne der vil tumbe / cherte sich weinde umbe / und vie
sich selben in daz hâr Dietr
4286.
9888
1.1.3.2
Haare entfernen
–
daz hâr (ûz dem kopf/ der swarte) brechen:
dô er der scham wart gewar, / dô brach er ûz
dem kopf daz hâr, / wan er schrei mit grimme / mit vil lûter stimme
EnikWchr
904;
si uielen zu der erden, / daz har brachen si
uon der swarte, / si wuͦften [schrien]
alle harte Rol
1734
u.ö.;
von jâmer sî vürder brach / ir hâr und diu
cleider Iw
1311;
Er
5760;
Parz
42,15.
–
daz hâr (abe)schern (zum Abscheren von Haaren als Strafe
s. 1.1.3.3):
vnde hetten vf sime grabe / ir har geschorn
alliz abe / von den grozzen leiden Herb
16869.
– als Zeichen von Untergebenheit:
ich dir gerâten kan, /
[...] wie dû dînes herren gruoz / als ê
noch baz erwerben maht. / dû solt dir an dirre naht / dîn hâr heizen
snîden abe, / und solt alle dîne habe / von dir legen und dîniu
kleit RvEBarl
665;
Ruphart mîn kneht / muoz iuwer hâr gelîch den tôren schern
Wartb
Fl 7,16;
ein gebot ich sanfte lîde, / daz man Gätzemanne alumbe snîde /
sîn lancreidez valwez hâr Neidh
WL 36:5,3.
WL 36:4,8;
ime was daz edile har / bi den orin aua
geschorin Roth
5085
1.1.3.3
rechtssprachl. (s.a. DRW 4,1353-1357),
– bezogen auf Schandstrafen, jmdm. daz hâr (abe)schern,
ûzroufen:
swer einen toten vz grebet. der ez zerehte niht tvͦn sol.
[...] man
[...] sol im slahen vierzec slege. vnd
sol im daz har ob den oren ab schern SchwSp
159a;
Karl hiez im sîne hende / vil vaste binden beide. /
[...] daz hâr si im ûz rouften, / daz
gewant sim abe slouften StrKarl
7175;
sleht abir ein gast einin burger, dem sol man hût vn̄ har abe
schern zweier vinger breit UrkCorp (WMU)
248AB,47.
– in Paarformeln; bezogen auf Körperstrafen:
–
ze/ bî hût unt ze hâre (gân/ rihten/
slahen):
geschicht aber in deme dorfe des tages ein dûbe
[Diebstahl] , die minner den drîer
schillinge wert is, daz mûz der bûrmeister wol richten des selben
tages zu hût und zu hâre SSp (W)
2:13,1;
der werltlîche rihter sol im hût unde hâr abe heizen slahen
PrBerth
1:267,18;
swaz ze hûte unde ze hâre gât
[...]; daz sol allez ein burcgrâve rih-
ten SpdtL
83,2
u.ö.;
StRBrünn
399;
UrkCorp (WMU)
606,15;
zv troyge ein fride gegeben wart / zv eime
halben iare, / bi hute vnde bi hare, / vnde dar / zv bi der wide
Herb
2906.
–
ze hant unt ze hâr:
man schol vbir kein weip, die ein lebendes kind treit, nicht
hoher richten, den zu hant vnd zu har StRPrag
161;
stilt er des tages, iz get im zu hant vnd zu hare ebd.
158
1.2
von Tieren:
–
‘Pelz, Fell’
nim ein verkelin [...] vnd
bruͤ daz kuͤle vnd zvͤhe im daz har allez abe BvgSp
8;
do sint gar schone wize rynder sam eyn sne und habin kurcze har
MarcoPolo
8,17;
RvEWchr
1724;
dannen abe wirfit er [der
Hirsch] daz hâr unt diu horn JPhys
13,7;
daz pfärdes hâr BdN
240,11.
–
von wîzem visches
hâre [Haut] / was daz vierde
ende [des Zeltstoffes] , / mit wilder wîbe
hende / geworht UvZLanz
4838.
– bezogen auf Gewebtes aus Tierhaaren:
Jôhannes was gecleidet mit den hâren der camêle EvBeh
Mc 1,6;
EvAug
76,19;
EvStPaul
2383;
man liset von siner wæte, daz er niht gewandes hæte /
wan uz olwenten har geflohten AvaJo
13,8;
VMos
56,3
1.3
im Gen.Pl. stellvertretend für eine Spezies (Haar als Erkennungszeichen von
Mensch und Tier), solicher hâr:
da bi sach ich noch mere / wie daz vier tier entsprungen,
/ groz, michel her vor drungen / uz dem mere sulcher har: / daz erste was sust
gevar / sam ein lewinne vreise Daniel
5729
1.4
sprichwörtl.,
–
daz hâr gât ze berge:
vor unvlât gie ze berge mîn hâr UvLFrd
336,4;
gegen berg sô gie im daz hâr, / unz er kom ze
jerusalêm geriten EnikWchr
22586;
daz hâr begunde im [...] /
ze berge strû- ben unde ragen KvWTroj
27254;
KvWPart
1279;
Herb
1514.
–
‘langes Haar, geringer Verstand’
ein alt gesprochen wort, / daz ir dicke habt gehôrt: / die vrouwen
habent langez hâr / und kurz gemüete, daz ist wâr Rädlein
289;
si sagent, wir wîp haben kurzen muot / und dâ bî alle langez hâr
Winsbeckin
19,2;
Renner
309;
WolfdD (J)
8:37,1
1.5
bezogen auf ein einzelnes Haar:
ein swalwe zÎrlande / von Curnewâle kæme, / ein vrouwen
hâr dâ næme / zir bûwe und zir geniste Tr
8604.
– bildl. ein hâr spalten:
we dir von Zweter Regimar! / du núwest mangen alten vunt: / du
speltest als ein milwe ein har / [...]. dir wirt us
einem tage ein jar, / ein wilder wolf wirt dir ein hunt Marner
(W)
3:3,3;
im würden sîn ougen sô klâr / daz er wol ein kleinez hâr / in niuniu
kunde gespalten StrDan
4326
2
bezogen auf das einzelne Haar stellvertretend für etw. Kleines, Geringes,
Wertloses (s.a. Friedrich, PhrasWB 201ff.)
2.1
‘im Geringsten’
2.1.1
als/ sam/ umbe ein hâr
‘auch nur das Geringste’
ninder wandels als ein har / an ir enwas –wan si was
gar / reiniu gestalt und gevar / nach der engel geslæhte
StrKD
134,54;
êre ist alsô lûterlich geverwet und sô rehte clâr, /
ob man tiure als umbe ein hâr / valschheite drunder mischet, / daz ir
durliuhteclicher schîn sich trüebet KvWLd
32,70;
EvStPaul
1544;
des meines ouch nicht enblibet / an dem menschen sam
ein har HeslApk
3331
2.1.2
mit Präp., bî/ gegen/ mit einem hâre:
und heten die marnære gewest bi einem hare, / daz’z von dem schilde
were gewesen, alle riche sunder vare / heten si da mite niht erkoufet
JTit
2799,1;
EnikWchr
4234;
ez enkund im niht geschaden / an sînen vreuden alsô /
daz er iender unvrô / gegen einem hâre wurde dervon: / wan er was lasters
wol gewon Iw
2641;
Eracl
884;
du torstis baz in daz ovge din / gegrifin mit thiner
hant / den du zornetis wider dessen wigant / immer mit eineme hare
Roth
1088
2.1.3
in Verbindung mit breit, grôz o.ä.:
swer versêret und verwunt / würd eines hâres breit
dâ mite, / daz er ein bitter ende lite KvWTroj
38677;
allez, daz got ie geschuof [...], gæbe daz
got alzemâle mîner sêle [...] und blibe dâ als umbe
ein hâr breit, mîner sêle engenüegete niht; ich enwære niht sælic
Eckh
3:100,7;
seht, si begunden strîten, / zwêne gelîche starke man / der enweder
nie gewan / unredelîche zageheit / [...] / alse
grôz als umbe ein hâr Greg
2135;
UvLFrd
224,20;
waz menschen syn ie betrachte, / daz mac man um eyn
cleines har / gereyten ken der wisheit clar. / der mensch mac ir nicht kumen
by Hiob
10825
2.2
in Verbindung mit negativen Ausdrücken zur Verstärkung der Negation, ‘kein
bisschen, nicht im Geringsten, überhaupt nicht(s)’
2.2.1
niht ein hâr:
[der Linde] schadet der winter noch envrumt / an
ir schœne niht ein hâr, / sine stê geloubet durch daz jâr Iw
579;
Erich uz Denemarkenlant,
[...] des tugent wankte niht ein har, / sist
iemer staete, triuwe Tannh
6,54;
ich zwyfel nit dar an eyn hare Seuse
514,19;
UvZLanz
5867;
Wh
229,11;
alle heilgen und alle creaturen enmoͤhtent mit
bluͦtigen trehen ime [dem Menschen] nút ein einig
hor breit [ewigen Lebens] me erwerben
Tauler
416,32.
–
niht gegen einem hâre:
er was ein alsô vester man, / swie in daz volc untrôste, / daz in
daz niht belôste / sîner manlîchen stætekeit / gegen einem hâre breit
Er
8145;
der künec ze sînem tische saz: / er hiez der boten umbe daz / niht
wirs gên einem hâre phlegen Bit
4979
2.2.2
niht (als) umbe ein hâr u.ä.:
ritter unde megede klâr / diu retten niht als umbe ein hâr: / sî
swigen alle gemeine Virg
534,2;
ichn az, entranc noch enslief / und wart nie müede
umbe ein hâr KvHeimUrst
1943
u.ö.;
dâne hât sich der bote / niht versûmet umb ein hâr
Iw
6063;
von hiute über hundert jâr / gewancte ichs nimmer umbe ein hâr
Er
9521;
Eracl
4188;
Volmar
279.
–
hete ich der guoten ie gelogen / sô grôz als umbe
ein hâr, / sô lite ich von schulden ungemach MF:Reinm
11: 3,2.
19: 2,7;
der wissage gelouc nie / von gote so groz als ein
har HeslApk
5251;
Bit
2565;
dô entwichen in die geste niht umb ein kleinez hâr
RosengA
60,1
2.3
in verschiedenen verbalen Wendungen:
–
etw. jmdm. (ringer) danne/ als ein hâr sîn
‘jmdm. völlig egal sein’
das im da von wart widersait, / das was im ringer
danne ain har RvEWh
11979;
sîn zorn unde sîn gerich / ist mir als daz bœste hâr
/ daz ie man von im geschar Wig
10177.
–
niht ein hâr (geben
ûf, umbe etw. ‘(sich) nicht interessieren für etw.’
ern hæte niht gegeben ein hâr, / wær ez gelogen oder
wâr Tr
16533;
der engebe uf alles daz golt
[...] nit ein einig hor Tauler
425,22;
er gap umb sîn geverte / niht ein hâr
UvZLanz
7103;
KvWPart
4360;
HvNstAp
14184.
–
waz im schaden widervare / daz lâze er im sîn als ein hâr
Craun
327
MWB 2 1200,30; Bearbeiterin: Herbers
hârbant
stN.
‘Haarband’;
als Haarschmuck:
sich die frauwen / der werlde wolden augen / mit gebende unde mit baugen /
unde mit harbanden Serv
125;
er gewan ir swaz er veile vant, / spiegel unde hârbant /
[...] gürtel unde vingerlîn AHeinr
336;
goldborten unde harbant, / alle uppeclich geziere / verwarf di frouwe schiere
Elis
1994.
904;
ein guldin harbant Herb
8200;
MüOsw
2602.
– zum Zusammenhalten der Haare:
het her mîn hârbant! [...] umb sîn houbet gebunden, /
sô wâre im vor den wunden / daz houbet deste baz behût En
12223.
– als Bestandteil von Personennamen:
B. Harbant, der bropeke [Brotbäcker]
UrkCorp (WMU)
361,4.
361,16
MWB 2 1204,1; Bearbeiterin: Herbers
hârbendelîn
stN.
‘Haarbändchen’
jr har waz gesprungen [l. gespunnen
] gold gelich / dar vff waz ain har bendelin rich Frauentreue
(L)
62
MWB 2 1204,15; Bearbeiterin: Herbers |