hörwelîn, hörwel
stN.
auch hoͤrwli, hörbel; Dimin. zu hor.
‘Schmutz, Schlamm’, hier konkret
‘Schlammbrei’
do spirzte er [Jesus] vz in di
erden vnd machte ein hörbel vz der speischel. vnd straich daz hörbel über sin
[des Blinden] augen [Io 9,6]
EvAug
238,13.
238,22.
239,2;
hoͤrwelin EvAlem
52 (Io 9,15);
hoͤrwli ebd.
52 (Io 9,6)
u.ö.
MWB 2 1701,28; Bearbeiter: Hansen
horwen
swV.
→
horwigen
MWB 2 1701,35;
horwic
Adj.
auch horig, horg, harbic.
‘schmutzig, dreckig’ (zu
hor
stN.):
dô was diu selbe strâze / horwec ûz der mâze, / als ez ofte in
grôzen steten ist Eracl
3878;
so chumpt ewr hunt her mit horwigen fuͤzzen. vnd vnsaubert vns vnser pet
gewant GestRom
116;
weil er sich nicht waschen gat, / so ist er albeg harbig
Teichn
283,17
u.ö.;
horgez antlitze UvTürhTr
2485;
NvJer
25132;
sprichw.:
ich weiz wol, daz horwic hant / mechet selten wîz gewant Freid
70,6.
–
‘schlammig’
daz gemain wazzer [...] macht die
strâz horwig BdN
104,26
u.ö.;
swâ er [der Hirsch] siht dorn und horgen wech, dâ
uber springet er, unz er die truchene begrîft PrStPaul
14,23;
ez was ein horwigez muor, / dâ diu just
[Tjost] zem êrsten geschach UvZLanz
2916;
als dicke so die vrosche varn in eime horigen phuͦle PrLpz
(L)
65,3.
41,30.
– einen Farbton bezeichnend:
swel mensche ist calt unde trukener nature, der [...]
ist an dem libe horwic gevar oder ert var Lucid (H)
23,13.
– bildl. von Sünde:
die sich nich in der misten / der horigen sunden welgen / und
iren schepfer nicht irbelgen, / die sint priester genamet dort
HeslApk
1151;
sie waschen abe die sunde / von horiges herzen grunde / mit
ruwen tragenden tropfen ebd.
2094;
swenne vns unser missetât / swarz unde horich gemachet hât
Kröllwitz
1686.
– vom vergänglichen menschlichen Körper (vgl.
horsac
,
horlade
):
ach liͤp, nu wis unfro, / du geschanter lip, du unreines
as, / [...] / du wurme spise, du horwiger sack Erz
III
6,65;
der horwige irdenische sac PrBerth
1:98,22;
die [
sele
] lutter von im
gesant / wart in diz horeg gewant HeslApk
1898
MWB 2 1701,36; Bearbeiter: Hansen
horwigen, horwen
swV.
horwigen nur verkürzt horgen.
‘etw./ jmdn. beschmutzen, beflecken’ (übertr.
von sündhaftem Verhalten; vgl.
behorgen
,
gehorwen
):
dv solt dich gehabin wol / wis ane leit vnd ane dol / und wis gar ane sorge /
daz dich kein sunde horge Martina
77,72;
der horwet der toufe cleit / der houbethafte sunde tut
HeslApk
4648;
daz sie daz cleit nicht horwen ebd.
4665.
4769(La.)
MWB 2 1702,5; Bearbeiter: Hansen
horwurm (?)
stM.
Ansatz und Bed. unsicher, wohl ein Darmparasit (vgl. hor in der Bed.
‘Kot, Mist’; oder zu
hârwurm
?):
wil dû die horwürme vertrîben, sô nim honich unde mirren unde zinziber unde
siud daz in ainer airschal Barth
159 (Anhang)
MWB 2 1702,13; Bearbeiter: Hansen
hosære, hoserære
stM.
hier -er(er).
‘jmd., der Beinlinge herstellt’ (nur als
Bestandteil von Personennamen belegt; vgl.
hosemachære
, zur Sache vgl.
1hose
):
Heinrich der hoser UrkCorp (WMU)
1103,16;
Chvnr der hoͮserer UrkCorp
2728,43
(a. 1297)
MWB 2 1702,19; Bearbeiter: Luxner
hosche
stM.
‘Spott, Hohn’
cavillum, cavillatio: hosc SummHeinr
2:233,371;
disen schimpf vnd disen hosche / svnt ir niht fur vbil nemin
Martina
63,84.
24,82;
ich bin ein worm ein mensche nicht, / der lute hosch und ouch
ir spot Brun
5830.
4413
MWB 2 1702,24; Bearbeiter: Luxner
hoschen
swV.
‘spotten’
liegen ist keine zît ân wandel, / triegen hât etswenne einen mandel, / under
dem ez hübeschlichen loschet [sich verbirgt] / swenne ez
schimpfet oder hoschet Renner
15078;
er wirt gehoschet vaster / von uns KvWTroj
26316.
– subst.:
daz rede ich ane hoschin [: erlöschin
]
Martina
70,109
MWB 2 1702,29; Bearbeiter: Luxner
hœschen
V.
→
eischen
MWB 2 1702,36;
1hose
swF.
meist im Pl.
Beinbekleidung; ursprünglich nur Füße und Waden, später die gesamten Beine
bedeckende (Stoff-)röhren ‘Beinling’ (vgl. Kühnel, Kleidung, S.
27f.)
1 als textiles oder ledernes Kleidungsstück 2 als Teil der Rüstung
1
als textiles oder ledernes Kleidungsstück:
mit guoten schuohen und hosen von sein [feiner
Wollstoff] / sîniu [Rennewarts] wol
geschicten bein / wurden wol berâten Wh
196,3;
Parz
168,5;
sus kleite sich der küene man. / zwô scharlaches hosen
streich er an / mit grôzem vlîze an diu bein Wig
4088;
Iw
3456;
ein igelich brûder sal haben zwei hemede, zwei nidercleit,
zwei pâr hosen, ein roc, ein iupel [Jacke] , eine cappen,
einen mantel oder zwêne StatDtOrd
108,23.
– selten im Sg.:
swer mezzer in der hosen oder anderswa verholn treit, wirt man des inne, dem
sol man ab di hant slahen UrkCorp (WMU)
475A,38;
Lanc
474,31;
caliga: hosa SummHeinr
2:225,250
2
als Teil der Rüstung:
do troch her an den beinen / zowo hosen schonir
ringe [Panzerringe]
Roth
1116;
Lanc
363,8;
allez harnasch, halsperge unde hosen, schinier, banzier,
gurrit, blaten, ysenhute StRAugsb
151,15.
– in Verbindung mit
ane schuohen
und
schuohen
:
dô er [Lanzelet] den urloup gewan,
/ dô schuohte er sîne hosen an UvZLanz
6492;
als er das guͦte swert versuͦcht / und in die hosan sich
geschuͦcht, / den helm bant er zem hobte EckenlE2
148,2
MWB 2 1702,37; Bearbeiter: Luxner
2hose
swF.
Bed. unklar (wohl Hüllwort für
huore
swF.):
in dem hag und in dem moß / ist Serpanta di
hose [l. muore: huore, vgl. Anm.z.St.] /
und Idrogant ir gelle [Liebhaber]
HvNstAp
8915
MWB 2 1703,1; Bearbeiter: Luxner
hoseknopf
stM.
nur als Personenname belegt:
diz sint vnser gotzlehen lvte: [...] Lucart,
Hoseknophes wip, vnd jrv kint UrkCorp (WMU)
N344,25
MWB 2 1703,5; Bearbeiter: Luxner
höselîn
stN.
Dimin. zu
1hose
. jägerspr.
(Leder-)Riemen zur Befestigung der Schellen am Bein des Beizvogels
‘Bellriemen’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 93f.):
er brâht ez [den Beizvogel] dâ ez wart gekleit, /
als man vederspil kleiden sol. / daz kleit stuont im ze prîse wol: / lancvezzel
[Langfessel, langer Lederriemen] , würfel
[Wurffessel, Geschüh] und hoselîn / daz wâren diu
kleit sîn Bîspel (Pf)
14,9
MWB 2 1703,8; Bearbeiter: Luxner
hosemachære
stM.
hier -er.
‘jmd., der Beinlinge herstellt’ (vgl.
hosære
):
caligarius: hoße macher VocClos
Ca71
MWB 2 1703,17; Bearbeiter: Luxner
hose|nestel
stF.
auch hosennestel.
‘Band zur Befestigung der Beinlinge am →
bruochgürtel
’ (vgl.
1hose
):
etzwenn waz nyemb so reich, / in genuͤgt wol dar an,
/ wenn er moht zwen riem gehan / do mit er die hosen pant, / daz hosnestel ist
genant Teichn
556,86.
556,88;
swaz man dâ kniender schenken sach, / ir deheim diu
hosennestel brach Parz
423,30;
liga: hosnestel, hosenestel VocOpt
17.124
MWB 2 1703,20; Bearbeiter: Luxner
hosenmengære
stM.
wohl ein Händler von Beinbekleidung (nur als Bestandteil von
Personennamen):
H. Hosenmengere DRW
5,1567
(Hagström,KölnBein.; um 1225);
domus et aree, que quondam fuit Hillebrandi Hosemengers UrkKöln
3,408
(a. 1296)
MWB 2 1703,28; Bearbeiter: Luxner
hoserære
stM.
→
hosære
MWB 2 1703,33;
hosetuoch
stN.
‘Stoff, aus dem Beinlinge angefertigt werden’ (vgl.
1hose
):
wie breit ein swarz hostuͦch sin sol StRZürich (B)
154,23;
wie man duͥ swarzen hostuͦch verkoufen sol ebd.
154,24;
1<1/2> ulnas [Ellen] hostuch
DRW
5,1568
(VeröfflFrkG.; a. 1305)
MWB 2 1703,34; Bearbeiter: Luxner
hosewît
Adj.
‘weit’ (
1hose
hier wohl in verstärkender oder
beschreibender Funktion):
so enmac der hezzige zorn / der sie [den
Heuschrecken, vgl. Apc 9,1-12] von art ist angeborn, / in ir
herzen sich nicht vorheln, / und machen hosewite keln [sperren die
Kehlen weit auf] / und berufen [klagen
an] die gotes kinder HeslApk
14198
MWB 2 1703,40; Bearbeiter: Luxner
hospitâl
stN.
Pflege- und Versorgungseinrichtung für Arme, Alte und später auch Kranke
‘Hospital’ (vgl. LexMA 5,133), s.a.
spitâl
:
si [Elisabeth] hatte ouch in dem male / in diseme
hospitale / echte unde zwenzic siechen do Elis
3712.
8266;
ouch det si barmherzekeit / gen armer lude kinden. / daz mohte man befinden /
dicke ieso zu male / in disem hospitale ebd.
3580;
mine rich aleine sollen stiften kloͤster zwirent drizic / und die
spital [La. hospital
] in der selben menige
JTit
5950,3;
Rennew
8827
MWB 2 1703,47; Bearbeiter: Luxner
hossen
swV.
‘sich stark bewegen, schnell laufen’ vgl. bair.-österr.,
schwäb. hoss(e)n (DWB 4,2,1843f.), (vgl.
hotzen
):
ane [l. âne
] draben,
hossen / si ain ander trafen WhvÖst
8210.
– in unklarem Zusammenhang ( ‘gleichkommen,
entsprechen’?):
unde dovon [wegen der sprachlichen Eleganz bei
Jesaja] ist iz ouch, daz unse
tolkunge [Übersetzung] der
blumunge [Ausschmückung] sinir rede vor nicht gehossen
kunde den andirn [vgl. unde accidit, ut prae ceteris florem
sermonis eius translatio non potuerit conservare
]
Cranc
Vorr. Jes 7,12
MWB 2 1703,58; Bearbeiter: Luxner
hôster
→
ôstert
MWB 2 1704,5;
hostie
swstF.
aus lat. hostia; auch ostie.
‘Hostie’ (vgl. LexMA 5,138):
wenit ir, wan der prîstir di ostien uf hebit, daz he got uf hebe?
Parad
137,9.
137,13;
ein ander wonder ist in disime sacramento
[Eucharistie] , daz got ist in eime iclichin teile der
ostien ebd.
136,21;
der unsers herren lîchamen, ein hostie, in tûsent stücke brêche
PrNvStr
294,28;
PrWack
41,155
MWB 2 1704,6; Bearbeiter: Luxner
hotte
swM.
wohl ein städtischer Bediensteter (vgl. DRW 5,1575):
dar zu eynen degen [Dechant] eynen hotten zu
gerichts luden zu setzen DRW
2,739
(ZBergGesch.; a. 1302?)
MWB 2 1704,14; Bearbeiter: Luxner
hotzen
swV.
‘umherspringen’ (vgl.
hossen
):
glich schertzit ir den pferden, / ringen, springen hozzet
vort Daniel
2927
MWB 2 1704,18; Bearbeiter: Luxner |