horgewat
stN.
auch hore-.
‘Schlamm-, Dreckpfütze’
den herzogin von der stath / stach er in ein hore gewath / daz
im daz anlutze / belac in der phutze Athis
E 136.
–
‘Gosse, Abwassergraben’ (vgl.
gewat
):
geworfen in das hor gewat / Jherusalem der grozen stat
HeslApk
16027.
4338.
19711(La.)
MWB 2 1694,14; Bearbeiter: Hansen
hœric
Adj.
mit Dat.d.P. ‘auf jmdn. hörend, jmdm. folgsam’
kunig und fursten alle sint dir zu recht wol hoͤrik JTit
3123,1
MWB 2 1694,20; Bearbeiter: Hansen
hœricheit
stF.
→
hôrchen
1.4
MWB 2 1694,23;
horlache
swF.
‘Schlamm-, Dreckpfütze’
do [...] stach [Iunfrid] en
neder van dem rosse, / dat he lach entlochen / in eynre horlagen
Karlmeinet
480,6;
dem [dem, der sich wie ein Schwein
verhält] machih wol gelich sin, / der sih mer unsubir machet / unde
sih in di horlache / leget zedu daz iz sih gewasche Litan
474
MWB 2 1694,24; Bearbeiter: Hansen
horlade
stF.
ein Behälter für Mist (hier bildl.; vgl.
horsac
):
daz wir iezuo sîn, daz ist ungæbe, ein misthaven, der von horwe ist und ouch
mist in im behaltet, [...]; ûzen ein gemâltiu horlade,
innen ein vûler schanthort DvASchr
320,14
MWB 2 1694,31; Bearbeiter: Hansen
horn
stN.
auch horen, Pl. auch hörner, horne
(:zorne
Rol
5482
).
1
‘Horn’
1.1 allg. 1.2 als Helmschmuck (aus Tierhorn oder diesem nachgebildet) 1.3 als Trinkhorn bzw. Behältnis für Flüssigkeiten 1.4 als Schröpfkopf 1.5 übertr. von etw. spitz zulaufend Hervor- bzw. Herausragendem 1.6 vereinzelt (wohl bibelsprachl. beeinflusst) als Symbol der Stärke, in der
Wendung jmdn. von den ~ bringen
‘jmdn. entmachten’ (vgl. auch DWB 4,2,1817f.) 2
‘Hornsubstanz’
2.1 allg. 2.2 als in der Panzerung und im Waffenbau verwendetes Material 2.3 im Vergleich ‘hart wie Horn’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 226) 3 Bez. verschiedener Horninstrumente (vgl. MGG S 4,368f.; Eitschberger, Musikinstr.,
S. 179ff.) 3.1 allg. 3.2 im Vergleich von Hornstoß und lauter Stimme (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 226) 3.3 sprichwörtl.
1
‘Horn’
1.1
allg.:
Aristotiles spricht, daz alliu tier, die hörner auf dem
haupt habent, mangeln der zend an dem obern kinpacken BdN
13,26;
alliu hörner sint inwendig hol ân des hirzen hörner
[Geweih]
ebd.
129,16.
266,20
u.ö.;
[das Tier] heizzit einhurne, uon div daz iz niewan
eines hornis hat Spec
14,3;
Ipocr
27;
Mühlh
180,18
1.2
als Helmschmuck (aus Tierhorn oder diesem nachgebildet):
sîn helm was mit zwein hornen / gezieret wol in fürsten
wîs, / diu lûhten beide silbergrîs / und hæten schône sich gebogen
KvWTurn
488.
997;
EnikFb
3042.
3815
1.3
als Trinkhorn bzw. Behältnis für Flüssigkeiten:
nim in ein horn oͤl [vgl. I Sm
16,1]
RvEWchr
23763;
der [Ginover (Dat.)] brahte uz
Provenze ein horn / von Portigal ein petschelier, daz was so wunderlicher art, /
swer dar uz tranc, der wandel hete, daz er da mit begozzen wart
Tannh
4,50
1.4
als Schröpfkopf:
snyt eme den becze [Biss] , daz
ez sere blode vnde setcze eyn horne eder eynen koph dar ouer, daz daz bose blud
her vz komme OvBaierl
140,4
1.5
übertr. von etw. spitz zulaufend Hervor- bzw. Herausragendem:
der [die Haloerscheinung] het
ainen volkomenn halben kraiz und het ain horn gegen mittem tag und daz ander
gegen norden oder gegen der himelspitz gekêrt BdN
98,11;
der sneck [...] hât vier
hörner [Fühler] , aber ir zwai sint lenger und zwai
kürzer ebd.
303,2;
irn adel den erkenn ich wol, wann sie den pflug begreifen bei dem horen
Neidh (S)
2,86 c34:9,7;
und her stunt lange an dem horne des altâres HvFritzlHl
242,1;
ArnoltSieb
22,4
1.6
vereinzelt (wohl bibelsprachl. beeinflusst) als Symbol der Stärke, in der
Wendung jmdn. von den ~ bringen
‘jmdn. entmachten’ (vgl. auch DWB 4,2,1817f.):
do von ir untrwe riet / wi si brechten von den horn / Jesum, des si sich
besworn TvKulm
3369
2
‘Hornsubstanz’
2.1
allg.:
an den [Händen] sint forne finf
fingere mit horne. / daz horn sint die negele Gen
133;
ir [der Hornmenschen] vel was
horn in grüenem schîn Wh
395,23.
35,13;
Rennew
30411
u.ö.
– vom Pferdehuf:
welch ros eynen gespaldyn vues hot, dem sal man uf
spaldyn czwisschen dem hare unde czwischen dem horne Albrant
3,28
(vgl. aber:
czwyschyn deme horne unde dem hufe ebd.
2,19)
2.2
als in der Panzerung und im Waffenbau verwendetes Material:
diu brustwere darf aver niht sin / weder horn noch bein /
noch stal noch stein SüklV
754;
sin wappenklaid von hornne waz / grün alsam daz grünne
grass GTroj
22539.
14245;
niht ist daz dâ vor [vor der
Lanze] gewer, / horn, stein noch îsengwant, / man steche dâ
durch unz an die hant Wig
4751;
Rol
3315.
5113;
si fuorten alle starke bogen / erziuget wol ûz horne
KvWTroj
29943.
38082
(vgl.
hornboge
)
2.3
im Vergleich ‘hart wie Horn’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
226):
sîn [des Zentauren Cheiron] hût
was herte alsam ein horn KvWTroj
5872;
im [dem Riesen] was diu hût niht linde, / si was
herter denn ein horn StrDan
433
3
Bez. verschiedener Horninstrumente (vgl. MGG S 4,368f.; Eitschberger, Musikinstr.,
S. 179ff.)
3.1
allg.:
waz sol ein jager ân guot hund und ân ein horn? SM:
Ga
1: 2,8;
lude do ein horn scal / ouer berich vnd
dalc [über Berg und Tal]
Roth
4195;
von vil rôtem golde fuort^$’ der herre ein
schœne horn NibB
951,4;
von helfenbeine ein michel horn / hiez er dô schellen
über al KvWTroj
12198;
inainer siner hant / truger
[Roland] daz horn Oliuant Rol
6776;
da enwaz kein swigen: / [...], /
horn, busunen, brummen, / beide zymbeln und drummen, / harpfen und auch zytoln
HvNstGZ
4667;
HvNstAp
19103;
Lanc
158,3;
in doze des horen [interl. zu in voce
tube
]
PsM
46,6.
–
sô man der busînen horn / erschelte
Kreuzf
2884
(vgl. busîne)
3.2
im Vergleich von Hornstoß und lauter Stimme (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
226):
mit kraft begonde ruofen der degen ûz erkorn, / daz sîn
stimme erlûte alsam ein wisentes horn NibB
1987,2;
sin stime alsam ain horn / da mit grossen creften schall
GTroj
9382;
sîn stimme alsam ein horn dôz Tr
4046;
HvNstAp
4172;
Er
8994
3.3
sprichwörtl.:
ez missehillet oft ein horn. / wa wechset ane spriu ein korn, / rose ane
dorn? Frl
5:71,13
MWB 2 1694,36; Bearbeiter: Hansen
hornaffære
stM.
‘Bäcker von hornaffen’ (nur als Bestandteil von
Personennamen):
Wolacher dez Hornoffers suns lederers ein w. umb Fridr. den Hiert flaischawer
UrkRegensb
754
(ca. 1325-1350).
737
(ca. 1325-1350)
u.ö.
MWB 2 1695,57; Bearbeiter: Hansen
hornaffe
swM.
auch harnaffe.
ein Gebäck (vgl. DWB 4,2,1821):
ich schaff den schuͤlern, die mit der procession gent, umb hornafen
[...] 2 lb UrkRegensb
528
(a. 1341);
und schol man ie der geswester geben alle freytag 2 d und einen hornafen
ebd.
528
(a. 1341);
den schuͦlæren umb harnaffen 12 ß ebd.
688
(a. 1350)
MWB 2 1695,62; Bearbeiter: Hansen
hornblâs
stMN.
‘Hornstoß, Hornblasen’, hier spez. ‘Aufgebot, Aufruf
zur Heerpflicht’
alle die in dieser frieheit sint oder sin sollent,
[...] sint auch schuldig zu vnserm hornblase vnd zu
vnserm degelichen geschreye uss zuziehen mit vns vnd vnsern mannen
WeistGr
2,3
(a. 1321)
MWB 2 1696,5; Bearbeiter: Hansen
hornblâsære
stM.
‘Hornbläser, Hornist’
cornicen: hornblasere SummHeinr
2:243,01.86
MWB 2 1696,11; Bearbeiter: Hansen
hornblâse
swF.
‘Hornbläserin’, hier ‘Hexe, Zauberin’ (vgl.
Anm.z.St. in Haug/ Vollmann, Frühe dt. Lit., S. 1563):
waz huotest dû dâse? / ubeliu hornplâse! / dû soltest
pillîcher dâ ze holze varn, / danne di mägede hie bewarn. / dû bist ain unholde
Kchr
12184
MWB 2 1696,13; Bearbeiter: Hansen
hornblâsen
stV.
‘ein Horn blasen’
hornblaset in dere niuwen maninne trumben [interl. zu
bucinate in neomenia tuba
]
PsWindb
80,4.
– subst. ‘Hornstoß, Hornblasen’
sô schaffe ich, [...] daz unser venre Wîcnant / ein
hornblâsen schelle, / daz der dôz erhelle Bit
7587;
sô ist einer [l. ir
]
horenblâsen [Hs. hoͤren blasen
] gitân /
die unser hêrre ûf der warte häizzet stân Priesterl
108
MWB 2 1696,19; Bearbeiter: Hansen
hornblâst
stM.
‘Hornstoß’
daz du durch ain horn plast / aller diner wizze uergezzen
hast! Rol
6088
MWB 2 1696,27; Bearbeiter: Hansen
hornboge
swM.
Bogen aus Horn oder hornverstärkter Kompositbogen:
ein sper als ein horn bog, mit listen wol gezehet, / halp horne und mit ader
zog, durch pigelt [wohl ‘mit Pech
durchzogen’
] gar, mit varwe uberwehet JTit
1263,1;
si [...] begunden sih weren /
ingegen dem kriechischen here / und spienen ire hornbogen SAlex
4502;
di sunne kam also haisse: / so waich wurden ir horenpogen, /
si hett ain knab gezogen HvNstAp
3741
u.ö.;
si truogen starke hornbogen / und kunden alle schiezen
KvWTroj
25012
u.ö.;
JvKonstanz
893;
StrKarl
5676.
– metonymisch ‘Bogenschütze’
mit in waren dar chomen / siben hundert hornbogen
Rol
4666.
2611.
2625
MWB 2 1696,29; Bearbeiter: Hansen
hornbruoder
stM.
wohl Bez. für Mitglieder des Ordens vom Heiligen Lazarus (dessen Mitglieder sich
der Pflege der Aussätzigen widmeten, vgl. K. P. Jankrift, Leprose als Streiter
Gottes, Münster 1996; z.St. vgl. RvZw S. 74f. sowie ahd.
horngibruoder
‘Aussätziger’ AWB 4,1261 mit Lit.):
barvüezen, bredigære, criuzer orden sint da engegen [gegen den
Ehestand] blint, / grâ, wîz, swarzer münche vil, / hornbruoder unt
martære RvZw
225,5
MWB 2 1696,43; Bearbeiter: Hansen
horndôn
stM.
‘Hornklang, Hornmelodie’
er nam sîn mit den ougen war / und begunde in grüezen schône:
/ in vremedem horndône / ein ander wîse huober an Tr
3248
MWB 2 1696,52; Bearbeiter: Hansen
horndôʒ
stM.
‘Schall eines Hornes’
vil michel wart der horndôz, / wan ez [das Horn] was
lanc unde grôz Er
9626;
lûte sam ein horn dôz ebd.
8994
MWB 2 1696,56; Bearbeiter: Hansen
hornelîn
stN.
auch hörnelîn; Dimin. zu
horn
.
1
‘(kleines) Horn’
2 ein Horninstrument (vgl.
horn
3 )
1
‘(kleines) Horn’
im [Bukephalos] was ob irz
geloubet, / gewahsen ûz der stirne sîn / ein gevüegez hornelîn
RvEAlex
2116
2
ein Horninstrument (vgl.
horn
3):
min brüder her Nestor / blassett ain klaines hörnnelin, / da
mitt söllt ir gewarnett sin GTroj
22849;
Tantrîsel blies sîn hornelîn HvFreibTr
4763
u.ö.;
ein cleine hellez hornelîn / daz gâben sime an sîne hant
Tr
3204
u.ö.;
Alph
1446
MWB 2 1696,59; Bearbeiter: Hansen
hornen
swV.
→
hürnen
MWB 2 1697,4;
horngeblâse
stN.
‘Hörnerschall’
sin engel er uz sendet balde / in horngeblase vnd in busunen / mit grozer
stymme sunder runen EvStPaul
1301
MWB 2 1697,5; Bearbeiter: Hansen
horngedôʒ
stN.
‘Hörnerschall’
vrowede unde horen gidoz / hadden si uppe deme lande WildM
2,162
MWB 2 1697,8; Bearbeiter: Hansen
horngeschelle
stN.
‘Hörnerschall’
daz [Wildschwein] wart in ouch des mâles schîn, /
wan ez von dem gevelle / und von dem horngeschelle / erstoubet was und ûf getriben
KvWPart
428;
dô wart grôz horngeschelle / in maneger slahte dône
Tr
3454
MWB 2 1697,10; Bearbeiter: Hansen
hornhuot
stM.
aus Horn bestehender oder hornverstärkter Helm (vgl. horn
2):
den schilt nam er an die hant. / dô bant er ûf den helmhuot [Hs.
hornhuͦt
] : / nâch ritterschefte stuont sîn
muot Bit
2191
MWB 2 1697,15; Bearbeiter: Hansen
hornic, horninc
M.
md. unter nd. Einfluss.
‘Ecke, (spitzer) Winkel’ (vgl. mnl.
hornic MNW 3,601f, mnd. horninc Schiller/ Lübben
2,303):
di dri hornic so du weist / bezeichen den vater den son den
geist Brun
4421.
4407.
– als Personenname (vgl. DRW 5,1559):
Syffridus dictus Horninge UrkErf
2,834
(a. 1341)
MWB 2 1697,20; Bearbeiter: Hansen
hornicsprenget (?)
Part.-Adj.
md. unter nd. Einfluss.
‘zackenartig gesprenkelt’ (oder syntagmatisch
hornich als Adj. zu lesen? vgl. auch Schiller/ Lübben 2,
303):
der [
stein
] ist uns
jacinctus genant, / hornichsprenget purpurvar / in allenthalben hie und dar
Brun
1714
MWB 2 1697,27; Bearbeiter: Hansen |