göumarket
stM.
‘ländlicher Markt’
zwiu suln in geumerkten juden, / ân dazs ir ketzerlîchez studen
[Gesetz] / dem einvaltigen
[Leichtgläubigen] sagent vor? Helbl
2,1093
MWB 2 882,53; Bearbeiter: Graën
goume, goum
stFM. (sw.
Brun
541
)
auch gâm,, gaem.
1
‘Wahrnehmung, Beachtung, Aufmerksamkeit’ , oft in Wendungen mit
nëmen , seltener mit hân, tuon
‘wahrnehmen, (auf etw.) Acht haben’ (i.d.R. mit Gen.d.S. oder Obj.-Satz) 1.1 i.d.R. von wachsamer Aufmerksamkeit 1.2 mit einem Aspekt von (meist fürsorglicher) Zuwendung 2 vereinzelt wohl von Geschmacks- und Geruchswahrnehmungen (vgl.
goumen
2 ; oder ist an ‘Speise, Nahrung’ zu denken? Vgl. Glr.z.St.) 3 bei Brun verblasst (vgl. Glr.) in den Bekräftigungs-
und Füllformeln mit ~
und sunder ~
1
‘Wahrnehmung, Beachtung, Aufmerksamkeit’, oft in Wendungen mit
nëmen, seltener mit hân, tuon
‘wahrnehmen, (auf etw.) Acht haben’ (i.d.R. mit Gen.d.S. oder Obj.-Satz)
1.1
i.d.R. von wachsamer Aufmerksamkeit:
der herzog [...] hiez nemen
goum, / ob si über den phloum [Fluss] / oder enhalp
ligen wolden Ottok
71006;
des nam mit goum der kristen wartliut merke Loheng
4853;
dô nam sîn vrâgen goume / umbe der guoten liute vart
Parz
447,10;
hœrt [...] wie die
burgære / ir letze [Verteidigung] tâten goume ebd.
205,19;
wo ich an dem tancz gieng, des nam mein mecze gam Neidh (S)
1,217 c128:7,6;
sullen si den erbtail in ir gaem [unter ihrer
Aufsicht] haben RbRupr
202;
HvNstAp
13465;
nu nym in deinen gawm [pass
auf!]
ebd.
16551;
tue gawme / ob es Lonius müg gesein ebd.
8723;
nemit daz [Akk.] alle gute
goumen Brun
541.
– in paarigen Ausdrücken:
des het er flîz und gæme Ottok
92541;
nemet war unde goum ebd.
16183
1.2
mit einem Aspekt von (meist fürsorglicher) Zuwendung:
einer ist heime, nimet sînes vater goume. / er was ime
vile liep Gen
2162;
got der njmet sin [des Menschen] goume. / vil
wol er in gewert, / svaz er rehtes an ime gert Glaub
1214;
der naturen goum / bespinnet nu den mandelboum / mit loub
Mügeln
148,1;
es ist ein troum, / wer glückes goum / sucht und nicht
klimmt des rechtes boum ebd.
359,14.
– von feindlicher Zuwendung:
dâ wart der edeln geste vil übele goume genomen
NibB
2082,4
2
vereinzelt wohl von Geschmacks- und Geruchswahrnehmungen (vgl.
goumen
2; oder ist an ‘Speise, Nahrung’ zu denken? Vgl.
Glr.z.St.):
dem edeln wirt ist sam dem oleiboume, / der mensche, tier mit
siner früchte goume / under siner este soume / spist und behust der vogel schar
Mügeln
203,10
3
bei Brun verblasst (vgl. Glr.) in den Bekräftigungs-
und Füllformeln mit ~
und sunder ~
:
ab ich dar an nicht enstruche, / so glichet si mit goume /
wol therebinto dem boume Brun
5569;
des mag her wol sundir goume / sprechin ebd.
10099
u.ö.;
ich sprach, / [...] / ich wil stigen
uf den palmboum / und wil al sunder valsches goum / siner vrucht da von
irkrigen [
dixi ascendam in palmam et apprehendam fructus
eius
]
ebd.
9712
MWB 2 882,57; Bearbeiter: Graën
goume, goum
swstM.
→
guome
MWB 2 883,39;
göumeister
stM.
‘Handwerksmeister auf dem Land’ (Ggs. zu
statmeister
, zur Sache vgl. Matzel, Wortschatz, S.
114):
umb Pernolt den gaͤmaister UrkRegensb
735
(ca. 1325-1350)
MWB 2 883,40; Bearbeiter: Graën
goumel, goumære
stM.
‘Aufpasser, Hüter’
Benjamin bestuont heime, sîneme vater ze goumele
Gen
2136;
er wil ir selbe goumel sîn Parz
353,30;
ditz retten si in goumels sin [in der Art eines
Aufpassers]
JvFrst
9432;
ich wil iwer gaumer noh iwer behalter niht sin
StRAugsb
221,19;
ainen geumel der des hofes hvͤtet ebd.
68,21
MWB 2 883,44; Bearbeiter: Graën
goumelôs
Adj.
auch gâmlôs.
‘unbehütet, ohne Aufsicht’
ir warent alle sam diu gomelosen schaf diu da ane huote sint, wan der nimt im
der wolf vrilichen als vil so er wil Konr (Sch)
81,7;
ez sol maenchlich sein vich fuͤr den hoͤrter
[zum Hirten] treiben und sol ez niht gamlos lazzen
geen StRMünch
253,6
MWB 2 883,51; Bearbeiter: Graën
goumen
swV.
auch gâmen.
1
‘Acht geben, wachen’ mit fakultativem Gen. 2
‘speisen’
1
‘Acht geben, wachen’ mit fakultativem Gen.:
unde dâ gedenket man ze kirchen der, die getriuwelîchen dâ heime goument
PrBerth
1:85,29;
nu was ouch Diepalt dâ bî, / der wol sîns herren goumde
UvZLanz
2929;
Bit
1150;
sich, daz wir des goumen, / daz wir uns iht versoumen! ErnstD
2862;
Elis
10398;
KlageB
2866;
wenn die schefläut der [Sirenen]
stimm gaument [Aufmerksamkeit schenken] , sô entslâfent si
dick von der süezikait des gesanges BdN
240,22;
der rede ist guot ze gâmen UvEtzWh
5211;
ietweder dô des andern mit nîde goumen began NibC
183,4;
Ottok
43187;
gaum! Teichn
552,20
u.ö.
– mit Präp.-Obj.:
di mit iren glouben / an Crist wolden goumen Glaub
608;
si goumte [spähte] nâch ir friunden vlîziclîche
Kudr
1358,4;
Ottok
18144.
– mit Obj.-Satz:
der herzog hiez gæmen [in Erfahrung
bringen] , / ob man dem hûs iht möht getuon
Ottok
29347;
WhvÖst
15460;
Teichn
576,104
2
‘speisen’
in sinim [Salomons] hovi worchti man
einin disc [Tisch] / mid silbirin stollin
[...] dar obi goumit er sconi LobSal
151
MWB 2 883,58; Bearbeiter: Graën
göumlinc
stM.
Bed. unklar (wie
goumel
(?), dann etwa abwertend ‘Aufseher’ oder
‘Wachhund’):
wer wil da haim beliben / schaffen sinez husez ding / den haiszt man ainen
goͤmling MinneR 52 (L)
28
(vgl. die Variante:
das ist ein verlegener getteling [fauler Kerl,
Stubenhocker]
MinneR 52
28;
MinneR 52 K
28
)
MWB 2 884,16; Bearbeiter: Graën
göumül
stF.
‘Mühle auf dem Land’
ze rehter gewerscheffte ab minem huse zwai tail, daz bi der gevmvͤl lit
UrkCorp (WMU)
705,40
MWB 2 884,23; Bearbeiter: Graën
göumütte, -mutte
stN.
auch gevͦmuͦzz.
Maßeinheit für Getreide (vgl.
göumalter
):
daz man daz maln sol mit der gevͦmuͦzz vnd nicht mit der
statmuͦzz UrkSchäftl
168
(a. 1344);
ex eadem decimatione de unoquoque dominicali suo [einem seiner
Eigengüter] id quod vulgari lingua dicitur gowimutti DRW
3,1213
(Dobenecker, Reg.; a. 1105)
MWB 2 884,26; Bearbeiter: Graën
göu|phâwe
swM.
hier im Pl. kontrahiert -phân.
übertr. für ‘Pfau, Schönling vom Land’
des keisers komen ist iu ein hagel. [...] ir geuphân,
ir lât den zagel Neidh
WL 36:4,10
MWB 2 884,33; Bearbeiter: Graën
göupriester
stM.
‘Erzpriester, Dechant’
plebiani: govuipriestra Gl
2:137,45
(BStK637);
plebiani: gouuipriesta ebd.
2:137,47
(BStK949).
2:137,47
(BStK950)
MWB 2 884,37; Bearbeiter: Graën
göurîch
stN.
‘Landbesitz’
Pfürfelsac daz görech [La. göreich
] wiget
[i.S.v.: der Fuchs hütet die Hühner]
Renner
4576
MWB 2 884,40; Bearbeiter: Graën
göurihtære
stM.
‘Vorsitzender eines Grafengerichts’
an gougrevenschaftnus gehorit keyn volge lenis [lehnsrechtliche
Folgepflicht] , wenne is ist der lant luete vrie kor, daz si
gougreven czu iczlichir gourichteris tat kisin RbNeumarkt
144
MWB 2 884,43; Bearbeiter: Graën
göuse
swF.
‘hohle Hand’
got weiz wol daz ich nu / nicht han melis dan so vil: / ein
goysin vol. da von wil / ich machen ein kuchelin Daniel
2520
MWB 2 884,48; Bearbeiter: Graën
gousene
F.
hier verschrieben guos-, vgl. AWB 4,383 mit weiterem Beleg aus dem
12./13. Jh.
‘hohle Hand’ (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,564f.):
pugillus: goͮfena [Konjektur; Hss. gvosena,
goͮfe
]
SummHeinr
2:425,01.40
MWB 2 884,51; Bearbeiter: Graën
göusmit
stM.
Schmied, der nur auf dem Land sein Gewerbe zu treiben berechtigt ist (vgl.
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.235):
her Otte der geusmit UrkCorp
3263,41.
– als Bestandteil von Personennamen:
hern Rapoten dem Gosmide UrkCorp (WMU)
N138,35
MWB 2 884,56; Bearbeiter: Graën
göustiure
stF.
‘Gausteuer, Abgabe vom Land’
mit der chasten gült, vnd mit der gavv stevver UrkNAltaich
1,281
(a. 1340);
beidiv vitztumampt [...] vnd darzuͦ all
nuͤtz vnd guͤlt, [...], ez sein mautt, zolle,
puͤtschenmaut [Salzmaut] , gericht, stiuͦr
in vnsern steten vnd maͤrcgten, die gaͤwstiur, all zinspfenning vnd
kastenguͤlt UrkWittelsb
2,387
(a. 1347)
MWB 2 884,62; Bearbeiter: Graën
göustrûʒ
stM.
wohl zu
3strûʒ
‘Vogel Strauß’,
übertr. ‘hohes Tier’
[die] uf daz gou streben / und niht wan roͧbes
wellen leben, / si erchennent niht des gowes chraft / und der goͤu huner
meisterschaft. / diu chluckent etelichem abe / den hals und alle sine habe, / der
gar wil sin ein gou strouz StrKD
36,143
MWB 2 885,6; Bearbeiter: Graën
göu|tëchan
stM.
‘Dekan eines Landkapitels’
archidiaconus ider archibresbiter quem uulgo guuwedechen nominant Gl
3:378,52
(BStK726)
MWB 2 885,13; Bearbeiter: Graën
goutelsac
→
goukelsac
MWB 2 885,16;
göutôre
swM.
‘Bauerntölpel’
ûf gebûren swarte / kom nie bezzer houbetdach, / da man ûf Helmbrehte sach. /
dem selben geutôren / was gegen dem zeswen ôren / ûf die hûben genât - / welt ir nû
hœren waz dâ stât? Helmbr
41
MWB 2 885,17; Bearbeiter: Graën
göutwingære
stM.
‘Unterdrücker der Landbevölkerung’
der geutwinger ist ze vil / in disem lant Helbl
2,1269
MWB 2 885,22; Bearbeiter: Graën
göuveste
stF.
‘Zwingburg’ zur Beherrschung und Unterdrückung des umliegenden Landes:
die geuvest brechet alle nider, / sô dient daz geu den herren / gar ân allen
werren [Aufruhr]
Helbl
4,796
MWB 2 885,25; Bearbeiter: Graën
göuwerisch
Adj.
→
kawërser
stM.
MWB 2 885,29; |