getougen
stF.
auch gitogen, getougene.
‘Heimlichkeit, Geheimnis’
Christes ougin sint sîner lêre gitougin, / die den gnâde
giheizzint die ire missetât buozzint Gen
2808;
er tet an dem antlutze siben locher nutze: /
[...] zwei ougen daz er sehe die getougen ebd.
121.
865;
daz ter unchustigi tîefel firnemen noch ersuͦchen
nimach dei gitǒgen siner libhafti [Inkarnation]
JPhys
3,27;
da wir die getougene alle gesehen unde gehoren
Himmelr
11,26.
11,3;
AvaLJ
180,2;
PrStPaul
25,18
MWB 2 633,33; Bearbeiterin: Czajkowski
getougenunge
stF.
‘Glaubensgeheimnis’
sacramenta: getougenunge GlHerrad:Komm
79
MWB 2 633,43; Bearbeiterin: Czajkowski
getræbe
stN.
→
gedrebe
MWB 2 633,45;
getragede
stN.
→
getregede1
MWB 2 633,46;
getraht
stF.
Holz zum Ausfüllen von Festungsgräben (s.a.
traht
stF.):
dô si [die belagerten Trojaner] daz ersâgen, / do
geschûfen si ouch ir were, / want si gesâgen daz here / wâfen unde rûren / unde dar
zû fûren / vîle grôze gedraht En
6857.
6865
MWB 2 633,47; Bearbeiterin: Czajkowski
getrahte
stN.
→
getrehte1
,
getrehte2
MWB 2 633,53;
getrahtunge
stF.
‘Absicht’
intentione: gitrahtungu Gl
2:80,17
(BStK408)
MWB 2 633,54; Bearbeiterin: Czajkowski
getralle
stN.
‘lärmende Menge’
dô kam der gebûr ein getralle / ûz einem lîthûse
[Gasthaus] gegangen Renner
1330
MWB 2 633,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getræmet
Part.-Adj.
→
drâmen
MWB 2 633,59;
getranc
stN.
‘Getränk’ (s.a.
getrenke
):
nû trinc, dû lieber herr mîn! / ditz getranc mac niht bezzer
gesîn, / wan ich ez schôn behalten hân EnikWchr
12742.
27583;
si waren mager und kranck, / wann dy speyse und das getranck
/ was in klain gnug gegeben, / das sy kawm mochten leben HvNstAp
6920;
BdN
195,22;
Lanc
606,20.
– als Heilmittel, Arznei:
sô dem menschen der munt stinch, ist er junch, sô nem ein
getranch des sumers, ist er alt, sô nem ez des winters Barth
148,2;
wenn man den trinkwein macht mit des
tiers [
stich, dem Krokodil ähnlich]
flaisch, sô vertreibt daz getranch die vergift, die der mensch in im hât
BdN
241,24;
BenRez
46;
SalArz
32,7;
Wahrh
119.
– übertr. gefährliches, verführerisches Getränk:
sy [die Welt] hat so maniger hande
wein, / so manich suesses getranch / das ainer uber seinen danch / verliessen mues
dy sinne / und dy gotes minne HvBurg
3677;
er [der Teufel] peginnet dein hercz
auch phrangen [drücken] / mit maniger hande gedanche, /
huete dich von seinem getranche! ebd.
3412.
3388
MWB 2 633,60; Bearbeiterin: Czajkowski
getratschaft
stF.
‘Weiderecht’ (vgl.
trat
stF.):
ius quod vulgo dicitur gemain merke, getratschaft unde vihewaide,
[...], ex quo iure ipsis liceret sua peccora pascere,
prout vellent UrkSalem
2,75
(a. 1273).
2,76
(a. 1273)
MWB 2 634,18; Bearbeiterin: Czajkowski
getrebe
stN.
→
gedrebe
MWB 2 634,23;
getrebede
stFN.
→
gedrebede
MWB 2 634,24;
getrecke
stN.
‘Gefolge, Heerzug’ (zu
trecken
):
dô sach man kumen manchirlei / pilgerîm in Pruzînlant, / dî hô und eddil wârn
irkant. / dî achbersten waren ditz: / herzoc Bernhart von Swîdenitz / mit michilem
getrecke [...]
NvJer
25664;
do [...] bleib daz kind Ihesus in Ierusalem, vnd daz
irkanten nicht sine eldirn. vnd wonten in wesen in dem getrecke
[
in comitatu
Lc 2,44
]
BiblMK
300.
– in unklarem Zusammenhang:
do si dar quam [als die Kupplerin zur Wohnung ihres Auftraggebers
im Hof des Probstes kam] mit ir [der Kupplerin oder
der Gäste?] getrecke / si [die Gäste des
Probstes] solden rite ein zilstrecke Schampiflor
349
MWB 2 634,25; Bearbeiter: Richter
getrëfse
stN.
‘Wildgras, Trespe’ (Koll. zu
trëfs
):
nicht guot wirt mel dâ vil getreffs ist under korne KLD:SvT
1:1,6
MWB 2 634,38; Bearbeiter: Richter
1getregede, getreide
stN.
(M.
Kchr
10413
)
auch getragede (
PrWack
7,50
); zu
tragen
‘tragen’.
1 bewegliches Gut, ‘Besitz, Hausrat, Sache’
1.1
‘Kleidung’
1.2
‘Last, Gepäck’
2
‘Getreide’ (als Pflanze und als Korn) 2.1 das, was heide und walt hervorbringen (Blume, Laub) 2.2 übertr. ‘Frucht, Ertrag’ (insbesondere vom Wunder der Inkarnation) 3
‘Lebensmittel, Nahrung’
1
bewegliches Gut, ‘Besitz, Hausrat, Sache’
des clostris getreigede in isene oder in gwandin oder in den anderin sachin
[
substantia monasterii in ferramentis vel vestibus seu
quibuslibet rebus
] besehe der abbit vnd bevelhe si
cebehvtene BrHoh
32.
31;
die [
riche knappin
] liezin als ir
guͦt vnd ir getregede duͦrch sine predige vnd volgetin im
[Johannes] vnd truͦgin snode cleidere
duͦrch gotis lon PrLpz(L)
78,15;
ez dunket mich ein vremeder site, / daz dû mit dem
getregede, / des gerne spulgent [gebrauchen, mit etw.
umgehen] megede, / wilt suochen vrechen jungelinc
KvWTroj
27601;
KvWLd
32,344;
suppellex: getregede SummHeinr
2:490,01.94;
possessio: getraegide GlHerrad:Komm
78;
WüP
104,14;
UrkCorp (WMU)
2713,43.
– übertr.:
vil wünneclich getreide [Ausstattung,
Eigenschaften] / lac an ir
[Engeltruts] süezem lebene KvWEngelh
2974
1.1
‘Kleidung’
da si die gemeinen stole / entfan zu ir getregede
Litan
996;
ritter, vrawen und mægde, / die an sich rich getrægde /
von grozzer kost laiten, / und do si sich geclaiten / mit richer zierde
mangerlay, / nach irm reht ie zwai und zwai / sich zehanden viengen
WhvÖst
2396
1.2
‘Last, Gepäck’
si fuorten vier und zweinzic schif / getregedes unde
liute vol KvWTroj
19411;
dô sie ûf daz mer quâmen, / ir rûwe sie dâ nâmen / mit allerleie
getregede. / man, wîb und megede, / rinder unde pferde / vûrten sie vil werde /
gebunden und gevangen LivlChr
7289;
Vät
14739.
– übertr.:
daz marterlîche getreide / daz man dâ heizet trûren, / daz kunde er
tiefe mûren / in sînes edeln herzen grunt KvWEngelh
2140
2
‘Getreide’ (als Pflanze und als Korn):
ir getreide, / daz in gewachsen was daz jâr NvJer
23159;
daz getreid wart ouch sô tiwer, / daz die liut verzagten
darab: / den mutte kornes man gap / umb vierzic und umb zehen phunt
Ottok
9357;
dô kâmen sô vil häuschrecken geflogen von Ungern
[...], daz si sô vil getraides verderbten auf dem veld,
daz manich gäuman verdarb BdN
76,1;
in den huffen er do sluͤg / als der schaur
[Schauer, Unwetter] in daz gedrait
Teichn
586,99;
WüP
75,1;
MarcoPolo
19,19
u.ö.;
SchlierbAT (LS)
1,108
2.1
das, was heide und walt hervorbringen (Blume,
Laub):
êst ein winder: nemt des war / an der liehten heide! / die hât er gemeilet
und den grüenen walt; / [...] / seht an ir getreide! /
daz ist allez von dem leiden rîfen kalt Neidh
WL 12:1,6
2.2
übertr. ‘Frucht, Ertrag’ (insbesondere vom Wunder der
Inkarnation):
do got wolde haben sune / hier mit der menscheite, / so schuf er sin
geleite / und sin herlich getregede / mit der vil reinen megede HeslNic
2101.
4171.
5323;
HeslApk
4230
u.ö.;
sus hat dú maget [Maria] fur
gelait / der ranikait getregte, / des sich
begen [ernähren] die megde, / si sint arm oder
rich, / weltlich oder gaistlich SHort
703;
wie dich [Christus] dú minn hat
gejagt / von himelrich zuͦ der magt / und von der rainen megde / uf dis
bós getrágde / der mágde [die Menschheit als Nachkommenschaft
Evas] dú dir gab swachen lon ebd.
3924
3
‘Lebensmittel, Nahrung’
dô begunde er [Ismael] wahsen,
manech wilt fâhen: / abe gescôzze und ab jagede nam er sîn getragide
Gen
915;
der getraid daz sind: smaltz, chaes, huͤner, ayr,
visch und allez chlaines getraid und wiltpraet StRMünch
454,26
u.ö.;
daz edelst getraͤgde [Wein]
SHort
5567;
MillPhys
116,3;
Kchr
11570
MWB 2 634,41; Bearbeiter: Richter
2getregede
stN.
‘Tragbahre, Sänfte’
si wolten in [den ermordeten
Wilhelm] niht mer lan / ligen vor der mægde: / ain kostrich
getrægde / was dar braht, dar uf si in / fuͦrten uz der wilde hin
WhvÖst
19100
MWB 2 635,47; Bearbeiter: Richter
getregede
stFN.
‘Verhalten, Betragen’ (zu
tragen
refl. ‘sich benehmen’):
die tumben gailen mægd / mit unkúscher getrægt / er wilunt us
den ringen jaget SHort
4806;
die bichter mit den megeden / mit reinen getregeden / sich neten gotes hulden
HeslApk
3630;
sint dem male do die starken / propheten, patriarken, /
zwelfboten, bichter, megede, / merterer von irem getregede / durch Jhesum Cristen
giengen / unde den tot entpfiengen ebd.
2168.
6342
MWB 2 635,52; Bearbeiterin: Czajkowski
getregede|gültât
stN.
Ansatz unsicher (vgl. Glossar; anders DRW 4,1264 s.v.
gülten).
‘Getreideabgabe’
das wir [...] nemen sullen von yegklichem guet
[...] das getraid gültat ye von dem schaf
[Scheffel] waitzes achzigk pfennig BairFreibr
5
MWB 2 635,62; Bearbeiterin: Herbers
getregede|gülte
stF.
‘Getreideabgabe’
mit allem dem vrbar, daz dar zv [Burgen] gehort ze
dorf, ze holtz vnd ze velde, iz sei phenning oder getræide gvlt, weingarten, acher
oder wismat UrkEnns
4,465
(a. 1304)
MWB 2 636,4; Bearbeiterin: Czajkowski
1getrehte
stN.
auch gethrahte.
‘Frucht’ (s.a.
getraht
stF.)
1
‘Getreide’
2
‘Nahrung, Speise’
3
‘Nachkommenschaft’
1
‘Getreide’
sie wâren harte wîse des, / daz sie die edelen getraht
[Korngarben] / sô sêre bunden âne maht, / daz in der
icht entwunde Kröllwitz
3037
2
‘Nahrung, Speise’
ez [das Buch] kan wol berihten / von
manigerleie gerihten, / [...], / wie sie sich vereinen /
vnd wie sie sich besachen, / daz sie klein gethrahte zvͦ hoher spise machen
BvgSp
Vorrede,16;
ein guͦt gethrahte
[Überschrift]
ebd.
27
3
‘Nachkommenschaft’
einen svn het dô der / der hez nah im ovh Alber / von dem daz vil edel getræht
/ ist chomen chvͦnringer geslæht StiftZwettl
11;
daz unreine geslehte, / daz bœse getrehte, / daz alsô wirt von in
[den Seelen im Fegefeuer, die Schlangen gebären] , /
daz hât houbet fiurîn Tund
1028;
Kröllwitz
3539
MWB 2 636,9; Bearbeiterin: Czajkowski
2getrehte
stN.
auch (unter Einfluss von traht, getrahten?)
getraht(e).
‘Erwägung, Gedanke, Überlegung’
[jedes der beiden Heere] dûht dâ selbes wær ein mos, / daz
dehein ros / mit gewarheit überkomen möhte. / daz was ir ietweders getrehte. / alsô
lâgen si enstet Ottok
15338;
die kristen daz [die Unterhöhlung der
Stadtmauer] versliefen, / wand sie heten dhein getrehte, / daz man
in sust geschaden möhte ebd.
49169
u.ö.;
er satzt alz sein geträchte, / wie er aus dem mer chomen mächte MüOsw
729;
das der herr [...] / mess
hoͤrt und stuend dapay / andechtigkleich, getrachtes frey; / das wer guet und
fruchtpaͤr Teichn
631,174;
iͤr getraͤcht und iͤr gedanch ebd.
189,97.
– mit Präp. bzw. Pron.-Adv. ‘Streben, Trachten’
ir getrehte ist nâch den bônen / mêre denne nâch bescheidenheit Renner
4158;
swer allez sîn getrehte leit / ûf werltliche êre mit gîtikeit, / dem ist von
herzen grunde leit / anderre liute wirdikeit ebd.
4905
u.ö.;
darûf stuont allez sîn getrehte Ottok
57090
MWB 2 636,25; Bearbeiterin: Czajkowski
getrehtic
Adj.
‘bedacht, bemüht’
er [Papst Nikolaus] wart darûf
getrehtic / und sêre gedanchaft, / wie er die geselleschaft / möht gestôren und
gescheiden / zwischen den kristen und den heiden Ottok
44940
MWB 2 636,45; Bearbeiterin: Czajkowski
getreide
stN.
→
getregede
MWB 2 636,50;
getreigeret
Part.-Adj.
‘bewandert, erprobt’
also ein mensche ein ding wol und dicke versuͦht het,
so ist ime das wol kúndig unde het es wol durchsehen und ist wol getreigert in den
dingen Tauler
91,25
MWB 2 636,51; Bearbeiterin: Czajkowski |