girol
Subst.
→
gerhilla
MWB 2 802,1;
girregar
stM.
von →
girregarren
abgeleiteter Name eines (angeblichen)
Dämons:
vrouwe, ich [einer der Liebhaber, die sich vor dem Hausherren als
Dämon ausgeben] heize Irregank
[Fehltritt] , / mîn bruoder heizet Girregar
RvMunre
1335;
die [
drî guote knütele eichen
] hulfen
wol den mannen / disen Irregank vertrîben, / so entörste dâ niht blîben / weder
Irregank, noch Girregar ebd.
1441
MWB 2 802,2; Bearbeiterin: Baumgarte
girregarren
swV.
Bed. unklar; wohl wie
gîgen
und
gîgengarren
bezogen auf das Hervorbringen kreischender
oder unartikulierter Laute, also etwa ‘giksen und gaksen, kreischen, grölen’
u.ä. (vgl. auch DWB 4,1,1,1373f. s.v. garren und 7549-59 s.v.
girren, bes. A2):
wir [die Dämonen, von denen angeblich die erwischten Liebhaber
besessen sind] brengen dikke an den wân / vil mangen wizzîgen man,
/ daz er niht weiz, waz er kan. / [...] / mueste wir hie
beharren, / wir solden girregarren / und machen sulhen irregank
[Fehltritte, Wirrwarr] , / daz der wirt ân sînen dank
/ des nimmer gedenken möhte RvMunre
1344;
nû hânt diu wîp gelêret, / daz si niht werden nunnen, / die sus girregarren
kunnen / an Irreganges leichen [zu den Liedern des Dämons
Irregang]
ebd.
1432
MWB 2 802,10; Bearbeiterin: Baumgarte
girschen
swV.
auch girischen.
‘starkes Verlangen verspüren, gierig (nach etw.) trachten’
so en girsche nieman nach deme gvte BrHoh
57;
nach im [dem vergänglichen, irdischen
Gut] giren [Laa. girischen,
girschen
] , die bischove, / [...] /
und hant sam vlizigen vliz / an die girikeit so gewant HeslApk
5826.
– hierher wohl auch:
nîeman tote, nith hvͦre, nit stele, nit girche BrHoh
4
MWB 2 802,26; Bearbeiterin: Baumgarte
girse
swM.
eine Falkenart (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 69a):
do sint gervalkin und gyrsyn di gar gut sint MarcoPolo
32,3
MWB 2 802,34; Bearbeiterin: Baumgarte
gîrskropf
stM.
‘Geierkropf’, hier als Personenname:
die wîle kom ouch Gîrskropf, / sîn gesell Helbl
1,394.
1,409.
1,419
MWB 2 802,37; Bearbeiterin: Baumgarte
girst
Subst.
→
gires
MWB 2 802,40;
gîrstein
stM.
‘Geierstein’
quirindros haizt geirstain. den zeuht man dem geirn auz seim
hirn und ist guot wider all schedleich sach und füllet den ammen ireu prüstel mit
milch BdN
457,14
MWB 2 802,41; Bearbeiterin: Baumgarte
girstîn
Adj.
→
gërstîn
MWB 2 802,45;
girte
swM.
Bed. unklar; Anm.z.St.: ‘Band, Gürtel’; vgl. aber auch L. Diefenbach,
Glossarium latino-germanincum mediae et infimae aetatis, 1857, S. 263c
girtus als mlat. Äquivalent zum mhd. Wort wirte (und zu
anspin;):
die da die türsten wolten sin, / der gab ainer [als
Hochzeitsgeschenk] ain spiegelin, / der ander ainen wirten
[Spindelring] , / der drit gab ain girten
Bauernh
390
MWB 2 802,46; Bearbeiterin: Baumgarte
girunge
stF.
‘leidenschaftliches Streben’
dise gabe bringt dri gnade vor andern gnaden. dü erst gnade ist, das sie vns
reinget vor sünden. dü ander, [...] di drit, das sie
geischlich girunge vnd gotlich minne an vns entzündet Eckh (B)
112,3
MWB 2 802,54; Bearbeiterin: Baumgarte
girvalke
swM.
→
gêrvalke
MWB 2 802,59;
gis
stF.
→
gist
MWB 2 802,60;
gische
F. , gischen
stM.
s.a.
hëschen
.
wohl ‘Aufstoßen, Schluckauf’ (vgl. auch DWB 4,1,4,7561 s.v.
gischen vb.):
de eructationibus post
medicinam [Überschrift] . underwylen bestet eynen
mensche dy gysche na deme [abführenden] tranke, wan eyn
sere czu stole is gegangen [gemeint wohl ‘er heftigen Stuhlgang
hatte’
] ; dat is sere to vorterende vnde is totlych
OvBaierl
26,1;
van dem gischen [Überschrift] .
singultus heyst der gischen vnde kumt itwenne von ober idelcheyt
[Leere] dez liuez [Leibes]
itwenne van obrigher vulle des maghen ebd.
113,1;
du salt ouch mercken, daz alle gischen gerne abe ghen
[aufhören] von groszer screkunge vnde darvmme sal man
en bose mere segen, da von se erscreket werden ebd.
113,15
MWB 2 802,61; Bearbeiter: Helmich
gischen
swV.
auch gissen, s.a.
gëschen
swV.,
hëschen
swV.
‘jammernd den Mund aufsperren, schluchzen’
wir sulen weinen, wir sulen gischen, / bitz diͤ
liͤve stunde kume, / dat wir vinden ’n brüdegume
MarlbRh
35,12;
do saz Jeremias der prophete weyninde und sang bermelichin
dis clagelit und sprach mit eynim bitterin gemute irsufzinde unde gyschinde
Cranc
Vorr. Kl. Jer 161,4;
oscito sternuto singulto nauseo sterto: gewe nyse gysse wele ruze Gl
4:648,6
(BStK947).
– subst.:
ir beider weinen, / ir rienen [Jammern, Klagen] unde
ir fnissen [Schnauben] , / ir sufzen unde ir gissen
Elis
4470
MWB 2 803,12; Bearbeiter: Helmich
gîse
stF.
aus afrz. guise.
‘Art und Weise’
dem emeral [...] gap man Kandaris /
nach der franzoyser gis / mit richem bvnt gentisch lachen [Tuch aus
Gent]
TürlArabel
*A 208,12
MWB 2 803,25; Bearbeiter: Helmich
gîse
swstM.
→
gîsel
MWB 2 803,29;
gîsel
stM.
auch swM. (
Rol
564
), gîse swstM. (
Karlmeinet
408,57
u.ö., vgl. Bartsch, Karlmeinet, S. 293; DWB 4,1,2,2613).
‘Pfandperson, (Bürgschafts-) Gefangene(r), Geisel’ (vgl.
2HRG 1,2006f.; LexMA 4,1175f.):
dem kaiser gerieten sine wisen, / daz er uorderote gisel / uz
iewederem taile Rol
8860;
gestaetige iz an dere stunt / mit giselen unde mit gebe ebd.
1514.
9007;
ob ich
[
Dietrîch
] ertwingen kan / dich
[
Hagen
] mir ze einem gîsel
NibB
2351,4;
ez wurden mîne gîsel zwei wætlîchiu kint ebd.
1756,2;
sô wil ich dich haben mir ze phande. / [...] / dû
muost mîn gîsel sîn Kudr
132,1;
nw vernemet rechte, wat ich saen! / sprach der alde wyse. / mych selver have
do zo gyse Karlmeinet
430,30.
430,38.
– (jmdn. ze) ~
nëmen:
rieten dem chunige di wîsen, / er næme von der stat gîsel. /
dar nâch hiez er ûz wellen zwelfe Kchr
15901;
raten iz dine wisin, / nim ir einen ze gisel
Rol
794.
8870.
– (jmdn. ze) ~
gëben:
welt ir mir Hagenen einen ze gîsel geben NibB
2104,1;
swie wir mit ein ander leben. / des sul wir swern und gîsel
geben Eracl
4878;
sie hetten starck suͦne gemacht und yewedderhalb gisel
gegeben der suͦne zu behalten Lanc
47,3.
97,13;
vnd sol denne dem spitale gen vier gesworne gisel UrkCorp (WMU)
628,22;
Parz
609,26;
Rol
905.
–
(ze) ~ ligen:
er muoz mir lâzen daz leben / oder muoz mir mîn silber geben: / vür daz lît er
gîsel hie StrAmis
1945;
so sulin der burgen zvene zuͦ Rotwile in varen vnd zvene zuͦ
Obirndorf ligen ze gizel nach burgen rehte UrkCorp (WMU)
205,12.
–
~ setzen:
er sazte ir gîsel unde pfant / daz er alle sîne schulde /
buozte unz ûf ir hulde Iw
3782.
–
in ~ wîs
‘wie der Rechtsbrauch der Geiselstellung es verlangt’
so svͤln si [...] ze Lantshvͦt in varen
und in geyselweiz da laisten, vntz daz wir alle di sache avzrihtich machen
UrkCorp (WMU)
3396,10;
so svln si vns laisten vnd ein varen in die stat ze Pazzoͮwe in geiseil
wiz vnd reht vnd nimmer von danne chomen, vntz wir vnsers silbers gæntzlich gewert
weren ebd.
2934,2.
– übertr.:
sô tetiz ouh der kriechen. / ze gîsele [des
Todes] si dâ liezen / manigen ellenden gast SAlex
4701;
sîn [Gawans] benantez gîsel was der
tôt Parz
410,8;
ze gîsel muose er ir [der Ritter der Frau
Minne] den muot / geben und daz herze sîn, / daz diu beidiu muosen
sîn / ir gevangen biz an ir tôt Wig
4145.
–
Crist unsir gisil dur unsich in grabi lag / zwu nacht undi
einin dag SuTheol
235;
GrRud
Bb 24
MWB 2 803,30; Bearbeiter: Helmich
gîselære
stM.
‘Pfandperson, Bürgschaftsgefangener’
obses: giseler VocClos
Ob27
MWB 2 804,15; Bearbeiter: Helmich
gîselen, gîseln
swV.
‘sich als Bürgschaftsgefangene(r), Pfandperson stellen, verpflichten’
swedirhalb aber dekein [irgendeine] gisel stirbet,
so svln sich die andirn drie giseln UrkCorp (WMU)
32,30;
si svln sich [...] giseln. nach gewonheit Zvrich
giselschefte UrkEidgenG
2,1:722
(a. 1252)
MWB 2 804,17; Bearbeiter: Helmich
gîselheit
stF.
‘persönliche Bürgschaft’ (vgl. gîselschaft):
dar zuo gib ich dir gîselschaft [La.
giselheit
] / umb den ritter minnehaft, / daz er dir
niht entrinnet UvZLanz
1825
MWB 2 804,23; Bearbeiter: Helmich
gîselhûs
stN.
‘Haus für die Bürgschaft mittels Personenpfand; Ort, an dem Einlager gehalten
wird,’ (vgl. dazu 2HRG 1,1298f.):
acta fuerunt hec in domo scabinorum ville Brugensis, que vulgariter dicitur
ghiselhuz UrkBresl
128
(a. 1330)
MWB 2 804,27; Bearbeiter: Helmich
gîselitze
stMF.
‘breiartige, dickflüssige Speise’ (zur Entlehnung aus dem Slaw. vgl.
Etymol.Wb.d.Ahd. 4, 388):
dû solt trinken, vater mîn, / wazzer, sô wil ich trinken wîn. / und iz dû
gîselitze. / sô wil ich ezzen ditze / daz man dâ heizet huon versoten Helmbr
473;
nur gersten wazzer und geislitz / daz helf im wol und nichtz
paz Teichn
175,66.
–
glicerium : giseliz Gl
4:215,13
(BStK926)
MWB 2 804,32; Bearbeiter: Helmich
gîselmâl
stN.
‘Mahlzeit für Bürgschaftsgefangene, Essen während des Einlagers’
die burgere Zuͥrich sint uͥberein komen,
[...] daz enkein burger Zuͥrich gegen dem andern
enkein giselschaft versetzen sol, weder mit giseln ze gebenn, noch mit wirten ze
gewinnen, die giselmal geben ze essene StBZürich
140
(a. 1344)
MWB 2 804,40; Bearbeiter: Helmich
gîselreht
stN.
Rechtsbrauch bei der Geiselstellung, ‘Geiselrecht’
so svln si dann zehant laisten ze Regenspurch vnuerscheidenlich, als geisel
reht ist UrkWittelsb
2,40
(a. 1294);
UrkCorp (WMU)
2934,2
MWB 2 804,47; Bearbeiter: Helmich |