g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gîselschaft
stF.
‘persönliche Bürgschaft’ (bes. in Form des Einlagers, vgl. zur Sache LexMA
3,1743; vgl. DRW 3,1524f. und WMU 1,747 für weitere Belege):
der künec dô von in beiden nam / triuwe unde gewisse
gîselschaft, / daz dirre kampf endehaft / des dritten tages wære Tr
9979;
dar zuo gib ich dir gîselschaft / umb den ritter minnehaft, /
daz er dir niht entrinnet UvZLanz
1825;
die dô die wege / hâten werlîch in ir phlege, / sie ergâben
sich aldâ zehant / und [...] gâben an den zîten / ir
gîselschaft dem künge dâ RvEAlex
17723.
13923;
ob vns die giselschaft niht enfuͤgete ze leistende mit vnsers selbes
liben, daz ieweder vnser zwene ersame lant rittere, die dez harnesches pflegent, vur
vns legen sulent in die giselschaft ebd.
3005,14;
obstagium: giselschaft VocClos
Ob34;
StRAugsb
7,9.
182,14;
RvEWh
11541;
MWB 2 804,52; Bearbeiter: Helmich
gîsôtet
Adj.
→
geîsôtet
MWB 2 805,5;
gissen
swV.
→
gischen
MWB 2 805,6;
gist
stF.
s.a.
jëst
,
gëschicheit
.
‘Schaum’
wie gist in der seifen / der kamerwîp gebende [wie der Schaum
beim Waschen von Kopfschmuck] ; / alsô lât iuwer hende / in der
gist [La. giß
] dar strîchen [so
soll auch die Bademagd den Badenden mit Schaum einreiben] . / ze
leste nemt einclîchen / der loug [Lauge] ie mêr unde mêr,
/ sô tuot daz jesen widerkêr [so hört das Schäumen auf]
Helbl
3,70
MWB 2 805,7; Bearbeiter: Helmich
gît, gîz
stM.
ab der 1. Hälfte des 14. Jh. md. auch gîz (gicz
TvKulm ; gytz, gyetz
Hiob ) wohl aus gîtese (als Rückbildung zu →
gîtesen
), vgl. Kluge, S. 341, vgl. a. synkopiertes
e in gitsære (
WhvÖst
4237
).
‘Gier, Unmäßigkeit’
1
‘heftiges Bedürfnis oder übertriebenes Verlangen (hier nach
Nahrung)’
2
‘Habgier, Geiz’
1
‘heftiges Bedürfnis oder übertriebenes Verlangen (hier nach
Nahrung)’
wurtzel von machalder holtz / dy was in [den
Hungernden in der Wildnis] eyne spise smoltz, / und daz sy mit
gytze zuckten / und sy uz den grunden ruckten Hiob
11293.
–
hungers ~
‘Heißhunger, Gefräßigkeit’
si lie des leiden hungers git / erbeiten niht unze uf
die zit / das im wer sieden bas erkant [bis das unbekannte Kraut
fertig gekocht war] : / si assens rou [vgl. IVRg
4,38-41]
RvEWchr
36303;
ze jungest kam geloufen der wolve ein michel schar / in starkem hungers
gîte, als man sie loufen siht. / der hunger twanc si sêre WolfdA
100,3.
– übertr.:
Paulus, der bî niuwer zît / von des ræzen wolfes gît /
lambes milte enphangen hât KvHeimHinv
312
2
‘Habgier, Geiz’
sô sint die muotes kranken / gîtes unde hazzes vol
Parz
675,25;
der riche sunder gytzes vol Hiob
8151.
10361;
ir strît wart sô manicvalt / daz si beide durch nît / unde durch der êren gît
[Ehrgeiz, Ehrsucht] / bescheiden niene kunden / wem
si des stuoles [Papststuhl] gunden Greg
3152;
dû schanden vaz, dû triwen lære, / dû gîtes giftigiu slange,
/ dû bôsheit habende zange Ottok
63489.
42092;
EnikWchr
24391.
– als adv. Gen. ‘mit Verlangen, begierig’
ob ich mit mîner blôzen hant / müese rüeren ir gewant. /
ob ich nu gîtes gerte, / untriwe es für mich werte Parz
202,13.
– spez. avaritia, in Verbindung mit anderen
Todsünden:
di vernumpht czu rechter soz / twinget beide gicz und
vroz [Völlerei]
TvKulm
5768.
– metaph. gîtes vaʒ
‘Habgieriger’ (vgl.
gîtsac
):
swer nimt ze vil, nu wizzet daz, / daz ist der sele ein slac, / daz tuot
nieman den gites vaz / die uf der erden nieman wol mit guote vüllen mac!
FvSonnenburg
69,15.
– im Sprichw. ‘Geiz grünt, ist immer jung’ (vgl.
Friedrich, PhrasWB, S. 166):
der git / gruͤnet, wahset alle zit; / dannoht, so
alle untugende / altent, daz er ist jugende SHort
4853
MWB 2 805,15; Bearbeiter: Helmich
git (?)
Subst.
Bed. unklar (vgl. noch Schiller/ Lübben 2,116), hier Ingredienz eines
Arzneimittels:
cassiafistule. balsam holtz. opopanati. git. igliches
drittelhalb scrupulum SalArz
99,16
MWB 2 805,58; Bearbeiter: Helmich
gîte
Adj.
‘gierig, heftig verlangend’
ie zuͦ den jar geziten Danjelis des propheten, / den hungers lewen
giten [mit kausalem Gen. und nachgestellem Adj. ‘die vor Hunger
gierigen Löwen’ (?), s.a. hungerlëwe
]
erkanden, daz si spise an im niht heten JTit
6219,2.
– subst.:
im stuont offen der munt, / ez was ein vreislîcher slunt: / dar inne stuonden
zwêne man, / daz wâren risen vreissam. / die stuonden bî sînen zenden, /
[...] / owî wie unreiner stanc / ûz des gîten giele
dranc! Tund
686.
– übertr., ‘begierig (auf etw.)’ (mit Gen.d.S.), hier subst.:
daz wir alsô gestrîten, / daz man die sturmes
gîten [Kampfhungrigen] / vehtens muge gesaten
Ottok
50812;
Tund
1359
MWB 2 805,62; Bearbeiter: Helmich
gîte, gîze
stF.
2. H. 13. Jh. md. (?) vereinzelt auch gîze
[:wîʒe] (
gitze JTit
3391,4
).
‘Gier, Unmäßigkeit’
1
‘heftiges oder übertriebenes Verlangen’
2
‘Habgier’
1
‘heftiges oder übertriebenes Verlangen’
eines mannes bilde rein. [...] sie
sach ez an vil manig zit / mit gir und auch mit großer gyt Minneb
292.
– wohl hierher (der Körper hat durch die Verwundung den
Drang zu sterben; auch Unersättlichkeit oder Raffgier des Todes möglich, vgl.
gîtic
1):
sus kerte uz dem strite der starke und der kuͤne
[
tödlich verwundete Gamûret
] . /
des twank in todes gite JTit
952,2.
– nach Nahrung ‘Fresslust, Gefräßigkeit’
habt ir guͦte speise, / [...] / niezzet
sei spærleichen: / der geite svlt ir entweichen, / die der leip vber mazze hat,
/ div die sel nicht genesen lat Warnung
2464;
bildl. vom Teufel:
o wi sin [des Teufels] gite
gecuwe [d.i. gekiuwe
] , / wi manigen si
verslunde / vnde wi manigen si verwunde Litan
418
2
‘Habgier’
ich [der Erzähler] enweiz, war ich mich
zoͤhe, daz ich armer von so richer ziere / sprich, und ist mir doch ein helle
witze, / und ich sin han so kleine. doch ruͤrt mich selten, daz da heizet
gitze JTit
3391,4
MWB 2 806,12; Bearbeiter: Helmich
gîten
swV.
‘nach etw. verlangen’
sehent den wigant, / wie recht gern er strijtet / vnd wie er darnach gijtet
Krone
24530.
– mit Gen.d.S., hier subst.:
ob in widervüeren die von Affricân / mit zoge gein in durch êre in ruomes
gîten Loheng
4126
MWB 2 806,34; Bearbeiter: Helmich
gîtesære
stM.
auch gitsære (
WhvÖst
4237
); gitischere (
Erz III
90,14
).
‘Gieriger’ (vgl.
gîtigære
):
1
‘heftig oder übertrieben (nach Nahrung) Verlangender’
2
‘Habgieriger, Geiziger’
1
‘heftig oder übertrieben (nach Nahrung) Verlangender’
‘ich [der Riese, der schon viele Menschen
gefressen hatte] wil dich verzern.’ / ‘des wil ich mich
entriwen wern,’ / sprach der man vil drate. / ‘sich, daz ist nu ze
spate!’ / sprach der gitisære StrKD
159,61;
do gedacht der gitischere: / zu einem gelucke ich des gehe, / daz vleisch daz
ich da niden sehe, / daz muz mir werden beschert Erz III
90,14
2
‘Habgieriger, Geiziger’
seht, herre, sie [die Schar Missgestalteter mit
großen Mündern und Bäuchen] betuͤten uns / der welt gitsære
WhvÖst
4237
MWB 2 806,40; Bearbeiter: Helmich
gîtesen
swV.
‘habgierig, geizig sein’
gîtset [Hs. gizet
] er [der
Papst] , si gîtsent [Hs.
gizent
] mit im alle, / liuget er, sie liegent alle
Walth
33,16
MWB 2 806,54; Bearbeiter: Helmich
gîtic, gîzic
Adj.
ab der 1. Hälfte des 14. Jh. md. auch gîzic ( HeslApk ;
NvJer s.u. 1), vgl.
gît
und
gîtesen
(Kluge, S. 341).
‘gierig, unmäßig’
1
‘heftig oder übertrieben (nach etw.) verlangend, auf etw. aus
sein’ (mit Gen.d.S. oder präp. Erg. mit ûf , ze ) 2
‘habgierig, geizig’
1
‘heftig oder übertrieben (nach etw.) verlangend, auf etw. aus
sein’ (mit Gen.d.S. oder präp. Erg. mit ûf, ze):
dâ sult ir iuch hüeten wol vor enem tœrschen knehte: /
[...] / der ist lanc und ahselwît, / gîtic übeler dinge
Neidh
WL 31:7,7.
– nach Nahrung ‘gefräßig, unersättlich’
ein grimmer löuwe noch ein ber / nie wurden alsô gîtic /
noch ûf ein vihe sô strîtic, / sô si der hunger sêre twanc
KvWTroj
12765;
glich den gizigen hunden, / di nimmer truwen werden sat
HeslApk
22974;
Plinius spricht, daz die unbehender und unvindiger sein,
die grôz geitig päuch haben BdN
31,30;
bildl.:
mohte der gîtige tôt / mit guoten rittern werden sat StrKarl
6646.
– nach Kampf:
ir beider lîp was unverzaget / und z’eime kampfe
gîtic KvWTroj
9883;
die burger wâren ûf den strît / sô gîtic, daz si fuoren
hin ebd.
12357.
– unklar, ob hierher (vgl. Pfeiffer, NvJer., S. 166 und
HeslApk Glr., S. 370) oder gieʒic (vgl.
Johansson, NvJer., S. 132):
dô lîf ouch zû dî gerûte dît / und vîentlîch dô nidir schrît /
cristinsblûtis gîzic / ân einen brûdir drîzic / und darzû manchin cristin
NvJer
25114;
her ist gizic menschen blutes / und giert uf al sulchen
mort, / daz her sie vorslinde dort HeslApk
10826
2
‘habgierig, geizig’
er ist [...] geitich und übernemend,
alsô daz er sich mêr ding underwint wann er volmag BdN
52,30.
207,2;
ein gîtic herze niemen mac / erfüllen Freid
112,9;
UrkCorp (WMU)
2583,1.
– spez. bezogen auf die Todsünde
avaritia:
hochvart, unchauͤsch, geitig sein, / dar zu hat
er [der Fürst] sich gelait / und hat mich
[Weisheit] von im verjait, / dem mich gab der
vater mein Teichn
397,86;
sus hete in [Jesus] ûf der erden / der arge
tiuvel ungeslaht / vil gerne gîtic dô gemaht KvWSilv
3872;
die arm muͤgent niht hochvertich gesein, so gitich
und so ungedultich sint aver si PrOberalt
82,29.
– subst.:
diebe, lugener, meineider, schelter, rouber, gitige. die
daran werdint funden, die varent ze hellen Lucid
130,7;
den gitigen frisset
er [Lucifer] , wan er iemer wolte haben mer
Mechth
3: 21,50.
– sprichw. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 166):
swer gîtic ist und erge hât, / daz ist wurzel aller missetât Renner
7547;
man sprichet, daz der gîtic man / genuoc hât guotes nimmer niht / denn
êrst, sô man in sterben siht HvBer
6363;
das weder gîtig wîp noch man / niemer gnuog gewinnen kan Ammenh
13149
MWB 2 806,57; Bearbeiter: Helmich
gîticheit, gîzicheit
stF.
auch githscait (
BrZw
57
); ab der 1. Hälfte des 14. Jh. md. auch gîzicheit (
giczekeit Pelzb
135,33
), vgl.
gît
und
gîtesen
(Kluge, S. 341).
‘Gier, Unmäßigkeit’
1
‘heftiges oder übertriebenes Verlangen’ (hier nach Nahrung oder Trank) 2
‘Habgier, Geiz’
1
‘heftiges oder übertriebenes Verlangen’ (hier nach Nahrung oder
Trank):
wenne nu der jung gauch an dem nest sitzt mit den grasmuken,
sô zuckt er mit seiner geitichait der alten grasmuken alle zeit daz ezzen vor den
andern BdN
178,22;
maniger trinket durch gîtikeit Renner
10105
2
‘Habgier, Geiz’
ir muot / an habe gewant und an daz guot / und was daz gar ir
wünne, / wie sie des vil gewünne, [...] daz ist bœse
und heizet gîtecheit Eracl
2003;
der im [dem Geizhals] zesamen schütte / weizes
tûsent mütte [Scheffel] / an einen grôzen houfen, / und
trüeg man im ein goufen [eine Handvoll] / desselben
weizes hin dan, / er wænte sîn gar zergân / von sîner grôzen gîtikeit Helbl
2,582;
diu kerge tugenden vil verirt, / diu kerge ist nîdes gîtekeit
/ ein uberflüzzic vaz KLD:Kzl
16: 19,3;
dc ist der lv́ten vnsteitekeit, dv́ zi gitekeit gineiget ist vnd
dvr gvͦtes giwin nîth vnd mengerhande vntrv́we brv́wet
UrkCorp (WMU)
N503,27;
RvEBarl
5397;
HvHürnh
5,2.
– spez. bezogen auf die Todsünde
avaritia:
Lucifer begieng zemale drie hoͮbetsúnde:
has, hofart und gitekeit Mechth
3: 1,60;
hôchfart viel von himelrîch, / nît treip den menschen jêmerlîch / von
sînem erbe [...] / dô brâhte in frâz und gîtikeit / und
unkiusche sît in manic leit Renner
7781
u.ö.;
BrZw
31.
57.
–
‘Missgunst’
si hat nit und gitecheit, / ir ist daz swære und leit, /
daz si dehein wip horet loben. / ir herce muz vor leide toben, / so man deheiner
fur si gert StrKD
31,119.
– im Sprichw. (I Tim 6,10; vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
166):
swer gîtekeit und erge hât, / deist gruntvest aller missetât Freid
91,2;
Renner
7267
MWB 2 807,43; Bearbeiter: Helmich
gîticlich, gîziclich
Adj., Adv.
adv. auch -lîchen; ab der 1. Hälfte des 14. Jh. md. auch
gîziclich (gytzeclich
Hiob
1772
), vgl.
gît
und
gîtesen
(Kluge, S. 341).
‘gierig, unmäßig’
1
‘heftig oder übertrieben verlangend’
2
‘habgierig, geizig’
1
‘heftig oder übertrieben verlangend’
du sollt nach vollgenn nichtt den pegirdenn an essenn, an
trinncken, an gelüsst unnd an geyttigklichem
[übermäßigem] schlaffe [
sompno
diuturno
]
HvHürnh
13,6;
swen sô verhaget der welte hac, / der rihtet kûme sich von ir
/ und von ir gîteclîchen gir RvEBarl
5404;
Parz
463,25;
der guote / daz swert vermezzenlichen zôch / und sluog ez ûf den grâven hôch /
sô gîteclîche enrihte, / daz im [...] / diu klinge ûz sîner
hende enphuor KvWPart
5943
2
‘habgierig, geizig’
swer denne sô gîticlîchen lebet, / daz tac und naht sîn herze strebet / nâch
allem dem daz er gesiht Renner
10053.
7587;
daz ander ist, daz dû dîn guot niht ze gîticlichen haltest und daz dû ez armen
liuten mite teilen solt PrBerth
2:199,36;
wann er ain dinch besitzen tuͤt / des er lange gert
in seim muͤt, / wie ers praͤcht in seinn gewalt
[...] er gert in seinem mut / geitichleichen nacht und
tag Teichn
564,2251;
StrKD
166,151
MWB 2 808,16; Bearbeiter: Helmich
gîtigære
stM.
‘Gieriger, Habsüchtiger, Geiziger’ (vgl.
gîtesære
,
gîtischære
):
in [den Freigebigen] muz dunchen
zevil / der gabe und ienes gitecheit, / [...]. / swie gerne
er milde wære, / in machent die gitegære / an guten willen so schart, /
[dass er nichts mehr gibt]
StrKD
73,38;
sô süln noch kumen glîchsener, / hôchfertiger und gîtiger,
[...] lügener, / smeicher, valsche prediger / und aller
untugent nâchvolger Renner
17028.
4681.
10810
MWB 2 808,39; Bearbeiter: Helmich
gîtige
stF.
‘Habgier’
daz [in Bezug auf die Verkaufspreise von
Handwerksprodukten des Klosters] inhein gitigi si an dim
werde [
in ipsis autem pretiis non subripiat avaritiae
malum
]
BrEng
57
MWB 2 808,48; Bearbeiter: Helmich
gîtlich, gîzlich
Adj., Adv.
adv. auch -lîchen; ab der 1. Hälfte des 14. Jh. md. auch
gîzlich (gytzlich
TvKulm , Hiob ), vgl.
gît
und
gîtesen
(Kluge, S. 341).
‘gierig’
1
‘heftig oder übertrieben (nach Nahrung, Trank) verlangend’
2
‘habgierig’
1
‘heftig oder übertrieben (nach Nahrung, Trank) verlangend’
den kopf [Becher] er gitlichen nam.
/ den satzet er an sinen munt / und trank in einer kurzen stunt, / swaz er da wines
innen vant StrKD
5,212.
8,32;
mit drîn dingen wart der êrste man Adam uberwunden: mit gîtlichem vrâze, mit
ubermuot, mit uppiger êre PrStPaul
50,8;
TvKulm
532
2
‘habgierig’
dô sprach der
künic [
Avenier
] , ‘wer sint
die [
zwêne vînde
] ?’ / ‘daz
wil ich [
der râtgebe
] dir sagen hie: / zorn
und gîtlîch âkust’ RvEBarl
323;
wan er wyt zu samne gelas / des er gytzlich begernde was, /
der riche sunder gytzes vol Hiob
8150
MWB 2 808,52; Bearbeiter: Helmich
gîtsac
stM.
‘Sack, der nicht voll werden will’
– bildl. für ‘Habgier’
der iu [Ärzten und Juristen] zuo trüege / arken
[Kisten] ungefüege / silber unde goldes vol, /
dannoch dunket mich wol / daz iuwer wîter gîtsac / stüende offen allen tac
BuchdRügen
721;
wer mohte gar geschriben / was div miete
[Bestechungsgeld] wunders kan /
[...] / der gitsack zvhit als ein
kranpf [l. krampf
] / zesamen menge zvngen /
dem alten als den iungen Martina
18,93.
– bildl. für ‘Habgieriger, Unersättlicher’
swi vil ieder man nu bring / ze sament, ich armer gitsak, /
so mag mir doch ir aller smak / niht die begird setten SHort
4315;
wande er [personif. gîtekeit (als junchêrre
des Teufels)] sô grôzen gewalt hât der gîtsak, sô ist er ouch der
siben houbetlaster einz PrBerth
1:529,23;
diu menege hât dehein zal, / starc was der ir val, / diu dâ stuont unde lac /
umbe den selben gîtsac [den Teufel]
Tund
1344
MWB 2 809,4; Bearbeiter: Helmich
gîtslündic
Adj.
‘gierig hinunterschlingend, gefräßig’
Wolf ist gîtslündec, / sô ist Fuhs viel kündec Helbl
4,419
MWB 2 809,23; Bearbeiter: Helmich
gîtunge
stF.
‘Begierde, Verlangen’
ambitum: gitungi Gl
1:698,24
(BStK681)
MWB 2 809,26; Bearbeiter: Helmich
giuchart
stN.
→
jiuchart
MWB 2 809,28;
giudære
stM.
auch gauder.
‘Angeber, Prahler, Verschwender’
wellicher chünig unmässigklich aus geüsst dez reiches guet
oder unnotturfftigklichen den unwirdigenn und den, die sein nit wedürffenn, der ist
ain rauber und wirt ungewalltig des reichs; da von wirt er gehaissen ain geüder
HvHürnh
4,15;
Von gaudern. mich wundert ains dings vil: / wa man
gauͤt und gauden wil, / yeder man von seinem ding, / so gicht chainer an dem
ring / daz ez im uͤbel sei gegangen Teichn
315,Überschrift.
134,10.
– als Bestandteil von Personennamen:
Albreht vnd Bertold die Gúder UrkCorp (WMU)
1992,41
MWB 2 809,29; Bearbeiter: Helmich
giude
stF.
1
‘Überfluss, Verschwendung’
2
‘Annehmlichkeit, Genuss’
3
‘ausgelassene Freude, übermütige Heiterkeit’
1
‘Überfluss, Verschwendung’
si wolde sich erbarmen / me gein den godes armen / dan ir bevolhen were; / wi
in die lobebere / gabe uzen handen lengete, / obe si des ieman drengete: / an dirre
almuͦsen gude / si bede ir ander lude / di almusen reichen dar Elis
7957
2
‘Annehmlichkeit, Genuss’
er [der Leichnam] gab wunneclichen ruch, / der
suͤzekeide keinen bruch, / wene alle froude hette, / der al zu male
begette [verschaffte] / sinne unde ouch gemuͤde
/ wollust unde alle gude Elis
9422
3
‘ausgelassene Freude, übermütige Heiterkeit’
daz mit hoher froide, / mit wunneclicher goide / an der frouden richen vart /
min sele ieso begozzen wart Elis
5196.
4377.
6399;
gar schentlich nider vellet / ouch dis glysseres vreude, /
der er sich in rechter geude / vrewet Hiob
7970;
die brutlauft vnde ir geude / die vnzalichen fravde PrHess
65,65;
ich wart ir aller göude Virg
402,6.
eins tages ich in vröuden saz, / dâ vil schœner vrouwen was. / die
bâten mich in sagen / von âventiure, ich kunde ir niht: / ich wart ir aller göude
1014,8.
– Name eines allegorischen Hundes:
Göud ist ein hunt ungenge, / er machet mangen affen, / swâ er hin jeit die
lenge Hadam
389,1;
ebd.
9422
MWB 2 809,42; Bearbeiter: Helmich
giudel
stM.
‘Angeber, Prahler, Verschwender’
mich machet basz frödenrich / wann sich min minicklich lieb / zu mir verstilt
recht als ain dieb / vnd mich vz rottem munt / grüsset ze aller stunt / so wart nie
kaiser min genosz / so bistu güdel eren plosz MinneR 418
32;
der hoch und der riche wan / den ich vff gut geding han / der git mir fröden
richen zol / so bistu güdel wines vol / vnd lebest in ludrie [l.
luoderîe
]
ebd.
84.
– als Bestandteil von Personennamen:
Walther Gudel von Oberndorf UrkCorp (WMU)
1687,16
MWB 2 810,3; Bearbeiter: Helmich
giuden
swV.
auch gauden; häufig subst.
1
‘prahlen, großtun, sich wichtigmachen, angeben’
2
‘(vor Freude, Übermut, Hybris o.ä.) laut sein, schreien; übermütig, ausgelassen
sein’ (nicht immer eindeutig von 1 abzugrenzen) 3
‘Verschwendung treiben, vergeuden’
1
‘prahlen, großtun, sich wichtigmachen, angeben’
schallen und geuden sint mir swære: / man seit des phlegen tavernære
WälGa
304
u.ö. (vgl. gesamtes Kapitel);
die wip entuͦnt nit alz di man, / der mit worten manger guͤdet
MinneR 410
165;
geuden giengen sî gelîch / hiwer an einem tanze Neidh
WL 19:4,1;
PrBerth
1:83,35.
–
wir mugen wol alle stille swîgen dâ hêr Liutolt sprechen wil: / ez darf
mit sange nieman giuden wider in KLD:RdF
3:1,8
subst.:
wâ nû, ein junger degen? / wie ist dîn grôz giuden hie sô balde gelegen!
RosengD
419,4.
535,2;
dins giudens mich gar sere bevilt Frl
5:116G,17;
Hadam
341,3;
Er
9066.
2386.
– mit Präp. von bzw. Pron.-Adv. dârvon bei
Teichn und Suchenw
‘von etw./ jmdm. überschwänglich, rühmend sprechen; mit etw.
angeben’
so mŭg wir von dir [Maria] gewden / dein
sun dir ist mit frewden / geporn, des hab immer danch Suchenw
41,925;
mich gruest oft ein czuchtig man, / der betwingt mit
seinem gruez / daz ich von im gauͤden muez Teichn
47,98.
der hat schoner vrawn gruez, / daz man von im gauden
muez / untz an den urtaegleichen tag ebd.
377,18;
der leicht nie bejait chain er, / der gauͤt aller
maist der van ebd.
316,33.
587,105
u.ö.
2
‘(vor Freude, Übermut, Hybris o.ä.) laut sein, schreien; übermütig, ausgelassen
sein’ (nicht immer eindeutig von 1 abzugrenzen):
daz si an vroudin wurdin laz, / daz si icht dorftin goudin / mit ummegezigin
vroudin PfzdHech
316,33;
mit den [Rittern] er wolde wesin geil / unde in
wirtschaft goidin NvJer
7867.
– Part.-Adj.:
nû kômen zuo im sâ / die bêheimherren alle, / mit
geudundem schalle Ottok
91054.
– refl.:
ir wellet euch gaͤwden [
exultate Ps
31,11]
PsMb
30 (Glossar).
– subst.:
von Herzelauden der werde was gescheiden, / die sunder vreude gauden dar
umbe sit erstarp von herze leiden JTit
6002,2;
von disen mæren viengen sie / sô grôze fröude, daz
nieman / grœzer fröude nie gewan, / [...]. / an
berge und in die welde erhal / ir giuden unde ir grôz gebraht
KvWTroj
49151.
8576;
sich huob dô giuden unde braht / in den herbergen überal.
/ si triben hovelichen schal KvWTurn
242;
mit geuden und mit schrîen / tribens al ze grôzen braht.
/ si kômen bî tac und bî naht / in daz lant gestrichen / und wuosten freislichen
Ottok
4434
u.ö.
3
‘Verschwendung treiben, vergeuden’
daz gelt man ir zu mal verbot. / si hatte loube doch an brot / zu gebene armen
luden. / hi mide si nu guden / glicher wise alse e began Elis
8030;
swer niht hât wan der hiute, / der giudet mêr dann ein man,
/ der tûsent marc geleisten kan EnikWchr
27513.
– subst.:
ainem ieglichem ist ring [fällt
leicht] geuden und geitigkait ze üben und schwär ze
wehabenn [behalten] und zewehalltenn milltigkait
HvHürnh
4,7;
der frouwen er [
meister Cunrat
] zu
male verbot / beide penninge unde brot / zu gebene armen luden, / daz si nu
leize ir guden Elis
8046
MWB 2 810,14; Bearbeiter: Helmich |