Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   getratschaft - getriuwe    


getratschaft stF. ‘Weiderecht’ (vgl. trat stF.): ius quod vulgo dicitur gemain merke, getratschaft unde vihewaide, [...], ex quo iure ipsis liceret sua peccora pascere, prout vellent UrkSalem 2,75 (a. 1273). 2,76 (a. 1273)

MWB 2 634,18; Bearbeiterin: Czajkowski

getrebe stN. gedrebe

MWB 2 634,23;

getrebede stFN. gedrebede

MWB 2 634,24;

getrecke stN. ‘Gefolge, Heerzug’ (zu trecken ): dô sach man kumen manchirlei / pilgerîm in Pruzînlant, / dî hô und eddil wârn irkant. / dî achbersten waren ditz: / herzoc Bernhart von Swîdenitz / mit michilem getrecke [...] NvJer 25664; do [...] bleib daz kind Ihesus in Ierusalem, vnd daz irkanten nicht sine eldirn. vnd wonten in wesen in dem getrecke [ in comitatu Lc 2,44 ] BiblMK 300. – in unklarem Zusammenhang: do si dar quam [als die Kupplerin zur Wohnung ihres Auftraggebers im Hof des Probstes kam] mit ir [der Kupplerin oder der Gäste?] getrecke / si [die Gäste des Probstes] solden rite ein zilstrecke Schampiflor 349

MWB 2 634,25; Bearbeiter: Richter

getrëfse stN. ‘Wildgras, Trespe’ (Koll. zu trëfs ): nicht guot wirt mel dâ vil getreffs ist under korne KLD:SvT 1:1,6

MWB 2 634,38; Bearbeiter: Richter

1getregede, getreide stN. (M. Kchr 10413 ) auch getragede ( PrWack 7,50 ); zu tragen ‘tragen’. 1 bewegliches Gut, ‘Besitz, Hausrat, Sache’
1.1 ‘Kleidung’
1.2 ‘Last, Gepäck’
2 ‘Getreide’ (als Pflanze und als Korn)
2.1 das, was heide und walt hervorbringen (Blume, Laub)
2.2 übertr. ‘Frucht, Ertrag’ (insbesondere vom Wunder der Inkarnation)
3 ‘Lebensmittel, Nahrung’
   1 bewegliches Gut, ‘Besitz, Hausrat, Sache’ des clostris getreigede in isene oder in gwandin oder in den anderin sachin [ substantia monasterii in ferramentis vel vestibus seu quibuslibet rebus ] besehe der abbit vnd bevelhe si cebehvtene BrHoh 32. 31; die [ riche knappin ] liezin als ir guͦt vnd ir getregede duͦrch sine predige vnd volgetin im [Johannes] vnd truͦgin snode cleidere duͦrch gotis lon PrLpz(L) 78,15; ez dunket mich ein vremeder site, / daz dû mit dem getregede, / des gerne spulgent [gebrauchen, mit etw. umgehen] megede, / wilt suochen vrechen jungelinc KvWTroj 27601; KvWLd 32,344; suppellex: getregede SummHeinr 2:490,01.94; possessio: getraegide GlHerrad:Komm 78; WüP 104,14; UrkCorp (WMU) 2713,43. – übertr.: vil wünneclich getreide [Ausstattung, Eigenschaften] / lac an ir [Engeltruts] süezem lebene KvWEngelh 2974    1.1 ‘Kleidung’ da si die gemeinen stole / entfan zu ir getregede Litan 996; ritter, vrawen und mægde, / die an sich rich getrægde / von grozzer kost laiten, / und do si sich geclaiten / mit richer zierde mangerlay, / nach irm reht ie zwai und zwai / sich zehanden viengen WhvÖst 2396    1.2 ‘Last, Gepäck’ si fuorten vier und zweinzic schif / getregedes unde liute vol KvWTroj 19411; dô sie ûf daz mer quâmen, / ir rûwe sie dâ nâmen / mit allerleie getregede. / man, wîb und megede, / rinder unde pferde / vûrten sie vil werde / gebunden und gevangen LivlChr 7289; Vät 14739. – übertr.: daz marterlîche getreide / daz man dâ heizet trûren, / daz kunde er tiefe mûren / in sînes edeln herzen grunt KvWEngelh 2140    2 ‘Getreide’ (als Pflanze und als Korn): ir getreide, / daz in gewachsen was daz jâr NvJer 23159; daz getreid wart ouch sô tiwer, / daz die liut verzagten darab: / den mutte kornes man gap / umb vierzic und umb zehen phunt Ottok 9357; dô kâmen sô vil häuschrecken geflogen von Ungern [...], daz si sô vil getraides verderbten auf dem veld, daz manich gäuman verdarb BdN 76,1; in den huffen er do sluͤg / als der schaur [Schauer, Unwetter] in daz gedrait Teichn 586,99; WüP 75,1; MarcoPolo 19,19 u.ö.; SchlierbAT (LS) 1,108    2.1 das, was heide und walt hervorbringen (Blume, Laub): êst ein winder: nemt des war / an der liehten heide! / die hât er gemeilet und den grüenen walt; / [...] / seht an ir getreide! / daz ist allez von dem leiden rîfen kalt Neidh WL 12:1,6    2.2 übertr. ‘Frucht, Ertrag’ (insbesondere vom Wunder der Inkarnation): do got wolde haben sune / hier mit der menscheite, / so schuf er sin geleite / und sin herlich getregede / mit der vil reinen megede HeslNic 2101. 4171. 5323; HeslApk 4230 u.ö.; sus hat dú maget [Maria] fur gelait / der ranikait getregte, / des sich begen [ernähren] die megde, / si sint arm oder rich, / weltlich oder gaistlich SHort 703; wie dich [Christus] dú minn hat gejagt / von himelrich zuͦ der magt / und von der rainen megde / uf dis bós getrágde / der mágde [die Menschheit als Nachkommenschaft Evas] dú dir gab swachen lon ebd. 3924    3 ‘Lebensmittel, Nahrung’ dô begunde er [Ismael] wahsen, manech wilt fâhen: / abe gescôzze und ab jagede nam er sîn getragide Gen 915; der getraid daz sind: smaltz, chaes, huͤner, ayr, visch und allez chlaines getraid und wiltpraet StRMünch 454,26 u.ö.; daz edelst getraͤgde [Wein] SHort 5567; MillPhys 116,3; Kchr 11570

MWB 2 634,41; Bearbeiter: Richter

2getregede stN. ‘Tragbahre, Sänfte’ si wolten in [den ermordeten Wilhelm] niht mer lan / ligen vor der mægde: / ain kostrich getrægde / was dar braht, dar uf si in / fuͦrten uz der wilde hin WhvÖst 19100

MWB 2 635,47; Bearbeiter: Richter

getregede stFN. ‘Verhalten, Betragen’ (zu tragen refl. ‘sich benehmen’): die tumben gailen mægd / mit unkúscher getrægt / er wilunt us den ringen jaget SHort 4806; die bichter mit den megeden / mit reinen getregeden / sich neten gotes hulden HeslApk 3630; sint dem male do die starken / propheten, patriarken, / zwelfboten, bichter, megede, / merterer von irem getregede / durch Jhesum Cristen giengen / unde den tot entpfiengen ebd. 2168. 6342

MWB 2 635,52; Bearbeiterin: Czajkowski

getregede|gültât stN. Ansatz unsicher (vgl. Glossar; anders DRW 4,1264 s.v. gülten). ‘Getreideabgabe’ das wir [...] nemen sullen von yegklichem guet [...] das getraid gültat ye von dem schaf [Scheffel] waitzes achzigk pfennig BairFreibr 5

MWB 2 635,62; Bearbeiterin: Herbers

getregede|gülte stF. ‘Getreideabgabe’ mit allem dem vrbar, daz dar zv [Burgen] gehort ze dorf, ze holtz vnd ze velde, iz sei phenning oder getræide gvlt, weingarten, acher oder wismat UrkEnns 4,465 (a. 1304)

MWB 2 636,4; Bearbeiterin: Czajkowski

1getrehte stN. auch gethrahte. ‘Frucht’ (s.a. getraht stF.) 1 ‘Getreide’
2 ‘Nahrung, Speise’
3 ‘Nachkommenschaft’
   1 ‘Getreide’ sie wâren harte wîse des, / daz sie die edelen getraht [Korngarben] / sô sêre bunden âne maht, / daz in der icht entwunde Kröllwitz 3037    2 ‘Nahrung, Speise’ ez [das Buch] kan wol berihten / von manigerleie gerihten, / [...], / wie sie sich vereinen / vnd wie sie sich besachen, / daz sie klein gethrahte zvͦ hoher spise machen BvgSp Vorrede,16; ein guͦt gethrahte [Überschrift] ebd. 27    3 ‘Nachkommenschaft’ einen svn het dô der / der hez nah im ovh Alber / von dem daz vil edel getræht / ist chomen chvͦnringer geslæht StiftZwettl 11; daz unreine geslehte, / daz bœse getrehte, / daz alsô wirt von in [den Seelen im Fegefeuer, die Schlangen gebären] , / daz hât houbet fiurîn Tund 1028; Kröllwitz 3539

MWB 2 636,9; Bearbeiterin: Czajkowski

2getrehte stN. auch (unter Einfluss von traht, getrahten?) getraht(e). ‘Erwägung, Gedanke, Überlegung’ [jedes der beiden Heere] dûht dâ selbes wær ein mos, / daz dehein ros / mit gewarheit überkomen möhte. / daz was ir ietweders getrehte. / alsô lâgen si enstet Ottok 15338; die kristen daz [die Unterhöhlung der Stadtmauer] versliefen, / wand sie heten dhein getrehte, / daz man in sust geschaden möhte ebd. 49169 u.ö.; er satzt alz sein geträchte, / wie er aus dem mer chomen mächte MüOsw 729; das der herr [...] / mess hoͤrt und stuend dapay / andechtigkleich, getrachtes frey; / das wer guet und fruchtpaͤr Teichn 631,174; iͤr getraͤcht und iͤr gedanch ebd. 189,97. – mit Präp. bzw. Pron.-Adv. ‘Streben, Trachten’ ir getrehte ist nâch den bônen / mêre denne nâch bescheidenheit Renner 4158; swer allez sîn getrehte leit / ûf werltliche êre mit gîtikeit, / dem ist von herzen grunde leit / anderre liute wirdikeit ebd. 4905 u.ö.; darûf stuont allez sîn getrehte Ottok 57090

MWB 2 636,25; Bearbeiterin: Czajkowski

getrehtic Adj. ‘bedacht, bemüht’ er [Papst Nikolaus] wart darûf getrehtic / und sêre gedanchaft, / wie er die geselleschaft / möht gestôren und gescheiden / zwischen den kristen und den heiden Ottok 44940

MWB 2 636,45; Bearbeiterin: Czajkowski

getreide stN. getregede

MWB 2 636,50;

getreigeret Part.-Adj. ‘bewandert, erprobt’ also ein mensche ein ding wol und dicke versuͦht het, so ist ime das wol kúndig unde het es wol durchsehen und ist wol getreigert in den dingen Tauler 91,25

MWB 2 636,51; Bearbeiterin: Czajkowski

getrenke stN. 1 ‘Trinkgelage, Besäufnis’
2 ‘Getränk’ (vgl. getranc )
   1 ‘Trinkgelage, Besäufnis’ in dem getrenke / wûchs ein [...] gezenke NvJer 17447; die kunige von Sameiten / die liezen in bereiten / ein getrenke, daz waz grôz. / [...] / si trunken und wâren vrô LivlChr 4655. 4673    2 ‘Getränk’ (vgl. getranc ): vnde sal itwanne geringe gedrenke geuen [l. geben ] OvBaierl 67,9; dem ich diz lob schenke, / der nimt ez [...] vür ein gut getrenke Frl 5:10,5

MWB 2 636,56; Bearbeiterin: Czajkowski

getrete swM. ‘Nutzungsberechtigter an Weideland’ (vgl. trat stF., getratschaft stF.): dass die von der Riedtstatt [...] iro vich weiden sollendt unnd mogendt, wa sy woͤllend inn dem holtze deren von Schwartzenburg, als getretten [...] unnd dass auch die von Schwartzenburg [...] iro vych weyden sollendt noch moͤgendt uffen dien von der Riedtstatt, auch als getretten und in dem lannde gewonheit ist UrkBern 6,272 (a. 1336 kopial)

MWB 2 637,1; Bearbeiterin: Czajkowski

getrete stN. ‘Auftreten, Treten, Getrampel’ auf yeder pruk man wenig slief / von getret und von gedranch Suchenw 4,185; daz [Räucherwerk des Engels, vgl. Apc 8,3] sint al edele gumme [Harz aus Weihrauch] , / die vor gote wol riechen: / der ruͤf helfeloser siechen, / [...] und der notigen getret HeslApk 12801; wolt sie mein [als Vogel] denn pflegen vor getrette [Zertretenwerden] , / vor lieb trúg sie mich nachtes an ir bette Neidh(S) 2,179 c95:12,8; Loheng 1812

MWB 2 637,10; Bearbeiterin: Czajkowski

getribele stN. ‘eifriges Tun, Treiben’ wie si [die Bienen] her uz gewinnen / wol múgen den lutern honicsaim / und den mit ir bringen haim, / dar an lit ir getribile PassI/II(HSW) 42197

MWB 2 637,20; Bearbeiterin: Czajkowski

getrifte stN. ‘Unternehmung, Machenschaft, Lebensweise’ diz [das Erlösungswerk] tet got nicht vorgebene, / daz her diz michel getrift / mit dem menschen hat gestift HeslApk 19583; der ketzer getrift ebd. 13886; also kam er wider uf daz vorder getrifte, da er zuͦ vermant waz, einer warer gelassenheit Seuse 327,23

MWB 2 637,24; Bearbeiterin: Czajkowski

getrîp stN. ‘Treiben’ diz geschach von dem getribe / des tuvels der die juden reit HeslApk 10660; Macc 8588; do wart dem keisere also zorn / durch des pabestes getrib PassIII 479,95; ir suntlich getrib ebd. 324,64; PfzdHech 361,32; EbvErf 617. – unklar: gotes suns natûre was / der liute natûre nit gelîch, / wan daz si ûzzeichende sich / mit allem getrîbe / an Jêsu Kristes lîbe, / wan swaz an dien flüzzen vier [an den vier Säften (nach der Humoralpathologie)] / beste was, daz was ouch hier / an gotes sunes lîp geleit WvRh 6452

MWB 2 637,31; Bearbeiterin: Czajkowski

getriute stN. ‘Liebkosung’ guoter wîbe getriute / und ir gruoz und ir minne Wh 400,2

MWB 2 637,42; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwære stM. ‘Gläubiger’ der da hat ein [auf ihn] gefallens recht von den getraueren StatTrient 186

MWB 2 637,44; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwe, getrûwe Adj. auch getriu/getriw, getru, getreu/getrew, getruge ( Roth ), getrou ( VMos ), getrouwe ( En ); im Mhd. überwiegend statt der präfixlosen Form triuwe (vgl. DWB 11,1,2,245f.); Adv. mit -lich (vgl. DWB 11,1,2,247). Zentraler Begriff der von Personenbeziehungen geprägten mittelalterlichen Gesellschaft, bezogen auf Beistandspflichten und Erwartungen im Lehnswesen und andere persönl. Beziehungen der Verantwortlichkeit; s.a. triuwe stF., die Übergänge zwischen den Positionen 2-6 sind fließend (vgl. u.a. Ehrismann, Ehre und Mut, 211-216), ‘treu, zuverlässig, beständig, hilfreich’ 1 allg.
2 allg. auf Dienst, Gefolgschaft u.ä. bezogen
3 in rechtlich bestimmten Verhältnissen, bei Verträgen
4 häufig im Vollkommenheitskontext ritterlich-höfischer Beschreibungen
5 bezogen auf Verwandtschafts-, Liebes- oder Ehebeziehungen
6 in religiöser Sprache
6.1 bezogen auf den Gläubigen
6.2 bezogen auf Gott oder Gottes Sohn; häufig in formelhaftem Gebrauch zusammen mit guot, minnend, gerëht
   1 allg.: als getrew nâchgepaurn, der sich ainr des andern êr und nutz fräuet BdN 220,26; sîn getriuwer [treue Ergebenheit zeigender] gruoz was ir bereit, / wan si hêt grôze nôt erliten Wig 3965; Mechth 5:24,69. 6:3,11. – mit Dat.d.P. und sîn: die mein junger sint, die mir getreu sint und den hiligen gelauben und die waren minne habent PrOberalt 51,34; En 8458; Rol 1827. – subst.: boͤse lvgenere / die dringen leider allez fvr, / die getreͮwen blibent vor der tvr ReinFu K,2186; wir [...] kúndin allen gottes getrúwen [...] únsern gruͦz UrkCorp (WMU) 2597,9. – als Bestandteil von Personennamen bzw. als Apposition got oder einem Personennamen vor- oder nachgestellt (subst. oder attr.): warre got der getruwe, / nu mich mine sunde riuwen SüklV 333; sein getriwe, die ersamen ritter Heinrich vnd Albreht UrkCorp (WMU) 2423,26; Hainrich der getriͮwe ebd. 1670,43; Parz 526,9; Tr 5143. – Sprichwort (?): der getriwe ist friundes êren vrô: / der ungetriwe wâfenô / rüefet, swenne ein liep geschiht / sînem friunde und er daz siht Parz 675,17    2 allg. auf Dienst, Gefolgschaft u.ä. bezogen: wie hân ich an den Hiunen hie verdienet den tôt? / ich was dir ie getriuwe, nie getet ich dir leit NibB 2102,1; Volka, der getruwe smit Herb 2987; welch man getruwe ist der sol synem herren alles das wol lastern das wiedder sin ere ist Lanc 532,10; PrLpz 31,38. – in Bezug auf das Verhältnis von Tieren zu einem Menschen: der getriuwe hergeselle [Iweins Löwe] / der kratzet unde beiz dan / holz und erde unz er gewan / ein gerûme ûzvart Iw 6746; des nemet ein glîchnisse an dem hunde, der ein unvernünftic tier ist. der ist sînem herren alsô getriuwe [ergeben] , allez daz sînem herren wider ist, daz hazzet er Eckh 1:271,9. – sehr häufig formelhaft in der Verbindung ~ man (vgl. DWB 4,1,3,4506): er nam sîn aller getriwisten man, / die ime ze sîner nôte / ie wâren einmûthe VAlex 566; her Gâwein der getriuwe man Iw 2767; Roth 55; NibB 2141,1; HagenChr(G) 3418    3 in rechtlich bestimmten Verhältnissen, bei Verträgen: [eine Frau] sal dan einin kisi [auswählen] , swemi su iz gitruwit, daz uri [ihre] getruwe vormunde si wolli Mühlh 167,21; Ruͦdolff von gottes genaden römischer kunig [...] embieten allen des römischen reychs getruwen die disen gagenwurtigen briefe ansehent unser genad und allez guͦt StRAugsb 233,3; wann ich enweiß yn so getruw nicht, gebe ich myn burgk off und myn lant, das er mirs ymer wiedder gegebe Lanc 4,34. – zur Einführung von Personen(gruppen), als Titel: wir [...] gebietten allen leuten, unsern getrüwen fürsten, graven, frien, rittern, knechten, burgern und gebuwern StRWerth 8; unser lieb getruwen die burger ze Augspurg StRAugsb 233,10; UrkCorp (WMU) 1653,15. – mit unbelebten Bezugsgrößen: besigelet ze ainem vrkunden getruem vnd ze ainer ganzer vestenuge UrkCorp 993,16 (WMU); daz wir [...]vnser jnsigel haben gegeben ze ainer getriwer vestenunge an dise brieue UrkCorp (WMU) 2450,36. 3578,22. – in Verbindung mit hant ‘treuhänderisch’ (vgl. getriuwehender ): vil gesteines, silber, golt / sante er vor im in daz lant / bî getriuwer liute hant: / die brâhten ez zer inseln hin, / dâ man in wolte senden in RvEBarl 5118. 5141; vnd vnserr erben daran pfleger vnd treger sin in getriwer hant UrkWürzb 40,159 (a. 1337)    4 häufig im Vollkommenheitskontext ritterlich-höfischer Beschreibungen: darnach solt ir einen getruwen ritter súchen der beide, zu den wapen gut sy und auch getruwes herczen sy Lanc 246,1. 9,11; Parz 99,7; ein kleinez vogellîn, / tandaradei, / daz mac wol getriuwe [verschwiegen] sîn Walth 40,18. – in Verbindung mit metonymischen Bezeichnungen für eine Person: dô ranc mit solhem jâmer ir getriuwer lîp NibB 1066,2; Artûs vil getriwer munt / verkôs die schulde sâ zestunt Parz 220,23; getruͥen herzen, nu entwachet! MarlbRh 22,32. – mit abstrakten Bezugsgrößen: durch die getriwe minne / dier gein sînem wirte truoc Parz 486,14; nieman konde sî von lüge gesprochen hân, / ern hete als ich getriuwen muot MF:Reinm 25: 4,7; NibB 1402,1; er hatt auch wenig getruwer hilff in dem lande Lanc 70,16. 628,13. – in Verbindung mit anderen positiven Eigenschaften, insbesondere des höfischen Wertekanons (z.T. synonymisch verstärkend): ander tugent sie hete, / sie was getruwe vnde stete Herb 2946; er muose sîn getriuwe, / hübsch unde wol gemuot UvZLanz 244; Rol 9038; diu kint der schœnen Uoten die heten einen man [Rumolt] , / küene und getriuwe NibB 1517,2; der gûte bischof Albrecht. / der was getrûwe [rechtschaffen] und recht LivlChr 810. – in der Verbindung ~ unde wârhaft sowie im Gegensatz zu valsch: swenn uns der tifel [...] verlaiten welle, so suͤln wir im widersten, wesen getrew und warhaft, so fliuhet der tifel PrOberalt 42,15; SAlex 3806; si was geborn von hôher art. / getriuwer wîp niene wart / geborn noch sô valschlôs Wig 8272. 1145; si sprechent, si sint getrúwe, und si sint doch vor minen oͮgen valsch Mechth 5: 34,17; der solt ûz sîner milte des geruochen, / daz er die gar getriuwen ûz den valschen hieze suochen Walth 30,21    5 bezogen auf Verwandtschafts-, Liebes- oder Ehebeziehungen: ime [Jakob] waren michele sorge / daheime uirborgen / er unde ^$*ęsau / ne waren ein ander niht getrͦiv VMos 27,28; so nist niht getriwe diu frouwe der diuwe / noch der man dem wibe, si leident al mit nide AvaA 6,1; diu getriuwe cumpanîe [Tristan und Isolde] / bihanden si sich viengen, / ûf den hof si giengen Tr 16628; des wundert sich Phariens allermeist das sin wip sinem nefen so getruw was in großer not, das sie sich bot in den dot vor yn Lanc 83,27; Iw 2707; iedoch geschiht daz oft, daz diu üppigen hüendl vliehent auz den getrewen flügeln der muoter BdN 193,8. – bezogen auf eine Person in einer solchen Beziehung: diu wîpheit muoz sîn getriu: / dâ von êret frouwen lîp / daz [Nom.] swâ [wenn] man si nennet wîplîch wîp KLD:UvL 54: 5,5; für wâr mir iwer arbeit / füeget sölich herzeleit, / diu enpfâhen sol getriwez wîp / umb ir lieben friundes lîp Parz 611,29; weinende sprach er aber zir: / ‘getriuwe, sæligez wîp!’ / hie mite twanc ers an sînen lîp Tr 14477    6 in religiöser Sprache    6.1 bezogen auf den Gläubigen: er irwelte einin âhtare der cristenheit unde machoti in zeinim getriwem christen Spec 85,30; der getriͤwe sant Sebastian Konr 6,46; sît getriwe ân allez wenken, / sît got selbe ein triuwe ist Parz 462,18; der ist ein getriuwer dienære, der an allen sînen werken niht engesuochet wan gotes êre aleine Eckh 2:613,2; Parad 112,11    6.2 bezogen auf Gott oder Gottes Sohn; häufig in formelhaftem Gebrauch zusammen mit guot, minnend, gerëht: got der is getruwe, / er ist gnedic vnde gvt Glaub 2581; minsame Jhesu, getruͥe leidere / aller warheit geware lerere MarlbRh 133,13; daz der getriuwe minnende got den menschen hât brâht ûz einem sündigen lebene Eckh 5: 232,6; Mechth 2:18,5; Seuse 506,18

MWB 2 637,47; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwe stF. ‘Vertrauen’ alle des gedingen getriuwe [interl. zu totam spei confidentiam ] PsWindb 145,Oratio

MWB 2 640,8; Bearbeiterin: Czajkowski