getenze
stN.
‘Getanze, Fest’, Koll. zu
tanz
:
sich huop grôz getenze, / dô er [
marcgrâf ze
Provenze
] kom gevarn / ze Rôm mit sînen scharn
Ottok
130
MWB 2 631,42; Bearbeiterin: Czajkowski
geter
stN.
→
gater
MWB 2 631,45;
getern
swV.
→
gatern
MWB 2 631,46;
getevele
stN.
‘Täfelung’
díu gespérre únser hûisero. sint cêdrin. díu getáuele. sint
cypressîn Will
25,1;
getævel, suͤle, wende ist holtz gehiure, / ebanus geheizen JTit
6221,3
MWB 2 631,47; Bearbeiterin: Czajkowski
getier
stN.
‘Getier’
das getier ze dem maul [dem Maultier Sgoydamurs]
die ere / dorch siner frauwen willen erzeigt, / das es sich alles neigte /
zuͦ tale uf die knye vorn / und liesz sinen wilden zorn Krone
12766
MWB 2 631,51; Bearbeiterin: Czajkowski
getihte
stN. (F. Litan )
1
‘schriftliche Aufzeichnung, Schriftwerk’
1.1
‘Dichtung, Gedicht’
1.2
‘Lehre’
1.3
‘Erfindung, Gerücht, Lüge’
2
‘kunstvolles Gebilde, Kunstwerk’
1
‘schriftliche Aufzeichnung, Schriftwerk’
diz ist grozzer meister getihte zu der anwise der leute von der
physonomie Physiogn
Überschr.;
also geschach das ich under annder geschrift das wegirlich
getichtte fundenn hab HvHürnh
2,4;
Litan
1457.
– Schreiben, Verfassen von Schriftwerken:
er [der Heilige Geist] geruhte
zallen ziten / in einer tubin bilide irschinen / vnde saz ufe den asselin
dinen [Gregors d. Gr.] / zu allir diner getihte
Litan
702
1.1
‘Dichtung, Gedicht’
hie ist des buches ende. / ir hat diz getichte wol
gehort: / ez tichte von Fritslar Herbort, / ein gelarter schulere
Herb
18449;
si [Isolde] kunde schœniu
hantspil, / schœner behendekeite vil: / brieve und schanzûne tihten, / ir
getihte schône slihten, / si kunde schrîben unde lesen Tr
8140;
guot geticht und süez gedœne SM:Had
8: 3,10;
in rimen und in gedihte HvNstGZ
6016;
ich ferbe, wo verblichen ist / geticht von grober sprüche
mist Mügeln
111,3;
BdN
192,2;
En
13479;
Flore(S)
824;
HvFreibTr
7;
Daniel
2487.
–
nû hôret daz getihte [Verse auf dem Sarg] ,
/ ob irs habet willen: / hie liget frowe Kamille / diu mâre und diu rîche
En
9498.
–
mit ~ wësen
‘in einem Gedicht darstellen’
sus [entsprechend dem Jahreslauf] wil ich
mit getichte wesen / und an ein buch zusamne lesen PassIII
5,39
1.2
‘Lehre’
unde [man] hîlt dô
[...] ein gerichte / nâch des rechtis getichte, /
urteilende des tôdis pîn / iclîchim nâch den schulden sîn NvJer
20683;
wer üch baß uf der troume ban geleiten kan / naturlich,
folget sinem zoum und laßet min getichte Mügeln
52,17;
Theologia darnach sprach / da sy an den glouben sach / wo von mag din
getichte sin MügelnKranz
2159
1.3
‘Erfindung, Gerücht, Lüge’
Jesus jungeren die vorsteln / den lichamen vil lihte / und machen ein
getihte / in allen disen landen, / daz Jesus si erstanden HeslNic
2274;
darumb süllen wir di getrewn und die gewærn lêren, wie sy di valschen
hantvesten kiesen und schawen süllen[...]. ein
hantveste wirt enwicht von dem getichte en manigen ende. das kan ein wol gelêrt
man wol erkennen SchwSp(W)
419,5
2
‘kunstvolles Gebilde, Kunstwerk’
balde wart gegriffen zuo, / mit spæhem getihte / wunderlîchiu
tischgerihte / man ûf ze vier orten truoc Wh
173,27
(s.a. Heinzle, Wh. S. 956f. z.St.);
daz geticht [ein goldener Hirsch] get von den
goltschmiden her. / die sind alle sampt kunst vol / und habent den hirsch innen
gemacht hol MüOsw
2400.
– Werk des Weltschöpfers (creatio ex nihilo):
der [Gott] mag uß nichte machen
icht. wann sin geticht / nicht urspring uß den dingen hat nach unser künste
milde Mügeln
5,16
MWB 2 631,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getihtunge
stF.
‘Hervorbringung, Erzeugnis’
ez ist zesagen, sit daz die concientie etwaz
gedihtunge [
dictamen
] ist der
bescheidenheit, so ist etwaz zuofüegunge der kunst zuo der getat
ThvASu
152,16
MWB 2 632,46; Bearbeiterin: Czajkowski
getinne
stF.
‘Gattin’
coniugalis: gettin Gl
3:426,21
(BStK151)
MWB 2 632,51; Bearbeiterin: Czajkowski
getiusche
stN.
auch
gedúsche SHort
3536.
‘Täuschung, Betrug’ (reimt meist auf
(un-)kiusche):
diz ist niht ein getiusche, / ez ist wâr und ungelogen
UvZLanz
4904;
hôchfart, gîtikeit, frâz, unkiusche / lêrent hofeliute wol manic getiusche
Renner
736
u.ö.;
er si / reine unde cusche, / ane alles falsches gethusche MarHimmelf
1644;
der werlt geteusche MvHeilGr
1970;
dar umme sal man nicht getûschis predien noch fabelen ûffe deme stule der
wârheit, sunder di heilige schrift HvFritzlHl
145,28;
RvEBarl
14840.
–
nû wold er zu vroidin / ein getûsche machin [er wollte sich einen
Scherz mit einem ängstlichen Ritter machen] , / des man mochte
lachin NvJer
7869
MWB 2 632,53; Bearbeiterin: Czajkowski
getöl
stN.
‘närrisches, tolles Wesen’
jr [der älteren Frau, die sich noch für jung hält]
getōl tút mir iemer we. / jr mynne der tùfel bestee! Krone
17452
MWB 2 633,3; Bearbeiterin: Czajkowski
getœte
Adj.
‘tot’ (wohl zu mlat. letum ):
letus: getoti Gl
4:148,62
(BStK391)
MWB 2 633,7; Bearbeiterin: Czajkowski
getotzen
swV.
vgl. tützen.
‘ruhen, schlummern’
bringe mînem sun den kozzen, / daz er darûf muge getozzen [La.
gedoczen
HDeckeII
124
]
HDeckeII(H)
117
MWB 2 633,9; Bearbeiterin: Czajkowski
getoufte
swMF.
‘der/die Getaufte, Christ(-in)’, bereits frühzeitig
lexikalisiert:
die getouften sturben, / die mit hôhem prîse erwurben / den
solt des êwigen lebens Wh
37,19
u.ö.;
der getoufte wol getrûwet gote Parz
741,26
u.ö.;
die heiden und die getouften Kreuzf
7410;
Lucid
117,17;
Himmelr
12,32
MWB 2 633,13; Bearbeiterin: Czajkowski
getouge (?)
Subst.
Ansatz und Bed. unklar (vgl. die verschiedenen Erklärungsansätze bei W. Brachmann:
Zum Reimgebrauch Herborts von Fritzlar, Halle 1907, S. 28):
ez en wart nie so schone / strit noch vrlouge. / da en was
dehein getouge Herb
5534;
evtl. auch in Zusammenhang mit
swi ihz gotouge [zu (ge)zouwen swV.?]
Pilatus
10
zu sehen.
MWB 2 633,20; Bearbeiter: Richter
getougen
Adj., Adv.
‘heimlich, geheim’
si begunde getougen an in werfen dei ougen Gen
1878;
uberlût noch getougen, / mit uns nefuore daz chint ebd.
2392.
563;
so ich wæne, daz ich zuo dere warheite
done [strebe] , / din getougenez urteile getribet mich
der vone Himmelr
5,8;
GrRud
Db 11
MWB 2 633,27; Bearbeiterin: Czajkowski
getougen
stF.
auch gitogen, getougene.
‘Heimlichkeit, Geheimnis’
Christes ougin sint sîner lêre gitougin, / die den gnâde
giheizzint die ire missetât buozzint Gen
2808;
er tet an dem antlutze siben locher nutze: /
[...] zwei ougen daz er sehe die getougen ebd.
121.
865;
daz ter unchustigi tîefel firnemen noch ersuͦchen
nimach dei gitǒgen siner libhafti [Inkarnation]
JPhys
3,27;
da wir die getougene alle gesehen unde gehoren
Himmelr
11,26.
11,3;
AvaLJ
180,2;
PrStPaul
25,18
MWB 2 633,33; Bearbeiterin: Czajkowski
getougenunge
stF.
‘Glaubensgeheimnis’
sacramenta: getougenunge GlHerrad:Komm
79
MWB 2 633,43; Bearbeiterin: Czajkowski
getræbe
stN.
→
gedrebe
MWB 2 633,45;
getragede
stN.
→
getregede1
MWB 2 633,46;
getraht
stF.
Holz zum Ausfüllen von Festungsgräben (s.a.
traht
stF.):
dô si [die belagerten Trojaner] daz ersâgen, / do
geschûfen si ouch ir were, / want si gesâgen daz here / wâfen unde rûren / unde dar
zû fûren / vîle grôze gedraht En
6857.
6865
MWB 2 633,47; Bearbeiterin: Czajkowski
getrahte
stN.
→
getrehte1
,
getrehte2
MWB 2 633,53;
getrahtunge
stF.
‘Absicht’
intentione: gitrahtungu Gl
2:80,17
(BStK408)
MWB 2 633,54; Bearbeiterin: Czajkowski
getralle
stN.
‘lärmende Menge’
dô kam der gebûr ein getralle / ûz einem lîthûse
[Gasthaus] gegangen Renner
1330
MWB 2 633,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getræmet
Part.-Adj.
→
drâmen
MWB 2 633,59;
getranc
stN.
‘Getränk’ (s.a.
getrenke
):
nû trinc, dû lieber herr mîn! / ditz getranc mac niht bezzer
gesîn, / wan ich ez schôn behalten hân EnikWchr
12742.
27583;
si waren mager und kranck, / wann dy speyse und das getranck
/ was in klain gnug gegeben, / das sy kawm mochten leben HvNstAp
6920;
BdN
195,22;
Lanc
606,20.
– als Heilmittel, Arznei:
sô dem menschen der munt stinch, ist er junch, sô nem ein
getranch des sumers, ist er alt, sô nem ez des winters Barth
148,2;
wenn man den trinkwein macht mit des
tiers [
stich, dem Krokodil ähnlich]
flaisch, sô vertreibt daz getranch die vergift, die der mensch in im hât
BdN
241,24;
BenRez
46;
SalArz
32,7;
Wahrh
119.
– übertr. gefährliches, verführerisches Getränk:
sy [die Welt] hat so maniger hande
wein, / so manich suesses getranch / das ainer uber seinen danch / verliessen mues
dy sinne / und dy gotes minne HvBurg
3677;
er [der Teufel] peginnet dein hercz
auch phrangen [drücken] / mit maniger hande gedanche, /
huete dich von seinem getranche! ebd.
3412.
3388
MWB 2 633,60; Bearbeiterin: Czajkowski |