Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   getriuwede - getult    


getriuwede Subst. ‘Treue’ (vgl. MlatWB 4,205ff.): fidelia: gitruuida Gl 1:746,7 (BStK949); Gl 1:746,6 (BStK637)

MWB 2 640,11; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwehender stM. auch getruwenhender, getruenhender. ‘Treuhänder, Bevollmächtigter in Rechtsangelegenheiten’ wollen wir den genanten erben umb behaldunge willen irer guter und erbeteil und auch umb einen guten getruenhender flislichen versehen StRWerth 9; UrkFrankf 2,440 (a. 1336); des haben wir in vnd irn erben oder getruͤwenhenden [...] zu kauf geben UrkWürzb 41,187 (a. 1345). 41,421 (a. 1350); wir [...] han gesatz [testamentlich festgehalten] vns selgerede [...] in geinwortekeid vnser getruwehender UrkArnsb 459 (a. 1346); UrkWetzl 1,681 (a. 1350)

MWB 2 640,14; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwelich, getrûwelich Adj., Adv. auch getrû-, getriu-, getreu-, getroͮlich; adv. auch -lîchen. ‘treu, zuverlässig, vertrauensvoll, beständig’ 1 attr.
2 präd.
3 adv.
4 in Paarformeln
4.1 ~ unde wol
4.2 ~ (unde) âne spot
4.3 mit Synonymen
   1 attr.: ir engehôrtent nie mê / so getriuwelîchez scheiden / als dâ von in beiden [Lanzelet und Walwein] UvZLanz 3513; dô sach man jâmer unde leit: / diu getriuwelîche sicherheit [die Freundschaft zwischer der Mutter Isolde, der Tochter Isolde und Brangäne] / schiet sich mit manegem leide Tr 11514. 5111; swer nach deme leite sterne stet / mit getruwelicher andacht, / dem wirt daz ewige liecht bracht HeslApk 4263; vm seinen getrevlichen dienst UrkCorp (WMU) 1676,1; Wig 11189. – in Verbindung mit minne(n), liebe, ger: der kunich [...] / und diu kuniginne, / die getrouwelîche minne / zû zir sune trûgen En 8128; Athis A 36; aldâ wart undr in beiden / ein vil getriulîchiu ger: / sie sach dar, und er sach her Parz 29,7; RvEBarl 16068; RvEWh 9658; Artûs und Gramoflanz / mit getriulîcher liebe ganz / enpfiengen disen heiden Parz 765,22. – ‘unverfälscht, rein’ abir Marîa nam ein pfunt salbin tuͦres getrûwelîchen nardi [Pflanzenbalsam; lat. nardi pistici ] und salbite di fuͦze Jhêsû EvBeh Io 12,3    2 präd.: durch getruwen dinst vnser getruwen burgere der stat zvm Elbinge, in dem si sich vns vnd vnsem huse getrulich han bewiset UrkCorp (WMU) 975,13    3 adv.: wie mac daz komen, / nû dient er gar getriulîch? EnikWchr 14157; sô lânt iuch kint wîb unde guot / getriuwelîche erbarmen, / und lœsent mich vil armen / ûz marterlicher nœte KvWSchwanr 1513; so sol ich minem vrúnde getrúwelich [in aller Freundschaft] schult geben Mechth 5: 22,13. 2:26,52; geschant muß sie sin die du so getruwlich minnest, sie ist es werlich nit wert! Lanc 573,33. 184,8. 462,24; Spec 130,29; Eckh 5:273,8. – ‘ernst, mit Nachdruck’ sælich sit ir geborn, ob ir in [Gott] nv so getriwelichen zvͦ iv geladet, daz er des gervͦchet, daz er sih iv genahet Spec 18,14; hier umbe bat der diener got getrúwlich [inständig] úber dich, moͤhti es sin wille sin, daz er dir denne gesuntheit gebi Seuse 109,8    4 in Paarformeln    4.1 ~ unde wol: genâde hêrre, sprach Îsôt, / ir redet getriulîche unde wol Tr 14067; du hast gar vergeßen der die dir ye getrúlichen und wol dienden, das sie vertriben sint und hant verlorn ir lant und ir ere und ir leben in dim dinst Lanc 47,29; MF:Reinm 57:4,4; RvEWchr 17083    4.2 ~ (unde) âne spot: Gedeon bat aber got / getruwelich ane spot / das er im aber sante / bischaft RvEWchr 18401; nu do si volgten im also / das si leisten sin gebot / getrúliche und ane spot, / als úns dú schrift bewisit hat ebd. 19429. 5622 u.ö.    4.3 mit Synonymen: dat alle dise dink getruweliche inde stedenkelihe werden volbraht inde gehalden UrkCorp (WMU) 9,19

MWB 2 640,26; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwen, getrûwen swV. auch getrouwen, getrauen, getrewen, häufig verstärkt durch (vil) wol, baʒ. 1 ‘glauben, vertrauen’
1.1 mit Gen.d.S.
1.2 mit Dat.d.P.
1.2.1 in gradueller Abstufung oder vergleichender Angabe
1.2.2 mit Dat.d.P. und Akk.d.S. (oder Obj.-Satz)
1.2.3 mit Dat.d.P. und Gen.d.S. (z.T. mit explizierendem Nebensatz) ‘jmdm. im Hinblick auf etw. vertrauen’
1.3 mit Dat.d.S. ‘auf etw. vertrauen, sich auf etw. verlassen’
1.4 mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz
1.5 mit Präp. ‘auf etw./jmdn. vertrauen, sich auf etw./  jmdn. verlassen’
1.6 mit Inf.
2 ‘jmdm. etw. anvertrauen’ , mit Dat.d.P. und Gen.d.S.
   1 ‘glauben, vertrauen’ ir brûdere, wolt ir mir gemach / tûn, als ich getrûwen, / und lôsen mich von rûwen LivlChr 4365; vnser heil nv naher si, denne wir selbe mohten getruwen Spec 18,25; swer ie getrûte, der genas Pyramus 139. – subst.: die pegird gepirt gerechtigkait. gerechtigkait gepirt getrauen; getrauen gepirt milltigkait HvHürnh 6,13; lasse si geniessen ire guͦten globen, ire herzklichen getrúwens Seuse 100,26; Tauler 82,27    1.1 mit Gen.d.S.: wer möhte des getrouwen? Kudr 51,3. 1285,4; des wil ich wol getrouwen, / wirt ez rehte erbouwen, / ez sal ein gût lant sîn En 8487. – und mit explizierendem Nebensatz: ich wil des baz getrûwen, daz si alle ligen tôt NibB 2126,4    1.2 mit Dat.d.P.: mîn herr getrouwet mir sô wol, / daz ich an im niht brechen sol EnikWchr 5243; ir habt mir mangel vor gezilt / [...] / daz ich iu niht getrûwen mac Parz 292,11. taͤtent ir dez nicht, so wizzent sicherlichen, daz ir wider uns taͤtent und uns ûberfuͤrent, dez [deshalb] wir iuch nicht getrewen UrkFriedb 118 (a. 1332); Ägidius 83; En 6968; PrMd (J) 348,18; SpdtL 130,21. der getoufte wol getrûwet gote Parz 741,26. 461,29; ich [...] wil dir, suoze vater, wol getruwen TannhBu 24. – in Verbindung mit gelouben u.ä.: des getrûwet unde geloubet mir! Tr 14475; aller sæligen mennesscen, die ane got geloͮbent unde ime getruwent Spec 109,25; Konr 14,51. – mit übele ‘misstrauen’ ich [Jakob] vorhte dû [Laban] nâmes si [meine Frauen] mir, ubele getrûwe ich dir / von diu daz dû mich dikche ê des ungetriulîchen beswiche Gen 1454; ir ensolt mir nicht ubel getruwen, ir wißent selb wol das ich nye verretern holt wart Lanc 92,17    1.2.1 in gradueller Abstufung oder vergleichender Angabe: ich getrouwe dir wol vil verre. / nu hilf mir, got der guote, / uz der starchen note Hochz 1031; vil lieber herre mîn, / weist dû, daz dîn vater mir / getriuwet vürbaz gegen dir / dan allen den, die bî dir sint? RvEBarl 7082; si bûweten gern in ire lante, / wolten in sam in selben getrûwen Gen 1633; Rol 3713; SM:St 5:2,5. nu dâhter des, wie Parzivâl / wîben baz getrûwt dan gote Parz 370,19; daz er dem richtum baz getrauet denn dem almæchtigen got PrOberalt 159,26    1.2.2 mit Dat.d.P. und Akk.d.S. (oder Obj.-Satz): si hât mich sô getrœstet ie, / ich getrûwe ir wol daz si mir tuot / dâ von sich hœhert baz mîn muot Parz 722,27; enzwîvel an uns niht, / getrou uns daz dir wol geschiht LvRegSyon 1166; Wahrh 161; SM:St 13:3,9    1.2.3 mit Dat.d.P. und Gen.d.S. (z.T. mit explizierendem Nebensatz) ‘jmdm. im Hinblick auf etw. vertrauen’ der des gote niht getrûwete, daz ist alzemâle billich, daz er lîden und leit habe Eckh 5: 48,2; des scule wir gote getruen, / der unsich erloste dannen HimmlJer 469; Rol 198; Parz 430,9. – ‘jmdm. etw. zutrauen’ wirdit der kaiser ubeles muͦtis, / ich ne getruwe ime ne haines guͦtes Rol 3786; got weiz, hêre Drances, / ich getrouwete û wol des, / daz ir ungerne sterbet En 8636. 12874; Konr 2 W1,176; SüklV 209; StatDtOrd 90,9    1.3 mit Dat.d.S. ‘auf etw. vertrauen, sich auf etw. verlassen’ du soltt nimner getrauen den wercken noch den diensten der weiber HvHürnh 24,1; iedoch bedarf man der red niht vil getrawen BdN 466,16; Walth 74,9; MF:Reinm 21:2,6    1.4 mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz: des tubelis lugene / begunder baz getruwen Glaub 835. 1286; swer disiu vier stücke an im hât, der mac in der wârheit getrûwen, daz er daz wort gotes gehœret [...] habe Eckh 2:431,10; vnde liez den kuninc schowen, / ob her mochte getruwen, / ob sie den herren gelích weren TrSilv 232; PassI/II 157,67. – ‘sich (etw.) vorstellen’ di ir spieze sint gar zeprochen, / di schilte sint ab in gestochen, / ir helme sint gar zehoͮwen. / ich nemac nicht getruwen / daz si andem wal gebaiten Rol 5664. – ‘in eine Sache vertrauen, sich auf etw. verlassen’ ir schult wole getruwen / daz û der himilische wirt, / [...], / lone nach uwereme dinge / mit einem phenninge: / daz ist daz himilriche Rol 982    1.5 mit Präp. ‘auf etw./jmdn. vertrauen, sich auf etw./  jmdn. verlassen’ ane: bereit ist herce sin ze getruwen an got PsM 111,7; darumbe gedenket ein bœs wiht: / gib süezze rede, sô getriuwet man an dir niht, / daz dû ein valschez herze habist SM:JvR 1: 17,5; Überschall(Pf) 117,7. in: in dem herren ih getruwe PsM 10,2; subst.: stant vast in gotte und heint reht ein gantzes getruwen in got Seuse 426,24. von: [der Mönch gehorche] von der minne gitriwende von der hilfe gotis [ ex caritate, confidens de adiutorio Dei ] BrZw 68. zuo: das han ich wol verstanden und getruw zu got das ichs wol werben sol Lanc 400,19; unde woldit ir mir dar zu getruwen, / ich geriete iu eine list, / daz iz in uil churzer urist / naeme boese ende Rol 1883. 3122; subst.: dan ich noch groß hoffen zu uch han / und zu uch einen gantzen getruwen han Pilgerf 4765; Eckh 5:203,10    1.6 mit Inf.: daz dû mir guot wellest sîn, / sô getrûwe ich wol genesen Eracl 3345; mit irre helfe getrûweten si zu gesigene Überschall(Pf) 137,33; UrkCorp (WMU) 296,24; RvEBarl 14225    2 ‘jmdm. etw. anvertrauen’, mit Dat.d.P. und Gen.d.S.: mich dunkt, du sist ze tump dar zuo. / ich getriuw dir nicht der biren wol, / eim andern ichs bevelhen sol Boner 98,29; wes die stat uch dart getruwen, / dat solde ich node an uch schuwen HagenChr(G) 2957. sô hât mîn armuot ende. / ich getrûw des iwerr hende, / si hœhe mich mit rîcheit Parz 560,8; ich getrûw des sîner hende, / si nemez unvergolten ebd. 361,12 (s.a. getriuwehender )

MWB 2 641,18; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwenisse stN. ‘Vertrauen’ durch besunder trewe und getrawnuͤsse, die wir zuͦ der stat und auch den purgern ze Frankenfurt [...] haben UrkFrankf 2,260 (a. 1329); UrkAugsbBt 1,534 (a. 1329)

MWB 2 643,4; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwewirdic Adj. ‘vertrauenswürdig’ (vgl. getriuwe ): Nickel von Ronow, Nickel von der Ribnicz, [...] vnde anderr getruwirdeger lute vil UrkSchles(B) 28,45 (a. 1347)

MWB 2 643,9; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwicheit stF. ‘Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit’ di getruwe mildekeit unde di milde getruwekeit des ediln furstin, lantgravin Lodewigis Köditz 49,28; es enist keins [kein Handwerk] das bose sij / wann getruwekeit da bij sij Pilgerf 6553

MWB 2 643,13; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwiclîche Adv. auch getrueclichen. ‘zuverlässig, vertrauenswürdig’ zer lieben stunde, / dô munt engegen munde / getriuweclîche strebete KvWEngelh 3143; dô lebte in Burgundrîche / vil getriuweclîche / ein herre von gebürte frî ebd. 222; so hant sie [...] disen brief ain anderen gegeben getrueclichen besigeleten mit ir jnsigelen UrkCorp (WMU) 1656A,36. 2752,33

MWB 2 643,18; Bearbeiterin: Czajkowski

getriuwunge, getrûwunge stF. auch getruunge, getrauunge, getrouwunge. 1 ‘Vertrauen, Glaube, Zuversicht’ (vgl. getriuwen )
2 ‘Fürsorge’
   1 ‘Vertrauen, Glaube, Zuversicht’ (vgl. getriuwen ): dâ hât er wol bewîset an allen menschen, daz disiu getriuwunge kumet von minne, wan minne enhât niht aleine getriuwen, sunder si hât ein wâr wizzen und ein unzwîvellîche sicherheit Eckh 5: 239,7; si enzwîfelten fürbaz niht mêr, [...] sunder siu rettôn von einer ganzer getrouwunge unde vrâgtôn âne allen zwîfel, wâ er wêre der dâ geborn wêre künig der juden PrHermet 344; ach, koͤnde der mensche disen enker [Anker, bildl. für Gottvertrauen] getreffen in einer rechten wise an sime lesten ende, das er in einer goͤtlichen hoffenunge und getrúwunge stúrbe Tauler 325,13. 415,27; vnd zvhant ist Ihesus geret zv in sprechend. habet getrawvnge EvAug 34,8; EvBeh Mt 14,27. – mit Präp.: dô haten si grôze getrûwunge zu sancte Elsebêten HvFritzlHl 245,32; si sach weinende in den himel, wen ir herze hatte getruunge zu deme herren Cranc Dan 13,35; we ir abtrunegen sone, spricht der herre, [...] dir ir habet getruunge an deme schaten Egypti ebd. Jes 30,2    2 ‘Fürsorge’ etwenne ret der geist mit gotte in an rvͤffende vnd bittende als ein vatter vnd siner vetterlichen getrúwunge fúr legende dv́ begirde kintlicher notdúrft sprechende RvBib 39,13

MWB 2 643,26; Bearbeiterin: Czajkowski

getroc stN. ‘Täuschung, Trugbild’, z.T. gegenständlich als ‘Götzenbild’ si [ diu vrouwe mîne ] ist mir in dem slâfe nâhen. / solde ich sî mit armen umbevâhen / und daz minneclîch geschehe, / daz ist allez ein getroc, / daz mich in dem slâfe triuget / und mir in dem lieben wâne liuget Neidh WL 36:2,7; diu vil unrainen getroch, / diu unser vater hânt gemachot. / swer diu in daz fiur wirfet / unt in dar ûz niene hilfet, / si muozen ze pulvere brinnen Kchr 8160. 10772; sô diu sêle ûz vert, / sô lît er [der Körper] sîner kraft behert / rehte alsam ein fûler stoc / und schiuht man in als ein getroc [Glr.z.St.: Gespenst] LvRegFr 188. – ‘Blendwerk, Teufelswerk’ nu sehet ir wie di haiden / petent an des tiueles getruͦc Rol 4693; Apollo hiez der selbe stoc / und was des tiuvels getroc StrKarl 5696; „war umbe slehest du mich ze dem dritten mâle?” Balaam antwurte dô: „hâst du mîn gespötte? wolte got, het ich ein swert, daz ich dich erslüege!” daz het Balaam für ein getroc, unde het ez dâ für daz der tievel ûz dem esel spræche BuchdKg 36,7; si sâhin en [Jesus] ûf dem mere wandernde und sint betrûbit und sprâchin: ‘wan iz ist ein getrok [ fantasma ] ’ und scrîeten vor vorchten EvBeh Mt 14,26; wol ir Rômære, / rechennet iweren scepfære, / lât disiu bôsiu getroc, / petet an ainen wâren got Kchr 1878. 2404; dar uber [Rettung der Juden aus Ägypten] guzzet ir bôsiu getroc [das goldene Kalb] / und bettet an diu abgot ebd. 8634; got [...] gab iv al des iv durft was, / daz iv nichtes ne gebrast. / dar ubir guzzit ir die getroc / vnde bettet an die abgot TrSilv 793. âne ~ : ‘wahrhaft’ der [ wâpenroc ] was tiure ân al getroc: / rubbîne, calcidône, / wârn dâ ze swachem lône Parz 735,20; tiwer ân aller slaht getroc ebd. 333,5

MWB 2 643,52; Bearbeiterin: Czajkowski

getropfezære stM. ‘(Dach-)traufe’ (?): conpluuium: gidropigzari Gl 3:684,56 (BStK52)

MWB 2 644,23; Bearbeiterin: Czajkowski

getrœsten, getrôsten swV. 1 ohne Obj. ‘trösten, Zuversicht geben’
2 tr. ‘jmdn. trösten, jmdm. Zuversicht geben’
3 mit Gen.-Obj. ‘Hoffnung in etw. setzen, auf etw. vertrauen’
4 refl. ‘Vertrauen, Hoffnung, Sicherheit gewinnen’
5 refl. mit Gen.
5.1 ‘Hoffnung in etw. setzen, auf etw. vertrauen’
5.2 ‘sich mit etw. abfinden, über etw. hinwegkommen’
5.3 ‘verzichten’
   1 ohne Obj. ‘trösten, Zuversicht geben’ daz kan kûme immer vervælen [nichts kann je fehlschlagen] , ezn getrôste nâch diemuot DvASchr 338,23. – subst.: so muͦs man ouch billich ein gantz getroͤsten tuͦn umbe daz luter guͦt das got heisset Tauler 85,16; sjnis richis getroste [l. getrosten ] , / den hater gegeben sinen segen, / dar mite den ewigen leben Glaub 782    2 tr. ‘jmdn. trösten, jmdm. Zuversicht geben’ he getrostet mig, / he gesterket mich, / din lof der is eweclih MarldA 321; etlîche wârheit, dar ûz und dâ von genomen wirt, daz den menschen billîche und wol genzlîche getrœsten mac und sol in allem sînem leide Eckh 5: 8,13; Lanc 12,19. – und mit präp. Erg.: so getroste er si mit einim michilime trôste Spec 70,18    3 mit Gen.-Obj. ‘Hoffnung in etw. setzen, auf etw. vertrauen’ wir zwen wellen zo deser zyt / mit unssem juncheren dis landes hie / gedroesten, wat uns dar aff gesche KarlGalie 1697    4 refl. ‘Vertrauen, Hoffnung, Sicherheit gewinnen’ wie kumet, daz ich sô menigen man / von sîner nôt geholfen hân / sît ich mich selben niht enkan / getrœsten, mich entriege ein wân? Walth 120,37; nu getroste dich, Marsilie Rol 7425    5 refl. mit Gen.    5.1 ‘Hoffnung in etw. setzen, auf etw. vertrauen’ Porus was stark unde hêr. / des getrôster sih / unde gelobete daz einwîch SAlex 4644; daz schinet wol an den minnern diser welte, wie sú sich getroͤstent alles gemaches und guͦtes und eren umbe daz sú minnent Tauler 73,4    5.2 ‘sich mit etw. abfinden, über etw. hinwegkommen’ doh môser getrôsten sih / des scaden ummâzlîch, / wander was ein listich man SAlex 1077    5.3 ‘verzichten’ waz sol ein wip mere, / swenne si wirt ane ere? / so sol man sich ir getroͤsten StrKD 51,125; ist der schade also groz, daz he [der Besitzer] sich des pferdes getrosten wil [anstatt für den Schaden aufzukommen] , so gestellit he iz vor daz dinc [Gericht] StRFreiberg 257,27; si wizze wol, swenn ich mich ir getrœsten muoz, / sô hât si mich von der werlte brâht KLD:Rub 5:2,9; wolde wir uns getrosten / gotes und grifen zu dem bosten, / uns gesche das boste HeslApk 7559; Wig 1208; MF:Hartm 11:2,10

MWB 2 644,25; Bearbeiterin: Czajkowski

getrüebede stF. ‘Verwirrung’ uone der getruobede der liute [interl. zu a conturbatione hominum ] PsWindb 30,21

MWB 2 645,5; Bearbeiterin: Czajkowski

getrüebelich Adj. ‘traurig’ (vgl. betrüebelich ): des herzen schric, der ougen regen / hulfen im mit sêrde wegen / getrüebelîch geberde AlexiusE 723

MWB 2 645,8; Bearbeiterin: Czajkowski

getrüese (?) Subst. übers. afrz. trousseau ‘kleines Bündel’, mnl. tros ‘Gepäck’ (s.a. gemüese Subst.): an des paradises konnigrich [...] [dem Pförtner] gehoret zu zu besehen waz ieclicher drage da, / ee er kome bij die porte nahe. / allerhande getruesse, / groß und cleine burden und gemuesse / vor uch muß man nider legen, / uff dun und uß den felden [Falten] legen Pilgerf 1122

MWB 2 645,11; Bearbeiterin: Czajkowski

getrügede stF. ‘Betrug, Täuschung’ swâ aber ich den orden hân zebrochen / der mâtêrie di ich ane viench, / daz machent lästerlîchiu dinch / unt ditzes lîbes getrugde / der uns von des tôdes gehugde / manigen ende läitet Erinn 443; der die buͦch der hugede [Erinnerung] lesen wil latine, / der hatz fur kein getrugede. die sagent war vil mange wirde sine, / kronik zeBritanje und Kornevale JTit 4078,2

MWB 2 645,19; Bearbeiterin: Czajkowski

getrügenisse stN. auch getrûcnisse, getrognisse. ‘Täuschung’ vnde sol ich ez [den Tod meiner Leute] vertragen / durch ein getrucnisse, / min minne ist gewisse, / [...], / ein elbisch vure vnde ein wan Herb 12833. – ‘Trugbild’ do si in sahen wandelenten vf dem mire [l. mêre ] . do wanten si ez were ein fanthasie. daz ist ein getrüchnüsse [übers. lat. fantasma Mc 6,49 ] EvAug 92,10; EvBerl 20,3. 137,3; BiblMK 292; BiblMK 274; dâ was dehein man, / der des hete deheinen wân / daz ez sus wære ergân / daz der ritter Mâbonagrîn / solde überwunden sîn, / und rieten die burgære / daz ez ein trüge [Hs. getrŭgnus ] wære Er 9639

MWB 2 645,28; Bearbeiterin: Czajkowski

getruos Subst. ‘Bodensatz’ (s.a. trusene ): fex: drvsna [La. getros, vgl. Bd. 3,60] SummHeinr 2:302,152. vinacia: lurrun [ lûre ‘Lauer, Tresterwein’] vel gitros Gl 1:667,20 (BStK637)

MWB 2 645,41; Bearbeiterin: Czajkowski

getrüste stN. ‘Schar, Auflauf’ des kam ein getrüst der vinde über inen und woltent in vohen ClosChr 40,35; do wihet in der bischof von Kolle zuͦ eime romeschen kunige wol umbe die mitte naht, und geschah daz darumbe daz deste minre getrustes wurde ebd. 63,24. – hierher (?): cohortem: gethrusche Gl 2:609,40 (BStK758)

MWB 2 645,45; Bearbeiterin: Czajkowski

gëtschen V. s.a. gëschen , gischen . ‘schwätzen, das Maul aufreißen’ (hier subst.): ich hân dînen zorn nit wan vür getschen! [ : stetschen ] SM:Had 15: 1,6

MWB 2 645,52; Bearbeiterin: Czajkowski

getübele Subst. ‘Verpflockung, Verzapfung’ incastratura: kitubila vel nvͦt Gl 1:333,30 (BStK863); Gl 1:323,38 (BStK637)

MWB 2 645,56; Bearbeiterin: Czajkowski

getuht stF. ‘geziemendes, angemessenes Verhalten’ (vgl. tuht3 ): dô bevalch si sie gote: / des nigen si ir mit zühten. / mit schœnen getühten / giengen si ze resten UvZLanz 896

MWB 2 645,59; Bearbeiterin: Czajkowski

getühtic Adj. ‘tüchtig, gesittet’ Iblis und Wâlwein / diu riten sament ûf den wec. / anderhalp der frowen reit Erec / als ein getühtic rîter sol UvZLanz 9023; dô bekumberte in alsus / der getühtige Grêgôrius Greg 2142

MWB 2 645,63; Bearbeiterin: Czajkowski

getülle stN. ‘(hölzerne?) Befestigung (um eine Stadt oder Burg)’, vgl. dil : antemurale dicitur fossatum vel id quod vulgariter dicitur getvͥlle, quod est defensio ante murum GlZfdW 5,2 (BStK324e); vallum vulgariter dicitur getuͥlle ebd. 5,11 (BStK324e); der ganch vor der kapelle bis an daz getûlle da vor vnd gemainlich vmb vnd vmb den tvrn biz an die phistrin ist auch gemain UrkEnns 5,554 (a. 1329); hinder ieren húsern gen dez spitals getúlle UrkEssl 554 (a. 1358)

MWB 2 646,4; Bearbeiterin: Czajkowski

getult stF. ‘(kirchliches) Fest’ ze sant Michels gedult SchwäbWB 2,448 (a. 1314)

MWB 2 646,14; Bearbeiter: Tao