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ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kint - kinttragærinne    


kint Adj. ‘jung, im Kindesalter’ (Altersspanne vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen, vgl. kint ; s.a. kindisch ; Ggs. alt), auch ‘klein’ (Ggs. michel BuchdRügen 756 ): die wil ich [...] nider drücken, / sie sîn alt oder kint Helbl 4,339; StrAmis 520; geislîche vrowen [...], / si sîn alt ode kint BuchdRügen 842; sie [die Schüler] sîn michel oder kint ebd. 756; er hat [zu seiner Schwertleite] zwelf gesellen kint / dú oͮch von hoher arte sint RvEWh 5337; swie kind ich von den jâren sî, / mir sint iedoch die witze bî, / daz ich mich des vil wol verstân UvLFrd 61,28. ze ~ sîn ‘zu jung sein’ dar zuo bist du noch ze kint: / du enkanst dich schaden niht bewarn UvZLanz 324; swîget! ir sît gar ze kint / und gegen sô hôhen dingen blint UvLFrd 41,25; dû bestunde mich ze frû, / ich bin ze kint noch dar zû: / wâr ich der sterkiste man, / der in der werlde ie lîb gewan, / dû hetest mir schiere wê getân En 10296. 11258; Wig 3384. – als Bestandteil von Personennamen: her Hug der kinde UrkCorp (WMU) 466,3. – übergehend zu ‘unwissend, naiv, unerfahren’ weise unde listich si sint, / si werdent nimmer mer so chint, / daz si uns getuͦn die stat Dietr 8519; man vindet liute so kint, / die lihte zweinzic jæric sint, / die die werlt niht rehte erkennent / und si doch dicke nennent [hier: zu allem eine Meinung haben?] StrFra 935; Lanc 452,6; bei Neidh auch ‘kindisch, einfältig’, auch in der Form kinder (NeidhWB, S. 151): erst kint, der in bestât Neidh WL 1:4,11; niemen ist sô kinder [ winder: ] , / tuot im liebe leiden wanc, / im enkan der bluomen schîn, / triuwen, niht erwenden, er ensen sich zaller zît ebd. WL 22:1,5; Komparativ: die alten / die suln sîn deste kinder ebd. SL 17:3,10

MWB 3,1 252,50; Bearbeiterin: Baumgarte

kint stN. (selten M.) Nom. Pl. neben kint auch kinde (z.B. [interl. zu filii ] PsM 35,8 ), kinder (z.B. Parz 23,18 ) und kindere (z.B. Hester 1815 ), s.a. den Formenüberblick WMU 2,1000; stM.: wahsen begunde do der chint GenM 39,18; Kchr 13204. 2794. 14333; Spec 81,6. 81,16; SüklV 221; mit mask. Dem.-Pron.: herre, hie ist ein chint, der treit funf prot PrRoth 42. 1 einen Menschen in seinem ersten Lebensabschnitt von der Zeugung bis zum jungen Erwachsenenalter bezeichnend, ‘junger Mensch’ (zur Hervorhebung eines sehr jungen Alters mit junc z.B.
1.1 von ungeborenen Kindern und Säuglingen
1.1.1 allg.
1.1.2 in Wendungen und Kollokationen mit Verben zu Zeugung, Schwangerschaft, Geburt und Kindbett
1.1.2.1 oft ~ gewinnen
1.1.2.2 ~ machen
1.1.2.3 ~ ziln
1.1.2.4 ~ entvâhen
1.1.2.5 eines kindes nôthaft sîn
1.1.2.6 eines kindes swanger wërden
1.1.2.7 eines kindes swære sîn
1.1.2.8 oft ~ tragen
1.1.2.9 ~ verliesen/ behalden
1.1.2.10 ~ verdërben ‘ein Kind abtreiben’
1.1.2.11 mit einem kinde arbeiten , auf die (außergewöhnlichen?) Mühen einer Geburt bezogen
1.1.2.12 ze (einem) kinde gân , auf den Geburtsvorgang bezogen
1.1.2.13 ~ gebërn
1.1.2.14 eines kindes (ge)ligen
1.1.2.15 eines kindes genësen ‘eine Geburt überstehen, ein Kind gebären’
1.1.2.16 eines kindes verdërben ‘an einer Geburt oder deren Folgen sterben’
1.2 von Kindern bis zur Pubertät (in höf. Texten auch ‘Knappe, Page’ , vgl. z.B.
1.2.1 allg.
1.2.2 in Vergleichen
1.2.2.1 bezogen auf Unberührtheit
1.2.2.2 bezogen auf Unfähigkeit, Unbeholfenheit, Unwissenheit und Unbedachtheit
1.2.2.3 bezogen auf Unbeständigkeit, Unzuverlässigkeit
1.2.3 in Wendungen zur Beschreibung des zeitlichen Kontinuums seit der Kindheit ‘von Kindheit an’
1.2.3.1 von (einem) kinde
1.2.3.2 von kindes beine
1.2.3.3 von mînen kindes tagen
1.2.3.4 von kindes jugend
1.2.4 in der (abwertenden) Umschreibung kindes spil , der kinde spil von etw. als ‘eine einfache Sache, etwas Geringfügiges’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 245; vgl. kintspil )
1.2.5 in Anlehnung an ein Sprichwort (vgl. TPMA 2,94; 7,39; 10,114)
1.3 von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
1.4 in der Anrede
1.4.1 von geistlichen Schülern oder Gemeindemitgliedern
1.4.2 im Aufruf zum Feiern oder zu geselligen Unternehmungen
2 ein Verwandschaftsverhältnis bezeichnend, ‘Kind’ (von jmdm., auch im Erwachsenenalter)
2.1 allg.
2.2 in der Anrede an das eigene Kind
2.3 in Anlehnung an ein Sprichwort (vgl. TPMA 7,14.43.47)
2.4 in Umschreibungen für die gesamte Familie
2.4.1 wîp unde kint/  kinder
2.4.2 mâge unde kint
2.5 in Umschreibungen für ‘Mensch’
2.5.1 wîbes kint
2.5.2 oft maneger muoter kint (vgl. barn 2.1 )
2.5.3 maneger diete/  liute kint (s.a. 2.6 )
2.6 in Umschreibungen für ‘Nachkommen’
2.7 in Umschreibungen für Einwohner unterschiedlicher geogr. Größen (Reich, Land, Stadt; vgl. 2.5 und 3 )
2.8 in Umschreibungen für Angehörige religiöser Gruppen (vgl. 2.5 und 3 )
3 ‘Zugehöriger’ in Umschreibungen, die jmdn. als zugehörig zu jmdm./etw. darstellen oder als dessen Einfluss unterworfen
3.1 zu abstrakten Mächten
3.2 zu Gott oder seinen Widersachern (Teufel, (ewiger) Tod, Welt u.ä.)
3.2.1 Gott
3.2.2 Teufel
3.2.3 ewiger Tod
3.2.4 (gottferne) Welt
4 ‘Tierjunges’
   1 einen Menschen in seinem ersten Lebensabschnitt von der Zeugung bis zum jungen Erwachsenenalter bezeichnend, ‘junger Mensch’ (zur Hervorhebung eines sehr jungen Alters mit junc z.B. Flore (P) 4006, kleine z.B. BdN 331,28, lützel z.B. VAlex 174, wênec z.B. PrOberalt 67,28 )    1.1 von ungeborenen Kindern und Säuglingen    1.1.1 allg.: noch ain grœzer wunder ist, daz daz kint niht ætempt [atmet] in der muoter leib und doch, wenn ez geporn wirt, sô mag ez ain klain zeit ungeætempt niht beleiben BdN 33,33; [Brüste,] den die wartze kleine sint, / so gerner saugent sie die kint Physiogn 336; ich han eu noch niht zessen gegeben, ich han eu diu milich ze trinchen gegeben alsam den wenigen chinden PrOberalt 67,28; Spec 15,16; VAlex 119; PrBerthKl 6,65; Mechth 5: 23,61. – übertr. in Bezug auf ein Unvermögen, z.B. im Rahmen von Bescheidenheitstopoi (vgl. 1.2.2.2): wann ich pin ain chinde mit herrenn Jeremia a. a. a. und chan nichtt redenn [‘ich bin nicht redegewand’, Anspielung auf Ier 1,6] HvHürnh Vorr. 33    1.1.2 in Wendungen und Kollokationen mit Verben zu Zeugung, Schwangerschaft, Geburt und Kindbett    1.1.2.1 oft ~ gewinnen    1.1.2.1.1 ‘ein Kind bekommen’ (auch von Männern und Paaren): got sprah Abrahamę zuͦ / du solt einen edelen sun han / du solt ein kint gewinnen VMos 18,16; Amfortas, / des swester Herzeloyde was, / bî der Gahmuret ein kint / gewan Parz 455,21; si gewunnen samt schœniu kint ebd. 826,9; ein vrîe vrauwe mac gewinnen fünf hande kint [je nachdem, welchem Stand der Vater angehört] SpdtL 141,15; AvaJo 9,2; Gen 1333; Wahrh 31; Rol 497    1.1.2.1.2 auf den Geburtsvorgang bezogen: swelch zit si das cruͦt nutzet, si mus das kint gewinnen Macer 11,12. 5,9. 12,3; swenne ein wîp êrste man nimet, gewinnet si kint ê ir rehten zîte, man mac daz kint beschelten an sînem rehte [die Rechte des Kindes anfechten] SpdtL 117,1. 117,4; Gen 856. 1314; RvEWchr 408; PrOberalt 94,26; HvNstAp 2452    1.1.2.2 ~ machen: welher man vil hârs hât an dem part und an der prust, der macht schier kint BdN 117,8    1.1.2.3 ~ ziln: sie hât emphangen einen sun [...] / und ist daz der seste mânt / daz sie daz kint gezilet hânt Erlös 2786    1.1.2.4 ~ entvâhen: du hast ein chint enphangen AvaLJ 6,3    1.1.2.5 eines kindes nôthaft sîn: ze wîbe si se imo gab [Sara ihrem Ehemann Abraham ihre Magd Agar] , eines chindes wart si nôthaft. / dô begunde si ire vrouwen sâ ze stunt versmâhen Gen 848    1.1.2.6 eines kindes swanger wërden: si newurde eines chindes swanger Gen 529; Konr 8,22. 8,15; RvEBarl 2592; Roth 2945    1.1.2.7 eines kindes swære sîn: ich pin ains kindes schwäre HvNstAp 6132    1.1.2.8 oft ~ tragen: diu frouwe hête getragn / ein kint, daz in ir lîbe stiez Parz 109,3; Calmana, / dú bi Caine kinde genuͦg / inden selbin ziten truͦc RvEWchr 411; KvWTroj 17117; Konr 18,20; Macer 9,20 u.ö.; si [Maria u. Joseph] füerent ein chindelîn, / daz nie wîp sô schœnez truoc KvFuss 1761    1.1.2.9 ~ verliesen/ behalden: so mochten si di kint uorliesen. man sal den wiben so si des ersten swanger werden geben zu nutzen da uon si di kint behalden SalArz 65,29    1.1.2.10 ~ verdërben ‘ein Kind abtreiben’ [der Teufel] ræt, wie diu muoter daz kint verderben müge PrBerth 2:57,1; die [ meide ] stolz sint, und kint verderbent tougenlîchen Renner 12511    1.1.2.11 mit einem kinde arbeiten, auf die (außergewöhnlichen?) Mühen einer Geburt bezogen: swelch wip mit einem kinde arbeitet, sudet si den bibos mit wine oder mit bire unde nutzet das: si geniset an der stunt Macer 1,10. 11,12 (vgl. swen si des kindes in arbeiten gent ebd. 8,3 )    1.1.2.12 ze (einem) kinde gân, auf den Geburtsvorgang bezogen: swenne ein wip zu einem kinde ge. vnde des nicht ân muge werden. so sal man si setzen in ein bat SalArz 65,54; SHort 10809. 11242    1.1.2.13 ~ gebërn    1.1.2.13.1 auf den Geburtsvorgang bezogen ‘gebären’ das si ir kint gebere / mit erbeiten und mit grozer not RvEWchr 384; Hochz 889; MarldA 11. 12; Macer 1,13    1.1.2.13.2 ‘Kinder zeugen, bekommen’ als er [Jakob] intslief got in ane rief. / er gehiez ime ze wâre daz er vil chinde gebâre, / daz chunige die hêren von ime chômen Gen 1672. 1083    1.1.2.13.3 (vom Kind) geborn wërden: do daz chint geborn wart, ein sterne iesa gesehen wart AvaLJ 18,1. 13,4; VMos 31,10; PrBerthKl 5,14    1.1.2.14 eines kindes (ge)ligen: Nausica eines kindes gelac; / einen son sie gwan Herb 17797; des hirten wîp dô kindes lac KvWTroj 564    1.1.2.15 eines kindes genësen ‘eine Geburt überstehen, ein Kind gebären’ duo des zît was Adames wîb des chindes gnas. / si gebar einen sun Gen 573. 1679; Eracl 324; PrüllS 1,6; BdN 487,34; eines chindes si genas / vil unlange ir leben was / do daz kint geborn wart / dev shone muͦter ime sturb VMos 31,9    1.1.2.16 eines kindes verdërben ‘an einer Geburt oder deren Folgen sterben’ du solt, here, pey mir wesen, / untz das du sichst mein genesen / oder ob ich soll sterben / und des kindes verderben HvNstAp 2336 (vgl. wie im dy schone Lucina, / [...] / auff deß mers wag verdarb / und des kindes tod starb ebd. 6142 )    1.2 von Kindern bis zur Pubertät (in höf. Texten auch ‘Knappe, Page’, vgl. z.B. Parz 429,13; Wig 11310 ; s.a. knabe 2.4, 1knappe 2)    1.2.1 allg.: tô was er ein lutzel chint VAlex 174; diu klainen kint BdN 331,28; den kinden treumet nicht vor dem dritten jâr oder vor dem vierden ebd. 9,3; dú ungetoͮften kint under fúnf jaren wonen in einer sunderlichen wirdekeit, die inen got us sinem rich hat bereit Mechth 3: 1,154; nu wuohs daz chint, daz ist war, unz iz chom vur ahte jar AvaJo 13,1; Macer 60,12; SalArz 35,18; der knapp sah wol das das kint [Lancelot ist 10 Jahre alt] ein edelman was, und antwurt im alsus: lieber juncker, das uch got ere, [...] ! Lanc 36,35; wer das wais, den hais ich alt, / ob er der jar ain kind wär KvMSph 2,12; Pelzb 121,17; Walth 66,8; Wig 5604; Mechth 4: 3,3. – spez. vom männlichen Kind (vgl. die Wendungen unter knëht 1.1 und 2.2.1): ez si herre oder kneht, man oder wib, magt oder kint WüP 97,8    1.2.2 in Vergleichen    1.2.2.1 bezogen auf Unberührtheit: [ ich weiz ein wîp, diu wont mir in dem sinne, ebd. 9: 1,3 ] sist kiuscher dann ein kint von siben jâren SM:Wi 9: 3,6; an der [einem wîp dar ich mich hân gwendet, ebd. 1a:2,1)] vinde ich niht wan kindes muot KLD:VdK 1a:2,3    1.2.2.2 bezogen auf Unfähigkeit, Unbeholfenheit, Unwissenheit und Unbedachtheit: fünf sterkiu regna [Reiche] sint, / er ist vil gar ein kint, / swer der niht weiz Tannh 5,42; swer daz sô vergebene tæte, / seht, der dûhte mich ein kint, / alse ich hân daher getân. / wan wil mich ze tôren hân SM:UvS 23: 3,4; sô dûht ir mich ein kint, / unde wolt ir den bestân Wig 2626; ich bin ein wîp: næm ich mich an / ze râtenne als ein wîser man, / sô wær ich tumber danne ein kint Iw 7853. 3321. – bezogen auf einen senil gewordenen Mann (hier den Marner): ez was ein kint unde wart ein man und ist ein kint geworden Rumelant (K) 4:7,3. 4:7,9. – übertr. in Bezug auf ein Unvermögen, z.B. im Rahmen von Bescheidenheitstopoi (vgl. 1.1.1): ich bin der sinne ein kint KLD:GvN 2: 4,2    1.2.2.3 bezogen auf Unbeständigkeit, Unzuverlässigkeit: hüett dich das du ichtt zerprechest die gegebenn treu unnd die gevesstent freüntschaft, wann das getzimt nur den untreuen und den chinnden und den pösenn weiben HvHürnh 22,1; ich gesach nie wîp sô staete, / – des ich ir doch niht engan – / diu sô harte missetaete, / sô si tuot an einem man. / mîn rede diu ist noch gar ein wint. / nu wil si mich zuo allen zîten triegen als ein kint MF:Reinm 57: 5,6    1.2.3 in Wendungen zur Beschreibung des zeitlichen Kontinuums seit der Kindheit ‘von Kindheit an’    1.2.3.1 von (einem) kinde: swaz uns von kinde / ie leides gescach / biz an den selben tach SAlex 5232; liute und lant, dar inn ich von kinde bin erzogen, / die sint mir frœmde worden Walth 124,7; lât mich an eime stabe gân / und werben umbe werdekeit / mit unverzageter arebeit, / alse ich von kinde habe getân ebd. 66,36; waz touc der dienest mîn, / den ich iu von kinde tete UvZLanz 1625. 7800; NibB 1419,4; Iw 6995; Parz 528,19 u.ö.; Tr 11587. 18656; Wig 175. 1967; MF:Mor 15: 2,5; RvEBarl 11154 u.ö.; KLD:GvN 7: 2,5 u.ö.; die mînen besten zît daher von einem kinde SM:Te 2: 1,2; ich bin noch, [...], / vil staete her von einem kleinen kinde MF:Mor 17: 2,3    1.2.3.2 von kindes beine: aller der sunden, die ich ie gevrvmt han von kindes pêine unz an dise wile, der gib ich mich schuldich in dine gnade Spec 4,14. 98,24; din edele kuscheit, / di du von kindes beine / luter unde reine / behalden hast mit vlize Pass I/II (HSW) 26367; HimmlJer 65; SHort 5670; KLD:GvN 14: 4,14    1.2.3.3 von mînen kindes tagen: die lêre, die ich hân getragen / her von mînen kindes tagen RvEBarl 3944    1.2.3.4 von kindes jugend: du hâst von kindes jugende / getragen ie der êren cranz KvWWelt 140; wend ich nie man baz vollinkuͦmin / an allir slachte tuͦginde / gesach von kindis iuginde Athis F 144; ein sunder tugent, / die hette sie von kindes jugent Vät 38168. 32165; auch in sîner kindes jugent ‘in seiner Kindheit’ in sinir jungin kindis jugint / er wuͦhs mit kraft an mannis tugint RvEWchr 20498. 20510    1.2.4 in der (abwertenden) Umschreibung kindes spil, der kinde spil von etw. als ‘eine einfache Sache, etwas Geringfügiges’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 245; vgl. kintspil ): swer mich des bescheiden wil / nâch wâne, deist ein kindes spil Freid 11,12; SM:UvB 1: 2,5; Parz 79,20. 557,13    1.2.5 in Anlehnung an ein Sprichwort (vgl. TPMA 2,94; 7,39; 10,114): ich fürhte als ein verbrantez chint KvHeimUrst 23; sô ein frumich rîter zû zim chom, / dem bôt er lîp unt gût. / er ne chêrte cheinen sînen mût / weder an chint noch an tumben man VAlex 159; daz kint daz dâ ist geslagen, / daz muoz wol weinen unde clagen Iw 723    1.3 von Jugendlichen und jungen Erwachsenen: wir wollen ouch, daz man dekein kint cleide oder entphâhe in disen orden, ê danne ez kume zu der zal sîner vîrzehen iâre StatDtOrd 51,25. 51,30; so der selbe harn gerlichen dunne ist. vnde eines kindes ist. vnde ez ist hinder sechzehen iarn SalArz 112,50. 113,19; unt alsô daz chint [Alexander] nâch dem site / was wol gewâfen unt geriten, / dô was er ein scôner jungelinc VAlex 365 (vgl. fater, nû bin ich funfzên jâr alt ebd. 349 ); ‘ave Marie! / got unser herre mit dir wone!’ / daz edele kint [Maria] irschrak da vone / der unkundiger gruze [vor den (ihr) unbekannten Grüßen] . / zu stunt als die suze / gelouben entpfienc der botschaft, / do entpfienc sie von der gotes craft / den waren gotes sun Crist HeslApk 596; swâ man tanzet alder springet, / da ist er vor in allen. / mit gewalte in nieman dringet / des muoz er uns kinden wol gevallen SM:Go 2: 5,11; Tannh 1,98; wa das kint [Jesus] hin kam unz an die zit, das es gewohs ein kint von drissig jaren und ein vollekomen man Mechth 5: 23,154. – als Beiname: dô kom aber sint / Gêrnôt, ir bruoder, und Gîselher daz kint NibB 1219,2    1.4 in der Anrede    1.4.1 von geistlichen Schülern oder Gemeindemitgliedern: ‘liebez kint, got minne dich!’ / diu frouwe gnâte im unde neic Eracl 754. 2080; Tauler 152,6; lieben kint, dis hant wir alle gote gelobet und mit eiden gesworn ebd. 58,8; Spec 10,21; EnikWchr 1861; lieben kint mîn ebd. 1939; vil lieben kint, nu verstont das ich sage Tauler 151,15; miniv uil liebin kint Spec 85,21    1.4.2 im Aufruf zum Feiern oder zu geselligen Unternehmungen: wir sun den winder in stuben enpfâhen, wol ûf, ir kinder, ze tanz sun wir gâhen! KLD:BvH 1: 1,2; KLD:KvK 5:2,1; kinder, kinder, sint gemant, / wir sun schouwen wunne manicvalde ebd. 5:1,3; ez meiet hiure alsô, / daz aller frowen heil / ûf gât ein michel teil. / ir kint, ir sunt mit fröiden / jârlang wesen geil [fröhlich] SM:KvA 3: 2,7; lieben kint, wa ist der wirt? / wann aller freuden man enbirt / wa man deß wirtes nicht enhat, / wie wol der kost ist voller rat HvNstAp 16265; SM:WvT 1: 1,1    2 ein Verwandschaftsverhältnis bezeichnend, ‘Kind’ (von jmdm., auch im Erwachsenenalter)    2.1 allg.: ein wîp mac gewinnen êkint, vrîiu kint, eigen kint unde kebskint SSpAug 141,18; wem man auch einen teschern [Teigtasche?] oder zwene oder kuchelech sinen kinden mit dem broͤte bringet, waz die wegen, als vil sol dem pfister abegen an dem gewihte WüP 92,18; Mühlh 131,8; ûz gie dô Noe mit sînen chinden jouch mit ire wîben Gen 711; sun, so wil ich nit mit dir mer / vehten, wan du bist min kint Rennew 20015; man sagt, daz chein kint sîner mûter kebeskint en sie SSp (W) 1:51,2; Rol 1137; VRechte 271; Wig 1599; [Maria] so wol dich des kindes! MarseqM 56; Seuse 268,16. – übertr.: frauw Salde vnd das Heil, ir kint Krone 15829. 23094    2.2 in der Anrede an das eigene Kind: dô sprach diu vrouwe Uote ir lieben tohter zuo: / swaz dîne bruoder râten, liebez kint, daz tuo NibB 1246,2; chint mîn Neptalim Gen 2919; ich sage dir kint minez VMos 14,22; Wig 11365; Herb 18413    2.3 in Anlehnung an ein Sprichwort (vgl. TPMA 7,14.43.47): daz ist immer und was ie / daz diu jungisten chint / dem vater aller liebest sint KvHeimHinv 421; daz kraut [...] ist den zaubræren gar nütz. [...] aber die haimleichait [...] schol diser gazzenspringer niht wizzen. man hât mir daz kint verstoln, ê daz ez volporn würde, dar umb muoz ich im diu klaider dester kürzer schrôten BdN 424,13 (Bed. der Wendung unklar)    2.4 in Umschreibungen für die gesamte Familie    2.4.1 wîp unde kint/  kinder: der sal Wirzeburg ruͦmen mit wibe und mit kindin cehin mile von der stat on geverde WüP 9,13. 89,48; des saget er sime gesinde, / wibe vnd kinde, / daz sie fride hatten Herb 15366; beide wip unde kinder / die sluc man alse rinder GrRud #g+d#g- 25; so behalte wir den lib, / dar zu kint unde wib / unde alle unse ere Rol 436. 184. 889; Herb 11521; KvWWelt 248; KvWSchwanr 1555. 1512; Eracl 4457; Roth 2867    2.4.2 mâge unde kint: daz die mvzzen wesen fro, / die deheine rechte rede verstant / vnde hie hus vnde hof hant / vnde mage vnde kint / oder mit truwen hie inne sint Herb 15395    2.5 in Umschreibungen für ‘Mensch’    2.5.1 wîbes kint: ir nemuget under wibe chinden neheinen grozzeren man vinden AvaJo 25,10; Spec 81,14; Neidh WL 23:11,1; MF:Wolfr 9: 1,8    2.5.2 oft maneger muoter kint (vgl. barn 2.1): dû solt heizen schrîben / disiu dinc diu hie sint, / daz vil maneger muoter kint / wîten ûf der erde / dâ von gebezzert werde Tund 1792; Rol 7401; NibB 19,4; KvWTurn 497. – (vgl. 4): manges tieres kint ReinFu K,1356    2.5.3 maneger diete/  liute kint (s.a. 2.6): vier lant groz und wit irkant, / darinne manegir diete kint / in aller hande geschepfede sint RvEWchr 1494; maneger hande lúte kint / hat das selbe lant mit wer ebd. 2095    2.6 in Umschreibungen für ‘Nachkommen’ ire [der anderen Söhne Noahs] scalche wâren die Cham unde sîniu chint gebâren Gen 760; diu zwelf chunne / der Jacobis chinde Hochz 955; von sinin kindin gar, / die er insinir zit gebar / und dú do in den jaren / sinir kinde kint gebaren RvEWchr 1195; do mit buwe nidir lie / Sem und der geslehte kint ebd. 2160. 1367. 4408.    2.7 in Umschreibungen für Einwohner unterschiedlicher geogr. Größen (Reich, Land, Stadt; vgl. 2.5 und 3): kint des riches, / uwer gelichen / newurden nie uf der erde geborn Rol 6976; Assur bezeichent ubermuͦt, Babylon schante, Nabuchodonosor den tîefil, dei kint Babylônis hellekint Spec 39,1    2.8 in Umschreibungen für Angehörige religiöser Gruppen (vgl. 2.5 und 3): du has al, diͤ glöuvich sint, / genant des heilgen Abrams kint MarlbRh 77,29; den machte her sender ougen blint, / daz her der israhelen kint / vorvluchte HeslApk 2908; daz diu kint von Israhel daz selb püechel machten BdN 469,8. 431,11; proselîtes sint die liute / die nâch der ê sint / besniten und doch der heiden chint KvHeimUrst 712    3 ‘Zugehöriger’ in Umschreibungen, die jmdn. als zugehörig zu jmdm./etw. darstellen oder als dessen Einfluss unterworfen    3.1 zu abstrakten Mächten: aber wir wollen hie niht sagen, waz gestalt und waz siten icleichs planeten kint haben KvMSph 8,21; daz wizzen wol der minne kint StrKD 54,189; ich spriche hintze der witze chinde / vnt zesinnes ingesinde Warnung 1631; Ottok 710; ich bin der Unsælden kint: / mit ten die unsælec sint / muoz ich leider sîn unvrô Iw 4449; der vorluste kint HeslApk 18863; man verfluocht der sælden kint / und segent, die verfluochet sint Freid 134,2    3.2 zu Gott oder seinen Widersachern (Teufel, (ewiger) Tod, Welt u.ä.)    3.2.1 Gott: von der touffe wurte wir alle gotes chint VEzzo 206; an ir werchen bechennet man si. mines trachtines chint PrOberalt 46,3; nâch dem vil süezen lône, / daz got sînen kinden gît, / dâ warp er nâch alle zît Eracl 2433; Mechth 1: 25,2; Litan 748; Rol 5625; Spec 19,13; LobGesMar 3,6; JPhys 26,21    3.2.2 Teufel: die von grozzer schulde / gotes vnt der werlt hulde / mit michelem recht ane sint, / wan si waren ie des tivels chint Warnung 378; daz lút wirdit bekeret; / di dír abir widir sint, / die heizent des tuvelis kint / unt sint allesamt uirlorin Rol 60; PrOberalt 14,21 u.ö.; durch elliu diu wiͤcze, der der tiufel vnd siniu chint [die die Märtyrer gefoltert haben] mohten erdenchen Konr 19,59. 20,40. – auch wegen der Schnelligkeit der Teufel: man sach dort vor der purg jagen / ainen ritter, der was wol peraitt, / mit wappen reichlich angelaitt. / er floch dort her durch den wind, / als er war deß teufels kind HvNstAp 458    3.2.3 ewiger Tod: hôre mich, tôdis kint; dû zû deme êwigin fûre gemeinit bist PrMd (J) 342,35; RvEWchr 25518    3.2.4 (gottferne) Welt: der kunich het einen bruͦder, / der was der werlt luͦder. / der chunde [...] niht wan nach der werlde lebn. / dem zugen der werlde chint zuͦ StrKD 98,19; KvWWelt 260; Rol 7009; RvEBarl 1546; dien gotes minne vrömde sint, / die sint mit liehten ougen blint: / diu selben kint / die heizent kint der erde LobGesMar 3,3; min lip ist kint der erde. min sele got vater nennet JTit 6299,1    4 ‘Tierjunges’ si losten die eselinne vnde ir kint vnde brahten si vnserm herren Spec 47,9; so sin zît chumit daz er [der Elefant] chint wil giwinnen JPhys 8,4; al des meigen zît si [die Vögel] wegent mit gesange ir kint MF:Wolfr 6: 2,4; eins alten strûzes jungiu kint Reinfr 20903; BdN 165,4 u.ö.; StrKD 100,6; Volmar 904; HvNstAp 8877. 10143

MWB 3,1 253,21; Bearbeiterin: Baumgarte

kintamme swF. ‘Amme’ (vgl. 1amme ): wil dû, daz ich dir gewinne / eine chindammen, / diu uns daz chint behalte, / unz iz sîn selbes walte? Exod 248. – bezogen auf Maria: maget wesende du in gebærest, / sin chintamme du wærest SüklV 85; er wil dich selbe bewarn, / des chintamme dû wære, / den dû muoter maget gebære KvHeimHinv 281

MWB 3,1 259,15; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbære Adj. ‘ein Kind habend’ (übers. lat. puerpera ‘im Kindbett liegen’), auch ‘schwanger’ (sicher nur PrWack 63,5 ): dô von des engels worten / dîn muoter [Maria] kintbære wart / unt beleip iedoch verspart / der magde guldînez tor / dar nâch als dâ vor KvFuss 17; siehe, liute hant maniger lege girde vnd sunderlich frovwen die kint bere sint PrWack 63,5. – subst. ‘Kindbetterin, Mutter’ sæligiv mit manchvaltem lobe chintbær [Maria] [interl. zu felix multiplici laude puerpera ] PsM H 86,4. – übertr.: diu sele die von dem götlichen worte swanger vnd kintber worden ist PrWack 63,6

MWB 3,1 259,22; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbarn stM. hier ‘(männl.) Säugling’ (vgl. barn stN.): do der geleidegot [hier: trauernde] man von dem grabe [seiner im Kindbett verstorbenen Frau] heim chom / er nam an sinen arm den vil chleinen chintbarn / den weisen [verwaisten] Benonim, den hiez er do Beniamin [Gen 25,18] GenM 71,20

MWB 3,1 259,35; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbëte stF. eine jährliche Abgabe (vgl. bëte 2; DRW 7,815): ius annualis petitionis. quod uuͦlgariter kintbeide dicitur UrkMittelrhein 2,306 (a. 1210)

MWB 3,1 259,42; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbettærinne stF. Frau, die gerade geboren hat und besonderen Schutz und Fürsorge genießt und die bis zur Einsegnung oder dem ersten Kirchgang (nach 40 Tagen) eine besondere kirchenrechtliche Stellung hat (vgl. DRW 7,816), ‘Wöchnerin’ (vgl. kintbette ): puerpera: kind betterin GlAnzfKdVz 4:235,201; ez sol auch kein man zu keiner kint betterinne schenke [Beschenkung] gen StRRotenb 492; WeistGr 1,425 (vor 1400); an únser frowen tag zuͦ der liehtmiss bereit er vorhin drie tag mit gebete ein kerzen der himelschen kindbeterin Seuse 29,9

MWB 3,1 259,46; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbette F. (?) kintbette stN.

MWB 3,1 259,58;

kintbette stN. Zeitspanne (von 40 Tagen/ 6 Wochen) nach einer Geburt, in der Mutter und Kind besonderen Schutz und Pflege genießen, ‘Wochenbett, Kindbett’ (vgl. kindelbette , kintbettærinne ) und die Feierlichkeiten und Bräuche zu dessen Ende mit dem ersten Kirchgang nach der Geburt (vgl. DRW 7,815f.): er hêt mâge in der stat, / frouwen, die er sume bat / [...] chomen dar, / dâ sîn frouwe gebar, / daz si sie beruohten [betreuten] wol, / sô man wîp ze chintbette sol KvFuss 780; si sprâchen in triuwen, / die êbrêisken froͮwen / die chunden selbe den list, / der zuͦ chintpette guͦt ist Exod 182; Erlös 3221; es ist auch gesetzet, daz niemant, ez sei fraw oder man, [...] in kein kintpette [...] niht pringen noch geben noch senten sol, ez sei cleinot oder gelt oder wie ez genant sei NüP 78; zcu kynthouffene sullen nymmer danne zcwelf vrouwen gehen czu der kirchen, vnd vier vrouwen sullen derbie dem kintbette beyte StRMühlh 119; Macer 96,7. – übertr.: er [Gott] hât sînen sun êweclîche geborn unde gebirt in iezunt unde sol in êweclîche gebern, und alsô hât der vater kintbette in einer iegelîcher guoter sêle Eckh (Pf) 598,12; dâ ist kintbette in der gotheit, dâ werdent sie getoufet in dem heiligen geiste Eckh 2:86,4. – hierher oder F. (?) ‘Wöchnerin’ daz si es [diesen Text] den lesen sont / [...] / in doͤrfern, búrgen oder in stetten, / vor siechen, kinden und kintbetten SHort 32

MWB 3,1 259,59; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbettegemach stN. hier kindebetgemach. ‘Wochenbettruhe’ daz man der kunigin stôrt / ir kindebetgemach, / daz kom ir übel hernâch Ottok 69144

MWB 3,1 260,24; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbetten swV. ‘eine Wöchnerin und das Neugeborene pflegen’ (vgl. kindelbetten stN.), hier übertr. auf den gebärenden Gott: er [Gott] hât sînen sun êweclîche geborn unde gebirt in iezunt unde sol in êweclîche gebern, und alsô hât der vater kintbette in einer iegelîcher guoter sêle. sêlic ist der mensche [...], der den himelischen vater alsus in sîner sêle kintbetten sol Eckh (Pf) 598,13

MWB 3,1 260,28; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbîʒe swM. ‘Laus’ pediculus haizt aigencleich ain füezling. daz ist ain leuteswürml oder ain kintpeiz BdN 305,16. 114,14

MWB 3,1 260,36; Bearbeiterin: Baumgarte

kintbriuwe stN. hier wohl eine bestimmte Zeit des Bierbrauens (vgl. briuwe stN.), zu der eine Abgabe in Form von Schaffellen zu leisten ist: von den schaffen von Gvͦtichenhusen vnd von Gaimersheim git man dem chuchenmaister all jar sehs vel, [...] vnd zem chindprav als vil [ pro praxatione (vgl. bracio ‘Bier brauen’ MlatWB 1,1559), que dicitur chintprau ] UrkGeisf 424 (13. Jh.)

MWB 3,1 260,39; Bearbeiterin: Baumgarte

kint|entvâhærinne stF. ‘Gebärmutter’ ez sprechent etleich, daz ain âder gê von der kindenpfâherin unz an des kindleins nabel, und mit der âdern oder mit dem pand zeuht daz kint in sich daz pluot von der muoter lebern, und von dem selben pluot nert sich daz kint in der muoter BdN 33,28

MWB 3,1 260,47; Bearbeiterin: Baumgarte

kintgebërærinne stF. ‘Frau, die ein Kind geboren hat’, von Maria: sæligiv geburt der meit do chintgeberærinne gebar vnser heil [interl. zu cum puerpera edidit nostram salutem ] PsM H 42,2

MWB 3,1 260,54; Bearbeiterin: Baumgarte

kintgedinge stN. Vertrag zwischen Dienstherren über die Zuordnung der Kinder unfreier Eltern, wenn diese zwei verschiedenen Herren gehören (zur Sache vgl. 2HRG 2,1769-1770; weitere Belege vgl. DRW 7,823): pueri [...] equa porecione dividentur prout ius dictaverit quod dicitur kintgedinge DRW 7,823 (StArchKoblenz; a. 1263) u.ö.

MWB 3,1 260,58; Bearbeiterin: Baumgarte

kintheit stF. 1 ‘Lebensabschnitt der Kindheit’ (vor der Jugend; in Bezug auf Jugendliche nicht von 2.2. zu trennen; vgl. kint )
2 ‘kindliche Art, kindliches Verhalten’
2.1 ‘Kindlichkeit’
2.2 ‘Jugendlichkeit’
3 ‘Kinderei, spielerische oder sinnlose Tat eines Kindes’
4 ‘Kindschaftsverhältnis’
   1 ‘Lebensabschnitt der Kindheit’ (vor der Jugend; in Bezug auf Jugendliche nicht von 2.2. zu trennen; vgl. kint ): also teilit man dez menschen lebtage in vier. daz erste ist die kintheit, iugent, manheit unde daz alter MNat 9,23; PrOberalt 15,37; swer sich in den drin altern [...] chuͤschlichen behaltet, der ist sælich. swenn dem unser herre chuͤmet in swelher waht [hier ‘Lebensalter’] , in der chintheit, in der jugent, in dem alter, so ist er berait ebd. 16,2; ditz ist dâ von gesetzet daz diu kintheit niht witze hât SpdtL 136,12; als man ein junges schuͦlerli dez ersten leret, daz zuͦ der kintheit hoͤret Seuse 98,29. – bezogen auf die Kindheit einer bestimmten Person: wie das er [Dyonisius] och von gotte [Jesus] seit [berichtet] / alters und kintheit WernhMl 36; wiser me denne alle lút / was sin klainú kinthait / mit aller wiser sælikait ebd. 4353; sîn jungiu kintheit RvEBarl 7722; únser kintheit die was toreht, únser jugent die wart angevohten Mechth 7: 3,9. – übertr.: setzest dv̍ an der ersten warheit vnd an dem obersten guͦtte din verstantnissi vnd allen din willen, vnd sugst dv̍ da mit din kintheit vnd din vnvolkomenheit RvBib 79,13. – in der Wendung von (mîner/  sîner) ~ , ‘von Kindheit an’ ir sît von chintheite gwon mit deme fihe gên Gen 2549; der was dâ zen Sahsen / von kintheit gewahsen Bit 6010; dú [10 Gebote] han ich von miner kinthait behalten vnz her PrGeorg (Sch) 4,41; PrOberalt 48,38 u.ö.; si geschuof mit wîbes listen, / daz er ir alles des verjach / des im von kintheit geschach / unz an die gegenwertigen stunt UvZLanz 628; Tauler 119,29; Tr 4418; OvBaierl 69,16; UrkCorp (WMU) 2345,23    2 ‘kindliche Art, kindliches Verhalten’    2.1 ‘Kindlichkeit’ [der Säugling] erzeicte sîn kintheit. / des was diu muoter im bereit, / und treip die wagen [Wiege] her und dar; / daz tet im sanfte, daz ez gar / schiere weinnenes sich bewac WolfWiege 1637; er began mit warheit jehin / ez [das Zerbrechen von Pharaos Krone durch das Kind Moses] were von kintheit geschehen RvEWchr 9049; EnikWchr 6819; dô sprach das kint: ‘Ciku Ciku’ [...] ‘Franciscus’ wold ez hân geseit: / done moht ez vor kintheit / des namen niht gar gesprechen LvRegFr 4607    2.2 ‘Jugendlichkeit’ man süch in [Paris] by den frowen, / die wöltten in lichtt schowen / durch sine clauren kinthaitt GTroj 2543. – ‘jugendliche Unerfahrenheit’, übergehend zu ‘jugendliche Selbstüberschätzung, Leichtsinn’ diu junger greif die nâchvart [fuhr hinterher (und verlor den Vorteil, die erste zu sein, die sich den besten Kämpfer aussuchen konnte)] : / daz machet ir kintheit, / dazs ir [ihrer älteren Schwester] ir willen hete geseit Iw 5671. 6330; daz eine was diu minne / diu im verriet die sinne, / daz ander sîner swester schœne, / daz dritte des tiuvels hœne, / daz vierde was sîn kintheit / diu ûf in mit dem tiuvel streit / unz er in dar ûf brâhte / daz er benamen gedâhte / mit sîner swester slâfen Greg 327; si [die Botin, die um Hilfe ersucht] vorhte daz si ir arbeit / verlür von sîner kintheit, / durch daz er sô junc was Wig 1817. 2461; Herb 1062; Tr 294. 12429. – übergehend zu ‘Dummheit’ mich slant [schlagen] Rotheres man / wie grozer kintheit it gewelt / daz ich ime sin wif nam Roth 4516; daz was ein michel chintheit, / daz mîn vane chom in iwer hant; / iz wirt iu ze laster gewant VAlex 1346    3 ‘Kinderei, spielerische oder sinnlose Tat eines Kindes’ wolt iuch sîn niht verdriezen, / ich klagt iu mînen kumber schier, / wolt ir ez gelouben mir, / wan daz ez wær ein kintheit, / ob ich iu mînen kumber kleit EnikWchr 26909; Germanus schribet das fúr war, / do Ihesus hette zechen jar, / das er da fúr gelachete nie / und kaine kinthait me begie, / so das man haisset kinde spil WernhMl 4342    4 ‘Kindschaftsverhältnis’ mîn herze vröuden vil gewan, / dô ich vernam, daz dîn kintheit / gerach dîn werndez herzenleit / und daz du manlîch als ein man / slüege den künic Morgan / und rêche den vater dînen HvFreibTr 1889

MWB 3,1 261,1; Bearbeiterin: Baumgarte

kintlich Adj. , -lîche Adv. adv. auch -lîchen. 1 ‘kindlich, jung, jugendlich’
1.1 einem Kind gemäß, nach Art eines Kindes, wie ein Kind, ‘kindlich’
1.1.1 bezogen auf Unwissenheit
1.1.2 übergehend zu ‘unschuldig’
1.2 ‘jugendlich’ , überw. i.S.v. ‘unvernünftig, leichtsinnig’
2 ‘zur Kindheit gehörig’
3 ‘im Kindschaftsverhältnis (zu jmdm.) stehend, (wie ein) Kind von jmdm. seiend’
   1 ‘kindlich, jung, jugendlich’    1.1 einem Kind gemäß, nach Art eines Kindes, wie ein Kind, ‘kindlich’ daz der maget tohte / zuo ir kintlîchen spil, / des gap ir der herre vil AHeinr 331; sin herze erkante iesa zustunt / me dan sin kintlicher munt / mit worten brechte zu der rede Elis 700; den stain hân ich geleicht unserr frawen kintleicher vorht, die ain kint zuo seinem vater hât stæticleichen, wie ez alleu seineu werk füer und volpring und sein leben ganz dar nâch schick, daz ez seinen vater iht erzürn BdN 461,31. 67,1; Wernh D 4114. A 1009; Seuse 30,9 u.ö. – mit site u.ä.: swer die kintliche site sah, / der half des mit warheit jehen / das ez von kintheit were geschehen RvEWchr 9067. 9056; kintlich sitte / wonete dem kinde mitte WernhMl 693. 4319. 588    1.1.1 bezogen auf Unwissenheit: nuo der herre begunde spehen, / daz er sô kintlîche reit UvZLanz (K) 477; chintlich tvmphait vͦbet ofte vnzimlich boshait UrkCorp (WMU) 2345,32    1.1.2 übergehend zu ‘unschuldig’ man möhte wol genôzen / ir kintlich gemüete / hin zuo der engel güete AHeinr 465. – wohl hierher: dô si alle ruowe wânden hân, / dô kom [...] des wirtes tohter, stille. / [...] / siu wolte gerne kunnen, / waz sites die herren pflægen / [...] / wan siu von starken minnen bran. / [...] diu vrowe diu gienc âne huot [ohne Kopfbedeckung (nur mit einem Blumenkränzchen)] / durch daz siu kintlich wolte sîn UvZLanz 867    1.2 ‘jugendlich’, überw. i.S.v. ‘unvernünftig, leichtsinnig’ ir soldet noch belîben durch iuwer schœne wîp, / ê ir sô kintlîche soldet wâgen den lîp NibB 1468,4; du maht wol sîn ein tumber gouch, / sît du dô kintlichen redest / und ûf dich grôzen kumber ledest KvWPart 1423; Karlmeinet 89,17; En 4445; owe, chunich von hiunisch riche, / ir habt getan hiut vil chintliche Rab 414,6; dem si [die Augen] tieff ligent, der ist kindlich [ callidus ] unnd ain trügnär HvHürnh 46,14    2 ‘zur Kindheit gehörig’ sin kintlich leben und sin tuͦn / was úber aller wishaite ruͦm WernhMl 4363. in (jmds.) ~ tage(n) ‘in der Kindheit’ in sinen kintlichen dagen begund er getruliche unserme herren dinen HlReg 55,14. 3,30; daz waz gar ain groͤssú minne daz er also zitlich und in sinen kintlichen tagen arbait und not fúr únser súnde wolt liden PrGeorg 29,13; Seuse 267,22. von (jmds.) ~ tage(n) ‘von Kindheit an’ ich [ein alter Seemann] han gewandlot uf dem mer / von minen kintlichen tagen SHort 10997; nun suͦln wir schriben und sagen / waz er von sinen kintlichen tagen / erliten habe biz an den dot HvNstGZ 1982; WernhMl 1,2; Seuse 201,2; HagenChr (G) 1650; UrkCorp (WMU) 668,18. – vereinzelt von ~ zîte: ein sô grôz herze nie gewan / vor sîner zît sô kleine ein man, / als ez wuohs an dem helde sît / von sîner kintlîcher zît RvEAlex 1326. – vereinzelt nâch/  under ~ jâren: nach kintlichen jaren, / als dú verendet waren / und der vil minnekliche zart / Ihesus och ain jungling wart, / vil grosse tugende er gewan WernhMl 6131; der engel ein michel menige was, / die [...] hie enerde ir herren enphiengen / under chintlîchen jâren, / vor dem si ze himel êwic wâren KvFuss 797    3 ‘im Kindschaftsverhältnis (zu jmdm.) stehend, (wie ein) Kind von jmdm. seiend’ ich troste si vil guͤtliche in der toͤtlichen schidunge, und bevalh si minem geminten junger in muͦterlich trúwe und bevalh den junger ir in kintlich trúwe Seuse 260,12

MWB 3,1 262,17; Bearbeiterin: Baumgarte

kintmeister stM. ‘Erzieher’ an hern Hiltweinen, chindmaister doselben, daz si nach iren triuwen mein geschaft auzrihten suln, als ez hernach geschriben stet UrkEichst 2,284 (a. 1341)

MWB 3,1 263,22; Bearbeiterin: Baumgarte

kintporte swF. ‘Scheide, Muttermund’ diu nezzel erwecket die unkäusch und allermaist ir sâm mit wein und offent die kintporten an den frawen, alsô daz diu muoter dester leihter zuogevæht BdN 423,28

MWB 3,1 263,26; Bearbeiterin: Baumgarte

kintspil, kindespil (?) stN. vgl. syntagmatisch kindes spil (vgl. StrKD 58,I 292 und Friedrich, PhrasWB, 243 mit zahlreichen Belegen) und kinde spil (?) mit Gen.Pl. ‘Kinderspiel’ 1 ‘Spiel(en) eines Kindes’
2 ‘eine einfache Sache, etwas Geringfügiges’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, 245)
   1 ‘Spiel(en) eines Kindes’ [Darius schreibt dem Feldherrn Alexander, warum er ihm einen Ball geschickt hat:] der bal bezeichent kindespil: / dâ mite soltû ballen vil / und sô die zît vertrîben RvEAlex 4227    2 ‘eine einfache Sache, etwas Geringfügiges’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, 245): ez was gar ein kintspil swes er ie began Kudr 858,2. mir ist ze lange wê, / sît si jehent, ez sî niht ein kinde spil, / dem ein wîp sô nâhen an sîn herze gê MF:Mor 21: 3,3; minne ist niht ein kindespil: / gar unsanfte ich sî vermîde, / diu mîn herze in jâmer twinget sunder dank SM:KvL 6: 2,4; Rol 6574; RvEAlex 10948

MWB 3,1 263,31; Bearbeiterin: Baumgarte

kint-, kindel-, kindestac stM. nur im Pl. ‘Tage der Kindheit, Kindheit’ ich [...] wil eu doch dar vnder / seiner tugent anegeng sagen, / wie ez in seinen kinttagen / jm alr erst ergienge Krone 170. 2232; hie vor in minen kindestagen Vät 23326; do ich [...] gewuhs und uf quam / ein teil uz minen kindestagen, / do begonde mich der zwivel jagen ebd. 23419; ôich was dy zît gerucket / van hiren kindeldagen, / [...] dat dy vrunt beryde sich, / wô sy hir gêven einen man Yolande 449; daz ich mache dir bekant / die lêre, die ich hân getragen / her von mînen kindes tagen RvEBarl 3944; Vät 31562

MWB 3,1 263,47; Bearbeiterin: Baumgarte

kinttoufe stF. ‘Taufe eines Säuglings’ si suln auch von ieder kintauf von iedem kind nemen ainen haller NüP 197; ez sol auch ze kainer kintauffe niht mer gen denne vier frawen unde die gevatern und auch niht mehr manne denne vier man und die gevatern ebd. 148

MWB 3,1 263,60; Bearbeiterin: Baumgarte

kinttoufen swV. hier subst. Inf. ‘Taufen eines Säuglings’ zcu kynthouffene sullen nymmer danne zcwelf vrouwen gehen czu der kirchen, vnd vier vrouwen sullen derbie dem kintbette beyte StRMühlh 119

MWB 3,1 264,1; Bearbeiterin: Baumgarte

kinttragærinne stswF. ‘Schwangere’, von Maria: genesen ist chinttragerinne den der engel het vorgeseit [interl. zu enixa est puerpera quem gabriel predixerat ] PsM H 37,5; von Elisabeth (Lc 1,41): stimme erchuhte gesant chinttragerinnen [sw. Gen. Sg.] vnd vuͦrte wissagen vrevde weniges [interl. zu vox suscitauit missa puerpere fouitque uatis gaudia paruuli ] ebd. H 75,3

MWB 3,1 264,6; Bearbeiter: Gärtner