k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kindenmuoter
stF.
eine Frau, die Kinder hat:
wa kinden muoter mit nammen geschriben stat an der burger tafellen und ouch
burgerin ist StRFreiburg (F)
245
MWB 3,1 247,27; Bearbeiterin: Baumgarte
kinderen, kindern
swV.
‘ein Kind gebären’
du pist unfruchtpar geworden, du nicht kinderst [
fuerat sterilis - letare sterilis Ps 112,9]
PsMb
32(Glossar)
MWB 3,1 247,31; Bearbeiterin: Baumgarte
kindertragen
stN.
‘Schwangerschaft’
fruchtpar ist sy worden mit kyndertragen [
facta est fertilis et letabunda Ps 112,9]
PsMb
32(Glossar)
MWB 3,1 247,35; Bearbeiterin: Baumgarte
kindes(-)
s.a.
kindisch
(-)
MWB 3,1 247,38;
kindesjugent
stF.
→
kint
stN.
MWB 3,1 247,39;
kindeskint
stN.
unklar, ob Syntagma.
‘Kindeskind, Nachkomme’
[durch den Sündenfall] wurden wir alle zuͦ nyede und
verwurden bis an den lesten menschen, kinder und kindskinder Seuse
533,24;
dú von Noe geborn sint, / an disin selbin stundin / ze
kindenne begunden / und gewunnen in der jare zil / kint und kindis kinde vil
RvEWchr
1014;
Macc
14052
MWB 3,1 247,40; Bearbeiterin: Baumgarte
kindespil
stN.
→
kintspil
(kindes spil
→
kint
1)
MWB 3,1 247,48;
kindesspuric
Adj.
‘für ein Kind verständlich’ (Glr.z.St.):
Johannes tichte durch daz swar / apocalipsim willekuric / daz
sie nicht were kindesspuric / und daz sie were den vremde / die zu gote tragen
gremde HeslApk
17842
MWB 3,1 247,49; Bearbeiterin: Baumgarte
kindessun
stM.
‘Enkel’
nepos: kindessun VocOpt
3.016
MWB 3,1 247,54; Bearbeiterin: Baumgarte
kindestac
stM.
→
kinttac
MWB 3,1 247,56;
kindestohter
F.
‘Enkelin’
neptis: kindstochter, kindestochter VocOpt
3.017
MWB 3,1 247,57; Bearbeiterin: Baumgarte
kindesvart
stF.
unklar, ob Syntagma.
‘kindisches Benehmen’
ganc hin in din cellen wider, / la von dirre kindes vart /
unde merke hinnen vurwart / an dir din selbes
crancheit [Schwäche] / und daz dir si untz her verseit
/ des tuvels bekumernis Vät
15805
MWB 3,1 247,59; Bearbeiterin: Baumgarte
kindisch
Adj.
vereinzelt adv. (
Bit
2128
); auch kintsch (
Seuse
30,12
), kinnesch (
Lanc
137,18
), kindes (
Elis
1543;
Frl
7:42G,3,
vgl. FrlWB
S. 183); s.a.
kint
Adj.
1
‘jung, im Kindesalter’ (Altersspanne vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen,
vgl.
kint
) 1.1 bezogen auf Säuglinge (hier von Herodes’ Kindermord zu Bethlehem) 1.2 bezogen auf Jugendliche, junge Erwachsene 1.2.1 meist bezogen auf junge Männer 1.2.2 selten bezogen auf junge Frauen 1.2.3 übergehend zu ‘unerfahren, unwissend’
1.2.4 übergehend zu ‘unvernünftig, verantwortunglos’
1.2.5 in Wendungen, die auf die Jugend oder Kindheit einer Person anspielen 2
‘kindlich, als Kind, wie ein Kind’
3
‘Kindern angemessen’
1
‘jung, im Kindesalter’ (Altersspanne vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen,
vgl.
kint
)
1.1
bezogen auf Säuglinge (hier von Herodes’ Kindermord zu Bethlehem):
er sazte in sein æhte / die kindischen barn, / die
vnschuldik waren Wernh
A 4215;
do fvͦren des kvniges vndertane vnde slvͦgen die
kindischen marterære Spec
31,4
1.2
bezogen auf Jugendliche, junge Erwachsene:
wahsen begunde do der chint [Ismahel] /
[...] / do begunde er vaste proͮten nach
chindischen loͮten [sehnte er sich nach jungen
Leuten]
GenM
39,20;
do riten mit der broute / chindische loute, / riter
gemeite, / herlich gereite Hochz
302
1.2.1
meist bezogen auf junge Männer:
man sprichet dich also kindes, / daz in der niuwe si din bart
Frl
7:42G,3;
ich müeste mich sîn iemer schamen, / ob ich ze man kür einen kneht, /
wan ez ist hie ze lande reht, / daz frouwen niht getürren haben / zer ê sô
kindische knaben, / sam du, vil trût geselle, bist KvWPart
1906;
nu Môrolt der hôrt allez an / und verdûhte in sêre,
daz Tristan / sô vaste nâch dem kampfe sprach, / dô ern sô kindeschen sach,
/ und truog im in dem herzen haz Tr
6224.
– i.d.R. attr. zu man, seltener degen,
recke, vereinzelt helt, ritter),
oft zur Hervorhebung der Unwissenheit und Unerfahrenheit oder des
Kontrastes von Jugend und Können, Wissen o.ä.:
do sante Servacius erloste die seine, / der phalenzgrave von Reine
/ bevalh si einem chindischen man [
iuvenem
]
Serv
2945;
si enkunnen niewan triegen vil menegen kindeschen man MF:Namenl
11,5;
mir erwelten mîniu ougen einen kindeschen man. / daz nîdent ander
vrowen MF:Meinl
1:8,1;
eya, kindischer man, / ich behilde iv gerne daz
leben Herb
924
u.ö.;
Bit
2288.
3649.
4019
u.ö.;
UvZLanz
6903;
Flore (S)
5017;
Flore (P)
2553;
Wernh
1547
u.ö.;
Tr
6623;
da begonde lude ruffen der kyndesche degen: / ‘noch bestet mych
besonder! myn junger dot sy uch vergeben. / begent an myr rytters ere
und gerucht mych besonder bestan’ Alph
1188;
UvZLanz
565.
844;
Bit
2109.
2827.
4699;
GTroj
6367;
kindischer recke, dîn swert muoz ich hân. / nu gip dich gevangen,
ez mac anders niht ergân WolfdD (J)
4:17,3;
‘diu rede ist unendehaft’ / sprach der kindische
helt UvZLanz
2705;
ein kindisch ritter Herb
5420
1.2.2
selten bezogen auf junge Frauen:
der kunec was von gefuoger jugent, / schône gnuoc von reiner tugent, /
die kunegîn was ouch kindesch gnuoc, / unt daz sichz doch darzuo getruoc, /
daz sie entsamen lâgen / und ie doch kuscheit phlâgen / und bliben alsô
reine EbvErf
1235;
von Maria:
an dem kindischen weibe / heten si ze neide / daz
si was so veste, / die schoniste vnde div beste Wernh
A 1447;
Konr
8,19
1.2.3
übergehend zu ‘unerfahren, unwissend’
ir sint noch so juͦng und so kinnesch das ir nit
enwißsent was zu starcker ritterschafft höret Lanc
137,18.
– adv.:
dô greif ab er sô kindisch zuo / daz von sîner tumben hant / vil
der schefte wart verswant Bit
2128
1.2.4
übergehend zu ‘unvernünftig, verantwortunglos’
der kûne Alexander / der tût als ein tumber / unde
alse ein kindischer man, / der sih versinnen nit ne kan SAlex
1442;
in Persia da was ein site, / da versuchte man die boten mite. /
[...] was er den [d.i.
denne
] dem wine holt / [...] / davon
prufte man zu hant / daz jener der in hat gesant / were ein kindischer man
Secret
2603;
o daz du so kindesch bist / und mich mit herter arbeit / hast bracht
in so manic leit Pass III
262,36;
Tr
12428
1.2.5
in Wendungen, die auf die Jugend oder Kindheit einer Person
anspielen:
er schueff pey kindischen tagen / das man in nicht
hieß ainen zagen HvNstAp
407;
in dinen ersten kindschen jaren
MarlbRh
94,30;
des liz er sie irn willen han, / wen daz die frauwe wol getan / zu
kindes was der jare: / des hatte er weizgot vare / daz sie arbeit swechte, /
ob sie zu lange wechte Elis
1543;
ich ermstü der götlichen genaden [an
göttlichen Gnaden Ärmste] , / kinndisch an tugend und an
jaren, / ain minnste dienerinn unnsers herrenn HvHürnh
Vorr. 8
2
‘kindlich, als Kind, wie ein Kind’
Tantrîsel ûz kindischem site / sprach: hêrre, er zôch den
tôren / gar vaste bî den ôren, / dô gap der tôre im einen slac / und vlôch dâ her in
disen hac HvFreibTr
5634;
swaz er begât und swaz er trîbet, / daz ist allez kintlich spil; / durch daz
man in sô kintlich schrîbet: / er hât kindscher tücke vil KLD:Alex
7:11b,94;
daz der himeltrager [Jesus] so gross
und so klein ist, so schoͤn in dem himelrich und so kintsch in ertrich
Seuse
30,12;
kindesch, arm, nakent, blos Mechth
5: 25,26.
1: 22,59
3
‘Kindern angemessen’
diu guote maget in liez / belîben selten eine, /
[...]. / swie starke ir daz geriete / diu kindische
miete [hier: Geschenke] , / iedoch geliebete irz aller
meist / von gotes gebe ein süezer geist AHeinr
346.
– vom Verhalten:
er [Jason] was zv gote reine, /
[...] / kindisch den kinden Herb
141
MWB 3,1 248,1; Bearbeiterin: Baumgarte
kindische
stF.
‘Kindheit’ (vgl. AWB 5,174f. mit weiteren Belegen):
adolescentia ist ein alter des mennisken. inzuisken dere chindiske. unde dere
stercheren iungede. daz ist so dem chnappen der bart aller erist beginnit springen.
unde dere magede die bruste wohsen beginnent PsWindb
118,9(Randgl.)
MWB 3,1 249,38; Bearbeiterin: Baumgarte
kindischheit
stF.
‘Kindheit’
allerseligst aller wive, / van diner selger muͦder live / is
bit dir geborn diͤ barmherzicheit / ind gewassen bit diner kindischeit
MarlbRh
89,12
MWB 3,1 249,45; Bearbeiterin: Baumgarte
kindischlich
Adj.
in der Wendung von kindeslîchen jâren
‘von klein auf, von jungen Jahren an’
si hatte ir [ihre Magd] sunder ouch begert, / wande
si bi der claren / von kindeslichen jaren / in ensteclicher
[liebevoller] gnade / gewonet alles hade
Elis
6910
MWB 3,1 249,49; Bearbeiterin: Baumgarte
kînen, kîmen
stV. (Ia)
‘keimen, aufbrechen, wachsen’, übers. lat. germinare (
PsM
Per 23,11
):
swanne daz korn nit ne kinet / in der fuchten erden, / so nist
nehein trost, daz iz werde / jemer wole berhaft Litan
1117;
also treit si [die Ameise] ieriu korn in ier hol.
unde chliubet iegeliches entzwain darumbe dc ez iht chine PrSchw
1,22;
GenM
146,25;
PsWindb
64,11.
– übertr.:
also tuͦt der geistliche mensche, der gottes geist enpfangen
hat; das ist ein so edel sat, si kinet und wahset untz an des seligen menschen ende
Mechth
4: 18,18;
Will
42,4(La.);
duͤ nacht von dem tac wart kiment RitteruT
231.
– verengt auf ‘wachsen’
ie mid demo steini / gab er
[Gott] uns gimeini di herti der beini, / mid der poumi
grunin / der negili chimin SuTheol
90.
– verengt auf ‘aufbrechen’
da wolde got sine truten / Jherusalem die nuwen / mit allem
vlize uf buwen / und legete dar den edelen stein, / ober den die mure nicht enkein /
noch vor der last nicht enweich HeslApk
21602
MWB 3,1 249,55; Bearbeiterin: Baumgarte
kinne
stN.
(stF.
EnikWchr
14172
vgl. 1.4; stM.
WvRh
6342
vgl. 1.5);
bei Komposita in Gl. vereinzelt kind-.
‘Kinn’, auch von Tieren (
Walth
XVII,40
s.u. 1.1 und
BdN
160,13
) mit fließendem Übergang zu ‘Kinnlade, Unterkiefer’;
übers. lat. mentum (
VocOpt
1.050;
SummHeinr
2:365,125.
1:128,173
) und molae (
PsM
57,7
).
1
‘Kinn’
1.1 als Ort des Bartes in Wendungen zu Alter, Reife und Mannheit 1.2 Tränen, die über das Kinn laufen, als Merkmal großer Trauer 1.3 das Kinn in die Hand legen, als Teil einer betrübten und nachdenklichen Haltung 1.4 die Hand am Kinn eines anderen als Geste der Vertrautheit 1.5 oft im Rahmen idealtypischer (höfischer) Schönheitsbeschr. (von Männern und Frauen) 2
‘Kinnlade, Unterkiefer’ , hier vom Esel (vgl.
kinnebacke
,
kinnebein
,
kinnebracke
)
1
‘Kinn’
dâ das gollier [der Kragen] unz an daz kin /
gereichte, unz an die rinken [Gürtelschnalle] hin / diu
knöpfel wâren silberwîz Helmbr
185;
eyn blattere an deme kynne OvBaierl
72,7;
dem vih sol ein knecht nachgan, der sol tragen ein partholz
[langstielige Barte] vnd soll das isen zu berge keren
an syn kinne, ob er schlieffe das er [l. es] in steche,
das das vih nit gestigen in keines mannes matte WeistGr
4,164
(a. 1343);
UrkCorp (WMU)
N815,7;
er stach mir mit der tyoste sîn / den helm dâ an daz kinne mîn, / daz mir daz
kinne wart bluotes naz UvLFrd
226,10
(vgl.
kinnebein
);
Herb
4407
1.1
als Ort des Bartes in Wendungen zu Alter, Reife und Mannheit:
sô junc ein man, / daz sîn kin noch nî granen gewan Crane
3591;
ich gewinne [...] ein grawez kinne als ein bok
Walth
XVII,40;
bartlôser muot, nu birc daz kinne! KLD:LvS
8:2,7
1.2
Tränen, die über das Kinn laufen, als Merkmal großer Trauer:
ir wâren wengelîn ind kin / begozzen gar mit trênen naz
Crane
3421;
NibB
2257,4
1.3
das Kinn in die Hand legen, als Teil einer betrübten und nachdenklichen
Haltung:
wie wart hie undersetzet ir kinne mit den handen? / an vreuden unergetzet
begunde siz den ougen lieht enblanden [schwer zu
machen]
JTit
4518,1;
Herb
10594;
ich saz ûf eime steine / und dahte [bedeckte]
bein mit beine. / dar ûf sazte ich den ellenbogen, / ich hete in mîne hant
gesmogen / mîn kinne und ein mîn wange. / dô dâht ich mir vil ange
[bedrückt] , / wes man zer welte solte leben
Walth
8,8
1.4
die Hand am Kinn eines anderen als Geste der Vertrautheit:
in triutelîcher wîse dô was der megede hant / an ir vater kinne
Kudr
386,3;
dô er in gruozte und an sîn kinne / im greif in valscher
[geheuchelter] friundes minne
Renner
6249.
6256;
er nam si bî ir kinne / unt kuste si an iren munt
DietrGlesse
100;
sie ging zu Lancelot und nam yn by dem kinne; des
schampt sich Lancelot ußermaßen sere Lanc
462,29;
Neidh (S)
2,131 c48:6,4;
Loheng
7226;
UvLFrd
365,8;
den künic si bî der [La. dem
] kinn gevie EnikWchr
14172
1.5
oft im Rahmen idealtypischer (höfischer) Schönheitsbeschr. (von Männern und
Frauen):
din [Christus] wolstendes
kinne Seuse
552,6;
ir [der toten Maria] enwas ouch
niht entwichen / ir varwe noch erblichen / ir nase, ir munt, ir chinne
KvHeimHinv
577;
er hett eynen großen munt und einen großen langen hals,
die zene wiß und ein hohes kinne Lanc
26,22;
Herb
3197;
ir kinne, ir kel, ir goltvar hâr, /
[...] / sol ich daz lange mîden, / so muoz ich
kumber lîden SM:WvH
4: 1,9;
MF:Mor
25: 2,1;
KLD:GvN
48: 3,2;
SM:KvA
2: 4,1;
Herb
2927;
MinneR 3
44;
wichtig auch das Grübchen:
die kunst wil, daz man prise / ein kinne von guter
wise. / daz mezseclichen sie getan / und sol ein grubelin mitten han
Physiogn
266;
sunder an dem kinne was her ein wenic gezweigespeldit
EvBeh
Einl. 15;
KvWTroj
19985;
HvNstAp
13213.
15059;
Lanc
35,5;
sinwel was der kinne sîn, / und ein kleinez gräbelîn, / als ez wol dem
kinne zan, / was enmitten dar an WvRh
6342
2
‘Kinnlade, Unterkiefer’, hier vom Esel (vgl.
kinnebacke
,
kinnebein
,
kinnebracke
):
uf einim velde das geschah / da Sampsonis manheit / ê mit
des esils kinne streit / den sig RvEWchr
30942.
30945.
–
‘Kiefer, Rachen’ (vgl.
kinnebacke
2):
dem [Fisch] brich ûf sînes mundes kinne [
aperto ore eius Mt. 17, 26(27)] , / dâ vindest du
zwên phenninge inne Philipp
5960
MWB 3,1 250,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kinnebacke
swM. (st.
GenM
36,22
)
‘Kinnlade, Kiefer’, sowie angrenzende Gesichts- oder Kopfpartien;
übers. lat. maxilla, mandibula, mentum, mala (
VocOpt
1.051;
SummHeinr
2:365,125.
2:365,124.
1:126,151.
2:5,65
)
1
‘Kinnlade, (Unter- und Ober-)Kiefer’ von Mensch und Tier (vgl.
backe
) 2
‘Rachen’ (vgl.
kinne
2 ) 3 (untere Partie der) ‘Wange’
4 bei Fischen wohl auch der Kiefer einschließlich des Kiemenbereichs (vgl. DWB 5,682
und 778 mit weiteren Belegen; MlatWB 1,1562f. weist branchia wegen des
mhd. Interpretaments in diesem Beleg (und einem weiteren [ ckivvi piscis ])
die Bed. ‘Kiefer’ zu, ebd. 1,1563)
1
‘Kinnlade, (Unter- und Ober-)Kiefer’ von Mensch und Tier (vgl.
backe
):
in deme munde liez er [Gott] hangen
eine zungen lange. / fure die îlte er machen einen chinnebachen, / zane zwei
geverte, beinîn vile herte, / daz si daz ezzen brechen unt daz diu zunge spreche
Gen
125
(=
GenM
5,18
);
er sluc einez dagez mit einez esilez kinnebaken dusent starke risen da nider
HlReg
43,10;
Lucid
146,15;
er stach im ain scharten / uz dem kinbacken
WhvÖst
12043;
do gewan iz [das Buch] alda zu
stunt / des suzen honiges smacken / zwischen minen kenebacken / und bittert in minem
buche [Bauch]
HeslApk
15320;
alsus betriegent si daz livt, [...], we gescheh ir
chinnebach GenM
36,22.
–
alliu tier, die hörner auf dem haupt habent, mangeln der
zend an dem obern kinpacken BdN
13,27.
115,5;
ain iegleich tier mag seinen undern kinpacken gewegen
ebd.
115,3.
233,12
2
‘Rachen’ (vgl.
kinne
2):
es legent wol hundert ritter dot, / e denn verderbet wùrd der track, / wann
sin wijter kynnback / verslùnd wol zwölff man, / keme er sie miteinander an
Krone
26649.
12789.
13646
3
(untere Partie der) ‘Wange’
dirre selben vælinne / hiengen nider auf daz chinne / zwen gerüntzelt
kinnebachen Krone
9377;
vermocht ich id, ich soult zo deser zyt / uch sere slaen up uren nacken / ind
ouch an ure kynbacken KarlGalie
4266;
[
sî
] spîten im [Jesus] under sîn ougen, / in
sluogen an sînn kinnebacken, / an sîn hals und an sînn nacken Philipp
6654
4
bei Fischen wohl auch der Kiefer einschließlich des Kiemenbereichs (vgl. DWB 5,682
und 778 mit weiteren Belegen; MlatWB 1,1562f. weist branchia wegen des
mhd. Interpretaments in diesem Beleg (und einem weiteren [ckivvi piscis])
die Bed. ‘Kiefer’ zu, ebd. 1,1563):
brantia: kinnebacho SummHeinr
2:201,03.3
(vgl. kinne
2)
MWB 3,1 251,22; Bearbeiterin: Baumgarte
kinnebackenslac
stM.
Schlag auf Wange und Kiefer, ‘Backenstreich, Ohrfeige’
do quamen andere und gabin ime kinnebakinslege in sin antlitze und spotten mit
ime und sprachin: prophecie uns, Christe, wer ist, der dich sluc? PassHarm
(R)
105,14
(Mt 26,67b+c)
MWB 3,1 251,63; Bearbeiterin: Baumgarte
kinnebein
stN.
auch kind- (
SummHeinr
1:128,173
).
‘(Unter-)Kieferknochen, Kinnlade’ von Mensch und Tier (vgl.
underkinne
);
übers. lat. mandibula und mentum (
VocOpt
1.051;
SummHeinr
2:365,125.
1:128,173
) und vgl. submentum (
v̈nder kinpain ebd.
1:128,177
):
sîn [Jesus] bart was swarz und lanc genuoc /
[...] / er tahte [bedeckte]
des kinnebeines zil WvRh
6331;
WernhMl
5935;
dc er [Samson] mit aines esels kinbain tusent
haiden zu tôde scluͦch PrSchw
1,125;
KvHelmsd
1190;
RvEWchr
20864;
schrephe danne under dem chinnebein oder dû setze die egelen
an den chinnebachen Barth
147,21;
mit ir liehten hende blanc / graif si im an das kinnebain, /
[...] / si sprach: geselle,
[...] / maht du genesen? RvEWh
4849
(vgl.
kinne
1.4);
Iw
461;
Seuse
61,19;
SHort
5794;
Ottok
7993.
– als Zielpunkt im Turnier:
diu ors nâmens mit den sporn; / ir ietweder hêt erkorn / den
andern underz kinnebein Wig
545;
Iw
5334;
(s.a. ähnl. Beschr.:
UvLFrd
226,10.
452,28;
Herb
4407.
8894
)
MWB 3,1 252,5; Bearbeiterin: Baumgarte
kinnebracke
swF.
‘Unterkieferknochen, Kinnlade’ (vgl.
2bracke
):
wie vertruoc / Sampsôn daz man im hete getân, / der mit ein ander tûsent man /
sluoc mit eines esels kinbracken [
(inventamque) maxillam id est mandibulam asini Idc
15,15]
Renner
6867;
van der kennebracke. deme kenebracke vz der stat gestot
wert [ausgerenkt] , daz saltu alzo erkennen: eme stet
de munt vffin vnde kan en nicht czugetunn OvBaierl
158,1;
des hæcchedis [Hechtes]
chinnebrachin Ipocr
166
(vgl.
kinnebacke
4)
MWB 3,1 252,25; Bearbeiterin: Baumgarte
kinnelîn, kinnel
stN.
Dimin. zu
kinne
, ‘zierliches Kinn’
ein kinnelîn wol gestellit MinneR 27
235;
der touwigen rôsen glîche / wâren ir wengel und ir munt, / ir kinnel
minniclîchen stunt ErnstD
2660
MWB 3,1 252,36; Bearbeiterin: Baumgarte
kinnereif
stM.
‘Kinnkette am Pferdegeschirr’ (vgl. Pfeiffer, ross, 18,15):
submentile: chinneraif Gl
3:641,18;
das gebisse das was stehelin, / das val das was silberin, / von golde der
kinnereyff TristMönch
421
MWB 3,1 252,40; Bearbeiterin: Baumgarte
kinnezan
stM.
auch kind-.
‘Backenzahn’
molaris (lapis): muͤlstein; [
molaris
] (dens): kinnezan GlAnzfKdVz
8:397,246;
genuinus dens maior: kinnizan SummHeinr
2:316,98;
dens molaris: kinzan, kindzan VocOpt
1.067
MWB 3,1 252,45; Bearbeiterin: Baumgarte |