k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
krastelen
swV.
‘knistern’
daz mir daz hertze krasteln / wart sam ein durrer spach
Minneb
3292
MWB 3,2 553,1; Bearbeiter: Tao
krastplen
swV.
Vermischung von
kraspeln
und
krasteln
(vgl. DWB 5,2068).
‘knistern’, von brennendem Holz, hier subst.:
und dar umbe, ê diz her zuo kome [dass das Holz ganz
im Feuer aufgeht] , sô ist dâ iemer ein rouch, ein widerkriec, ein
prasteln [La. krastplen
] , ein arbeit und ein
strît zwischen viure und holze Eckh
5: 34,2
MWB 3,2 553,3; Bearbeiter: Tao
kratte, krette,
gratte
swM.
‘Korb’
calathus, cartallum: zeina, cretto, crezzo, crato SummHeinr
1:346,463;
cartallum, canistrum: cratto ebd.
2:214,124;
sporta: korb, krat GlAnzfKdVz
4:236,241;
sînen [
-n für -m, Dat. Sg., vgl.
Anm.z.St.] gratten er si [die Beute] gît
Messgebr
19
MWB 3,2 553,10; Bearbeiter: Tao
kratzber
stF.
‘Brombeere’
daz sint mori oder rubi silvestres, die haizent prânper oder
kratzpaum und ir früht [...] haizent prânper oder kratzper dar
umb, daz si die läut kratzent oder reizent, wenn man die paum angreift
BdN
330,28
MWB 3,2 553,16; Bearbeiter: Tao
kratzboum
stM.
‘Brombeerstrauch’
daz sint mori oder rubi silvestres, die haizent prânper oder
kratzpaum BdN
330,25
MWB 3,2 553,21; Bearbeiter: Tao
kratze
swF.
‘Werkzeug zum Kratzen, Scharren, Steinebrechen’; im Bergbau:
wir bedorften dennoch mere / kerwen, kratzen und keilhowen, / dar
zu einer kowen Erz III
56,141;
als Teil einer Belagerungsmaschine:
gâhes wurden dô bereit / trîbocken, pheterære, / [...]
ebenhœhe, mangen, katzen / mit kîlhouwen und mit kratzen UvEtzAlex
2516
MWB 3,2 553,24; Bearbeiter: Tao
kratzen, kretzen
swV.
1
‘jmdn. / ein Tier (zer-)kratzen, kratzend verletzen’ ,
vereinzelt auch refl. mit Präp. mite
1.1 von Tieren 1.2 von Menschen 1.3 von Dornensträuchern 2
‘sich kratzen’
3
‘jmdn. kratzend peinigen’
4
‘jmdm. durch Kratzen etw. (Wunde) zufügen’
5
‘etw. kratzend entfernen’
6
‘kratzen, scharren’
7 tr. ‘etw. (Kleidung) glatt streichen’ oder intr. ‘(auf dem
Boden) schleppen’ ? nur subst. Inf. 8 mit wider , ‘sich sträuben gegen etw.’
1
‘jmdn. / ein Tier (zer-)kratzen, kratzend verletzen’,
vereinzelt auch refl. mit Präp. mite
1.1
von Tieren:
kratzen unde bîzen kunde ez [der gefesselte
Bär] niht den man NibB
950,1;
so sezzent si [Pelikane] sich wider ir vater
un̄ krezzent in mit ir fuͤzen under sin antluͥt
PrSchw
1,106.
1,31;
mit den langen tatzen / pegunde er
[Drache] in kratzen HvNstAp
8466;
in Verbindung mit krimmen:
er [Bär] begreif ez [den
Kobold] mit den tatzen, / bîzen, krimmen unde kratzen / begonde
er ez Schrätel
232.
241.
260;
wie er [der Adler] mich grimmet
und kratzet Minneb
5313.
– mit Ersparung des Akk-Obj.:
nu kratzâ, kratz! nu krimmâ, krim! Schrätel
258;
mit den voderen tatzen / pegund es vaste kratzen
HvNstAp
5012;
swer da hetzet / mit musen eine starke katzen, / der tuͦt
unrecht. sol sie hin wider kratzen, / so mac sie betwingen wol die
múse Meissner
16:2,10.
– subst.:
hoher muot wird leiht betrogen. / so der lewe leit gesmogen / durch
vorhten vor den katzen, / da siht man michel chratzen, / grimmen vnd rowen
Krone
3822
1.2
von Menschen:
si begunden harte kratzen / einander ûf den glatzen
HundesNot
209;
liebiu tohter,[...] / swenne er zürnet mit dir /
unde wirfet dich dar nider, / kratze und bîz und roufe in wider!
Sibote
292;
mit iren langen tatzen / pegunde sy [das
wilde Weib Gargana] in vaste kratzen / und vaste in mit irn
armen slanck HvNstAp
9576;
vorchtestu daz sie dich kratze? Minneb
4923.
– mit Ersparung des Akk.-Obj.:
we hey sy woulde noitzuchten / [...] ind we
sy kratzede so, / dat hey kusses wart unvro KarlGalie
10952.
– subst.:
sich huop umb vleisch und brôt, umb mete und wîn / von manigerlei volc
roufen und kratzen Loheng
5886;
swaz der man tut in rehter notwer, ez si umbe den
totslac, ez si von wunden oder von raufen oder von slahen oder von chratzen
StRAugsb
113,7;
HundesNot
217.
222.
– refl. ‘kratzend mit einem Tier kämpfen’
swer sich kratzet mit dem bern, / dem muoz sîn hût vil dicke swern
Freid
139,7
1.3
von Dornensträuchern:
daz sint mori oder rubi silvestres, die haizent prânper
oder kratzpaum [...] dar umb, daz si die läut kratzent
oder reizent, wenn man die paum angreift BdN
330,28;
der dorn siv niht me kretzit, / den hie der tiefil wetzit
Martina
4,30;
swie vil in dorne kretzet, / des aht er ze nihte
WhvÖst
4802
2
‘sich kratzen’
vil zites sah in an [dünkt ihn gut (vgl.
Anm.z.St.] soͤlichú luterkeit, daz er sich selb
niene an dem libe wolte krazen noh an ruͤren, denn allein an henden und
fuͤssen Seuse
46,9;
wenne er im selb mit den henden wolte helfen, so fuͦr
er schlaffende mit den spizzigen steften in buͦsen und krazte sich ebd.
40,21.
– als Ausdruck des Leids:
vor grossem laide [...] /
roͮft und zarte si us ir har, / ir schoͤnen wangen here / wart si
kreczen, schúrphen sere / mit iren henden grimmelich
WernhMl
9870.
10088.
10166;
(subst.:)
manigen hals sleht und linden / sach man mit bluote
überloufen / von kratzen und von roufen, / des die frouwen phlâgen, / der
[deren] man dort tôt gelâgen Ottok
64141.
– als Ausdruck des Zorns:
von zorne sich dô krazte / der bâbest und die cardinal
Ottok
174
3
‘jmdn. kratzend peinigen’
sumelich wurden an den galgen, da si uf gehangen wurden, mit
ysninen crulin gecracet Konr
20,39;
gekratzet sint din [Christi] wangen
/ vil unbermeliche! MarlbRh
25,32;
daz in die tiufel her nâch iht kratzen Renner
2710
4
‘jmdm. durch Kratzen etw. (Wunde) zufügen’
er [Löwe] kratzt im eine wunden
grôz, / daz daz bluot dâ nider schôz UvZLanz
1965
5
‘etw. kratzend entfernen’
si chratzent die dorn auz dem akcher PrOberalt
45,21;
swenne man iuch wîhet, sô wirt ein karacter gedrücket in iuwer sêle, dâ man
iuch iemer mêr bekennet [...]. unde kumet ir halt zer helle
[...], dâ möhten ez alle tiuvele ab iu niemer gebrennen
noch gekratzen, ez muoz iemer und iemer mêre an iu sîn PrBerth
1:362,11
6
‘kratzen, scharren’
do er [der Hahn] chratzen begunde,
/ do vant er in churtzer stunt / einen wolgetanen funt StrKD
65,4;
bildl. von jmdm., der Geld scharrt:
swer sîn arme liute beschatzet / und hin und her zesamen kratzet
Renner
18958;
–
die erde, den sant ~
:
als sî den grôzen leun / [...] sâhen
[...] mit sînen langen clân / die erde kratzen vaste
Iw
6691;
der kratzet unde beiz dan / holz und erde unz er gewan / ein
gerûme ûzvart ebd.
6747;
die erde er [Löwe] kratzte vnd brah
Krone
20906;
wie die roß [...] den sant schurren,
/ gratzten und sprungen! HvNstAp
7439.
– mit Präp. in:
sô diu krot kratzt in
im [Nero] , / sô wirt er an den sinnen blint, / wan
er wænt, er trag ein kint EnikWchr
23094
7
tr. ‘etw. (Kleidung) glatt streichen’ oder intr. ‘(auf dem
Boden) schleppen’? nur subst. Inf.:
mit gelwem gibende / wellent sich die gebiurinne an allem ende
/ des rîchen mannes tochter ginôzzen / mit ir chratzen unt mit ir stôzzen / daz si
tûnt an ir gewande Erinn
332
(vgl. Bein u.a., HvMelk z.St.)
8
mit wider, ‘sich sträuben gegen etw.’
der stein bezeichent di maze, / ich enruche wer da wedir
kratze Brun
1705
MWB 3,2 553,32; Bearbeiter: Tao
kratzen
stN.
‘das Jucken, Krätze’
der stain ist für die räudichait oder für daz kratzen guot
BdN
454,20.
471,25.
476,32;
daz kratzen an der haut ebd.
455,27;
sô hailt ez [Goldpulver] den auzsetzel
und daz kratzen, wenn man ez mischt mit edeln salben ebd.
474,13
MWB 3,2 555,6; Bearbeiter: Tao
Kratzhan
M.
Personifikation für jmdn., der Geld scharrt:
Krazhan und her Kratziân / behaltent des niht üm ein blat, / daz wîlent
meister Graciân / ûf gotes genâde geschriben hât Renner
9077
MWB 3,2 555,12; Bearbeiter: Tao
Kratzhart
stM.
Ableitung zum swV. →
kratzen
6 mit deonymischem Suffix -hart.
– Personifikation wie → Kratzhan:
und sîn bruoder Trügenhart, / [...] Krazhart
[...] / pflegent des hofes naht und tac
Renner
9074
MWB 3,2 555,16; Bearbeiter: Tao
Kratziân
stM.
Ableitung zum swV. →
kratzen
6 mit deonymischem Suffix -iân (vgl. Wackernagel,
Appellativnamen, S. 326).
– Personifikation wie → Kratzhan:
Renner
9077
MWB 3,2 555,21; Bearbeiter: Tao
kratzmûs
stF.
‘kratzende Maus’
da hais ich kratzmusz / vnd kan wol mit der ubli min / sin maister als min selbes
sin Sibote l
776
MWB 3,2 555,25; Bearbeiter: Tao
kraz
stM.
Pl. krezze (Seuse ).
1
‘das Kratzen’
2
‘Habgier’
3
‘Krätze’
1
‘das Kratzen’
min schilt vor aller schiutze und vor des tivels kratze / ist wol daz vrone
kruͤze JTit
968,1;
si begunden harte kratzen / einander ûf den glatzen, / sô enphienc eins
iesliches glaz / manegen ungefüegen kraz, / daz ie nâch dem kratze / gienc daz bluot
uz dem glatze HundesNot
212f.;
der valscheite widersaz / kêrt ûf der huofslege kraz
[Spur]
Parz
249,2;
Terramêrs huove kraz Wh
314,10.
– als Gebärde der Totenklage:
wîbe siufzen, herzen jâmers kratz / gap Ithêrs tôt von
Gaheviez Parz
155,12
(vgl. Bartsch/ Marti, Parz. u. Tit. z.St.; anders Eichholz, Komm.
z.St.: h. j. k. ‘Herzenswunde aus Trauer’).
– die durch Kratzen entstandene Schramme, Wunde:
etslîcher grôze wunden / ahte als einer brâmen kraz
[Stich]
Wh
449,15;
si muoz deun [
döuwen,
‘büßen’
] den kraz, daz bluot, / daz si umb sust hât
getân EnikWchr
26840;
er machet als grúlich krezze, als ob in ein ber
under sinen spizigen klawen heti zerkrawet Seuse
40,22
2
‘Habgier’
sie taten, daz in wart bevoln, / durch iren girlichen hat [nd. =
haz; La. cratz
] / und namen der juden
schat HeslNic
2445
3
‘Krätze’
prurigo: kratz, kracz VocOpt
43.007.
MWB 3,2 555,28; Bearbeiter: Tao
krazte
F. (?)
‘Angriff, Anfechtung’
ditz ist der stein den Jakob sazte / zu eime zil kegen des tubels
krazte Brun
1234;
got uns dru leben sazte / kegen des leidigen tubels krazte ebd.
2022
MWB 3,2 555,52; Bearbeiter: Tao
crêatiure, crêatûre
swstF.
zu afrz. creature, lat. creatura (vgl. Palander 116;
Suolahti 1,130f.; Rosenqvist 1,137).
‘(von Gott) Geschaffenes, Schöpfung, Geschöpf’
1 bezogen auf die Gesamtheit (im Sg. oder Pl. mit alle ) oder jedes geschaffene Ding 2 bezogen auf unbelebte Dinge und nicht vernunftbegabte Wesen, die den Menschen gegenübergestellt werden 3 bezogen auf Lebewesen. 3.1 allg. 3.2 von Seelen, Engeln 3.3 von Menschen 3.4 von Waldmenschen, Ungeheuer u.ä.
1
bezogen auf die Gesamtheit (im Sg. oder Pl. mit alle) oder
jedes geschaffene Ding:
gêret sî diu gotes hant / und al diu crêatiure sîn
Parz
283,3;
diner creature du gist / misliche gnade unde wnne: / uon
regen ioh von sunne / machestv die erde berhaft, / den uogellinen gistu die chraft /
daz [...]
Wernh
D 560
(vgl.
gescheffede Wernh
554;
schepfede ebd.
A 492
);
wart ez von lûten niht geseit, / ez sprach die creatûre gotes: / die was
gehôric sînes gebotes EbvErf
3743;
von anebegynne der creaturen, dy got
geschuf [
ab initio creaturae quam condidit Deus Mc
13,19]
EvBerl
124,18;
ain iegleich crêatûr ist belaidigt mit der sünd des êrsten
menschen, aber allermaist die edeln stain BdN
472,20.
– im Pl.:
er [Gott] hât in sîner
meisterschaft / alle crêatiure, / bœse unde tiure. / die himel stênt in
sîm gebot; / aller dinge ist er got Wig
6877;
ir [Marias] nevbornes kint, /
dem alle createvre vndertan sint Wernh
A 3868;
alle creatur die da sind, / luft, wasser, man, weib und
kind, / schacz, perig und stain HvBurg
4233;
alsus hat got alle creaturen gemacht wirklich im selber
gelich: den himel, die sunne, die sternen und denne úber alle ding verre
den engel, den menschen, ieklichs nach siner wise Tauler
156,30;
gelust an allem dem das creatúrlich ist, es sin
creaturen lebendig oder tot ebd.
235,7;
diu vernunft ist begreifleich aller dinge gotes und aller
crêatûr BdN
212,18
2
bezogen auf unbelebte Dinge und nicht vernunftbegabte Wesen, die den
Menschen gegenübergestellt werden:
do geschvf got den menschen vber alle creatvr
PrBerthKl
1,59;
ob niht leut da [am Nordpol]
wonten, so wonten doch ander creatur an den selben steten, als die element luft,
wazzer und erd und ander dink KvMSph
51,14;
kain ander crêatûr hât vernunft ân den engel und den menschen
BdN
3,8;
die [
edele creature, d.i. der
Mensch] muͦs vil adellicher wirklich sin wan die
unvernúnftigen creaturen Tauler
157,6;
nu hat got alle creaturen wider
die [menschliche] nature gesast: den himel, die sunne,
die sternen; nu frúrt dich, nu ist dir ze heis; nu riffen, nu sne; nu ist
dir wol, nu zehant we; nu hunger, nu turst [...]
ebd.
198,8;
da von en mach chein ander creatvr got geniezzen, wan div nach
im gebildet ist an der natvr vnd geordent ist, als der gvͦt engel an den
tvgenten vnd der gvͦt mensch DvAPatern
171
3
bezogen auf Lebewesen.
3.1
allg.:
wazzer früht al die geschaft, / der man für crêatiure
giht Parz
817,27;
elliu creatiure / diu müeze da von jungen!
Tannh
7,11;
crêatiuren zam und wilden beiden tet der arge winter wê
KLD: Kzl
7: 2,1;
syn [sind (die vier Elemente bzw.
Primärqualitäten)] an eyner yclichen creatuͤren glich
getemperyrt [...], so
weszet [wächst] se OvBaierl
3,7;
alle toten creaturen, da zuͦ alle lebenden
creaturen: vische, vogele, [...] túfel, heiden,
juden [...]
Mechth
5: 31,19
3.2
von Seelen, Engeln:
ich [die Seele] waz ein edel
creature, / und nach gotes figure / selig und dugende rich / zu gnaden waz
geformet ich, / und waz vor allem meine / in dem taufe worden reine
HvNstVis
53;
o du edele sele, o edele creature, waz gest du uz dir
suchen den der alzuͦmole und aller werlichest und bloͤslichest in
dir ist, und sit das du bist teilhaftig goͤtlicher nature, waz hest du
denne zuͦ tuͦnde oder zuͦ schaffende mit allen creaturen?
Tauler
10,5;
niͤ ’n dwanc
in [Gott] diͤ engelsch creature, / dat he
an sich nem diͤ engelsch nature MarlbRh
60,17.
61,28.
87,21.
88,18;
die edelsten crêatûren daz sint die engel und sint zemâle vernünftic und
enhânt niht lîplicheit an in Eckh
1:65,8;
dise nidirsten dinc schephit got mit mittele der obirsten
dinge. abir der engil und die sele, geistliche creature [vgl.
creatura spiritualis, Seppänen, Parad., S.
209] , werden alleine von gode geschaffin one mittil
Parad
23,29.
32,23
3.3
von Menschen:
dirre man der ist / ein menlîch crêatiure
Tr
10855;
got gebe süeze âventiure / sô süezer crêatiure! ebd.
3272;
ist dehein crêatiure / diu ganzer triuwe geniezen sol, /
so genist mîn vrouwe Japhîte wol Wig
7900;
get in alle dy werlt unde prediget daz ewangelium allen
creaturen [
omni creaturae Mc 16,15]
EvBerl
97,29
(Mc 16,15);
GvJudenb
2824;
ich unwirdigú creature Mechth
4: 21,17;
wie mohte ich nu geliden, / daz mich vor
ime [Christus] sehe ieman / mit golde sten
gecronet dan, / mich arme creatúre? Elis
955.
1919;
in dûht an dem wîbe, / daz nie von wîbes lîbe / kein
crêatiure als ûz erkorn / ze dirre werlde würde geborn Tr
17443;
schœne ~
:
dô si der meister ane sach, / in sînem herzen er des jach / daz
schœner krêâtiure / al der werlte wære tiure AHeinr
1199;
Wig
936;
KLD: UvW
20:4,1;
Tannh
2,39.
3,32;
KLD:GvN
18: 5,2;
werdiu ~
:
Tannh
5,112;
SM:UvB
6: 2,1;
HvNstAp
2028;
edeliu ~
:
gedenkch, herre, das ich / dein edlew creatur pin
HvBurg
4539;
Tauler
157,6;
daz so wiplich ungemach / dü edel creatüre laid
GTroj
7445
3.4
von Waldmenschen, Ungeheuer u.ä.:
waz crêatiure bistû? Iw
487;
daz got sô ungehiure / deheine crêatiure / geschepfen ie
geruohte ebd.
986;
sol ich [...] âne wer ersterben
/ von dirre crêatiure? Wig
6393.
6540;
in dirre vinster lief in an / ein vremdiu crêatiure
ebd.
6932;
daz sô ungehiure / deheine crêâtiure [wie den
Drachen Pfetân
] / ie gesæhe dehein man ebd.
5023
MWB 3,2 555,56; Bearbeiter: Tao
crêatiurlich
Adj.
‘kreatürlich, geschöpflich’
1 attr. 2 präd.
1
attr.:
dâ diu crêatûre endet, dâ beginnet got ze sînne. nû begert got niht mê von
dir, wan daz dû dîn selbes ûzgangest in crêatiurlîcher wîse und lâzest got got in
dir sîn Eckh
1:92,8.
1:93,4;
Tauler
117,29;
Seuse
329,3;
das gnade ain creaturlich mittel ist der verainunge gottes vnd des menschen
Gnadenl
1,325.
1,131.
–
bilde:
Eckh (J)
90,11;
PrWack
62,29;
Seuse
494,19;
HvFritzlHl
187,12.
–
dinge:
Tauler
155,30.
218,33;
Seuse
476,17.
–
geist:
Seuse
193,17.
–
iht:
es ist oͮch in im selbe ein kreatúrlichs
iht Seuse
353,35.
–
kunst:
man mac mit aller nâtiurlîcher crêatiurlîcher kunst niht für baz komen
Eckh (Pf)
417,19.
–
vernunftikeit:
Seuse
328,22.
–
werc:
Seuse
348,17.
–
wesen:
wan waz hat der stein dest me oder der mensche oder kein
kreature in ire kreaturlichem wesenne, daz sú ewklich in gotte got sint
gewesen? Seuse
332,20
2
präd.:
die weltliche italkeit der herzen mit aller affechtiger
gelust an allem dem das creatúrlich ist, es sin creaturen lebendig oder tot
Tauler
235,7;
daz furben lit an usgetribenheit alles des, daz creatur ald
creatúrlich ist Seuse
390,7.
– im Ggs. zu götlich:
och úwere guͦten werk die goͤtlich
solten sin, die werdent alle creaturlich Tauler
222,6.
MWB 3,2 557,37; Bearbeiter: Tao
crêatiurlîcheit
stF.
‘Geschaffenheit, Kreatürlichkeit; Kreatürliches, Geschöpfliches’ (vgl. Rosenqvist
1,139):
und dar umbe: als man sprichet, daz der mensche mit gote ein sî und nâch der
einicheit got sî, sô nimet man in nâch dem teile des bildes, an dem er gote glîch ist,
und niht nâch dem, und er geschaffen ist. wan dâ man in got nemende ist, dâ ennimet man
in niht nâch der crêatiurlicheit; wan als man in got nimet, sô enlougent man der
crêatiurlicheit niht, daz diu lougenunge ze nemenne sî nâch dem, daz diu crêatiurlicheit
ze nihte werde, sunder [...]
Eckh
2:277,10f.;
hie dringet der geist fúrbaz in mit einer verlornheit
anhaftender creaturlichkeit, dur den ring in, der da betútet die ewigen gotheit,
und kunt da in geistrich volkomenheit Seuse
193,2.
335,20.
332,17;
es was ein mensche einest in einem so froͤlichem
gegenwurf der suͤssen goͤtlichen gegenwúrtikeit, und was doch so
gelassen von aller creaturlicheit ebd.
430,7.
490,28;
es ist grosse sorge obe sú iemer behalten werdent, wanne
ir grunt ist gewennet und wissenliche verstricket mit creatúrlicheit
Tauler
127,30;
sol got in, so muͦs creatúrlicheit uz und alle
besitzunge ebd.
314,12
MWB 3,2 557,62; Bearbeiter: Tao
crêatiurlîn
stN.
‘kleines Geschöpf’
aller tierlin und voͤgelin und gotes creatúrlin
mangel und truren, so ich daz sah ald hort, so gie es mir an min herz
Seuse
85,13;
so ist kein creaturli so kleines, es si dir ein stapf, got
zuͦ nehen ebd.
455,18
MWB 3,2 558,22; Bearbeiter: Tao
krëbe
swM.
‘Korb’ (vgl. DWB 5,2126):
do hiez si ir gewinnin / ein wol gezúnit
koͤrbelin, / das man sach gevlohten sin, / gedrungen nahe alsam ein
krebe [vgl. sumpsit fiscellam scirpeam Ex 2,3] .
/ mit zehim letten [Lehm] unde klebe / hiez si vil wol
bestrichen das / fúr wazzer und hiez in das vaz / mit vesteklichen sachen / das
kindelin [Moses] virmachen RvEWchr
8934;
Maria / half das kint virmachin sa / in das vaz [La.
den kreben Hs. P, fol. 53#’r#’b]
ebd.
8942;
swelche wingartman on des herren wizzende deheine bere heimtreit
[...], der giͤt ie von dem kreben oder hengelen 60
#(pfennig) WüP
106h,3
MWB 3,2 558,27; Bearbeiter: Tao
krëb(e)ʒ,
krëb(e)ʒe
stswM.
auch kriuʒ (
der krewss HvNstAp
10032),
krouʒ (
eynen chrouczzyn Albrant
3,22),
auf älteren Varianten beruhend; zur Formvarianz in der Glossenüberlieferung (zu
cancer) aus mhd. Zeit (vor allem SummHeinr ) s. AWB
5,390.
–
‘Krebs’
1 das Tier 2 die Krankheit 3 das Sternbild
1
das Tier:
von dem krebz. cancer haizt ain krebz BdN
248,20;
crebeze di da wachsin in suzeme luttern wazzere daz uaste
rinnet SalArz
18,21;
uns enwil min træhtin / dar umbe niht verderben lan, / daz
wir daz vleisch versprochen han! / den chrebzem hat uns got gesant / her uz dem
wazzer an daz lant StrKD
49,51;
der kreuß viel wider in den pach HvNstAp
10066;
e danne ich lange lebt alsô, / den crebz wolte ich ê ezzen rô
Walth
76,9;
du [...] truͤge der smeh erbolge
[Zorn über die Schmach] noch groͤzer dann den
krebz ezzen rohen JTit
4333,2;
swer [...] boͤse oder fule
krebze veil hat, der git 1 #(pfennig), als dicke er daz tuet WüP
29,5;
NüP
131;
das selbe wazzer slangen treit / die groz und egebere / sint:
si hant krebzen schere RvEWchr
1819;
man sol nemen chrebsen vnd sol die gar wol sieden in wazzer
BairFärb
7,1;
wazzer da krebze inne sin gesoten SalArz
75,44.
– der Gang des Krebses:
der krebz gât allez hinder sich / mit füezen vil, deist wunderlich
Freid
142,5;
[Marias] sun der machet uns den crebez / bi siner art
bezeichenlich: / den siht man allez hindersich / criechen unde gahen
[...] sin tot der verwet in gesoten / vil
schœner dan sin leben tuo. / da wil ich crist gelichen zuo
[...] er gie des males unde crouch / von dir, maget
wünneclich, / alsam ein crebez hindersich, / do wider menschlicher art / sin lip
von dir geboren wart / her uf des ertriches grien [...]
KvWGS
900;
er gêt hinder sich, und spricht Adelînus, daz er nümmer
nâch seinem antlütz gê. iedoch hân ich den krebz für sich sehen gên gar sain und
trægleichen BdN
248,24;
im Vergleich:
ez gênt sam krebzen ûz dem bach / mîn herre und alle sîne man / von slegen
rückelingen dan Bit
11116;
er muose ouch die widervart / nâch der krebze site gân ebd.
11145.
– häufig als Bestandteil von Arzneien:
des crebzes bein Ipocr
167;
gestozen krebeze mit esel milc SalArz
74,39;
dri dragme gebranter krebze aschen ebd.
75,40;
zo stos eynen chrouczzyn Albrant
3,22.
– in Namen:
jch Krebes von Liehtenberg UrkCorp (WMU)
2197,43,8;
vnd welre gebure [...] von der vorgenanten Krebes
mv́le zuͦ Gybichwilre fuͦre maln ebd.
2197,4
2
die Krankheit:
cancer: krebs [im Abschnitt über die Krankheiten des
Menschen]
VocOpt
43.117;
so wirt da uon ein krebz. daz ist ein geswer daz uleisch hin
izzet SalArz
76,13;
di salbe ist guͦt wider den crebiz
Macer
75,9;
guot für den siehtuom, der der krebz haizt BdN
320,33
3
das Sternbild:
die zal der himelzaichen die sint also: wider, ohs, zwinlein,
krebs, leo, [...]
KvMSph
23,3;
als Wendezeichen:
ein ander zeichen heizit kanker. wan als der crebse hinder
sich gat, als gat danne die sunne zuo dem understen emisperio von irme hohsten gange
MNat
14,15;
KvMSph
23,16;
in einem Merkreim:
der krebs die sunwenden geit / uͤmb dez heiligen Veits
zeit ebd.
28,2
MWB 3,2 558,40; Bearbeiter: Plate
krëbeʒen
swV.
‘Krebse fangen’; in einer Unsinnsformulierung:
si begunden ruoben graben / und sâhen dort her traben / jenen, des diu huote was.
/ im was leit umbe daz gras: / er sprach: lât iuwer krebzen sîn Wachtelm
(W)
1154,19
MWB 3,2 559,39; Bearbeiter: Plate
krëbeʒer
stM.
‘Krebsfänger’, nur als Bestandteil von Personennamen:
daz her Johannes [...] vnde juncfrowe Fine
[...] hant verluhen ir ouenhus
[...] Nyclawese Crebzere UrkCorp (WMU)
3514,43.
1888,12;
UrkRegensb
745.
763.
744
(alle ca. 1325–1350)
MWB 3,2 559,44; Bearbeiter: Plate
krëbeʒîn
stF.
‘weiblicher Krebs’
von der kriebßein [Überschrift] / ein kriebßein zu ir
dochter sprach, / dye sye vnrecht gend sach: ‘[...]
deinem gange soltú werden gram.’ Krebsin
1
MWB 3,2 559,49; Bearbeiter: Gärtner
krechse
swF.
‘Rückentrage, Tragreff’ (vgl. 1DWB 11,1925 s.v.
krachse):
ein krehsen gewan der selb man / unde sazt daz kint dar in. / ûf
sînem rucken truoc erz hin EnikWchr
27758;
bî den selben zîten / wart der grabe umb Wienne erhaben: / den
[das dafür ausgehobene Erdreich] muosten die engeloys ûz
tragen / in krechsen ûf ir rucke EnikFb
1497
MWB 3,2 559,53; Bearbeiter: Plate
krecken
swV.
vgl. AWB 5,396 s.v. krecken, krehhen mit Lit.
‘krachend erschüttern’
die mûre hiez er krecken [
:
schrecken
] / und den turn undergraben Ottok
30513
MWB 3,2 559,61; Bearbeiter: Plate |