Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   galînê - galsterîe    


galînê F. aus griech. γαλήνη. ‘Windstille’ ê mir diu galînê [...] tæte hie sô wê, / ich swüere tûsent eide, daz ich [...] mit guoten winden ûz der nôt entrunne Kudr 1132,1

MWB 2 60,44; Bearbeiterin: Herbers

galiôt stM. , galiôte swM. aus frz. galiot, ital. galeotto (Suolahti 1,91). ‘Seeräuber’ die galiôte man vlühtic sach / vor im vil dicke ûf dem mer: / er hêt entschumpfiert ir wer Wig 10491; dem vuoren werlîche bî / piraticî lembî [Piratenschiffe] , / daz was ein galjotten her, / die roubten lant unde mer RvEAlex 9599. 9224. 9594; der was [...] ein galiôte ûf dem mer; / sîn bejac an roube lac RvEBarl 10210; ez were ein galiot, / der von dicker ubervart / die straze were wol gelart PassIII 470,4; Craun 870. – im JTit als Name eines räuberischen Seevolks (zur Bildung s. Borchling, JTit 57f.): die verfluͦchten gaylotten uf dem se sint varnde JTit 2719,1. an den selben ziten riten uf den hof die gaylotten 2826,4 u.ö.

MWB 2 60,48; Bearbeiterin: Herbers

galîte swF. Ansatz unsicher; hierher wohl auch die Var. gelîte stNF. ‘Schlag (auf die Mundpartie)’ ez [der Zwerg] trat im an die sîten / und gap im ein galîten [La. ein sulch gelyte ] , / daz ez vil lûte erhal / und im daz mûl geswal Anteloye 380

MWB 2 60,63; Bearbeiterin: Herbers

galizien-, galitzenstein stM. zu Galiciâ (z.B. Wh 275,25), Galitzen ( [: witzen] Helmbr 70; ) ‘Galizien’ (vgl. DWB 4,1,1,1180)? ‘Vitriol’ nym eyn half vyrdeyl wynez vnde ses lot galicien steynez OvBaierl 136,10; galitien stein SalArz 37,23; item pley, cyn, smer, vnslicht, chupher [...] daz gehort alz in den vron hof. item calizenstain, cuppherwasser auch in den vron hof StRPrag 62; galiczen steyn Albrant 3,2

MWB 2 61,4; Bearbeiterin: Herbers

1galle swF. auch st., z.B. SalArz 3,50. 34,57. 36,34; Hiob 12502; Mügeln 146,2. ‘Galle’, das Organ und die Flüssigkeit, die aufgrund ihres Geschmacks als Inbegriff des Bitteren gilt, in der Vier-Säfte-Lehre mit dem cholerischen (gelbe Galle) und dem melancholischen Temperament (schwarze Galle) verbunden wird (zur Humoralpathologie der Galle vgl. LexMA 5,211f.) 1 allg.
2 mit Bezug auf den bitteren Geschmack
3 bibl. Essig (nach der Vulgata) und Galle als Getränk Jesu in der Passion ( Mt 27,34 )
4 übertr. mit Bezug auf die Geschmacksqualität ( 4.1 ) oder das mit der Galle verbundene Temperament ( 4.2 ); die jeweils andere Deutung kann mitgemeint sein
4.1 ‘(Bitteres:) Widerwärtiges, Abstoßendes; Betrübliches’
4.2 ‘Zorn, Hass, Falschheit’
4.2.1 in Genitiv-Umschreibungen
4.2.2 gallen hân, tragen (jmdm. / gegen jmdm.), ein galle jmds. sîn ‘(jmdm.) feindselig gesonnen sein’
4.2.3 âne / sunder gallen , gallen frî ‘ohne Falsch’
4.2.4 ‘feindselige, böse, falsche Person’
   1 allg.: in der lebere hanget ein galle chlebere. / si ist unsuoze [...] swer si ûz gerahsinet [aushustet] swenne si ime uber gêt, / der ist genern [...] von der gallen [ nemen wir ] den zorn des manc man wirt florn Gen 156; di colera [Gallensaft] [...] get tzu der galle vnde wont da, daz daz blut vnde al der lip reine blibe uon der bitterkeit di an ir ist SalArz 3,50; OvBaierl 32,17; swenne daz harn ist dunne unde rôt, daz bediutet daz der mensch ist colericus: der hât des pluotes ze vil unde der fiuhte ze luzil von dem wazer, der muoz durch nôt gâhmuotes sîn, wan im diu galle schiere enbrinnet sô starche, daz ir diu fiuhte niht widerstên mach Barth 128,11; diu gall ist haiz und trucken und feureinr nâtûr. daz ist als vil gesprochen, daz diu gall die kraft hât, daz si hitzt und trückent reht sam ain feur, und dar umb hât si got der lebern zuo gesellt, daz si ir helf kochen daz ezzen, daz ir gesant wirt von dem magen BdN 28,22; der gallen aigenkait ist unstætichait, tobung, behendichait, scherpfen der sinn, newvindichait, gedürstichait, hôhvart, gir, unkäusch, gedæhtnüss, snell antwürt ebd. 28,27. – Tiere ohne Galle: Aristotiles spricht, daz ain iegleich tier, daz niht gallen hab, lang leb, als der helfant, der hirz, daz kamel, der delphin oder daz merswein BdN 29,18; vor allem von der Taube (häufig als Exempel, vgl. unten unter 4.2): [das Taubenmännchen] ist ganzer triuwen vol, / wan ez hât niht gallen EnikWchr 2673; daz ist gar ain sänftig vogel. diu taub reizt niht noch grimmt mit irm snabel und ist ân gallen, sam Beda spricht BdN 179,28. nu prüevt wie Lucifern gelanc / unt sînen nôtgestallen. / si wârn doch âne gallen: / jâ hêr, wâ nâmen si den nît, / dâ von ir endelôser strît / zer helle enpfâhet sûren lôn? Parz 463,6    2 mit Bezug auf den bitteren Geschmack: dar umb reibent die köch die lebern mit des stürn gallen, daz si die überigen süezen verlies BdN 257,6; in Küche und Medizin deswegen meist mit Honig kombiniert: sô nim eines hannen gallen unde temper si mit honecseime Barth 145,23. 155,17; nim eines lammes galle mit honige gemengit SalArz 34,57. 36,34; Ipocr 93; BenRez 53; in Vergleichen: dô wir zem wazzere quâmen / undiz in dem munt genâmen, / dô was iz bitter als ein galle SAlex 4942; der dranck was bitter als der doit, / hi was noch garczer dan ein galle MinneR497 943    3 bibl. Essig (nach der Vulgata) und Galle als Getränk Jesu in der Passion ( Mt 27,34): galle unt ezzich was sin tranch VEzzo 251; man zesamene goz / ezzich und gallen AvaLJ 151,3; der munt der tranch ezzich und gallen PrOberalt 73,6; in dem swam er verbark / suͦren eßich und gallen ark. / er bot ez im zu dem munde HvNstGZ 2946. 2677. – als Höllenstrafe: man scenchet uns den win, des wir gerne ubere mohten sin, / ezzich unde gallen AvaJG 28,9    4 übertr. mit Bezug auf die Geschmacksqualität (4.1) oder das mit der Galle verbundene Temperament (4.2); die jeweils andere Deutung kann mitgemeint sein    4.1 ‘(Bitteres:) Widerwärtiges, Abstoßendes; Betrübliches’ dich [Minne] solde wol verdriezen / din süez honic ze giezen / und mischen zuo der gallen, / daz dû den frouwen laest gevallen, / daz in billich wære / widerzæm und unmære Ottok 18177; Iw 1580; ich sihe die bittern gallen mitten in dem honige sweben: / diu welt ist ûzen schœne [...] / und innan swarzer varwe Walth 124,36; dîn [der Welt] sûze verborgenlîche in ir / [ treit ] arger gallen bitterkeit Kreuzf 7625. den ist alle dise welt ein bitter galle Tauler 26,30; ich [die wahre Kunst] bin verdorben als ein mist, / sam bitter als ein galle [bei Hofe und Mäzenen] KvWKlage 16,2; [sündhafte Priester] sint ein schande unt ein galle / gäistlîcher samnunge Erinn 228; sumerzît, / diu all der werlt freude gît! / diu ist ein gall worden mir EnikWchr 5135; disen tac, / den ich wol iemer heizen mac / die gallen in dem jâre Iw 7547. daz sie nicht envallen / in der sunden gallen HeslApk 12268; daz er hint ist gevallen / in der unkusche gallen Vät 16660; in der hell gallen SHort 2446; fuͤr dez ungelukches gallen Teichn 443,75; da in der ruwe tal / der mensche trank des todes gall Mügeln 146,2; daz er icht valle / noch stige in dis todes galle Hiob 12502; Minneb 2614; steigernd: alles tôdes übergenôz / und aller triure ein galle Tr 2017. do Noê erhôrt der werlde nôt, / daz si solt ligen tôt / gemeiniclîch alle, / daz dûht in gar ein galle EnikWchr 1718; ez wirt dir noch ein galle [das wirst du noch bereuen] ebd. 8208    4.2 ‘Zorn, Hass, Falschheit’    4.2.1 in Genitiv-Umschreibungen: dô sante er ûz eine tûben âne der untriuwen gallen Gen 708; in iwerm herzen sol dehain galle des nides wesen Spec 35,35; ein gall der erge Mügeln 48,15; den hoen got erwegte zornes galle ebd. 65,12    4.2.2 gallen hân, tragen (jmdm. / gegen jmdm.), ein galle jmds. sîn ‘(jmdm.) feindselig gesonnen sein’ mich griulet, sô mich lachent an die lechelære, / den diu zunge honeget und daz herze gallen hât Walth 30,13; ich hân gên dir niht gallen EnikWchr 20793; si was geminne in allen; / sin truoc niemanne gallen / ûzen noch innerhalp der wât Tr 12952; er ist [...] sîner friunde ein galle SM:Go 2: 4,11    4.2.3 âne / sunder gallen, gallen frî ‘ohne Falsch’ wîp sint âne gallen KvWLd 8,15; du bist ane gallen / glich der turtiltuben, / sancta Maria MarldM 61; swer der wâren minne phlît, / der hât die güete âne gallen LvRegSyon 2021; mit triuwen âne gallen / si sich underkusten Wig 9605; vil gar sunder gallen / umbe greif er unde kust in Vät 12156; frou Güete gallen frî KvWKlage 10,1. wan an den vrouwen allen / enist nimêre gallen, / [...] noch enhabent dekeiner trüge niht / noch aller valsche keinen, / wan daz si kunnen weinen / âne meine und âne muot, / als ofte sô si dunket guot Tr 13896; sist kiuscher dann ein kint von siben jâren, / ir herze in solker süezze stât, / daz ez noch niender gallun hât SM:Wi 9: 3,8; grôz herze und kleine gallen, / dar ob was sîn [Gahmurets] brust ein dach Parz 317,26    4.2.4 ‘feindselige, böse, falsche Person’ nu swîc, du übele galle; du heizest liegen mich? / daz ich hînte rechen alsô über dich, / daz dir dîn zorn erhillet sô lûte nimmer mêre Kudr 1278,1; [Cundrie:] die besten über elliu lant / sæzen hie mit werdekeit, / wan daz ein galle [Parzival] ir prîs versneit. / tavelrunder ist entnihtet: / der valsch hât dran gepflihtet Parz 314,28; und wil in ergetzen / [...] maniger untriwen [...] und verrætnusse, / diu ze maniger stunde / ûz valschem herz und munde / ist gegangen und gevallen / der selben bêheimischen gallen [König Wenzel II.] / gen dem bruoder sînes wîbes Ottok 71925; so ist auch nicht poser gallen / denn der ungehorsam lebt / und der ordnung wider strebt Teichn 405,16

MWB 2 61,13; Bearbeiter: Plate

2galle swF. aus lat. galla. ‘Geschwulst’ (bes. bei Pferden am Hinterbein) über bain noch kain galle lag / an dem pfertt runzitt GTroj 21078; er bet so vil mit knie vallen / daz an den knien waren gallen / gewachssen sam den olbenten Märt 5888

MWB 2 63,28; Bearbeiterin: Herbers

gallenbitter Adj. ‘bitter wie Galle’ dez ungetruͤwen zunge / hat manig wandelunge: / zucker suͦsz ist das wort, / gallen bitter ist jr ort LS40 118

MWB 2 63,33; Bearbeiterin: Herbers

gallenbitterîn stF. für die Gallenflüssigkeit: bilis : gallenbiterin VocOpt 1.119

MWB 2 63,36; Bearbeiterin: Herbers

gallensûf stM. ‘Gallentrank’, übertr. ‘Trank der Sünde’ [ die kuschen kindere ] achten minner dan ein kaf / uf die vertumeten [verfluchte] unvlat, / die da besulet [befleckt] kusche wat / und gibet dem menschen gallensuf PassIII 578,83

MWB 2 63,38; Bearbeiterin: Herbers

gallentrunc stM. ‘bitterer Trank’ alsam daz hermelîn den unc [Schlange] / versêren mac in sîner tunc [Höhle] : / altherre junc, / dîn gallentrunc / lêrt in den sprunc / an dem er sich ze tôde erviel KvWLd 1,154

MWB 2 63,43; Bearbeiterin: Herbers

gallenwaʒʒer stN. ‘Gallenwasser’, bittere Flüssigkeit: der herre hat uns gemacht swigen und hat uns gegeben gallenwazzir zu tranke Cranc Jer 8,14. Jer 9,15

MWB 2 63,48; Bearbeiterin: Herbers

gallinc Adj. ‘mit der Pferdekrankheit galle behaftet’ ez [Pferd] enwas galling noch blint UvZLanz 1467

MWB 2 63,52; Bearbeiterin: Herbers

galm, gëlm stM. beide auch sw. (-a-: Martina 21,30. 30,4; Rennew 16694; GTroj 15462; -ë-: FrSchw 5838. 6724 ). ‘Laut, Schall, Lärm, lautes Geräusch’ 1 von menschlicher Stimme und Rede
1.1 allg.
1.2 als Ausdruck von Klage, Trauer u.a.
1.3 bezogen auf Gesang (auch Kriegsgesang)
2 von Tierstimmen
3 von Musikinstrumenten (meist Kriegsmusik)
4 bezogen auf Naturgeräusche
5 bezogen auf Kampfes- oder Arbeitslärm
   1 von menschlicher Stimme und Rede    1.1 allg.: mînes sündehaften mundes galm / dîn heilikeit an schrîet Wh 4,14; wie was so hel ir lobes galm! / ich wæn, er hal fuͤr alliu wip Rennew 16366; mir hat geraten dins mundes galm / des ich dir gerne volgen wil ebd. 2162. 34830. 36450 u.ö.; hoͤrt wie ich mines leydes salm / gar dicke do laz mit wortes galm Minneb 1804; von der nôt, die er dolde, / was timper [dumpf, heiser] sîner stimme galm LvRegFr 3918; ir rôten mundes gelm / unde ir liehten ougen blic KvWPart 18010. 6367 u.ö.; von sîner stimme galme / wart ich erwecket unde erschrac KvWEngelh 6014; wa ist Wildehelm? / ich hoͤr hie siner krie gelm / kainen knappen schrien WhvÖst 10194; Ottok 62349; PassIII 335,59; MinneR 481 188    1.2 als Ausdruck von Klage, Trauer u.a.: die [Seeleute] heten iæmerlichen galm / ze gote [...] / daz er si in dem wege iht lieze beligen Serv 3244; Wh 129,22; jæmerlich was sins mundes galm Rennew 1466. trûric was sîner stimme galm Wh 165,30; da von gelît / mîn sündic galm gein dir in siuftens dône Loheng 7666; der klegeliche galm, / den sant Willehalm / het ob Vivianz Ottok 21852. 3255; EnikWchr 7768. Willehalm / des hertz twanc des jamers galm Rennew 1264; ir leides galm / vil lute durch diu oren hal ebd. 25430; ez gie von sînem munde / vil jâmerlicher stimme gelm KvWPart 10259; WhvÖst 7326. ach got! [...] hilf [...] Wildehelme, / der in jamers gelme / dich helflich an schriet! WhvÖst 1110. 3103. 5423; als er uz jamers gelme / half [...] den drien kinden ebd. 12210    1.3 bezogen auf Gesang (auch Kriegsgesang): seht, dô wart von zeche [ ‘abwechselnd’/ ‘der Reihe nach’ (NeidhWB)] vor gesungen! / durch diu venster gie der galm Neidh WL 4:2,10; do hub er zu singen an / mit schoner stimme galme Vät 32041; das ir sang, ir doz, ir schal / und ir galm so lute irhal / das ez die heidene horten da RvEWchr 22156; in der luft horte man / die engele schone singen / und iren galm erklingen PassIII 48,42; PassI/II 130,54. – ‘Lobgesang’ etlich kamen mit palmen / frolich mit lobis galmen / genuoge mit ölebovmen Martina 30,4    2 von Tierstimmen: von des bracken galme WhvÖst 3740; den lewen sîn muoter tôt gebirt: / von sîns vater galme er lebendec wirt Parz 738,20; Freid 136,18; Wh 40,7; es ward ain galm und ain prast [Lärm] : / do saß auff galadrius / und der edel pellicanus / und di susse nachtegal [...] / do ward ain don und ain gesang HvNstAp 13154; PassI/II 36,16    3 von Musikinstrumenten (meist Kriegsmusik): manc tambûrr dâ worhte / mit der pusûner galm Parz 379,15. 63,6; dô was der schal mit galmes dôz / von manc busîne harte grôz RvEAlex 7217; allenthalben [...] hortt man [...] manig tambur unnd horn erschellen, / das man ver’ hort irn gelmen FrSchw 6724; Wh 17,24. 390,28; Wig 8654; Vät 40688; WhvÖst 15592. gedóne ane wórt daz ist ein toder galm Meissner 10:1,7    4 bezogen auf Naturgeräusche: er fürht des donrs galm und daz himelplatzen mêr dann kain ander tier BdN 270,5. 92,9; der galme in der wilde doss, / dar zü uff daz wilde mer GTroj 15462. – Echo: ir sanc was sô mislîch, / [...] die stimme gap in widere / mit gelîchem galme der walt Iw 619; Er 5752; ouch wâren in der wîse lût / die vogele, daz berc unt tal / in gelîchem galme gegen hal KvFuss 1826; sprichwörtl.: swie man ze walde ruofet, / billîch alsô der galm widerhillet Hadam 430,7 (TPMA 12,346)    5 bezogen auf Kampfes- oder Arbeitslärm: des galmes het in sô bevilt / daz er zucte über sich den schilt Parz 567,29; ez hal so lute der slege galm Rennew 23404; vil griuweliches dônes gelm / von sîme erwelten swerte clanc KvWTroj 40036; der vogel in den lüften nôt / leit von des heres galm Helbl 15,769; WhvÖst 8370. daz gesiht streckt sich verrer und sneller dan daz gehœrd. alsô seh wir oft auf den püeheln ob den pächen, dâ die weschen waschent, den slag mit den pleueln, ê wir den galm hœren BdN 92,1

MWB 2 63,55; Bearbeiterin: Herbers

galmei stM. s.a. kalemîn . ‘Zinkerz’ (ein Mineral, das zur Herstellung von Messing verwendet wird) cride und calmei, die in gibt keinen zol UrkFrankf(B) 505 (a. 1329)

MWB 2 65,11; Bearbeiterin: Herbers

gâlois Adj., Adv. ‘walisisch’ er sanc diu leichnotelîn / britûnsche und gâloise, / latînsche und franzoise Tr 3627. 3691; harpfen unde rotten / daz lêrten mich Galotten, / zwêne meister gâloise ebd. 3679; umb den rech ging ein galois grabe, darinne waren große eichen gestecket Lanc 180,23

MWB 2 65,15; Bearbeiterin: Herbers

Gâlois, Wâleis stM. aus frz. Galois, Walois (Suolahti 1,302). ‘Einwohner von Wales’ der beste den man wiste; / der selbe der was ein Gâlois Tr 3513; Parzivâl der Wâleis Parz 281,11. 108,30; Krone 2208; Gwî von Gâlois bin ich genant Wig 1574; auch reit dar Ywains Liavoltres und Galegwintins der Galois Lanc 255,33 u.ö.; der Wâleys sie [die Kaiserin] under armen vüeren wolt Loheng 3059

MWB 2 65,21; Bearbeiterin: Herbers

galopeiʒ, kalopeiʒ stM. zu frz. galop ( → walap ); Neubildung Wolframs von Eschenbach (s. Vorderstemann, Fremdw., 127f.; dort auch zu g- und k- in den Hss.). – ‘Galopp’ der heiden sînen puneiz / sô sêre nam ûz dem galopeiz, / daz sîn tjost wart mit krache hel Wh 333,24; dâ kom in galopeize her / [...] manec storje unbetwungen ebd. 372,14; ein ors von sölhem kalopeiz / müese rêren sînen sweiz ebd. 317,13; mit rîterlîchem kalopeiz ebd. 32,11. 118,5. 360,9. 362,29. 435,27; KgTirol F 7,3

MWB 2 65,29; Bearbeiterin: Herbers

galopieren swV. auch galumpiern WhvÖst 10151; aus frz. galoper (Rosenqvist 1,270), dieses aus westfrk. *wala hlaupan (2FremdWB 6, 35ff.); vgl. walopieren . 1 intr. ‘galoppieren’
2 tr. ‘in Galopp setzen’
   1 intr. ‘galoppieren’ do er disen rîter komen sach / zuo zim kalopieren hie Parz 37,15. 286,26. 597,17; nu sach er [...] / vier gewâfende man / [...] ein lützel balder danne enzelt / vliehende galopieren Tr 8947; ir deheiner was so ræze, / der gein im walopierte [La. galopierte ] , daz er im ie der ersten tjoste gesæze JTit 5367,4. 5576,3. – subst.: sus kom Gâwân zuo zim geriten, / sunder kalopieren / unt âne punieren Parz 300,7; in ritterlichem gahen / wart ir starkes galopiern TürlArabel *R 47,27. *R 29,11. *A 31,11    2 – tr. ‘in Galopp setzen’ sin ros fuͦr als ain hirz in brunft, / daz ward er galumpiern WhvÖst 10151

MWB 2 65,39; Bearbeiterin: Herbers

Gâlotte swM. zu Galoîs (Suolahti 1,91). ‘Waliser’ daz lêrten mich Galotten, / zwêne meister gâloise Tr 3678. 16279; in der Gâlotten lant / sluoc ich zu tôde mit mîner hant / einen risen HvFreibTr 3965; ein hundelîn, / daz sande ich der vrouwen mîn / bî einem Gâlotten ebd. 3971

MWB 2 65,55; Bearbeiterin: Herbers

galp stM. s.a. galf . ‘Bellen’ ir [Hirten] hunde hetten iren galp [ halp:] , / wâ ir ieclîcher gerte, / daz sie ir vihe, ir herte / behûtten Erlös 3324

MWB 2 65,61; Bearbeiterin: Herbers

galpen swV. zu gëlfen , vgl. DWB 4,1,2,3014. ‘bellen’ sô galpeden ouh di hunde SAlex 6023

MWB 2 66,1; Bearbeiterin: Herbers

galreide, galrei stF. ‘Gallert’, aus tierischen oder pflanzlichen Stoffen: huner in gallraide, / wol mit fleiz [...] / gepraten und gesoten Württemb W 241; in galreiden die lamprîden [Seefisch] , / pardrîse [Rebhühner] begund er mîden Wh 134,13; diu galreide ist von wurzen heiz Reiher 176; vier swiͤnin bein / in ezzig und in galrein KgvOdenw 9,26; übertr.: gesoten lüge, gebrâten lüge, / lüge ûz der galrei, [...]swie mans erdenken wil RvZw 169,2

MWB 2 66,3; Bearbeiterin: Herbers

galsch stM. oder stN. ‘Absicht’ er [Pilatus] sante in [Jesus] dar in sulchem galsche [: valsche ] , / ob in Herodes vrâgte / und lîchte ûz im jagte / ein sache [...], / dar um von rechte unser hêre / den tôt mûste dulden JvFrst 6568

MWB 2 66,13; Bearbeiterin: Herbers

galster stN. ‘Zauber(gesang), Zauberei’ vns saget diu scrift zewâre, / daz die goucgelâre / mit galsters liste / [...] diu selben werch worhten Exod 1289; ouch hât in [...] der künic Artûs vertriben / [...] mit sîm galster manigen tac UvZLanz(K) 7011. – ‘Betrug, Täuschung’ sô er einem gelobt hat das vür wâr, / das er im welle rêhîn hâr / stôssen in sîns satels balster [Polster] , / sô begât er ein [...] galster, / das er rinder- und geissenhâr stôsset drîn Ammenh 11856

MWB 2 66,18; Bearbeiterin: Herbers

galsterîe stF. zu galster . ‘Zauberei’ got weiz wol daz ich nie gephlac / dekeiner galsterîe [: frîe ] KvWSchwanr 953

MWB 2 66,28; Bearbeiterin: Herbers