gegenwürtigen
swV.
‘etw. gegenwärtig machen, vorstellen’
daz speculierlich liecht gegenwu̍rtigot vnd erzeiget nu̍t als
kreftlich daz liecht tragende ding dien oͮgen als daz lieht, daz vnmittellich
enphangen ist von dem liechtrichen RvBib
57,15;
waz si [Einbildungskraft] schoͤpft mit
sinnen des fleisches, daz erzoͮgt si dem vu̍rstant vnd
gegenwu̍rtiget ze dienst der vernunft ebd.
71,23
MWB 2 252,5; Bearbeiter: Tao
gegenwürtlich
Adv.
‘unmittelbar’
aber dv̍ sel, dv̍ anblikende vnd gegenwu̍rtlich got
bekent, dv̍ velt niemer vf nideru̍ ding, want si blicht vnd beschowet
an vnderlas suͤzzeklich vnd eweklich got RvBib
58,2
MWB 2 252,13; Bearbeiter: Tao
gegenzil
stN.
‘Widerstand’
die brûdere dâ mit sneller wer / brâchten in daz kegenzil LivlChr
2223
MWB 2 252,18; Bearbeiter: Tao
gegenzuht
stF.
‘das Entgegenziehen’
dî burcdît was gewar / ir wurdin an der keginzucht / unde hattin an dî vlucht / zu
walde sich gegebin NvJer
20776
MWB 2 252,20; Bearbeiter: Tao
gegerwe
stN.
1
‘Bearbeitung’
2
‘(priesterliches, königliches) Gewand, Ornat’
1
‘Bearbeitung’
wole slîft her die goltsteine; / mit manigir slahtin gigerwa / gewinnit er in
die variwa Anno
38,9
2
‘(priesterliches, königliches) Gewand, Ornat’
nu het der heilige man / eins dîaken gegerwe an LvRegFr
3127;
die altertwêlen unde die corporâl unde die prîsterliche dinge
unde gegerwe, die sol man wîz unde reineclîche halden unde beslizzen,
StatDtOrd
73,4;
und so machent si venster und elter [Altäre] und
gerwe [La. gegerwe
] und wellent das man das
wisse, und zeichenent das mit schilten Tauler
185,25;
koufet ein jude oder nimet her zu wette kelche oder bûche oder gegerwe, dâ her
nicheinen geweren an en hât: [...]
SSp(W)
3:7,4.
–
ein gegarewe man dar vore trûch, / rîlîch unde scône, / ein zeptrum und
ein crône / und ein goldîn vingerlîn En
8236
MWB 2 252,24; Bearbeiter: Tao
gegerwede
stN.
‘Kleidung, Gewand’
do kam ein jungeling gros, der brahte ein gebunt gegerwedes,
da mit gerweten sich die drie herren Mechth
2: 4,30;
gekleidet rehte alse ein ewangelier in gar schœneme snewisseme gegerwede
MerswBrf
31
MWB 2 252,41; Bearbeiter: Tao
gegerwen
swv
→
gerwen
MWB 2 252,46;
gegeter
stN.
‘Gitter’
gegettere goldes riche [waren] die tur vor allen
koͤren, / daz man alumb geliche baz gesehen mochte und gehoͤren
JTit
397,1;
vsque ad portam dictam daz gegeter UrkWürzb
41,31
(a. 1344);
sich er steit vnder vnser want, er sicht durch di venster, er luͤget
durch di gegeterr [
per cancellos
]
OsekHl
37(Ct 2,9)
MWB 2 252,47; Bearbeiter: Tao
gegiht
stF.
‘Aussage’
wa ieman den andern beklagt [...] vor vͥnserm
gericht, vnd der ein teil [Partei] der gegichte vngichtig
ist vnd dar vmb die hant vff hat vnd schweren wil vnd der ander teil im die hand
nider schlachet, [...]
StRBern
1/2:402,7
MWB 2 252,54; Bearbeiter: Tao
gegihte
stN.
stF.
HeslNic
740.
‘Körperlähmung, Krämpfe, Gicht’ (zur Sache vgl. LexMA 4,1442 s.v.
Gicht)
1 allgemein 2 als Subj. und Obj. von bestimmten Verben 3 personif. 4 wortspielerisch (vgl. Wagner, Sprichw., S. 120 und TPMA 4,377)
1
allgemein:
paralisis: gegihte SummHeinr
1:378,525;
daz gegichte ist etswenne uon dem blute vnde ist etswenne uon
dem fleumate. ez ist etswenne vber al den lip, etswenne an einem teile des libes
SalArz
80,30;
von grôzer hitze, von grôzer kelte, / von grôzer fülle, von grôzer lêre, / von
grôzer unkiusche, von grôzer swêre, / von grôzem zorn, von grôzem leide / kumt leme,
krampf und gegihte beide Renner
9930;
von gesunder spise kumt kein gegihte ebd.
9953;
vür gegihte wart nie niht sô guot / als lützel sorgen und frôer muot ebd.
9933;
diu salb [...] ist guot für der
âdern gegiht, daz artetica haizt, und für der füez und der pain giht, daz podagra
haizt, und für der hend giht, daz ciragra haizt, wenn man diu gelider dâ mit salbet
BdN
409,33.
–
nû begunde er an der bâre chleben / als ein vogel ûf dem
chloben / und vor gegihte starche toben KvHeimHinv
726
2
als Subj. und Obj. von bestimmten Verben:
daz gegihte begunde brechen / die muoter von leide AHeinr
884;
PrGeorg
31,14;
UvTürhTr
1461;
Rab
1059,2;
ir wirt vor zorn also we, / daz si daz gegiht bestat / und
si niht lange leben lat StrKD
119,605;
dâ ist müende / daz gegihte UvTürhTr
1513;
swen neget daz gegihte in sînem lîbe Renner
9939;
und swer daz wüetende gegihte hât ebd.
9946;
so vortribet er die gegiht, / die lamen tut er gende HeslNic
740;
WernhMl
7284;
Renner
9931
3
personif.:
‘Tot, du mir die boten nennest!’ / ‘gra schopf, gra bart;
der dritte bot ist daz gegiht [...]’ Regenb
345b
4
wortspielerisch (vgl. Wagner, Sprichw., S. 120 und TPMA 4,377):
wizzet daz tegelich gegihte / und vor gerihte valsch getihte / und alle tage
krût mit nihte / sint driu jêmerlich gerihte Renner
8761
MWB 2 252,59; Bearbeiter: Tao
gegiric
Adj.
‘begierig’
dar von chumt, daz di leute alz lichticlich gegirich werdent an ein wort, daz
si horent auf ander clein sach: [...]
Eckh(J)
4,9
MWB 2 253,32; Bearbeiter: Tao
gegiude
stN.
‘Ausgelassenheit, laute Freude’
dî Prûzin hôhe vroide / in michelim gegoide / mit grôzim schalle ûbetin
NvJer
12466;
ô wî gar mit bittirn nôten / gemischit wart dî vroide / und der vastnacht
gegoide, / daz mit ubirmâze / an reigin, trinkin, vrâze / dî vil armen cristen /
ûbtin ebd.
23337
MWB 2 253,35; Bearbeiter: Tao
geguot
Adj.
zu ge- bei Adj. vgl. DWB 4,1,1,1623.
‘gut’
[Alexander zu seinem Vater:] daz tunchet mich ze newiht
gût [Hs. geguͦt
] : / daz ir mîne
mûter liezet iuwers willen / unt habet uberhûr gestellet VAlex
402
MWB 2 253,42; Bearbeiter: Tao
gegürte
stN.
Koll. zu gurt stM.
‘Gurte’
it. de equis civitatis ferrandis 15 m. it. pro gegurde et ligaminibus 6 m.
StRechAachen
189,10
MWB 2 253,47; Bearbeiter: Tao
gêh-
s.a. gâh-, gæh-
MWB 2 253,50; Bearbeiter: Tao
gehabe, gehebe
stF.
1
‘Art, die Zügel zu halten’
2
‘Gebaren, Gebärde’
3
‘Befinden; Lebensweise’
4
‘Haltung, Einstellung’
5
‘Besitz’
1
‘Art, die Zügel zu halten’
sô liez ich die schenkel vliegen: / [...] neben der
mane vlugen diu bein, / ob des sateles ich schein / als ich wære gemâlet dar
[...]. / mit guoter gehabe ich reit / âne des lîbes
arbeit Greg
1609
2
‘Gebaren, Gebärde’
minneklichú reinú muͦter, biz húte ermant der
kleglichen gehab, die du hattest, do sú din toͮtes kint von dinem herzen
brachen Seuse
322,8.
–
‘Aussehen, Gestalt’
sin schöne begund er decken / mit so eiszlicher gehebe, / jch wone, daz
icht lebe, / das so vngestalt were Krone
13018
3
‘Befinden; Lebensweise’
saget mir mines uatir mæhte, / ob er indir wol lebe ode welch sint sin gehebe
GenM
98,24;
ir herze vant da manigen rat, / wie si gewerben mochte, / ob ir ein clus
tochte / mit einsamer gehebe, / oder ob si sich begebe / zu vrowenklostere
PassIII
622,67
4
‘Haltung, Einstellung’
den [Papst] er mit allem vlize bat, / daz er ein
regele im gebe, / mit steter gunst gehebe PassIII
358,70
5
‘Besitz’
alliv des klosters vas. vnd alle geheb sol er beschowen alsam
div heiligen vas des alters [...]. er sol sih der gitekeit
niht vleizzen vnd ouh nith zerhaft sin oder ein storær des klosters geheb
[
stipator substantiae monasterii
]
BrAsb
31
MWB 2 253,51; Bearbeiter: Tao
gehabede, gehebede
stF.
1
‘Besitz’
2
‘Gebaren, Verhalten’
3
‘Halt, Festigkeit, Hoffnung’
4
‘Dasein, Lebensdauer’
1
‘Besitz’
got dich gesegene in [
mit
GenM
50,27
] aller dîner gehebide Gen
1166.
1532;
possessionem: gehabede PsM
77,48.
103,24.
104,21;
wilt du denne durnehtich sin, so laz alle dine gehæbide vnde volge mir nah
PrGeorg(Sch)
4,42.
–
div gotheit ist ein geistlich gehebede so vnmezlicher shoene vnt so grozer
svͦze daz die engel [...] emzzichlichen an in
gernt ze sehen PrLeys
5,23
2
‘Gebaren, Verhalten’
do gi er ire ingegene / mit frolicher gehebede
VMos
21,10;
unde ube wir linde unde senfte sîn in unsereme gehebede
TrudHL
37,3;
sô si eimmin [jemand] ruͦret
widir ir willen, sô wirt ir gehebede ubellich, sô wirt ir gesûne vortliche ebd.
59,15;
gedigenhait unde tugentliche gehebede ebd.
146,30.
49,20;
mit ungeberden und mit unsitiger gehabd Seuse
126,23
3
‘Halt, Festigkeit, Hoffnung’
substantia: gehæbde PsM
38,8
4
‘Dasein, Lebensdauer’
substantia: gehabde PsM
38,6;
substantia: gehæbede ebd.
88,48
MWB 2 254,12; Bearbeiter: Tao
gehaben
stN.
‘Gebaren, Gebärde’
und also mit kleglichem gehabene und guͤtlichem
troͤstene erweichte er si, daz si guͦten willen gewan, sich schier
wider in gehorsami ze gebene Seuse
73,30
MWB 2 254,32; Bearbeiter: Tao
gehæbide
stF.
→
gehabede
MWB 2 254,36;
gehac, gehege
stN.
1
‘dichtes Gebüsch, Gesträuch, Wald’
2
‘Einfriedung; eingefriedetes Gebiet’
3 militär. ‘Verhau, Palisadenwerk’ ,
1
‘dichtes Gebüsch, Gesträuch, Wald’
ain gemöß und ain gehag HvNstAp
8912;
durch den wald und durch das gehag ebd.
11164.
5272;
also rait ich [...], / daz ich kom
uͦzz rechten phaden / und verait in wildez gehag Teichn
531,127;
untz daz ich chom in ein gehag, / do manik pluͤd auf doͤrn lag
Suchenw
24,84
2
‘Einfriedung; eingefriedetes Gebiet’
daz ich [...] han verchouft
[...] dem ersamen herren pischolfen Heinrichen
[...] minen boumgarten [...]
vnd die ækkhær, die dar an ligent, als daz wazzer vnd daz gehag
seit [anzeigt]
UrkCorp (WMU)
2939,3;
quod nullus infra limites dicte piscationis impedimentum, quod gehege dicitur,
faciat vel usurpet UrkMerseb
521
(a. 1308).
– eingefriedetes Jagdrevier (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 76a):
so muͦzz er
[Jäger] lauffen immer me / und haut arbeit in dem
gehag Teichn
487,87
(oder zu
1?)
3
militär. ‘Verhau, Palisadenwerk’,
bildl.:
der hiez [...] dishalp dem gehac, /
daz da von den tôten lac [durch die Leichenhaufen
entstand] , / wurken [...] durch die erden
einen schaht / langen unde tiefen Ottok
49163.
– übertr. für ‘Verteidigung’, in der Wendung
dehein gehege hân
‘nicht standhalten (können)’
der Crichen lac da vil erslagen. / sie waren vil na
verzagen, / wen sie hetten dehein gehege. / sine kvnden irre slege / lenger niht
erliden. / sie fluhen in ir hamiden Herb
14549;
sie hetten lenger dehein gehege: / in wart zv vil der
slege, / die sie bloz enphingen ebd.
13601.
13024.
14895;
wan ich bin sat und al zu vol / unsalden und grozer
slege, / daz ich han keyn gehege Hiob
3914
MWB 2 254,37; Bearbeiter: Tao
gehalt
stM.
kontrahiert auch kalt.
1
‘Behälter’
2
‘Haft, Gefängnis’
1
‘Behälter’
ein wab ist das megdlich wachs, das vil stetten vnd gehaltes hat, die honges
vol sint RvBib
2,12;
der officiale sich umb gewant hait / und auch die salben mit
yme bracht / und die gar wol in gehalt getan Pilgerf
674
2
‘Haft, Gefängnis’
ich enpha uch in dyͤ cristenheyt, / ich neme uch uz dez tufels kalt /
und gebe uch in gotes gewalt MarSp
474
MWB 2 255,5; Bearbeiter: Tao
gehaltære
stM.
1
‘Besitzer’
2
‘der für jmdn. etw. aufbewahrt, Verwahrer’
3
‘Sachwalter’
1
‘Besitzer’
sit varnde gut / ieslichem gehaltere tut / an siner sele
sulchen schaden, / [...]
StrKD
4,394
2
‘der für jmdn. etw. aufbewahrt, Verwahrer’
ob [...] ein dieb [...] die
duͤpstâl gar verhilt / und das ding etswenne [l.
etsweme
] ze behaltenne [La.
gehaltende
] gît, / und darnâch denne ze einer zît /
zuo dem selben [La. gehalter
] mügen mit
einander komen / der dieb und dem ers hat genomen, / und vordrent das ding gelîch
[...]
Ammenh
14131.
– wohl auch hierher:
noch ist ein ander missetat, / die manich
[geiziger] pfaffe hat: / ob er sin gut vil gar
verzert, / so wil er sich des han erwert, / daz er ein gehalter niht si, / und
wil der schulde wesen fri, / daz in niemen sul schelten. / noch sol er des
engelten, / ob er allez sin varnde guͦt / so rehte boslich
vertuͦt, / daz im sin got nimmer danc saget, / noch der lut gunst niht
beiaget. / der ist als wandelbære / sam ein boser gehaltære StrKD
111,95
3
‘Sachwalter’
jch, her Hartman von Baldeke, ein gehalter dez heiligen richez vnd bvrchgrave
ze Rinvelden UrkCorp (WMU)
684,37
MWB 2 255,13; Bearbeiter: Tao
gehaltærin
stF.
‘Bewahrerin’
wan si [sc. die gedultechait
] ist ain
schrîn und ain gehalterin aller guͦtait PrSchw
1,123
MWB 2 255,35; Bearbeiter: Tao
gehalten
stN.
‘Aufenthalt’
dô enphiengen in [den vertriebenen Fürsten
Strâsagoras
] güetlîche / die burger muotes rîche /
und buten im gehalten dô / gein Alexander alsô / daz er im durch die geschiht /
dorfte entsitzen niemer niht RvEAlex
3595
MWB 2 255,38; Bearbeiter: Tao
gehaltenlich
Adj.
in dem Ausdruck die gehaltenliche tage als Wiedergabe des lat.
dies observabiles für die Fastenzeit vom Sonntag Septuagesima bis
Ostern:
dies absoluti praetereunt, dies observabiles redeunt
[...]. die verlazenliche tage die sint vervarn, die
gihaltenliche tage die sint uns komen PrHoff
93,11
MWB 2 255,44; Bearbeiter: Tao |