Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gegenvertic - gegenwürtic    


gegenvertic Adj. ‘entgegengehend, -kommend’ obvii: gegenvertige PsM H 90,3

MWB 2 244,42; Bearbeiter: Tao

gegen vlieʒen, gegenvlieʒen stV. ‘entgegenfließen’ ye mer man ir [Marias] tugent hawet, / so sein ye mer her wider floz. / da von waiss ich nicht so gross / daz ir pas geleichen mag / aͮn der gegen fleussund wag / der sich gen der hawn [= houwe ] windet. / ye mer er grebt, ye mer er vindet. / wer hat ye chain menschen vernomen / der umb hilf zuͦ ir waͤr chomen, / dem iͤrr genaden waͤr zerrunnen? Teichn 114,38

MWB 2 244,44; Bearbeiter: Tao

gegenwart, -wurt Adj. 1 räuml.
2 zeitl. ‘jetzig, heutig’ , subst.
   1 räuml. – präd.: ‘zugegen, anwesend, in der Nähe’ der guͦt Dauid der sprichet, daz min trehtin allen den geginwart si [ prope est Ps 144,18 ] , die sine gnade uvarlichen unde innechlichen an rvͦfent Spec 18,6; ze Kriste rief er alsô / als er dâ wære gegenwart LBarl 15390. 16179; sô daz weip [Weibchen] niht gegenwart ist, sô suocht si der man und lokt ir mit ainem senften wispeln BdN 286,12; der kraft er [Magnet] mag geüben klein, / wann gegenwart ist der adamas Mügeln 260,4. – attr. zu brieve, hantveste: ‘vorliegend’ allen, die disen gegewrten brief sehint vnd horent lesen, kvnden wir UrkCorp (WMU) 241,12; mit dirre kegenworten hantveste ebd. 627,2 u.ö.    2 zeitl. ‘jetzig, heutig’, subst.: solher maister [wie Jesus Christus] lebt nicht me / der [...] di vergangen wider pracht / dw vor tausent jaren warn tot / und der gegenburten not / auch zestoͤrt und zerprach / und di chunftig sind her nach / an dem urtaegleichen tag / auf dez rechten gelauben slag Teichn 388,104

MWB 2 244,53; Bearbeiter: Tao

gegenwart, -warte, -werte, -wurt, -würte stF. 1 räuml. ‘Anwesenheit, Gegenwart, Vorhandensein’
1.1 allg.
1.2 mit Präp. mit
1.3 ze gegenwarte sîn ‘zugegen, anwesend sein’
1.4 an/in/ze jmds. gegenwarte ‘in Gegenwart, Anwesenheit von jmdm.’
2 zeitl.: ‘Gegenwart’
   1 räuml. ‘Anwesenheit, Gegenwart, Vorhandensein’    1.1 allg.: die heiligin potin die minnetin niht so uerre so die geginŵrt des heiligin Cristis Spec 67,27; sîne junger er [Jesus Christus nach der Auferstehung] gewerte / sîner geinwurte Wernh 5633; di gotlic [...] gaginwarti [ divinam [...] praesentiam ] BrZw 19; RvEWchr 11831; Eckh(B) 105,2; so sult ir och daz glouben daz da [im Allerheiligsten] si der guldin altær unde daz guldin rouchvaz, wan daz ist diu ansihtchait unde diu gegenwurte siner goͤtlichen diemuot, sins goͤtliches opfers Konr(Sch) 63,33    1.2 mit Präp. mit: do sie Christum gebar, / der mit siner gêinwrte / v̄ mæitlicher geburte / die sundære getroste / v̄ die christenheit erloste Wernh D 3903; er [Gott] wonte mit ir [Maria] mit siner liplichen gegenwúrti und mit siner goͤtlichen gnade PrGeorg 81,29    1.3 ze gegenwarte sîn ‘zugegen, anwesend sein’ die, / die hie ze gegenwürte sint / mit mir ze redene umbe ir kint Tr 6343; swer sô ungerichte claget uf einen, der dâ nicht zu geinwerte en ist SSp(W) 2:8. 2:24,1; allen den, die disen prief hoͤrent vnd sehent vnd die îezvͦ sint ze gegenwart UrkCorp (WMU) 597,46; Ottok 86673; PrOberalt 134,40. intgegenwart, engegenwert sîn/stân s. unter engegenwart und engegenwërt Adv. in gegenwurt sîn ‘vorhanden sein’ so han ich gegeben dar vͤber disen brîef vnd dis hantvest, di ich versigelt han vnd vervestent mit disen insigeln, di hîe en gagenwuͦrt sint UrkCorp (WMU) 1104B,37    1.4 an/in/ze jmds. gegenwarte ‘in Gegenwart, Anwesenheit von jmdm.’ vnd swenne man sie [die Schöffen] erwelt an der gegenwerti des rates UrkCorp (WMU) N238AB,8,25; beclaget man einen man in sîn geinwerte umbe eigen [...], daz her in rechten geweren hât, man sal ime teidingen zû deme nêhsten dinge SSp(W) 2:3,1; die giengen ouch ze lôze / ze sîner [Morolds] gegenwürte, / welher im antwürte / sîn kint Tr 5957. 15468; versezzet oder verkoͮfet ieman des andern gvͦt ze siner gegenwerti vnd mit siner wissende UrkCorp (WMU) 1797AB4,6. vor/in/ze jmds. gegenwarte ‘vor jmds. Angesicht, jmds. Augen, vor jmdm.’ ist daz rehte in gotis geginwrte [ in conspectu Dei Act 4,19] , daz wir ivch haltir [mehr] schulin uernem denne got, daz irteilit, wir enmegin des niht Spec 75,26; dirri tac [der Auferstehung Christi] ist uore gotis geginwrte tusint iâr ebd. 61,34; do geschuͦf er zehen chôre / lussam unde hêre / daz si in siner gagenwurt / heten hymeliszez lob VMos 3,9; da uielen Machmetes helede / zu siner gagenwurte, / daz er sich selben nine werte, / noch den sinen wolte heluen, / swie uil si in an geriefen Rol 4163; got selbe wolte [...] die ubermut zebrechen / die Herodes furte / ze Christes gæ̂inwrte Wernh D 4954; Mügeln 261,3. ze jmds. gegenwarte ( ‘vor jmds. Angesicht, zu jmdm.’) komen, besenden: frowe, verlazin nit, / dv ne helfis uns, [...] swanne wir zu siner [Gottes] gegenworte comen Litan 349; daz man si her besende / zunser aller gegenwürte, / iuwer ansprâche, ir antwürte / daz man diu beide alsô verneme Tr 15415    2 zeitl.: ‘Gegenwart’ daz [ buoch der schrift ] tvet driv dinch. des vergezen heizet ez gedenchen. engagenwrte wartez [l. wohl warnt ez ] den mennish. ez vorseit chvmftigiv dinch PrLeys 6,15; daz pvch der shrift warnt vns gagenwrt ebd. 6,23. ze den ziten [beim Nahen des Jüngsten Tages] so dorrent die læut vor der grozzen vraise die si denn ze gagenwurt [als gegenwärtig, zu der Zeit] habent und dennoch mer fuͤrchtent die aller der werlt chuͤnftich sint [vgl. Lc 21,26 ] PrOberalt 10,33

MWB 2 245,10; Bearbeiter: Tao

gegenwart stM. ‘Gegner’ Abiathar hiemite saz, / wand e was underscheiden daz, / als einer vollen spreche, / daz er nicht underbreche / deme gegenwarte sine wort PassIII 73,89

MWB 2 246,19; Bearbeiter: Tao

gegenwartic, -wertic, -würtic Adj. 1 bezogen auf Personen: ‘anwesend, zugegen’
1.1 allgemein;
1.2 subst., im Pl.
1.3 von Gottes (All-)Gegenwart
2 bezogen auf Dinge, Sachen
2.1 ‘in der Nähe befindlich’
2.2 ‘vorhanden, daseiend’
2.3 übertr. ‘jmdm. (in Gedanken, im Geiste) gegenwärtig, bewusst’
2.4 ‘vorher genannt, vorliegend’
3 zeitl.
3.1 ‘gegenwärtig, jetzig, heutig’
3.2 ‘gleichzeitig’
3.3 ‘bevorstehend’
   1 bezogen auf Personen: ‘anwesend, zugegen’    1.1 allgemein; präd. : nû stêt an uheris hêren [eures Herrn] hant, / der hie gagenwortich is, / [...] manich kunincrîche SAlex 7223; des wart ein gut munich gvare, / der da gegenwortic was Glaub 2301; mit erhaften liuten, die iz gesen vnde hort haben vnde da zvͦ iegenwardich waren UrkBresl 61 (a. 1295); diu dâ gegenwürtic saz Er 9172; die frauwen, die mit mir geent / vnd hie gegenwirttig steent Krone 19145. – in formelhafter Verbindung mit künftic, in 3.1 übergehend: jch [...] tvͦn kuͦnt allen, die gegenwerthik vnd auch noch kuͤnfthik sint, daz [...] UrkCorp (WMU) 2572,24. 2625AB,17. 2529,16. 2044,41. – attr.: unde swaz sô daz bezzer teil der gegenwertigen brûdere gerêtet, daz sal der meister, oder die an sîner stat sint, volgen StatDtOrd 49,23; er mohte kûme bediuten / den gegenwürtigen liuten, / daz sî sîn nôt bedæhten / und im snelle bræhten / gotes lîchnamen und sîn bluot Tund 290; dar zuo versmâcht ist gar mîn leben / vor mangem tier, diu grôze sint, / als ouch diz gegenwürtig rint Boner 46,10    1.2 subst., im Pl.: vil sere erchomen die gagenwürtigen, / do si den leichnamen sahen ligen Serv 3405. – in formelhafter Verbindung mit künftige, in 3.1 übergehend: der vmbe dvͦ wir kunt den geginwertigen vnd den kv́nftigen, [...] UrkCorp (WMU) 1653,8. 2345,21. 1183,28    1.3 von Gottes (All-)Gegenwart: dir wisag der ogit vns, daz got vnsren gedenchin alzan ist geginwurtich BrEng 7; BrEb 7; swie [...] dv allenthalben gegenwuͦrtich seist, so wonestv eiggenlicher doch in den geistlichen mvͤren, in den hiligen hertzen DvAPatern 27; das der herre verboͤrgenliche gegenwertig ist in unserm gebette Tauler 56,29; PrSchw 2,35; Eckh 5:191,4    2 bezogen auf Dinge, Sachen    2.1 ‘in der Nähe befindlich’ magnes der stain ist eisenvar. der zeucht daz eisen an sich, wenn der adamas niht gegenwärtich ist BdN 451,24; der onix mag niht geschaden, wenn der sardius gegenwertich ist ebd. 461,24    2.2 ‘vorhanden, daseiend’ Jesum den ir da suchet, [...] er ist aller ding geweltich, aver sein hiliger lip der ist hie nicht gagewurtich PrOberalt 86,1; swenne diu sunne niht mê gegenwertic enist, sô enhân wir ouch niht mê liehtes Eckh 2:294,11; der stain ist guot für der würm piz und für vergift. wan sô vergift gegenwärtig ist, sô prent der manigverbich nosech den vinger BdN 453,28. – speziell vom Diebesgut: ‘dem Richter/Gericht vorgelegt’ ab der dubi me is, danne da kenwerdich is [Überschr.] . sua ein diep cumit vur din richteri mit dir dubi· unde is der dubi me, dan he da keinwerdic habi, so sal un di richteri vregi, war he su gitan habi· Mühlh 158,16    2.3 übertr. ‘jmdm. (in Gedanken, im Geiste) gegenwärtig, bewusst’ so des menschen geist vergisset aller vsser dingen vnd aller, der dv̍ sel in dem lip mit aller liplichen kreften wu̍rkvnt ist vnd ir allein dv̍ ding gegenwv̍rtig sind mit gehúgede olt mit verstantnissi, di geislich sint RvBib 6,16; im envergât doch daz bilde des trankes niht, die wîle der durst wert; und als vil grœzer der durst ist, als vil mêr und inwendiger und gegenwertiger und stæter ist daz bilde des trankes Eckh 5: 206,6; künic Dâvît sprichet in dem salter: ich bin bereit in allem ungemache, und mîn smerze ist mir alle zît gegenwertic in mînem herzen, in mîner angesiht [ et dolor in conspectu meo semper Ps 37,18 ] ebd. 5: 55,1. – hierher?: ich bite dich [hl. Petrus] unwirdigu [...] umbe [...] mine angiste, da mite ich biuangin bin oft und mir geginwartich sint [mir zusetzen?] MuriGeb 65    2.4 ‘vorher genannt, vorliegend’ ich [...] begihe [...] disen gegenwrtigen heiligen unde allen gotis heiligen vnde dir, ewart, vnde aller der heiligen christenheit aller der sunde, die ich ie gefrumte von angenge Spec 3,2; als uns offenbar ist in diser gegenwertigen figur von den lengen, die von paiden augen gefuͤrt werden von dem zil KvMSph 15,22. – besonders von Rechtssachen, Schriftstücken: zvͦ einer gehvcnvsse vnd zvͦ einer stetikeit dirre geginwartigen dinge, so festene wir disen brief UrkCorp (WMU) N51,25; allen den, die disen gegenwartigen brief an sehen [...], vnsern groͮiz in gotte ebd. 1182,2; UrkMühlh 418 (a. 1334); StRBrünn 384; jch [...] duͦn kunt allen den, die dise gegenwærtige schrift an sehent oder hoͤrent lesen, daz [...] UrkCorp (WMU) 2021,44; so bestetig wier sei, di vor genanten vnser gab, mit disem brief vnd mit disen vnsern gegenwertigen jnsigeln ebd. N297,7    3 zeitl.    3.1 ‘gegenwärtig, jetzig, heutig’ daz er ir alles des verjach, / des im von kintheit geschach / unz an di gegenwertigen stunt UvZLanz(K) 629. 9124; nv merchet die gegenwrtigen ceit Warnung 2193; da [auf Patmos] eroffent im [Johannes] unser herre elliu dinch die ergangen waren, diu gagenwurtich waren, diu noch chuͤnftich sint untz an daz ent dirre werlt PrOberalt 21,16; got hat mir den gewalt gegeben, / swelche wellent bezzern ir leben, / daz den in der gagenwürtigen not / niht enchümet der ewige tot Serv 1531; genc balde nâch mir. / ich sol zeigen dir / an dirre gegenwurtigen vart / den der ist ein widerwart [Teufel] / allem mankunne Tund 1273; vor aller ansprach, si sei gegenwͦrtich oder chvnftich UrkCorp (WMU) N528,7. – in geistl. Deutung: ‘irdisch, diesseitig, vergänglich’ in Verbindung mit leben, werlt, guot: diu wazzer bezeichinent dise gagenwurtigen werlt JPhys 8,20; daz ist daz gegenwrtige leben, / da wir alle mit noͤten inne sweben Warnung 2129; daz ungelukliches streben / diz kegenwortiges leben / si nicht wan der sunden phlagen Hiob 7192; eis mâls kam im in sînen muot, / daz er diz gegenwürtig guot / dur gottes willen wölt ûf geben, / und wölti varn in geistlîch leben Boner 85,6    3.2 ‘gleichzeitig’ wann du wellest geben ain ertznei, so sich in wellechem zaichenn die sunne sei. das machtt du erkennenn an disem gegenwärtigenn mannenn [an der gleichzeitigen Mondphase] HvHürnh 58,10    3.3 ‘bevorstehend’ der selbe Johan was mangen tag, / bis das ze leste kam duͤ vrist, / duͤ gegenwertig üns allen ist, / das er begunde nâhen / sîm ende, und anevâhen / siechen, als alte luͤte tuont Ammenh 17470

MWB 2 246,23; Bearbeiter: Tao

gegen wëgen, gegenwëgen stV. ‘etw. an Gewicht gleichkommen’, übertr.: ‘etw. gleichwertig sein’ ein kristalle [...], / daz vil wol gefüllet was / mit balsam der gap guoten smac; / des süeze enstrîte gegen wac / bisem und spicâ nardî Wig 10365

MWB 2 248,20; Bearbeiter: Tao

gegenwëhsel stMN. ‘Tausch, Gegenwert, Ausgleich’ vmme Brotselden, daz dritteil burg vnd stat, [...] vnd vmme daz gegenwehsel an Lutenbach oder an Vreudenberg, daz wir im da wider sullen gebe, als an vnsern brieven stat geschriben UrkCorp (WMU) 3264,16; vf der mv́li vnd vf dien akkern, die vns ze gegenwechsel gegeben sint ebd. 273,6; weitere Belege s. DRW 3,1469

MWB 2 248,25; Bearbeiter: Tao

gegenwerte stF. gegenwart

MWB 2 248,33;

gegenwertes Präp. ‘gegenüber’ mit Dat.: diz sint die snite [Schneiden] beide / gotliches swertes, / daz her kegenwertes / den irweleten nider leget / und den argen zu weget HeslApk 2812

MWB 2 248,34; Bearbeiter: Tao

gegenwertic Adj. 1 ‘widerwärtig’
2 ‘entgegengesetzt, gegensätzlich’
   1 ‘widerwärtig’ der vunfte grat [zur Seligkeit] [...] heizet zu dute gedoldikeit / an kegenwerdigen dingen Brun 12225    2 ‘entgegengesetzt, gegensätzlich’ siben houbtpin sint dar inne [in der Hölle] [...] : / calor, frigus, tenebrae, vermes, / fetor, horror, contraria voluntas. / daz ist hitze kelde [...], / di [siebte houbtpin ] heizit kegenwertiger wille. / daz der mensche nicht enwil, / des geschit da me denne vil. / nimber geschit menschen wille [...], / unwille ist im stete bi Brun 6403

MWB 2 248,38; Bearbeiter: Tao

gegenwertic Adj. → gegenwartic

MWB 2 248,49;

gegenwerticheit, -würticheit stF. auch kenwortekeit. 1 ‘Anwesenheit, Gegenwart, Erscheinung’
2 ‘Gegenstand (einer künstlerischen Darstellung), Thema’ oder ‘Begegnung’ (?)
3 ‘gegenwärtige Zeit, Gegenwart’
4 ‘Zeitlichkeit’
   1 ‘Anwesenheit, Gegenwart, Erscheinung’ der sach in die kirchen treten / schoner iungelinge vil. / dem munche wuchs ein vreudenspil / an irre gegenwurtikeit PassIII 451,7; daz er bî im wære und in trôste mit sîn selbes gegenwerticheit Eckh 5: 49,17; des ward úch baiden [Maria und Elisabeth] froͤde kunt / das die kindlin frowten sich / in iwern zarten liben schinbaͤrlich / von diner gegenwirtikait KvHelmsd 4423. in/ze jmds. ~ : daz man alle tage in orer keinwertikeit wol nun hundirt armen menschin daz alsmosin reichte unde gab Köditz 45,12; UrkCorp (WMU) 1653,23; zu der gegenwertekeit des commendûres StatDtOrd 87,13; ze gesihtt vnd ze der gegenwrtichait aller der sammung vnd dez gesintz ze Raitenħ UrkCorp (WMU) 1117,40. – von der Gegenwart Gottes: so dv́ sele [...] mit grozzer gervnge nach gottis gegenwertikeit gesv́ftet hat, so erschinet er ir vnder wilen alse ein blich des goͤtlichen liehtes DvAStaff 389; alsô sol der mensche mit götlîcher gegenwerticheit durchgangen sîn und mit der forme sînes geminneten gotes durchformet sîn und in im gewesent sîn, daz im sîn gegenwerticheit liuhte âne alle arbeit Eckh 5: 208,11; dar umb so muͦss daz namlos goͤtlich wesen in sich selb ein allichs wesen sin, daz ellú zerteiltú wesen ufenthaltend ist mit siner gegenwúrtikait Seuse 177,6; di man, di [...] nicht gehaldin habin di wort der vorbindunge, in di si gelibit habin in miner keginwortekeit [ in conspectu meo ] Cranc Jer 34,18. Jer 34,15. – von Engelsvisionen: und sprichet ein lerer, daz engelschlichú gegenwúrtikeit diker erschinet etlichen menschen in dem schlaf, me denn in dem wachen Seuse 183,12    2 ‘Gegenstand (einer künstlerischen Darstellung), Thema’ oder ‘Begegnung’ (?): zu Rôme in der kirchen di dâ heizet zu sente Johannese zu Laterâni dô stên zwei bilde gemâlet [...]: unser vrowe alsô si unsen herren inphangen hate und her drîer tage alt was in sîner muter lîbe, und sent Elîzabêth alse ir sun Johannes was sechs mânden alt in sîner muter lîbe; und dise vrôlîchen gegenwertikeit stêt behendeclîchen beschriben [geschickt dargestellt] bobin in [oben in der Kirche?] HvFritzlHl 143,18    3 ‘gegenwärtige Zeit, Gegenwart’ got ist ein got der gegenwerticheit. wie er dich vindet, alsô nimet er und enpfæhet dich, niht, waz dû gewesen sîst Eckh 5: 234,5; daz dâ hin ist, daz stiftet leit; / unstæt ist gegenwürtekeit. / wel zît noch künftig komen sol, / daz zît erkennet nieman wol Boner 86,46. – ‘gegenwärtige Lage’ di [...] redeten mit ir und bezzerten ire gegenwertikeit HvFritzlHl 244,20. – (Tempusform:) ‘Präsens’ alsô setz wir oft den spruch der gegenwürtichait für den spruch der künftichait, als wenn dû mich ladest auf den künftigen samstag zuo flaisch, sô sprich ich: ich izz niht flaisch an dem samstag, daz ist: ich wil sein niht ezzen an dem künftigen samstag BdN 60,34    4 ‘Zeitlichkeit’ dorumme daz der mensch nicht mac / sicher wesen uf keynen tac / noch gewis syner stetekeit / by des lebens kenwortekeit, / so [...] Hiob 3394; owe gegenwúrtikeit, wie blendest du, wie trúgest du! Seuse 239,3

MWB 2 248,50; Bearbeiter: Tao

gegenwerticlich, -würticlich Adj., Adv. Adv. auch -lîchen. 1 ‘anwesend, zugegen’ , von Gottes Gegenwart
2 ‘(sinnlich wahrnehmbar) vorhanden, daseiend’
2.1 allgemein
2.2 übertr. ‘geistig gegenwärtig, innerlich vor Augen’
3 zeitl.
3.1 ‘gegenwärtig, jetzt’
3.2 ‘ewig, immerwährend’ (?)
   1 ‘anwesend, zugegen’, von Gottes Gegenwart: sô man gegenwerticlîchen got enpfünde Eckh 5: 284,2; owe, minneklicher got, und bist du selber hie als gegenwúrteklich, und ist der engel schar hie Seuse 297,28; wie vergissest du din selbes so berlich, und du mit dem ewigen guͦte so gegenwúrtiklich umbgeben bist! ebd. 235,18. – ‘vor jmdm.’ so ir da sind, daz ir mich gegenwúrteklich sehend und da von liden muͦssent Seuse 73,1    2 ‘(sinnlich wahrnehmbar) vorhanden, daseiend’    2.1 allgemein: vîrlêge crefte sint da mide di sêle bekennit. daz erste sint lipliche sinne. da mide bekenne wir dise liplichin und geginwerticliche dinc, und mit den inmac got nicht bekant werdin Parad 43,15; und alle ding werdent in eime ougenblicke ingetragen in den minnenclichen grunt, das als ussgeflossen ist in die ewikeit, do es ewiclichen in gegenwerteclichen gewesen ist und ietze ist und als wol da inne ist Tauler 68,27    2.2 übertr. ‘geistig gegenwärtig, innerlich vor Augen’ diz bilde der drivaldikeit inist nicht allewege in deme menschin geginwerticlich und genzlich. alse der mensche slefit oder an got nicht indenkit, oder in eime kinde, so inist diz bilde nicht vollincumeliche an ume Parad 99,17; nim dez inren menschen war [...]. der nehsten [höchsten] gelassenheit hoͤret zuͦ, daz man alle zit die natur in einem zom habe. ein mensch sol sich alle zit gegenwúrtklich halten, daz sich dú natur nit verlofe Seuse 165,13    3 zeitl.    3.1 ‘gegenwärtig, jetzt’ sulche obin berurtte guttere [...] haben wir [...] dem genantin deutschen orden gegebin, zcu geeygent vnde kegenbertiglich mit krafft dises briffes geben UrkCorp (WMU) 222AB,14,5; die fröde unde der lust die sint von dem guot, daz gegenwerticlichen gehabt wirt [ est de bono praesenti et habito ] ; aber die begirde unde der gedinge sicht an daz guot, daz noch niht gewunnen ist ThvASu 272,16    3.2 ‘ewig, immerwährend’ (?): ‘dit ist mîn lîbir son, in dem ich mir etc.’ [ Mt 3,17 ] . in disin wortin sint gerurit funf stucke, di [...]. daz erste ist daz nicht dan ein son mac gesin in der ewigin geburt, da he sprichit ‘dit’ [...]. daz andir ist di unwandilberkeit [...]. di ist gerurit da he sprichit ‘ist’. [...] darumme ist dise geburt ummer mê geginwerteclich Parad 29,3; kanst du nu mit einem gelúterten ogen [...] schowen dez obresten guͦtes lútersten guͤtekait, dú da ist an irem wesen ein gegenwúrteklicher wúrkender anvang, sich selb natúrlich und willeklich ze minnen, so sihst du die úberswenken, úbernaturlichen entgiessunge dez wortes uss dem vater, von des geberene und sprechen ellú ding werdent her fúr gesprochen und gegeben Seuse 179,25

MWB 2 249,50; Bearbeiter: Tao

gegenwertige, -würtige stF. ‘Anwesenheit, Gegenwart’ wir gloͥben daz inallenthalbon si dv gotlichv geginwurtigi vnde daz dv oͥgin vnsirs herrin an einr ielichir stat schowen beidv die vbiln vnde die gvͦtin BrEng 19; ze vnser gegenwertigi vor gerihte UrkCorp (WMU) 813,33; in miner vroͮwen hant der ebtisschenne von Zv́rich ze gegenwv́rtige ir samenvnge, vroͮwen vnd phafen ebd. 92,27. 2759,29. – ‘Präsenz’ wir nemen ein speculatiun, wenne wir ein ding sehen vnd bekennen in dem spiegel vnd in sinem bilde, nu̍t in siner dinglicher gegenwu̍rtigi RvBib 56,10

MWB 2 250,41; Bearbeiter: Tao

gegenwort stN. 1 ‘Wechselrede, Antwort’
2 ‘Äußerung über/gegen etw.’
   1 ‘Wechselrede, Antwort’ daz si ze gegenworte / nie kômen, frouwen noch die man Parz 637,22; des freude sich an sorgen rach, / swer dâ nâch werder minne sprach [verlangte] , / ob er vant süeziu gegenwort ebd. 641,7    2 ‘Äußerung über/gegen etw.’ hoͤr und sich und bis verswigen! / wa du icht hoͤrst, da laz auch ligen! / so beleibst an gegenwort Teichn 564,2987

MWB 2 250,53; Bearbeiter: Tao

gegenworte stF. gegenwart

MWB 2 250,61;

gegenwortes Adv. vgl. gegenwertes Präp. ‘anwesend’ wold man der frawen ir morgengab brechen an bereyten gut, das man ir gelobit zu der zeit, do man sye zu ee gab, sy behaldet is mit rechte, [...] selbe sibende mit man vnd mit wrawen, die do gegenwortis waren sahen vnd horten StRPrag 112

MWB 2 250,62; Bearbeiter: Tao

gegenwurf stM. auch gegenwirf ( ThvASu 272,4 ). 1 ‘Objekt, Gegenstand’
2 ‘Gedanke’
3 ‘Entgegengesetztes, Hindernis’
4 ‘Antwort’
5 ‘Gewährung’
6 ‘Subjekt’ (Träger von Seinsweisen)
   1 ‘Objekt, Gegenstand’ nu ist got alleine der eiginliche widerworf der minne, alse di varwe ist der geginworf des augin Parad 133,1; Vorsmak P 442; der engel [...] schouwet sunder underlâz, und sîn gegenwurf ist ein vernünftic wesen [Gott] Eckh 3:336,7; di geginworf der fornuft ist wesin, und daz allir erste daz wir bekennen an eime iclichin dinge, daz ist wesin Parad 90,16; dar vmbe enphintnissi [Erfahrung] ist ein gegenwu̍rtigv̍ beruͤrde vnd bekennen des gegenwu̍rfes einer ieklicher kraft der sel RvBib 144,9; ez ist zesagen, daz der gegenwurf des glouben ist dü gotlichen ding, die da ungesihtig sint ThvASu 58,2; daz guot ist [...] übermitz sich selber [durch sich selbst] gegenwurf dez willen unde der begirde ebd. 272,6. – ‘Ziel’ waz ist eins reht gelassen menschen gegenwurf in allen dingen? daz ist ein entsinken im selb, und mit ime entsinkend im ellú ding Seuse 168,21    2 ‘Gedanke’ er wart gefraget, was sin gegenwurf weri, so er mess sang und er vor der stillen messe die prefation an huͦb: sursum corda! Seuse 27,18; und dis waz sin gegenwurf in den worten sursum corda ebd. 29,5    3 ‘Entgegengesetztes, Hindernis’ die minne tuͦt versincken in den geminneten. hie inne ist ein gegenwurf, daz ist die súnde; danne sint ander gegenwúrf, das sint grosse und swere bekorunge in vil sweren wisen Tauler 410,11; denne hat die minne einen andern gegenwurf ebd. 410,22    4 ‘Antwort’ dez ward im ein soͤlicher gegenwurf von got, dar an er enkeinen zwivel wolte han, daz er soͤlte der behaltnen eine wesen und von got niemer gescheiden hier umbe Seuse 81,1    5 ‘Gewährung’ der vorder gnadenricher lust verlekert [lässt verlangen] eins unweslichen menschen geist, daz er daz alle zit gern heti, und als im der gegenwurf froͤd birt, also birt im der underzuk ungeordnet trurikeit Seuse 174,26    6 ‘Subjekt’ (Träger von Seinsweisen): so ist die sele nach der wesunge der erste gegenwurf [ subiectum ] der erbesünden ThvASu 188,3. 188,6. 186,30 (statt der in dem Text gewöhnlichen Übersetzung von subiectum durch underwurf)

MWB 2 251,5; Bearbeiter: Tao

gegenwürflich Adj. ‘entgegengesetzt, gegensätzlich’ aber daz guot ist dez ersten unde übermitz sich selber [durch sich selbst] gegenwurf dez willen unde der begirde, aber daz übel dar nach, unde daz übermitz etwaz anders, nach dem unde [insofern] ez gegenwirflich ist [ opponitur ] dem guoten ThvASu 272,6

MWB 2 251,49; Bearbeiter: Tao

gegenwurt Adj. gegenwart

MWB 2 251,56;

gegenwurt, -würte stF. gegenwart

MWB 2 251,57;

gegenwurten swV. ‘etw. gegenwärtig machen’ und die tugent des himels [englische Wesen] gegenwurtentt als offt den tod des erschlagenn in irem lobe dem scheppfer pis die rach enpfangen werde von dem erschlahenden HvHürnh 21,5

MWB 2 251,58; Bearbeiter: Tao

gegenwürtic Adj., Adv. gegenwartec

MWB 2 251,63;

gegenwürtic Adv. ‘entgegen, heran’ ê diu rede wære getân, / Îdêrs ûf Karadigân / gegenwürtic über den hof reit / ze einem steine, der was breit Er 1198

MWB 2 252,1; Bearbeiter: Tao