g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gürtel
stswMF.
‘Gürtel’
1 allg. 2 die Taille, Gürtellinie mitbezeichnend, mit Präp. 3 in rechtsspr. Wendungen bzw. Kontexten 3.1
als in der ~ bevangen hat, als er mit (der) ~ be-, umbevangen
ist u.ä. ‘nur mit dem (vom Gürtel zusammengehaltenen) Hemd
bekleidet, notdürftig bekleidet’ (vgl. GrimmRA 1,215; H. Hirsch, Die hohe Gerichtsbarkeit, Prag 1922, S. 55) 3.2
als diu ~ bevangen hât und daz jmd. under der
~ hât u.ä. ‘was jmd. am Leibe trägt’
3.3
obe/über/ûzerhalp der ~
u.ä. ‘außerhalb des Gürtels:
außer dem, was jmd. am Leibe trägt’
3.4 jmd. verzichtet mit der ~
, d.h. unter symbol. Darreichung seines Gürtels, auf einen Besitz (vgl. GrimmRA 1,216), wohl um anzuzeigen, dass er nichts davon für sich oder seine Erben zurückhält 4 übertr., astronom., ‘die Erd- bzw. Himmelskugel gürtelartig umgebender Kreis;
Zone’
1
allg.:
der gurtel drier stucke ist [besteht aus drei
Teilen] : rinke, senkel, borte JTit
5561,1;
ir gürtel was ein rieme smal Neidh
SL 21:7,3;
den gvͥrtel ob der krenke / vier reif enbor hielten; /
dez gvͥrtels si so wielten, / daz er sich niht lie zetal
TürlArabel
*A 297,26;
mit guotin gurtlin langin, / beslagin mit goltspangin
Athis
C* 67;
ainen routten gürtell tuond sy im vmb SchwSp (W)
418,21;
vnd svlen brvder vnd swester geistlich gvrtel tragen
SpitEich
6,19;
daz [
kint
] truoc an dem
gürtel sîn / ein mæzigez teschelîn UvZLanz
5807;
sît man schuolbuoch in die hant / krumpte und durch die gürtel want
Renner
16478;
das er [Bauer]
[...] haben sol / under sîm gürtel
[...] / ein krumbes messer Ammenh
9736;
daz er im daz ledelîn / brach von deme gürtel sîn
KvWHerzm
394;
(bildl.:)
wenn [...] wir uns gürten mit der
gürteln der käuschait und der rainikait BdN
59,28;
NibB
636,2;
Helbl
1,316;
KvWTroj
980;
PrGeorg
8,32.
–
irn gesâht nie âmeizen, / diu bezzers gelenkes pflac, /
dan si was dâ der gürtel lac Parz
410,4;
dâ der gürtel iren lîp / bevienc an der krenke UvEtzWh
1644;
HvNstAp
15086.
–
unde sô ez niht mê mac fürbringen ze hôhverte [wenn jmd.
seine Hoffart auf keine andere Weise zeigen kann] , sô rücket
daz den gürtel hœher, sô krümbet daz den huot ûf PrBerth
1:83,16.
1:527,9.
– in Zusammenhang mit üppigem / kargem Essen:
daz er die gürtel witer lat TannhHofz
126;
des gürt ich drîer loche / an der gürtel mîn hin hinder
[schnalle den G. um drei Löcher enger]
Helmbr
1121
2
die Taille, Gürtellinie mitbezeichnend, mit Präp.:
[jmdm.] daz klaide bi dem gúrtel ab sniden
PrGeorg
45,37;
sî gegeben iu für eigen / mîn lîp, als ich gegürtet bin, / niderhalp der
gürtel hin / oder oberhalp der gürtel mîn Heidin I
860;
daz har [...] swang im [...]
uber den gurtel hin zu tal WolfdD (H)
8,4;
vf den gurtel ginc ime der bart Roth
3508;
Er
2083;
[Helena] was enmitten cleine / und umb den gürtel wol
gedrât KvWTroj
20001;
underhalp gurtels er in stach Virg
722,11;
ein kint was an sînen liden / krump von der gürtel niden LvRegFr
4448;
Roth
1371;
Serv
524;
Wig
6937
3
in rechtsspr. Wendungen bzw. Kontexten
3.1
als in der ~ bevangen hat, als er mit (der) ~ be-, umbevangen
ist u.ä. ‘nur mit dem (vom Gürtel zusammengehaltenen) Hemd
bekleidet, notdürftig bekleidet’ (vgl. GrimmRA 1,215; H. Hirsch, Die hohe
Gerichtsbarkeit, Prag 1922, S. 55):
[freier Abzug der Belagerten:] daz ie der man her ûz
gienge, / als in diu gurtel umbevienge, / und sîn swert in der hant
Ottok
10941;
swenn ein schedelich man in dem hof gevangen wirt, so sol im
[dem Marschall von Kärnten] in der hofmarschalch
antwurten, als in der gurtel bevangen hat und sol er selb uber in rihten
UrkÖsterrErbl
161,38
(a. 1307).
–
als er mit guͤrtel umbvangen ist [
sicut
cingulo est accinctus
]
UrkPölt
56
(a. 1243);
UrkCorp (WMU)
706,18.
1100AB,41.
3167AB,5.
– in gleicher Bed. auch bî der ~
(cingulotenus):
StiftStBernh
165
(a. 1294 kopial)
3.2
als diu ~ bevangen hât und daz jmd. under der
~ hât u.ä. ‘was jmd. am Leibe trägt’
ez sol dehein leitgeb cheinem burger
[...] iht geben noch hintz im niht
weren [bürgen] , niur als diu guͤrtel
bevangen habe, er welle im sein danne beiten [ihm dafür
Zahlungsaufschub gewähren] ân vanchnuͤzze
StRMünch
195,17.
248,3;
daz chains mans chint oder knet oder ander gesinde, daz an seim prot ist,
icht mer vortopeln mug, den sein gewant, daz er an hat, und sein guertel
umvangen hat StRBrünn
360.
–
swaz er [Schuldner] hinnan
fur gewinne uber drizzik phenninge ane daz er under der gurteln habe, daz er
ieme [Gläubiger] davon gelte unz im vergolten
waerde StRAugsb
224,11.
70,29;
kaynes mannes sun, knecht oder frewnt, der sein prot ist oder sein
gewant treit, mak nicht mer ym vorspilen, denne was er vnter seinen gurtil
beheldet StRIglau
256
3.3
obe/über/ûzerhalp der ~
u.ä. ‘außerhalb des Gürtels:
außer dem, was jmd. am Leibe trägt’
der da verspilet, mag nymmer verlisen nvr das, daz er vber seiner gurtel
hat StRPrag
12;
als er an beraitschaft bei jme hat an dem gwandt außerhalb der gürtl
BWB (Sch)
1,944
(a. 1335);
das eyn iclich wirt keynen man [...] hoher spilen
lase [...], den her ubir den gurtil vorpfenden muge
UrkBresl
101
(a. 1324);
StRRain
366
3.4
jmd. verzichtet mit der ~
, d.h. unter symbol. Darreichung
seines Gürtels, auf einen Besitz (vgl. GrimmRA 1,216), wohl um anzuzeigen, dass
er nichts davon für sich oder seine Erben zurückhält:
wann ich ze denselben zeiten ains kindleins swanger war, han ich mich des
vorgenanten hofs genzlich mit dem [l. der
]
gurtel verziechen die ich gerekt [=
gerecket
] han, da engegen
[zugegen] waren unsere gemægen und auch der
[l. des
] kindleins, daz ich ze
denselben zeitten unter meinem hertzen trug UrkRott
1,443
(a. 1343)
4
übertr., astronom., ‘die Erd- bzw. Himmelskugel gürtelartig umgebender Kreis;
Zone’
[der Äquator] haizt auch dez obersten waltzhimels
guͤrtel [
cingulus primi motus
] ,
daruͤmb, daz er dez selben himels lauf ze mittelst uͤmbgreift
KvMSph
20,13;
die zwu
guͤrteln [
zonae
] , die
uͤmbslozzen werden von dem pernkraizze [
a circulo
arctico
] und von dem widerpernkraizz
[...], die sint unwonhaft durch der grozzen kelden
kraft ebd.
33,3
MWB 2 1053,58; Bearbeiter: Bohnert
gürtelære
stM.
‘Gürtelmacher’
gurtlær und irhære [Weißgerber] , /
hantschuostær und buochlære Ottok
65691.
– in Personennamen:
Wernher der Gv́rteler UrkCorp (WMU)
2948,4;
UrkStraßb
3:264,10-17
(a. 1317)
MWB 2 1055,38; Bearbeiter: Bohnert
gürtelbant
stN.
‘als Gürtel dienendes Band’
si dolten grôze armuot: [...] / seil wârn in
gürtelbant, / boese was ir nidergewant LvRegFr
1637;
an deme gurtilbande / truc he [Wundarzt]
manchirhande / isen PfzdHech
309,6;
HvBer
7209
MWB 2 1055,43; Bearbeiter: Bohnert
gürtelborte
swM.
‘als Gürtel dienender borte
’
do truͦgz ain guͥrtelborten, / der waz ze allen orten / gelich
dicke vnde brait; / [...] ain agestain duͥ ringe
[Schnalle] waz JvKonstanz
705;
daz sîn gürtelborte / ein henfîner fuoterstric / würd Helbl
8,316;
daz si wurken inden ramen / wol kund gurtelborten
SHort
2164;
gúrtel borten wol beslagen / von silber ebd.
6990
MWB 2 1055,48; Bearbeiter: Bohnert
gürtelgewant
stN.
‘mit einem Gürtel versehenes Gewand’
ich hab gesundet mit guͤrtel tragen, mit schonem guͤrtelgewant
DtBeichten
166,262;
[vom Besitz eines Verstorbenen] sol ainem waybel
[...] werden gürttelgwanndt oberes und unndres, kappen,
hosen und schuh WeistGr
1,293
(a. 1330);
ich schaff mein guͦrtelgewant [...], daz man
vier chelich bereit [...] durch meiner sel hayl
UrkRegensb
696
(a. 1350);
WolfdA
75,1
(s.a. Meier zu Schultz, Höf. Leben 24,291);
UrkEnns
7,146
(a. 1349);
WeistGr
1,240
(14. Jh.)
MWB 2 1055,56; Bearbeiter: Bohnert
gürtellîn
stN.
auch gürtelîn.
‘kleiner Gürtel’
im [Mädchen] lag vil nah bi den
ziten [= sîten
] / ain gúrtellin von
siden smal SHort
2827;
[um die Brünne] lag eyn gurtelin, /
[...] da von iz
[
getwerg
] hatte zcwelf manne craft
LaurinA (L)
187.
508;
an sînem [des Wirtes (Schachfigur)] gürtellîn / die
slüssel hangent Ammenh
15726;
si [Frauen] wend ouch haben kleinôt kluog, /
schapel, gebende und gürtellîn ebd.
4947;
sô danne etelîchez niht mêr hôhvart mac getrîben, sô rücket ez die gürteln
[La. daz gurtlin
] hôher PrBerth
1:527,9;
EnikWchr
8107;
AristPhyll
409.
480;
HvNstAp
12577;
StRAugsb
42,14.
– die Taille, die Mitte zwischen Ober- und Unterleib mitbezeichnend:
oberhalben dem gurtelein / merckt man di prustelein, /
niderhalben sicht man di stat / da di mynne
zalaschs [Herberge] hatt HvNstAp
15089;
ir zöpfe liehte unde val / hiengen verre hin ze tal / biz ûf der mägde
gürtellîn WvRh
1395
MWB 2 1056,3; Bearbeiter: Bohnert
gürtelmaget
stF.
‘Kammerdienerin, Zofe’
[Elisabeth] bi ir gurtelmeiden was: / si legete abe ir
her gewant, / ein armes cleit si umme want Elis
2440;
di selege [...] zu dal / zu den gurtelmeden ginc: /
mit in ir kosen si gefinc ebd.
1185.
2449.
2756.
2993
MWB 2 1056,22; Bearbeiter: Bohnert
gürtelsenke
stF.
‘der durch die Schnalle gezogene und zur Erde herabhängende Teil des
Gürtels’, bildl.:
[mächtige Könige,] der prise
[Pl.] gurtel senke truͦgen, die vil tiefe
kunden vallen JTit
5342,2
MWB 2 1056,27; Bearbeiter: Bohnert
gürtelsenkel
stM.
‘Endstück des durch die Schnalle gezogenen Teils des Gürtels’
ain gúrttel mit edelm gestain – / das der gúrttel
senckel solte sein, / das was ain karfunckel hoch erkant, / die ringken ain adamas
genannt FrSchw
7958
MWB 2 1056,31; Bearbeiter: Bohnert
gürtelsenken
stN.
‘das Festerziehen des Gürtels, wodurch sich dessen herabhängendes Ende verlängert
und tiefer zur Erde gesenkt wird’
ir gürtelsenken / machet, daz ich underwilent liebe muoz
gedenken Tannh
11,11
MWB 2 1056,36; Bearbeiter: Bohnert
gürtelsnuor
stF.
‘als Gürtel dienende Schnur’
[wer] kwecksilber [...] seudet
mit paumöl und ain gürtelsnuor dar ein daucht und die tregt BdN
305,22;
der sechste vende [Schachfigur, einen Gastwirt
darstellend]
[...] treit an sinir gurtilsnur / sluzzile PfzdHech
319,33
MWB 2 1056,41; Bearbeiter: Bohnert
gürtelspengelîn
stN.
‘kleine Gürtelschnalle’ oder ‘kleine Zierspange am Gürtel’ (vgl.
Schultz, Höf. Leben 1,275):
bulla: geziert guͤrtelspengli VocOpt
18.052
MWB 2 1056,47; Bearbeiter: Bohnert
gürtelstole
stF.
‘als Gürtel dienendes (stolenbreites?) Band’ (vgl.
gürtelbant):
[der Läufer (Schachfigur)] trug an siner gurtilstol /
eine buchse brive vol PfzdHech
338,33
MWB 2 1056,51; Bearbeiter: Bohnert
gürteltiubelîn
stN.
s. zu gürteltûbe.
‘kleine Turteltaube’
daz guͤrteltaubel hat den oren [=
orden
] : / wann ez hat sein genoͤzzel floren,
/ ez gezwait sich nymmer mer Teichn
261,1
MWB 2 1056,55; Bearbeiter: Bohnert
gürteltûbe
swF.
bair., wohl dissimiliert aus turtel- (vgl. Suolahti, Vogelnamen S.
217).
‘Turteltaube’
tûben und gürteltûben und spatzen PrBerth
2:248,37;
als Symbol ehelicher Treue:
iurs lîbs ich pflac an aller stat / als einer gürteltouben
EnikWchr
A II,1003
MWB 2 1056,59; Bearbeiter: Bohnert
gürten
swV.
tr. und refl., selten intr. (s. unter 7 und
8.2).
1 jmdn./ sich ~
‘jmdm./sich einen Gürtel (o.ä.) umlegen’
1.1 allg. 1.2 mit präp. Angabe des Gürtels ( mit/ in ) 1.3 mit präp. Angabe, wo der Gürtel liegt 2
‘jmdm./sich ein Kleidungsstück an-, umlegen (und mit einem Gürtel schließen,
befestigen); ein Tuch umbinden’
2.1
sich ( mit einem Gürtel) in ein Kleidungsstück
~
2.2 jmdn./ sich ( mit einem Tuch)
~
3
‘jmdn./sich mit einem Schwert umgürten’
4
‘etw. umbinden, befestigen’
4.1 Schwert. 4.2
‘einen Brustpanzer (mit Gurten) befestigen, festzurren’
4.3
‘ein Tuch, einen Schleier umbe jmdn./sich binden’
4.4 etw. ûf ein Reittier
‘etw. auf einem Reittier mit Gurten oder Seilen befestigen’
5 mit Akk. des inneren Objekts (Gürtel, Sattelgurt) 5.1
‘einen Sattelgurt festmachen, festzurren’
5.2
‘einen Sattelgurt an einem anderen befestigen’
5.3 einen Gürtel über/ under einem anderen Kleidungsstück oder
Rüstungsteil
~
‘anlegen, umschnallen’
5.4 einen Gürtel umbe jmdn./sich , (jmdm.) einen Gürtel
umbe seinen Leib
~
‘binden, legen, schnallen’
6 etw. von sich
~
6.1
‘etw. (Schwert) durch Lösen des Gürtels abnehmen’
6.2 mit Akk. des inneren Objekts, ‘einen Gürtel lösen, abnehmen’
7
an der gürtel hin hinder ~
‘den Gürtel enger schnallen’
8 ein Pferd / einem Pferd ( wol/ baz )
~
‘an einem Pferd den Sattel mit Gurten befestigen, den Sattelgurt
festzurren’
8.1 mit Akk. 8.2 mit Dat. 8.3 mit Ersparung des Obj. 9 mit Sachsubj., ‘etw. umfängt, umschließt jmdn.’
1
jmdn./sich ~
‘jmdm./sich einen Gürtel (o.ä.) umlegen’
1.1
allg.:
wie was der junge âne bart / geschicket, do er gegürtet
wart? Parz
307,8;
sî gegeben iu für eigen / mîn lîp, als ich gegürtet bin, / niderhalp der
gürtel hin / oder oberhalp der gürtel mîn Heidin I
859;
stant ûf und gurte dich und tu ane dînen rock und tu an dîne hosen
HvFritzlHl
170,24;
er gurte sich [...] unt nam eine
houwen an sîne hant unt gienc hine zû der stat [...]
unt begonde zû grabene PrMd (J)
345,14;
gürte dich vnd bereite daz abentezzen
EvAug
182,11.
168,3;
so gurte wir die lanche [Lenden]
VMos
42,15.
41,17;
Exod
2513;
Rennew
34735
1.2
mit präp. Angabe des Gürtels (mit/ in):
dâ mit [mit zusammengenähten
Feigenblättern] si [Adam und
Eva] sich gurten, die scante si verburgen Gen
368;
dâ si sich mite gorde / daz was ein tûre borde En
1715.
12263;
etswenne gienc Marjâ gegurt / mit einer snuor von garn gewurht
Philipp
8804;
ainen menschen, der sich gegürtt hât mit ainer slangen
BdN
468,29;
Eracl
3806;
PrGeorg
46,5;
BrEb
22;
swenne ich mich gegürte / in einen borten Neidh(HW)
LI,30.
– bildl.:
mich dûhte ein vrowe gecleidet wol, / diu ze nâhest an ir hæte / ein
hemede ganzer kiusche vol, / gegürtet ouch mit wernder stæte RvZw
337,4;
swer schande hât und schande gert, / den lâ sich gürten mit der
schanden borten Boppe
1:23,14;
und sint gegúrtet mit der gerehtikeit und
geschúrtzet Tauler
406,29;
BdN
59,27;
Mechth
6: 1,117.
– übertr., ‘jmdn. mit etw. versehen’
[jmd. ist] mit tugenden sô gegurt, / daz er sîn
rein gemüete / wendet an rehte güete ErnstD
4510;
[Maria,] beiage uns die hulde dines suns, / der
dich mit sælden hat gegurte! StrKD
22,23;
mit hohfart gegurt ebd.
119,536.
12,164;
PsWindb
92,Oratio
1.3
mit präp. Angabe, wo der Gürtel liegt:
[Christus ist] gekleit mit podere [lat.,
‘Talar’
] und gegurtit ubir die zitzen mit einer
guldinen snur KgsbApk
1,13;
swâ sî slâfent, sô sulen sî ligen gegurtet ûf ir
hemede [mit dem Gürtel über dem Hemd]
StatDtOrd
44,21;
[wer] sich gúrtet zwúschent zwene
berte [d.h. erwachsen ist, vgl. Germ. 29 (1884), S.
25]
WeistGr
1,366
(vor 1341)
2
‘jmdm./sich ein Kleidungsstück an-, umlegen (und mit einem Gürtel schließen,
befestigen); ein Tuch umbinden’
2.1
sich (mit einem Gürtel) in ein Kleidungsstück
~
:
des selbin gemerkis / was ein roc ir gesnitin
[...]; / da hete sie sich ingegurt / mit einin
beslaginin bortin Athis
D 162;
do gurte her sych in synen rok, wen her waz bloz gewesen
EvBerl
90,30;
junger man mit barte gürtet sich in tôren wât KLD:Namenlos
D 232:3,5.
– übertr.:
[in Gottes] genâde wil ih gân / unde wil mih
gurten / in des heilegen gotes worten Segen 4 (MS)
7
(anders DWB 4,1,6,1193 s.v. gürten
B,d: etwa i.S.v. ‘wappnen’)
2.2
jmdn./sich (mit einem Tuch)
~
:
her [...] begonde czu wasschene
der jungeren vuze unde czu truckene mit dem tuche do mit her gegurt
waz [
linteo quo erat praecinctus Io
13,5]
EvBerl
65,27;
do her sich mit eyme lylachene gegurt hatte ebd.
65,25;
PrMill (S)
52,22.
–
her [...] legite von ime sîne cleidere; und
dô her genam ein lînen tûch, dô gurte her sich EvBeh
Io 13,4
3
‘jmdn./sich mit einem Schwert umgürten’
mîn sun Gad, vile wole dir daz swert stât. / gegurter dû
fihtest, dîn liut scirmist Gen
2882;
gedenke an hohe vürsten, / die sich hie vor durch vrouwen gurten, / an turnei
tjost mit strit behurten Frl
3:28,4;
mit präp. Angabe des Schwertes:
si gurten sich mit sverten VMos
30,21.
54,28.
– jmdn. zuo ritter
~
‘jmdn. (in der Schwertleite) zum Ritter machen’
daz he zcu rittir wirt gegurt PfzdHech
220,3
4
‘etw. umbinden, befestigen’
4.1
Schwert.
–
‘(jmdm.) ein Schwert (mittels des daran befestigten Gürtels) umbinden’
[der beste Held,] der
[...] immer swert gegurte KlageC
1260;
(Part.-Adj.:)
mit einem gegurten swerte SchwSp (W)
45,1;
auf die Schwertleite bezogen:
morne sal ich uch gurden swert / ind ouch ritter machen
KarlGalie
2817;
MorantGalie
2216;
Lanc
291,27
u.ö.
–
mit einem Gürtel (vgl. 1.2):
dâ mite man ez [Schwert] gorde, / der
vezzel was ein borde / alsô breit sô ein hant En
5748.
–
über dem Waffenrock:
dar
über [
wâfenroc
] gurte im Marke ein
swert Tr
6578.
–
umbe jmdn./sich/ seine Taille:
er gurte ein swert vmbe sich Herb
18297;
Wh
67,10.
140,16;
Wig
1647;
RvEWchr
17690;
ich [...] solde ouch nimmer swert / gürten
umb mîne sîten Helmbr
1171
4.2
‘einen Brustpanzer (mit Gurten) befestigen, festzurren’
dirre im die platen gurten tet [ließ sich den
Panzer anschnallen] , / jener in die hosen schûte sich
Kreuzf
6198;
ieder herre [...] / gurtte sine
blatten bas GTroj
15804
4.3
‘ein Tuch, einen Schleier umbe jmdn./sich binden’
daz er die twehelen vnbe sich gurte Lucid
108,15;
EvStPaul
13380.
13386;
ain schleier [...], / der umb
Marien was getan, / gegúrtet und gebunden WernhMl
14059
4.4
etw. ûf ein Reittier ~
‘etw. auf einem Reittier mit Gurten oder Seilen befestigen’
an Ihesum sie ez [Eselfohlen] gefurten, / ir
heze [Kleider (als Sattel)] dar vf gurten / vnd
[...] Ihesum dar vf gesasten EvStPaul
9589
5
mit Akk. des inneren Objekts (Gürtel, Sattelgurt)
5.1
‘einen Sattelgurt festmachen, festzurren’
gürtet iur vürbüege. / ez muoz ein just von uns geschehen LaurinA
354.
362
5.2
‘einen Sattelgurt an einem anderen befestigen’
die darmgurteln wâren sîdîn, / veste unde lange, / und die antphange, / dâ
mans ane gorde, / daz was ein tûre borde En
5283
5.3
einen Gürtel über/ under einem anderen Kleidungsstück oder
Rüstungsteil
~
‘anlegen, umschnallen’
sie gurte den gu̍rttel zü hant / v̇ber ir öberstes gewant
Krone
23317;
er gnâdet im und gurte dô / den gürtel under sîn îsengwant
Wig
630
5.4
einen Gürtel umbe jmdn./sich ~ , (jmdm.) einen Gürtel
umbe seinen Leib
~
‘binden, legen, schnallen’
ouch wart vrouwen Ênîten / gegurt umbe ir sîten / ein rieme von Îberne
Er
1557;
den gürtel gurter umbe sich Wig
537;
daz gürtellîn [...] solt du gürten umb dînen lîp
LaurinA
1393;
JenMartyr
2.
– bildl.:
fro Minne hat ir liebe strik / gegvrt vmbe die
gelieben zwei TürlArabel
*A 310,17
6
etw. von sich
~
6.1
‘etw. (Schwert) durch Lösen des Gürtels abnehmen’
daz swert er von im gurte und leit ez von der hant NibC
1683,2
6.2
mit Akk. des inneren Objekts, ‘einen Gürtel lösen, abnehmen’
den [
porten
] kunde si nu von ir
gurten JTit
1283,3
7
an der gürtel hin hinder ~
‘den Gürtel enger schnallen’
des gürt ich drîer loche / an der gürtel mîn hin hinder [schnalle
den G. um drei Löcher enger]
Helmbr
1120
8
ein Pferd / einem Pferd (wol/ baz)
~
‘an einem Pferd den Sattel mit Gurten befestigen, den Sattelgurt
festzurren’
8.1
mit Akk.:
Menelaus [...] hiz sin ros
gurten baz Herb
7102;
wære ir pfert niht wol gegurt, / si wære gevallen
schiere Parz
777,12;
Hector [...] gieng zü sinem
marcke, / gurtten er es vast began GTroj
12551;
Virg
44,1;
Rab
504,1.
592,1
8.2
mit Dat.:
[ich] gurte mînem orse baz Iw
707;
dô was ouch Gringuljeten gegurt Parz
340,29.
611,19;
Herb
1443;
Wig
2301;
HvNstAp
6331;
subst. Inf.:
grôz arbeit ez
[
ors
] ringe wac
[...]. / er dorft im keines gürtens
wonen [brauchte dem Pferd den Gurt nicht fester zu
schnallen] / doch [auch nur] eines
loches nâher baz, / swer zwêne tage drûffe saz Parz
161,14.
– vereinzelt auch: einem Reiter
~
‘für ihn den Sattel festzurren’
sich huop ein grôzer buhurt. / swem dâ niht was wol gegurt, / der moht
sich vallens wol bewegen Mai
234,38
8.3
mit Ersparung des Obj.:
si hiessen paß gürten HvNstAp
17728;
JSigen
59,1
9
mit Sachsubj., ‘etw. umfängt, umschließt jmdn.’
als er die vrowen ane greif, / ze tal ez
[Zauberschwert] auz der scheide sleif / vnd gurt in
enmiten als ein reif. / seinen leip ez [...] twanc
Krone
8577.
– bildl.:
ein liebe ir beider libe gurt TürlArabel
*R 9,17;
Karl wart div rede swære, / den doch mænlich ellen gurt
ebd.
*R 30,13;
sin art dvͥ tvgent gvͥrtet ebd.
F 172.
*A 84,17
MWB 2 1057,1; Bearbeiter: Bohnert
gurthose
swF.
‘an einem Gurt (dem lendenier) befestigte Beinrüstung’ (vgl.
Schultz, Höf. Leben 2,34):
gurthosen, halsperc unde swert, / kursit unde platten
Ottok
58806
MWB 2 1059,32; Bearbeiter: Bohnert
gusrëgen
stM.
‘Platzregen’
alsô wurdin si [die Beete der Apostel]
[...] gefûhtet mit deme guseregene TrudHL
81,20;
[die an dich glauben, sollen] uon neheinen dere bechorunge
gusregenen [: imbribus
] gescuttet
[...] werden PsWindb
124,Oratio.
– als Bestandteil von Personennamen:
herre Sifrit [...] gehaizen Gvsregen UrkCorp
(WMU)
2022,40
MWB 2 1059,36; Bearbeiterin: Herbers
güsse
stFN.
1
‘Überschwemmung, Überflutung’
2
‘(Er)guss, Strom’
2.1
‘Fluss, Sturzbach’
2.2 übertr.
1
‘Überschwemmung, Überflutung’
bediu gras unt chorn / von der gusse wirt verlorn Warnung
1996;
jst, das die graben vmbe dv maten vervliessent von vberiger
[übermäßiger] gusse UrkCorp (WMU)
N818,29.
2716,32;
UrkKlostern
1,78
(a. 1302);
bî der naht er [der Graf] die
[Dämme] ûf brach / unde macht ein gusse grôz, / wand
daz wazzer mit kreften flôz Ottok
11308.
9071;
swer ein hûs ûf einen stein bûwet, daz mac der wint niht umb gestôzen noch der
regen niht erweichen noch daz güsse niht undergraben PrBerth
1:44,36
u.ö.
– Sintflut:
ûz der archen wîlent liez / einen raben her Nôê, den er hiez / den
gevangen bringen liebe mêre, / ob daz güse verflozzen wêre Renner
2518;
dô wert diu güss und der regen, /
[...] vierzic tag und vierzic naht
EnikWchr
2583.
2637;
wir boͤsern vns von tag zu tage, / da von geschicht uil manig plage
[...]: / heuschrecken, guͤsze, vnd grozen
meẏn Hornb
1:129
2
‘(Er)guss, Strom’
2.1
‘Fluss, Sturzbach’
die zeher gelichent sich der gvsse. div vaste zetal loͮffet vnt die
steine mit ir vuert PrLeys
16,29;
dô huob er ûf unde tranc: / einen trunc, der grôze güsse truoc
Weinschwelg
185.
139;
mînes sinnes kraft vert oben hin / [...] als über
ein güse ein dürrez rîs Renner
13948;
Jüngl
560.
– von Regen:
div gvsse trvbet die brunnen Warnung
2255;
güsse schadent dem brunnen MF:Her
6,Zusatzstr.1.
– bezogen auf Tränen:
sîn kumber leider was ze grôz: / ein güsse im von den
ougen vlôz Parz
93,6.
25,29;
manic liehtes wange sich begoz / mit wazzerlichen
guͤzzen Rennew
7517.
20970;
haisser trehen gússe SHort
8007;
die sungen manic klageliet / mit grôzer zeher gusse
Ottok
86553.
9951.
24651.
– bezogen auf andere Flüssigkeiten:
nu seht, welch not da was, / daz velt, bluͦmen unde gras / uber
al von blute ran. / man sach die gusse
[Blutströme] enowe gan, / sam von regen
tuͦt ein pach Dietr
9259;
von beche unde von swebele / groze güsse ouf mich vielen Serv
3495
2.2
übertr.:
herre, durch iwer werdikeit / überhebet mich
verderbnusse / in diser urliuges gusse Ottok
35341;
grôzer sorgen gusse / ir herze begôz ebd.
65914.
71920;
wirf in mit zornes guͤße / in die uzzern
vinsternisse HvNstGZ
7250;
deser kentnisse gusse / kumpt von des mundes kusse
Brun
12153;
MvHeilFr
63;
Baumgart
198,45
MWB 2 1059,44; Bearbeiterin: Herbers
gütel
stMN.
Dimin. zu Gott ‘Götze’ oder ‘Dämon’? (vgl. DWB 4,1,6,1411):
dîn got ist ein gütel, daz geloube âne spot. / er kan mit sînen kreften machen
niht den wîn: / din got gên dem mînen muoz ein gougel sîn WolfdB
578,2
MWB 2 1060,27; Bearbeiterin: Herbers
gütinne
stF.
→
götinne
MWB 2 1060,32;
gutta
Subst.
aus lat. gutta (s.a. Gutt DWB 9, 1477 ).
‘Gicht’
swenne er [Harn] aber gar bliuar ist.
so bezeichent er den sichtum der da heizet gutta SalArz
115,29.
115,17.
113,25.
114,1
MWB 2 1060,33; Bearbeiterin: Herbers
guttrël
stN.
s.a.
kuterolf
;
aus lat. gutturnium? (vgl. Suolahti 1,102; Vorderstemann, Fremdw.
99).
‘enghalsiges Trinkgefäß’
wir sulen [...] in die clâren brunnen /
hâhen guttrel von glase Wh
326,17
MWB 2 1060,37; Bearbeiterin: Herbers
gützen
swV.
‘vergießen, verschütten’
waz bluͦtes samen [Blutstropfen]
/ von in [gefangenen Vögeln] do wart geguͤtzet
WhvÖst
8313
MWB 2 1060,41; Bearbeiterin: Herbers
guʒ
stM.
auch gütze.
1
‘das Ausgießen, Sich-Ergießen von Flüssigkeit’
1.1 aus einem Gefäß 1.2
‘Regenguss’
1.3
‘Flutwelle, Sturzbach, reißender Strom’
1.4 von Blut 1.5 von Pech 1.6 übertr. 2
‘Guss’
2.1
‘das Gegossene, Erguss’
2.2 übertr. 3
‘Gussform’
1
‘das Ausgießen, Sich-Ergießen von Flüssigkeit’
1.1
aus einem Gefäß:
dô der stolze Iwân / sînen guz niht wolde lân / uf der
âventiure stein Parz
583,30
1.2
‘Regenguss’
gerigens wazzirs guz RvEWchr
1629;
von dem tage nie wazzers guz / uf das ertriche kam
ebd.
34338;
es waz in der naht ein gús wassers komen, und
waren die beche gross Seuse
71,15;
in regenes guzze HeslApk
18742;
[Traumbild:] mit krache gap der doner duz: / brinnde
zäher was sîn guz Parz
104,6
1.3
‘Flutwelle, Sturzbach, reißender Strom’
dâ von koment dike grôz güzz auz den pergen
BdN
113,20;
ob aver holtz auf der Yser von guͤzzen oder
suͤst ân danch an die prugk rinnet StRMünch
354,16;
ein wazzer chlain / [...]
swellet [...] ez pricht weit / und wiͤrt ein
grozzer guͤzz der van Teichn
123,39;
Parz
603,7
1.4
von Blut:
mit bluote gaber [der abgetrennte
Löwenfuß] solhen guoz / daz Gâwân mohte vaste
stên [kaum noch stehen konnte]
Parz
572,2;
[die Ungarn] heten ouch darumb erliten / vil manigen
bluotes guz Ottok
40779.
45866;
bluͦtes gutze [:
geschuͤtze
]
WhvÖst
19040
1.5
von Pech:
[die Sünder] moessen sich gemelen
[beflecken] / in der hellen putze
[Höllenpfütze] / in [l.
und
] in des heyssen pechs gutze
Karlmeinet
469,21
1.6
übertr.:
dû bist der brinnden minne vluz, / der minnend giuzet manegen guz / und
süezen duz / in brinndiu minndiu herzen LobGesMar
76,2;
nun merkend wie der suͦsse Jhesus / von ÿmmerwerender minne
guss / sich geben wolt durch úns in not / und och in den vil grimmen
tod! KvHelmsd
1130.
–
der may hat da sinen guz / in manig rosen gegozzen
WhvÖst
6796
2
‘Guss’
2.1
‘das Gegossene, Erguss’
den ersten gutz [von Wein] nemen UrkEssl
382
(a. 1343)
2.2
übertr.:
alz si [die Freude im Herzen] an Johannes waz,
da Johannes nicht ein menschen alein daz wort enphinch sunder got in dem
menschen mit dem gusze der gnaden seiner gnaden Eckh (J)
58,21;
in tugenthafter lere / solde wesen da ir [der
Hauptstadt] guz, / mit der gerechtikeite vluz: / daz ist die
groze Roma Pass III
49,35;
si [
barmherzekeit
] pfliget ouch in
ir guzzen / noch hute vil genugen / mit ir snelle vugen
[Geschicklichkeit] / uz untugenden vlozen ebd.
4,32;
Elis
10339
3
‘Gussform’
er sprach: sin muͦt wirt als ein zin / daz uz dem guzze
glentzet WhvÖst
577.
– von der Natur (vgl. FrlWB 139):
wie, wa und wenne tete ez der naturen guz? Frl
10:2,13
MWB 2 1060,44; Bearbeiterin: Herbers |