Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   grûwen - güeten    


grûwen stN. ‘das schreckenerregende Verhalten’ [der Löwe] begie grosze hochfart / mit lymmen vnd mit grauwen, / mit schrien [...], / da er den [anderen] lewen sah toten Krone 13277

MWB 2 995,29; Bearbeiter: Tao

grûwenisse stNF. ‘Grauen, Schrecken’ [Höllenstrafen:] hitze kelde vinsternisse / worme stank und gruwenisse [ horror ] Brun 6401

MWB 2 995,33; Bearbeiter: Tao

grûwesal Adj. ‘grauenvoll, schrecklich’ do wart gotes gerichte in hart, / wand si [...] iamerlichen tot erkurn / mit gruwesalen gelazen Pass III 60,49

MWB 2 995,36; Bearbeiter: Tao

grûwesal stNF. 1 ‘Furcht, Entsetzen’
2 ‘Grauen Erregendes, Verabscheuungswürdiges’
   1 ‘Furcht, Entsetzen’ grusal [ formido ] wirt si bedecken Cranc Ez 7,18    2 ‘Grauen Erregendes, Verabscheuungswürdiges’ der tuͦuil [...] [...] machete michel gruͦwesal vffeme kirchove vnd groz gedoze [um einen reuigen Sünder zu vertreiben] PrLpz (L) 72,18; so sal der werlde itelkeit / dir sin rehte als ein gruwesal Vät 15183; ein gebot [...] : / rure nicht den witzestam [Baum der Erkenntnis] ! / gruwesal daz undernam [verhinderte die Einhaltung des Gebots] : / valschir rat, dy slange, [...] / trueloz zu Even quam, / bruch der dinge schicte Cranc Vorr. 27

MWB 2 995,39; Bearbeiter: Tao

grûwesam Adj. 1 ‘Grauen, Schrecken erregend, schrecklich’
2 bezogen auf den Geschmack: ‘abscheulich’
   1 ‘Grauen, Schrecken erregend, schrecklich’ der meister machte vier rat [Räder als Folterwerkzeuge] , / ein werc also gruwesam, / daz manigem sin herze erquam / an angestlichem schricke Pass III 683,67; doch irschrac er sere davon / daz daz her so gar gruwesam / unde mit kraft da here quam Macc 10825. 4999; daz vierde tier [...] groz, starc, gruesam Daniel 5765; daz iz [Tier] ein geschrei irhûb / mit sô grûwsamir stimme NvJer 18156; [der Edelstein Saphir] hailt swern und schäuht den grausamen siehtum, der daz antlütz negt BdN 457,32; mir wider lief / ein gesichte, do ich slief, / gruwesam, daz min sinnen / vorchte wurden gewinnen Daniel 3529; daz der han des nahtes die unrehten und die grausamen fürsätz oder daz grausam bedünken an krankmüetigen läuten vertreib mit seim gesang BdN 192,19; ungelucke gruwesam Daniel 4753; NvJer 3342. 8419. – vom Aussehen, Anblick: der heilige lichame [Elisabeths] / inwas nit gruwesame, / an zu sehen eislich Elis 9384; in ougen blicken / gruesam was ir [der Säule] schicken [ intuitus eius erat terribilis Dn 2,31] Daniel 764; der tûvil aldâ vor in quam / in einre forme grûwesam NvJer 18919(S. 523); Sirene [...] habent [...] gar ain graussam antlütz BdN 240,10; sein [des Drachen] gesicht ist sô graussam den läuten, daz si ez niht erleiden mügent und daz si etswenn dâ von sterbent ebd. 269,5    2 bezogen auf den Geschmack: ‘abscheulich’ wenne die hund siechent, sô ezzent si ain kraut, daz grausam [ abhominabilis ] ist auf der zungen BdN 125,32

MWB 2 995,51; Bearbeiter: Tao

grûwesamlich Adj. ‘Schrecken erregend, schrecklich’ zu hand man da sach / ain grausamlich tyer gan, / daz waz frayslich getann GrAlex 3947. – ‘abscheulich, schändlich’ ich enmac niht sinnen / ze fleischlîcher minne. / dîn wille ist grûslîch [Konjekt.; Hs. grawssamleich ] / und dîn leben suntlîch MargAntioch II 325

MWB 2 996,19; Bearbeiter: Tao

grûʒ stMF. , grôʒe swM. Ansatz grôze (nur im SalArz belegt) unsicher; vereinzelt griuz ( Neidh ). 1 ‘(Getreide-)Korn, Samenkorn’
1.1 eigentl.
1.2 bildl. zum Ausdruck des Kleinsten, Geringsten, zur Verstärkung der Negation
2 ‘Brei’
3 wohl ähnl. wie nd. grût F. (vgl. Schiller/  Lübben 2,160f.): ein würzender Bierzusatz (vgl. DRW 4,1226f. und grutte swM., zur Sache s. a. LexMA 2,135f.)
   1 ‘(Getreide-)Korn, Samenkorn’    1.1 eigentl.: swenne aber daz korn wechset in kaldeme lande an trockener erden, so wirt iz swere vnde hat uil grozen SalArz 8,60; cassia fistula ist eines boumes frucht. vnde ist sin groze gut zu der ercenie ebd. 84,38; der groze [Nom. Sg.] ebd. 84,41; gift, diu was sô starc, / [...] daz ieman möht sîn genesen, / in swen si komen wære / einer grûz swære Ottok 78105. – ‘geschrotetes Korn, Grieß’ ein anderslachte korn [...] let sich ringe malen [...] vnde ist sin mel vnde sin groze ane maze linde SalArz 8,49    1.2 bildl. zum Ausdruck des Kleinsten, Geringsten, zur Verstärkung der Negation: sehet wie grôz ein grûz sî: / sô vil was dâ niht holzes bî Er 7526; als kleine ist ein grûz / verlieset ir hie nimmer niht, / die wîle man mich sîn hüeten siht Mai 183,32; ich enahte ûf iuwer drô / sô tiure niht als ûf ein grûz [überhaupt nicht] KvWTroj 34717; wizzet, daz er niht ein grûz / mêr gibet umbe ein ander wîp KvWPart 6888; daz [...] mir der ander als ein grûz [völlig unwichtig] / werden müeze in kurzer frist KvWEngelh 1116. (niht) umbe ein ~ u.ä.: nûne ist doch sô tiure als umbe ein grûz [nicht im Geringsten] / daz insigel verschertet KvHeimUrst 1028; Rittertreue 778; ezn vrumt in niht umb ein grûz / swaz ich im guotes gesagen kan Wig 114; und læget ir von hunger tôt, / ich gibe iu nimmer umb einen grûz [gar nichts] Helmbr 1757; Jüdel 149; Krone 28693; EnikWchr 8287. 18270; WhvÖst 607. niht gegen/  mit einer ~ : jâ, wæn, inder zwêne knaben / in allen diutschen rîchen / bezzer ez mit wîben haben / niht gein einer griuze Neidh WL 33:5,10; im war niht gegen einer grûz Eracl 1191; mohte wir allen minen win / no [= noch ] hinte getrinchen ouz, / daz wande [Konj. Prät. von wenden ] ich niht mit einer grouz StrKD 59,164    2 ‘Brei’ do wart Danyel sachen / zusamne [ s. z. ‘mischen’ ] pech, smaltz, die har; / sieden liez er disse par [Teile] / unde machte uz der grus / stucke [Klumpen] . dar nach er die mus / leite in des trachen munt Daniel 8049 (Dn 14,26)    3 wohl ähnl. wie nd. grût F. (vgl. Schiller/  Lübben 2,160f.): ein würzender Bierzusatz (vgl. DRW 4,1226f. und → grutte swM., zur Sache s. a. LexMA 2,135f.): dat jamerliche bir, dat du levende has gebruen, / du in maht it nimer verduͦwen; / dumbe mensche, dronc win [...]! / zuͦ dineme bire is bose gruz gemenget, / die dine sele zuͦ grozen noden brenget; / din bir [...] is wereltlich gewerf, / want it des hevils [Hefe] der minnen nit in hat, darumbe blivet it derf [ = derp ungegoren] Lilie 50,23 (oder doch i.S.v. ‘Getreidekorn’ zu 1.1 [vgl. Glossar z.St.]?). – das damit gebraute Grutbier?: [wer sich selbst um sein lob bringt,] im selbe schenket argen tranc vür gruz Frl 6:7,9. – Aufsicht über das Braugewerbe: dise dru amthe, den toil [= zol ] , den punderamth, de gruz, di insal se niet virpehtin UrkCorp (WMU) 59,41,37

MWB 2 996,26; Bearbeiter: Tao

grûʒeloht Adj. ‘körnig, sandig’, von körnigen Farbflecken eines Edelsteins: ‘gesprenkelt’ iacincti, der sint trieslaht: / einir ist rot unte gruzelot; der ist och aller staine tiurost PrüllS 2,2. – vom Harn, wohl bezogen auf die kornförmigen Bläschen auf der Oberfläche: swenne daz harn ist oben gruozeloht, zwâre sô ist daz houbet allenthalben siech Barth 129,4

MWB 2 997,23; Bearbeiter: Tao

grûʒwërt stN. so viel wert wie ein grûʒ, zur Verstärkung der Negation (vgl. grûz stMF. 1.2): sus schrîb ich mit vremder hant [mit unkundiger Hand über die Frauen] , / als der mit golde umbe gêt / des in niht grûzwert bestêt [von dem ihm kein bisschen gehört] Wig 7575

MWB 2 997,31; Bearbeiterin: Herbers

gubelnagel stM. zu gubel M. mit der Grundbedeutung ‘rundliche Erhöhung’ (vgl. SchweizId 2, 99). ‘Hufnagel’ gunfus: gubelnagel VocOpt 5.170

MWB 2 997,37; Bearbeiterin: Herbers

guc stM. ‘Kuckuck’ daz man bi súesser vogel sank / muͦs hóren [...] die warhait bi lúge, / die lerchen mit dem guge, / der us lat in gemainen schal SHort 5850

MWB 2 997,40; Bearbeiterin: Herbers

guc|gouch stM. auch gockengoch. 1 ‘Kuckuck’
2 als Spottname
   1 ‘Kuckuck’ cuculus: guggoͮch VocOpt 44.092. 44.093; ich hort von ainem guggoch / ain lobliches gedoͤn LügenrM 2; swem der guggouch sunge und ouch ein distelvinkelîn, / den bekande man dâ bî tugende frî KLD:WvMezze 10:3,5    2 als Spottname: Egloff der guckgoch Bauernh 122; lieber eidem Gockengoch, / ich hân hût und hâr noch / vor iu wol behalden Sibote 643

MWB 2 997,44; Bearbeiterin: Herbers

guck Interj. Ruf des Kuckucks: der gauch singt guck guck BdN 228,8

MWB 2 997,53; Bearbeiterin: Herbers

gucke swF. zu frz. coque und coquille? (vgl. SchweizId 2,181 s.v. Guggelen F. und Tobler/  Lommatzsch 2, 836). ‘Eierschale’ (als Maßeinheit): nim [...] ain eir guken lûtters weins vnd wol ain halbe guken hochsaim Barth (H) 474; [aus der Holunderwurzel] drucket man ein gucken uol mit wine SalArz 90,54

MWB 2 997,55; Bearbeiterin: Herbers

1gücken, gucken swV. meist subst. 1 vom Kuckucksruf
2 übertr.
   1 vom Kuckucksruf: der goch / der in dem mayen guket MinneR 276 66; des goches gugen SHort 5864; man mac dabi / den gouch so lange phewen [als Pfau behandeln] , daz er vri / wil guckens sin Frl 6:7,5    2 übertr.: bî der strâzen ûf den stîgen: / [...] liegen, nase rimpfen, / spotten, gucken, valschez schimpfen Renner 14164

MWB 2 997,62; Bearbeiterin: Herbers

2gücken, gucken swV. auch -gg-, -g-. ‘neugierig schauen, gucken’ der herr [...] sach daz kind sich smuken / und us der deki gugen SHort 11190; in dez mannes bilde ez [das Spiegelbild der Frau] gucket Minneb 270; so man den die tor beslússet, so guggent sú [wilde Tiere im Tiergarten] durch die zúne us Seuse 411,13. 361,19. 432,1; unde die êbrecherinne die müezent manigen schrecken nemen [...] unde hin gücken unde her gücken unde her wider gücken PrBerth 1:231,12. 2:242,19

MWB 2 998,6; Bearbeiterin: Herbers

1guckezen, gutzen swV. zu 1gücken . vom Ruf des Kuckucks: als der gouch, / der in dem meien gugzet ouch KvWGS 132; der gouch, der [...] hât gegutzet hundert jâr Renner 11382; den gauch den hoͤrt man guͤtze KgvOdenw 2,39

MWB 2 998,16; Bearbeiterin: Herbers

2guckezen, gutzen swV. zu 2gücken . ‘neugierig schauen, gucken’ der werlt wollust hat dich gezogen, / mich mit dir betrogen, / und in der suͤnden puͦtzen [Pfütze] / hast du mich geheizzen guͦtzen HvNstVis 284

MWB 2 998,21; Bearbeiterin: Herbers

güefen, guofen swV. nicht sicher zu trennen von → güffen ; hier nur die durch Reim gesicherten Belege. 1 intr. ‘rufen, schreien’
2 refl. ‘sich einer Sache rühmen, mit etw. prahlen’
   1 intr. ‘rufen, schreien’ do ward der tiefel güffen, / schrein und auch rüffen Hawich 2949; mit Richtungsangabe: swie man ze walde rüefet, / daz selbe er wider güefet Freid 124,4 (vgl. TPMA 12, 346); mit vil klägelîcher stimme / die heiden nâch ruoften [La. sie nach ir da gufftenn ] / si schriren unde wuoften [La. rufftenn ] Heidin III 1969    2 refl. ‘sich einer Sache rühmen, mit etw. prahlen’ doch ist die sældenhêre / underm gwande wol getân; / des guoft [La. guefft ] sich niemen ân [außer] ir man Helbl 1,1377

MWB 2 998,26; Bearbeiterin: Herbers

güenlich Adj., Adv. , -lîche stF. guotlich (unter 1.5 und 2.7), -lîche

MWB 2 998,39;

güenlîcheit stF. guollîcheit

MWB 2 998,41;

güenlîchen swV. guotlîchen

MWB 2 998,42;

güete stF. im Reim sw. (nicht zu → guotîn ) : Karlmeinet 396,64. 256,66; MorantGalie 2957. 796 KarlGalie 1281; MarlbRh 52,14. 105,22. 1 ‘Vortrefflichkeit, Hochwertigkeit, Nützlichkeit’ von etw.
1.1 in Bezug auf einen Gebrauchszweck (vgl. → guot Adj. 1.2 )
1.2 in Bezug auf sinnliches und psychisches Wohltun (vgl. → guot Adj. 8 )
2 ethisches Gut-Sein, ‘sittliche Vollkommenheit, Gerechtigkeit gegen Gott, Rechtschaffenheit, Tugendhaftigkeit’ (vgl. guot Adj. 10 )
3 ‘Freundlichkeit, Wohlwollen, Huld, Milde, Nachsicht’ (vgl. guot Adj. 9 )
3.1 als Charaktereigenschaft ‘freundliche, liebreiche Gesinnung, Gutmütigkeit’
3.2 besonders von der Güte Gottes als des Spenders alles Guten; oft werden und gnâde zus. gebraucht
3.3 Ausdruck des Wohlwollens, vor allem durch freundliche Rede
3.4 freundliche Handlungsweise, besonders ‘Wohltat, Gnadenerweisung, Liebesbeweis, Aufmerksamkeit’
   1 ‘Vortrefflichkeit, Hochwertigkeit, Nützlichkeit’ von etw.    1.1 in Bezug auf einen Gebrauchszweck (vgl. → guot Adj. 1.2): daz swert im ûz der scheide schôz: / des güete [Schärfe] was alsô grôz / daz ez im durch den halsperc brach Iw 3946; dô was daz hûs [die Burg] in der güete [so befestigt] , / daz ez ze sturme niht entohte [nicht erstürmt werden konnte] Ottok 29397 [mit demselben Bezug und intensiv. Pl. (2 5Mhd. Gr. § S 98,2): niht in solhen güeten 29666]; die grifen wonent ouch da, / die der gimmen [Edelstein] huten, / nicht daz sie sich guten / an der gute des steines [keinen Gebrauch machen von seinen heilsamen Eigenschaften] HeslApk 21649; von unsaglicher guͤti [Heilsamkeit, Nützlichkeit] der betrahtunge des goͤtlichen lidens Seuse 254,5; abgeschwächt ‘(gute) Qualität’ so sulent si verkouffen broͮt in deme coͮffe vn̄ in der guͤtte nach der gewônheit zvͦ Houelden UrkCorp (WMU) 1653,13    1.2 in Bezug auf sinnliches und psychisches Wohltun (vgl. → guot Adj. 8): von des weines guete [wegen seines vorzüglichen Geschmacks] tranch er so vil / das in der sin vil gar verlie HvBurg 372; zehenzich unde drizzich so maneger iare alte bin ich, / dei han ich mit swæren muͦte gelebet in deheiner guͦte [ohne jemals eine gute Zeit, ein gutes Leben zu gehabt zu haben] GenM 103,12    2 ethisches Gut-Sein, ‘sittliche Vollkommenheit, Gerechtigkeit gegen Gott, Rechtschaffenheit, Tugendhaftigkeit’ (vgl. guot Adj. 10): habet stetigen muͦt, / habet zucht mit guͦte, / wesit demuͦte, / wesit got unter tan Rol 215; sô suln sîn [Gral] rîter hüeten / mit kiuscheclîchen güeten Parz 493,24. 823,13; nu kêret iwer gemüete, / daz er [Gott] iu danke güete ebd. 467,10; mit valschelôser güete lebt / ein man, der mir wol iemer mac / gebieten Walth 72,9; swie vil ein man guots begât, / die wîle er tœtlich sünde hât, / die güete gar verdirbet, / ob er ân riuwe stirbet Freid 37,24. – besonders als Eigenschaft des höfischen Ritters: swer an rehte güete / wendet sîn gemüete, / dem volget sælde und êre. / des gît gewisse lêre / künec Artûs der guote, / der mit rîters muote / nâch lobe kunde strîten Iw 1; er pflac manlîcher güete Parz 252,23; der tugenthafte Riwalîn / der was [...] mit lîbe und mit guote, / mit geselleclîchem muote / zir aller dienste gereit. / alsô lebeter in der werdekeit / und in der rehten güete, / die er in sîn gemüete / mit tegelîchen tugenden nam Tr 521; er was ein wîse junger man / und het mit güete vil getân / bî sîner zît, daz êre birt UvLFrd 311,26. – und der höfischen Dame (im Preis der Minnedame öfters zugleich ‘Huld, Gunst’ i.S. von 3): ir stæte güete, / ir wîplîche triuwe Iw 1602; ir schoene und ir güete beide / die lâze sî, sô kêre ich mich [von ihr ab] MF:BgfvRiet 6:3; daz ich von ir gescheiden niht kan, / daz hât ir schœne und ir güete gemachet / und ir rôter munt, der sô lieplichen lachet Walth 110,18; si ist sô guot, / swenne ir güete / erkennet mîn gemüete, / daz si mir daz beste tuot ebd. 14,19; owê dazs ir güete niht genâde lêret KLD:Rub 6:2,8; nu gewert mich, vrouwe, des ich ger, / durch wîplîche güete Wig 272; personif.: dâ saz frou Güete gallen frî KvWKlage 10,1    3 ‘Freundlichkeit, Wohlwollen, Huld, Milde, Nachsicht’ (vgl. guot Adj. 9)    3.1 als Charaktereigenschaft ‘freundliche, liebreiche Gesinnung, Gutmütigkeit’ kiuscheit mit der diemüete, / gedult senfte unde güete / und ander unser gespiln / [...] ieslîchiu nâch ir site / bescheidenlich uns volge mite LvRegSyon 3855; gude, daz ist suzikeit des gemudis Parad 71,29; ouch wonte in ir gemüete / [...] diu güete / daz sî in schier ernerten / unde sînen geverten Iw 5618; des lob ich den heilant, / daz ich doch under liuten bin! / wan eteswer ist under in, / der sîne güete an mir begât / und tuot mir eteslîchen rât Tr 7629; alle gûte ich an im vant, / nâch der wâren liebe gebote Kreuzf 1066; noch mere genaden tuen wir von willichlicher guͦete vnsern purgern UrkCorp (WMU) 2918,22. 2345,16. 3225,5. durch dîne / iuwer ~ als Appell an wohlwollende Gesinnung: er bat in durch sin guͦte daz er im genadote GenM 63,19; Litan 619; frowe, dur iuwer güete / rucket ûf die hüete Walth 75,6; ei frouwe, durch iuwer güete! / waz hilfet iu mîn sterben? / nemt iu ein guot gemüete, / und lât mich senden iuwer gunst erwerben MinneR 30 632,1; künic hôchgeborn, / dir sol an mir niht wesen zorn; / künic, durch dîn güete / ich sag dir mîn gemüete EnikWchr 9893    3.2 besonders von der Güte Gottes als des Spenders alles Guten; oft werden ~ und gnâde zus. gebraucht: [Gott] niemen ane trost enlat, / swer mit deumuͦte / suchet sine guͦte Rol 3488; so ergib ich iuch in gotes segen: / der kan iuwer baz gepflegen / und ruoche iu durch sîne güete / iuwer swærez ungemüete / vil schiere verkêren / ze vreuden Iw 5537; got der rîche, / sô rîche dû genâden bist, / sô vil güete als an dir ist, / vil süezer got, sô bite ich dich, / daz dû genâde wider mich / und dîne güete noch begâst Tr 2492; er git sin gnad gar vergeben von siner miltekait, von siner ganzen guͦti, daz er des lonet daz er selb tuͦt PrGeorg 66,8; do aber dein veterleiche guet / ir verwandelt das gemuet / und dein gnad ir hercz entleuchte HvBurg 5933; es meinet aber, daz er sine wunder hie an dir wil erzoͤigen und den úberflusz siner guͤte Seuse 467,19    3.3 Ausdruck des Wohlwollens, vor allem durch freundliche Rede: swaz ich sprach, daz hôrte sî / und antwurt es mit güete Iw 343; verstêt mîn red in gûte, / sînt ichz in güete meine MinneR 30 638,2; vnd sol der abte [...] mit vns in lieb vnd in gueten sein UrkCorp (WMU) 2269,5; daz der rihtær mit rat vnd mit hilfe des rats in der stat den, der weder minne noh reht wil, mit gvͤten dar an bringe oder mit twanchsal dwinge, daz er daz reht nem ebd. 3452,6; jst abir, daz ein man den andern lemt, so gehort ein lem gegen der andern, er choͤme sein denne abe mit bete oder mit guete ebd. 1914,3; durch reht noch durch güete / enhete sîz nimmer getân. / sî muose gewalt od vorhte hân Iw 7706    3.4 freundliche Handlungsweise, besonders ‘Wohltat, Gnadenerweisung, Liebesbeweis, Aufmerksamkeit’ elliv guͦte chumit uon im Spec 79,31; der alsô manege güete / mit veterlîcher stæte / an ime erzeiget hæte Tr 5640; ir leben was vil gemeine dô, / si wâren mit ein ander vrô / und hôhten ir gemüete / mit vil gemeiner güete ebd. 1366

MWB 2 998,43; Bearbeiter: Plate

güetelîn, güetel stN. Dimin. zu → guot stN. 2. ‘kleiner, geringer Besitz’ 1 ‘kleines Landgut’
2 ‘kleiner Besitz an Geld oder Wertgegenständen’
   1 ‘kleines Landgut’ daz guetel ze der Traten gilt dreu phunt UrkCorp (WMU) 2856,8. 1661,39 u.ö.; UrkEnns 5,334 (a.1323); UrkDOHess 2:552,2 (a. 1347); ir hêrschaft, ir lônet dem knehtelîn, daz den acker bûwet: dem gebet ir ein wênic güetelîns. dâ was im der acker alse liep [...], daz er in nieman wolte lâzen bûwen PrBerth 1:358,10.    2 ‘kleiner Besitz an Geld oder Wertgegenständen’ gîst dû gote dîn guotelîn, dû wilt daz man dirz deste baz biete. gît dir got tugende, dû suͦchest aber den stinchinten lôn TrudHL 71,25; drîzic phenning [...] nam der boeswiht von den juden / und verriet den rehten hêrren sîn / umb ein armez güetelîn Philipp 6345; daz selbe kleine güetelîn / [...] soltû nemen, / durch [...] die helfe und dîne stiure KvWPant 553; PrOberalt 93,15; PrBerth 1:62,39

MWB 2 1000,45; Bearbeiterin: Herbers

güeten stF. guotîn

MWB 2 1000,63;