goumelôs
Adj.
auch gâmlôs.
‘unbehütet, ohne Aufsicht’
ir warent alle sam diu gomelosen schaf diu da ane huote sint, wan der nimt im
der wolf vrilichen als vil so er wil Konr (Sch)
81,7;
ez sol maenchlich sein vich fuͤr den hoͤrter
[zum Hirten] treiben und sol ez niht gamlos lazzen
geen StRMünch
253,6
MWB 2 883,51; Bearbeiter: Graën
goumen
swV.
auch gâmen.
1
‘Acht geben, wachen’ mit fakultativem Gen. 2
‘speisen’
1
‘Acht geben, wachen’ mit fakultativem Gen.:
unde dâ gedenket man ze kirchen der, die getriuwelîchen dâ heime goument
PrBerth
1:85,29;
nu was ouch Diepalt dâ bî, / der wol sîns herren goumde
UvZLanz
2929;
Bit
1150;
sich, daz wir des goumen, / daz wir uns iht versoumen! ErnstD
2862;
Elis
10398;
KlageB
2866;
wenn die schefläut der [Sirenen]
stimm gaument [Aufmerksamkeit schenken] , sô entslâfent si
dick von der süezikait des gesanges BdN
240,22;
der rede ist guot ze gâmen UvEtzWh
5211;
ietweder dô des andern mit nîde goumen began NibC
183,4;
Ottok
43187;
gaum! Teichn
552,20
u.ö.
– mit Präp.-Obj.:
di mit iren glouben / an Crist wolden goumen Glaub
608;
si goumte [spähte] nâch ir friunden vlîziclîche
Kudr
1358,4;
Ottok
18144.
– mit Obj.-Satz:
der herzog hiez gæmen [in Erfahrung
bringen] , / ob man dem hûs iht möht getuon
Ottok
29347;
WhvÖst
15460;
Teichn
576,104
2
‘speisen’
in sinim [Salomons] hovi worchti man
einin disc [Tisch] / mid silbirin stollin
[...] dar obi goumit er sconi LobSal
151
MWB 2 883,58; Bearbeiter: Graën
göumlinc
stM.
Bed. unklar (wie
goumel
(?), dann etwa abwertend ‘Aufseher’ oder
‘Wachhund’):
wer wil da haim beliben / schaffen sinez husez ding / den haiszt man ainen
goͤmling MinneR 52 (L)
28
(vgl. die Variante:
das ist ein verlegener getteling [fauler Kerl,
Stubenhocker]
MinneR 52
28;
MinneR 52 K
28
)
MWB 2 884,16; Bearbeiter: Graën
göumül
stF.
‘Mühle auf dem Land’
ze rehter gewerscheffte ab minem huse zwai tail, daz bi der gevmvͤl lit
UrkCorp (WMU)
705,40
MWB 2 884,23; Bearbeiter: Graën
göumütte, -mutte
stN.
auch gevͦmuͦzz.
Maßeinheit für Getreide (vgl.
göumalter
):
daz man daz maln sol mit der gevͦmuͦzz vnd nicht mit der
statmuͦzz UrkSchäftl
168
(a. 1344);
ex eadem decimatione de unoquoque dominicali suo [einem seiner
Eigengüter] id quod vulgari lingua dicitur gowimutti DRW
3,1213
(Dobenecker, Reg.; a. 1105)
MWB 2 884,26; Bearbeiter: Graën
göu|phâwe
swM.
hier im Pl. kontrahiert -phân.
übertr. für ‘Pfau, Schönling vom Land’
des keisers komen ist iu ein hagel. [...] ir geuphân,
ir lât den zagel Neidh
WL 36:4,10
MWB 2 884,33; Bearbeiter: Graën
göupriester
stM.
‘Erzpriester, Dechant’
plebiani: govuipriestra Gl
2:137,45
(BStK637);
plebiani: gouuipriesta ebd.
2:137,47
(BStK949).
2:137,47
(BStK950)
MWB 2 884,37; Bearbeiter: Graën
göurîch
stN.
‘Landbesitz’
Pfürfelsac daz görech [La. göreich
] wiget
[i.S.v.: der Fuchs hütet die Hühner]
Renner
4576
MWB 2 884,40; Bearbeiter: Graën
göurihtære
stM.
‘Vorsitzender eines Grafengerichts’
an gougrevenschaftnus gehorit keyn volge lenis [lehnsrechtliche
Folgepflicht] , wenne is ist der lant luete vrie kor, daz si
gougreven czu iczlichir gourichteris tat kisin RbNeumarkt
144
MWB 2 884,43; Bearbeiter: Graën
göuse
swF.
‘hohle Hand’
got weiz wol daz ich nu / nicht han melis dan so vil: / ein
goysin vol. da von wil / ich machen ein kuchelin Daniel
2520
MWB 2 884,48; Bearbeiter: Graën
gousene
F.
hier verschrieben guos-, vgl. AWB 4,383 mit weiterem Beleg aus dem
12./13. Jh.
‘hohle Hand’ (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,564f.):
pugillus: goͮfena [Konjektur; Hss. gvosena,
goͮfe
]
SummHeinr
2:425,01.40
MWB 2 884,51; Bearbeiter: Graën
göusmit
stM.
Schmied, der nur auf dem Land sein Gewerbe zu treiben berechtigt ist (vgl.
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.235):
her Otte der geusmit UrkCorp
3263,41.
– als Bestandteil von Personennamen:
hern Rapoten dem Gosmide UrkCorp (WMU)
N138,35
MWB 2 884,56; Bearbeiter: Graën
göustiure
stF.
‘Gausteuer, Abgabe vom Land’
mit der chasten gült, vnd mit der gavv stevver UrkNAltaich
1,281
(a. 1340);
beidiv vitztumampt [...] vnd darzuͦ all
nuͤtz vnd guͤlt, [...], ez sein mautt, zolle,
puͤtschenmaut [Salzmaut] , gericht, stiuͦr
in vnsern steten vnd maͤrcgten, die gaͤwstiur, all zinspfenning vnd
kastenguͤlt UrkWittelsb
2,387
(a. 1347)
MWB 2 884,62; Bearbeiter: Graën
göustrûʒ
stM.
wohl zu
3strûʒ
‘Vogel Strauß’,
übertr. ‘hohes Tier’
[die] uf daz gou streben / und niht wan roͧbes
wellen leben, / si erchennent niht des gowes chraft / und der goͤu huner
meisterschaft. / diu chluckent etelichem abe / den hals und alle sine habe, / der
gar wil sin ein gou strouz StrKD
36,143
MWB 2 885,6; Bearbeiter: Graën
göu|tëchan
stM.
‘Dekan eines Landkapitels’
archidiaconus ider archibresbiter quem uulgo guuwedechen nominant Gl
3:378,52
(BStK726)
MWB 2 885,13; Bearbeiter: Graën
goutelsac
→
goukelsac
MWB 2 885,16;
göutôre
swM.
‘Bauerntölpel’
ûf gebûren swarte / kom nie bezzer houbetdach, / da man ûf Helmbrehte sach. /
dem selben geutôren / was gegen dem zeswen ôren / ûf die hûben genât - / welt ir nû
hœren waz dâ stât? Helmbr
41
MWB 2 885,17; Bearbeiter: Graën
göutwingære
stM.
‘Unterdrücker der Landbevölkerung’
der geutwinger ist ze vil / in disem lant Helbl
2,1269
MWB 2 885,22; Bearbeiter: Graën
göuveste
stF.
‘Zwingburg’ zur Beherrschung und Unterdrückung des umliegenden Landes:
die geuvest brechet alle nider, / sô dient daz geu den herren / gar ân allen
werren [Aufruhr]
Helbl
4,796
MWB 2 885,25; Bearbeiter: Graën
göuwerisch
Adj.
→
kawërser
stM.
MWB 2 885,29;
göuwisch
Adj.
‘bäuerisch, ungehobelt’
ich kan iu niht gezeln, / waz geuwischer dörperheit /
etlicher dô an sich leit Ottok
66629;
sam ein gouwisch zimmerman Mügeln
112,6;
Jüngl
256
MWB 2 885,30; Bearbeiter: Graën
göuwîse
stF.
‘bäurische Verhaltensweise’
gehofte vreude [höfische Unterhaltung] solt du han,
/ die geu wise gar verlan Erz III
36,146
MWB 2 885,34; Bearbeiter: Graën
gôʒ
stMN.
1
‘Guss, Erguss, Ausschüttung’ (vgl.
gieʒe
,
guʒ
) 2 mittels Guss Hergestelltes 3 Maßeinheit (wohl in eine Normform gegossenes Pech)
1
‘Guss, Erguss, Ausschüttung’ (vgl.
gieʒe
,
guʒ
):
dô huob sich sâ ein wint vil grôz, / mit regenes ungefüege ain gôz
UvLFrd
339,32;
sînen goldes gôz StNik
73;
gegozzin an einic goz [zusammengegossen]
ChristhChr
1749.
– wohl hierher (vgl. Lexer 1,1051):
drie die besten vuort’ er ûz / einthalben in ein hûs, / und bat si
umb driu snelle ros, / wol bereit alsam ein gos Bussard
372
2
mittels Guss Hergestelltes:
ein gôz, daz ie dâ lac, / als ein kugele gedrân
UvZLanz
8124;
[der Götze] ist hol / an rehten witzen unde laz, / als ein
gegozzen lærez vaz. / er ist, swie dû machest in, / ein gôz, ân allerslahte sin
RvEBarl
12780.
– übertr. (hier Schlussstein):
hin ûf, dâ sich der tugende gôz / ze samene welbet an ein
slôz Tr
16943.
17127
3
Maßeinheit (wohl in eine Normform gegossenes Pech):
[man gibt für] ein goz pechs ein helblinch
RbHohenlohe
34
MWB 2 885,37; Bearbeiter: Graën
goʒʒe
M.
→
kotze
MWB 2 885,55;
grâ
Adj.
flekt. auch graw-, grow-, grab-.
‘grau’
1 allg. 2 von Haaren 3 von Kleidern und Tuch (auch im Sinne von ‘einfach’ ) 3.1 wegen der Ordensbekleidung Farbe insbes. des Zisterzienserordens 4 von Pelzwerk (insbes. Zobel), vgl.
grâwërc
5 bezogen auf das Morgengrauen
1
allg.:
das velt was allesampt gra / von harnasch und von helmen
HvNstAp
13895;
gra augen Physiogn
165;
dat graue boze blut [die schwarze
Galle]
OvBaierl
32,18;
der [
melancolicus
] hât des
pluotes sô vil, daz iz ist erswarcet; der wirt schiere grâ Barth
128,17;
der grâwe tuft [Reif]
SM:UvB
5: 1,7;
ain lïchter trugel [Türkis]
graw GTroj
712.
sin waffen, daz er fürtte, waz / ain trake, als ich
geschriben lasz, / an sines glantzen schiltes rantt, / der waz von grawer farw
erkant ebd.
18616
2
von Haaren:
sîn hâr was grâ reht als ein îs / an houbte und an barte RvEGer
768;
sîn bart was grâwer danne der
tuft [Nebel]
Wh
425,12;
Gen
2401;
KLD:GvN
8: 3,7;
ine bin so alt der jâre niht, / so man mich grâ des hâres siht
SM:Gl
2: 4,6;
SummHeinr
1:137,300;
der eine der was gra, / alse her nvͦ schinet da, / der
andere der was kale TrSilv
237;
Wig
7091;
siedu einin grawin man Roth
2469;
KvWTroj
10739.
– in der Vorstellung des vor Leid Ergrauens:
ich bin von leidenn itzvnt gra Herb
2318;
Wh
172,10;
MF:Reinm
21: 4,5.
– in der Wendung jmdn.
~ tuon, vrumen:
minne tuot mich jungen grâ SM:KvL
20: 3,6;
Condwîr âmûrs frumt mich grâ Parz
219,23.
– übertr. ‘alt’
si wæren junc oder grâ Parz
411,28.
569,15;
Jüngl
167.
– subst.:
canus: grower VocClos
Ca 201;
alls ein frucht die uber reifft,
[...] die velt dann ab. / also stirbt auch der
grab, / wann die natur an im vergat Teichn
624,62.
– daraus abgeleitet ‘erfahren’
Jason [...] was iunc vnd hette
tvgent. / wer daz ieman in der iugent / von tugenden mochte wesen wis, / so was
er gra vnde gris / in sime hertzen binne Herb
132;
swie si an des libes pris / iunc was, doch was ir herze gra / an ganzen
tugenden hie und da / und an genaden vollen alt Pass III
111,21.
460,17;
ReinFu
K,999;
meister wis Neptanaus / waz in clugen kunsten gra
Minneb
465;
Mügeln
282,1
3
von Kleidern und Tuch (auch im Sinne von ‘einfach’):
so der mei quam, / Tristrant grawe cleider nam, / an sine vuze
stumpe schu, / schurpen unde staph da zu, / als er wer ein pelegrim
Eilh
St,7446;
hvndert eln grawis tvchiz UrbBayÄ
19;
ane grabez gewant unde an einvarbez gewant
StRAugsb
43,24;
daz er niht het mere / wan vil bosiu grawiu chleit
StrKD
41,19.
8,122;
einen grâwen roc leit si an EnikWchr
26805.
27547.
– subst. und metonymisch
vil bezzer wêre ân sünde grâ / getragen denne mit sünden blâ Renner
2489
3.1
wegen der Ordensbekleidung Farbe insbes. des Zisterzienserordens:
[müsste ich] einen grawen rok antuͦn,
moͤcht ich in haben Tauler
255,17;
KLD:Kzl
16: 8,16;
swarz munich unde Regelære, / Minnerbrüeder und
Wilhalmære, / wîze munich unde grâ / und der orden von Kartusâ
Ottok
36508;
PrBerth
1:137,25;
do begunde in got bekêren, / daz er die lüge verswuor / und in ein grawez
klôster vuor StrAmis
2492;
Lanc
544,28;
der bischof [...] was ein geistlîchir man / des
grawin ordins NvJer
1522;
des grawen ordins eyn epschin UrkMühlh
485
(a. 1346);
UrkFreiburg
2:27435
(a. 1297)
4
von Pelzwerk (insbes. Zobel), vgl.
grâwërc
:
zobelbelge und pfelle breit, / härmîn, bunt unde grâ
Wig
9077.
4404;
Parz
168,13.
231,7;
Iw
2193;
Eracl
1952.
– subst.:
dô gap man sînen degenen ze kleidern grâ unde bunt
NibB
59,4;
Ottok
7692
u.ö.;
HagenChr (G)
1345
5
bezogen auf das Morgengrauen:
des tages blic was dennoch grâ Parz
800,1;
der hêrre ân allez slâfen lac, / unz errkôs den
grâwen [frühen] tac ebd.
36,4;
Wh
200,5;
MF:Wolfr
7: 2,3.
– subst.:
der sunnen schîne het veriret des tages grâ Loheng
2029
MWB 2 885,56; Bearbeiter: Graën |