gotsüeʒe
Adj.
‘überaus lieblich’ (vgl.
got
-, gotes-):
sin [Gaweins] hertz weinte / der gotsüszer wijbe
not Krone
28670
MWB 2 875,15; Bearbeiter: Helmich
gotswerære
stM.
‘Gotteslästerer, Gottesverleugner’
ein rehter gotswerer mit niuwen swüren SchwäbWB
3,771
MWB 2 875,18; Bearbeiter: Helmich
göttele
stN.
→
götele
MWB 2 875,21;
göttingisch
Adj.
‘göttingisch, aus Göttingen’
so sal he vor daz morgenbrot geben unde vor di koste ses Gottingesche phennige
StRHeiligenst
71;
eyme slechtere sal men geben von eym swine czu machende czwene Gottinge phenge
unde eyne worst, unde von eyme bachen dry Gottinsche phenge unde czwo worste ebd.
69.
61.
97
MWB 2 875,22; Bearbeiter: Helmich
gotübelhandelunge
stF.
‘Gotteslästerung, Blasphemie’
plasphemia: got v̇belhandelunge VocClos
Pl33
MWB 2 875,29; Bearbeiter: Helmich
got|unkluoc
Adj.
‘sehr unverständig’ (vgl.
got
-, gotes-):
die frawe [die bekehrte Frau des
Kaisers] lange hiench, / doch sy denn tod nicht enphiench, / uncz
ainer cham got unchlug / und ïr daz haubt ab slüg Märt
25333
MWB 2 875,32; Bearbeiter: Helmich
gotunreine
Adj.
‘sehr unrein, verkommen’ (vgl.
got
-, gotes-):
darin [in das Himmelreich] dü
nimmer sicherleich / chumst, got unrainer hünt [spricht Quiriacus zum
Kaiser] . / dein stat ist inder helle grunt Märt
6709
MWB 2 875,37; Bearbeiter: Helmich
gotvar
Adj.
‘gottähnlich, göttlich’
alle die von sîme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch
niemer mêre PrBerth
1:391,23;
und ie di minne eintrechticlicher ist, ie si uns me in got setzit und got in
uns. und fon der einunge wirdit der mensche gotvar, also daz he gotliche werc wirkit
zu allin zidin Parad
133,6;
glîch gote und gotvar Eckh
2:124,7.
2:568,2;
das edele gotvar fúnckelin, das uns vil innewendiger
und noher ist denne wir uns selber Tauler
322,14.
376,8
MWB 2 875,42; Bearbeiter: Helmich
gotvergëʒʒen
Subst.
‘Andorn’, eine Pflanze (Marrubium vulgare, vgl. Marzell 3,58ff.):
brasium: got vergeßen, herba VocClos
Br16
MWB 2 875,52; Bearbeiter: Helmich
gotweiʒ
,
weiʒgot
Interj.
auch goteweiʒ.
bekräftigend, emphatisch ‘weiß Gott, wahrhaftig’
der heilige engel gotwaiz / den kaiser wol bewarte
Rol
7123;
doch ist ez swere goteweiz Macc
7569;
Saul di ochsen gote weiz / gar in stuckelin zureiz HistAE
1973;
ich ne han is weiz got nicht getan Roth
1987;
weiz got, niemer al die wîle ich lebe! MF:
Reinm
11: 3,16;
Ottok
12604;
ReinFu
K,857;
Eckh
5: 50,2
MWB 2 875,55; Bearbeiter: Helmich
gotzam
Adj.
→
gotezam
MWB 2 875,63;
götze (?)
swSubst.
eine Insektenart, Mücke (vgl. Gelse DWB 4,1,2,3052):
culices: goͤttzen [Lesung unsicher, Hs.
goltzen?]
UvLil
202rd(Glr.)
MWB 2 876,1; Bearbeiter: Helmich
göu, geu
stN.
auch gou, gæwe, gawe.
1
‘Verwaltungsbezirk, Gau’ (vgl. AWB 4,243f., zur Sache 2 HRG 1,940ff.) 2
‘ländliches Gebiet, Land’
1
‘Verwaltungsbezirk, Gau’ (vgl. AWB 4,243f., zur Sache 2HRG
1,940ff.):
deme daz liut sî undertân [...] der
setze sînen ambtman / uber iegelich gou [
per cunctas
regiones Gn 41,34]
Gen
2056;
was denn in dem geu gelegen ist, als eker, wismad, mairhöf, das sol man
verantwurten vor dem purkherren, dem das purkrecht dint StRWien
119
2
‘ländliches Gebiet, Land’
Jacobes tohter Dina [...] giench
after gouwe dei lantwîb scowen Gen
1596;
dû muost varen durch diu göu MarGr 18
808;
Neidh
WL 28:8,6;
EnikFb
1014;
den von Sahsen hôrt man klagen / eine sache swære, / daz
bûliut und burgære / ûf dem geu und in den steten / deheinen fride heten / noch ûf
des rîches strâzen Ottok
71622;
ez ensol auch niͤman auf dem gæwe schenchen pir, met noch wein, danne
in den etavern [zugelassenen Schenken]
UrkWittelsb
2,94
(a. 1296);
BdN
331,29.
385,23;
StRVilsh
87;
nieman [
enschol
] sinev tuch auz der stat
in daz gawe ze weben geben StRRegensb
95.
– metonymisch für die Landbevölkerung:
die geuvest [Zwingburg] brechet alle nider, /
sô dient daz geu den herren / gar ân allen werren
[Aufruhr]
Helbl
4,797.
2,93;
ez hat sich so gerochen, / daz sis noch alle enkolten, /
die daz gou twingen wolten StrKD
36,84
u.ö.
MWB 2 876,4; Bearbeiter: Graën
göubühel
stM.
‘Hügel, Anhöhe auf dem Land’
het ez [Rennewarts Schwert] hêr
Nîthart gesehen / über sînen geubühel tragen, / er begundez sînen vriunden klagen
Wh
312,13
MWB 2 876,30; Bearbeiter: Graën
gouch
Adj.
‘töricht’
obe ich so gauch [La.
torecht
] ware, / daz / ịh ez wolte gelovben, /
ez gienge / dir an div ovgen ReinFu
S1,600
MWB 2 876,34; Bearbeiter: Graën
gouch
stM.
Pl. auch gouche (z.B.
NibB
867,1
),
göuche (
Virg
625,7 ).
1
‘Kuckuck’
2
‘Vogeljunges’
3 als Schimpfwort 4
‘Ungeheuer, Teufel’ (s.a.
hellegouch
)
1
‘Kuckuck’
cuculus haizt ain cukuk oder ain gauch. der
[...] singt neur cukuk, cukuk, dar umb spottent sein
diu kint BdN
178,10;
sô prüett daz vremd vögellein des gauches air auz mit den
seinen und speiset den jungen gauch ebd.
178,17
u.ö.;
HvNstAp
13129;
ein tôre næme des gouches sanc / für der süezen harpfen klanc Freid
84,2;
SHort
5864;
Seuse
310,17;
doch ticht ich als der gouch, / der meien früte garret
[der die Lebensfreude des Monats Mai
herausschreit] ouch Mügeln
155,5;
mîn dürkel vriunt kan gougeln ouch, / daz ein ar wirt ein riudic gouch: / ouch
kan er mir von habchen vliegen machen RvZw
243,10.
–
‘untergeschobenes Kind, Kuckuckskind’
suln wir gouche ziehen? NibB
867,1
2
‘Vogeljunges’
swie vil der alte [der alte Adler] in
[den Jungen] vür geleit, sô gint der junge gouch: / sô
nimt er im daz beste RvZw
171,5
3
als Schimpfwort
‘Dummkopf, Trottel, Narr’ u.ä.:
eseln, gouchen und affen, / den ist wnderlich ere
geschaffen. / affen, esel und gouch, / also heizzet man die liut ouch
StrKD
46,I 1.
120,30;
swîc, sinnelôser gouch! RvEBarl
12842;
ReinFu
S1,606.
K,29;
ich gouch, als ich des niht erkennen wil! MF:
Reinm
30: 1,8;
GTroj
8090;
TürlArabel
*A 223,26;
swer ob dem tische sniuzet sich, / ob er ez ribet an die
hant, / der ist ein gouch, [...] dem ist niht bezzer
zuht bekant TannhHofz
131;
Mügeln
382,2;
alle die maistir, die schrift ie gelasin, die sint reht gouch und torin
widir sinir [Gottes] wishait PrGeorg (Sch)
12,138;
SHort
4002;
HeslApk
1294;
uͤber alle die haidnischen welt, / sus eren si den
selben gauch [Mohammed]
WhvÖst
6211;
wir geturren selbe strîten. / hânt ir uns vür göuche
[Feiglinge] ersehen? Virg
625,7;
ir mugt gar wol sein ain gauch
[verbrecherischer
Strolch]
[...] wie gedurret ir in
disem lande / payde rauben und mörden? HvNstAp
19627;
Ottok
71674.
40107.
– oft in Verbindung mit tump:
tumber gouch, nû sich dar an, / dîn got leben nie gewan
RvEBarl
12829;
MF:Reinm
11: 1,15.
64: 1,7;
StrKD
61,118;
GTroj
5441;
er ist tumber dan ein gouch Volmar
18
4
‘Ungeheuer, Teufel’ (s.a.
hellegouch
):
Sente Michael irsla den gouch HeslApk
19800;
Hiob
6924
MWB 2 876,37; Bearbeiter: Graën
goucheit
stF.
‘Dummheit’
ein tôr wirt dik gelêret wol, / doch ist sîn herze goucheit vol Boner
92,68;
daz iuch iemer wundern mac, / swer eine goucheit getuot, / daz er dar nâch ist
unbehuot / der selben unwitze, / daz er daz iht entsitze Flore (G)
6251
MWB 2 877,18; Bearbeiter: Graën
göuchelîn, göuchel
stN.
Dimin. zu
gouch
.
‘untergeschobenes Kind, Kuckuckskind’
ouch hete er des vil grôzen ruom [...] daz er daz
göuchel hæte gezogen SchneekindA
58;
RuprvWü
341;
Neidh
WL 2:6,7;
dirre gouch ziuhet jungiu göuchlîn Renner
1671.
– Ersatz für die eigentliche Adressatin des Minneliedes:
ir wænet daz ich sî der mære ein göichelîn KLD:UvW
11:2,7
(vgl.
sold ich für frömden kumber [wegen einer anderen]
sîn gen iu ein trœsterinne KLD:UvW
11:5,4
)
MWB 2 877,23; Bearbeiter: Graën
gouchen
swV.
1
‘den Kuckucksruf ausstoßen’
2
‘jmdn. zum Narren halten’
1
‘den Kuckucksruf ausstoßen’
ein hane sol kren, ein hunt sol bellen, [...] gouchen
zimt dem gouche Frl
5:34,6
2
‘jmdn. zum Narren halten’
[die Knappen] den vil tumben gouch / volleklîchen
gouchten RvMunre
713;
[der Wein] gouchit sinen [des
Trinkers] horsack [hier: Körper] / ist
er alt er wirt iunc / mengen frolichin sprunc / wil er danne sprechin / darzuo
liedir singen Martina
63,44
MWB 2 877,33; Bearbeiter: Graën
gouchesampfer
stM.
eine Pflanze, wohl ‘Sauerklee’ (vgl. Marzell 3,493f.), s.a.
gotesampfer
:
trifillum vel trifolium: kle oder goͮches ampfer VocClos
Tr81
MWB 2 877,42; Bearbeiter: Graën
gouchesvogel
stM.
‘Kuckuck’ (hier übertr.):
[das personif.] Gelücke quam eins zu dem schrin / und
sloz in uf, do was ez [der Inhalt] ein gouchesvogel
Frl
7:16,12
MWB 2 877,46; Bearbeiter: Graën
gouchkobolt
stM.
hier: gouchgovolt.
‘dummer Kerl’
ir gouchgovolt, der sint ir holt / und ahtet sî vil kleine / ûffen iuwern
tœrschen lîp, / wan sist gar ein biderpe wîp KLD:UvW
11:2,11.
11:4,11
MWB 2 877,50; Bearbeiter: Graën
gouchlich
Adj.
‘dumm, unklug’
ez wære ein gouchlichez reht, / daz er der lantliute chneht
/ mit sinen guͦte wære StrKD
161,379;
ist der hase also getan, / daz er lewen wil bestan, / daz
enheize ich niht frumcheit: / ez ist ein gouchlich arbeit ebd.
43,4
(in anderer Ausg. zu goukellich (?):
ez ist ein gouglich arbeit Erz III
175a,12
)
MWB 2 877,54; Bearbeiter: Graën
göud-
→
giud-
MWB 2 877,61;
goufe
swF.
→
kupfe
MWB 2 877,62; |