götîde
stN.
zu
gote
, göte swMF.
‘Patenkind’
und weder frawen noch man suͤlln chainem
goͤteit mer gebn dann 12 dn StRMünch
198,19;
filiolus: goͤttidi VocOpt
3.068;
vnkivschekeit began mit e livten, oder mit gesipiden, oder mit gevetirden,
oder mit goetiden, oder megeden, [...] oder mit geislichen
livten Bihteb
35
MWB 2 871,62; Bearbeiter: Helmich
götinne, gütinne
stF.,
selten sw. (
WernhMl
4181;
Herb
3601
u.ö.)
auch -în, -in.
‘Göttin’
1 meist von antiken Göttinnen 2 von Feenwesen 3 von der Seele 4 von Frau Minne 5 Bezeichnung einer verehrten Frau
1
meist von antiken Göttinnen:
Vênus diu götinne MF:Wolfr
8: 5,9;
Djone, diu ein gütin was Tannh
4,6;
die götin Cytharea ruwe brachte Mügeln
231,10;
dâ mit êrten si di guttinne Kchr
13346;
Iw
6444;
RvEWchr
8696
2
von Feenwesen:
ein hundelîn [...]; / daz was
gefeinet, hôrte ich sagen, / und wart dem herzogen gesant / ûz Avalûn, der feinen
lant, / von einer gottinne Tr
15809;
daz hundelîn / Petitcriu [...] / ûz
der gotinne lant HvFreibTr
4458;
Krone
18722
3
von der Seele:
ich [Gott, der himmelsche
vatter
] bin got aller goͤtten, du [die
Seele] bist aller creaturen goͤttinne Mechth
3: 9,51
4
von Frau Minne:
diu gotinne Minne Tr
4809.
16723
5
Bezeichnung einer verehrten Frau:
ach, goͤtinne mines libes, / reiniu fruht eines wibes,
/ bezzer vil danne alles guͦt! WhvÖst
2095;
darunter [unter einem spiegel
] get ein
göttin, / das ist mein fraw Friderun Neidh (S)
2,220 c124:6,15
MWB 2 872,5; Bearbeiter: Helmich
götlære
stM.
jmd., der den göttlichen Willen erkennt, ‘Seher’
Aristotiles spricht, die götlær oder die weissagen sprechent,
wenn sich diu tier von enander tailnt, daz bedäut streit zwischen den menschen, aber
wenn sich diu tier samnent und ainz dem andern volget, daz bedäut vrid
BdN
116,24
MWB 2 872,25; Bearbeiter: Helmich
gotlesteren, gotlestern
swV.
unklar, ob Syntagma.
‘Gott lästern, schänden’
blasphemo: gotlestern EvAlem
32(Mc 3,29)
MWB 2 872,32; Bearbeiter: Helmich
gotlich
Adj., Adv.
auch gotelich, göt(e)lich, adv. auch -lîchen.
1
‘göttlich, auf Gott bezogen’ (mit fließenden Übergängen zwischen den
einzelnen Bedeutungen) 1.1
‘zu Gott gehörig, Gott eigen’
1.2
‘von Gott stammend, von Gott geschaffen’
1.3
‘auf Gott bezogen, auf Gott gerichtet’
2
‘gottgefällig, gottesfürchtig, fromm’
1
‘göttlich, auf Gott bezogen’ (mit fließenden Übergängen zwischen den
einzelnen Bedeutungen)
1.1
‘zu Gott gehörig, Gott eigen’
er fuor in siner gotlichen crefte / ze himele also scone
AvaLJ
189,6;
das der himelsche vatter gebirt seinen eingebornen sun in
goͤtlicher wesenlicheit Tauler
7,17;
der göteliche schin, / des glanz die sunnen blendet KvWGS
1270;
PassSpM
321;
PrOberalt
34,14;
BdN
482,11.
–
da wirkit got pobin der sele craft nicht alse in der sele, sunder in
gode godeliche [in der ihm eigenen Weise]
Parad
83,2;
der got alsô in wesenne hât,
[...] dem liuhtet er in allen dingen; wan alliu
dinc smeckent im götlîchen [nach Gott]
Eckh
5: 205,11
1.2
‘von Gott stammend, von Gott geschaffen’
mit also gotlichen worten so volleschreib vnde volbraht
der gvͦt sant Johannes sin ewangelium Konr
3 W1,175;
daz sint die hailigen lêr der götleichen geschrift
BdN
211,23;
nu getraw wir ewern gnaden wol, ir lasst uns darumb ain gotlaich recht
widerfaren BgRIglau
351,28;
Tauler
96,5
1.3
‘auf Gott bezogen, auf Gott gerichtet’
[die Seele wird] bereitet ze götlîcher schouwunge
Eckh
2:367,5;
so bekenne ich daz wol, daz goͤtteliche minne vnd die creaturen
minnen nv́t wol bi einander geston mag MerswZM
4,28;
die regule des gotlichen dinstes BrEb
Prolog;
theologya: gotlichi kunst VocOpt
38.008.
–
~ ruom (vgl.
ruom
stM.) ‘Prachtentfaltung zu Ehren
Gottes’
[des verstorbenen Alexius’] vil schône wart
gedâht / mit gotlichem ruome KvWAlex
1353;
liutkirchen, klôster, bistuom / der wart durch
gotlîchen ruom / vil gemachet überz lant RvEBarl
13608;
KvHeimHinv
85;
Greg
3767
2
‘gottgefällig, gottesfürchtig, fromm’
her tvͦt goteliche dinc / mer durch den werltlichen
ruͦm Ägidius
170;
ir andâht diu was gotelîch Tr
15655.
1965;
iezu di godelichen man [Pilger] / schiften unde
vuren an Elis
4605;
sîn lêre ist reht und gotlich RvEBarl
16118;
vnt shuͤllen den bestaten bei vns goͤtlich vnd
bruͦderlich nach vnsers ordens weisunge UrkCorp (WMU)
N748,15;
ez sol auch ain ieglicher pfarrer dez vorgenanten spitals
[...] ainen erbern redlichen priester zu im haben
[...], der im [...] helf
verwesen und volbringen all goͤtlich ordnung und gotzdienst mit singen und
mit lesen und mit aller anderr goͤtlicher ordnung und notdurfft
StRMünch
590,19;
JPhys
17,23;
Eckh
5: 232,7;
Lucid
140,18.
–
‘Gott in sich tragend, gotterfüllt’
als verre er [der Mensch] dar inne ist
[in Gottes Bild in der Seele] , als verre ist er
götlich Eckh
2:341,8;
in disem [Bild] wirt die sele
alzemole gotvar, gotlich, gottig Tauler
146,21;
PrBerthKl
4,8
MWB 2 872,35; Bearbeiter: Helmich
götlich
Adj.
→
getelich
, →
gotlich
MWB 2 873,25;
gotlîcham, goteslîcham
stswM.
auch -lîchnam.
1 Leib Christi, ‘Hostie’
2
‘Fronleichnam’
1
Leib Christi, ‘Hostie’
hie wirdet der hailig gotlichnam gemachet, in enpfahet ovch der mensch hie
inne im selber ze trôst vnd ze genaden PrWack
31,48;
daz lute in gotes namen / enpfie den gotes lichamen
Vät
24254;
da gab er iͤr den heiligen gotes lichnamen, des lobte
si den almehtigen got Konr
9,50;
Spec
21,28.
29,14;
VMos
50,7
2
‘Fronleichnam’
das se den cyns [...] zullin habin und nemin zcu
kerczin zcu gothslicham UrkSchles (B)
135,10
(a. 1333)
MWB 2 873,26; Bearbeiter: Helmich
gotlîche
stF.
‘Göttlichkeit’
daz er got núwan zaime ainigosten male ansæhe in siner gotlichi vnde
ensolti er in iedoch dar nah niemer me gesehin PrGeorg (Sch)
3,20;
das wirt ze himelrich. da werden wir got sehende in siner gotliche vnd in
aller siner wunne ebd.
36,114
MWB 2 873,37; Bearbeiter: Helmich
gotlîcheit, -lîchkeit
stF.
1
‘Frömmigkeit, Gottesfurcht’
2
‘Göttlichkeit’
3
‘Gottheit’
1
‘Frömmigkeit, Gottesfurcht’
die underpriorinne [des Klosters der
Tugenden] das ist minnesamikeit; si sol die cleinen broken
zesamene lesen und tilken si mit gotlicheit Mechth
7: 36,19;
die gehorsam der herschung und der herscher, das ist an der
gotlichkait [
in religiositate
] , an der
lieb, an der hoflichait unnd an der erwirdigkait HvHürnh
17,1.
Reg. 10.
–
‘christliche Lehre’
also ist natuͤrleich zu lesen / daz wiͤr
all pruder wesen, / und auch nach der gotleichait, / daz der pater noster sait
Teichn
435,31
2
‘Göttlichkeit’
bî dem fûre dô daz licht burnet [
ist
bedûtit
] di heilige gotlicheit Kristi HvFritzlHl
80,3;
in Christo were ein ander kunst denne die kunst der
gotlicheit [
utrum in Christo fuerit aliqua scientia praeter
divinam
]
ThvASu
76,20
3
‘Gottheit’
was die gotlicheit ye gedacht, / daz hait myn in
huͦm [l. ruͦm?] gebracht
MinneR 496
3
MWB 2 873,43; Bearbeiter: Helmich
gotlîdende
Part.-Adj.
‘Gott erleidend, Gott auf sich wirken lassend’
Thymotheus der was ein got lidender man der antwurt gab
Tauler
190,9.
109,27;
ein gotlidender mensch, den got mit emzigem lidene
uͤbet Seuse
367,12
u.ö.
MWB 2 873,61; Bearbeiter: Helmich
gotliep
Adj.
‘gottgefällig’
er hiez ilen drate vruͦ unde spate / ubir al die gegene; er gewan
grozze menege, / die gotlieben herren die wolde er widir cheren / ubir allez sin
lant GenM
160,5;
Karl got liebe, / dîn froude kumt dir sciere
Kchr
14931;
Aneg
1756;
Märt
12136
MWB 2 874,1; Bearbeiter: Helmich
gotlop
Interj.
→
gotelop
MWB 2 874,7;
gotlôs
Adj.
‘gottlos, ungläubig’
gotlosú herzen muͤzent doch ze allen ziten sin
in vorhten und in schreken Seuse
219,19.
511,17.
– subst.:
[ein Mensch] vindet, daz er vor waz als ein armer gotloser
dúrftig, der zemal blind waz und im got verr waz Seuse
159,3
MWB 2 874,8; Bearbeiter: Helmich
gotmeinen
stN.
‘Liebe zu Gott, Gottverlangen’
von der kraft der úbernatúrlichen helffe so
wurt der verklerte geluterte geist uz ime [dem
Menschen] selber gezogen in ein sunderlich gelutert unsprechenlich
gotmeinen Tauler
117,20;
goͤtteliche ding, die ein ware got meinen hant in dem
grunde ebd.
105,19;
mit luterme got meinende ebd.
97,10.
32,27
u.ö.
MWB 2 874,14; Bearbeiter: Helmich
gotmeinunge
stF.
‘Liebe zu Gott, Gottverlangen’
wan die almuͦsen die bittent selber me us einer gotte
gelossener lutterre got meinunge denne alle menschen mit wissen gebetten
múgen Tauler
186,4
MWB 2 874,22; Bearbeiter: Helmich
gotmensche
swM.
‘Gottmensch’ als Bezeichnung für den menschgewordenen Gott, Christus:
geloubestû ouch, daz er hie / gotmensche ûf der erde gie /
vierzec naht, sô manigen tac? RvEBarl
6794;
eyn mensch sol eyn goͤtliche inbildunge von dem
lieplichen menschen Jesu Christo leren haben als von dem gotts sune und von
got-mensch und menschgot, nit creaturliche inbildunge, dann goͤtliche,
übernaturliche inbildunge Seuse
526,22;
Daniel
1016;
Vät
41366
MWB 2 874,27; Bearbeiter: Helmich
gotminnære
stM.
‘jmd., der sich ganz auf die Liebe zu Gott konzentriert’
man liset von einem wîsen man, der gieng zuo einem gotminnêre und frâgte in,
wie es umbe in stüende PrJvSterng
253
MWB 2 874,37; Bearbeiter: Helmich
gotminne
stF.
‘Liebe zu Gott’
unz ich minen bruͦdir alde mine swestir hazzen, son mac ich gotminne
niht han PrGeorg (Sch)
15,62
MWB 2 874,41; Bearbeiter: Helmich
gotminnen
stN.
‘Liebe zu Gott’
habe ware goͤtteliche minne, nút also wir
minne heissent in sinnelicher wise, sunder in wesenlicher wise in einem
allerindewendigesten got minnende; dis ist nút ein einvaltig ussewendig
sinnelich got meinen, also man gemeinlich heisset das man got meine, sunder es ist
ein anesehendes meinen mit dem gemuͤte Tauler
303,23
MWB 2 874,44; Bearbeiter: Helmich
gotschëltære
stM.
‘Gotteslästerer’
man sol einen gotscheltter oder einen, der einen valschen ayd swirt, dy zung
an einen haken datz den nakch aufziehen StRRegensb
55;
plasfemator: got schelter oder swerer VocClos
Pl32
MWB 2 874,52; Bearbeiter: Helmich
gotschëlten
stN.
‘Gotteslästerung’
vnreinickeit. bösez avge.
gotschelten [
blasphemia Mc 7,22] .
hochvart. torheit. disiv übel fürgent allev von innen. vnd di vnreinent den menschen
EvAug
94,10
MWB 2 874,57; Bearbeiter: Helmich
gotschouwære
stM.
‘jmd., der seinen Blick und sein Erkennen ganz auf Gott richtet’
dô gieng er [ein wîser man
] fürbas unde
vant einen gotschowêre PrJvSterng
254
MWB 2 874,61; Bearbeiter: Helmich
gotschouwic
Adj.
‘Gott schauend’
ir [Marias] sêle was gotformig. ir geist was
gotschowig PrJvSterng
257
MWB 2 875,1; Bearbeiter: Helmich
gotsëhære
stM.
‘der Gott sieht’ (vgl. Isidor, Etym. 7,7,5f.
Iacob subplantator interpretatur [...] Israel vir
videns Deum):
so ufschrechet der unterscuphære [Jakob] unde
frowet sih der got sehære [Israel]
PsWindb
52,7
MWB 2 875,4; Bearbeiter: Helmich
gotsene
Interj.
aus got segen (mich), vgl. Anm.z.St.:
die nature iz alse rechte schalkechtig und suchet daz ire
alse behendlichen, gotsene, si nemet iz wol und kan sich so wol intschuldigen, und
machent so vil mentil, si willent wiser sin dan got Seuse
531,5
MWB 2 875,9; Bearbeiter: Helmich |