gademære
stM.
‘Zimmermann’
quosdam concives nostros ex opere manuum suarum dictos chudruwanær et quosdam
dictos gademær et quosdam cognomento schriͤnær UrkRegensb
32
(a. 1244);
suͤmlich unser purigaͤr von ir hantwerche genant chuderwaner
[= kurdewæner
] , suͤmlich gademer und
ettliche schreinaͤr ebd.
162
(a. 1315)
MWB 2 46,11; Bearbeiter: Bohnert
gädemler
stM.
‘Inhaber einer Verkaufsbude oder eines Verkaufsraumes’ (s.
gadem
stN.
4
):
daz ist daz gesetzede über die gädemler die in die stat ziehent und veile wellent
haben StRMeran
425;
ouch sol kein burger noch gädemler niht mêr kornes koufen dan er in sînem hûse
bedarf ebd.
415.
ez sol ouch menniclich, ez sî gastgeber oder gädemler, daz fuoter verkoufen und
geben bî einem rehten vierteil ebd.
423.
413.
414.
422.
423.
425.
– als Beiname:
Cvnrad dem Gedemler UrkCorp
2432,5
MWB 2 46,18; Bearbeiter: Bohnert
gademliute
st. Pl.
→
gademman
stM.
MWB 2 46,28;
gademman
stM.
Pl. -liute.
‘Kleinhändler, Inhaber einer Verkaufsbude oder eines Verkaufsraumes’
(s.
gadem
4
):
kain burger sol mit kaime gaste kain geselleschaft haben an dem
salce [...], kain gadenman [...] sol
keinem gaste sin saltz verkaufen StRAugsb
46,11;
fur die gadenlude BerufeFrankf
48b
(a. 1346).
– als Zusatz zu Pers.-Namen:
Wolframus Gademannus UrkFrankf
2,82
(vor 1317);
Mathias gatdeman BerufeFrankf
48b
(a. 1320)
u.ö.
MWB 2 46,29; Bearbeiter: Bohnert
gademstat
stF.
‘Stelle, Anwesen, worauf ein Stall steht’ (vgl. SchweizId 11,1725f.
mit weiteren Belegen):
daz herre Ingolt von Spiringen disem kloster hat gegeben ein gaden stat an Ranft,
ein gaden stat zir Bvzzen, ein gaden stat ze Leime; dise drie gaden stete hat er dar
vmbe gegeben, daz er wil, daz man sin iargzit iêrgelich bigange an dem zehinden tage nah
sant Martis tage mit dem zinse so abe disen gvͦtern kvnt UrkCorp
1228,18;
uf dem berge sind 5 gadenstette; da hat diu heirschaft das recht, das si umbe
mitten oͧgsten nemen sol als das mulchen [Milchproduktion eines
Tages] , das in funfthalben tagen in den selben gadenstetten wirt
UrbHabsb
1:478,14;
UrkEngelb
52,227
(a. 1322).
51,142
(a. 1301)
MWB 2 46,39; Bearbeiter: Bohnert
gademvrouwe
swF.
‘Inhaberin einer Verkaufsbude’ (vgl. →
gademman);
als Zusatz eines Pers.-Namen:
Mya gadinvrouwe BerufeFrankf
48b
(a. 1326)
MWB 2 46,54; Bearbeiter: Bohnert
gader
Adv.
→
gater
MWB 2 46,58;
gaf
stN.
→
kaf
MWB 2 46,59;
gaffelstirne
swF.
zu Etymol. und Bed. vgl. G. Ehrismann, PBB 20 (1895), S. 49.
Scheltwort, ‘dreistes, freches Weib’
din antlútz sol nit als der gaffelstirn unschemlich
hochtragent sin und [erg. du solt nit
] das
hoͮbt hin und her werffen von toͮber laszheit Seuse
481,8;
du bösi goffel stirne / der tüfel far dir in din hirne Sibotel
649;
SHort
2229
MWB 2 46,60; Bearbeiter: Bohnert
gaffen
swV.
→
kapfen
MWB 2 47,3;
gaffer
stswM. stF. , kampfer
stM.
auch gafer, graffer, caf(f)er; camfer
(
OvBaierl
157,6
), kanfer (
SalArz
41,9.
61,48
u.ö.).
– sw. Akk. Sg.
capharn BWB(Sch)
1,874
(clm 14221; 11. Jh.).
– stF. KvWGS .
– s.a. Suolahti 1,89; Marzell 1,87. –
‘Kampfer, Harz des Kampferbaumes’, bes. als Heilmittel, Inhaltsstoff
von Schminke:
von dem campfer. camphora haizt campfer und sprechent die gar
alten maister, ez sei ain kraut, daz wachs gegen der sunnen aufganch in dem land India
und sei gar wolsmeckent BdN
395,26.
396,6;
unde von andirn dingin di edilin smac habin, als pisen
[Bisam] unde amber unde graffer unde neilekin unde holz
aloes SalArz
21,48.
66,31;
nim denne dru lot kampfers. vnde rip in ouch zu puluere ebd.
37,3;
Volmar
973;
liutsælic was sie selpvar; / doch bezzert sie hals unde kel: / kecsilber, gaffer,
weizmel / mit altem smerwe streich sie an Helbl
1,1147
(vgl. Schultz, Höf. Leben 1,244).
–
wann das der gaffer wirt entzunt, / so lescht in wag zu
keiner stund Mügeln
395,1.
375,1.
55,6.
–
spinat, gaffer und alêne / ist gegen dîner [Maria]
süeze ein krêne [scharf wie Meerrettich]
MarGr18
195;
die tugent hat diu gaffer: / swer si zuo der nasen habet, / daz er mit kiusche
wirt gelabet, / und er gewinnet reinen muot KvWGS
812
MWB 2 47,4; Bearbeiter: Bohnert
gâgâg, gâgâgâ
Subst.
vgl. →
gâ.
lautmalend für das Geschnatter der Gänse:
ein gans di suezzen sanch / lern scholt
[...], / wann sew chaͤm von schul her wider, / si
chund doch nicht anders sider / denn den alten gagaga [:
da
]
Teichn
403,67;
du tummer narre, wænst mit sange vehten? / du schrîest vil und machest grôz
gebrehte / reht als diu gans schrît gagag nâch ir rehte Kolm(B)
113,18
MWB 2 47,30; Bearbeiter: Bohnert
gagâtes
Subst.
1
‘Bernstein’ (vgl. 2 ein Edelstein, gleichbedeutend mit
echîtes
(vgl.
1
‘Bernstein’ (vgl.
Riddle, Marbode 55f.
):
Parz
791,15
(in der Edelsteinliste);
gagates haizet ain aitstain oder prennstain. den vint man in
dem land Lycia pei Preuzen und in Britannia, und ist zwairlai: swarz und liehtvar.
iedoch ist der liehtvar zwairlai: ainer weiz, der ander gel. wenn man den stain
reibt unz er erhitzt, sô zeucht er hälmel an sich BdN
447,10
2
ein Edelstein, gleichbedeutend mit →
echîtes
(vgl.
Riddle, Marbode 63f.
):
Jacobus spricht, daz der adlar ainen stain hab in dem nest,
der haizt echides oder gagates. der hât inwendig ain andern stain in im
BdN
166,33
MWB 2 47,39; Bearbeiter: Bohnert
gagatrômes
Subst.
vgl. →
gegatrom
.
ein Edelstein (vgl. Riddle, Marbode 65):
Parz
791,2
(in der Edelsteinliste)
MWB 2 47,52; Bearbeiter: Bohnert
gagen
Präp.
→
gegen
MWB 2 47,55;
gagen
swV.
‘bewegen, schaukeln, wiegen’
wigen wagen, gigen gagen, / wenne wil ez tagen? / minne minne,
trûte minne, swîc, ich wil dich wagen KLD:GvN
50: 1,7.
50:2,7
(Refrain eines Wiegenliedes; s.a. Anm. z.St.).
– eine Gebärde bezeichnend:
si kapfen frolich oder kagen, / si munt doch nit halb fród han
SHort
412
MWB 2 47,56; Bearbeiter: Bohnert
gâgen
swV.
‘schreien, schnattern wie eine Gans’ (vgl.
Lötscher, Schallwörter 135
und →
gâgâg
):
Artûs valke al mite streich; / dâ wol tûsent gense lâgen. /
dâ wart ein michel gâgen Parz
282,14;
der schalck, / der gottes kenpfen laget, / gein dem rehten gelouben gaget /
als ein vil toube gans Martina
152,68
MWB 2 47,63; Bearbeiter: Bohnert
gageren
swV.
zu
gagen
.
‘sich hin und her wiegen, schwanken’
der wol geborne knappe / hielt gagernde als ein trappe
Parz
149,26
(Nellmann, Parz. z.St. erwägt gâgernde)
MWB 2 48,6; Bearbeiter: Bohnert
gâgeren
swV.
zu
gâgen
.
‘schnattern’
ez dringet durch gagern [um zu schwatzen, lärmen
(Lexer)] uf den kor [Chorraum der
Kirche] / vil manick ungefuger tor Jüngl
943
MWB 2 48,10; Bearbeiter: Bohnert
gagerwîp
stN.
zu
gageren
.
Schimpfwort für eine weibliche Person:
laet si [Witwe] iͤr
gezemen, / chaͤm iͤr ein man, sew wolt in nemen, / so ist sew ein
gager weib [La. witib
] genant
Teichn
261,51
MWB 2 48,14; Bearbeiter: Bohnert
gagerwitewe
F.
Teichn
261,51(La.)
→
gagerwîp
MWB 2 48,18;
gagzen
swV.
Iterativum zu gack (ahd. gackizzen, vgl. Etymol.Wb.d.Ahd.
4,19).
‘gackern’
waz sol der küeje lüejen, waz sol der vrösche schrîen, der hennen gagzen?
Boppe
3:2,7;
so diu henne ain âi geleit, so hebt si an ze gaczinne unde gagzit als lange,
biz daz man irz nimet. also tuͦnt suͤmelich luͤte, so in unsir
herre ethwaz gnadin tuͦt [...], so kunnin si ez nich
verswiegen unde claffint unde gagzint also lange, biz in unsir herre sin trost
enzuchet
AnzfKdVz 4 (1835), Sp. 370 (aus unediertem Text; Hs. um 1300);
Marner
15,19c,10
(Konjektur, s. →
gëckzen
);
LügenrM
12
MWB 2 48,19; Bearbeiter: Bohnert
gæh-
s.a. gâh─
MWB 2 48,31; Bearbeiter: Bohnert
gâhe
Adv.
→
gæhe
Adj.
MWB 2 48,32;
gâhe
swF.
nur in adv. Verbindungen, meist in allen gâhen,
daneben je einmal
allen gâhen PrStPaul
27,18
und
in aller gahen VMos
62,11.
1
‘in allergrößter Eile, sehr schnell’
2
‘mit einem Mal, plötzlich’
1
‘in allergrößter Eile, sehr schnell’
ê daz si [...] in allen gâhen / zuo rîten sâhen /
einen ritter Er
8;
im wart von mir in allen gâhen / ein küssen und ein umbevâhen Walth
119,30;
di da furhtent unseren herren / unde
[...] in allen gahen / uone scamen
roten [zu erröten] geuahent VMos
58,18.
–
‘so schnell, auf die Schnelle’
wie mahtest dû in allen gâhen ieht wildes gevâhen?
Gen
1147;
dune fündst in allen gâhen / dehein wirt der dir gunde
baz / guoter wirtschaft Parz
486,24;
HvNstAp
17421.
–
‘sofort, sogleich’
sus fuor siu zehant, / dâ siu iren vater vant, / siu begunde in allen
gâhen / in güetlîch umbevâhen UvZLanz(K)
7225;
Volmar
609
2
‘mit einem Mal, plötzlich’
Gen
1806;
Wernh
D 2303.
D 4117;
dô sie eine wîle gehielt, [...] do
ersach sie [...] / in allen gâhen einen jüngelinc
Eracl
2907;
ê daz er [Habakuk] daz wort
vollesprach, / bî dem wirvellocke zuhte er [Engel] in /
und sazte in in allen gâhen hin / ze Babilône KvHeimHinv
346;
Symon Pêtrus [...] zuhte in allen
gâhen / ein swert KvHeimUrst
194.
2024.
–
Weitere Belege s. Leitzmann, Lexik. Probl. 22 u. 29
MWB 2 48,33; Bearbeiter: Bohnert |