gâben
swV.
1
‘jmdm. eine Gabe überreichen, ein Geschenk machen’
2
‘jmdn. (einen Geistlichen) dotieren’
1
‘jmdm. eine Gabe überreichen, ein Geschenk machen’
ainer gab ain bettbrett, / der ander hiesz ain swingen / im von haimen bringen
/ und gobet och der brüt Bauernh
383;
Bussard
1014;
do nuͦ Julianus kam [...] zuͦ der stat
Cesarea, do kam ime engegen sant Basilie, vnd brohte ime drú girstine brot vnd gobet
ime die ElsLA
169,11;
du hast alhie verschuldet wol / daz ich
[Herodes] dir [der Tochter der
Herodias] fúrbas gaben sol / den [Johannes den
Täufer] du hast begert an mich SHort
2994.
–
‘als Schenkung übereignen’
ware och das, das si das gvͦt dicheim gottishvse wolte gebin, dem
gabe sis in dem selben rethe, alse si ims verlvwen het UrkCorp (WMU)
752,37.
– von Gott:
[
ut, quique [...]
psallimus,
] donis beatis muneret: mit gaben sæligen er
vns gabe PsM
H 1,4;
got wil nach den werchen gaben Teichn
421,146;
und wie in got [...] gabet hat
Tauler
160,13
2
‘jmdn. (einen Geistlichen) dotieren’
maniger gicht, der phaffen ler / sey nicht anders denn nach
gab. / der ist nicht ein weiser chnab. / geit man in des leibez genist, / so geben
seu daz ewig ist. / [...] war umb solt er singen und lesen,
/ predigen, peichten, arbait haben, / wolt man sew dar umb nicht gaben?
Teichn
168,62
MWB 2 40,13; Bearbeiter: Plate
gâbephant
Adj.
‘verpflichtet, mit seiner Person (als Geisel) zu haften’ (zu
gæbez phant mit Umdeutung von gæbe?; vgl. gæbe
unter 3.):
wir haben auch in nach altem vnd gemeinem reht div genad getan, daz wir nieman
deheinen gewalt geben svln weder vber ir leib noch vber guͦt, noch daz si
gabpfant noch pfantmezzig [zur Stellung eines Pfandes
verpflichtet] sein svͤllen fvͤr dehein unser gelt, daz
wir gelten sulen, ez sei in dem lande oder auz dem lande UrkWittelsb
2,205
(a. 1312)
MWB 2 40,38; Bearbeiter: Plate
gâbephant
stN.
(BMZ) →
gæbe
Adj. unter 3.
MWB 2 40,49;
gâber
stM.
‘Stifter’
[...] so mogent die forgenanten gabere iederman fur sich
ordenliche personen [...] an die furgenante vicarien setzen
unde antwurten [...]
UrkFrankf(B)
515
(a. 1332)
MWB 2 40,50; Bearbeiter: Plate
gâberîche
Adj.
‘gabenreich, freigebig’
der reiche kunig von Spangen lant / hett ein gabreiche hant
HvNstAp
6024
MWB 2 40,54; Bearbeiter: Plate
gæbic
Adj.
auch gêbic.
von Münzen: ‘gültig’, wie gæbe meist in
Paarformeln:
zwelf pfennig der gewonlichen Wienner mvntz, dev dann gebich ist
UrkCorp (WMU)
2544,35;
einen shillinch phennige, di daz Nvͦrnberch gengich vnd gebich sint ebd.
2887,20;
vmb fvͤnfzehen pfvnt Regenspurger pfennig, die danne gib vnd gæbich sin
ebd.
3197,35;
drey schilling Wienner mvnz, di zo den selben taegen gibich vnd gaebich sind
UrkHohenf
393
(a. 1338)
MWB 2 40,57; Bearbeiter: Plate
gæbiclîche
Adv.
‘unanstößig, gut’
swer iu guote lêre gebe / und selbe iht gæbeclîche lebe, / dâ [an der
Lehre] nemet ir guot bilde bî / und enruochet, wie dem andern sî
Freid
71,4
MWB 2 41,3; Bearbeiter: Plate
gabilôt
stN.
gobelot HvNstAp
3014.
– aus afrz. javelot, gavelot (Suolahti 1,88).
–
‘Wurfspeer’, bei der Jagd und im Kampf, gewöhnlich von
nichtritterlichen Personen verwendet
(s. Dalby, Mediaeval Hunt 54a; Yeandle, Comm. zu Parz 120,2):
er lernte den gabilôtes swanc, / dâ mit er mangen hirz
erschôz Parz
120,2;
dô greif der knappe mære / zuo sîme kochære: / vil scharphiu
gabylôt er vant ebd.
139,11;
durchz ouge in [Ither] sneit dez
gabylôt ebd.
155,9.
120,16
u.ö.;
UvEtzAlex
13513.
9697
u.ö.
–
ich enreiche dir kein gabylôt: / diu ritterschaft dir daz
verbôt Parz
157,19;
dâ stuont ouch manec koufman / mit hâschen und mit gabilôt
ebd.
183,17;
gabilôt und atigêr / truogen die sarjande Wig
10674;
sie [
der vuozgenger schar
] heten
[...] / hacken unde kiulen, / dâ mit sie vromten
biulen; / sie heten ouch scharphe gabilôt UvEtzAlex
2463;
Kudr
356,3;
JTit
4578,2.
6192,4
MWB 2 41,7; Bearbeiter: Bohnert
gabilûn
stSubst.
aus afrz. cameleon (Suolahti 1,89).
ein wunderbares, drachenartiges Tier (s.a. →
gampilûn
):
daz [wilde Tier] wolde in verslinden. / daz sluog
er mit dem swerte [...]. / einem gabilûne was ez anelîch. /
er begunde ez schinden; dô wart er krefte rîch Kudr
101,1;
er worte [= vuorte
] an sime schilde /
ein tier, samt [l. sam
] iz spilde, / vz deme
golde erlich, / eime capelune gelich Roth
4943
MWB 2 41,25; Bearbeiter: Bohnert
gabiʒ?
Subst.
Neidh(S)
2,112 c43:3,8
(Stelle unverständlich, vgl. Anm. z.St.)
MWB 2 41,34; Bearbeiter: Bohnert
gâch
Adj.
auch gâ (z.B.
Herb
2401
u.ö.;
Roth
4106;
Eracl
3464
). – Adv. gâche (nur
WernhMl
7760
), gâch (adv. Akk., nur
Iw
4873;
Frl
7:19,13.
8:3,11;
Ottok
5883;
WernhMl
4676.
9896
). – Rückbildung vom Adv. gâhe (vgl. auch die Kompos. mit
gâch-) zum Adj. →
gæhe,
mit dem es in der Überl. wechselt, wobei aber gæhe meist attr.,
gâch meist präd.
gebraucht ist (vgl. 2
5Mhd. Gr. § M 26 Anm. 1).
1
‘schnell, rasch’
1.1 unpers. mit sîn/werden und Dat. d. P. ‘es eilig
haben’
1.1.1 ohne weitere Bestimmung 1.1.2 mit näherer Bestimmung; die Bed. geht häufig in ‘begierig sein,
verlangen’ über, vgl. bes. die Beispiele für gâch
nâch/ze etw. 1.2 andere unpers. Konstr. 1.3 pers., attr. (sonst gæhe ) 2
‘heftig, ungestüm’
1
‘schnell, rasch’
1.1
unpers. mit sîn/werden und Dat. d. P. ‘es eilig
haben’
(ohne Dat. nur sprichwörtlich [TPMA 2,410
]
so ie gaher, / so ie gar unnaͤher!
RvEWh
9131
)
1.1.1
ohne weitere Bestimmung:
der brvder was niht laz, / in die tzelle lief er
geringe, / gach wart dem bertinge ReinFu
K,970;
den sînen wart vil gâch / unde ranten ime alliz nâh
SAlex
2640;
er ilte, im was gach Herb
2050;
er gêt vil sanfte, im ist niht gâch
Wig
4986;
dô was in ernst und gâch UvZLanz(K)
6699.
2991
1.1.2
mit näherer Bestimmung; die Bed. geht häufig in ‘begierig sein,
verlangen’ über, vgl. bes. die Beispiele für gâch
nâch/ze etw.
– mit Gen. d. S.:
ist iu nu zornes gâch Parz
515,17;
wie ist iuch tretens mich sô gâch? ebd.
522,21;
im was niht wan gebetes gâch
RvEBarl
14441.
– mit Präp.-Gruppe:
sus was im an den risen gâch Iw
4989;
dô was im gâch an die vart. / mit urloub er enwec
reit UvZLanz
668.
–
im was gein Artûse gâch Parz
128,15;
der sunnen was gein hœhe gâch ebd.
196,10;
dem muoz gein sorgen wesen gâch ebd.
731,29;
im was mit zorne gein in gâch Wh
324,9.
–
nach Reinhartes kel im
[Bauer] gach was ReinFu
K,466;
lâ dir nâch mir wesen gâch, / heb ûf dîn kriuze,
gâ mir nâch! RvEBarl
5345.
6543;
swenne got sihet, daz wir sîn der eingeborne sun, sô ist gote sô
gâch nâch uns und îlet sô sêre Eckh
1:194,3.
–
iu ist mit der rede ze gâch: / slâfet ein lützel
darnâch Iw
827.
996.
3163.
–
im [Hochmeister] was uf
dy Littown gach Hiob
15545.
–
dô was im von dem künege gâch Parz
150,29;
dâ [Gesang der
Nachtigall] warne
ich [Wächter] friunde bî, / dur daz in
gâch von minnen sî KvWLd
15,12.
–
die da fluhen, den was gach / vber daz geuelde /
hin zv dem gezelde Herb
11784;
ienen was zv der flucht gach ebd.
14004;
zv Reinhartes schaden wart in gach
ReinFu
K,1436;
dô fuor in balde ein knappe nâch: / dem was zer
botschefte gâch, / die er werben solte Parz
517,12;
Rennewarte was zer spîse gâch Wh
276,3;
im wart zer âventiure gâch UvZLanz(K)
7874;
mir was ze sînen hulden / alze liep und alze gâch
Iw
4187;
dem rîter was zer vreise gâch Wig
1845;
zer toufe wart dem grâven gâch ebd.
8207;
zu suͤnden ist dir gewesen gach
HvNstVis
241.
– mit ze und Inf.:
dem was ze knien für si gâch Parz
237,12
u.ö.;
des wart im zervarne gâch RvEBarl
553.
– mit Inf. (vgl. → gâhen 3.3):
sô sol uns wesen gâch / verloufen in [in kleinen
Weihern gefangenen Fischen] die rinnen, / sô mugen si
uns niht entrinnen KvFuss
2711(La. A).
– mit Adv.:
Reinharten wart dannen gach ReinFu
K,172;
war ist dir nu so gach, / du ubermuͦter
kaiser? Rol
7626;
sô gâch was im wider dan Wh
317,16;
swâ sô si [Liebe] den
zwîvel siht, / dâ von enscheidet si sich niht, / dar ist ir nôt unde
gâch Tr
13837
1.2
andere unpers. Konstr.:
jmdm. gâch tuon
‘machen, dass ihm gâch ist’
gant diube dar und stelent eim biderben man sin
guͦt, tuͦt er den [...] gach
[scheucht sie auf] mit iagenne oder mit
ruͤfenne StRAugsb
100,27.
– jmdn. hât gâch
‘ihm ist gâch’
(Grimm, Dt. Gr. 4, 287):
iedoch hêt in ein teil zuͦ gâch / uffe den
helit reinin Athis
E 126
1.3
pers., attr. (sonst gæhe):
ern kêrt sich niht an gâhez schehen: / müezeclîche er
wolde ersehen / wiez ze bêder sît dâ wær getân Parz
69,7.
121,6;
dem gâhiu hêrschaft wirt erkorn [dem rasch
eine Machtstellung zufällt]
RvEAlex
1487
2
‘heftig, ungestüm’
(fast nur attr., dafür sonst meist →
gæhe
; präd. nur
lât iuwern zorn niht wesen gâch Wig
11551
):
etwenne wirt des hercen vmmacht
[Herzversagen] von gaher vorchte oder von gaher
vroude SalArz
46,40;
der tot mit snellem vlucke ein werk het do bestanden / mit lebens gahem zucke
JTit
2638,2;
si lâgen gâhes endes tôt KvHeimHinv
823;
Serv
3404.
–
gâher tôt
‘plötzlicher Tod’
si wânden alle ze Rôme, / ez [das
Sterben] chôme von dem gâhen tôde Kchr
7559;
da wirt er [der
Antichrist] oͮch mit dem gahen tode erslagin mit dem gotis
worte Lucid
135,9;
nieman mohte danne / dem gâhen tôde enbresten
Wig
3724;
Frl
5:20,6.
–
‘gewaltig’
in gahes wunder er des quam [
ut miraretur praeses
vehementer
Mt 27,14
]
EvStPaul
1972
MWB 2 41,36; Bearbeiter: Bohnert
gâcheit
stF.
‘Hast, Übereilung’
das man es [Gebet] dvrnehtecliche
spreche, niht mit bestumpfeten worten von gacheit, niht slaflichen von tracheit, niht
verlazenlichen von italkeit DvAStaff
95;
da von [Unkeuschheit] kumet och gacheit unt
ungestuͦmikeit an allen dingen SiebenTodsündenIII
333
MWB 2 42,62; Bearbeiter: Bohnert
gâchen
swV.
→
gâhen
swV.
MWB 2 43,5;
gâchheil
stN.
auch gocheyl (
Albrant
3,41.
3,50
).
‘schnell wirkendes Heilkraut; Schafgarbe’ (vgl. Marzell 1,87f. 253;
Etymol.Wb.d.Ahd. 4,13f.):
du salt snydin gachheyl cleyne und suyt das mit wine unde floze
daz dem rosse in den hals: zo sterbyn dy worme Albrant
3,5.
1,3;
Glossenbelege des 11.-14. Jh.s s. AWB 4,21
MWB 2 43,6; Bearbeiter: Bohnert
gâchlîchen
Adv.
vgl. auch gæhelich, gâhenlîche.
‘eilig, rasch’
der bote gâhen began / und sagte ez gâhlîchen / dem fürsten Dietrîchen Bit
9091;
Dietr
6820
(s.
gæhelich
)
MWB 2 43,13; Bearbeiter: Bohnert
gâchmuot
stM.
‘Ungestüm, Jähzorn’ (vgl. gæher muot unter gæhe
1):
gachmut ist in [
colerici
] ein
teil zu groz Physiogn
65;
der [
colericus
] muoz durch nôt
gâhmuotes sîn, wan im diu galle schiere enbrinnet Barth
128,10
MWB 2 43,17; Bearbeiter: Bohnert
gâchmuotic
Adj.
‘jähzornig’
suelre ist heizer vnde trukener nature, der ist gachmuͦtich
vnde kuͤne vnde het gerne uil wibe vnde ist an der minnen vnstete
Lucid
50,14
MWB 2 43,22; Bearbeiter: Bohnert
gâchmuoticheit
stF.
‘Eile, Hast’
mit grozer gamutikeit / ilter hin zu dem grabe PassIII
160,42;
gemuticheit PassI/II
361,74
(Umlaut wohl analogisch nach gæher muot)
MWB 2 43,26; Bearbeiter: Bohnert
gâchschric
stM.
‘rascher Sprung’, hier: ‘Versündigung’
woldist du [der hl. Johannes] mich engalten / maniger
gachscriche [La. ascricke
→
âschric
] , / da mit mich dicher denne diche / der tievel hat
verleitet, / so wære mir manigen tach gireitet / diu ewige verdammunge Litan(M)
447
MWB 2 43,30; Bearbeiter: Bohnert
gâchspîse
stF.
‘schnelle Speise, Imbiss’
sî gienc und was in kurzer zît / her wider komen unde truoc /
guoter gâchspîse gnuoc Iw
1222;
nu truoc diu hûsfrouwe dar, / [...] swaz si guotes mohte,
/ daz ze gâchspîse [Hs. gaher speise
] tohte
KvFuss
1894
MWB 2 43,36; Bearbeiter: Bohnert
gâchtouf
stM. , gâchtoufe
stF.
‘Nottaufe’
wer dich getoufft hab, es sî pfaff oder ley, als etwan ze gâchtouff geschicht: der
ist dîn geistlich vatter SchwSp(W)
345,90;
swer einem kinde der gâchtoufe helfen wil, der sol diu wort sprechen, daz dâ iht
verwandelt werde [ohne dass etwas verändert werde]
PrBerth
2:228,24
MWB 2 43,42; Bearbeiter: Bohnert
gâchtoufen
swV.
‘nottaufen’
das chint gæchtauffent di frawen und stirbet dar nâch gæchling RbRupr
202
MWB 2 43,49; Bearbeiter: Bohnert
gâchzornic
Adj.
‘jähzornig’
iedoch vint man etleich frawen, die part habent oben an dem mund,
und daz ist ain zaichen, daz si gar haizer nâtûr sint und gæchzornig BdN
12,21
MWB 2 43,52; Bearbeiter: Bohnert
gack
Subst.
lautmalend für das Gackern des Huhnes;
in Anspielung auf das bekannte Sprichw. ‘wenn ein Huhn ein Ei gelegt
hat, gackert es laut’ (vgl. TPMA 6,209):
als das hun das da hat
gelacht [gelegt] , / yederman han ichs balde gesagt: /
»gack gack gack gack gack!« han ich gejehen Pilgerf
7814
MWB 2 43,56; Bearbeiter: Bohnert
gadem, gaden
stN.
auch swN. (
WüP
104,2;
Urk.-Belege s. Gürtler, er-Plurale 123), stM. (
BrEb
66;
Frl
7:1,10
).
– Dat. Pl. auch
gadym Cranc
Jes 35,7;
gadden UrkFrankf
2,319
(a. 1332);
Nom. Akk. Pl. auch gedime
UrkCorp (WMU)
436,11
und gedemer (
BrEng
4;
Urk.-Belege s. Gürtler, er-Plurale 122f.,
s.a. WMU 1,546).
1
‘Gebäude, Haus’
2
‘Stockwerk, Geschoss’
3 ein (Wohn-) Raum verschiedener Größe und Verwendungen 3.1
‘Saal’
3.2
‘Zimmer, Kammer, Gemach’
3.3
‘hoch gelegener Verschlag’
4
‘Verkaufsraum, Verkaufsstätte, Bude’
5
‘Kasten, Schrein’
6 bildl. (zu
1
oder
3
) 7 Einzelnes 7.1
‘hohes Gerüst, Gestell’
7.2
‘Stall, Stallung’
7.3
‘Lagerstatt’ eines Tieres 7.4 ein Maß
1
‘Gebäude, Haus’
obe sie [Postulantin] dan uollesteit, so leide sie
man sie wyder in daz gadem der nuwen sustere BrEb
58;
elleu gadem und heuser [...] suln auch nimmer hoher
gepauwet werden, denne als dez kirchofes maure hoh ist NüP
167;
si [Elefanten] trugen castell und
gaden HvNstAp
3869.
– Anbau eines Hauses:
daz hinnan hin nieman [...] dekainen fv́rschvtz
[vorspringenden Anbau] mache
[...] vf die straze mit stvban, mit loͮben,
mit gaͤdemern, mit vmbeloͮfen oder mit aͤrgern
UrkCorp (WMU)
2354,5.
– Aufbau über einem Tor:
eyn gadin was uf der phortin der uzsirn muyrn
Cranc
Uzl 254,32
(vgl. PL 196,540ff. mit Abb.)
– für die Hölle:
wie gern ich woͤlt / das ich zuͦ minem kinde soͤlt /
ab gaͮn hin inder helle gaden! KvHelmsd
2223
2
‘Stockwerk, Geschoss’
in deme nideristen gademe [der
Arche] was aller vogele gechrademe Gen
699;
ez sol auch niemant cheinen laden noch chein tuͤr anhahen
[...] an dem undern gadem gen der straz herauz
NüP
138;
daz ich zway gadem eins turͦns vber ein ander gemovrre
UrkCorp (WMU)
1595,8;
Kreuzf
2967;
SSp(W)
3:66,3;
StRMünch
417,22.
417,25.
– als Maßangabe:
er mag [...] pauen was er wil, das zwair gaden
hoch ist UrkÖsterrErbl
69,3
(a. 1237);
swa ein mawer sie zwischen zweier haͤuser, deu bi drein gadem hohe
sie oder hin uͤber UrkRegensb
726
(um 1320);
wan si in [Virgilius] ûf mit
sinne gar / an den turn zôch zwâr / wol drîer gadem hôch EnikWchr
23909;
sîn rîch gezelt [...] gieng übr alliu diu gezelt
/ diu geslagen wâren ûf daz velt, / volleclîche wol ein gadem Georg
1555
3
ein (Wohn-) Raum verschiedener Größe und Verwendungen
3.1
‘Saal’
ain unmâzen michel gadem Kchr
5717;
dô nam der degen
[Volker] widere den schilt an die hant, / und gie ûz
dem gademe für den türn stân NibB
1836,3;
doch uber sin [Damokles] houbt
in arcium gadem [Saal der artes (= Kunstwerke),
Thronsaal, aula regia (Anm. z.St.)] /
[...] / hiz er hengen eyn scharfez swert
Hiob
6159;
so sun [sollen] si alle in eim
gadme slâfin BrEng
22
3.2
‘Zimmer, Kammer, Gemach’
(zum Wechsel mit kemenâte s.a. Heyne, Hausaltertümer
1,360):
do wart der engel gesant [...] ze
der magde reine, do si in dem gademe saz eine AvaLJ
4,3;
WernhMl
2188;
ez lît vor disem gademe ein ritter tôt erslagen
NibB
1007,3
(vgl.
zer kemenâten ebd.
1006,3
);
do was bi Priamis trone / ein kamere vil schone
[...]. / Priamvs hiez in daz gaden / sine ratgeben
laden Herb
7227.
9249;
Wernh
5657;
PrOberalt
91,25.
–
dô allez daz entslâfen was / in gademe und in palas, /
daz dâ lac in dem hûs HvFreibTr
5920;
iz enwas dar uffe [im
palas
] niender gaden, / ez enwær von golde gemal
Rennew
7876;
GTroj
4894.
–
si gurten sich mit sverten / si gingen dare warten / uon
gademe ze gademe / si sluͦgen si alle zesamene VMos
30,23;
sy yltte getrautte / von gadem ze kemonatte
GTroj
21090;
mangez er der gadem erlief Parz
247,3.
– als Schlaf-, Ruhegemach:
daz gadem, dâ sie lac / die künegîn und slâfes pflac
HvFreibTr
2709;
Wernh
A 4048;
Herb
13390;
KvWTroj
8497;
Rennew
11379.
– als Klosterzelle:
nû gienc er an eime tage / [...] / vür sant
Francisken gaden, / iemitten dô er bette drinne LvRegFr
2087;
ez waz ein geistlich wip in eime clostere
[...]. einez dagez stunt si in irme gademe und
shach hin uͦz durch ein venster HlReg
12,3.
– als Gefängnis (oder zu
1
?):
daz im die burger ein gaden gemachet hant, daz er ouch dar inne sol
beliben untz an sinen tot StBZürich
19
(a. 1319)
(s.a. Anm. z.St.);
der [Vogt] hiess in
besliessen in ein gaden Seuse
76,16;
KvWTroj
23380.
– Raum, in dem etwas aufbewahrt wird, ‘Vorratskammer,
Lager’
beide gadem unde schrîn / sol dir allez offen sîn Helmbr
837.
853;
sus vuort er in in sîn gaden. / dâ sach er kisten wol
geladen / bî grôzen schrînen ligen vol [mit
Schätzen]
RvEBarl
6035;
nu giengen si aber in daz gaden / dâ die phelle lâgen StrAmis
1716;
HlReg
34,7;
mitt der frowen er do gie / in ain gaden hie / da er
wol vier und zwainzig bogen vand GTroj
1694
3.3
‘hoch gelegener Verschlag’
stîget dort hin uf daz gaden! StrKD
159,19
4
‘Verkaufsraum, Verkaufsstätte, Bude’
swer [am Sonntag] sin gaden vf tvͦt oder
sine creme oder sinen kelre, daz er iht drvs verkouffen wil, der ist dem priester
fivnf schillinge schuldig SchwSp
154a;
swaz fuoter ouch die gädemler koufen, daz sullent sie offenlich veile haben in
potigen in den vordern gädemern und niht hin hinder bergen und ûf tiurunge behalten
StRMeran
423;
alle mezzerer unde alle kramer di ze gadem stant die mugent
ir mezzer wol verkaufen einzen unde sament StRAugsb
42,28.
40,24
u.ö.;
und sol auch ir dheiner dhein kammer, gewelb noch gaden niht besteen
[mieten] hie in der stat NüP
272
u.ö.;
WüP
29,4;
UrkKlostern
1,274
(a. 1339);
StrAmis
1716.
–
under den gademen bezogen auf eine Reihe von Läden oder
Werkstätten:
nieman sal gewant sniden zv Erforte dan uffe deme vrige
[Freigut] vnsis herrin des bisschoffis vndir den
gadimen UrkCorp (WMU)
1161A,14;
wir Bertolf van Gluele, Johan Hircelin, die meistere sijn der
bruͦderscheffe vnder den geddemen [Gilde der Gewandschneider
in Köln]
ebd.
53,3;
WüP
65,4
5
‘Kasten, Schrein’
vil schœner vrouwen umbe in [Dietrich] saz, / die
kurzten ime die stunde. / sî zugen vür in werkes gaden ["bewegliche
arbeitspulte oder kasten" DWB 4,1,1,1134] , / sî truogen dar krâm
unde laden Virg
207,4;
sliuz ûf balde mir daz gadem Neidh
SL 21:5,5
(vgl. schrîn, kisten
ebd.
SL 21:6,1-4,
s.a. NeidhWB 81
)
6
bildl. (zu
1
oder
3
):
swer den [Christus] ze hûse haben sol, / der bedarf
der tugende wol, / die in des herzen gaden / ûz dem himelrîche in laden
LvRegSyon
424;
der goͤtlich geist gesicht alle die gaden vnd wonungen der sel
[
omnes officinas mentis
]
RvBib
99,20;
NvJer
55;
durchtrechtic wart der gotlich gadem [Maria] /
driglestic vunkenricher kunft Frl
7:1,10.
– rein umschreibend?:
nu hilffet niht, wie vil min kradem / geschryet an ir
helffe gaden Minneb
3518
7
Einzelnes
7.1
‘hohes Gerüst, Gestell’
man lût ûf des karrutschen gadem / die glocken Loheng
5041
(vgl.
ein grôze glocke ein karrutsche zôch, / diu dar ûf gemachet was mit bûwe
hôch ebd.
5001f.
)
7.2
‘Stall, Stallung’
ûzer deme gademe erz [Alexander das Pferd
Buzival
] reit VAlex
321
(vgl.
marstal ebd.
261
)
7.3
‘Lagerstatt’ eines Tieres:
in den gadym [
in
cubilibus
] , in den do woneten vor trachen, wirt ufgen
roris und semden gruende Cranc
Jes 35,7
7.4
ein Maß:
oder alle ander mesur, wag oder gebicht [...],
oder alle andre gebicht vnd gadem StatTrient
143
MWB 2 43,63; Bearbeiter: Bohnert |