Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gewollîche (?) - gewuoc    


gewollîche (?) Adv. übers. lat. rite ‘nach hergebrachtem Brauch’ (oder als Verschreibung zu gewonlich ?): he [Christus] bewiste sich wesse gewolliche ein got [interl. zu monstraret se (esse) rite deum ] Sedulius 2v,6

MWB 2 746,18; Bearbeiter: Richter

gewon Adj. auch gewone ( Roth 2426; Brun 3037; PrLpz 113,31 ), gewun ( Herb 13540 ), gewan (z.B. HvNstAp 1903. 3672; KarlGalie 761; Pilgerf 3842 ). 1 ‘gewohnt’
1.1 attr.
1.2 prädikativ (häufig mit Gen.)
1.2.1 mit präp. Erg. zur näheren Bestimmung
1.2.2 mit Inf.
1.2.3 mit Part. Präs.
1.2.4 mit daz -Satz
2 ‘üblich, dem Brauch entsprechend’ (meist mit unpersönl. Subj.)
3 ‘von einer bestimmten Art, beschaffen, veranlagt’ (mit sächl. Subj.)
4 ‘wohnhaft, ansässig’
   1 ‘gewohnt’    1.1 attr.: er sprach: ‘ Gawein, tùrer helt, / aller tùgende uszerwelt, / erzeigent mir vwern gewonen sitten / vnd lat der bet, der ich bitt, / mich werden von ùch gewert Krone 19546. 23451    1.2 prädikativ (häufig mit Gen.): do [bei Tagesanbruch] quamen sie zv den pherden / vnde riten vz zv felde, / vz den gezelden / vnde vz der stat von Ylion, / als sie waren gewon Herb 12668; den kerkenere man vf brach / dar in schein do der tac / schire quam in daz liecht / des newarin sie gewone niecht Roth 2426; diu ros von müede schûmden / mêre dan si wærn gewon UvZLanz 2569; swer wol gewon schœner frowen sî, / daz er in dik mag wesen bî / mit fuoge [...] / der sol frô sîn von schulden SM:Had 52: 12,7; KvWLd 31,123; Tr 951; Pass III 32,9    1.2.1 mit präp. Erg. zur näheren Bestimmung: si [die Diener des Roten Ritters] wârn siges an im gewon Wig 3003; wir warent froͮde an dich gewon: / wer het geschaiden dich da von? RvEWh 4189. 4124; dirre [Peleas] vntruwen was gewon / vmb sines bruͦder svͦn [er war betrügerisch gegenüber seinem Neffen Jason] , / dem frumen ritter Herb 117; du bist liebes von mir niht gewon ebd. 18100. 18264; Priamvs sich versan / vnd ander sine rat man, / der er zv rate was gewon, / wie er mochte sinen son / begraben mit eren ebd. 10727. – einer Sache von kinde/ kintheit ~ sîn: swer ir [der Armut] von kinde ist gewon, / dern schamt sich ir sô sêre niht / als man hie an iu gesiht Iw 6312; RvEBarl 13344; des er von kintheit ist gewon, / ez sî im schade, ez sî im vrum, / dâ kumt er âne got niht von Winsb 37,8; Gen 2549    1.2.2 mit Inf.: ir sît von chintheite gwon mit deme fihe gên Gen 2549; [Isolde lässt bestellen] daz ir [Tristan] si noch gespræchet [...] / und ouch vil rehte vâret [zum Treffpunkt] / der selben stunde unde der zît, / als ir gewon ze komene sît Tr 14552; daz wir ir guͦt ze Schorndorf [...] ledik vnd fri lazzen [...] alles dez dienistes, dez wir bis her gewon waren ze nemenne UrkCorp (WMU) 1993,9; Ottok 28563    1.2.3 mit Part. Präs.: darnach der kunic lien [l. lîhen ] / begonde dissen drien [den Männern, die den Feuerofen überlebt hatten (vgl. Dn 3)] / wider daz lant Babylon, / als sie waren vor gewon / habende ez in wirde / dem libe zu begirde Daniel 1620. 8024    1.2.4 mit daz-Satz: von im was man des gewon, / daz er nacht vnde tac / an sime gebete gerne lac Herb 15609; swâ daz swîn vant eine wurz, / [...], / dâ jagete er ez balde von / und az sî. des was er gewon, / daz er der spîse nerte sich RvEBarl 4252; die frauwe was gewone das sie abendes nummer essens enbeiß Lanc 90,32 u.ö.; Walth 96,27; PriestJohB 954,9    2 ‘üblich, dem Brauch entsprechend’ (meist mit unpersönl. Subj.): wan ez ist bi dem menschen gewon [übers. est enim consuetum apud homines ] , daz die, die da zuo etwaz erwelt werdent, die werdent geschriben in daz buoch ThvASu 288,21; die arzenien mit der die sünde des fleischez gewon was gereiniget zwerdenne [übers. consueverat mundari ] ebd. 126,20; [Die Sonne verbrennt die Erde, doch bekäme sie Nachwuchs, vergrößerte sich auch die Bedrohung.] als ist ez umb den diep gewan, / der einig grôzen schaden tuot. / gewint er kint, daz ist nicht guot. / man sicht dicke, daz diu kint / vil bœser denn der vatter sint Boner 10,28; als der gruesse do was gedaen, / ir hende sy do geweschen haen, / als da zo hoff was gewon KarlGalie 3648    3 ‘von einer bestimmten Art, beschaffen, veranlagt’ (mit sächl. Subj.): der sezzel der was des gewon / von sines maisters listen, / [...], / der het in so gemachet: / [...] WhvÖst 4976; vor dese zene [der rücksichtslosen Fische im Meer] also ich wene / hat di brut [Maria] wol ander zene. / ir zene uns allen vrouwen, / si enbizen nicht, si edekouwen [wiederkäuen] / und vuten uns mit irme spone [ernähren uns mit ihrer Muttermilch] , / also daz schaf ist gewone [wie es von Natur aus beim Schaf ist] Brun 3037    4 ‘wohnhaft, ansässig’ ouch gab er ime Akaron / mit allen deme daz gewon / was umme und umme die stat [I Mcc 10,89] Macc 5136

MWB 2 746,23; Bearbeiter: Richter

gewonde stF. ‘Angewohnheit, Gepflogenheit’ (s.a. gewende stF.): ein katze in dem hofe was. / von gewonde konde sie daz: / so man abents saz zu dische, / [...] / eine kerze sie da hielt, / mit iren fuzen umbe vielt, / biz daz ezzen was gedan SalMark 912; vnd were in des fur lidic eigen vnd fur ein lidic gvͦt [...] gegen maneglich, alse reth ist vnd nach des landes gewonde UrkCorp (WMU) N579,27; van alder gewoinden her HagenChr (G) 6242

MWB 2 747,45; Bearbeiter: Richter

gewone stF. ‘Gewohnheit’ (s.a. gewen stMN.): dô er [der Gegner] von dem rosse saz, / der lewe [Iweins] sîn selbes niht vergaz, / er erzeicte gâhes sîn gewon: / ê er erbeizte dâ von, / dô hete er [der Löwe] sîn begrifen genuoc Gauriel 1944; er [der Mann] ist charl [Ehemann] , si [die Frau] ist chone [Ehefrau] , / daz ist ein vil altiu gewone VRechte 398

MWB 2 747,54; Bearbeiter: Richter

gewonet Part.-Adj. wonen swV.

MWB 2 747,62;

gewonhaft Adj. 1 ‘gewohnt’
2 ‘ansässig’
   1 ‘gewohnt’ die andern die got vil frôwer machent [...], daz sint die dâ guoter dinge gewonhaft werdent und in gotes dienste blîbent PrBerth 1:196,25    2 ‘ansässig’ waz hietest dû des êre, / solde diu heidenschaft / werden dâ gewonhaft / an der stat heiligen, / dâ wir niht wurden verzigen / betlicher bet? Ottok 50058

MWB 2 747,63; Bearbeiter: Richter

gewonheit stF. auch gewoneheit. ‘Gewohnheit’ (s.a. gewenheit ) 1 ‘Brauch, Sitte, Gepflogenheit’
1.1 allg.
1.2 (individuelle) ‘Angewohnheit’
1.3 ‘Gewohnheitsrecht’ (vgl. detailliert WMU 1,736f.)
2 von natürlichen, regelhaften Dingen
2.1 ‘Art, Natur’
2.2 spez. ‘Menstruation’
3 im Sprichwort
3.1 Gewohnheiten sind schwer abzulegen (vgl. TPMA 5,4-6)
3.2 Gewohnheit ist mächtig (vgl. TPMA 5,6f.)
3.3 Schlechte Gewohnheit schadet viel (vgl. TPMA 5,7)
3.4 Gewohnheit verändert die Natur (vgl. TPMA 5,7)
3.5 Gewohnheit ist stärker als Natur (vgl. TPMA 5,8)
3.6 Gewohnheit wird zur (zweiten) Natur (vgl. TPMA 5,8-9)
3.7 Gewohnheit erzeugt Liebe und sittliches Verhalten (vgl. TPMA 5,11)
3.8 Gewohnheit bringt Fertigkeit (vgl. TPMA 5,11)
   1 ‘Brauch, Sitte, Gepflogenheit’    1.1 allg.: meister [Jesus] , sage vns, wo wilt du, / daz wir dir bereiden nuͦ / daz osterlamp nach der iuden side? / die gewanheit were nit guͦt virmiden PassSpM 579; nu schult ir uernemin, wannin div geuvonheit erwͦchse, daz wir in disim osterlichem zîte uâstin Spec 62,10; dar nâch dô mit gewonheit / Jôsaphât ze velde reit, / daz er mit willen selten lie RvEBarl 1227; ez ist ein alt gewonheit, / daz man dem sæligen ie / gerne diende UvZLanz 8436; HimmlJer 298; PrLpz 8,42. – oft ~ hân: ze den selben czeiten do heten die romære eine gewoneheit [...], das si begiengen an dem anegenge des selben manodes ein hochczeit des kæiseres Augusti Konr 15,32; nû hete der künec die gewonheit / daz er nimmer deheinen eit / bî sînes vater sêle swuor / wan des er benamen volvuor Iw 893; Ägidius 292; StrKD 61,3. – oft nâch ~ (auch mit Attr.): man lûte dâ zem münster nâch gewoneheit NibB 1005,1; si satzten ûf vil schône / Lanzelete die krône / nâch küniclîcher gwonheit UvZLanz 8375; er [Antenor] bezeichente da mite [mit dem Olivenzweig] / fride nach dem site / vnde nach der alden gewonheit Herb 15281; PrOberalt 84,9; Tr 3006; BrEng 53    1.2 (individuelle) ‘Angewohnheit’ sihstû danne daz im [dem Kranken] diu ougen hol sint unde im der munt offen stêt sô er slæphet, sô soltû in vrâgen, ob ez sîn sit sî daz er mit offem munde slâffe; ist ez sîn gewohnheit niht unde zehert im daz winster ouge, sô stirbet er an dem driten tage Barth 135,12; Iw 4976. 6595; dv́ ander ist von boͤser gewonheit, das wir das herce niht gewennit haben mit stetem vlize an got gedenken DvAStaff 118; min herze vinster ist von gewonheit der súnden Mechth 6: 37,10; PrLpz 31,5; HeslApk 13552. – ~ (ze)brechen: irn sult iuwer gewonheit / durch nieman zebrechen. / der humbel der sol stechen Iw 204; StrKD 41,4. 57,122; MarlbRh 12,24. – Gewöhnung, Erziehung: die geprechen habent an der sêl werken, die sint zwaierlai. etleich habent daz von gepurt und etleich von gewonhait BdN 488,21; die aber den geprechen habent von gewonhait, daz sint die in den wälden erzogen werdent verr von den vernünftigen läuten und lebent sam daz vieh ebd. 488,29; die andern [Beizvögel] sint gar edel, die vâhent von nâtûr mit klainer gewonhait [Übung, Abrichtung] ebd. 188,19    1.3 ‘Gewohnheitsrecht’ (vgl. detailliert WMU 1,736f.): guot gewonhait ist als guot als geschribeneu recht RbRupr 226; sie sulen ouch geloben [...] zu behaltene die regele unde dî gewonheit des ordenes StatDtOrd 128,2 u.ö.; div gesetz der brvder vnd die gewonaiht des spitals SpitEich 5,14; diu vrävel ist ein phunt oder fünf schillinge, ie nâch des landes gewonheit SpdtL 147,25; daz sagen wir niht daz ez reht sî, ez ist ein gewonheit ebd. 152,2 u.ö.; er múst aber der statt ir gewonheit halten und ir recht Lanc 376,26; StRMünch 167,31. – von Abgaben: daz sie czollen, müten [ein Getreidemaß] , recht und gewonheit, di von alter her gewesen ist, berichten vnd tuen suln UrkBresl 175 (a. 1349)    2 von natürlichen, regelhaften Dingen    2.1 ‘Art, Natur’ alsô schiere er sich dâ nider / zuo der frouwen het geleit, / nâch menschlicher gewonheit / wart sie swanger und enphie Eracl 316; porphirio [...] ist ain vogel auz der gewonhait und auz der weis anderr vogel [ extra consuetudinem et modum aliarum avium ] , [...], wan er hât ainen praiten fuoz ze swimmen und hât ainen andern gespaltenen fuoz ze gên auf dem lande BdN 212,4. 122,31    2.2 spez. ‘Menstruation’ dar umb ist der mônâtleich fluz verslozzen an den swangern frawen, ez sei dann daz kint tôt oder diu fraw hab gar vil übrigs pluots. der hân ich ain gesehen, diu mit lebentigem kind ir gewonhait het BdN 33,26; wer in [Myrrhe] clistiert mit rautenwazzer, sô pringt er den frawen ir gewonhait, diu menstruum haizt ebd. 370,36 u.ö.    3 im Sprichwort    3.1 Gewohnheiten sind schwer abzulegen (vgl. TPMA 5,4-6): wan des der mensche in gewonheit kumet daz klîbet im gerne ane PrBerth 1:201,4; swer wider die natûre / wil ungewonlîch kriegen, / daz wirt im dicke sûre, / wil er natûre nâch gewonheit biegen; / dar nâch tuot wê, swer muoz gewonheit brechen Hadam 382,5; dar vmb spricht ein weiser meister Aristotiles. difficile est consueta relinquere. ez ist vnmuͤgleich die gewonhait ze verlazzen GestRom 15; natúrlich neigung und alte gewonheit ist muͤlich zuͦ lassen Seuse 456,17. 221,3    3.2 Gewohnheit ist mächtig (vgl. TPMA 5,6f.): gewonheit diu ist rîche Helbl 8,1; gewoneheit diu ist rîch, / tumben liuten schedelîch Freid 108,7; gewonheit, diu ist michel: / swaz di jugent krumbet, daz wirt in alter sten alsam ein sichel JTit 3308,3; des sprechent die wîsen: vil tuot lêre, / sô tuot gewonheit dennoch mêre Renner 10630. 16162    3.3 Schlechte Gewohnheit schadet viel (vgl. TPMA 5,7): bœse gewonheit und bœse site / die sint gar des tiuvels seil / dâ mit er uns ziuhet zunheil WälGa 12018; bœsiu gewoneheit / machet schaden unde leit Freid 108,9; des wizzet daz bœsiu gewonheit / aller sünden insigel treit Renner 9529. 21145. 13493    3.4 Gewohnheit verändert die Natur (vgl. TPMA 5,7): iedoch gewonhait verändert vil der nâtûr an dem menschen zuo guotem oder zuo pœsem BdN 29,3; dar umb ist der spruch wâr, der dâ spricht: diu gewonhait ist ain wechslerin der nâtûr ebd. 29,17; dik verwandelt diu gewonheit / die natûr, als man uns seit Boner 65,5    3.5 Gewohnheit ist stärker als Natur (vgl. TPMA 5,8): gewonheit wirt nimer laz. / si greiffet vür nature Krone 1519; gewonheit ist noch richer dann nature JTit 5403,3; gewonheit ist etewenne rîcher danne diu natûre PrBerth 1:35,31    3.6 Gewohnheit wird zur (zweiten) Natur (vgl. TPMA 5,8-9): gewonheit ist die ander natur Jüngl 1165; wanne gewonheit ist wol halbiu nâtûre PrBerth 2:58,3; der iunge muͦz striten mit siner iugent, der alte mit sinen sitten. wan mit langir gewonihait muͦz der mensche striten alse mit der nature PrGeorg (Sch) 22,139    3.7 Gewohnheit erzeugt Liebe und sittliches Verhalten (vgl. TPMA 5,11): das menschlich natûre alsô stât: / swes si niht gewonet hât, / das si das gerne schuͤhet / ze allen zîten, und es vluͤhet; / aber swas si tuot von gewonheit, / das minnet si, als duͤ schrift seit Ammenh 16687    3.8 Gewohnheit bringt Fertigkeit (vgl. TPMA 5,11): ist, daz duncket einem ungeuͤbeten menschen sin zuͦmole unmúgelich, wan gewonheit machet kunst. das wir nu alle diser edeler geburt gerum Tauler 12,14

MWB 2 748,6; Bearbeiter: Richter

gewonlich Adj., Adv. auch gewond- ( StRMünch 176,20 u.ö.); adv. auch -lîchen. ‘gewöhnlich, gewohnt, üblich(erweise)’ (s.a. gewenlich ) 1 dem Brauch entsprechend
2 individueller Angewohnheit entsprechend
3 von natürlicher oder göttlicher Regelhaftigkeit
4 ‘üblich, normal’
   1 dem Brauch entsprechend: ez was gewonlich in der alten e, swelh wib ein degenkint gebære, daz si sich darbete der kirchen vierzech tage Spec 33,25; ouch ist daz gewonlich / daz man dem sündigen man, / swie swære schulde er ie gewan, / nâch riuwen sünde vergebe Iw 8104; swan sô man gezzen hat, sô sulen die pfaffen ir gewonlichez gebet sprechen StatDtOrd 42,9; nach gewonlichen siten Pass I/II (HSW) 13383; Pelzb 120,16. – oft rechtsspr. (detailliert s. WMU 1,737f. u. DRW 4,822-827): der rihter sol auch sînem herren büezen alse dâ gewonlîch sî SpdtL 116,13; ez sol och chain frow, als es von alten dingen gewonlich und reht ist, ziuch [Zeuge] sin uͤber dehain dinck, wan uͤber elichen heirat, notnunft und uber daz lest geschaeft an dem tod StRMünch 46,29; mit aller gewarsami, du nach geschribem oder nach gwonlichem recte an kuͦfen durftich [bei Kaufverträgen erforderlich] ist UrkCorp (WMU) 2915,21; sechzich mv́tte kernen gewonliches mezzes ebd. 84,22; sechshundert pfund municher pfenning, die sie uns jaerleich geben suͤllen [...] ze irer gewondleichen stewer StRMünch 176,17 u.ö.    2 individueller Angewohnheit entsprechend: Lanzelet dô niht vergaz / der gewonlîchen slege sîn: / er treip den künic Valerîn / umbe in manege kêre / und wundet in als sêre, / daz er vor im muose ligen UvZLanz 5323; dô bat in [Barlaam] dâ Jôsaphât / die gewonlîchen wât / zeigen, die der guote man / truoc gewonlîchen an RvEBarl 6466; Pass I/II (HSW) 30820; Kuchim 29,12    3 von natürlicher oder göttlicher Regelhaftigkeit: dânâh [nach der ersten Geburt] uber gewoneliche zît / wart suanger daz selbe wîb Exod 419; dú sunne zwúrend liechter wart [zur Geburt Marias] / denne sú gewonlich ist von art WernhMl 548; daz unmügelich ist der undern natûre, daz ist gewonlich und natiurlich der obern natûre Eckh 5: 43,13; JPhys 4,3; StrKD 153,32. – von der Menstruation: welheu frawe ir gewonleich haimleichait well pringen [...], diu trink rautensaf BdN 417,25    4 ‘üblich, normal’ diz [das Erfülltsein der Seele durch Gott] zwingt die usser dinck ze lauzend [l. lâzend ] , gewonlich dinck ze mident, úber sich selber dringen und an die blozen gotheit springen Eckh (J) 105,4

MWB 2 750,10; Bearbeiter: Richter

gewonlîche stF. ‘Wohnung’ oder ‘Nähe, Vertrautheit’ (?): vber das wort benedictus man ich dich [Maria] , das dü gotlich fruht dines libes gesegnot was vor aller zit in sines vater ewiger gewonlichi Eckh (B) 105,38

MWB 2 750,58; Bearbeiter: Richter

gewonunge stF. ‘Gewohnheit, Gewohnheitsrecht’ jch [...] han dem vorgenanten Walther [...] die vorgenanten reben verluhen ze eme rehten erbe vnd nach des landes giwanvnge UrkCorp (WMU) 2115,15; als von aldyr eyn gwonunge ist gwest UrkSchles (B) 135,11 (a. 1333)

MWB 2 750,63; Bearbeiter: Richter

geworden Part.-Adj. Die mit ge- präfigierten Formen sind mhd. selten (2 5Mhd. Gr. § M 73), vgl. gewërden und wërden stV. ‘geworden’ do ieglicher quam in sin lant / er liez sich cronen alzuhant. / [...] / die zwene kunge geworden / uf daz westen unde norden [Philippus und Antigonus] / taten juden kein ungemach, / die wile man die leben sach Macc 1077. – ‘geschaffen’ (vgl. ungeworden ): swenne diu sêle gekêret ist von allen gewordenen dingen, von nôt muoz daz sîn, daz got in ir glenze und blicke Eckh 3:229,2

MWB 2 751,5; Bearbeiter: Richter

gewordenheit stF. ‘Gewordenheit, Geschaffenheit’ (das in Raum und Zeit geschaffene Sein gegenüber dem reinen Sein in Gott, vgl. ungewordenheit ): dis einvaltig luter wesen [das reine Sein] ist dú erst obrest sach aller sachlicher wesen, und von siner bisinder [anwesender] gegenwúrtikeit so umbschlússet es alle zitlich gewordenheit als ein anvang und ein ende aller dingen Seuse 178,10; ein gerehter mensch haltet sich nach siner gewordenheit underwúrflicher denne andrú menschen ebd. 358,1. 341,8

MWB 2 751,16; Bearbeiter: Richter

gewordenlich Adj. ‘kreatürlich’ wie sich der mensche und alle kreaturen ewklich haben gehalten, und von irem gewordenlichen usbruche [Hervorgehen aus Gott] Seuse 331,15. 333,4

MWB 2 751,27; Bearbeiter: Richter

gewordenlîchkeit stF. ‘Gewordenheit, Geschaffenheit’ (das in Raum und Zeit geschaffene Sein gegenüber dem reinen Sein in Gott, vgl. ungewordenheit ): do sich der geist an im selber hat gekeret von sin selbs und aller dingen gewordenlichkeit in die blossen ungewordenheit der nihtekeit Seuse 188,18

MWB 2 751,31; Bearbeiter: Richter

geworht Part.-Adj. würken, wirken swV.

MWB 2 751,38;

geworten swV. ‘in Worte fassen’ (vgl. worten ): du̍ dritte sache, war vmbe si verstumeten, das was, das si sahen in die verborgenen warheit vnd fvnden die heimlichkeit in gotte, das si nicht geworten enkonden Eckh 2:454,16 u.ö.; wie aber dú driheit ein sie, und dú driheit in der einikeit der natur ein sie, und doch dú driheit usser einikeit sie, daz mag man nit gewoͤrten von dez tiefen grundes einvaltekeit Seuse 185,24 u.ö.; ich wil dir sagen, got der het dich diese eddeln sellen [Seelen] gelosen sehhen in bilden das du es geworthen meͮgest, in der meinungen das du derfan geschribben meͮgest MerswNF 75,2; Tauler 176,5

MWB 2 751,39; Bearbeiter: Richter

gewortigen swV. wortigen

MWB 2 751,52;

gewûchze stN. Koll. zu wûchz ‘Geschrei’ dô er sî im volgen / an dem gewûchze hôrte, / in vorchte grôz bekorte NvJer 24914

MWB 2 751,53; Bearbeiter: Richter

gewüefe stN. Koll. zu wuof ‘Geschrei’ sô mache wir [Keie und die Tafelrunde] ein gewuofe, / einen schal und ein geruofe / und rumpeln under einander gar HvFreibTr 2877

MWB 2 751,56; Bearbeiter: Richter

gewüegen swV. mit Gen.d.S. ‘denken an etw.’ in trôste [ihn tröstete] sîn vil süezer rât, / daz got sîner missetât / niemer mêr gewüege, / swenn er den willen trüege, / daz er sî wolde büezen RvEBarl 14093; mir leider ze unheile / saget er mir, daz er veile / den besten stein hie trüege, / des man ie mê gewüege [den man sich nur denken konnte] ebd. 7568; Volmar 13. 710

MWB 2 751,60; Bearbeiter: Richter

gewülke stN. (F. PsM ?) Koll. zu wolke(n) ‘Gewölk, Bewölkung’ si luͦgete hin gen dem himel: do duht si, daz dú sunne schon uf giengi ane alles gewúlk mit vil glastes Seuse 59,11; in der viurînem gevulche [interl. zu in flammivoma nube ] PsM H 68,5; wan als diu sunne mir irm schîne die ganze welt überschînet, si werde danne von dem gewülke gehindert, alsô schînet diu gnâde des heiligen geistes in aller menschen herzen, si werde denne von unsern sünden gehindert Eckh (Pf) 367,19. – übertr.: so blibet der geist [...] abgescheiden [...] von allem gewúlk und gewerbe der nidren dingen Seuse 186,1.

MWB 2 752,4; Bearbeiter: Richter

gewulkene stN. auch gewolkene. Koll. zu wolken ‘Gewölk, Bewölkung’ der hizege toͮm [Dunst] uon der erde sich in den luft gewillet vnze daz er zuͦ dem gewolkene wirdet Lucid 58,11 u.ö.; diu [ gotheit ] ûz dem gewülken sprach EnikWchr 8690. 8700. – übertr.: fuͤr di sunn sich wolchen strechen / und di perg ir schein verdechen. / vraw [Maria] , dein guͤt mag nieman verlainen / mit dem gewulchen noch mit den stainen Teichn 25,54; Seuse 478,17; PrZürich 11,41

MWB 2 752,17; Bearbeiter: Richter

gewulket Part.-Adj. ‘umwölkt’ die wîle diu [ die fröude der welt und angest unde nôt unde vorhte ] in dir sint, sô ist ez tunkel unde gewulket dinne Eckh (Pf) 225,16; do zogte si [ wisheit ] sich ime also: si swepte hoh ob ime in einem gewúlkten throne, si luhte als der morgensterne Seuse 14,11

MWB 2 752,27; Bearbeiter: Richter

gewunne (?) Subst. ‘Lust, Wonne’ (oder als Part. Prät. zu lesen, vgl. Kartschoke, Rol. z.St.): in [dem verfluchten Volk des Zernubele] ne geschain nie dehain sunne, / der nebel ist ir gwunne Rol 2686

MWB 2 752,33; Bearbeiter: Richter

gewuoc stM. ‘Aussage, Erwähnung’ (zu gewahen stV.): uf rechten gewuc / sage ich dir di warheit, / daz sich min vreude ho uf treit / an daz cruce des herren min Pass I/II (HSW) 21144; als ir sult alhi verstan / nach miner schrifte gewuc ebd. 37395

MWB 2 752,38; Bearbeiter: Richter