Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gewîsen - gewiʒʒenlich    


gewîsen swV. 1wîsen ; 2wîsen

MWB 2 739,16;

gewisheit stF. 1 ‘Gewissheit, Sicherheit’
2 ‘Beglaubigung, Garantie’ (ausführlicher zur rechtsspr. Verwendung siehe DRW 4, 808f. und WMU 1,732f.)
2.1 ~ nëmen
2.2 (einer Sache) ~ tuon ‘zusichern, verbürgen’
2.3 ~ gëben
   1 ‘Gewissheit, Sicherheit’ ein man der tet in kunt / mit gewisheit sa zestunt / gelegenheit, stig unde pfat, / in welen siten si die stat / mit craft gewinnen solten RvEWchr 17427; und nur [ nuwer ‘wenn nicht’ ] ich het es mit gewisshait [ certissime ] kunt getan, du müestest deinenn tode genomen haben von der hitz der minne HvHürnh 25,3; wiste ich [Marke] es gewisheit, / als ir [Isolde] mir habet vür geleit, / daz ir mir woltet vremeden daz, / dem ich wære gehaz, / sô erkandich an dem mære, / daz ich iu liep wære Tr 14179. 13799. – meist ~ hân: wie wilt du mir daz beweren? / der rede wil ich gewisheit haben Rol 787; wer hât es bewîset dich? / wâ von hâstûs gewisheit? / oder wer hât dirz geseit? RvEBarl 3331; als er zv fart was bereit, / er hette gute gewisheit / an dem gerete, / geselleschaft stete, / schatz, gewant, spise Herb 2336; so wil ich gewisheit han, / daz er gemache, / [...] / daz ich mit fride blibe ebd. 11382; Tr 17652. – in der Überschrift zu einem Abschnitt über die Reinigung der Weinfässer zur Abwehr von Schaden: [Überschrift] von der gewisheit, di man sal habin beyde in der presse vnd ouch in deme kellir Pelzb 119,14 (vgl. ebd. 136,8 )    2 ‘Beglaubigung, Garantie’ (ausführlicher zur rechtsspr. Verwendung siehe DRW 4, 808f. und WMU 1,732f.): ez ensol kain iude lihen uf kain messegewant noh uf kainen kelch noh uf nihtiu des daz zu der kirchen hoeret wan mit gewisheit StRAugsb 56,11; vnd ze vrkunde vnd gewishait dits dinges so gib ich hern Ebrein [...] disen brief veringesiglet UrkCorp (WMU) N622,6; des heiligen geistes genade diu wirt uns in der tauf gegeben ze einem urchuͤnde und ze einer gewisheit der ewigen eren die uns got geheizzen hat PrOberalt 114,35; ze gewisheit und ze phande Ottok 84627; KvWHerzm 8; RvEWchr 15208    2.1 ~ nëmen: sô sol er gewisheit von im nemen, daz er ein reht tuo umbe die vor geschribene sache, swaz volge und urteile sage SSpAug 171,1; swer auch von leien oder von vrauwen lîpgedinge gewinnet, der neme die selben gewisheit SpdtL 114,9; StRAugsb 59,10. 98,5; Ottok 2415    2.2 (einer Sache) ~ tuon ‘zusichern, verbürgen’ mac ich gerihte von iu hân, / als ir uns habet vür geleit, / sô tuot es uns gewisheit Tr 15522. 10688; ob man des [Verschonung] vns tut / stete gewisheit, / so sin wir darzv [Verrat an Troja] bereit Herb 15319. 15341; dem grâven und der phafheit / tet er des gewisheit, / daz er ez nimmer mêr getæte Ottok 24915. fride vnde gewisheit / wart da bedersit getan Herb 15282    2.3 ~ gëben: wirt mir gewisheit niht gegeben / umb den lîp, est iuwer tôt! KvWHvK 336

MWB 2 739,17; Bearbeiter: Richter

gewîsheit stF. ‘Weisheit’ (vgl. Apc 13,18): diz ist aber die gewisheit, / swer in im icht sinnes treit, / daz her die zale des tieres zele, / [...], / wen sin zal ist eins menschen zal HeslApk 19353

MWB 2 740,6; Bearbeiter: Richter

gewislich Adj., Adv. auch gewisselich Pilgerf 4101; adv. auch -lîchen. ‘zuverlässig, sicher; in der Tat’ er ist sô rehte triuwevar / daz ich gewislîche weiz / daz er sich valsches nie gefleiz KvWEngelh 613; ist des harnes luzil unde daz selbe ouch swarz, vil gewislîchen, sô ist der mensch vaige Barth 130,29. 148,33; mit gewislicher sicherheit Lucid 160,8; her Iason, nv sprechet niht me! / ir sit gewislich tot Herb 915; ez ist auch gewisleich wâr, daz etleich tauben die art habent, die nümmer gevogelt werdent und käusch beleibent BdN 181,30; Tr 7357; PrOberalt 106,18; EvAug 4,25

MWB 2 740,10; Bearbeiter: Richter

gewisse Adv. gewis

MWB 2 740,23;

gewisse stF. ‘Sicherheit, Zuverlässigkeit’ die heiden bietent gwisse [haben zugesichert] , / zu sancte Michelis misse / wellen si sich toufen Rol 1081; die edeln Babenbergêre / wurden dô vil mêre. / sie wâren zwîvelhaft davor, / sie fuoren durch der gwisse tor, / sie wurden diser wunder frô EbvErf 4306; die kriechen [hatten sich] mit ir wîsheit / werlîche ûf einen strît bereit, / wan si mit wârheit âne wân / daz ze gewisse wolten hân, / möhten si [die Trojaner] in Achillen / genemen ân ir willen, / daz si benamen tæten daz / ze leide durch spötlichen haz KvWTroj 43984

MWB 2 740,24; Bearbeiter: Richter

gewissen swV. gewis machen’ 1 ‘(zu)sichern, gewährleisten, garantieren’
1.1 mit Akk. oder Dat.d.P.
1.2 mit Akk.d.S. (und Dat.d.P.)
2 ‘etw. klar machen, verdeutlichen’
   1 ‘(zu)sichern, gewährleisten, garantieren’    1.1 mit Akk. oder Dat.d.P.: niht anders ger ich, wan daz ir / gewissent bî dem eide mir, / daz ir mich iemer habent zer ê KvWTroj 9076; so wil ouh ich / mit eidin des gewissen dich, / das ih dih untz uf min zil / niemir mere besweren wil: / des sis gewis! RvEWchr 25158; unde sol man im [dem, der unrechtmäßig mit Hühnern handelt] den markt verbieten, er engewisse danne dem vogte unde den burgern daz er sin niht mer tvͤ, daz si des gewis sin StRAugsb 49,10. 94,7; Tr 10520; Lanc 72,15. – in paarigen Ausdrücken: Brangæne bôt ir triuwe hin: / si gelobete unde gewisset in [Tristan und Isolde] / mit ir triuwen und mit gote / ze lebene nâch ir gebote Tr 12098; daz sie des gæltis gewisset vnde gwert werden ani giværde UrkCorp (WMU) 17,22; sente Augustînus sprichit daz Thomas trêger gloube der hât uns mê gewissit und gesichert, dan Marîen Magdalênen sneller gloube HvFritzlHl 24,1    1.2 mit Akk.d.S. (und Dat.d.P.): vnd ist, daz ich dv́ [...] zwai fvͦder wines an dem herbest koͮfen wil, so sol ich zehen phvnt haller gewisson vmb den wîn vf sant Michelz tag ze geltenne UrkCorp (WMU) 3434,9; vnd sol vns daz selbe gvͦt geben [...], vnd sol vns daz gewissen mit erbern buͤrgen ebd. 1574,8. diu rede diu wart gewisset dâ Tr 12743. 6493    2 ‘etw. klar machen, verdeutlichen’ wau der alt in scham erglizzet, / so haut in etwer gewisset / daz er weiluͦnt truͦg in dem herczen Teichn 499,22; daz wir ir [der Tore des himmlischen Jerusalems] nicht vormissen; / wir suln sie nu so gewissen [kenntlich machen] / und suln sie so vormelen / daz wir ir nicht vorfelen / mugen, so wir vorenden HeslApk 21056

MWB 2 740,36; Bearbeiter: Richter

gewissentschaft stF. ‘Bezeugung’ daz er schribe nach der schepphen gewissintschaft, so daz er is mit den schepphen volkomen [vollziehen] moge RbMagdeb 246,35

MWB 2 741,7; Bearbeiter: Richter

gewissunge stF. ‘Beglaubigung, Glaubhaftmachung’ er [Aaron] offenôte / aller der diete / zeichen uile scône, / diu er uone gote urône / habete gewunnen / ze der gewissunge Exod 916

MWB 2 741,11; Bearbeiter: Richter

gewist stswF. nur Pilgerf , meist Reimwort. ‘Gegend, Bereich, Ort’ (zu wist ): er [der Kaiser] hait mich gesant in diese gewist / yme frunde zu gewynnen nu Pilgerf 181; [der Prahler] dut als die atzel [Elster] balde, / die alle vogele beschriet / und lesset keinen by ir nysten / und dribet sij ußer irer gewysten ebd. 7868; war sal ich anders dann in myn gewist fliehen? ebd. 11264. 5832. – ‘Aufenthalt’ recht bekenteniße ist daz huß, / die kammer und wonunge / da inne sij [Gottes Gnade] hait ire wonunge und gewist / wann sij wol gekeret und gefeget ist Pilgerf 2141. – Aufbewahrungsort: er [ phennig ] wilt ligen in den kisten / und in schrinen, in den gewisten / und ettwie dicke sin verborgen Pilgerf 10318

MWB 2 741,15; Bearbeiter: Richter

gewiste swFN. ‘Wissen, Erinnerung, Verantwortung’ so shol dev begeunge des jartages baidev an messen vnd an guͦter handelunge der samnunge vnd der tailunge der brot, der chæs, der pachen an vnser vnd an vnser nachchomen gewisten ligen UrkCorp (WMU) N748,31

MWB 2 741,30; Bearbeiter: Richter

1gewit stN. ‘Strang, Galgenstrick’ (zu wit ): iegleich uͤbel muͦt / der von chinthait uͤbel tuͦt / [...] / der gehoͤrt an daz gewitt; / er gehoͤrt inn freythof ninder Teichn 466,88

MWB 2 741,36; Bearbeiter: Richter

2gewit (?) stN. gewihte

MWB 2 741,40;

gewîte stSubst. ‘Erweiterung’ ist auch der grozzen zehen gelit, / knorrecht und slimpfes an gewit [verknöchert und schräg ohne Erweiterung] / da vorne gen dem balle, / derst torpellich [l. dörperlich ] mitalle Physiogn 390

MWB 2 741,41; Bearbeiter: Richter

gewitere stN. allg. ‘Witterung, Wetter’ (Koll. zu wëter ): nu íst dív scárfe unte daz úngeuvítere déro infidelitatis uv́re [l. vure ‘vorbei’ ] : uvánte sol iusticię nú skînet. [...] in démo scônen uuétere [La. geuuidere ] so sint nú geuuássen flores uirtutum Will 39,9; ir gartin und ir setin / muͤste got ze rehte ir regin / sendin und irs gewitirs pflegin, / das in wuͤhse ir erde vruht RvEWchr 15363. – spez. ‘Unwetter, Gewitter’ secht, wi ein gewitere quam / vil ungevuge unde groz. / darinne manic slac erdoz / von donre und von winde Pass I/II (HSW) 36110; si liden manigen sturm hart / von starken gewidere SAlex 6705. 6757; so dis gros gewitter [innerer Aufruhr und Verzweiflung] in eime ufstot, so solte der mensche rechte tuͦn also die lúte so ein wetter kummet, regen und hagel, so fliehent sú under ein tach und beitent bitz das wetter vergat Tauler 93,26; PrGeorg 327,23; Pilgerf 282

MWB 2 741,46; Bearbeiter: Richter

gewitze stN. ‘Verstand, Weisheit’ dirre was ir iegelich / dem andern also glich / an libe vnde an antlitze, / doch schit sie daz gewitze Herb 3180; ingenium: gewizze SummHeinr 2:342,01.14; BambGlB 147,29; DvASchr 371,4

MWB 2 742,1; Bearbeiter: Richter

gewitzet Part.-Adj. witzen swV.

MWB 2 742,6;

gewiʒʒe stF. ‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’ so volgent si [ die reinen minnenden juncfroͮwen ] ime [Christus] mit wunnenklicher zartheit in die bluͤjenden wise ir reinen gewissi Mechth 7: 37,13; zur Wortfamilie: U. Störmer-Caysa: Gewissen und Buch. Über den Weg eines Begriffes in die deutsche Literatur des Mittelalters. Berlin/ New York 1998.

MWB 2 742,7; Bearbeiter: Richter

gewiʒʒede stFN. s.a. gewiʒʒende 1 ‘Wissen, Kenntnis’
2 ‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’
   1 ‘Wissen, Kenntnis’ diu channusse des gotes. unte diu gewizzede der warhêite. diu scoltu auer gelirnan durch die allichen [gänzlichen] geloube Alkuin 17; daz diu caprea [ steingeiz ] so heiteriu ougen habet. daz si die iagere so uerre sehen mach. daz bezeichinet unseren trehtin. also diu scrift chût. er ist got aller gewizzide JPhys 14,16; swer gihôrsame ist, in deme rîchesôt der gaist des êwigen giwizedes [ scientia, eine der sieben Gaben des Hl. Geistes] TrudHL 146,12. 25,13; VMos 70,26; AvaLJ 213,1. – ‘Bewusstsein’ nû merke, waz diu sêle meine mit iren wunderlîchen worten, daz si sprichet: mîn heil stât dar an, daz dû mîn niemer gedenkest. dâ weiz si wol, daz si nie ûzer sîner gewizzede enkom, unde daz ist ir sêlikeit Eckh (Pf) 526,32    2 ‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’ so grimmet sich ze ware der arme suntare, / deme sin gewizzede daz saget, daz er gotes hulde niene habet AvaJG 9,7; daz lutere gewizede, daz ist daz reine herze AvaLJ 219,4; uil lûter ist dîn gewizzede, wan dû allez daz uirsmâhet hâst daz dich gesweren mach TrudHL 25,31; Mechth 5: 22,28; BambGlB 148,12. – personif. (vrouwe ~ ): wie bekantnisse sprichet zvͦ dem gewissede [Überschrift] Mechth 7: 17,1; die bekentnisse: ‘vroͮ Gewissede, die stetikeit an guͦten dingen, das ist ein arbeitende minne ebd. 7: 17,35. 7: 17,27

MWB 2 742,15; Bearbeiter: Richter

gewiʒʒen Part.-Adj. 1 ‘bekannt’
1.1 meist mit Dat.d.P.
1.2 ohne Dat.d.P.
2 ‘wahr, anerkannt’
3 ‘verständig, klug, weise’
4 ‘wissend’ mit Gen.d.S.
   1 ‘bekannt’    1.1 meist mit Dat.d.P.: den hiligen patriarchen den waz gewizzen wie getan laster die ungelæubigen juden unserm herren erbiten scholten PrOberalt 8,21; daz ist wol gewizzen mir GvJudenb 4288; du soltt dir nichtt nemen götlich gerichtt, wann dir ist gewissenn nichtt götlicheu taugen HvHürnh 21,2; NibB 1459,1; Iw 5486; Kchr 13220. – mit Pron.-Adv. oder Präp.: saget durch gotes êre / waz iu dar an gewizzen sî KvHeimUrst 1499; nu sage uns [...], / wie dir sî gewizzen umb der küneginne muot NibB 1729,4; daz mich do vraget [...] min herre der bischof [...] was mir gewissen wær vmbe den hof UrkCorp (WMU) 2258,7. – in der Wendung kunt unde ~ (zahlreiche weitere Belege im WMU, S. 734f.): dar vmb han ich [...] disen brief geben [...] mit den zvͤgen, den daz chvnt vnd gewissen ist UrkCorp (WMU) 1138,35; wir [...] machent kunt vnd gewissen allen den, die dis briefe [...] horent lesen, das [...] ebd. 1624,4; UrkAltenb 150 (a. 1320)    1.2 ohne Dat.d.P.: unde daz ist gewizzen [ constat enim ] , daz dâvone das gût wirt geminneret unde die cost gemêret StatDtOrd 101,14    2 ‘wahr, anerkannt’ ob vns vil leicht dehain gewizzenev vnt redleichev not anchoͤm, daz wier vnser erbe nicht versporen [bewahren] mochten von rechter not dvrft UrkCorp (WMU) 3412,38    3 ‘verständig, klug, weise’ ditz bvͦch ist gewizenen lvten vnd wisen lvten gvͦt vor zelesenne wan die kvnnen ez versten SchwSp 223b; ich erkenne wol ir reinen muot: / si ist gewizzen unde guot Wig 3772 u.ö.; er minnet tovgenliche, / vnt ist hofsch vnt gewizen, / vnt hat sich gevlizen, / daz er mit guten wiben / stæte chan beliben Bîspel (G) 23,63; MF:Reinm 19: 5,5; Lucid 61,18    4 ‘wissend’ mit Gen.d.S.: iz [das Nahen des Jüngsten Gerichts] ist allen den forhtlich, die gewizzen sint der sunden ane sich [die sich ihrer Sünden bewusst sind] AvaJG 15,4; do warn sumeliche engile da ze himile, die des nie gewizzin wrdin [erfuhren] , daz got mennische was wortin, uon div daz div gotheit ienti [immer] mit samt in was Spec 69,17

MWB 2 742,43; Bearbeiter: Richter

gewiʒʒen stFN. auch gewiʒʒene. Vgl. gewiʒʒenheit und samewiʒʒecheit . 1 ‘Wissen, Kenntnis’
1.1 ‘Bezeugung, Bestätigung’
1.2 ‘Einsicht, Verstand’
2 ‘moralisches Bewusstsein, Gewissen’
2.1 bildl.: nagendes, beißendes Gewissen (s.a. D. Lau: Vermis conscientiae. Zur Geschichte einer Metapher, in: A. Patzer (Hg.): Apophoreta. FS Hölscher, Bonn 1975, S. 110-121)
2.2 personif. vrouwe ~
3 zur Bezeichnung der Gesamtheit der Seelenkräfte (s. Störmer-Caysa: Gewissen und Buch, S. 121)
   1 ‘Wissen, Kenntnis’ do chom der heilige geist unde erschein den hêrin botin [den Aposteln] mit viwerinin zungin unde gab in daz gewizzin allir zvngin Spec 71,26 u.ö.; swie wol christ wesse den tach, / daz sin tot anlach, / [...], / diu gwizen moht in niht de(s) bewarn, / im tæte diu angest so heiz, / daz er swizte blutigen sweiz StrKD 81,52; ob da ist gewizzen in der hohe [interl. zu si est scientia in excelso ] PsM 72,11; ez ist ein grôz gewizzen [es ist allgemein bekannt] Ottok 26860; JPhys 23,13. – in der Wendung der ~ vrî sîn ‘etw. nicht wissen’ wie ez im ergangen sî, / der gewizzen bin ich vrî / unde weiz dâ von niht mêr Mai 138,18. 74,7; der gewizzen sît ir niht frî, / wie ez darzuo komen sî. / wand iu ist daz wol kunt Ottok 17541; Neidh WL 25:5,10. mit/ âne (jmds.) ~ : golt unde silber sal entphâhen der trisêrere mit der gewizzene des meisteres unde des grôzen commendûres StatDtOrd 109,12. 111,3; SpitEich 12,11; nach des burcgraven rate, vnde mit sinre gewizzen UrkHohenz 2,245 (a. 1297); ich [...] pin vnderweist mit rechter gewizzen vnt mit rechter chantnusse UrkCorp (WMU) 3371,31; UrkAltenb 193 (a. 1337); gewunne sei [ di purch ] aber iemen dem pischolf ab in der vrist ane gunst vnd an gewizzen beder tail, den sullen wir [...] bedwinngen, vntz daz si wider ganturtet werde dem von Sekkowe UrkCorp (WMU) 840,1    1.1 ‘Bezeugung, Bestätigung’ vnd (wir) setzen dar an die nam der gezevg, mit der gewizzen iz geschehen ist UrkCorp (WMU) 1868,22; mit gvͦeter gewizzen vrumer læut ebd. 2243,21. 1243,20; ist daz diu frowe daz verworht hat unde von ir schulden dar ist chomen unde daz mit rehter gewizzen dar wirt braht daz diu schulde ir ist StRAugsb 164,25. 149,7; StRPrag 74; KLD:RvB 4:5,3. – ‘Siebenerzeugnis, Übersiebenen’ (Überführungseid des Klägers mit sechs Eideshelfern): daz itwedertail sinen gezevg vnd sinen gewær, der im ertailet ist, auf den tag vnd stad bringe mit der gewizzen, di im auch baidenthalben ertailet ist, mit siben auz ainvndzwaintzeg UrkCorp (WMU) 631,42. 475,16    1.2 ‘Einsicht, Verstand’ daz [ guot ] solde man zehant / mit den gewizzen behalten / unde sîn alsô walten, / als si sîn geniezen wolten Ottok 91437; daz her Chvnrat der Pvllær [...] mit gewizzen vnd mit ordenlicher beschaidenheit betraht [...] siner sele heil UrkCorp (WMU) 937,28. 3182,14; so si [die Menschen] geborn werdent, so git er [der Schöpfer] in allen gelich unterschide. [...] die dann gezogenlichen lebent [...], der gewizzen und der underschied die in got hat gegeben, die bezzernt si und get ir sælicheit und ir er fuͤr sich PrOberalt 64,22    2 ‘moralisches Bewusstsein, Gewissen’ gewizzen vnd consciencie, daz ist ein mitwizzen der ding, die dez menschen redleichait vrtailt ze guͦt oder ze poͤz nach dem goͤtleichen gesetz RechtssA G37,4; ein guͤtew gewizzen ebd. G37,1; daz irrsam gewizzen ebd. G38,7; herre, wis gedultic / gegen mir vil armem suntær / unt ring mir meiner gewizzen swær GvJudenb 1152; do rumde er des ersten siner gewúsni mit einer ganzen bihte Seuse 99,25; ein luter gewissen ebd. 251,23 u.ö.; PrOberalt 172,24 u.ö.; UrkCorp (WMU) 3190,33; BdN 461,6. maniger ein gewizzen hât, / daz ein grôz fuoder höuwes gât / durch si mit guotem rûme Renner 21949. da von [wegen der Entscheidung, nicht mehr zu predigen] ich straffen vnd gewizzen [Gewissensbisse] het vil groͤzleich in meiner sel RechtssA Prolog 25    2.1 bildl.: nagendes, beißendes Gewissen (s.a. D. Lau: Vermis conscientiae. Zur Geschichte einer Metapher, in: A. Patzer (Hg.): Apophoreta. FS Hölscher, Bonn 1975, S. 110-121): sô swinde nie kein wurm genuoc [nagte] / alz der gewizzen, die niht sint / verzwîfelt noch gein gote blint Renner 5779. 2897; swaz er [Ambrosius] az / mit der bescheidenheit er maz, / daz er bleib ungebizzen / von murmulender [murrendem] gewizzen, / die in pflac selden strafen Pass III 249,36; nu we dir, armer sunder, we! / nu we dir huͤte und iemer me! / du sihst den rihter ob din / und under dir der helle pin / und in dir din gewißen, / die dich bizzet und hat gebizzen HvNstGZ 6294; Spec 36,4; KvHeimUrst 1103; Martina 117,47    2.2 personif. vrouwe ~ : la dir nicht entwenkchen / frawn Gewissen, die kan wol gedenkchen / aller deiner missetat! HvBurg 3028. 1631 u.ö.; das bekantnisse sprach zuͦ dem gewissen: [...] vroͮwe Gewissen, [...] Mechth 7: 17,2 u.ö.    3 zur Bezeichnung der Gesamtheit der Seelenkräfte (s. Störmer-Caysa: Gewissen und Buch, S. 121): wan also sol sih der wis mvͦt, der mit got bekvmbert ist, halten in der gewizzen als ein hvswirt in sinem hvs. [...] allez daz hvsgesind siner gedank sol er also zvhtigen vnd orden vnd im selben als ganzlih vndertaenik machen WhvStTh 138,3. Lit.: U. Störmer-Caysa: Gewissen und Buch. Über den Weg eines Begriffes in die deutsche Literatur des Mittelalters. Berlin/ New York 1998.

MWB 2 743,22; Bearbeiter: Richter

gewiʒʒende stF. (N. Mechth 7: 17,20) s.a. gewiʒʒede 1 ‘Wissen, Kenntnis’
2 ‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’ (auch personif.)
   1 ‘Wissen, Kenntnis’ diu caprea [ steingeiz ] so heitirer ougen ist, / daz si die jegir verre sehen mach, daz bezeichent unsiren herren den liehten tach. / also diu scrift chot [spricht] : ‘aller gewizzende ist er ein got.’ MillPhys 104,4; vnd von swelichim guͦte sie nit von alter gigeben hant, da sol man sie giruͦwet lan ân ansprache vf ir giwizzende UrkCorp (WMU) 680,45. – ‘Bezeugung, Bestätigung’ wir suͤlln ouch alle die brife, die he hat von keysern und von kunegn, swenne he die brenget, sehen unde sulln im die stetege von worte ze worte als sie sten von unser waren gewizent MGHConst 5:259,35 (a. 1315). – ‘Nachforschung (?)’ quod super culpis, excessibus et forefactis quibuslibet [...] corrigendis per inquisicionem vulgarem, que vulgariter gewizzende dicitur, erit [...] contra pacis et patrie turbatores [...] procedendum MGHConst 3:222,18 (a. 1297)    2 ‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’ (auch personif.): wer sin gewißende hat behuͦt, / der weiz wol wann er ubel tuͦt HvNstGZ 6750; vroͮ Gewissende, ir sint sere gebunden mit der werelte súnden Mechth 7: 17,17 u.ö.

MWB 2 744,58; Bearbeiter: Richter

gewiʒʒende (?) Part.-Adj. ‘bekannt, bewusst’ alhie so hat ein ende gar / daz dritte capitel, daz uch zwar / gesaget hat zu diser frist, / als verre ez mir gewissent ist, / waz mynne sy und zirke [schaffe] Minneb 2288. 5085

MWB 2 745,18; Bearbeiter: Richter

gewiʒʒenheit stF. 1 ‘Wissen, Kenntnis’
2 ‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’
   1 ‘Wissen, Kenntnis’ wie aber er [Jesus] die zît sîn / vertribe ûf niun und zweinzec jâr, / der gewizzenheite sîn wir bar WvRh 6713; als im [dem todkranken Adam] die vröude nû wart schîn / und er het gewizzenheit / des öles der barmherzikeit, / er rief gên gote unde sprach: / ‘hêrre, mich genüeget’ HvFreibKr 405. – ‘Einsicht, Verstand’ guoter rede het er genuoc, / dar zuo allen den gevuoc / der rehter gewizzenheite zimt Mantel 500; si [ die vrouwen ] solden merken schœne jugent, / gewizzenheit und ganze tugent / an einem ieglîchem man Bîspel (Pf) 7,40; Krone 17556    2 ‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’ gote eyne ist bekant / wy iz gewislich sy gewant / um des menschen gewizzenheit / und um syne samwitzekeit Hiob 3371; der iunger sprach: hant [...] die v́bilen iemannen, der si ruͤge? do sprach der meister: niht. wen iegelichez herzen gewissenheit Lucid 142,13; Freid 5,21; VMos 61,6. – bildl.: nagendes, beißendes Gewissen (s.a. D. Lau: Vermis conscientiae. Zur Geschichte einer Metapher, in: A. Patzer (Hg.): Apophoreta. FS Hölscher, Bonn 1975, S. 110-121): vil groz wirt unser smerze, die wurme ezzent uns daz herze. / daz ist uns gewizzenheit, diu tuot uns also michel leit AvaJG 28,12; der wurm siner gewizzenheit Hiob 9800; daz ist mîn gewizzenheit, / die mir an daz herze gneit [l. genaget ] EbvErf 3107

MWB 2 745,23; Bearbeiter: Richter

gewiʒʒenlich Adj., Adv. auch gewiz(z)e-, gewizenclich, adv. auch -lîchen. Vgl. gewislich und wiʒʒenlich . 1 ‘bekannt, offenbar, klar’
2 ‘reuig, das Gewissen betreffend’
   1 ‘bekannt, offenbar, klar’ von diu [weil die Handlungen eines nicht geweihten Priesters nicht gültig sind] solt uns sîn wîhe sîn gewizzenlîch, / sô wære sîn ampt nicht ungewislîch [unzuverlässig, ungültig] Priesterl 421; er [Joseph] hiez im entwichen den livt gærlichen / daz nieman da wære der sæhe sine gebære, / so si [Joseph und seine Brüder, Gn 45,1] sich ein andir bechanten unde gewizzelichen maneten GenM 98,18; ‘nu volge mir, Lamparte’ sprach aber Alberîch, / ‘und suochen wir die tôten, daz ist gewizzenlîch. [...]’ OrtnAW 342,2; En 4955a; Mantel 505; Himmelr 4,30. – ‘wissentlich, bewusst’ wir lernen oͮch dâ die sinniclichen minne [ amor sensualis, vgl. Ohly z.St.: TrudHL (O) S. 687-702, bes. 694-697] daz wir betrahten sînu mennisklichen werch, wir lernen oͮch die gewizzenliche minnę [ amor rationalis ] daz wir uirstên sînu gotelichen wundir. diu trite daz ist diu uirnunstlichu minne [ amor intellectualis ] , die nemach nieman gelernen wan uon deme geiste. die sinnichlichen die lernet man uon der geloube der cristinheit, die gewizzenliche uon der giscrifte, dise die nemach niemen kunnen newan uon gote TrudHL 29,13    2 ‘reuig, das Gewissen betreffend’ den gaist des gewizzedes den sendit dir got bî sîneme boten. dc ist diu hailige gehôrsame. die stâtiget in die suͦzzen trahene unde die gewizenlichen [Hss. gewizeliche, gewizenclichene ] trahene TrudHL 146,11

MWB 2 745,51; Bearbeiter: Richter