getœte
Adj.
‘tot’ (wohl zu mlat. letum ):
letus: getoti Gl
4:148,62
(BStK391)
MWB 2 633,7; Bearbeiterin: Czajkowski
getotzen
swV.
vgl. tützen.
‘ruhen, schlummern’
bringe mînem sun den kozzen, / daz er darûf muge getozzen [La.
gedoczen
HDeckeII
124
]
HDeckeII(H)
117
MWB 2 633,9; Bearbeiterin: Czajkowski
getoufte
swMF.
‘der/die Getaufte, Christ(-in)’, bereits frühzeitig
lexikalisiert:
die getouften sturben, / die mit hôhem prîse erwurben / den
solt des êwigen lebens Wh
37,19
u.ö.;
der getoufte wol getrûwet gote Parz
741,26
u.ö.;
die heiden und die getouften Kreuzf
7410;
Lucid
117,17;
Himmelr
12,32
MWB 2 633,13; Bearbeiterin: Czajkowski
getouge (?)
Subst.
Ansatz und Bed. unklar (vgl. die verschiedenen Erklärungsansätze bei W. Brachmann:
Zum Reimgebrauch Herborts von Fritzlar, Halle 1907, S. 28):
ez en wart nie so schone / strit noch vrlouge. / da en was
dehein getouge Herb
5534;
evtl. auch in Zusammenhang mit
swi ihz gotouge [zu (ge)zouwen swV.?]
Pilatus
10
zu sehen.
MWB 2 633,20; Bearbeiter: Richter
getougen
Adj., Adv.
‘heimlich, geheim’
si begunde getougen an in werfen dei ougen Gen
1878;
uberlût noch getougen, / mit uns nefuore daz chint ebd.
2392.
563;
so ich wæne, daz ich zuo dere warheite
done [strebe] , / din getougenez urteile getribet mich
der vone Himmelr
5,8;
GrRud
Db 11
MWB 2 633,27; Bearbeiterin: Czajkowski
getougen
stF.
auch gitogen, getougene.
‘Heimlichkeit, Geheimnis’
Christes ougin sint sîner lêre gitougin, / die den gnâde
giheizzint die ire missetât buozzint Gen
2808;
er tet an dem antlutze siben locher nutze: /
[...] zwei ougen daz er sehe die getougen ebd.
121.
865;
daz ter unchustigi tîefel firnemen noch ersuͦchen
nimach dei gitǒgen siner libhafti [Inkarnation]
JPhys
3,27;
da wir die getougene alle gesehen unde gehoren
Himmelr
11,26.
11,3;
AvaLJ
180,2;
PrStPaul
25,18
MWB 2 633,33; Bearbeiterin: Czajkowski
getougenunge
stF.
‘Glaubensgeheimnis’
sacramenta: getougenunge GlHerrad:Komm
79
MWB 2 633,43; Bearbeiterin: Czajkowski
getræbe
stN.
→
gedrebe
MWB 2 633,45;
getragede
stN.
→
getregede1
MWB 2 633,46;
getraht
stF.
Holz zum Ausfüllen von Festungsgräben (s.a.
traht
stF.):
dô si [die belagerten Trojaner] daz ersâgen, / do
geschûfen si ouch ir were, / want si gesâgen daz here / wâfen unde rûren / unde dar
zû fûren / vîle grôze gedraht En
6857.
6865
MWB 2 633,47; Bearbeiterin: Czajkowski
getrahte
stN.
→
getrehte1
,
getrehte2
MWB 2 633,53;
getrahtunge
stF.
‘Absicht’
intentione: gitrahtungu Gl
2:80,17
(BStK408)
MWB 2 633,54; Bearbeiterin: Czajkowski
getralle
stN.
‘lärmende Menge’
dô kam der gebûr ein getralle / ûz einem lîthûse
[Gasthaus] gegangen Renner
1330
MWB 2 633,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getræmet
Part.-Adj.
→
drâmen
MWB 2 633,59;
getranc
stN.
‘Getränk’ (s.a.
getrenke
):
nû trinc, dû lieber herr mîn! / ditz getranc mac niht bezzer
gesîn, / wan ich ez schôn behalten hân EnikWchr
12742.
27583;
si waren mager und kranck, / wann dy speyse und das getranck
/ was in klain gnug gegeben, / das sy kawm mochten leben HvNstAp
6920;
BdN
195,22;
Lanc
606,20.
– als Heilmittel, Arznei:
sô dem menschen der munt stinch, ist er junch, sô nem ein
getranch des sumers, ist er alt, sô nem ez des winters Barth
148,2;
wenn man den trinkwein macht mit des
tiers [
stich, dem Krokodil ähnlich]
flaisch, sô vertreibt daz getranch die vergift, die der mensch in im hât
BdN
241,24;
BenRez
46;
SalArz
32,7;
Wahrh
119.
– übertr. gefährliches, verführerisches Getränk:
sy [die Welt] hat so maniger hande
wein, / so manich suesses getranch / das ainer uber seinen danch / verliessen mues
dy sinne / und dy gotes minne HvBurg
3677;
er [der Teufel] peginnet dein hercz
auch phrangen [drücken] / mit maniger hande gedanche, /
huete dich von seinem getranche! ebd.
3412.
3388
MWB 2 633,60; Bearbeiterin: Czajkowski
getratschaft
stF.
‘Weiderecht’ (vgl.
trat
stF.):
ius quod vulgo dicitur gemain merke, getratschaft unde vihewaide,
[...], ex quo iure ipsis liceret sua peccora pascere,
prout vellent UrkSalem
2,75
(a. 1273).
2,76
(a. 1273)
MWB 2 634,18; Bearbeiterin: Czajkowski
getrebe
stN.
→
gedrebe
MWB 2 634,23;
getrebede
stFN.
→
gedrebede
MWB 2 634,24;
getrecke
stN.
‘Gefolge, Heerzug’ (zu
trecken
):
dô sach man kumen manchirlei / pilgerîm in Pruzînlant, / dî hô und eddil wârn
irkant. / dî achbersten waren ditz: / herzoc Bernhart von Swîdenitz / mit michilem
getrecke [...]
NvJer
25664;
do [...] bleib daz kind Ihesus in Ierusalem, vnd daz
irkanten nicht sine eldirn. vnd wonten in wesen in dem getrecke
[
in comitatu
Lc 2,44
]
BiblMK
300.
– in unklarem Zusammenhang:
do si dar quam [als die Kupplerin zur Wohnung ihres Auftraggebers
im Hof des Probstes kam] mit ir [der Kupplerin oder
der Gäste?] getrecke / si [die Gäste des
Probstes] solden rite ein zilstrecke Schampiflor
349
MWB 2 634,25; Bearbeiter: Richter
getrëfse
stN.
‘Wildgras, Trespe’ (Koll. zu
trëfs
):
nicht guot wirt mel dâ vil getreffs ist under korne KLD:SvT
1:1,6
MWB 2 634,38; Bearbeiter: Richter
1getregede, getreide
stN.
(M.
Kchr
10413
)
auch getragede (
PrWack
7,50
); zu
tragen
‘tragen’.
1 bewegliches Gut, ‘Besitz, Hausrat, Sache’
1.1
‘Kleidung’
1.2
‘Last, Gepäck’
2
‘Getreide’ (als Pflanze und als Korn) 2.1 das, was heide und walt hervorbringen (Blume, Laub) 2.2 übertr. ‘Frucht, Ertrag’ (insbesondere vom Wunder der Inkarnation) 3
‘Lebensmittel, Nahrung’
1
bewegliches Gut, ‘Besitz, Hausrat, Sache’
des clostris getreigede in isene oder in gwandin oder in den anderin sachin
[
substantia monasterii in ferramentis vel vestibus seu
quibuslibet rebus
] besehe der abbit vnd bevelhe si
cebehvtene BrHoh
32.
31;
die [
riche knappin
] liezin als ir
guͦt vnd ir getregede duͦrch sine predige vnd volgetin im
[Johannes] vnd truͦgin snode cleidere
duͦrch gotis lon PrLpz(L)
78,15;
ez dunket mich ein vremeder site, / daz dû mit dem
getregede, / des gerne spulgent [gebrauchen, mit etw.
umgehen] megede, / wilt suochen vrechen jungelinc
KvWTroj
27601;
KvWLd
32,344;
suppellex: getregede SummHeinr
2:490,01.94;
possessio: getraegide GlHerrad:Komm
78;
WüP
104,14;
UrkCorp (WMU)
2713,43.
– übertr.:
vil wünneclich getreide [Ausstattung,
Eigenschaften] / lac an ir
[Engeltruts] süezem lebene KvWEngelh
2974
1.1
‘Kleidung’
da si die gemeinen stole / entfan zu ir getregede
Litan
996;
ritter, vrawen und mægde, / die an sich rich getrægde /
von grozzer kost laiten, / und do si sich geclaiten / mit richer zierde
mangerlay, / nach irm reht ie zwai und zwai / sich zehanden viengen
WhvÖst
2396
1.2
‘Last, Gepäck’
si fuorten vier und zweinzic schif / getregedes unde
liute vol KvWTroj
19411;
dô sie ûf daz mer quâmen, / ir rûwe sie dâ nâmen / mit allerleie
getregede. / man, wîb und megede, / rinder unde pferde / vûrten sie vil werde /
gebunden und gevangen LivlChr
7289;
Vät
14739.
– übertr.:
daz marterlîche getreide / daz man dâ heizet trûren, / daz kunde er
tiefe mûren / in sînes edeln herzen grunt KvWEngelh
2140
2
‘Getreide’ (als Pflanze und als Korn):
ir getreide, / daz in gewachsen was daz jâr NvJer
23159;
daz getreid wart ouch sô tiwer, / daz die liut verzagten
darab: / den mutte kornes man gap / umb vierzic und umb zehen phunt
Ottok
9357;
dô kâmen sô vil häuschrecken geflogen von Ungern
[...], daz si sô vil getraides verderbten auf dem veld,
daz manich gäuman verdarb BdN
76,1;
in den huffen er do sluͤg / als der schaur
[Schauer, Unwetter] in daz gedrait
Teichn
586,99;
WüP
75,1;
MarcoPolo
19,19
u.ö.;
SchlierbAT (LS)
1,108
2.1
das, was heide und walt hervorbringen (Blume,
Laub):
êst ein winder: nemt des war / an der liehten heide! / die hât er gemeilet
und den grüenen walt; / [...] / seht an ir getreide! /
daz ist allez von dem leiden rîfen kalt Neidh
WL 12:1,6
2.2
übertr. ‘Frucht, Ertrag’ (insbesondere vom Wunder der
Inkarnation):
do got wolde haben sune / hier mit der menscheite, / so schuf er sin
geleite / und sin herlich getregede / mit der vil reinen megede HeslNic
2101.
4171.
5323;
HeslApk
4230
u.ö.;
sus hat dú maget [Maria] fur
gelait / der ranikait getregte, / des sich
begen [ernähren] die megde, / si sint arm oder
rich, / weltlich oder gaistlich SHort
703;
wie dich [Christus] dú minn hat
gejagt / von himelrich zuͦ der magt / und von der rainen megde / uf dis
bós getrágde / der mágde [die Menschheit als Nachkommenschaft
Evas] dú dir gab swachen lon ebd.
3924
3
‘Lebensmittel, Nahrung’
dô begunde er [Ismael] wahsen,
manech wilt fâhen: / abe gescôzze und ab jagede nam er sîn getragide
Gen
915;
der getraid daz sind: smaltz, chaes, huͤner, ayr,
visch und allez chlaines getraid und wiltpraet StRMünch
454,26
u.ö.;
daz edelst getraͤgde [Wein]
SHort
5567;
MillPhys
116,3;
Kchr
11570
MWB 2 634,41; Bearbeiter: Richter
2getregede
stN.
‘Tragbahre, Sänfte’
si wolten in [den ermordeten
Wilhelm] niht mer lan / ligen vor der mægde: / ain kostrich
getrægde / was dar braht, dar uf si in / fuͦrten uz der wilde hin
WhvÖst
19100
MWB 2 635,47; Bearbeiter: Richter
getregede
stFN.
‘Verhalten, Betragen’ (zu
tragen
refl. ‘sich benehmen’):
die tumben gailen mægd / mit unkúscher getrægt / er wilunt us
den ringen jaget SHort
4806;
die bichter mit den megeden / mit reinen getregeden / sich neten gotes hulden
HeslApk
3630;
sint dem male do die starken / propheten, patriarken, /
zwelfboten, bichter, megede, / merterer von irem getregede / durch Jhesum Cristen
giengen / unde den tot entpfiengen ebd.
2168.
6342
MWB 2 635,52; Bearbeiterin: Czajkowski
getregede|gültât
stN.
Ansatz unsicher (vgl. Glossar; anders DRW 4,1264 s.v.
gülten).
‘Getreideabgabe’
das wir [...] nemen sullen von yegklichem guet
[...] das getraid gültat ye von dem schaf
[Scheffel] waitzes achzigk pfennig BairFreibr
5
MWB 2 635,62; Bearbeiterin: Herbers
getregede|gülte
stF.
‘Getreideabgabe’
mit allem dem vrbar, daz dar zv [Burgen] gehort ze
dorf, ze holtz vnd ze velde, iz sei phenning oder getræide gvlt, weingarten, acher
oder wismat UrkEnns
4,465
(a. 1304)
MWB 2 636,4; Bearbeiterin: Czajkowski |