getelere
stN.
‘(tiefes) Tal’ (zur Übersetzung von lat.
convallis):
du der uz sentes[...] die brunnen in den geteleren
[interl. zu qui emittis fontes in
convallibus
]
PsWindb
103,10;
ih frowe mih unde teile [die Stadt Sichem] unde dei
getelere dere gezelte mizze ih [interl. zu laetabor et partibor
Sicimam et convallem tabernaculorum metibor
]
ebd.
59,8;
daz getelere dere gecelte [interl. zu convallem
tabernaculorum
]
ebd.
107,8
MWB 2 629,52; Bearbeiter: Richter
getelich, götelich
Adj.
‘passend, angemessen’ (zu
gate
):
die alten [Pilger] mit den jungen,
/ ir buozliet si sungen, / diu wâren götelich darzuo Ottok
9442.
– meist in paarigen Ausdrücken:
wan des meneschin sin und sîn gehiugede kranch vnd kurz ist, da von ist
zimelich vnd ist och goͤtlich, swc guͦter dinge bî vnseren zîten
gechicht, der man gedenchen sol, dc man div der schrift bevæle UrkCorp (WMU)
N317,41;
alsez rehte gotlich vnd billich si UrkCorp
680,32;
ez sol auch dehein hantwerkman [...] an keiner
veirnaht niht lenger wurken dann als goͤtlich und reht ist NüP
162
MWB 2 629,61; Bearbeiter: Richter
getelinc
stM.
zu
gate
.
1
‘Verwandter’
2
‘Mitmensch’
3
‘junge männliche Person, Bursche’
1
‘Verwandter’
nimit di muter einen [neuen] man, diselben kindere
beheldet der nehiste getelinc vater halben an iren aller danc StRFreiberg
23,11.
190,29;
wer vor seines gerichtes halben seinen leip vorleuset, sein nehest geteling
nymt sein erbe StRPrag
159;
SSp
82,12.
–
‘Sohn’
daz himelische chint, / daz ist des uater gettelinc; / er ist wol sin
genoz / also michil unde also groz / in gotelichime rechte / nach sime geslechte
/ so ist er dem uater al gelich Glaub
200
2
‘Mitmensch’
wir sullen got minnen obir alle ding, / nach gote unsen
nehesten gedeling, / unse vinde liben durch got Brun
3742
3
‘junge männliche Person, Bursche’
ich hab och des genomen war / daz man an allen dingen / under
allen gaͤtlingen / nach wunsch niendert vinden kan / so jungen wol gemachten
man SHort
6898;
swel kint, es si jungvrowe oder getteling, [...] sin
ding woͤlte endern ze weltlichem oder ze gaistlichem leben StRVill
9;
wil einer da heim verbliben, / schaffen sines huses ding, / das ist ein
verlegener getteling MinneR52
28;
die herren wâren alle komen, / von den ir ê habet vernomen, / die küenen
getelinge Bit
6309
u.ö.;
Rol
5714;
tumber getelinc Neidh
WL 35:6b,2;
WeistGr
1,366
(vor 1341)
MWB 2 630,9; Bearbeiter: Richter
getëlle
Adj., Adv.
‘angenehm, fein’
swele frowe wil han / frúnt in minre celle / die sol vil getelle / zuo minen
antwúrten / sich húbeslichen gúrten / lesen unde prisen MinneR302
160;
nû vârent al getelle [bleibt friedlich] !
HBirne
312;
der knappe was untræge, / [...]. / er tet niht als
manc bote tuot / der durh swache trâgheit / sich dicke an die ruowe leit / die wîle
er hât zerunge. / hie tet der knappe junge / niht alsô getelle
[gemächlich] . / mit manger verte snelle / fuor er hin
Reinfr
23621
MWB 2 630,34; Bearbeiter: Richter
getelle
stN.
‘Talsenke’ (vgl.
telle1
, zu tal):
Merremunt, dat dorf bit den luden inde bit me guͦde, als it gelegin is,
vnde nemeliche bit dem Ruͦsberge inde bit deme gedele vnde bit deme gebirge,
dat dar zuͦ gehorit UrkCorp (WMU)
N282,20
MWB 2 630,44; Bearbeiter: Richter
getelôs
Adj.
auch geit(e)los ( PrOberalt ), gettelos (
SHort ).
‘ungebunden, ungezügelt, zügellos, mutwillig’
petulans: getloser Gl
4:216,63
(BStK926);
der esel ist ein geiteloses und ein unreines vich
PrOberalt
165,18
u.ö.;
er sol fliehen in sîner iugende alle iunge friuntschaft unde
alle getelôse minne, diu in ze dehainer wîs gewirseren mugen TrudHL
61,19;
geteloser sin RvEWchr
21974;
Bîspel(Pf)
10,110;
si was diemüetic unde wîs, / [...] / ir lîp wart
getelôse nie / und huote sich vor sünden ie WvRh
221.
13485.
– subst.:
einen bœsen geist si sanden / in daz paradîse, / der chom geslichen lîse / zuo
der getelôsen Aneg
2833
MWB 2 630,49; Bearbeiterin: Czajkowski
getelôse
stswF.
auch getelse.
‘Zügellosigkeit, Mutwille’
daz ewig lieht daz uns Adames ungehorsam, Eve getlose verlorn
het, daz hat uns got wider geben PrOberalt
55,5;
PrHoff
69,3;
petulantia: getelose SummHeinr
2:424,01.11;
er wolde sich verbosen / mit denheiner getlosen
Wernh
A 302;
mit deheiner getlose ebd.
D 340;
wellents ir getelse niht vermîden, / sich mugen zwêne an mîner weibelruoten
[hier iron. für ‘Schwert’] wol versnîden
Neidh
WL 10:3,10;
Helbl
4,512
MWB 2 630,62; Bearbeiterin: Czajkowski
getelôsicheit
stF.
‘Zügellosigkeit’
gotes uorhte liebeter sere / den vriunden irbot er ere /
getelosicheit er virmeit Albert
149
MWB 2 631,8; Bearbeiterin: Czajkowski
getelôslîche
Adv.
‘ungezügelt, zügellos’
petulanter: getiloslihun Gl
2:605,47
(BStK637)
MWB 2 631,11; Bearbeiterin: Czajkowski
getelse
stF.
→
getelôse
MWB 2 631,13;
getemere
stN.
auch getamere (
Rennew
31266
).
‘durch Klopfen entstehender Lärm, Getöse’ (zu
tamer
,
temeren
):
man hôrte ir slege getemere, / als dô die îsenhemere / vallen
uf die anebôz Kreuzf
4375;
KvWEngelh
2729;
daz getemer was sô groz / von grimmen slegen ûf dem wal, / daz in die stat ze
Troie schal / der swerte griuwelicher klanc KvWTroj
33918;
NvJer
17014;
Loheng
1737
MWB 2 631,14; Bearbeiterin: Czajkowski
getempertheit
stF.
zur Übers. von lat. temperantia
‘Maß, Mäßigung’
nu ist offenbar von disen, [...] daz
man von den gotlichen tugenden geordent wirt zuo gotte, aber von der getempertheit
[...] zuo im selber ThvASu
172,1
MWB 2 631,22; Bearbeiterin: Czajkowski
getengel
stN.
‘das Dengeln, Hämmern, Klopfen’
drunder was vil groz getengel / von vil swerten, diu da
clungen Rennew
8662;
ir harnasch unde ir schilte / dâ liten grôz getengel KvWTroj
34591;
KvWTurn
812;
Reinfr
1801
MWB 2 631,27; Bearbeiterin: Czajkowski
getense
stN.
→
gedense
MWB 2 631,32;
getente
stN.
Koll. zu
tant
, ‘Possen, Geschwätz’
dô wart an gevangen / zwischen in bêden / umb die hîrât ze
reden. / ez wær ein langez getent, / sold ich diu perlament / sunderlichen schrîben,
/ diu man sach dô trîben, / ê diu sach ein ende nam Ottok
88044;
min herschaft hat enpholhen mir, / daz ich die glocken lüt / und ir kunst
betüt / dem kloster und dem cofent. / wiß, ich trib kain getänt! MinneR439
596.
1488;
Suchenw
9,195
MWB 2 631,33; Bearbeiterin: Czajkowski
getenze
stN.
‘Getanze, Fest’, Koll. zu
tanz
:
sich huop grôz getenze, / dô er [
marcgrâf ze
Provenze
] kom gevarn / ze Rôm mit sînen scharn
Ottok
130
MWB 2 631,42; Bearbeiterin: Czajkowski
geter
stN.
→
gater
MWB 2 631,45;
getern
swV.
→
gatern
MWB 2 631,46;
getevele
stN.
‘Täfelung’
díu gespérre únser hûisero. sint cêdrin. díu getáuele. sint
cypressîn Will
25,1;
getævel, suͤle, wende ist holtz gehiure, / ebanus geheizen JTit
6221,3
MWB 2 631,47; Bearbeiterin: Czajkowski
getier
stN.
‘Getier’
das getier ze dem maul [dem Maultier Sgoydamurs]
die ere / dorch siner frauwen willen erzeigt, / das es sich alles neigte /
zuͦ tale uf die knye vorn / und liesz sinen wilden zorn Krone
12766
MWB 2 631,51; Bearbeiterin: Czajkowski
getihte
stN. (F. Litan )
1
‘schriftliche Aufzeichnung, Schriftwerk’
1.1
‘Dichtung, Gedicht’
1.2
‘Lehre’
1.3
‘Erfindung, Gerücht, Lüge’
2
‘kunstvolles Gebilde, Kunstwerk’
1
‘schriftliche Aufzeichnung, Schriftwerk’
diz ist grozzer meister getihte zu der anwise der leute von der
physonomie Physiogn
Überschr.;
also geschach das ich under annder geschrift das wegirlich
getichtte fundenn hab HvHürnh
2,4;
Litan
1457.
– Schreiben, Verfassen von Schriftwerken:
er [der Heilige Geist] geruhte
zallen ziten / in einer tubin bilide irschinen / vnde saz ufe den asselin
dinen [Gregors d. Gr.] / zu allir diner getihte
Litan
702
1.1
‘Dichtung, Gedicht’
hie ist des buches ende. / ir hat diz getichte wol
gehort: / ez tichte von Fritslar Herbort, / ein gelarter schulere
Herb
18449;
si [Isolde] kunde schœniu
hantspil, / schœner behendekeite vil: / brieve und schanzûne tihten, / ir
getihte schône slihten, / si kunde schrîben unde lesen Tr
8140;
guot geticht und süez gedœne SM:Had
8: 3,10;
in rimen und in gedihte HvNstGZ
6016;
ich ferbe, wo verblichen ist / geticht von grober sprüche
mist Mügeln
111,3;
BdN
192,2;
En
13479;
Flore(S)
824;
HvFreibTr
7;
Daniel
2487.
–
nû hôret daz getihte [Verse auf dem Sarg] ,
/ ob irs habet willen: / hie liget frowe Kamille / diu mâre und diu rîche
En
9498.
–
mit ~ wësen
‘in einem Gedicht darstellen’
sus [entsprechend dem Jahreslauf] wil ich
mit getichte wesen / und an ein buch zusamne lesen PassIII
5,39
1.2
‘Lehre’
unde [man] hîlt dô
[...] ein gerichte / nâch des rechtis getichte, /
urteilende des tôdis pîn / iclîchim nâch den schulden sîn NvJer
20683;
wer üch baß uf der troume ban geleiten kan / naturlich,
folget sinem zoum und laßet min getichte Mügeln
52,17;
Theologia darnach sprach / da sy an den glouben sach / wo von mag din
getichte sin MügelnKranz
2159
1.3
‘Erfindung, Gerücht, Lüge’
Jesus jungeren die vorsteln / den lichamen vil lihte / und machen ein
getihte / in allen disen landen, / daz Jesus si erstanden HeslNic
2274;
darumb süllen wir di getrewn und die gewærn lêren, wie sy di valschen
hantvesten kiesen und schawen süllen[...]. ein
hantveste wirt enwicht von dem getichte en manigen ende. das kan ein wol gelêrt
man wol erkennen SchwSp(W)
419,5
2
‘kunstvolles Gebilde, Kunstwerk’
balde wart gegriffen zuo, / mit spæhem getihte / wunderlîchiu
tischgerihte / man ûf ze vier orten truoc Wh
173,27
(s.a. Heinzle, Wh. S. 956f. z.St.);
daz geticht [ein goldener Hirsch] get von den
goltschmiden her. / die sind alle sampt kunst vol / und habent den hirsch innen
gemacht hol MüOsw
2400.
– Werk des Weltschöpfers (creatio ex nihilo):
der [Gott] mag uß nichte machen
icht. wann sin geticht / nicht urspring uß den dingen hat nach unser künste
milde Mügeln
5,16
MWB 2 631,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getihtunge
stF.
‘Hervorbringung, Erzeugnis’
ez ist zesagen, sit daz die concientie etwaz
gedihtunge [
dictamen
] ist der
bescheidenheit, so ist etwaz zuofüegunge der kunst zuo der getat
ThvASu
152,16
MWB 2 632,46; Bearbeiterin: Czajkowski
getinne
stF.
‘Gattin’
coniugalis: gettin Gl
3:426,21
(BStK151)
MWB 2 632,51; Bearbeiterin: Czajkowski
getiusche
stN.
auch
gedúsche SHort
3536.
‘Täuschung, Betrug’ (reimt meist auf
(un-)kiusche):
diz ist niht ein getiusche, / ez ist wâr und ungelogen
UvZLanz
4904;
hôchfart, gîtikeit, frâz, unkiusche / lêrent hofeliute wol manic getiusche
Renner
736
u.ö.;
er si / reine unde cusche, / ane alles falsches gethusche MarHimmelf
1644;
der werlt geteusche MvHeilGr
1970;
dar umme sal man nicht getûschis predien noch fabelen ûffe deme stule der
wârheit, sunder di heilige schrift HvFritzlHl
145,28;
RvEBarl
14840.
–
nû wold er zu vroidin / ein getûsche machin [er wollte sich einen
Scherz mit einem ängstlichen Ritter machen] , / des man mochte
lachin NvJer
7869
MWB 2 632,53; Bearbeiterin: Czajkowski
getöl
stN.
‘närrisches, tolles Wesen’
jr [der älteren Frau, die sich noch für jung hält]
getōl tút mir iemer we. / jr mynne der tùfel bestee! Krone
17452
MWB 2 633,3; Bearbeiterin: Czajkowski |