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ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gestürme - geswaseht    


gestürme stN. ‘gewaltsames Heranstürmen, Bedrängen, Angriff’ so getan gesturme ist michel reht, so des tieveles chneht / mit gewalte vure gat, hi, wie vaste er uns bestat / mit manegen sinen listen AvaA 8,1; tracken und lintwurm / kamen mit gesturm HvNstAp 8400; mit lanzen und mit gêren / wart ûf in ein gestürme, / als ob vil binenwürme / dâ füeren umbe ein honicvaz KvWTroj 34655. – ‘Trubel, Betriebsamkeit, Gedränge’ daz meinet, daz si gerne alleine was und hilt sich alle wege von deme gesturme der lûte und was irre funf sinne wol behut HvFritzlHl 110,25; und bedûtet einen abe gescheidenen menschen, der poben [über] daz gesturme dirre werlde irhaben ist ebd. 149,34. – auch von innerer Unruhe: als lange lerne man sich lâzen, biz daz man niht eigens enbeheltet. al gestürme und unvride kumet zemâle von eigenem willen Eckh 5: 283,1

MWB 2 609,47; Bearbeiterin: Baumgarte

gesüeʒede Subst. hier wohl süßliche ‘Würze’ condimentum: gisalzani vel gisozti Gl 2:283,6 (BStK665); Gl 2:283,9 (BStK637)

MWB 2 610,1; Bearbeiterin: Baumgarte

gesüeʒen swV. süeʒen

MWB 2 610,4;

gesühte stN. ‘Krankheit’ (vgl. suht ): sî daz sich daz vieber von dem gesuhte heve Barth 147,3 u.ö.; poley gepulvert unde an das suchtege zanvleisch geriben, vertribet das gesuchte da von Macer 12,10 u.ö.; swelich ros ain siechs havpt hab [...] oder fast von gesuͤcht chranc sei Albrant 1,1; OvBaierl 28,3; swem da was von gesuhte we, / dem wart sin leit gar benumen: / ob er dar zu mochte kumen, / daz in daz kerzen stucke / berurte zu gelucke, / so mochte er wol gesunt sin MarLegPass 2,236. – ‘Gelenkschmerzen, Giht’ sô deheime menschen wê sî an dem chnie [...] der sol die egelen [...] lâzen sûgen, unze si selbe vallen; dar nâch sô lege ûf den biz wegerich oder ein ander chrût, daz daz gesuhte ûz ziehe Barth 140,9; das selbe ist ouch guͦt zu einer suche, di heisset podagra unde wirret an den vuͦssen. das selbe hilfet ouch swas gesuchtes in den liden wandert Macer 4,13

MWB 2 610,5; Bearbeiterin: Baumgarte

gesunde stF. ‘Gesundheit’ (vgl. gesunt stM. und gesuntheit stF.) geistlich übertr. auch ‘Freiheit von Sünden’ des scult ir got flegen, / daz wir den [Teufel] vermiden, so wir heim ilen. / so megen wir mit gesunde chomen heim ze lande / hin ze paradyse AvaLJ 28,3; daz dv uns fride vnde gesunde uirlies Litan 1399; da was nacht vnde tag / suzzer ruch vnd suzzer smag. / gerouch si ein sicher man [atmete sie ein kranker Mann ein] , / sine gesunt er wider nam, / ob er ioch were tot gewunt Herb 9349; MarlbRh 48,22; HagenChr(G) 521

MWB 2 610,24; Bearbeiterin: Baumgarte

gesunden swV. 1 ‘sich erholen, gesund werden’ körperlich und geistl. übertr. ‘frei von Sünden’
2 ‘gesund machen, heilen’
   1 ‘sich erholen, gesund werden’ körperlich und geistl. übertr. ‘frei von Sünden’ der tach chumt uns, als iz got gebot, / sich frout der mensch, daz er ist gesundot Wahrh 170; der die guldinen bihte da begat, / swie der man gesundot, / der ez enzit tuot / mit valtundir hende Hochz 682; der vil süezzen minne wunden / funden habe ich ûf der fröiden tôt. / in [l. ichn ] kan niemer wol gesunden SM:WvK 1: 5,3    2 ‘gesund machen, heilen’ sô diu minne mir verwundet / mit ir strâl daz herze mîn, / daz hât schiere mir gesundet / mîner frouwen liehter schîn KLD:UvL 58: 2,3

MWB 2 610,35; Bearbeiterin: Baumgarte

gesunder Adj., Adv. vgl. besunder . 1 ‘besonder, gesondert’ , adv. ‘besonders’
2 in der Wendung gesunder setzen / sunder gesetzen im StRAugsb ‘selbstmündig’ (vgl. Markus A. Mayer, Der Kauf nach dem Augsb.StR., 2009, S. 19f.)
   1 ‘besonder, gesondert’, adv. ‘besonders’ es sol auch ein iegelich mullener oder sein diner verdekken di mulle, darauf man malcz melet, [...]. und sol auch ain gesunder rad darzu haben NüP 129; nû muget ir vernemen hie / von schônheite wunder, / der dâ gesunder / ein michel teil was Tund 1520    2 in der Wendung gesunder setzen/sunder gesetzen im StRAugsb ‘selbstmündig’ (vgl. Markus A. Mayer, Der Kauf nach dem Augsb.StR., 2009, S. 19f.): swa eins mannes chint spilt [Glücksspiel treibt] daz ze sinen tagen niht chomen ist, swaer dem iht angewinnet [etw. von ihm gewinnt] oder ez waert [ihm etw. leiht] die wile ez niht eigen gutes hat oder sunder gesaezzet ist, daz enhat keine kraft. swenne auh er [d.i. das Kind] gesunder saezzet wirt, hat im vor [vorher] iemen iht anegewunnen oder gewaert oder mit swelher unfure er gut âne ist worden [verloren hat] , daz sol keine kraft haben StRAugsb 221,6

MWB 2 610,47; Bearbeiterin: Baumgarte

gesündic Adj. ‘sündig’ ‘du [ein diebischer Mönch, der Brandan aus der Hölle zurückgegeben wurde] hast mir den wec gelenget / und geschant die mine vart.’ / ‘owe, daz ich ie gesundec wart’ / sprach der besengete capellan. / ‘sus bin ich doch irlost, herre Brandan.’ Brandan 614

MWB 2 611,3; Bearbeiterin: Baumgarte

gesundicheit stF. ‘Gesundheit’ du salt ouch weten, daz grot gesundecheyt lyget an dyngen, der man gewonet is OvBaierl 14,1

MWB 2 611,9; Bearbeiterin: Baumgarte

gesunt Adj. oft, bes. im frühen Mhd., nachgestellt und stark flektiert. 1 ‘in guter oder normaler körperlicher (auch seelischer und geistiger) Verfassung, (wieder) gesund, unversehrt’ (von Menschen, Tieren und ihren Körperteilen; häufig ~ machen und ~ tuon ; die folgenden Positionen bilden nur Nuancen dieser letztlich einheitlichen Verwendung ab)
1.1 ‘(wieder) ohne Krankheiten, Behinderungen oder Verletzungen’
1.2 ‘heil, unversehrt’
1.3 ‘lebendig’
1.4 übertr. auf das Erlöstwerden von Sünde, Minneleid und Verzauberung
1.5 in paarigen Ausdrücken
1.6 in Abschiedsformeln
1.7 phras.
1.7.1 gesunt gân mite etw. ‘mit etw. zufrieden sein’
1.7.2 bî/mit gesundem lîbe bei testamentarischen Verfügungen und Seelgerätsstiftungen zur Bekräftigung der Rechtsgültigkeit (vgl. WMU 1,686)
1.8 im Sprichwort (vgl. TPMA 4,438. 441. 446. 448)
2 ‘heilsam, bekömmlich, nicht krankmachend’
   1 ‘in guter oder normaler körperlicher (auch seelischer und geistiger) Verfassung, (wieder) gesund, unversehrt’ (von Menschen, Tieren und ihren Körperteilen; häufig ~ machen und ~ tuon; die folgenden Positionen bilden nur Nuancen dieser letztlich einheitlichen Verwendung ab)    1.1 ‘(wieder) ohne Krankheiten, Behinderungen oder Verletzungen’ der arzet andacht ist daz si di lute sunt behalden vnde di sichen gesunt machen SalArz 6,52; diu erzenîe [...] machet den magen gesunt Barth 133,32; sie hiene widir / ne wolden [...] / den siechen geuuͦren, / herne tetin al gesunden Ägidius 115; das ir [...] uwern amis gesunden wiedder habent Lanc 345,8; Albrant 2,1; WüP 7l,9; Iw 7782; Pilgerf 13452; daz wir wissend, gesunt und wolbedaht und mit guotem rat uberein kommen sigin SchweizId 7,1134 (a. 1347); BrHoh 64. ich was chrump als ein sichel, / mir was ein hover [Buckel] michel / dâ ze den schultern ûz gebogen, / [...] / er machte mich ouch gesunt. / ich wart schône gereht, / hals, ahselbein und rücke sleht KvHeimUrst 594; do er den stummen und den toren gesunt machen wolt PrOberalt 151,41 u.ö.; Spec 6,17. er ist gesunt, herre, und wol genesen von den wunden Lanc 347,32; Parz 615,9; ReinFu K,634. – übergehend zu ‘ohne Makel, schön’ Helena gar schone was, / [...] / rosige wangen, roter mvnt, / suzze ademe, zene gesunt Herb 2494. 3216. – subst.: der sichtum kumet di gesunden also gahes an vnde ouch di sichen so di vuchte vlizit in daz herce SalArz 45,37; Spec 105,22; dâ kômen die gesunden, die wunden tâten sam NibB 244,1. 239,1    1.2 ‘heil, unversehrt’ du sihest mich wol gesunden: mîn wât ist bluotes naz. / von ander manne wunden ist mir geschehen daz NibB 1956,1 u.ö.; Rol 5073; Konr 12,12; Egravin nam mynen hern Gawan mit dem gesunden arme umb den hals Lanc 355,31; da slug er den gesundesten mit zorn ebd. 560,23; Iw 4985; Tr 8228; Wh 58,26. daz wir [...] han gesehen vnd gelesen vnd von worte ze worte vlizzeclich beschawet ettelich brive [...], gesvnte vnde gantz, niht verselbet [verschmutzt] , niht geschabet UrkCorp (WMU) 391,7    1.3 ‘lebendig’ Lâzarus was drî tage in der erde begraben, / got hiez in an dem vierden ûf stên, / algesunt hine gên Kchr 10250; si kuste in, als er wære gesunt, / vil dicke an sînen tôten munt Wig 7698; Rol 3799; NibB 925,4    1.4 übertr. auf das Erlöstwerden von Sünde, Minneleid und Verzauberung: versperre uns vor der helle munt / unde mache uns an der sele gesunt Hochz 1083; KvHeimHinv 118; Wahrh 144; JPhys 11,42. küniginne, / mîne sinne tuo gesunt! / hôher fröuden funt / sende in mînes herzen grunt KvWLd 28,8; SM:Ro 9:3,2; MF:Mor 31:1,7. wan lebet nu ritter dehein, / der mich [den Drachen, die verzauberte Dame] kuste an mînen munt! / sô wurde ich schœne und sâ gesunt UvZLanz 7912    1.5 in paarigen Ausdrücken: gesunt unt hailen [Adj. (Akk. Sg.)] Kchr 7826; vrô und wol gesunt Iw 5958; UvZLanz 7797; gesunt unde gar UvZLanz 7606; wol varende unde gesunt Volmar 372; Lanc 72,14; Iw 3430; das er gesunder und genczer were dann er ye ward Lanc 207,18; gesunt [...] und starck ebd. 207,10; gesunt und frech ebd. 566,33. du fromes gerecht vnde krumb, / vnde witzic vnde tumb, / vnde gesunt vnde lam Litan 73    1.6 in Abschiedsformeln: kunic, nu wis gisundi, / ich wil heim zi landi LobSal 199; Gen 1236; vater, got lâze ûh sîn gesunt SAlex 403; Herb 12792; der ware got uon hiemele, / der sende dich gesunt widere Rol 1743; NibB 919,2; Tr 1425. dô hiez Lanzelet zestunt / den knappen wesen wol gesunt [sagte Lebewohl] UvZLanz 5074    1.7 phras.    1.7.1 gesunt gân mite etw. ‘mit etw. zufrieden sein’ myn here en neme is neit zweilff dusent punt, / her greve, nuͦ geit hie myt gesuͦnt, / want dese mere is uch wail kunt HagenChr(G) 2840. 4319    1.7.2 bî/mit gesundem lîbe bei testamentarischen Verfügungen und Seelgerätsstiftungen zur Bekräftigung der Rechtsgültigkeit (vgl. WMU 1,686): daz ich mit miner hovsfrowen rate [...] bi gesvndem libe, do wir wol gan vnd geriten mohten, minen hof [...] verkoufft han UrkCorp (WMU) 2946,29; daz wir mit gvter betrahtvnge vnd gesvndem libe vnser selgerete gesetzet haben ebd. 3368,3 u.ö. – auch im Ggs. zu an (dem/sinem) totbette zur Kennzeichnung alternativer Zeitpunkte, an denen eine testamentarische Verfügung gemacht werden kann: ist auh daz diu frowe [...] ir seledinch schaffen wil, diu mak wol bi ir gesundem libe oder an dem totbette schaffen unde gaeben durh ir sele willen swaz si versnitens gewandes hat daz si anhoeret StRAugsb 144,23; er gibet daz guot mit gesundem lîbe und an sînem tôtbette swem er wil SpdtL 91,4    1.8 im Sprichwort (vgl. TPMA 4,438. 441. 446. 448): ‘die gesunt sint’, sprichet unser herre, ‘die enbedürfen der arzenîe niht’ Eckh 5: 61,3; zen siechen hœrt der arzât, / die gesunden tuont sîn guoten rât Freid 59,6; BrHoh 27. schaffe daz du sîst gesunt, / sô bistu rîche zaller stunt Cato 449. iz wênic zetlîcher stunt, / daz du blîben mügest gesunt Cato 324 (vgl. gesuntheit ). er wart gesunt als ie ein visch / und alsô frech unt alsô frisch KvWEngelh 2407; gesunt als ein fisch Lanc 397,23; KvWTroj 10808; EnikWchr 13389    2 ‘heilsam, bekömmlich, nicht krankmachend’ warme spise ist gesunt unde die suoze MNat 8,16. 6,34; gessin [gegessen] sterket her [der Zitwar (weißer Curcuma)] den magen unde machit gesunt ropzin [Aufstoßen] Macer 82,2. 58,5; dar umb schol man in [den Aal] prâten, sô ist er gesünder denn gesoten BdN 244,27; under allen wazzern ist rainz regenwazzer daz gesündist ebd. 104,6 u.ö. – mit Dat.: wizzet, daz di girgele [ ocimus ‘Basilikum’] dem magen gesunt ist Macer 95,5. 25,13; lemrein flaisch ist starken und gesunden läuten gar gesunt, aber siechen ist ez ungesunt BdN 155,36. ich bin siech, mich lustet sere eins gesunden trankes, das Jhesus Christus selber trank Mechth 7: 33,2. – übergehend zu ‘unverdorben’ wir gebietent, daz die metziger verkoͮffent gesv́nt vnde frisch flesch UrkCorp (WMU) 1653,25; – Lit.: Erwin Koller, Nu müez iuch got bewarn, fruot und geil gesparn! Zur Geschichte des Wortfeldes ’gesund’, in: Dt. Sprachgeschichte, hg. von W. Besch, 1990, 129-140, bes. 131f.

MWB 2 611,12; Bearbeiterin: Baumgarte

gesunt stM. ‘Gesundheit, Unversehrtheit, Leben’ (vgl. gesunde stF. und gesuntheit stF.): in ir [der Kinder] bluote muoz ich dich paden, / sô solt dû dînen gesunt wider haben Kchr 7825 u.ö.; SalArz 24,30; Wig 4457; ob in diu klage an ir lîp oder an ir gesunt gât, oder daz man den man von sîner kristenheit welle sagen SpdtL 167,4; wand er muos im [dem Tod] ze suone geben / sînen gesunt und sîn leben Iw 5632; Himmelr 5,19; Gen 476; Mügeln 294,7. – phras. bî jmds. ~ : bî des chuniges gesunte, ir nechomet ûz deme lante Gen 2167. 1112. 2173; ähnl.: sam mir mîn gesunt, / dû trinchest ez ûz unz an den grunt Kchr 7510. – auch im weiteren Sinne ‘Wohlergehen, Wohlstand’ Jacob sprach [...] / ime [Laban] wâre wole chunt er hête ime verdienôt den gesunt, / [...] / er [L.] wâre ein arm man dô er [J.] zuo ime chom Gen 1377

MWB 2 613,13; Bearbeiterin: Baumgarte

gesuntheit stF. ‘Gesundheit’ (vgl. gesunde stF. und gesunt stM.): gesuntheit gît Asclêpîus, / [...] / nâch siechtuome gesuntheit, / nâch unkreften kreftic leben / kan er helflîche geben RvEBarl 9730; nû was dar vil liute komen, / den ir gesuntheit was benomen: / dâ was vil touber tumben, / vil blinden unde krumben, / und tiuvelhafter diet genuoc, / diu leit von dem tiuvel truoc ebd. 16002 u.ö.; Lanc 13,18 u.ö.; Marcianus spricht, daz der stern [Jupiter] zuo allen dingen hailsam sei und tœtleichen dingen gesunthait pring BdN 57,20 u.ö.; alse die guͦten mit micheler gesuntheite sint gekreftiget, also sint die úbelin mit micheler vncrefte gebródiget Lucid 159,22. 152,13 u.ö.; aber die nach iren staten [Möglichkeiten, Gegebenheiten] / [...] daz volk doch bekeren, / die sin gesuntheit der diet, / wen sie die sundere niet / lazen hie vorsiechen HeslApk 22687; ditz brot gib vns hivt, [...] daz in vns wurchen sol ditz gotlich werch vnd leben, die himlischen gesvntheit, als wir taglichen hie bedvrfen, biz wir ez bi dir ewichlichen werden niezzen DvAPatern 184. – im Sprichwort (TPMA 4,446, vgl. gesunt 1.8): maͤssig spîse dem menschen birt / gesuntheit und vertrîbet siechtagen Ammenh 15771

MWB 2 613,30; Bearbeiterin: Baumgarte

gesüntlich Adj. ‘Gesundheit bringend’ o Alexannder, dich sol nimmer verdriessen zenemenn an dem margenn [Morgen] ainenn geessichten siropel mit vastendem magen unnd auch nach dem essenn, wann die feüchte gestarckent und genuegsament und der schleim herschet, wann das ist gar gesuntlich HvHürnh 52,13

MWB 2 613,55; Bearbeiterin: Baumgarte

gesuntmachunge stF. ‘Gesundmachung, Heilung’ welchü gesuntmachunge dez ersten geschiht in disem gegenwertigen leben nach dem ... [Text defekt; Quae quidem sanatio primo fit in praesenti vita secundum mentem ] ThvASu 202,24

MWB 2 613,62; Bearbeiterin: Baumgarte

gesuoch stM. Verwendungsschwerpunkt ist der Gewinn (vgl. 1), inbes. durch Verleihen von Geld (nur in dieser Verwendung durchgehend belegt vom 9.-17. Jh., alle anderen überw. im Mhd., vgl. DWB 4,1,2,4272.4277). 1 ‘Gewinn’
1.1 Gewinn aus dem Verleihen von Geld ‘Zins’ (oft synonym mit wuocher )
1.2 ‘Lohn, Gewinn’ (insbes. der Lohn des ewigen Lebens)
2 ‘Suchen, Aufsuchen’
2.1 Recht zum Aufsuchen von Orten mit bes. Nutzen und diese Orte selbst
2.1.1 ‘Zugangs-, Nutzungsrecht’ (überw. für Weidenutzung belegt, daneben Forst und Brunnen vgl. DRW 4,594 und DWB 4,1,2,4273)
2.1.2 übertr. auf den Ort, der aufgesucht werden darf ‘Wiese, Weideland’
2.2 ‘Auf-, Heimsuchen’ (hier: mit einem Heer anrücken)
2.3 ‘Aufspüren des Wildes’
2.4 ‘Suchen, Forschen’
3 ‘Streben, Verlangen’
   1 ‘Gewinn’    1.1 Gewinn aus dem Verleihen von Geld ‘Zins’ (oft synonym mit wuocher): gelob ich einem man gesvͦch zegebenne von sinem gvͦte, daz er mir lihet, er hat phant von mir oder niht, sin hovbet gvͦt sol ich im geben vnd den gesvͦch niht, ich hab im dann dar vmbe gesworn SchwSp 75b; der mensch solt den gesuͦch vnd wucher geben vnd halten den ayd RechtssB V41,13. V26,145; jst aver daz, daz si dem juden niht engilt die selben phenning an dem oberhalb genanten sant Merteinstage, so schol fvrbaz alle wochen gen ovf iglich phvnt vier phenning ze gesvch UrkCorp (WMU) 2111,20; StRAugsb 56,12 u.ö.; der wuͦcher ist ein slac der selen, wen da mite roͮbet der mensche sinen eben cristen sinez guͦtes, vnde waz der gesuͦch lange verboten uor Cristez gebúrte Lucid 74,9 u.ö.; Helbl 8,995; ErzIII 90,71. – übertr.: so hat got so milten sin, / er leicht uns allez daz wir han / und nympt chain gesuech da von Teichn 67,56; daz [durch den Kreuztod ihres Kindes] ir vraude jamers lon / prachte mit gesûche wider GvJudenb 2085; wan mîniu pfender [ sinne, hertz und muot V 8:2,3] / ich tumber, ellender / an gesuoche noch muoz lenger wizzen, / daz ich einez nit darab erlœsen mag SM:Ro 8: 1,6    1.2 ‘Lohn, Gewinn’ (insbes. der Lohn des ewigen Lebens): swelche da [beim Jüngsten Gericht] werden vunden / beschriben in dem buche / des lebens zu gesuche / himelischer selikeit [ Dn 12,1f. ] Daniel 7290; rich gesuch [ lucrum, Phil 1,21] ist mir der tot, / got min leben ane not ebd. 1733 u.ö.; TvKulm 3884; hete er [Domenicus] icht, des was er vro, / wand er ez [...] den armen teilte / durch den ewigen gesuch PassIII 355,45; [der sterbende hl. Martin verweigert ein weiches Bett:] ‘swer ein cristenmensche wil sin, / dem vuget wol ein herin tuch / an dem ende durch gesuch / obe der erden nicht me, / dar uffe er neme des todes we / und si der erden gutes vri.’ ebd. 610,62; swenne ich dich lan in trostlosem lidenne, in hertikeit erdarben und ertorren ane alle suͤzikeit, als mich min himelscher vatter lie, so solt du enkein gesuͦch vroͤmdes trostes [Gewinn in Form von Trost (oder zu 3)] haben Seuse 274,2    2 ‘Suchen, Aufsuchen’    2.1 Recht zum Aufsuchen von Orten mit bes. Nutzen und diese Orte selbst    2.1.1 ‘Zugangs-, Nutzungsrecht’ (überw. für Weidenutzung belegt, daneben Forst und Brunnen vgl. DRW 4,594 und DWB 4,1,2,4273): daz ich [...] han geben zwo wisen vnde den gesuͤch, der da zv gehoret, [...] Hovge meinem veteren UrkCorp (WMU) 2060,26; daz wir purger von Trostperch, und die purger von Altenmarkht den gesuch an derselben awe miteinander getailt haben UrkBaumb 233 (a. 1342); datz si dem obgenanten gotshaus ze Ranshoven seiner recht [...] swie ez di hat [...] an seinen læuten und guten, an gerichten, an vischwaiden und an allem gesuch ze holtze und ze velde [...] staͤt behalten UrkEnns 6,61 (a. 1332)    2.1.2 übertr. auf den Ort, der aufgesucht werden darf ‘Wiese, Weideland’ vmb den gesvͤch in der Raures [...] vnd umb den gesvͤch in der Ovͤmaiz [...] sprech wir also: man nem baidenthalben gemaine levte, vnd gen di auf di gesvͤche vnd sagen di, ob si ze reht in sein gevangen [eingezäunt sind] oder niht UrkCorp (WMU) 3598,15    2.2 ‘Auf-, Heimsuchen’ (hier: mit einem Heer anrücken): dî dritte sache, daz man leit / dem vleische an dî wâpincleit / ist durch offinlîchin strît, / den uns ouch der vîende nît / zûtrîbit mit gesûche [ est propter hostium apertam impugnacionem Duis. 2,9] NvJer 3164; hierher wohl auch: die rîchen lebent mit schalle, / die armen mit gesuoche Erinn 421 (vgl. die vorher beschriebenen territorialen Bestrebungen; oder zu 2 ‘Abgabe für ein Nutzungsrecht’; vgl. Anm.z.St.)    2.3 ‘Aufspüren des Wildes’ mir was vff den gesuch gach / min hunt zoch man mir nach / ich zoch hin haid vnd gevilde / vnd fur vff aines waldes wilde MinneR505 13; als einen jungen bracken, / der nie gesach wilt und doch suochet geren. / fürbaz ûf den gedingen / an den gesuoch ich kêrte / durch fröude widerbringen, / swâ ich si mit gedanken het gerêrte Hadam 25,2. 30,2    2.4 ‘Suchen, Forschen’ er [Petrus] indas grab do gieng, / und sprach ze dem gesellen sin [Johannes] / das er zuͦ im kæm dar in / umb gesechen und umb gesuͦch. / allain fundent sú dú tuͦch / dar in er [Jesus] toter was vermacht WernhMl 11961; biwilen las er [Hieronymus] iudesch hie / und drinne der propheten wort, / so las er latinesch dort; / biwilen criesch durch gesuch PassIII 505,39; do Augustinus drin gie, / do truc er sante Pauls buch, / wand er ie durch gesuch / die buch hete manigerhant ebd. 422,46    3 ‘Streben, Verlangen’ dâ er achzên jâr sô was, / daz er pflegelîchin las / und offinbâr der kunste bûch / den pfaffin durch lêre gesûch NvJer 15458; wie das der leide gesuͦch der naturen in allen [Menschen] verborgenlich wúrket und oͮch an gotte [auch in Bezug auf Gott] , so wellent si [...] iemer etwas haben und wellent gerne himelrich haben Tauler 361,13. 315,9; kinder, huͤtent úch vor disem behenden gesuͦche der naturen, das man geistlich guͦt uͤbunge tuͦt umbe keine lipliche zitlich ding ebd. 361,22

MWB 2 614,3; Bearbeiterin: Baumgarte

gesuochære stM. auch geschuchere. ‘Wucherer’ dû weist vil wol, lihest dû im [dem armen Menschen] niht, daz er dir nihtes niht bræhte. dâ von solt dû sîn sus ouch niht nemen [weder Zinsen noch die allerkleinsten Geschenke (ein Ei) für das Leihen nehmen] , oder dû bist ein rehter gesuocher PrBerth 1:281,26; jch [einer der Teufel] pflig der wucherer / vnd der geschucherer / die haben vngefuges gelt / [...] / sie wollen sich vber die armen / nymmer nicht erbarmen. / daz kan ich in wol gelten Luzifer 5,42; PassSpW 198; Helbl 8,980; nach x jaren mag der gesuch nit geuordert berden, vnd der gesuchrer verleust sein recht, vnd der schuldiger oder gelter des gesuchs wirt ledig gesagt StatTrient 143

MWB 2 615,48; Bearbeiterin: Baumgarte

gesuochede stN. oder stF. ‘Suchen, Streben’ waz ist daz, daz den menschen jaget arg wisen zu suͦchen [den Menschen antreibt, schlechte Gewohnheiten anzunehmen] ? daz ist gesuͦchd einer gnuͤgde; die vindet man allain in dem lassene, nút in den argen wisen Seuse 166,9

MWB 2 615,63; Bearbeiterin: Baumgarte

gesuome stN. gesiume

MWB 2 616,5;

geswachlich Adj. , geswächlîche Adv. ‘gering, schwach’ swelich wip rehte bekort [fühlt] / geswachlicher minnen hort / die muos durch not gewinnen / froeide MinneR302 237 Müller [BMZ 2,2,766a] ändert in geswaslicher ‘heimlich’, das sonst nicht adj. belegt ist → geswâslîche ; vgl. aber adv.: sô vil, sôs ie kunden / [...] / geschaden der vînde lande / geswâslîch [La. geswechlich ] und verstolne Tr 18779

MWB 2 616,6; Bearbeiterin: Baumgarte

geswægerlich Adj. ‘durch Verschwägerung verbunden’ (vgl. swâger ): habet ir nû dise drîer hande sippe vermiten, fleischlîche sippe unde geswægerlîche sippe unde die geistlîchen sippe [Paten, bzw. Patenkinder] , dannoch muost dû zweier hande liute vermîden [bei der Ehe ausschließen] PrBerth 1:315,23. 1:312,31

MWB 2 616,15; Bearbeiterin: Baumgarte

geswanze stN. geswenze

MWB 2 616,22;

geswarme stN. geswerme

MWB 2 616,23;

geswæse Adj. , geswâse Adv. ‘in einem nicht öffentlichen Bereich’ 1 adj. ‘allein’
2 i.d.R. adv. ‘in aller/der Stille, vertraulich, heimlich’
   1 adj. ‘allein’ bi so michilir menige gebaret er gelich einem helide, / so er indir was geswæse [wenn er irgendwo allein war] so het er mit got sin gechose, / so bevalch er sele unde sin an unsiren trohtin GenM 77,36; mit unbezeichnetem Umlaut: sô er was geswâse sô hête er mit gote sîn gechôse Gen 1869    2 i.d.R. adv. ‘in aller/der Stille, vertraulich, heimlich’ Adam unt Eva si burgen sich geswâse / fone gotes gesihte, des dwanc si diu forhte ebd. 375. 2721; van der herschafft de he all / da sach in dem pallase / offenbaer neit gedwase [l. geswâse, vgl. Anm. zu 27,56] , / dat waer zo lanck zo saen KarlGalie 7059; also Galya Karll van Vranckriche / do hoerde wandelen heymeliche / da nedene vur erem palase, / so sprach sy stille ind gedwase / zo Floretten ebd. 4624. 11428; er [Judas] saget in vil geswase: / ‘swen ich kusse, der ist Crist.’ HeslNic 602; HeslApk 11265; indes wart ir [Elisabeth] [...]ein hus gemaht / von holze unde ouch von erden: / hi vone ir solde werden / eine otmudec case [Hütte] , / da inne si geswase / mit ir ingesinde bleib Elis 6668; sa nu di frouwe lobesam / zu huse von der kirchen quam / wider in ir kase, / di reine vil geswase / nuzte ein lutzel spise ebd. 5206

MWB 2 616,24; Bearbeiterin: Baumgarte

geswæse stN. ‘Stilles Örtchen, Abtritt’ (vgl. ge-swæse Adj., geswâsheit stF. 2, swâs , swâshûs, -kamer): das du mure zwischen den huͥsern bi dem geswêse beiden huͥsern gemeine si UrkZürich 7,317 (a. 1303); secessus [Abgeschiedenheit, Abtritt] : gesuese vel ganc GlHerrad:Komm 80 secessus: gisuasi / gesuasheit vel ganc SummHeinr 1:264,210. 2:82,105; cloace: gisuasi / gesuasgenge ebd. 1:257,86 (vgl. geswâsganc und ganc 11)

MWB 2 616,50; Bearbeiterin: Baumgarte

geswaseht Adj. geswechseht

MWB 2 616,59;