gespöttic
Adj.
‘unwahr, lügnerisch’
mitolegia: carmen fabulosum, scilicet ein gespoͤttig gedihte
VocClos
Mi97
MWB 2 586,1; Bearbeiter: Richter
gespræche
Adj.
‘redegewandt, eloquent’
sin zunge was gespræche wol, / aller suͤssi und
wishait vol WernhMl
5895;
zehantt stet ainer auf der fürsten
[...], der weisär unnd der gespracher ist dann die
anndern HvHürnh
11,7;
eime gibet her [Gott] die list /
daz her vil gespreche ist, / eime daz her geloubet wol HeslApk
9220;
Herb
393.
3108;
LvRegSyon
2666.
– häufig wol
~ (vgl.
wolgespræche
stF. und
wolgespræchecheit
):
der rôt swalbenstain [...] macht
die menschen wolgespræch und genæm oder minnezæm BdN
440,16.
64,13;
da von [durch das Lob der Weisheit des
Königs] wirt er gelobet und geeret und werdent in sein leüt da von
fürchtent, so si in sehen wol gesprach in weishait HvHürnh
9,2;
im zimpt wol das er sei wol gespräch und mit redigk und ain
hele stimm hab ebd.
10,7.
19,2;
Herb
3037;
Ottok
37711
MWB 2 586,4; Bearbeiter: Richter
gespræche
stN.
1
‘Sprechen, Reden’
2
‘Gespräch’
2.1
‘Beratung, Unterredung’ , metonymisch auch die Versammlung 2.2 rechtsspr. ‘Beratung während einer
Gerichtsverhandlung’
1
‘Sprechen, Reden’
íh gíbo dír súlihe doctores. [...] dîe
den sélben uuistûom mît scônemo gesbrâche kúnnon uúre bríngon Will
18,7;
svmilichin ist gebin wistuͦm, sumilichin daz
guͦte gesprache, sumilichen der guͦti geloͮbi
Spec
74,29;
ez was ein münch vil wîse, / vor alter was er grîse; / sîn gespræche daz was
guot, / ze got stuont im al sîn muot LBarl
1620;
PsWindb
18,15;
EvStPaul
3613;
Eckh
3:487,7.
–
‘Sprechvermögen, Stimme’
do tet er [Christus] uolleclichen sine genade
zuo zim [dem Stummen und Blinden] , unt gab im ovch
widere paidiv sin gespræche unt ovch sin gesihene PrRoth
40;
dô sprach der künic mære / als er zornic wære: / ‘dîn rede
missevallet mir. / von rehte solt ich nemen dir / allez dîn gespræche, / daz ich
mich an dir geræche.’ LBarl
9435
2
‘Gespräch’
in arcwênigen steten unde zîten sulen die brûdere vermîden die
gesprêche der wîbesnamen [
feminarum...
colloquiua
] unde allermeist der iungen und vrowen kussen
StatDtOrd
50,40;
und nim dich mit dem vremeden man / niht sô vil gespræches an
RvEBarl
7102
2.1
‘Beratung, Unterredung’, metonymisch auch die
Versammlung:
ein gespreche er gebot. / die fursten dare quamen, / sine
wort sie vernamen Herb
15238;
dô dî red im wart bekant / [...] er sî zusamin /
in ein gesprêche alle lût NvJer
16465;
da Claudas sah das er die burgk nit licht kunt gewinnen,
da nam er ein gesprech geyn dem konig Ban, und gaben beyde sicherheit mit fried
zu farn und zu komen Lanc
3,26;
Wh
221,27;
UvZLanz
8169
2.2
rechtsspr. ‘Beratung während einer
Gerichtsverhandlung’
mer vraget in die richtere, ob her an sines vorspreche wort gie, her
muͦz wol sprechen ia oder nein oder gespreches beten UrkCorp (WMU)
51,5;
ein ieglîch man mac wol gespræches gern, sô man in ane
sprichet, sunderlîchen umb ieglîche sache SpdtL
168,21.
170,16;
SspAug
171,9;
StRMünch
309,12;
Lit.: C. Emmelius: Politische Beratung, Zwiegespräch, gesellige
Unterhaltung, in: Im Wortfeld des Textes, hg. von G. Dicke u.a., Berlin 2006, S.
107-135.
MWB 2 586,21; Bearbeiter: Richter
gespræchede
stF. oder N.
‘Reden, Sprechen’
ích nihabo bihálten nóh réhto giwéret in góte noh an mînemo nâhesten die
réhtun mînna nóh [...] rehten rât, lángmuoti, reht
gisprâchide, reht gisvîgide BambGlB
147,32
MWB 2 586,63; Bearbeiter: Richter
gespræchelich
Adj.
s.a.
gesprëchlîche
.
‘rhetorisch geschickt, redegewandt, beredt’
assidua [lingua]: gisprachliv Gl
1:580,33
(BStK637);
rethorico: kisprachlichemo Gl
1:311,3
(BStK863);
urbane: kisprachlichero ebd.
1:591,19
(BStK863)
MWB 2 587,4; Bearbeiter: Richter
gespræchetac
stM.
‘Tag der Besprechung’
dô wart ein fride gemachet und ein gesprâchtac WolfdA
402,1
MWB 2 587,9; Bearbeiter: Richter
gespræchic
Adj.
‘redegewandt’
facundus: gesprechiger SummHeinr
2:306,01.24
MWB 2 587,12; Bearbeiter: Richter
gespræjen
swV.
‘etw. besprühen, benetzen’
man erteilt oͮch in dem hof zu Wecgis, was der wint bewêt vnd der regen
gesprêt, das sol zehenden geben dem gotzhus WeistGr
1,162
(Anfang 14. Jh.)
MWB 2 587,14; Bearbeiter: Richter
gespranc
stN.
Pusteln oder fleckige Hautkrankheit, vgl. Anm.z.St.:
die bu̇ge [Fesselbeugen des Pferdes] wijte vnder
schuͦff [griff an] / die maug [Mauke,
Fesselekzem] vnd das gesprang Krone
19854
MWB 2 587,19; Bearbeiter: Richter
gespranz
stN.
‘protziges Auftreten’
ir gesprancz das ist gros, / wie sie gen zu tancze Neidh(S)
2,112c43:3,9
MWB 2 587,23; Bearbeiter: Richter
gesprëchære
stM.
‘Redner’
aedilis: gespracher Gl
4:129,22
(BStK391);
vrbanus: gesprecher ebd.
4:165,72
(BStK391)
MWB 2 587,26; Bearbeiter: Richter
gespreche
stM.
‘Vorsprecher (vor Gericht)’
welch man sin wort also selbe sprechen muz, deme sal man gespreche geben, wi
dicke he sin bittit, zu rechte StRFreiberg
201,4
MWB 2 587,29; Bearbeiter: Richter
gesprëchlîche
Adv.
auch -lîchen; s.a.
gespræchelich
.
‘mündlich’, bezogen auf göttliche Verkündigung:
diͤ bodschaf deit he [der zweite Chor der
Engel] gesprecheliche. / liͤflich sint der erzengel wort /
si sint vil gelustelich gehort MarlbRh
53,29;
alzö sprichet der ebige vater dz ewige wört im selbs
[...] gespröchelichen vnd belibet doch alzit inbendige
vnvsgesprochelichen Eckh
2:539,17
MWB 2 587,33; Bearbeiter: Richter
gespreidach
stN.
‘Gesträuch, Gebüsch’
ju in deme gespreidach / Moyses ein fiur gesach. / daz holz
niene bran, / den louch [Flamme] sah er obenan
MarldM
8;
ineineme gespraidach Moyses ein fivr sach PrWack
10,26;
frutex: gispraidahe SummHeinr
2:42,189
MWB 2 587,41; Bearbeiter: Richter
gespreide
stN.
‘Gesträuch, Gebüsch’
er [Moses] treip sin uihe an di
guten weide / do sach er ein veur an aineme gespreide VMos
34,29;
dâ erscain ime got der gewâre, / als iz loͮch viures wâre, / in mittem
deme gespreide / wol verre an der heide Exod
465
=
GenM
125,22
MWB 2 587,47; Bearbeiter: Richter
1gesprenge
stN.
‘Ansturm, Anspringen’
sie quamen mit gesprenge / in daz grozze gedrenge, / mit drin
tusenten vnd me Herb
5186;
in dem gedrenge / hûb sich ein gesprenge / von der dît allumme zû / den
brûdren mit strîtis mû / gewirkende vil bange NvJer
25099
MWB 2 587,53; Bearbeiter: Richter
2gesprenge
stN.
Bedeutung unsicher, ‘Gesprenge’ als Bezeichnung für hölzerne
Zieraufsätze von Altarretabeln meint hier evtl. einen (steinernen)
‘Wimperg’ als giebelartige Bekrönung von Portalen (vgl. das
Bild in der Hs., abgedruckt in der Ausgabe):
und alsus merke, wie daz dise tuer [im von
Ezechiel beschriebenen Tempel] kein gesprenge hatte, ouch was si
nicht uzgezogen an den wengern [Pfosten (ohne Fialen?)] .
doch mochte is wol sin, daz si hetten einen anslac adir ein
spunt [Schlitz im Türrahmen] , do di tuere invile
Cranc
Uzl 265,17
MWB 2 587,59; Bearbeiter: Richter
gesprenze
stN.
→
gespranz
MWB 2 588,7;
gesprich
stN.
‘Sprechen, Rede’
di vrouwin ludin si [die Ratsherren] vor sich / daz
si hortin ir gesprich PfzdHech
196,34
MWB 2 588,8; Bearbeiter: Richter
gesprinc
stN.
1
‘Quelle, Brunnen’
2 bildl. ‘Ursprung, Ausgangspunkt von etw.’
3
‘Getränk’
1
‘Quelle, Brunnen’
ein gespring Agar irsach, / da was hin ir ungemach. / si gab dem sune trinken
baz / und vulte wider ouch ir vaz HistAE
641;
niwan ein wenic er da grub, / alzuhant man da entsub, / wie sich daruz ein
wazzer hub / als ein richlich gesprinc PassIII
663,52;
TvKulm
146;
Eckh(Pf)
389,21.
–
‘Wildbach’
in torrente: in dem gesprink VocAbstr
373
2
bildl. ‘Ursprung, Ausgangspunkt von etw.’
du [Gott] bist aller dinge begin /
unde aller sache gesprinc HeslApk
11.
1031;
doch ist ir [der Seele] wesen und daz gesprinc irre
werke allermeist in dem herzen, alsô ist der vater ein angenge und ein gesprinc
aller götlîcher werke Eckh
3:422,11;
die andere wisheit ist [...] ein gesprinc der
gotlichin clarheit und ein burne gotlicher warheit Parad
104,22;
der wunder rink / ist ein gesprink, / gâr unbewegit stêt sîn punt
Granum
3,9;
HeslApk
13535.
– metonymisch für das Ergebnis der Schöpfung, hier die Menschheit:
da mac man wol pruven an / daz got menschlich gesprinc /
minnete vor alle dinc HeslApk
473;
des sal dich al irdisch gesprinc / und al himelische
craft / eren daz du iz has geschaft ebd.
9040
3
‘Getränk’
halt zu minen snitern dich. / mit en iz und mit en trink, / beide brot und daz
gesprink HistAE
1821
MWB 2 588,11; Bearbeiter: Richter
gesprinede
Subst.
Bed. unklar, etw. Sprießendes, ‘(junge) Baumpflanzung’ (s.a.
Sprinz Schmeller, BWB 2,705):
arbustum: gesprinode Gl
3:352,33
(BStK927)
MWB 2 588,37; Bearbeiter: Richter
gespriu
stN.
zu
spriu
.
‘Abfall, Auswurf, Spreu’, (vgl.
geraspe
):
quisquiliae: gispriu Summheinr
2:42,200
MWB 2 588,41; Bearbeiter: Richter
gespüc
stN.
‘Spuk(-gestalten)’
owê, ir dorfliute, iuwer kæme vil ze himele, wan
[nur] daz selbe extlîn [die Mordaxt des
Aberglaubens] , daz ermordet alle, die an zouberîe geloubent und an
wârsagen und an wârsagerinne und an lüppelerinne, an nahtfrouwen und an sô getân
gespüc und an pilwiz [Dämonen]
PrBerth
2:70,32
MWB 2 588,44; Bearbeiterin: Baumgarte
gespüele
stN.
‘Spülwasser, Spülicht’
durch irs spotz bejag / namen si das gespuͦl, / es
wär warm oder chuel, / und gussen [erg.:
ez
] auf sein hawpt Vät
39511;
ez sol nieman bî tage noch bî naht keinen harn noch hûspaht noch unsûber
gespüele noch keine unsûberkeit, swie daz genant ist, her füeren in die stat
StRMeran
424
MWB 2 588,51; Bearbeiterin: Baumgarte
gespulc
stM.
‘Brauch, Gewohnheit’
semeliche unsere burgere hant einen gespulg, das sü gut usnement umbe andere
unser burger und vor dem geltezil gebent sü ir gut, das sü hant, zu einem wibe zu
wydemen oder iren kinden, oder andern iren frunden zu einem selengerete
UrkStraßb
4,2:26,29
(a. 1303)
MWB 2 588,58; Bearbeiterin: Baumgarte |