geschidet
Part.-Adj.
→
geschide
MWB 2 542,22;
geschîdicheit
stF.
‘Weisheit’
und der gedenck meines hertzen dy gescheydigkait [interl. zu
et meditatio cordis mei prudentiam
Ps 48,4
]
PsMb
30(Glossar).
ebd.
30(Glossar)
MWB 2 542,23; Bearbeiter: Richter
geschihede (?)
stF.
nur in PsTr belegt.
in den Wendungen mit oder von ~
‘vielleicht, zufällig’ (s.
geschiht
2):
ich hede uirburgen mich mit geschihede uon imo [
abscondissem
me forsitan ab eo
]
PsTr
54,13;
fon geschihede lebintic hetin uirslichet uns [
forte vivos
degluttissent nos
]
ebd.
123,3;
uon geschihede daz wazzer hete uirslunden uns [
forsitan aqua
absorbuisset nos
]
ebd.
123,3
MWB 2 542,27; Bearbeiter: Richter
geschiht
stF.
1
‘Ereignis, Geschehen’
1.1
‘Tat, Handlung’
1.2
‘Geschichte, Bericht über Geschehen’
1.3 allgemeiner auch ‘Sache, Angelegenheit’ , in kausalem
Zusammenhang ‘Grund’
2
‘Zufall’
3
‘Art und Weise, Eigenschaft’
1
‘Ereignis, Geschehen’
ein michel olebach / uz einein kisilinge floz: / diu
geschihte duhte uil groz Wernh
D 4231;
die historien [...], daz sint die
geschrift von den geschihten in den landen und in den zeiten BdN
358,27;
Frl
10:2,1;
StrKD
161,529
1.1
‘Tat, Handlung’
ein keiserlich geschiht / von im geschehen wære [Gründung des
Bistums Magdeburg durch Otto I.]
RvEGer
248;
so torlich ist al ir geschicht Frl
7:31,11;
Spec
111,25;
Tr
12998.
–
‘Vergehen’
er muͤze stan zu gerihte / umme alle die
geshihte / die begangen hat sin lip Rennew
18184;
wa die burgere solche gescychte clagn von den burgmannen
UrkFriedb
73
(a. 1306);
swer eime gaste dirre geschichte deheine tete
unverschuldet, der sal die bezzerunge halbe tuͦn WüP
7h,2;
UrkCorp (WMU)
2345,15
1.2
‘Geschichte, Bericht über Geschehen’
hæten die [Tristan und Isolde]
durch liebe leit, / durch herzewunne senedez clagen / in einem herzen niht
getragen, / sôn wære ir name und ir geschiht / sô manegem edelen herzen niht /
ze sælden noch ze liebe komen Tr
215.
9484;
der geschihte / der wir von iu vernomen hân, / daz ez iu
ist sô wol ergân, / des sîn wir inneclîche vrô UvZLanz
8618;
er wolde selben wesen bot / der geschihte und der mære
Ottok
3105;
RvEWchr
8322
1.3
allgemeiner auch ‘Sache, Angelegenheit’, in kausalem
Zusammenhang ‘Grund’
er dankete der geschihte / sîm neven, der der triuwen
wielt, / daz er im sîn muoter behielt, / diu ir kint vil gerne sach
UvZLanz
8406;
diz kôffes vnd dierre geshicht, so ist getziuch:
[...]
UrkCorp (WMU)
1981,30;
der chŭnich im da ze helfe pot / drew hundert helm an der geschicht
Suchenw
17,111;
dazs aber alle stille swigen, / dem lantgesinde rede
verzigen, / daz geschach durch die geschiht : / sin kunden der lantsprâche niht
Tr
10873;
ine weiz durch welhe geschiht
[weswegen]
ebd.
9523;
Elis
5115;
von dirre selbin
geschiht [deshalb] / in jamirte so sere
RvEWchr
3431.
10368;
wizzet ir umbe welhe gesciht, / warumbe wir daz miden
Wernh
D 1146.
– semantisch verblassend:
dâ ergienc ein schedelîch geschiht / und ein
jæmerlîchiu angesiht / von den sînen die daz sâhen Wh
25,1;
er er kante sein nicht / von deß nebeles geschicht
HvNstAp
14781;
der stain erlœst von widerwärtigen geschihten
BdN
467,20;
von scheltwoͤrten
[...]: swaz auch der geschiht fuͤrkumet,
daz man also spricht, er ist ein buͤbe, oder sie ist ein huͤre
WüP
45,2;
Tr
5555;
GTroj
14165
u.ö.
2
‘Zufall’
dô truoc in diu geschiht / (wande ern versach sichs niht) /
vil rehte an sîner vrouwen lant Iw
3923;
si liezen ez an die geschiht, / weder si genæsen oder niht
Tr
2423.
– in Wendungen von ~
‘zufällig’ (s.a.
geschihede
):
daz kom niht von geschihte / daz si algerihte / in dem
vinstern hol / solte geberen also wol: / die Christes predigere / weissagten
dise mære / vor, wie si solt gebern Wernh
A 3333;
zuo der Wahsenden Warte / kam er von geschihten
UvZLanz
5125;
mit muote oder von geschihte Er
5811;
PrOberalt
43,7;
StatDtOrd
105,14
3
‘Art und Weise, Eigenschaft’
der süeße luft [im Mai] / mit sîner
tuft / hât erkirnet [offenbart] sîn geschicht, / daz man
vil bernder blüete sicht SM:Tu
6: 2,10;
daz vingerlîn was der geschiht, / man verzêh im betlîches
niht, / swer ez an der hant truoc UvZLanz
4953;
sie lac doch in der geschicht, / als ob sie slâfen
solde [Isolde stellte sich schlafend]
HvFreibTr
2712;
Frl
4:6,7;
Ottok
9626;
WhvÖst
11508.
– unklar, ob hierher oder zum stN., s. FrlWB S. 117:
ein meister sach an ir [der Giftmaid] valsch
geschichte Frl
5:20,11
MWB 2 542,35; Bearbeiter: Richter
geschiht
stSubst.
‘Reihe’
ein tier / [...] hete in sinem munde / an scharfen
zenen dri geschicht PassIII
431,5
MWB 2 543,43; Bearbeiter: Richter
geschihtbuoch
stN.
von Ereignissen berichtende Schrift (für Actus Apostolorum):
daz die junger mit der maget Marîen wider giengen ze Jerusalem. an der
zwelfboten geschihtebuoche WvRh
13024 Überschr.
MWB 2 543,46; Bearbeiter: Richter
geschihte
stN.
‘Ereignis, Geschehen’
so wirt hi beschrebin ein geschichte daz wol zu merkene unde zu sagene stet
Köditz
49,31;
doch wil ich ein geschichte / harte wundirlîch dêswâr / ûch hî machin offinbar
NvJer
4928;
und enphieng auch er chain we / von dem geschicht daz er
sach, / waz geschehen solt her nach Teichn
356,27;
Herb
16520;
HeslApk
505.
–
‘Unruhe, Zwist’
swo aber ein geschichte geschehe bi tage oder bi nachte, da
sal nieman zuͦloufen uͦffe sinen eit, denne durch bescheidenheit
dieselben geschichte ze scheidene, ze bezzerne unde nicht ze ergerne
WüP
7i,6
MWB 2 543,51; Bearbeiter: Richter
geschihtelich
Adj., Adv.
Adv. auch -lîchen.
1
‘zufällig’
2
‘machbar’
1
‘zufällig’
die forschunge dez rattes eigentlichen behöret zuo den
geschihtilichen sünderlichen dingen [
ad contingentia
singularia
]
ThvASu
146,29;
nu kam geschihtlîchen dar / morder ein vil michel schar WvRh
4358;
wa geschichtlich velt ain man, / dem gehoͤrt die
friung an Teichn
576,67.
576,116
2
‘machbar’
diz ist der almehtikeit niht undertenig,
[...] wan ez niht haben mag reden dez geschihtlichen
dinges oder dez müglichen [
quia non potest habere rationem
factibilis neque possibilis
]
ThvASu
294,13
MWB 2 543,63; Bearbeiter: Richter
geschihten
swV.
‘sich um etwas bemühen; erreichen’
warvm ir des niht uch engunnent / auch, daz ir [...]
an uch selber daz geschihtent, / daz reht gerihte ir hieltent eben, / als ez die
warheit hat gegeben? [
Lc 12,56f.
]
EvStPaul
8439;
e siv [die Folterknechte] gein gotis hulde / ir vil
grozin schulde / nach genaden gerihten / vnd hie also geschihten / umbe ir
süntlichis lebin / daz in geruohte got vergebin / ir vngefüegen missetat
Martina
79,20
MWB 2 544,11; Bearbeiter: Richter
geschihtic
Adj.
‘zufällig’
in den geschichtigen teilen [
in
particularibus contingentibus
]
ThvASu
146,22
MWB 2 544,21; Bearbeiter: Richter
geschihticlich
Adj., Adv.
Adv. -lîchen.
‘zufällig’
die verwerrtung [...]
[
corruptio, der (körperliche) Verfall
] geschiht [...] von stössenn an die stain
oder von anndern geschichtigklichen vällenn [
ex aliis fortuitis
casibus
] oder von siechtum oder von übelm rate der ärtzt
HvHürnh
49,4;
nu kam geschihtlîchen [La.
geschichteklichen
] dar / morder ein vil michel schar
WvRh
4358;
ThvASu
286,22
MWB 2 544,24; Bearbeiter: Richter
geschirre
stN.
‘Gerätschaft, Werkzeug’
Êtîus muoz die wolle noch zaisen, / oder ich trîbe in in
weberisk gescirre Kchr
14015;
swelh vischaͤr dreu geschirre [Netze] hat
UrkRegensb
718
(nach 1320);
der munt ist ain sidel und ain geschirr der versuochenden
kraft der sêl, dâ mit daz tier sein narung nimpt BdN
12,29;
ain mäuslein, als wir ez hie nemen, ist ain geschirr der
willicleichen wegung an den glidern ebd.
20,12;
die sel hat muglichait und ist instrument oder geschirr got zebekennen vnd
zeminnen aus natur Gnadenl
3:M1,117.
–
‘Gefäße, Geschirr’
[sie] suͤllen die lebentigen visch vail haben in
iren schaefflein und in flachem geschirr StRMünch
442,27.
365,10;
nun hatend sy kain geschier darinn sy das wasser tragen moͤchtind
Stagel
110,37.
– allg. ‘Ausstattung, Zubehör’
alles daz geschirre daz zuͦ dem alter gehorte ClosChr
17,11;
die vorgenante muͥli [...] mit alleme dem
geschirre, so zvͦ der muͥlu hoͮret UrkCorp (WMU)
511,14.
– bildl. für ‘Genitalien’
der ertôtet sîne âchuste, der in dc gescirre uirsaget, dâ siu
mit wurchen TrudHL
134,8.
134,18;
Vlrich dem beutler ist di stat verboten 5 jar 5 meil hindan bei der hant
darumb, daz er ungezogen ist gewesen mit seinem geschirr und zeigt ez den frawen
NüAchtb
86
(a. 1348);
dô waren im vil tiure / schuohe unde lînwât, / und swaz geruochlîche stât, /
des gienc er alles irre. / sîn vil lanc geschirre / daz hienc im in die aschen
HBirne
262;
dô truoc er sîne reife und sînen tribelslagen. / mit sînem
umbesweife / kund er sich wol bejagen, / ein guot geschirre tragen
KLD:GvN
39: 3,5.
–
‘Ordnung’
die siben irresternen, [...] / loufent an ir gezelte
/ dem umbekreiz der welte, / und gehillet doch ir irre / dem himelschen geschirre
WvRh
514
MWB 2 544,32; Bearbeiter: Diehl
geschirrelôs
Adj.
‘entmannt’
zew hin, roß zagelloß / vnd dein herre geschirloß Striegelk
103.
95;
Striegelw
88
MWB 2 545,3; Bearbeiter: Diehl
geschiuhe
stN.
auch geschiuwe, geschuͦ.
‘Schreckgestalt’
larva: geschúwe, geschuͦ VocOpt
13.093;
geschiuwe und merwunder / und vische vil besunder / hâst du geschaffen dem mer
WvRh
527;
daz ain schoͤnes wip / minnet aines mannes lip, / der ist als
vngeschaffen, / daz ritter vnde phaffen / in hant fuͥr ain geschuͥhe /
vnde haissent, daz man fluhe / sinen vngetanen lip JvKonstanz
405;
ein geschiuwe [Vogelscheuche] in einer gersten
KLD: Schulm
5:10
MWB 2 545,6; Bearbeiter: Diehl
geschiuwede
stF.
‘Scheu’
darnach karte Jonathas hin / wider zu Jerusalem in / mit vride unde mit
vreuden / mit vil wunnen an gescheuden Macc
4974
MWB 2 545,16; Bearbeiter: Diehl
geschoc
stN.
‘Schock, Menge von 60’
funftzehenhundert geschok grozzer beheimischer pfennig UrkHohenz
3,72
(a. 1341);
so gesamnet si licht dar in / der regel pfening ain geschoch Barfüsser
69.
– auch allg. ‘größere Menge, Haufen’
dez volkis ane zellen / wart do zvo der hellen / gesendet menic geschoch / in
daz verfluochte loch Martina
172,9
u.ö.
MWB 2 545,20; Bearbeiter: Diehl
geschol
swM.
1
‘jmd., der einem anderen Genugtuung schuldet; Schuldiger’
2
‘Gläubiger’
3
‘Gewährsmann, Bürge’
1
‘jmd., der einem anderen Genugtuung schuldet; Schuldiger’
der sinem gescholn niht vergibit, / wie unsæliche er gedigit!
Vateruns
165;
wie getar er sich verpergen, / mîn unt mînes trehtînes gischol,
/ in dehäinem irdischem hol Priesterl
51.
– bezogen auf Straftaten ‘Beschuldigter’
vindet aber en man sinen rehten gescholn der in berobet
hat StRAugsb
73,6.
10,10;
ob ein ersam purger [...] einen totslach
[...] tæt, [...] der
rihtær sol im vuͦr gebieten, als reht sei, vnd sol der geschol antwurten
nach rehte UrkCorp (WMU)
2918,14.
1914,12;
HvNstAp
20226.
– bezogen auf eine Geldschuld ‘Schuldner’
er ist eins geltes min geshol / daz er mir niht vergelten
mag Rennew
14786.
29159;
UrkCorp (WMU)
2087,16
2
‘Gläubiger’
jz schol [...] dehain richter nicht gelaitz geben umb
gult [...], won mit der bvͦrger urlaub oder mit des
gescholen urlaub StRBurgh
185
3
‘Gewährsmann, Bürge’
daz ich e was getaufet, / e daz ich wuͤrde verkaufet;
/ des han ich hie minen gesholn Rennew
18091;
man sol in [den Schutz
Begehrenden] uz der friung geben, / ob sin gescholn koment hin
[l. in (?)] an Teichn
576,77
MWB 2 545,28; Bearbeiter: Diehl
gescholære
stM.
‘Schuldner’
swer [es schwöre] der gescholer zen hailigen
DRW
4,453
(Schwsp. Var./WSB. 79; 14. Jh.)
MWB 2 545,51; Bearbeiter: Diehl
geschœne
Adj.
‘schön’
diu lit vil verdorben gar, / der geschoͤneste lip den
ie gebar / dehain wip RvEWh
12826
MWB 2 545,54; Bearbeiter: Diehl
geschopfet
Adj.
‘mit einem Schopf, Schweif versehen’
der geschopft stern haizet ze latein cometa
BdN
75,3.
75,18
u.ö.
MWB 2 545,57; Bearbeiter: Diehl
geschote
Subst.
Bed. unklar, Käsemaß oder -menge? (vgl. SchwäbWb 3,493):
in Lindurne 28 caseos, geschote est unus. feodum Liebun 6 caseos, et caseus
valet 1 geschote [...] Lase curia 15 libras Veronensium 12
geschoͤte caseorum UrkWürtt
4,XXIV
(13. Jh.)
MWB 2 545,60; Bearbeiter: Diehl
geschôte
N.
‘Hoden’
aniz mit bonenmel unde mit heizem honege getempert hilfet den
man, ob im sin geschote zoswollen ist, ob manz druf leigt Macer
80,6.
27,7
MWB 2 546,1; Bearbeiter: Diehl
geschouwede
stF.
‘Anblick’
do er also bluͦtende da stuͦnd und sich selber
an sach, daz waz der jemerlichest anblik, daz er in dik gelichte in etlicher wise
der geschoͤwde, als do man den geminten Cristus freischlich geislete
Seuse
43,24
MWB 2 546,5; Bearbeiter: Diehl
1geschoʒ
stN.
‘Abgabe, Steuer, Schoss’
ut a nobis cum eis in civitate residentibus teloneum nec exactio que gescoz
dicitur nullatenus exigatur UrkMühlh
47
(a. 1256);
swenne di stat ein geschoz muz haben, das sullen di burger setzen under
einander, wenne si sin an irme heimelichen rate, also alse der stat not ist
StRFreiberg
52,18.
54,4;
WüP
45,3;
mit [...] hoͤfen vorwerken velden holtzern
[...] vyschweiden guͦlten zinsen zehenden beten
stuͦren geschozzen banwin diensten [...] und allen
andern nuͦtzen gevellen und rechten, die wir biz her gehabt haben
UrkHohenl
2:574,29
(a. 1345)
u.ö.;
er irdahte varen zu den / landen, die hiezen Persyden, / und der lande geschoz
nemen [
accipere tributa regionum Mcc 3,31]
Macc
2177;
und mit nichte sullin sy daz volk beswerin mit unphlichtigim
geschozze adir bete Cranc
Uzl 262,15;
du bist kumen in myn riech, / gilt mir als di andern glich / myn geschoz und
mynen czins TvKulm
3607
MWB 2 546,10; Bearbeiter: Diehl
2geschoʒ
stN.
‘Etage, Geschoss’
tecmen de schindil super unum geschoz UrkBresl
255
(vor 1346)
MWB 2 546,30; Bearbeiter: Diehl |