gescheide
stN.
1
‘Grenze’
2
‘Trennung, Abschied’
1
‘Grenze’
nû het der abt vor, / [...] / daz
er dem bischolf ze leide / bûte an dem gescheide / hie ze Stîr des landes drums
Ottok
27771;
daz die selben enlehentú swin fúr das gescheide nút enkommen UrkLicht
7,217
(a. 1288);
Lilie
41,13;
GTroj
14769.
–
‘Kamm, Gipfel’
ad verticem (geskeite) montis UrkEnns
1,637
(13. Jh.)
2
‘Trennung, Abschied’
din sun ind du, geleit mich beide / al an gescheit bit
stedicheide! MarlbRh
2,24;
nu, weiz got, it geit zuͦm gescheide
[Dahinscheiden]
ebd.
24,18
u.ö.;
alsus wart da eyn gescheit / van Karlle ind van Galyen KarlGalie
3696;
in desem geschede / bleuen sy [Karl und Konstantin]
gevrunde beyde Karlmeinet
335,21;
MinneR 497
1066
MWB 2 539,20; Bearbeiter: Richter
gescheidunge
stF.
‘Scheidung’
divorcium: gesgeidunge Gl
3:360,70
(BStK927)
MWB 2 539,35; Bearbeiter: Richter
gescheine
stF.
‘Anblick, äußere Erscheinung’
sus sprach di frouwe gute / fro gar in suzen mute / in aller der gescheine, /
alse obe di vil reine / keiner suche entsube [empfand]
niht Elis
9251;
kusche gar von sinne, / wollusteg an gescheine [mit Freude
anzusehen] , / doch gar von libe reine ebd.
3159;
die linenduch gesach er [Petrus] eine / vnd anders
fant er kein gescheine [fand er im leeren Grab Jesu nichts zu sehen,
Lc 24,12
]
EvStPaul
10594.
8305.
–
zuo
~
‘zur Beachtung, Betrachtung’
den creaturen kundent da / gar vffentlichen zu gescheine / daz ewangelium
gemeine EvStPaul
5410;
er [Jesus zum Aussätzigen] sprach: ‘ich wil
ez, ia, wiz reine!’ / als er die wort da zu gescheine / vz sinem munde nu
geliez, / daz malat [Aussatz] floch vnd reine er hiez
ebd.
2537
MWB 2 539,37; Bearbeiter: Richter
gescheit
stN.
→
gescheide
MWB 2 539,53;
geschelle
stN.
(Koll. zu
schal
stM.)
‘Lärm, Getöse’
dâ [am Tag des Jüngsten Gerichts] wirt ein vil
michel schal, / dâ wirt grôz geschelle LBarl
3040;
dô huop sich in der stat / grôz geschell und braht
Ottok
50599;
also treibt er [der Angeber im
Wirtshaus] daz geschell [lärmendes
Gelage] , / untz der wiͤrt im sprichet zuͤ
Teichn
125,92;
Tr
14371;
SM:Go
2:6,9;
RvEWchr
27844.
–
‘Gerede, Gerücht’
swie ich in daz geschelle / kom ummer da ich inn was
SHort
7766;
es geschah an ainer andern stat, daz ein gross geschell úber
in ward gende Seuse
67,5.
75,6.
–
‘Aufruhr, Tumult’
swenne der meister ein geschelle nider zelegenne sendet nach den, die imme
rate sint UrkCorp (WMU)
N238AB,11.
1797AB,15;
wer ouch, das ein geschell und ein geloiffe von fure, kriege oder von dheiner
anderen sache wegen ufferstunde StRSchlettst
42;
seditiosus: geschelle machender EvAlem
66(Mc 15,7)
MWB 2 539,54; Bearbeiter: Richter
geschëlle
stN.
‘Schellen am Reitzeug’, Koll. zu
schëlle
swF. (zur Sache s. Schultz, Höf. Leben
1,495.498.500):
surzengel [Übergurt] , satel,
geschelle / von dirre hurte gar zebrast Parz
295,26;
ein gereite, / smal ân alle breite, / geschelle und bogen
verrêret [verschlissen, abgerissen] , / grôz
zadel [Makel] dran gemêret ebd.
257,3.
–
er stach ir einen ûf den schilt, / daz daz gestelle
[La. geschelle
] gar zerbrach / und man den
schilt vallen sach / verre UvZLanz
6385
MWB 2 540,9; Bearbeiter: Richter
geschëlte
stN.
‘Schelte, Schmähung’
e sie quemen vf daz felt, / da enwas niht wenne geschelt, /
scharfe wort, svre tat, / als ir dicke vernomen hat Herb
9868.
7067;
da horde man vluͦchen inde geschelt / inde over den dief clagen, / har
roufen inde hantslagen MorantGalie
3370.
3600;
werfet von uͦch den nyt und den haz und den zorn
[...], wane da von kuͦmet geschelt und
manslacht, ruͦb und brant PrLpz
96,8
MWB 2 540,19; Bearbeiter: Richter
gëschen
swV.
‘den Mund aufsperren, gähnen’ (vgl.
gësche?
,
gëtschen
, gischen;
hëschen
):
oscito: geschen VocesWack
70
(Walther, Initia 13517)
MWB 2 540,28; Bearbeiter: Richter
geschendede
stF.
‘Schande, Schmach’
confusio: giscentida Gl
2:78,1
(BStK637);
Gl
2:78,1
(BStK408)
MWB 2 540,31; Bearbeiter: Richter
geschenden
swV.
→
schenden
MWB 2 540,33;
geschenke
stN.
auch geschanke.
1
‘Getränk, das Eingeschenkte’
2
‘Geschenk’
1
‘Getränk, das Eingeschenkte’
den cof nam er mit den wine / vnde segente dar inne / eine vil gute mjnne /
vnde gab in daz geschenke / unde hiez si alle dannen uz trinke Glaub
1005;
dem [Bacchus] lief man hin zu dem tranke / swo
iender was ein geschanke, / also begienc man sin ere Macc
8638
2
‘Geschenk’
di burgere [...] batin on
[Ludwig] mit grozim flize daz her zu on in di stat
[Erfurt] riten wolde unde ir geschenke unde ere nemen
wolde Köditz
49,14
MWB 2 540,34; Bearbeiter: Richter
geschepfe
stN.
→
geschaf
MWB 2 540,44;
geschepfede
stFN.
→
gescheffede
MWB 2 540,45;
geschepfelich
Adj.
‘erschaffbar’ (s.a.
ungeschepfelich
):
ich entæte niht sünde umbe allez, daz geschaffen oder
geschepfelich ist Eckh
5: 22,13.
2:88,8
MWB 2 540,46; Bearbeiter: Richter
geschepfnisse
stN.
→
geschefnisse
MWB 2 540,50;
geschepfunge
stF.
‘Schöpfung, Erschaffung’
ist geburt ein geschepfnüsse, sô was Krist ein geschepfunge sînes vaters in
der êwigen geburt persônlich unde wesenlich Eckh(Pf)
534,12;
da von solt wir pieten er / unser frowen
geschephung [Mariä Empfängnis] / lieber frey und
unbetwung Teichn
464,1989.
464,1461
MWB 2 540,51; Bearbeiter: Richter
geschert
Part.-Adj.
mit ~ segelruote wohl ‘mit dem Segel hart am
Wind’ (schon terminologisch im Sinne von ‘gebrasst’
oder i.S.v. ‘gehisst, aufgetoppt’?):
sy sassen zu den poten an, / mit freẅden füren sy von dan / mit gescherter
segel ruet [Rah, Segelstange]
Hawich
5076
MWB 2 540,58; Bearbeiter: Richter
geschich
stM.
‘Geschehen’, in der Wendung durch den ~
‘zu dem Zweck’
her [einer der apokalyptischen
Reiter] hir neme den vride / von der erden; daz sie sich /
irslugen durch den geschich, / daz sie nemen in daz leben, / wart ein groz swert im
gegeben; / da mite sie solden sich irslan HeslApk
10588
MWB 2 541,1; Bearbeiter: Richter
gëschicheit
stF.
‘das Aufschäumen’ (s.a.
gist
):
do geist in geistes geschikeit / zoch an sich menschen knochen Frl
7:6,14
MWB 2 541,8; Bearbeiter: Richter
geschicke
stN.
1
‘Beschaffenheit, Gestalt, Benehmen’
2
‘Begeben heit’
3
‘Fügung, Zufall’
4
‘Anordnung’
1
‘Beschaffenheit, Gestalt, Benehmen’
dô er nû diu kleider an / het geleget, der iunge stolze âne gran / was noch
und het doch ein menlîch geschicke Loheng
873.
6237.
6937;
swartz har und do bie dicke, / daz hat sulich geschicke, / wa
hin sin gemute sich lenket, / dan ab ez kaume entwenket Physiogn
120.
156.
214;
[der reiche Bürger merkt,] daz sô liutsælic, sô wünnesam
/ noch sô wol getân geschicke / sîner ougen blicke / an menschen nie vernæmen
UvEtzWh
5351;
UvEtzAlex
23931.
17295;
JTit
768,1.
1642,4
2
‘Begeben heit’
das geschick daucht sy wunderlich HvNstAp
20120
3
‘Fügung, Zufall’
alleine von erst liechte / der mensch von sinnen sichte /
valle in der sunden stricke / unwizens oder von geschicke Hiob
4216
4
‘Anordnung’
[Wir tun] den pürgern zu Eger
[...] dieße sünderliche gnade,
[...] das sie [...] auf
dheinerlei handelung ader geschickes wegen zu dheine lanthgerichte geheischet,
genött noch geladen süllen werden DRW
4,441
(EgerPriv.; a. 1305 kopial)
MWB 2 541,11; Bearbeiter: Richter
geschickede
stF.
‘(schönes) Aussehen, Gestalt’
avoy wie stuonden sîniu bein! / reht geschickede ab in schein
Parz
168,8.
170,21.
361,26;
si truoc geschickede unt gelâz, / ich wæne deis iemen kunde
baz / erdenken ân die gotes kunst Wh
249,3.
188,19.
241,30
MWB 2 541,32; Bearbeiter: Richter
geschickelîche
Adv.
‘von ungefähr’ (vgl. Neumann, Teichn. S.
166):
lieger, trieger, neyder spot, / das geschikchleich vallet in
Teichn
611,43
MWB 2 541,38; Bearbeiter: Richter
geschicket
Part.-Adj.
→
schicken
swV.
MWB 2 541,41;
geschicknisse
stF.
1
‘Fügung, Vorsehung’
2
‘Beschaffenheit, Verhältnis’
1
‘Fügung, Vorsehung’
got synen kocher uf ken job / tet do er deme tuvel grob / dy
loube gab [...] / daz er mit Job umme ging / und sluc in
[...] / als mit ettelichen philen, / dy der tuvel czoch
mit ylen / uz deme kocher gewisse / der gotlichen geschicnisse Hiob
11364
2
‘Beschaffenheit, Verhältnis’
Thaurisium ist eyne groze stat und ist gelegin [...]
no by Baldac und ist in gutir geschiknisse und gelege MarcoPolo
6,3;
ir wip glichin sich den mannen in allir geschicnisse, taceo de partibus infra
ebd.
70,4.
–
di ediln [in der Provinz Baldasya
]
tragin bruche [Hosen] von lywote [l.
lînwât
] odir von sidynen tuchirn, und eyn
iclichir legit noch siner geschiknisse [
secundum statum
suum
] hundirt vach odir lxxx mynner odir me, czu
wortin das ym der ars groz schine; wen das dunkit si wesin eyne edilkeit der
eynen grozen ars hot MarcoPolo
12,11
MWB 2 541,42; Bearbeiter: Richter
geschide
Adj., Adv.
oder geschîde? Eine Zuordnung zu den Verben
scheiden
,
schîden
ist unsicher, die Verhältnisse in dieser Wortgruppe
selbst sind unklar.
1
‘gescheit, urteilsfähig, überlegt’
2 unklar, ob hierher oder ein eigenständiges Lemma, von Kochendörffer als Part. von
schiden swV. erklärt, ‘getrennt’ (?)
1
‘gescheit, urteilsfähig, überlegt’
wer hat ouch gotes handen / und siner craft wider standen /
und hatte do by vride? / nymant zwar ist so geschide, / want got ist des zu wol
gelart Hiob
3100
u.ö.;
Hiltbrant der was geschîde: / er nam der alten wunden war / die der von Bern
het geschrôten [...] und stach im in die wunden tief
JSigen
183,6;
HistAE
2244
u.ö.;
Hadam
432,3;
Minneb
4642
2
unklar, ob hierher oder ein eigenständiges Lemma, von Kochendörffer als Part. von
schiden swV. erklärt, ‘getrennt’ (?):
di benanten virczen lid [Wahrheiten] , / wil man
merken gar geschid, / czuͤt man uz dem gelouben TvKulm
1234;
nu lestu, her, geschide / den dinen knecht mit vride
[
dimittis servum tuum
Lc 2,29
]
ebd.
3011
u.ö.
– in genealogischen Angaben die Anzahl trennender Generationen bezeichnend
(?):
Job [...] waz geborn geschide / wol indem
sechsten lyde [im Abstand von sechs Generationen] /
von Nachor Hiob
445;
der [
vurste von Brunswic
] sich
dursten / let nach ern, daz im ie zam / von dem alten edlem stam: / wen her ist
wol geschide / in dem virden gelide / Sente Elzebet verwar TvKulm
81
MWB 2 541,60; Bearbeiter: Richter |