Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gescheffe - geschenden    


gescheffe stN. geschaf

MWB 2 534,1;

gescheffede, geschepfede, geschefte stFN. auch gescaffede, geschopfede, geschepfte, geschæft. Wegen des Nebeneinanders von Affrikata (pf) und Frikativ (f) in der Wortgruppe schaffen/schepfen nicht immer klar zu trennen von → geschaft stF. und stN. 1 ‘Schöpfung, Erschaffung’
1.1 häufig ‘Geschöpf, Wesen’
1.2 ‘Gedeihen, Sprießen’
2 ‘Beschaffenheit’
2.1 ‘Gestalt, Aussehen’
2.2 ‘Eigenschaft’
3 ‘Geschlechtsorgan’
4 ‘Tätigkeit, Aufgabe’
5 ‘Geschäft, Handel’
6 ‘Rechtsgeschäft, rechtliche Regelung’ , häufig ‘Testament’
   1 ‘Schöpfung, Erschaffung’ nu du mir geseit hast uon deme schópher, nu solt du mir sagen uon der gescóphede dez himels vnde der erde vnde uon den dingen, die got dar inne geschaphen hat Lucid 4,14; ubeler tyfel / nu ist dir [durch die Verlockung zur Ursünde] uil libe an miner gescefte irgân VMos 10,5; SuTheol 85; scephære allere gescephede [interl. zu creator omnium elementorum ] PsWindb 73,Oratio    1.1 häufig ‘Geschöpf, Wesen’ ich gloͮbe an got vater almahtigin, der dir schephâr ist himilis vnde der erde vnde aller der geschephidi Spec 1,3; an die geschepfte [Marrien, ein Ungeheuer] lief er dô. / ouch was ir sô ger an in / daz si von dem slage hin / niht entweich den er tet Wig 6994; wann ain gescheppfd erschlecht ir geleichenn HvHürnh 21,3; KLD:Kzl 2:11,18; StrKD 66,90    1.2 ‘Gedeihen, Sprießen’ íh gîenk ín dén núz garton: dáz íh gesâhe [...] óbe dér uvîngarto in blûode uuâre: unte dîe rôton épfele uuâren in gescáffede [ si floruisset vinea et germinassent mala punica Ct 6,10 ] Will 107,4    2 ‘Beschaffenheit’    2.1 ‘Gestalt, Aussehen’ sîn geschepfede und sîn wât / die gehullen wunneclîche in ein: / si bildeten under in zwein / einen ritterlîchen man Tr 11098; ir gescheffede was riche, / beide hie vnd da Herb 3286; [Odysseus sieht ein Mischwesen, oben Gott, unten Mensch:] da enzwischen was ez ein, / als ez disen zwen, / weder got noch man, / hete ein svnderen gescheffede an ebd. 18219; vnser herre [...] erschinet den guͦten in der geschopfede als er erschein in monte Synai Lucid 139,2; HvHürnh 46,6; VAlex 242    2.2 ‘Eigenschaft’ sin drittiu gescepfide ist. daz diu lewin daz welf totez erwirfet JPhys 1,24; do nechant er si zewâre / an nehainer ir gescefte, / swi er die frowen ofte / ê gesehen habete Kchr 12058; sîne [des Rosses] vüeze und sîniu bein / diu behielten ouch vil wol in ein / al ir geschepfede unde ir reht Tr 6669; TrudHL 97,32    3 ‘Geschlechtsorgan’ hât man niht geziuge [Nachweis seines Alters] , sô sol man den knaben mit disen dingen überziugen: [...] man sol im grîfen zwischen diu bein oberhalp sîner geschäfte, vindet man dâ kleinez hâr, daz ist der [...] ziuge SpdtL 104,1    4 ‘Tätigkeit, Aufgabe’ von etelicher becv́mbernisse, da mit wir das herce vor bekvmbert haben mit rede oder mit gedenken oder mit geschepfede DvAStaff 124; der maister vnd die brvder svlen sich alain mit dem geschaͤft des spitals kvmeren SpitEich 35,5. 7,9; du [Ahab, III Rg 21] trûrest umb ein kleine geschäfte BuchdKg 54,9; NibC 1502,2; StatDtOrd 71,18 u.ö.; HvHürnh 1,3. – ‘Auftrag’ der vorgnanten taiding [...] sin wir fvͤnf [...] von vnser beder herren wegen von irem geschaͤfte vnd gehaizze vberain chomen UrkWittelsb 2,254 (a. 1317); durch des geschefte und gebot Ottok 47442; ein edel grâve dolde / von sînem geschefte [auf des Königs Betreiben] den tôt Tund 1679; UrkCorp (WMU) 3458,32; hierher ?: ob der richter den XIIer bvrgern wider ist irs gebotes vnd ir geschæftes, daz schulen si bereden mit dem richter StRBurgh 185    5 ‘Geschäft, Handel’ daz sie [die Ordensmitglieder] ouch unerloubeten gewin unde gescheffede [ negotiationes ] niht urboren StatDtOrd 52,31; den swarzen swalbenstain schol man auch in ainem leineinn tuoch tragen, der ist den läuten guot, die geschäfts pflegent, sam kaufläut BdN 440,20; er mêrt reichtum und gibt gnâd in allem geschäft ebd. 459,22    6 ‘Rechtsgeschäft, rechtliche Regelung’, häufig ‘Testament’ swas die welt geschäfftes mit einander hat, das sol man haißen schriben UrkGraub 2,168 (a. 1301); swâ ein mensch âne geschäfte stirbet, [...] swaz diu hinder in lânt guotes [...], daz sol man antwurten dem herren der des landes herre ist SpdtL 109,11; ist awer daz der nicht weib und chinder hat, der da stirbet, und vurschaidt an gescheft seins guetes [ sine testamento et ordinatione rerum suarum decedit ] StRBrünn 353; PrBerth 2:195,30; UrkHohenz 3,79 (a. 1341); StRAugsb 59,34. 145,14

MWB 2 534,2; Bearbeiter: Richter

gescheffic Adj. ‘tätig, produktiv’ daz ime ze senfte und ze vromen / und ze heile möhte komen, / dâ was si spâte unde vruo / betrehtic unde gescheffec zuo Tr 7924; ir wizzet selbe aller beste, wie lügenheit unde trügenheit an iuwerm koufe gescheffic ist PrBerth 1:150,11; LvRegFr 3197; Tauler 177,21

MWB 2 535,24; Bearbeiter: Richter

geschefnisse, geschepfnisse stN. (F. Eckh 3:25,2 ) auch gescheppenisse, gescafnisse, geschípnísse ( Athis Ab 2 ), geschoͤpfnisse; s.a. gescheftnisse . 1 ‘Geschöpf, Geschaffenes, Schöpfung’
2 ‘Gestalt, Beschaffenheit’
3 ‘Erschaffung’
4 ‘Geschäft, Angelegenheit’
   1 ‘Geschöpf, Geschaffenes, Schöpfung’ alle di dinc, di gescefnisse sint Glaub 220; din sele vnsvndeklich ist vnde ein geistliche gesheifnisse vnde ist gesazt vnde gemachit ein frowa vber alle vnsvndekliche creaturin SalHaus 31,30; sine [Gottes] gescheppenisse Lilie 26,36; Übervart 511,16; HeslApk 1037    2 ‘Gestalt, Beschaffenheit’ daz ros daz was wunderlîch, / irre und vil strîtich, / snel und starc von gescafnisse SAlex 274; die crone wart gesehen mit geistlichen oͮgen der minnenden sele in der ewigen ewikeit und wart bekant ir geschoͤpfnisse Mechth 7: 1,11. 3:9,49; [das Kind im Mutterleib] enpfæhet eine ander geschepfnisse von der sêle und eine ander varwe [Aussehen] nâch dem lebene der sêle Eckh 3:25,2; SalMark 75; Parad 100,21    3 ‘Erschaffung’ nû sprichet man von drîerleie geschepfnüsse. man sprichet, daz geburt sî geschepfnüsse Eckh(Pf) 534,8 u.ö.; bekenntnisse daz he di creature irkennit, enist nicht di sache des geschepnisses der creature, mer sin wille, wan da fon daz he si wil, so sint si Parad 97,23 u.ö.; SalHaus 41,19; HlReg 73,27    4 ‘Geschäft, Angelegenheit’ swer vorne den pfluk het / und sich wider umme set / zu der werlde geschefnisse, / der hat den himel nicht gewisse HeslApk 7687; daz dirte buch wiset uz wi om [Ludwig] sente Elyzabeth vortruwet wart, unde di grozen trucht der hochzit unde andir erbar geschefnisse daz sich dar undir vorlif Köditz 2,7. 31,32

MWB 2 535,31; Bearbeiter: Richter

gescheftbrief stMN. ‘schriftliches Testament’ wer abir, daz ain man ain gescheft tet, vnd daz nicht vorbrift vurde pei seim lebentigen leybe, so schol der furmund [...] mit den totpezleuten [Testamentszeugen] , als vil als er ir gepeten het zu gezevknusse seins geschefz, ain gescheft brief machchen mit der totpezleuten sigel StRPrag 43; ich lazze eu wizzen, daz ich noch einen chleinen geschefft brief han UrkRegensb 529 (a. 1341)

MWB 2 535,63; Bearbeiter: Richter

geschefte stN. gescheffede

MWB 2 536,8;

geschefthêrre swM. ‘Testamentsvollstrecker’ waz ich dar an [im Testament] geschafft han meinen lieben geschefft herren und meinen lieben geschefft frawn und sunderlichen meinen guͦten freunten, daz schol man in allem dem rechtten volfuren UrkRegensb 529 (a. 1341)

MWB 2 536,9; Bearbeiter: Richter

gescheftlîche Adv. geschaftlîche

MWB 2 536,15;

gescheftlîcheit stF. ‘Handlungsfähigkeit, Tätigkeit’ so schoͤphet got ein vernúnftige sele und gússet die in die [die zuerst erschaffene Materie des Embryos] . denne so vergat alle die erste forme: in der solicheit die gescheftlicheit, die gedenklicheit [Denkfähigkeit] , die groͤsse, die varwe Tauler 257,19

MWB 2 536,16; Bearbeiter: Richter

gescheftnisse stN. ‘Beschäftigung, Angelegenheit’ (s.a. geschefnisse 4): wir Friderich [...] habin die genade vorlihen [...], daz sie [die Bürger Freibergs] der gerichte zwey sullin abe lazen gen [...], daz sie irre erbeit und ires gescheftnizzes deste baz gewartin muͦgin UrkFreiberg 1:69,24 (a. 1344); welliche [...] den ban der stat ußgont, ußgenommen in gescheftnis der statt StRSchlettst 40

MWB 2 536,23; Bearbeiter: Richter

gescheftvrouwe stF. ‘Testamentsvollstreckerin’ waz ich dar an [im Testament] geschafft han meinen lieben geschefft herren und meinen lieben geschefft frawn UrkRegensb 529 (a. 1341)

MWB 2 536,31; Bearbeiter: Richter

geschehelich Adj. ‘geschehen, tatsächlich’ so habe ich disen breif ze vrkunde einer ganzen warheite vnd eines geschehelichen dinges besigelet UrkCorp (WMU) 152,12

MWB 2 536,35; Bearbeiter: Richter

geschëhen stV. (Va) sw. Formen (z.B. Prät. geschiͤd MarlbRh 47,26 u.ö.; Part. Prät. geschiͤt MarlbRh 40,4 u.ö.; Herb 6144 u. Anm.; SAlex 3597; vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 80, Anm. 1); auch kontrahiert (z.B. geschen Herb 15229; geschien Eilh St,7518; vgl. 2 5Mhd. Gr. § L 80), ausführlich zum Formenspektrum s. WMU 1,666f. 1 unpersönl. ‘jmdm. ergehen, geschehen’
1.1 mit Dat.
1.1.1 mit ze/zuo und abh. Inf. ‘zu etw. kommen, etw. tun müssen, jmdm. beschieden sein’
1.1.2 mit präp. Erg.
1.2 mit präp. Erg. statt Dat.
2 mit persönl. Subjekt und abh. Inf. mit ze/zuo (s.a. 3.2.1 )
3 mit nicht-persönl. Subjekt
3.1 ohne Dat. ‘sich ereignen, geschehen, vorkommen’
3.1.1 mit ze/zuo und abh. Inf.
3.1.2 mit Subjektsatz
3.1.3 mit präp. Erg. bzw. Pron.-Adv.
3.1.4 Part.-Adj.
3.2 mit Dat. (meist Dat.d.P.) ‘jmdm. geschehen, widerfahren, zuteil werden’
3.2.1 mit ze/zuo und abh. Inf. ‘zu etw. kommen, etw. tun müssen, jmdm. beschieden sein’ (s.a. 2 )
3.2.2 mit Subjektsatz oder explizierendem Satz
3.2.3 mit präp. Erg. bzw. Pron.-Adv.
3.3 mit ëʒ als Subjekt
3.4 in der Wendung (jmdm.) durft/ nôt ‘notwendig, gezwungen sein’
   1 unpersönl. ‘jmdm. ergehen, geschehen’    1.1 mit Dat.: er [Parzival] kunde kurtôsîe niht, / als ungevarnem man geschiht Parz 144,22 u.ö.; des [Hinterhalts] enversahen sie sich niet, / als manigen geschiet, / der durch minne wirt betrogen Herb 13558; Iw 2792. – oft mit Adv.: weme gescah zu dirre werlde je baz? Litan 1181; ich wæne in an der verte nie sô sanfte geschach NibB 1661,4; wiest mir von ime geschehen / sô leide und alsô swâre! Tr 1008; wâfen, wie geschach mir sô? KLD:GvN 19: 1,7; wie könde lieber mir geschehen SM:KvT 3: 3,1; ReinFu K,748; UvZLanz 996; TannhHofz 36; Mechth 2:4,55. – mit Dat.d.S.: got lazze uwerme gewerbe wol geschen Herb 15483    1.1.1 mit ze/zuo und abh. Inf. ‘zu etw. kommen, etw. tun müssen, jmdm. beschieden sein’ dô diu maget rehte ersach / daz ir ze sterbenne niht geschach, / dâ was ir muot beswæret mite AHeinr 1282; dem niht ze geben geschiht [der nicht gibt] WälGa 1301; dô ir ze sprechene geschach, / si stuont ûf selbe unde sprach Tr 15471; wol im, dem ze wonenne dâr geschæhe! SM:Wi 9: 6,6; von des mannes munde / dem ie zu redene geschach HeslApk 22489; Agomennon wol sach, / daz im zv rumen gescah Herb 16887. 1958; GrRud D 11; Parz 256,16    1.1.2 mit präp. Erg.: ane: müget ir sehen, / wie mir hiute ist geschehen / an mînem sune Paridê Eracl 3190; im kunde an lieben vriunden nimmer leider geschehen NibB 781,4; mir möhte an ir ze vreideclichen vroiden alse wol geschehen SM:UvS 18: 3,7; Herb 5500. gegen: den sîn herze twingit, daz er minne ein wîb, / der sîn lîb muoz stæte frömde sîn, / in nôt ez in bringit ─, anders wirt im nicht. / sam geschicht mir gegen der frowen mîn SM:Had 12: 4,4    1.2 mit präp. Erg. statt Dat.: ir sült die zende stüren niht / mit mezzern, als etlicher tuot, / und als mit manegem noch geschiht TannhHofz 119    2 mit persönl. Subjekt und abh. Inf. mit ze/zuo (s.a. 3.2.1 ): er hât ez wol begunnen / daz er ze lobenne sol geschehen [dass er Anerkennung erfahren muss] Er 1292; ôwê unde heiâ hei / daz ich dînen vater ie gesach, / der mir ze sehen aldâ geschach Parz 496,24; vmb die arbeit du geschiehest / aller der welt zú prijsen Krone 29470; KvFuss 928    3 mit nicht-persönl. Subjekt    3.1 ohne Dat. ‘sich ereignen, geschehen, vorkommen’ gisciet ein duibi [Diebstahl] bi slaphindir diet Mühlh 111,9; ein ander küssen dâ geschach Parz 672,15. 702,9; dû [Christus] weist ouch die gedanche gar / des menschen, ê si geschehen KvHeimHinv 883; die naturliche grawe [graue Farbe der Haare] geschit [stellt sich ein] so der mensche kumit zu rechtem alder SalArz 27,12; AvaJG 2,1; sælic wîle, sælic zît, / sælic allez, daz der süezen stunt geschach SM:UvS 19: 7,2; Lanc 294,10    3.1.1 mit ze/zuo und abh. Inf.: Vlixes zv aller erst sprach / daz da zv sprechene geschach Herb 3760    3.1.2 mit Subjektsatz: eines nahtes gescah / daz ir neheiner ne wesse waz der andere sprah VMos 15,20; so mag geschehen, daz der mon kuͤmt zwischen unser gesiht und zwischen die sunnen KvMSph 60,3; eines tags geschah das Claudas vil hatt zu thun Lanc 21,36; Parz 415,10. – meist mit Korrelat (daʒ) im abhängigen Satz: eines tages daz gescach daz si in einen gesach Gen 1894; dô daz geschach, daz er ersach den grâwen tac, / dô muost er sîn unvrô MF:Wolfr 7: 2,3; Parz 281,29    3.1.3 mit präp. Erg. bzw. Pron.-Adv.: dar abe: wir han vil dar abe gelesen, / waz da wunders abe gescah Herb 15848. (dar) ane: merkent wunder, waz an mir geschach SM:Tr 2: 2,7; vrate [Entzündung] an den ougin geschit. swenne der uir vuchte einer zu uil ist SalArz 35,26; hæt aber ez diu werde, hôchgemuote alleine wert, / sô wær allez daz geschehen daran, des mir daz herze gert SM:UvS 19: 5,6. gegen: swaz des gein mir ist geschehn Parz 299,21. ûʒ: des begundens under in dô jehen, / ez wære ûz zoubere geschehen Tr 8336. 8438; Eckh 5:208,7. (wâ) von: daz geshah uon den totlichen sunden VMos 17,25; von fraze sünden vil geschiht, / von trinken ist arges vil geschehen TannhHofz 171; Wh 441,25; ich weiz wol wâ von daz geschiht Iw 6641    3.1.4 Part.-Adj.: swem von liebe friuntlich meinen sî beschehen, / [...] / der fröwe sich so lieb geschehener sachen! SM:Te 1: 1,2; ez ist ain puoch, daz haizt historia Jeronimi und haizt ze däutsch daz puoch von den geschehen dingen, daz Jeronimus hât gemacht BdN 195,27; UrkCorp (WMU) 1320,34    3.2 mit Dat. (meist Dat.d.P.) ‘jmdm. geschehen, widerfahren, zuteil werden’ ich wil in [den Frauen] niuwan guotes jehen. / allez guot müez in geschehen Iw 1888; Rol 1388; im ist grôz unreht geschehen UvZLanz 1810; frouwe, wende sô mîn leit, / daz mir nâch leide liep geschehe KLD:UvL 5: 4,6; Volmar 257; vil michel leit ime da gescach AvaLJ 161,2; wê geschehe der huote, diu mich scheide / von ir schœnes lîbes ougenweide! SM:  Te 12: 3,1; lât mich skiere alle sehen swaz sîn ûwer ieglicheme ze teile sî geskehen Gen 1663. – ‘jmdn. überkommen, erfassen’ ob ez [das Adlerküken] niht in die sunnen siht, / daz im diu zageheit geschiht, / von neste lât erz [der Adler] vallen Wh 189,10; ob in allen diu flûht geschicht, / ich [Petrus] fleuhe benamen von dir nicht GvJudenb 1171; da geschach ir ein groß wieddermuͦt [Ungemach] Lanc 17,11    3.2.1 mit ze/zuo und abh. Inf. ‘zu etw. kommen, etw. tun müssen, jmdm. beschieden sein’ (s.a. 2 ): ich dol / swaz ze lîden mir geschiht Wig 9888; redet, daz vch zv reden geschit Herb 719; Spec 130,16; Iw 3367; die arbeit / diu im ze lîdenne geschach AHeinr 293; sît erz erwarp mit âventiur, / durch waz solt erz nu rîten niht, / sît ez ze rîten im geschiht? Parz 540,14    3.2.2 mit Subjektsatz oder explizierendem Satz: nu müeze mir geschehen, als ich ir günne und mîn geloube sî MF:Reinm 51b: 3,6; duͦ dir dat mocht geschiͤn, / dat du din kint mochts levend gesiͤn MarlbRh 46,1; ‘ach ich vil unselig wip’, sprach die frau, ‘wie geschah mir suͦß das ich yn von mir scheiden ließ!’ Lanc 332,34    3.2.3 mit präp. Erg. bzw. Pron.-Adv.: (dar) ane: an laster vnde an schande / geschach in beiden groz schade Herb 17356; RvEBarl 8197; an dem [Siegfried] mir [Kriemhild] herzeleide von iuwern [Hagens] schulden geschach NibB 2372,4; MF:Reinm 16:1,12; daz ime dar ane nehein ungemach gescâhe Gen 1380; Roth 4518. mit: swer nach der iungesten winglocken get an lieht, swaz dem geschiht mit werfen, mit schiezzen, mit slahen oder mit stechen, oder swaz im ungemaches geschehen mag, swer daz tuͦt, der sol unserm hern dem bischofe [...] keine bezzerunge tuͦn WüP 83,3. (dar) von: von dem wunsche ein wunder mir geschach, / daz ich die vil minneclîchen / mit des herzen ougen bî mir sach KLD:UvL 57: 2,5; SalArz 59,49; dâ von ein trûren im geschach Parz 151,6; NibB 138,4. zuo: swaz unz ze leid geschiht, daz ist sein geisel PrOberalt 146,36; do merkete Theanus, / daz er betrogen was alsus. / er entorste niht iehen, / wie im zv dem bilde [das Bild der trojanischen Schützgöttin Pallas betreffend] was geschen Herb 15885; Ägidius 410    3.3 mit ëʒ als Subjekt: swiez geschæhe, ez geschach / und geschiht ouch hiute und alle tage Tr 14956. 2219; ez geschach mir, [...] / daz ich nâch âventiure reit Iw 259; ez geschicht oft, daz ain man gepizzen wirt von ainem töbigem hunde BdN 126,30; RvEBarl 2055; Mechth 3:1,84    3.4 in der Wendung (jmdm.) durft/ nôt ~ ‘notwendig, gezwungen sein’ ob is durft geschehe, / her lieze sin houbit abe slan, / ê her einer lugenen wolde gestan TrSilv 683; durft 2.2; ze nôt noch ze vreise / wart nieman frümer, sô man jach, / wan es im dicke nôt geschach / beidiu naht unde tac UvZLanz 8098; Rol 2963; nôt

MWB 2 536,39; Bearbeiter: Richter

geschëhene stF. ‘Tätigkeit’ uber daz setze wir, daz man dikeine wîbesnamen zu disses ordenes voller geschêne unde geselleschefte [ ad plenum huius ordinis consorcium ] entphâhe StatDtOrd 52,4

MWB 2 539,9; Bearbeiter: Richter

geschëhenheit stF. ‘Inbegriff des Geschehenen’ (s.a. ungeschëhenheit ): ez was allez über nâtûre, daz an Kristî sêle geschach. diz geschehen heizet ein übernâtiurlic lieht. her inne vermöhte Kristî sêle allez, daz si vermöhte in dirre geschehenheit Eckh(Pf) 674,30; diu êwig geschehenheit ebd. 682,28

MWB 2 539,13; Bearbeiter: Richter

gescheide stN. 1 ‘Grenze’
2 ‘Trennung, Abschied’
   1 ‘Grenze’ nû het der abt vor, / [...] / daz er dem bischolf ze leide / bûte an dem gescheide / hie ze Stîr des landes drums Ottok 27771; daz die selben enlehentú swin fúr das gescheide nút enkommen UrkLicht 7,217 (a. 1288); Lilie 41,13; GTroj 14769. – ‘Kamm, Gipfel’ ad verticem (geskeite) montis UrkEnns 1,637 (13. Jh.)    2 ‘Trennung, Abschied’ din sun ind du, geleit mich beide / al an gescheit bit stedicheide! MarlbRh 2,24; nu, weiz got, it geit zuͦm gescheide [Dahinscheiden] ebd. 24,18 u.ö.; alsus wart da eyn gescheit / van Karlle ind van Galyen KarlGalie 3696; in desem geschede / bleuen sy [Karl und Konstantin] gevrunde beyde Karlmeinet 335,21; MinneR 497 1066

MWB 2 539,20; Bearbeiter: Richter

gescheidunge stF. ‘Scheidung’ divorcium: gesgeidunge Gl 3:360,70 (BStK927)

MWB 2 539,35; Bearbeiter: Richter

gescheine stF. ‘Anblick, äußere Erscheinung’ sus sprach di frouwe gute / fro gar in suzen mute / in aller der gescheine, / alse obe di vil reine / keiner suche entsube [empfand] niht Elis 9251; kusche gar von sinne, / wollusteg an gescheine [mit Freude anzusehen] , / doch gar von libe reine ebd. 3159; die linenduch gesach er [Petrus] eine / vnd anders fant er kein gescheine [fand er im leeren Grab Jesu nichts zu sehen, Lc 24,12 ] EvStPaul 10594. 8305. zuo ~ ‘zur Beachtung, Betrachtung’ den creaturen kundent da / gar vffentlichen zu gescheine / daz ewangelium gemeine EvStPaul 5410; er [Jesus zum Aussätzigen] sprach: ‘ich wil ez, ia, wiz reine!’ / als er die wort da zu gescheine / vz sinem munde nu geliez, / daz malat [Aussatz] floch vnd reine er hiez ebd. 2537

MWB 2 539,37; Bearbeiter: Richter

gescheit stN. gescheide

MWB 2 539,53;

geschelle stN. (Koll. zu schal stM.) ‘Lärm, Getöse’ dâ [am Tag des Jüngsten Gerichts] wirt ein vil michel schal, / dâ wirt grôz geschelle LBarl 3040; dô huop sich in der stat / grôz geschell und braht Ottok 50599; also treibt er [der Angeber im Wirtshaus] daz geschell [lärmendes Gelage] , / untz der wiͤrt im sprichet zuͤ Teichn 125,92; Tr 14371; SM:Go 2:6,9; RvEWchr 27844. – ‘Gerede, Gerücht’ swie ich in daz geschelle / kom ummer da ich inn was SHort 7766; es geschah an ainer andern stat, daz ein gross geschell úber in ward gende Seuse 67,5. 75,6. – ‘Aufruhr, Tumult’ swenne der meister ein geschelle nider zelegenne sendet nach den, die imme rate sint UrkCorp (WMU) N238AB,11. 1797AB,15; wer ouch, das ein geschell und ein geloiffe von fure, kriege oder von dheiner anderen sache wegen ufferstunde StRSchlettst 42; seditiosus: geschelle machender EvAlem 66(Mc 15,7)

MWB 2 539,54; Bearbeiter: Richter

geschëlle stN. ‘Schellen am Reitzeug’, Koll. zu schëlle swF. (zur Sache s. Schultz, Höf. Leben 1,495.498.500): surzengel [Übergurt] , satel, geschelle / von dirre hurte gar zebrast Parz 295,26; ein gereite, / smal ân alle breite, / geschelle und bogen verrêret [verschlissen, abgerissen] , / grôz zadel [Makel] dran gemêret ebd. 257,3. er stach ir einen ûf den schilt, / daz daz gestelle [La. geschelle ] gar zerbrach / und man den schilt vallen sach / verre UvZLanz 6385

MWB 2 540,9; Bearbeiter: Richter

geschëlte stN. ‘Schelte, Schmähung’ e sie quemen vf daz felt, / da enwas niht wenne geschelt, / scharfe wort, svre tat, / als ir dicke vernomen hat Herb 9868. 7067; da horde man vluͦchen inde geschelt / inde over den dief clagen, / har roufen inde hantslagen MorantGalie 3370. 3600; werfet von uͦch den nyt und den haz und den zorn [...], wane da von kuͦmet geschelt und manslacht, ruͦb und brant PrLpz 96,8

MWB 2 540,19; Bearbeiter: Richter

gëschen swV. ‘den Mund aufsperren, gähnen’ (vgl. gësche? , gëtschen , gischen; hëschen ): oscito: geschen VocesWack 70 (Walther, Initia 13517)

MWB 2 540,28; Bearbeiter: Richter

geschendede stF. ‘Schande, Schmach’ confusio: giscentida Gl 2:78,1 (BStK637); Gl 2:78,1 (BStK408)

MWB 2 540,31; Bearbeiter: Richter

geschenden swV. schenden

MWB 2 540,33;