geruochlîche
Adv.
auch -lîchen,
s.a.
geruowelîche
,
geruowiclîche
.
‘unwidersprochen, unangefochten’ (auch rechtsspr.):
an ander not im den gedanc / vor allen sinen noͤten
twanc, / das er das junvroͮwelin / moht nie des willen sin / mit
gefuͦgen dingen / geruͦcliche innan bringen / won mit gebaͤrde
RvEWh
11768;
der kunic [...] began der widervart,
/ daz er und sîne Bêheim wîs / über der Wîzel [Weichsel]
îs / kæmen geruochlich Ottok
9736;
man müeze mich durch reht gewern, / daz man mir lâz
geruochlich, / swaz wir haben von dem rîch ebd.
4925.
17636.
37085;
sehsthalp phvnt phenninch geltes, daz wier gervechlichen in rehter gewêr
ienneher braht haben von vnsern vordern UrkCorp (WMU)
N505,12
u.ö.;
dô waren im vil tiure / schuohe unde lînwât, / und swaz geruochlîche stât
[was sich unwidersprochen gehört] , / des gienc er
alles irre HBirne
258
MWB 2 522,52; Bearbeiter: Graën
geruochunge
stF.
‘Gewogenheit, Wohlwollen’
dignatio: gnâdengunst, geruchunge VocAbstr
372
MWB 2 523,6; Bearbeiter: Graën
geruofe
stN.
1
‘Rufen, Geschrei’
2 in rechtl. Zusammenhängen ‘Gerüfte’ ; zur Sache vgl.
geruofede
2
1
‘Rufen, Geschrei’
die da vor gingen vf dem wege, / die straften yn da, daz er swige / vnd sins
gerufes sich verzige EvStPaul
9419;
bekant ane gerufe / wart under en die
sachen [Nom.Sg., vgl. Anm.z.St.]
Daniel
7488;
din vreude ist kumen in ein leit / an clegelichem gerufe PassI/II
100,42;
sô mache wir ein gewuofe, / einen schal und ein geruofe / und
rumpeln under einander gar HvFreibTr
2878;
uber ein klein wil darnach horten sie ein gerúf wol als
hundert man zumal rufften Lanc
394,17
u.ö.
– übertr.:
daz geruͤffe der súnden ist so stark daz es úberwunden het min
gebet ElsLA
110,19.
–
‘Prahlerei’
mit grozem gerufe / berumete er sich Vät
16612;
mit michelem gerufe / berumete sich genuger, / wie er als ein kluger /
ouch kluge lute ubersteic PassIII
285,4
2
in rechtl. Zusammenhängen ‘Gerüfte’; zur Sache vgl.
geruofede
2
:
wert er sich aber [...]ob ein geruffe vber in chumt,
so gib vierstunt also vill vnd sey ledig StRPrag
109;
wirt aber der Sachse [...] mit geruͦffe
vuͤr gerichte pracht SpdtL (E)
Ldr 329,2
MWB 2 523,8; Bearbeiter: Graën
geruofede, gerüefede
stN.
auch gerûfte, gerüefte.
s.a.
gerucht
.
1
‘Rufen, Lärm’
2
‘Gerüfte, Hilferuf, Alarmgeschrei’ (zur rechtl. Differenzierung mit zahlr. Belegen vgl. DRW 4,401ff., zur Sache vgl. ²HRG 2,259ff.)
1
‘Rufen, Lärm’
so manen wir des die brûdere, daz sî zu collatio ir swîgen
halden oder von êrsamen dingen âne gerûfede reden StatDtOrd
44,10;
gotes gerufte wirt gehort Hiob
5642;
do machete er ein gereize und ein geruͦfte ober sente Iohannem
PrLpz(L)
79,22;
ir horen hiezens blâsen: / grôz gerûfte dâ wart En
6325
2
‘Gerüfte, Hilferuf, Alarmgeschrei’ (zur rechtl. Differenzierung
mit zahlr. Belegen vgl. DRW 4,401ff., zur Sache vgl. ²HRG 2,259ff.):
[Jesus] brachten si da hin / mit gerufede vber in / vnde
baten da gerichtes PassI/II
63,60;
ebd.
217,7;
die sturmglocke man dô zôch. / es solt diu stat laster hân, /
daz si gein dem einen man / des gerüeftes sich enbarten Wh
114,11;
wie sich die brûdere sulen halden, ob sich ein schal erhebet
oder ein gerûfede StatDtOrd
112,20.
112,21.
114,11;
swer daz gerufte rufit nach eime luderere
[Plünderer] , deme sulin volgin alle die daz gerufte
horin RbGörlitz
131
MWB 2 523,30; Bearbeiter: Graën
geruowe
stF.
‘Ruhe, unangefochtene Stellung’ (rechtsspr.):
daz si daz selb selgeræt solt immer mer mit gerwͦe habn an allen
schaden UrkCorp (WMU)
2995,3;
wirt er dez uͤberwunden [...], so sol ener mit
geruͦ sitzzen StRMünch
341,25
MWB 2 523,51; Bearbeiter: Graën
geruowede
stN.
hier gerûde.
‘Rastplatz, (Feld-) Lager’
alsus half in [ihnen, dem Heer] dî irre, / dô sî
sint geritten vort, / daz sî dî reisinge dort / vunden nâch der mûde / dâ heim an
irm [der reisinge
] gerûde, / unde slûgen in dem
zil / dî selbin und der andren vil NvJer
23439
MWB 2 523,56; Bearbeiter: Graën
geruowelîche
Adv.
auch -lîchen, vereinzelt gerueglich;
s.a.
geruowiclîche
,
geruochlîche
.
‘ruhig, ungestört’
di sele inmac auch ume an nichte so glich werdin so an ruwe, daz si sich
geruwelichin halde Parad
112,26;
das ich gerueglich wol mag schlaffen PsMb
30(Glossar).
– rechtsspr. ‘unangefochten’
da sal de stat inde de burgere van Colne inne sitzen inde bliuen
geruͦlighe UrkCorp (WMU)
43AB,3;
vnd sol denne die Phaphenowe der phapheit giruwilich biliben ewicljch ebd.
680,40
MWB 2 523,62; Bearbeiter: Graën
geruowen
swV.
→
ruowen2
MWB 2 524,8;
geruowet
Part.-Adj.
auch gerawet, gerôet, geruebt,
geruget.
1
‘ausgeruht’
2
‘ruhig, ungestört’
1
‘ausgeruht’
do kam der Spanjol gevarn / mit geruͦweten scharn
RvEWh
9252;
RvEAlex
7381;
geruote liute riten zuo Ottok
51406.
58715;
daz sie deste geruoter quaemen zuo dem strît Loheng
4999.
– mit baʒ:
nû half niuwan sîn sterke / den baz geruoweten man / daz er den prîs dâ
gewan Er
6918;
das wißent irselb wol das er uch
[...] bestritten nit enmocht, er were dann baß
geruget Lanc
624,29
2
‘ruhig, ungestört’
ob dû geruowet gerne lebst RvEAlex
14329;
daz rvͦwe kemerlin ist daz gervͦwete herze von
allen vsseren gedenken vnde sorgen DvAStaff
377.
281;
[Hiob] vridelich geruwet saz
[...] e den er versuchet wart Hiob
594.
700;
PassIII
199,71.
–
daz muoz nu hinnenvür von mir geruowet
ligen [das werde ich von nun an unterlassen]
SM:Te
6: 3,6.
– rechtsspr. ‘unangefochten’ (vgl. DRW 4,406):
meines rechtens aigens, das ich in geruebter gewer gehabt
UrkCorp (WMU)
2085,43;
gerwͦet [...] for aller ansprache ebd.
1139,8.
3301,17;
ein geruebts aigen [...] für allen chrieg und für
all ansprach UrkEnns
6,478
(a. 1344);
swa geistlich closterleute etlich eygen heten gehabt in gewer
[...] jar und tach [...],
ob die fuͤrbaz icht pillich suͤln mit geruͦter hant sitzen
an ansprache MGHConst
5:343,7
(a. 1317).
– in paarigen Ausdrücken:
gervͦwet vnd vnbeswort UrkCorp (WMU)
2642,1;
dat [...] erve ind gût haven, halden ind besitsen
[...] gerast ind gerôet, erflichen ind êweligen
UrkPrivR
149,18
(a. 1349)
MWB 2 524,9; Bearbeiter: Graën
geruowic
Adj.
‘ruhig, sanft’
die tiufel sind fride und ruowe gram, / sô tuont ir diener reht alsam, / die
selten ieman gerüewic siht Renner
7005;
iedoch slahent die
runstâdern [Venen] niht sam die
gaistâdern [Arterien] , dar umb haizent si auch die
gerüewigen âdern BdN
36,10
u.ö.;
zuo dem bereiten tische dîner endelôsen êwikeit,
[...] zuo dem immer geruowigen gesidele DvASchr
384,4;
in got, dâ kein lancheit enist, dâ alliu dinc inne geruowic sint Eckh
2:82,3.
1:180,11.
–
‘ausgeglichen, gelassen’
ein gewis zeichin ist daz daz got in der sele alsus wone daz di sele geruwic
si Parad
112,23;
daz folg was alles in der schar / geruweg unde otmude gar Elis
3318;
rehte als ich uz wendec bin, / sus ist geruwec mir der sin
Vät
13372;
PassIII
199,61
MWB 2 524,40; Bearbeiter: Graën
geruowicheit
stF.
‘Ruhe’
daz der heilig geist [...] vinde
[...] ein susse geruͤwekeit an der verstantnusse
und an der bescheidenheit [des Menschen]
BdVollk
171,6
MWB 2 524,56; Bearbeiter: Graën
geruowiclîche
Adv.
auch gerugeclich, gerweklichen [für
geruweklichen];
s.a.
geruowelîche
,
geruochlîche
.
‘ruhig, ungestört’
unde als im alle sin ding nach wellin ergangin waren, do zoch her gerugeclich
widder heim zu lande Köditz
32,14;
her vlôch di manigveldikeit und vur in den walt, daz her gote geruweclîche
gedinen mochte HvFritzlHl
236,23.
– rechtsspr. ‘unangefochten’
daz si die uorgenanten frowen [...] mit gemache vnde
geruͦwichliche unserm herren lazen dienan UrkCorp (WMU)
296,23;
so sol er vnd sin erben furbaz gerweklichen der mit sitzen ebd.
1476,38.
248AB,18,36;
nuzz [...] innemen und gerüwiklich besizzen
UrkGraub
2,248
(a. 1314);
Seuse
426,22.
– in paarigen Ausdrücken:
gervͦwechleich vnt ewichleich [...] an alle
ansprache UrkCorp (WMU)
N416,24;
ymmer ewicliche vnd gervͤwecliche ebd.
595,42
MWB 2 524,60; Bearbeiter: Graën
gerüste
stN.
1
‘Ausstattung, Ausrüstung’
2
‘Vorrichtung, Gerät, Werkzeug’
3
‘Aufbau, Gebäude’
4
‘Körper, Leib’
1
‘Ausstattung, Ausrüstung’
dörperlîch stât allez sîn gerüste, / daz er treit Neidh
WL 4:6,1;
treit er an dem lîbe sîn ein engestlîch gerüste ebd.
WL 33:5a,11.
–
‘Kleidung’
vile suozze in an stanch daz geruste Gen
1164.
–
‘Rüstung’
von im daz geruͤst er nam / daz in zer brust da
dacte WhvÖst
12156;
si taten vbir ir bruste / daz geistliche geruste, / di geistlichen wafen /
newolden si njwit lazen Glaub
3027.
–
‘Sattelzeug’
der solde in des bâbstes hof / ein wîz phert senden alle jâr / und ein
gerête harte klâr, / den zoum unt guot geruste, / als es den bâbst geluste / und
erz mit êren rîten muge EbvErf
1885.
–
‘Altartücher, Paramente’
sie worhte wol ze prîse / unt was sô wercwîse
[geschickt] / an zierde, an gotes geruste. / es
mohte ûch immer geluste, / ob irz geschouwet hêtet EbvErf
3315.
– übertr.:
daz gerúste gûoter lêro. unte gûoter uuércho
Will
58,25;
sît ze andern künsten [...] sô vil lernunge
gehœret unde liste unde gerüstes DvASchr
309,6;
swer si [die
kunst
] trîben rehte sol, / der muoz hân daz gerüste, /
dâmite er si volende nâch der liute muotgelüste KvWLd
32,311;
KvWTroj
129
2
‘Vorrichtung, Gerät, Werkzeug’
machina: geruͤst VocOpt
29.043;
kein gerüste müge gesîn [...] dâ
mite man si [
diu êrîne tür
] verscherten müge
Tr
17010.
16997;
si truognz gerüste wider dan Parz
240,12;
Loheng
5866;
PassIII
345,25.
– Kriegs- und Belagerungswerkzeug:
von kielen ein gerüste grôz / erhuop sich dâ ze lande
KvWTroj
23556;
geruste grôz unde klein / hiez er dâ rihten ûf, / dâmit
man ze hûf / die burge sol werfen Ottok
23131.
29306
u.ö.
– übertr.:
instrumentum: lera vel geruste SummHeinr
2:342,01.15;
diz sint dv gervste der geistlichvn chunst
BrEng
4.
4.
73
3
‘Aufbau, Gebäude’
der [...] jaspis [ein
Stein]
[...] lit zaller unterist / an der
gruntfeste / unte habet uf daz geruste HimmlJer
135;
ein bühel ist genant Sophin, / dâst ein gerüst ûf gesat, /
dar abe siht man in die stat RvEAlex
9711.
– übertr.:
daz er das wit geruste. / der himelkore gar durchmaz / mit sines sinnes
augen HeinzelJoh
49,6;
uf dem wilden erde geruste Martina
209,6
4
‘Körper, Leib’
ez moͤchte ein keyser geluste / zu sehen ires lybes
gruͤste Minneb
3236;
got mit des geistes tjüste / den sun warf under ir brüste, / ouwe, und sin
gerüste [der menschliche Leib Christi] / starb von der
lüste lüste Frl
6:1,13
MWB 2 525,13; Bearbeiter: Graën
gerütz
stN.
‘Rotz’
si spirzten alle ir gerutz / in sîn lîchtez antlutz / sam
einem menschen der verteilt / ist zû dem tôde und angeseilt JvFrst
7249
MWB 2 525,61; Bearbeiter: Graën
gêrvalke
swM.
eine Falkenart, ‘Gerfalke’
die ellenthaften rittherschaft / stoͮbete der herre
guͦt / rehte als ain gervalke tuͦt / vil clainer vogelline
RvEWh
7734;
uf den [Inseln] gevallin vil gerfalkin unde vremde
falkin unde werdin do gevangin und von dannen werdin si gevurt also wyt als di werlt
MarcoPolo
75,27.
24,16
u.ö.;
gerfalcus: gervalch GlUvLil
218re(Glr.).
– als Personenname:
ein halben ager in deme Marteltal [
den siv
koͮftent
] vmbe Heinzelmannen von Burkheim; aber
ein zweiteil hinder der kirchen vmbe Gerualken UrkCorp (WMU)
N150,40
MWB 2 526,1; Bearbeiter: Graën
gerwære
stM.
‘Gerber’
pelzcer gerwer vleischhouwer [...] phlegin butin /
mit wollen und mit hutin PfzdHech
280,5;
die schuworchten unde di gerewer haben ouch eine innunge mit einander hi in
der stat StRFreiberg
248,1;
ein igleich lederer. oder gerber. oder scuhwürt RbHohenlohe
30;
UrkCorp (WMU)
2936,25;
UrkKölnSchr
1,220
(Mitte 12. Jh.).
– als Bestandteil von Personen- und Straßennamen:
in Iohannes hvͥs des gerweris UrkCorp (WMU)
1489,26;
ze Friburg [...] in der gerwer gassun ebd.
2133,17
MWB 2 526,13; Bearbeiter: Graën
gerwe
Adj.
→
gar
MWB 2 526,24;
gerwe
swF.
auch gerbe.
1
‘Hefe’
2
‘Rückstand’
2.1 Ausscheidungen des Körpers 2.2 bei der Weinherstellung
1
‘Hefe’
misch die gerwen zuo dem souge Barth
148,23;
ein trügener [...] gît wazzer für wîn, der verkouft
luft für brôt unde machet ez mit gerwen, daz ez innen hol wirt PrBerth
1:16,11;
daz brôt [...] sol derbe gebacken sîn, âne gerwen,
unde sinewel ebd.
1:301,4.
– übertr.:
di naturliche melancolia di ist eine gerwe des blutes und
ist trube also di wingerwe SalArz
4,24
2
‘Rückstand’
2.1
Ausscheidungen des Körpers:
[in der Leber] schait diu nâtûr daz klâr von den
gerben und sent die gerben ab zuo den niern und zuo der plâsen
BdN
28,15;
daz vastend gedirm [...] ist
[
alle zeit wan (leer)] von den
gerben des ezzens, wan ez nimpt allein die klâren fäuhten von dem magen, aber
die gerben gênt irn weg zuo der mistporten ebd.
32,15.
34,4;
Aristotiles spricht, daz derlai weibel
[Schildkrötenweibchen] neur ainen auzganch hab
peider gärm [zur Lautgestalt s. Frnhd. Gr. § L61,4]
ebd.
283,21
2.2
bei der Weinherstellung:
dicz weins gerben schullen ligen gedrukcht an dem poden
des vass HvHürnh
52,6;
[der Wein] was an der zijt gelesen / vnd mit den
vaszen bewart / vnd böser gerben enbart Krone
20344;
er gelûtert von dem grunde, / sô daz die gerben ligent drunde
LvRegSyon
2657.
– übertr.:
der hailig gaist, der arbait vester in die sêl der
jungen läut [...] danne in der alten sêle, die den
guoten wain verkauft habent und gebent die gerben durch got
BdN
71,35
MWB 2 526,25; Bearbeiter: Graën
gerwe
stN.
auch garwe.
1
‘Gewand, Ornat’
2
‘Bereitung’ (vgl. AWB 4,110)
1
‘Gewand, Ornat’
do wart diu tohter furgeladet [...]
in chunichlichem gerwe AvaJo
26,10;
do er stuont in dem garwe, / sein gedanc was ce gote groz Serv
517;
Wernh
2369;
der bischof und di pfafheit / wurden vrolich an geleit / in ir gerwe schone
MarLegPass
25,487;
dô wânt der herr Silvester, /
er [Konstantin] wolt in tœten mit swær, / wan er in
dem gerwe gie EnikWchr
25447;
so machent si venster und
elter [Altäre] und gerwe und wellent das man das wisse
Tauler
185,25
2
‘Bereitung’ (vgl. AWB 4,110):
preparatio: gerwe SummHeinr
2:427,01.103
MWB 2 526,54; Bearbeiter: Graën
gerwekamere
F.
auch gerkamere.
‘Ankleideraum, Sakristei’
hynoch volgit der inre vrithof, in deme
[...] waz der altir des brunstopphirs und dy gerbkamirn
der pristir [...] und dy gerbkamirn der sengir
Cranc
Uzl 259,9
u.ö.;
in der gerkameren StRechAachen
408,6
MWB 2 527,1; Bearbeiter: Graën
gerwel
stN.
Dimin. zu
garwe1
stF.
‘Schafgarbe’ (vgl. Marzell 1,82):
millefolium: gaͤrwel, gerwell VocOpt
50.206
MWB 2 527,7; Bearbeiter: Graën
gerwen
swV.
auch garwen, Part. Prät. auch gaerbtiu (flekt.).
1
‘bereiten, bereitmachen, ausrüsten, kleiden’
1.1
‘jmdn./ etw. bereitmachen’
1.2
‘jmdm. etw. bereiten’
2
‘etw. bewirken’
3
‘etw. gerben’ , Haut zu Leder verarbeiten 4
‘sich färben’
1
‘bereiten, bereitmachen, ausrüsten, kleiden’
1.1
‘jmdn./ etw. bereitmachen’
den chunich er [der Papst] duo
garte: / er segent im sîne regalia, / ûf sazt er im sâ / ain tiurlîche crône
Kchr
8119;
Anno
8,10;
daz man si [
die dâ vehten
sullen
] alsô gärwe nâch rehter gewonheit, alse man si
durch reht gärwen süle SSpAug
175,8;
Hochz
278;
da waz unser herre bereit und gegerwet messe zu singene HlReg
67,1;
Herb
3594;
KvWTurn
676.
– mit Refl.-Pron.:
do ríht ih míh ûf ze gûoten uuérchon
[...] unte gárota míh Will
80,6;
ze dem tode si sich garten Rol
3408;
VMos
37,24.
45,17;
Vateruns
156;
SAlex
3215;
dô garte sich der wîse durch des tumben rât
NibB
2250,1;
der bâbest sich geistlîche garte, / als er sich gerwen solde
LvRegFr
4916;
Kchr
7972;
TrSilv
325.
–
‘sich kleiden’
der pischof sich do gart / in die englischen wât
Wernh
A 1556;
NibB
1832,1;
Kchr
11708;
unserm herren ze ruom, / zêren und ze schalle /
heten si sich alle / gegerbt und an gelegt Ottok
28216;
in ein trüebez cleit der walt sich gerwet, / der mit
grüenem loube was / umbevangen KvWLd
12,4
1.2
‘jmdm. etw. bereiten’
dem ich piute daz prot, der hat mir gegarwet den tot
AvaLJ
118,5;
VMos
33,26;
daz ir der gnade niht verstozzin werdit, die min trehtin
allin saligen livtin gegarwit hat Spec
82,34;
also scult ir ime garwen daz hûs iwers herzen ebd.
138,2;
min erbe wolt ich gerne besitzín / daz mír uon angenge
gegarwet ist Rol
8481
2
‘etw. bewirken’
mer wunders du auch gerbest: / du verstumest dicke einen man,
/ der sust doch wol gereden kan Minneb
1088;
ach got, waz gerbet / din hoch gewaltig kraft an mir? ebd.
4338
3
‘etw. gerben’, Haut zu Leder verarbeiten:
ein gaerbtiu hut git einen helblinch StRAugsb
33,33;
die buochvel [Pergament] unde
leder gerbent Ottok
65678;
UrkCorp (WMU)
2521,19;
der künig den richter
fillen [häuten] ließ, / und im sin hut er gerben hieß
/ und zoch sie über den stul der schrann [Gerichtsbank]
Mügeln
206,7.
– übertr.:
rethorica, die ferbt / der sprüche blumen unde gerbt /
das mark Mügeln
283,2;
so mus unstete daz an ir gerben / daz sie sich tuͤ
enpferben Minneb
4107.
– mit erspartem Objekt:
der helt so vrischleich gerbet [teilt aus,
drischt] / mit swertes stichen und mit slegen! Suchenw
14,156
4
‘sich färben’
[wie das Chamäleon sind diejenigen] die sich alle tage
verwent / nâch der werlde und sich niht gerwent / mit der rôten varwe des smerzen /
Cristes bluotes in dem herzen Renner
18888
MWB 2 527,10; Bearbeiter: Graën
gerwer
Subst.
‘(weiches, geschmeidiges) Leder’
aluta: kurdewan oder rot leder oder gerwer VocClos
Al120
MWB 2 527,62; Bearbeiter: Graën
gerwic
Adj.
nur in den Formen gerbig, gärmig belegt (
vgl.
gerwe
swF.
und DWB 4,1,2,3592 s.v. gerbig).
‘wie Hefe’
daz unterist [des gekochten Saftes der
Aloe] ist trüeb und gerbig BdN
354,28.
–
‘kotig’
wenn ez [das
seidenwürmel
] allez daz auzgewirft, daz mistig in im
ist und gärmig und swarz BdN
297,13
MWB 2 528,1; Bearbeiter: Graën
gêr|wunde
swF.
‘Speerwunde’
do hette Wolfratis zorn / geinachit [l.
gemachit
] blutige sporn / dife gerwnnin
[l. gerwundin
]
Roth
4339
MWB 2 528,8; Bearbeiter: Graën |