gertîsen
stN.
→
gartîsen
MWB 2 519,27;
gertwurz
stF.
s.a.
gertel2
.
‘Eberraute, Eberreis’ (vgl. Marzell 1,412):
abrothanum: gertwurtz VocOpt
50.029;
abrotanum: schoswurze oder stabe wurcze oder gertewurcze VocClos
Ab36
MWB 2 519,28; Bearbeiter: Richter
geruch
stM.
auch gerog (
Pilgerf
13505
).
‘Geruch’
[das Wasser] hât kain varb noch kainen smack noch kainen
geruch, wann hiet ez der ainz, sô wær ez niht lauter wazzer, ez wær gemischt mit
andern elementen BdN
105,1;
Parad
56,21;
Elis
1076.
9426.
–
‘Geruchssinn’
mit der smeckenden kraft, diu in anderr sprâch haizt der
geruch, derkennet man ez [Wasser] auch BdN
105,9;
die eine ist die porte des gerochs, / die ander des horens
und horichens, / die ander dez smackens Pilgerf
2088
MWB 2 519,32; Bearbeiter: Richter
gerucht
stN.
auch gericht
ElsLA
246,10.
S.a.
geruofede
1
‘Rufen, Lärm’
2
‘Ruf, Ansehen’
1
‘Rufen, Lärm’
nu quamen mit gebrechte / dese heren vur den sal, / so man’t vernam over
al, / inde wurpen sich zuͦ dale. / ouch horden si up deme sale / groz
geruchte inde gedoz MorantGalie
2165;
dat wissen de vursten alle samen, / so waer wyr [...]
Preciosa [den Namen des Schwertes] roeffen, / dat dat
unse geruchte sy Karlmeinet
474,53.
369,31;
KarlGalie
1502;
so horte er zuͦ stuͦnt ein gros gerichte maniger hande wilder
tier. von dem ungestuͤmen geschrei erschrag er ElsLA
246,10.
– rechtsspr. ‘Hilferuf, Gerüfte’
dar sach ich selbe in selben vnde beschriete in mit deme gerouchte
UrkBresl
24
(a. 1261);
schrîet her aber daz gerûchte, daz mût her vulvorderen mit rechte, wen daz
gerûchte is der clage begin SSp
52,9.
149,11
2
‘Ruf, Ansehen’
si hat einen pfawenhuͦt, das ist das guͦte
gerúhte in dem ertrich und hohe ere in dem himelrich Mechth
1: 46,43.
1:44,22.
–
‘üble Nachrede’
uff daz her nicht enbrochte / syn liep in scande noch in
geruchte MinneR336
424.
140
MWB 2 519,43; Bearbeiter: Richter
gerüefte
stN.
→
geruofede
MWB 2 520,1;
gerüeme
Adj.
‘prahlerisch, sich rühmend’
der ee wont [wähnte] , es lebet nicht sein genos /
und des was gerúme, / der muß hewer mit seiner drischel
[Dreschflegel] gan Neidh(S)
2,120c44:3,12
MWB 2 520,2; Bearbeiter: Richter
gerüemic
Adj.
‘prahlerisch, sich rühmend’
mir schadent getelinge [...] durch den alten haz. /
die wâren des gerüemic disen sumer an der strâze Neidh
WL 11:3,1
MWB 2 520,6; Bearbeiter: Richter
gerüere
stN.
‘Gedränge, Aufruhr’
dâ was ein grôz gerüere / von manger leige unmuoze, / dâ man nâ wîbes gruoze /
wolt werben ritterlîche Reinfr
7294
MWB 2 520,10; Bearbeiter: Richter
gerüerede
stFN.
‘Tastsinn’
etleich sprechent, daz uns mangeu tier übertreffen an den
fünf sinnen: der per oder der eber an dem gehœrd, [...],
diu spinne mit der gerüerde BdN
118,18;
diu versuochende kraft der sêl und daz gerüerd habent irn
grunt in dem herzen ebd.
13,5
u.ö.;
entslâfen ist unser geruorde WälGa
9517.
9452
u.ö.
MWB 2 520,13; Bearbeiter: Richter
gerüeric
Adj.
‘beweglich’
ich [Medea] lêre in [Jasons Vater
Aison] wol gerüeric sîn / und erniuwe in als ein gras
KvWTroj
10482;
vnd darumb das sy [die Seele] gar geruͤrig
muͤg gesein [
propter facilitatem
motus
] , sei ir leichnam aller durchsichtig als der luft
KvMSel
301
MWB 2 520,20; Bearbeiter: Richter
gerulle
stN.
‘Geröll’
daz sint di engel di got warf / nyder in dis gerulle scharf /
durch hochvart von dem himel hoch Hiob
10186
MWB 2 520,26; Bearbeiter: Richter
gerûme
Adj.
‘geräumig, groß’
[die Tafelrunde] ist sô breit, daz volle stat / wît und
gerûme dar an / wol vünfhundert ritter hân HvFreibTr
1335;
seht, wa die mure entzwei trat / und lie wesen als da vor / an ir ein gerumez
tor! PassIII
282,72;
in curzen stunden / quâmen si an eine flûme / grôz und
gerûme, / di was Eufrates genant SAlex
6730;
Iw
6749;
Ottok
85845.
– übertr.:
boum ol daz heilet gerne / und ist gesunt zu der brust /
brengende gerume lust / an aze und an tranken Daniel
2112
MWB 2 520,29; Bearbeiter: Richter
gerûme
stN.
‘Raum, freier Platz’
nû hiez der von Brâbant / brucken sâ zehant / über den
selben phlûm, / daz si wol mit gerûm / zuo einander riten Ottok
58488;
da von hab wiͤr all gerawm / daz wir nicht an ein
ander dringen Teichn
385,22;
sol got eigenlichen und adellichen wúrken, so ist des not das
ime ein stat und gerum gegeben werde Tauler
182,3
u.ö.
MWB 2 520,39; Bearbeiter: Richter
gerûmelîchen
Adv.
‘geräumig, weit’
uf dinem eygenen wirt an dem tage weyden das lam gerumelichen
[
spatiose
]
Cranc
Jes 30,23
MWB 2 520,47; Bearbeiter: Richter
gerûmiclich
Adj.
‘geräumig’
daz [
mære
] hât dâ
[bei dem ablehnenden Zuhörer] ninder stat, / und vil
gerûmeclîchen pfat, / zeinem ôren în, zem andern für Parz
241,24
MWB 2 520,50; Bearbeiter: Richter
gerummel, gerumpel
stN.
‘Unruhe, Durcheinander’
e man es wenet, so enwisset ir nút me darumbe
[von Gottes Wort] und [...]
ist des leiden gerummels also vil Tauler
130,3.
238,14;
an der driten nacht umbe di hanenkrat, so wart uzermazen groz gedumele und
gerumele in deme kirchofe van den dufelen HlReg
45,1;
eyn mensch, wan er noch ensehet noch enhoͤrt
uszwendich, so fint er aller leye bilte in im, [...], und
ist da vil gerumpels in Seuse
522,1;
wie were daz múglich, daz alles daz gerúnbel, daz sich
zwenzeg jar an ein stat semnot [ansammelt] , daz sich daz
als bald lass us stossen? ebd.
364,16
MWB 2 520,54; Bearbeiter: Richter
gerumpfen
Part.-Adj.
zu
rimpfen
stV.
‘runzelig, faltig’
(s.a.
gerunzelet
):
div hut ist dem alten / von alter och geualten / sin antlüt gerumpfen / sin
hut gar verkrumpfen Martina
124,91;
er was gerumpfen unde krump, / grâ und sam ein kint sô tump LBarl
1488;
swarz unde gerumphen En
2737;
RvEBarl
1235;
WhvÖst
3611;
HvNstAp
17919;
dicke man iuch trûren siht / unde sorgen alle zît: / nôte ir gerumpfen sît
Helbl
8,548;
gerumphen als ein ungers zager [wie ungarisches
Leder] / was in diu hût zuo den riben Parz
184,14.
–
‘verwelkt’
blvomen [...] werdint blint / einis tagis vnde sal /
bleich gervnpfin vnde val Martina
44,78
MWB 2 521,3; Bearbeiter: Graën
gerüne
stN.
Koll. zu
rone
swM.
Bed. unklar, wohl ‘verwüstetes Land, Einöde’ oder
‘Haufen von umgestürzten Bäumen, Verhau’
diu scham treip in in ein hol / dâ vor grôz gerüne was
Wig
5918;
von deme waren gotes sune / biz zu der hellen gerune, / da
Crist den roub inne vant HeslApk
2494.
3496.
10677
MWB 2 521,17; Bearbeiter: Graën
gerûne, geriune
stN.
auch geriume.
1
‘leises Sprechen, Geflüster, Raunen’
2
‘heimliche Beratung oder Absprache’
3
‘Gerede, Gerücht’
1
‘leises Sprechen, Geflüster, Raunen’
also demo einhurnin niman geuolgenne mag. sone mag ouh nehein
man uernemin daz gerune unsiris trotinis ÄPhys
3,11;
das senfte stille gerúne in dem der herre kam, das was der
heilig geist Tauler
228,26;
vnde sol da [während der
Tischlesung] sin grozv swichlichi daz im incheins
gervne [
mussitatio
] noh incheins stimme
hoͥrre wand des der da lisit BrEng
38;
SAlex
3161.
– Gebet des Priesters während der Messe:
dar nâch sô hebet der priester daz êrste geriume an PrBerth
1:500,1;
swenne der brîster ob dem alter stât, / under dem geriune
dâ / entsliezent sich die himel sâ Erinn
163.
–
‘Einflüsterung’
mit gerune, mit geblas [Säuseln] / senfte er
[der Teufel in Schlangengestalt]
ver [d.i. vrouwen
] Even zu / sprach
TvKulm
258;
Tauler
191,22;
Seuse
312,4
2
‘heimliche Beratung oder Absprache’
nû hât aldâ inbinnen / der beseznin houbitman / zu den brûdrin sich getân / in
tougim gerûne NvJer
5109
3
‘Gerede, Gerücht’
diekein ûbel rede an gerûne [
in
susurriis
] , an aftersprâche,
[...], an strîtworten oder îtelen worten sal gên ûz
dekeines brûderes munde StatDtOrd
48,35;
ez was noch sô niwe / daz geriun und daz gebriwe, / daz man
darumbe niht enweste / in dheiner des herzogen veste Ottok
55756;
mit warheit ane geriune Martina
292,8;
Tr
11195
MWB 2 521,24; Bearbeiter: Graën
1gërunge
stF.
‘Verlangen, Wunsch, Wille’
(vgl.
begërunge
)
1 allg. 2 in positiver Wertung ‘(inbrünstiges) Streben’
3 in negativer Wertung ‘Begierde’
1
allg.:
wat zungen möcht din gerung sagen, / wiͤ gern du heds
dat krüz gedragen MarlbRh
123,35;
Brun
8572;
Vät
25339;
die gerunge der propheten Mechth
1: 44,27;
[des Teufels] gervnge tvn EvAug
237,3;
bi der gerunge [Hungergefühl] dez
magen MNat
8,4.
– hierher auch (vgl. Anm.z.St. und AWB 4,238) zur Übers. von lat.
concupiscentia:
[der Elefant] nehebit neheina lihhamhaftiga geruma
[Verlangen nach dem Paarungsakt]
ÄPhys
8,3;
[frei] uón allen unrehlihon gérunon ebd.
8,12
2
in positiver Wertung ‘(inbrünstiges) Streben’
din reine gerung wart volbracht, / din reincheit bleif in
irer macht MarlbRh
86,25;
hab [...] gervnge nach der girde
[nach tvgenden
]
PrBerthKl
7,56;
kein creature mag vol gedenken der selen gerunge ze gotte
Mechth
5: 31,2;
in der crone siht man vier tugende: wisheit und kummer,
gerunge und behaltnisse. got gebe úns allen die krone! ebd.
1: 46,54.
1:2,7;
DvAStaff
582.
– die aus dem Verlangen resultierende innere Haltung:
[Mariens] gerung [...] was
diͤ porz [Pforte] , da
he [Gott] in giͤnc MarlbRh
6,15;
er [Gott] sach an
sines [Moses’] hercen gervnge
DvAStaff
227;
ir gêrunge nicht verdarb, / die si uz reinem herzen truc PassIII
276,20.
– mystisches Verlangen nach Gott:
die fúrige gerunge, die ich habe na dir
Mechth
7: 45,9.
3:22,12
3
in negativer Wertung ‘Begierde’
di gerungi des vlaischis BrZw
7;
di bose gerunge Brun
3269;
von irdischen gervngen vnd von vnedeln siten der erden
DvAPatern
130;
[der Teufel] machet die gerunge also wit / daz ir die sele
niht wol mac / gelosen ane schaden slac Vät
6086;
daz ich mein gerunge / also besnîden muͤz / daz mir
immer unsuͤze / allerhande unchiusche sei GvJudenb
384
MWB 2 521,52; Bearbeiter: Graën
2gërunge
stF.
zu
gërn
stV., s.a.
jësen
stV.
‘Gärung’
alse der nv́we most, der in der gervnge vs dem vasse brichet
von der hizze DvAStaff
250;
nu merke, das leym [Tonerde] , noch
der gerunge dem wyne ingegossin, reynit den wyn vnde macht den wyn clar vnd czuhit
di hevin in den grunt Pelzb
140,18
MWB 2 522,24; Bearbeiter: Graën
gerunse
stN.
‘fließendes Gewässer’
dar kam ein wurm [...] in ein gerunse, daz was tief
Virg
284,5
MWB 2 522,31; Bearbeiter: Graën
gerunst
Subst.
‘Geronnenes’
quactum: girunst, quasi coagulatum SummHeinr
2:91,91
MWB 2 522,33; Bearbeiter: Graën
gerunzelet
Part.-Adj.
‘faltig, runzelig’ (s.a.
gerumpfen
):
mine hut ist verderret, / geruntzelt und zuzerret
Hiob
2420;
welhes stirn sleht ist und niht gerunzelt, der ist kriegik
und macht gern krieg BdN
45,30.
46,1.
49,24;
sin stirne breit und gerunzelt sere SalMark
41;
dirre selben vælinne [wilden Frau] / hiengen nider
auf daz chinne / zwen gerüntzelt kinnebachen Krone
9377;
[die Meerjungfrau] hât ainen weiten gerunzelten munt sam
ain sirên BdN
241,2
MWB 2 522,35; Bearbeiter: Graën
geruoch
stM.
‘Beachtung’
da belaib es [das Holz des künftigen Kreuzes
Christi] och vil lange zit / als das unachtberklichen lit /
aͮn [ohne] aller mængkliches geruͦch
WernhMl
9595.
–
‘Bekräftigung’
amen [...] meinet also vil, / als ab
got spreche zur stunde: / ich bin desir heilikeit orkunde. / alsus ist amen ein
geruch Brun
12698
MWB 2 522,45; Bearbeiter: Graën |