Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   1gesprenge - gestanden    


1gesprenge stN. ‘Ansturm, Anspringen’ sie quamen mit gesprenge / in daz grozze gedrenge, / mit drin tusenten vnd me Herb 5186; in dem gedrenge / hûb sich ein gesprenge / von der dît allumme zû / den brûdren mit strîtis mû / gewirkende vil bange NvJer 25099

MWB 2 587,53; Bearbeiter: Richter

2gesprenge stN. Bedeutung unsicher, ‘Gesprenge’ als Bezeichnung für hölzerne Zieraufsätze von Altarretabeln meint hier evtl. einen (steinernen) ‘Wimperg’ als giebelartige Bekrönung von Portalen (vgl. das Bild in der Hs., abgedruckt in der Ausgabe): und alsus merke, wie daz dise tuer [im von Ezechiel beschriebenen Tempel] kein gesprenge hatte, ouch was si nicht uzgezogen an den wengern [Pfosten (ohne Fialen?)] . doch mochte is wol sin, daz si hetten einen anslac adir ein spunt [Schlitz im Türrahmen] , do di tuere invile Cranc Uzl 265,17

MWB 2 587,59; Bearbeiter: Richter

gesprenze stN. gespranz

MWB 2 588,7;

gesprich stN. ‘Sprechen, Rede’ di vrouwin ludin si [die Ratsherren] vor sich / daz si hortin ir gesprich PfzdHech 196,34

MWB 2 588,8; Bearbeiter: Richter

gesprinc stN. 1 ‘Quelle, Brunnen’
2 bildl. ‘Ursprung, Ausgangspunkt von etw.’
3 ‘Getränk’
   1 ‘Quelle, Brunnen’ ein gespring Agar irsach, / da was hin ir ungemach. / si gab dem sune trinken baz / und vulte wider ouch ir vaz HistAE 641; niwan ein wenic er da grub, / alzuhant man da entsub, / wie sich daruz ein wazzer hub / als ein richlich gesprinc PassIII 663,52; TvKulm 146; Eckh(Pf) 389,21. – ‘Wildbach’ in torrente: in dem gesprink VocAbstr 373    2 bildl. ‘Ursprung, Ausgangspunkt von etw.’ du [Gott] bist aller dinge begin / unde aller sache gesprinc HeslApk 11. 1031; doch ist ir [der Seele] wesen und daz gesprinc irre werke allermeist in dem herzen, alsô ist der vater ein angenge und ein gesprinc aller götlîcher werke Eckh 3:422,11; die andere wisheit ist [...] ein gesprinc der gotlichin clarheit und ein burne gotlicher warheit Parad 104,22; der wunder rink / ist ein gesprink, / gâr unbewegit stêt sîn punt Granum 3,9; HeslApk 13535. – metonymisch für das Ergebnis der Schöpfung, hier die Menschheit: da mac man wol pruven an / daz got menschlich gesprinc / minnete vor alle dinc HeslApk 473; des sal dich al irdisch gesprinc / und al himelische craft / eren daz du iz has geschaft ebd. 9040    3 ‘Getränk’ halt zu minen snitern dich. / mit en iz und mit en trink, / beide brot und daz gesprink HistAE 1821

MWB 2 588,11; Bearbeiter: Richter

gesprinede Subst. Bed. unklar, etw. Sprießendes, ‘(junge) Baumpflanzung’ (s.a. Sprinz Schmeller, BWB 2,705): arbustum: gesprinode Gl 3:352,33 (BStK927)

MWB 2 588,37; Bearbeiter: Richter

gespriu stN. zu spriu . ‘Abfall, Auswurf, Spreu’, (vgl. geraspe ): quisquiliae: gispriu Summheinr 2:42,200

MWB 2 588,41; Bearbeiter: Richter

gespüc stN. ‘Spuk(-gestalten)’ owê, ir dorfliute, iuwer kæme vil ze himele, wan [nur] daz selbe extlîn [die Mordaxt des Aberglaubens] , daz ermordet alle, die an zouberîe geloubent und an wârsagen und an wârsagerinne und an lüppelerinne, an nahtfrouwen und an sô getân gespüc und an pilwiz [Dämonen] PrBerth 2:70,32

MWB 2 588,44; Bearbeiterin: Baumgarte

gespüele stN. ‘Spülwasser, Spülicht’ durch irs spotz bejag / namen si das gespuͦl, / es wär warm oder chuel, / und gussen [erg.: ez ] auf sein hawpt Vät 39511; ez sol nieman bî tage noch bî naht keinen harn noch hûspaht noch unsûber gespüele noch keine unsûberkeit, swie daz genant ist, her füeren in die stat StRMeran 424

MWB 2 588,51; Bearbeiterin: Baumgarte

gespulc stM. ‘Brauch, Gewohnheit’ semeliche unsere burgere hant einen gespulg, das sü gut usnement umbe andere unser burger und vor dem geltezil gebent sü ir gut, das sü hant, zu einem wibe zu wydemen oder iren kinden, oder andern iren frunden zu einem selengerete UrkStraßb 4,2:26,29 (a. 1303)

MWB 2 588,58; Bearbeiterin: Baumgarte

1gespünne stN. ‘Muttermilch’ wilt aber dû gemainleich wizzen, welher frawen milch pezzer sei, sô nim ain glas oder ain glate tafeln von holz und lâ des gespüns tropfen dar auf: sint si dann dick und zevliezent niht, sô ist daz gespünn guot BdN 25,15. 452,27; GestRom 145

MWB 2 589,1; Bearbeiterin: Baumgarte

2gespünne stN. unklar, ob hier sonst erst später belegtes ‘Gesponnenes, Gespinst’ oder gespünne1 : stôz in daz [mit Salz und Pimpinelle vorbereitete heiße] wazzer einen viltz vund leg in auf den smertzen [...] vnd nim gespvnne vnd ezzeich vnd rôsen wazzer geleich mit einander vnd wasch daz vader [vorherige] wazzer ab Barth(H) 487

MWB 2 589,7; Bearbeiterin: Baumgarte

gespunnen stN. (Glr. Elis ) d.i., gespunne swF. gespinne

MWB 2 589,14;

gespunse swFM. ‘Braut, Bräutigam’ dann ist daz riche der himel glich zehen ivnchvraven di da namen ir lampen vnd gingen vz gegen dem gespvnzen vnd der gespvnzen EvAug 62,14; du solt daz wissende sin, daz ich mit den minen aller liebesten frv́nden vnd mit den minen aller liebsten gespvnzen alsus spvnziere, also ich mit dir dise vier iar gespvnzieret habe MerswZM 19,23; eines tages sach ich den hanen scherzen / mit sînen gespunzen in einem garten Renner 3521; sy hat [...] die welt mit aller ir geziert gantzlich verschmach umb iren heren Ihesum Christum, den himelschen gespuntzen aller rainer und demuͤtiger hertzen Stagel 102,37

MWB 2 589,16; Bearbeiterin: Baumgarte

gespunst stF. 1 ‘das Spinnen, der Vorgang des Spinnens’
2 ‘Material zum Verspinnen’
3 ‘das Gesponnene, der Faden’
   1 ‘das Spinnen, der Vorgang des Spinnens’ wande sich di reine wolde / nach godelicher gunste / generen mit gespunste Elis 6992. 7120. – auch: das Einspinnen (einer Fliege im Spinnennetz; anders Glr.z.St. ‘die Spinne’): ein spinn er [Augustinus, Confessiones 10,35] spynnen sach / ir gewepp. da peicht er nach / das im sein czeit damit verswant, / [...] / dy weil er schaut czu der gespunst Teichn 646,77    2 ‘Material zum Verspinnen’ flas enkonde si doch niet / zu garne wol gespinnen: / des bat si ir gewinnen / wollen wa si mochte, / waz ir gespunste dochte Elis 6986    3 ‘das Gesponnene, der Faden’ weben si [Eoma, Adams Tochter] ze dem êrsten vant [erfand] / und macht die gespunst zehant / ze tuoch EnikWchr 1446; und als in denne des [des Spinnens] verdrôz, / sô warf er zuo der wende / unwirslîch ûz der hende / beidiu kunkel [Spinnrocken] und gespunst KvWTroj 15879

MWB 2 589,30; Bearbeiterin: Baumgarte

gespür stN. Koll. zu spür ‘mehrere Spuren’ (vgl. gespor , spor ): nü kam er vf ein gespùr, / als ob yme ritter ritten vor Krone 28733

MWB 2 589,49; Bearbeiterin: Baumgarte

gespuwe stN. gespîwe

MWB 2 589,52;

gëst stM. gist , → jëst

MWB 2 589,53;

gestal stN. ‘Beispiel, Probe zur Ansicht’ (vgl. Schiller/Lübben s.v. stâl, stale M. und N.; anders Glr.z.St.: ‘Zustand’): mocht ich sy sonder begryp aenschouwen, / ich weys daz wol daz myn oughen / ir selden solden werden ontzogen. / daz man saget, daz ist waer: / waer daz liep ist, daer ist der ougen schaer. / daz ist eyn waer gestal, / daz merchet aen desen wol MinneR336 223

MWB 2 589,54; Bearbeiterin: Baumgarte

gestalt, gestellet Part.-Adj. die beiden Part. Prät. von → stellen werden im Mhd. in den gleichen adj. Konstruktionen verwendet - gestellet jedoch deutlich seltener. 1 ‘so seiend, beschaffen; sich (so) verhaltend’ , i.d.R. präd. (vgl. aber z.B. 2.1 KLD:GvN ), oft semantisch so an sîn/wërden angenähert, dass sich ein eigener semantischer Beitrag kaum fassen läßt (
1.1 mit explizierendem Adv. (gelegentlich auch halbpräd. Adj., vgl. Behaghel, Dt. Syntax 3,475- 477)
1.2 mit explizierenden präp. Wendungen
1.3 mit explizierendem Vergleich
1.4 mit Ausdrücken, die eine Beschreibung vertreten
1.5 phras.: umbe jmdn./etw. gestalt sîn ‘(so) um etw./jmdn. bestellt sein’
2 in der Wendung gestalter eit ‘ein im Wortlaut festgelegter Eid’ (zur Wendung eit stellen stellen , vgl.
   1 ‘so seiend, beschaffen; sich (so) verhaltend’, i.d.R. präd. (vgl. aber z.B. 2.1 KLD:GvN ), oft semantisch so an sîn/wërden angenähert, dass sich ein eigener semantischer Beitrag kaum fassen läßt ( talis est dilectus meus, alsus minneklich gestellet ist min suͤsses lieb Seuse 378,14; zwey augen zweyerleye getan, / [...], / braun einz, daz ander gra gestalt Physiogn 191 ); im späten Mhd. auch im spielerischen Wechsel mit gestalt stF. adj. gestalt i.S.v. ‘aussehend, gestaltet’ (vgl.: pilosus ist ain tier, [...], daz hât ain gestalt oben als ain mensch und ist unden gestalt als ain tier BdN 157,21 ); immer mit einer Beschreibung korreliert    1.1 mit explizierendem Adv. (gelegentlich auch halbpräd. Adj., vgl. Behaghel, Dt. Syntax 3,475- 477): den [Frauen] wâren cleider untter lîp / vil armeclichen gestalt Iw 6193; wâ wart ie baz gestalter lîp KLD:GvN 23: 2,2; Brangâne und Kamelîne, / die sint in sulchem schîne / und alsô minnenclîch gestalt, / daz sie vröuden manicvalt / wol mugen geben einem man HvFreibTr 4857; so wirde ich so rehte froͤlich gestalt Seuse 450,18. 377,29; HvNstVis 558. frowen guot, [...] / sî sint milt und minnenklîch gistellet / und hânt dâbî tugende vil SM:Had 11: 6,7; SM:Te 9:2,6; sin roͤselechten wangen, die da brunnen als die rosen, sint nuͦ [...] erbleichet und gar magerlich gestellet Seuse 551,27. – bes. mit wol, wobei die Verbindung → wolgestalt zunehmend fest wird: ir wengel wol gestellet / sint gevar / alsam ein touwic rôse rôt MF:Wolfr 8: 4,1; des man sach, wie wîblîch wol si sint gestalt SM:  Had 3: 1,6. 52:9,3; si ist gestalt unmassen wol / da di gurtel ligen sol HvNstAp 15085; gestalt sô ritterlîche wol RvEBarl 11889    1.2 mit explizierenden präp. Wendungen: – mit ane: der win ist gut zcu trinkene welchir di mittel maze hat an der groze vnde an der kleine vnde al dar nach he gestalt ist an deme aldir SalArz 20,45. – mit mit: er was so hovelichen / mit witzen gestellet / daz er wart gesellet / Wildehelme von Österrich WhvÖst 9319. – mit nâch: das sin gotlih gewalt / nah sinim antlútze gestalt / ein menschin mahte RvEWchr 222; Iw 2816; rîfe und anehanc die heide hât betwungen, / daz ir liehter schîn / nâch jâmer ist gestalt KLD:GvN 30: 1,4; RvEWchr 11789. – mit ûf: dîn munt ist ûf den kus gestalt MF:Wolfr 8: 2,7. – mit ze: sîn muot ze zorne wart gestalt Wig 2240; juncvrau, [...] wizzet ir der botschaft niht, / so bringe ich ir iuch innen: / ir dunket mich ze sinnen / gestalt WhvÖst 11121. hî, wie ist er ze vehte / und ze kampfwîse / gestellet sô ze prîse Tr 11208; si ist minneklich / und gestellet ze sehenne gehiure SM:WvH 5: 2,5    1.3 mit explizierendem Vergleich: geracîte heizt ein stein, / [...] / und ist als ein nuz gestalt Volmar 481; si ist âne lougen gestalt sam diu minne MF:Mor 25: 2,3; nû sach er innerhalp dem tor / ein wîtez wercgadem stân: / daz was gestalt und getân / als armer liute gemach Iw 6188; Brun 7802. ir hor: daz ist gestellet sus / gel sam ein thopasius Minneb 2449; ja weren als eine rote nackensnur / siner vrouwen lippen gestellet Brun 2759    1.4 mit Ausdrücken, die eine Beschreibung vertreten: – erfragend: sô lât mich erkennen daz, / wie der dienest sî gestalt, / den ich mich sol nemen an KLD:UvL 33: 2,4. wie sint geschaffen die ingange des abgrúndes, oder wie sint gestellet dú wasser ob dien himeln? Seuse 293,15. – wiederaufnehmend: starkiu bein, krumbe vüeze / hêt si, sus was si gestalt Wig 6349; trag ich zuotzir holt, so treit sî gegen mir haz. / nimt daz nit ein ende, / daz kostet ein sterben / mich vil senden man: darzuo bin ich gestalt SM:Wi 1: 4,13. – vorausweisend: deß leuwen art ist so gestalt: / lauffet er an ainen degen palt, / so kennet er zu kurtzer frist / das er ain rechter reck ist HvNstAp 12543; daz sehste gebot ist sô gestalt, / er sî junc oder alt, / er sol sîn in rehter fuor / und sol lân sîn überhuor EnikWchr 9081    1.5 phras.: umbe jmdn./etw. gestalt sîn ‘(so) um etw./jmdn. bestellt sein’ vmme Rome was iz so gestalt / daz der richin gewalt / vbir die armin nine gienc Athis A 125; ich welle ervinden / wie es umb die vigend sy gestaltt GTroj 21825; SalArz 101,54; EnikWchr 8597    2 in der Wendung gestalter eit ‘ein im Wortlaut festgelegter Eid’ (zur Wendung eit stellen stellen , vgl. Tr 15698 ): er schwur deß ainen gestalten aid / das er nagel, part noch har / nicht abgeschnite untz an das jar / das du zu manne wirst geben, / ob im got wil fristen das leben HvNstAp 15180. 3362; über die uorgeschribenen sache alle hat er uns einen gestalten ayt geschworen DRW 4,565 (Herrgott,MAustr.; a. 1329)

MWB 2 589,62; Bearbeiterin: Baumgarte

gestalt stF. 1 ‘Gestalt, Form, Aussehen’ die Übergänge sind fließend; vgl. gesteltnisse
1.1 ‘Körper, Statur’
1.2 ‘Form’
1.3 ‘Aussehen, äußeres Erscheinungsbild’
2 ‘Zustand, Gegebenheiten’
   1 ‘Gestalt, Form, Aussehen’ die Übergänge sind fließend; vgl. gesteltnisse    1.1 ‘Körper, Statur’ darumb habentz [die Teufel] nicht gestalt [keine materiellen Körper] . / [...] / si habent weder fuez noch drozzen [Hälse] / daz mann legt ein cheten dran. / solt er aygen gestalt han / von natur, die belib im auch stet / daz ers nicht verwandeln tet Teichn 564,3826. 564,3843. 564,3791; der tiuvel [...] in aines grifen gestalt WhvÖst 10895; wan er was wenyges libes der gestalte EvAug 187,22; sô schüll wir nu sagen, wie des menschen gestalt und seiner glider schickung [Anordnung] uns bezaichent sein nâtürleich siten BdN 42,17. 427,21    1.2 ‘Form’ wanne ob der himel ain ander gestalt het, daz er drieket wer oder viereket oder vileket KvMSph 12,21; uz silber wiz von Kakumaiz / die buͦchstaben gaben schin, / die sus kunten [verkündeten] sine pin / mit der gestalt ir figur WhvÖst 3101; do nate si den selben namen jesus mit roter siden uf ein kleines tuͤchli in diser gestalt: ihs Seuse 154,8; als es an [...] der bvrigær ze Mvͦnchen briefe [...] geschriben ist vnder der gestalt: [... Text der Urkunde] UrkCorp (WMU) 2230,29    1.3 ‘Aussehen, äußeres Erscheinungsbild’ daz flaisch daz hât mangerlai gestalt in mangerlai glidern, wann daz flaisch in der lungen ist von rôter rôsenvarb und ist satrôt in dem herzen, [...], in der milz ist ez swarz oder swarzlot BdN 23,22. 460,30; in der vinster mag niemd varb erkennen, dar umb gibt daz lieht der varb ir gestalt und ir form ebd. 59,12; hêrre, sîne gestalt / kan ich wêrlîch nicht gesagen. / dô ez alrêst begonde tagen, / in der tunkel er mich quam an; / ichn kante weder ros noch man HvFreibTr 2236; ich wil iu zeigen ir [der Walhen] gestalt: / er sî junc oder alt, / die tragent all houben, / daz sült ir mir gelouben, / unde wît röck zwâr EnikWchr 27401; HvNstAp 4459; Helbl 1,274    2 ‘Zustand, Gegebenheiten’ also, daz er vns den selben tvren [Turm] an dem selben tag schol wider antworten in aller der gestalt, vnd er wos [wie er war] UrkCorp (WMU) N516,5; daz [der genannte rechtmäßige Zustand] dem chauffær vnd dem verchauffer nach der gestalt der zeit vnd auch der duͦrftichait werde behalten [nach den Gegebenheiten der Zeit und der Notwendigkeiten gewährleistet bleibt] ebd. 2345,6. – auch von der körperlichen Verfassung: die da heißent gotes kint, / schone [...] die sint, / verre schoner dann sie / ie gewesen sin alhie, / doch in rehter gestalt. / wer eins huͤndert jar alt, / kruͤmp, lam oder blint, / oder wer es ein kint, / ez wirt [...] / als ez zu drissig jaren / enmoͤge niht gereichen [ als ob es an die dreißig Jahre nicht heranreichen könnte/ nicht ganz dreißig Jahre alt wäre] HvNstGZ 6232; ist aber si in der gestalt, / daz si iuch lîhte dunket zalt Ottok 1809. 14448

MWB 2 591,30; Bearbeiterin: Baumgarte

gestalticheit stF. ‘körperliche Erscheinung, Person’ (vgl. gestalt stF. 1.1): auch datz chirchen sicht man wol / daz man chnien und naigen sol. / da mit ert man nicht di stain, / nur dw heilichait allain / [...] / also wiͤrt auch nicht genigen / der gestaltichait der man / deu got wirdig hat getan Teichn 435,143

MWB 2 592,22; Bearbeiterin: Baumgarte

gestaltlîcheit stF. ‘feste, materielle Gestalt, Körperlichkeit’ (im Ggs. zu → geistlîchschaft ‘Körperlosigkeit’ ebd. V. 3850); vgl. gestalt 1.1: dein torisch frag [ wie man got ein gestalt czu setzt V. 3854] / ich dir nicht erlayden mag. / waz wiltu gestaltleichait gotes? / wer sich fleizzt seins gepotes, / der erchentn im himelreich Teichn 564,3857

MWB 2 592,29; Bearbeiterin: Baumgarte

gestanc stMN. ‘(unangenehmer) Geruch, Gestank’ (vgl. gestenke ): ez sprechent auch etleich, daz der frawen daz kindlein ab gê von dem gestanch ainr erleschten kerzen BdN 42,9; sô kümt der fuhs dar ein [in den Dachsbau] gegangen und læzt im seinen mist dar ein. daz gestank hazzet der dachs gar sêr und kümt nümmer in daz hol ebd. 163,23; der vnreine gestanch von dem trache Konr 5,84; wi dise dugentriche / mochte in keinen ziden / nie bosen ruch geliden, / si leit doch hi ir dankes / unmazen vil gestankes / [...] / in somerlicher hitze / vor der siechen betten Elis 3548; HvNstAp 4416

MWB 2 592,36; Bearbeiterin: Baumgarte

gestanden Part.-Adj. ‘erfahren, erprobt, bewährt’ daz sü in soltent einhellicliche erwelen zuͦ kunige, der von alter ein gerehter gestanderre man were gewesen ClosChr 41,22; vnd die schullen alz oft vnd ein priester abgestirbt, einen andern gestanden vnd erbern wertleichen priester zu der gvlt vnd zu der messe ouf dem vorgenanten alter erchiesen vnd erwelen UrkKlostern 1,260 (a. 1336); waz der geherzete man / und der gestandene muot / durch liebes wîbes willen tuot! / Tr 9225. 6484. – dem unerfahrenen kint gegenübergestellt: mîn munt im hôher vreche giht, / sô touc er doch vor kintheit zuo dem kampfe niht. / gestanden swert ist guot ze grôzer herte Loheng 553; ez [Silber] suln tragen wan diu kint, / diu ritterschaft ze junc sint, / und ein rîcher koufman, / dem stêt ez niht übel an. / ein gestanden edel kneht, / treit er silbr, er tuot niht reht Helbl 8,665

MWB 2 592,48; Bearbeiterin: Baumgarte