Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   galban - gallentrunc    


galban stM. aus afrz. galban. eine Pflanze und deren Harz, ‘Mutterharz’ (vgl. Marzell 2,424): swelch wip den sichtum [das ‘Mutteraufsteigen’, s. Höfler, Krankheitsnamen 681f.; Hwb. dt. Abergl. 3,342] hat, der sol man [...] fur di nase haben bibergeil vnde galbanum vnde verbrunnen wolle SalArz 65,9. 97,44; galbanum haizt galban, daz ist ain staud und wechset in dem land gegen der sunnen aufganch, und haizt sein harz oder sein zaher auch galbanum BdN 367,5; der galban ist haiz und fäuht ebd. 367,8; dem [Schlafsüchtigen] schol man den galban auf koln legen und schol der siech den rauch mit der nasen in sich ziehen ebd. 367,14

MWB 2 57,50; Bearbeiter: Bohnert

galbîne F. salbîne

MWB 2 57,63;

galbrunne swM. galgbrunne

MWB 2 58,1;

galcbrunne swM. auch gal-, galt- (vgl. DWB 4,1,1,1166). ‘Ziehbrunnen’ mit einer galgenähnlichen Vorrichtung zum Niederlassen und Aufziehen des Eimers: welem vallet under iu ain esel alder ain ohse in ainen galgbrunnen [ in puteum Lc 14,5 ] PrSchw 1,114; von den galtprunnen an den gassen StRMünch 513,21; swenn ein galpruͤnn zerprist ebd. 513,22

MWB 2 58,2; Bearbeiter: Bohnert

galcrabe swM. ‘Rabe als Galgenvogel’, Glossenbeleg des 14. Jh.s s. AWB 4,29

MWB 2 58,10; Bearbeiter: Plate

galf stM. zu gëlfen. ‘Schrei, Geschrei’ dô ir [Dohle] der hirte niht enhalf, / dô rief si mit geschrîje manegen lûten galf Wartb(S) 126,2

MWB 2 58,12; Bearbeiter: Bohnert

galgan stM. im Reim auch -ân (z.B. Martina ; HvNstAp ); vereinzelt gala-, galigan, galgant, galgen, -in. – stN. PrüllK , stF. BdN . aus mlat. galanga, galganum (vgl.Etymol.Wb.d.Ahd. 4,23f.). ‘Galgant, Galgantwurzel’ (vgl. → galanwurz ), ein Ingwergewächs aus Südchina, Alpinia officinarum (vgl. Marzell 1,228): galanga haizt ain galgan [...] und des wurzel nimt man in erznei BdN 368,20; der pest galgan ist, der rœtlot ist [...] und der scharpf auf der zungen ist ebd. 368,24. den [Phlegmatikern] ist der galgan guͦt genutzet Macer 81,2; das galagan ist warmer nature, iz doivvet unte losit, machet den munt uil suize stinkent unte bringet den mân unte daz uuib ze mihchelen minnen PrüllK 28; SalArz 61,36. 96,31; OvBaierl 88,19; nim galgan und izz die und keuw die lang BdN 5,33; Ipocr 221. nim einen reinen honicsaum, den suͤde. vnd nim denne yngeber vnd galgan vnd negelin, die stozze vnder ein ander vnd wirfe sie dar in BvgSp 2. 27a. 84; Freudenl 227; wil sie nach trinken blangen, / er [Teufel] macht in eine zeche / von swebel und von peche, / von ezzich gallen galgan, / als der übel vînt wol kan BuchdRügen 1531. zinamîn unt zitawar, galgân unt pheffer, / balsamo unt wîrouch, timiâm wahset der ouch [im Paradies] Gen 244; GenM 9,8; Martina 64,39; Erlös 6138; ein wunderboum [...] / der gap sô guoten smac, / daz ingeber und negelîn, / zitwân unde zinemîn, / galgân unde muscât / sô guotes smackes niht enhât Flore(G) 2083; HvNstAp 8525. 17982; MarcoPolo 53,19

MWB 2 58,15; Bearbeiter: Bohnert

galge swM. F. MarlbRh 23,13. 1 ‘Galgen’
1.1 das Strafinstrument
1.2 die Strafe des Hängens
1.3 die Gerichtsbarkeit
1.4 als Schimpfwort, ‘Henker, Teufel’ (Glossar z.St.)?
2 ‘Kreuz (Christi)’
2.1 das Strafinstrument
2.2 die Strafe der Kreuzigung
   1 ‘Galgen’    1.1 das Strafinstrument: an deme galgen suln sie kiesen / den vil bitteren tot GrRud Cb 29; den man zuͦ dem galgen furet vnde in henkin wil Lucid 148,10. 158,23; daz si in einen galgen rihten / an der porten dâ man zû gienk, / diu houbet man dar ane hienk En 6824; nu richdit uf den galgin Roth 4118; sie losten in uon deme galgin ebd. 4222; ist aber daz der stok zergat oder der galge, bi swelhes vogtes ziten das geschiht, der sol ez wider machen, ez si stok, schraiat oder galge StRAugsb 174,14. an (selten ûf) den / einen ~ (ûf)hâhen / hengin / henken / haben: er heizzet dich an den galgen hâhen Gen 1978; vnde so welich vnser eynin dip in syme gerechte begrifet, den sal her hen [...] an den gemeynen galgin zuͦ Guntirshusin UrkCorp (WMU) N282,35; er wolde [...] brûdre und gesinde / hengin vor daz burgetor / an einen galgin hô impor NvJer 14856; der herre neme ime [dem untreuen Knecht] daz guͦt zuͦ male und henckete in an einen galgen Tauler 401,20; daz man die predigere slet / und an den galgen uf het / und sie sudet und bretet HeslApk 15670; wer beraubt mit freuel ain kirchen [...], den sol man aufhaben an den galgen mit der gurgel, also das er sterb StatTrient 162; sumelich [Märtyrer] wurden an den galgen, da si uf gehangen wurden, mit ysninen crulin gecracet, das man in si sach Konr 20,38; ich hing uch all uff einen galgen, ir hett es auch wol verdienet Lanc 520,11. 624,9. an dem ~ hangen: dô die Troiâre [...] diu houbet sâgen / an dem galgen hangen hô, / dô was maneger unfrô En 6833; soldich dar umbe als ein diep / an einem galgen hangen Eracl 3083    1.2 die Strafe des Hängens: swer des nachtis korn stilt, der verschuldet den galgen SSp(W) 2:39,1; daz chind hinder [unter] vierczehen iaren nicht mag den galgen verdienen StRBrünn 399; ez ist ein bœsiu herren kunst, / der sich an nimt sô swache sit, / dâ man die galgen dienet mit UvLFrd 531,4; dem roubâre den galgen Kchr 15144; Konr 19,56; Roth 4523    1.3 die Gerichtsbarkeit: So geben wir in stokch vnd galgen als ander vnser stet habent in irm gerihte UrkCorp 2918,5; daz gericht indem dorffe da der stokk vnd der galge zvͦ gehoͤrt mit allem rechte ebd. 1528,3.    1.4 als Schimpfwort, ‘Henker, Teufel’ (Glossar z.St.)?: hat ús der galg her getragen? SHort 3076    2 ‘Kreuz (Christi)’    2.1 das Strafinstrument: zeiner sexte daz ergie, daz man in an den galgen hie AvaLJ 155,3; er liez sich durch uns vâhen / und an den galgen hâhen LBarl 503; swer so wolli Cristis wegi volgin, / der dragi sus sinin galgin SuTheol 176; daz ergie, dô er [...] daz heilige crûce ûf sîn ahsel nam und selbe truoch den galgen unser erlôsunge PrStPaul 23,20; der an dem gotes galgen / mit ûff gerachten handen stêt Priesterl 263; ouch trank Jhesus unsir trechtin / an dem galgen myrra und win Brun 7548; owi, diͤ galge si is so swar! / kum, wir [...] helpen im [bei der Meditation der Passion] sin krüze dragen / bit unsen trenen, bit unsen klagen! MarlbRh 23,13; den ellenden crúzgang, den er tet von dem rihthus unz under den galgen Seuse 34,25. ~ des criuzes: nv sich, got dem waz auch swær, daz er den galgen des crvces vf sich nam PrBerthKl 4,62; PrBerth 1:61,20; und dar umb liess er sich hencken an den galgen des krútzes Seuse 464,11. 213,21 u.ö.; andeme galgin des heiligen crvcis PrWack 6,28; Köditz 12,20    2.2 die Strafe der Kreuzigung: der tot des galgen waz [...] also schantliche, daz man chein romær [...] getorst getoten des selben todes PrBerthKl 4,64; der galge der smeheste tot was Brun 5305

MWB 2 58,46; Bearbeiterin: Herbers

galgenast stM. ‘Querbalken des Galgens’, als Schimpfname: Mitezze und Nagengast, / Zuckezswert und Galgenast Renner 1700

MWB 2 59,54; Bearbeiterin: Herbers

galgenholz stN. ‘Galgen’ man solt [...] lassen plekchen [zur Schau stellen] / pider lewt an galgen holcz Teichn 626,7

MWB 2 59,57; Bearbeiterin: Herbers

galgenswengel, -swenkel stM. ‘der am Galgen baumelt’ maniger wirt ein galgenswengel, / der ûf erden als ein engel / in rehter fuore wol hête gelebt, / hête er niht ûz der mâze gestrebt Renner 9551. 884. – als Schimpfname: hoert ir’z, her esel, [...] her galgenswenkel Boppe 3:2,2; Renner 1681

MWB 2 59,60; Bearbeiterin: Herbers

galîe, galîde, galîne swF. selten N. ( RvEWh 12124; WhvÖst 273 ), auch kalende ( TürlArabel *A ); aus frz. galie, galee, lat. galea, zu den Formen mit unorganischem -n- und -d- s. Suolahti 1,90f. ‘Ruderschiff, Galeere’ ich wæn, daz mer getruͦg nie me / so manic shif mit ein ander: / kiele, sheitis, shalander, / kocken, buzzen, galiden Rennew 13165; von dem mer zu lande / sie sâhen kumen kocken, kiel, / galînen, barken sigelten vil Kreuzf 546; zwô galîe niuwe, veste unde guot, / und ouch zwêne kocken, die hêtens bî der fluot Kudr 276,1; kumen triten [lat. trieres ] adir galeen Cranc Dan 11,30; der kúnic Alan kam mit wer / in ain gælin uf das mer RvEWh 12124; ûz den galîn ûf zwêne kiel / teilte man dô die gevangen Ottok 4582; fâhestu mir nit in kleiner wîle / vische vol die grôzen galîen Orend 561; schiffen man nu solde: / des fuͦr der furste here / [...] mit ander pilgerinen. / si hatten ir galinen / zu ir sunderunge Elis 4596. er kunde in rehter weile / schef vn̄ galeien / vil wol bereiten / mit sinen arbeiten Wernh A 1956; do hiez beraiten uf die vart / der kúnic aine gaelin / vil riliche der swester sin RvEWh 12891. 12355; den hiez er kostliche / beraiten ein galin; / mit spise und mit win WhvÖst 273; RvEWchr 33128; Ottok 3741. der chunic unt die sîne / an den galînen / twungen die riemen: / do was zît ze fliehen Kchr 16033. – als Schiff von Seeräubern: ein räwber des meres was, der hies Dyomedes, der räwbt mit seiner galein, wer füer auf dem mer oder aribaitt Schachzb 34,102. 34,109; er hiez si balde îlen / an die grôzen roubgalîen [ roub fehlt H] , / er fuor den kielen engegen, / der heidenische künig eben Orend 418; s.a. roupgalîne

MWB 2 60,1; Bearbeiterin: Herbers

galilêisch Adj. ‘aus Galiläa’ disen galileiscen man, den sah man mit im gan AvaLJ 137,6; ir galileischin livte, wes stet ir unde chaphet in den himil? Spec 69,7; EvBeh Lc 23,6

MWB 2 60,35; Bearbeiterin: Herbers

galînære stM. ‘Führer einer galîne ‘swer alsô grôze bringet [zahlreiche Waren mitführt] , der sol willekomen sîn’ / sprâchen die galînære und fluzzen wider în OrtnAW 254,4

MWB 2 60,39; Bearbeiterin: Herbers

galîne swF. galîe

MWB 2 60,43;

galînê F. aus griech. γαλήνη. ‘Windstille’ ê mir diu galînê [...] tæte hie sô wê, / ich swüere tûsent eide, daz ich [...] mit guoten winden ûz der nôt entrunne Kudr 1132,1

MWB 2 60,44; Bearbeiterin: Herbers

galiôt stM. , galiôte swM. aus frz. galiot, ital. galeotto (Suolahti 1,91). ‘Seeräuber’ die galiôte man vlühtic sach / vor im vil dicke ûf dem mer: / er hêt entschumpfiert ir wer Wig 10491; dem vuoren werlîche bî / piraticî lembî [Piratenschiffe] , / daz was ein galjotten her, / die roubten lant unde mer RvEAlex 9599. 9224. 9594; der was [...] ein galiôte ûf dem mer; / sîn bejac an roube lac RvEBarl 10210; ez were ein galiot, / der von dicker ubervart / die straze were wol gelart PassIII 470,4; Craun 870. – im JTit als Name eines räuberischen Seevolks (zur Bildung s. Borchling, JTit 57f.): die verfluͦchten gaylotten uf dem se sint varnde JTit 2719,1. an den selben ziten riten uf den hof die gaylotten 2826,4 u.ö.

MWB 2 60,48; Bearbeiterin: Herbers

galîte swF. Ansatz unsicher; hierher wohl auch die Var. gelîte stNF. ‘Schlag (auf die Mundpartie)’ ez [der Zwerg] trat im an die sîten / und gap im ein galîten [La. ein sulch gelyte ] , / daz ez vil lûte erhal / und im daz mûl geswal Anteloye 380

MWB 2 60,63; Bearbeiterin: Herbers

galizien-, galitzenstein stM. zu Galiciâ (z.B. Wh 275,25), Galitzen ( [: witzen] Helmbr 70; ) ‘Galizien’ (vgl. DWB 4,1,1,1180)? ‘Vitriol’ nym eyn half vyrdeyl wynez vnde ses lot galicien steynez OvBaierl 136,10; galitien stein SalArz 37,23; item pley, cyn, smer, vnslicht, chupher [...] daz gehort alz in den vron hof. item calizenstain, cuppherwasser auch in den vron hof StRPrag 62; galiczen steyn Albrant 3,2

MWB 2 61,4; Bearbeiterin: Herbers

1galle swF. auch st., z.B. SalArz 3,50. 34,57. 36,34; Hiob 12502; Mügeln 146,2. ‘Galle’, das Organ und die Flüssigkeit, die aufgrund ihres Geschmacks als Inbegriff des Bitteren gilt, in der Vier-Säfte-Lehre mit dem cholerischen (gelbe Galle) und dem melancholischen Temperament (schwarze Galle) verbunden wird (zur Humoralpathologie der Galle vgl. LexMA 5,211f.) 1 allg.
2 mit Bezug auf den bitteren Geschmack
3 bibl. Essig (nach der Vulgata) und Galle als Getränk Jesu in der Passion ( Mt 27,34 )
4 übertr. mit Bezug auf die Geschmacksqualität ( 4.1 ) oder das mit der Galle verbundene Temperament ( 4.2 ); die jeweils andere Deutung kann mitgemeint sein
4.1 ‘(Bitteres:) Widerwärtiges, Abstoßendes; Betrübliches’
4.2 ‘Zorn, Hass, Falschheit’
4.2.1 in Genitiv-Umschreibungen
4.2.2 gallen hân, tragen (jmdm. / gegen jmdm.), ein galle jmds. sîn ‘(jmdm.) feindselig gesonnen sein’
4.2.3 âne / sunder gallen , gallen frî ‘ohne Falsch’
4.2.4 ‘feindselige, böse, falsche Person’
   1 allg.: in der lebere hanget ein galle chlebere. / si ist unsuoze [...] swer si ûz gerahsinet [aushustet] swenne si ime uber gêt, / der ist genern [...] von der gallen [ nemen wir ] den zorn des manc man wirt florn Gen 156; di colera [Gallensaft] [...] get tzu der galle vnde wont da, daz daz blut vnde al der lip reine blibe uon der bitterkeit di an ir ist SalArz 3,50; OvBaierl 32,17; swenne daz harn ist dunne unde rôt, daz bediutet daz der mensch ist colericus: der hât des pluotes ze vil unde der fiuhte ze luzil von dem wazer, der muoz durch nôt gâhmuotes sîn, wan im diu galle schiere enbrinnet sô starche, daz ir diu fiuhte niht widerstên mach Barth 128,11; diu gall ist haiz und trucken und feureinr nâtûr. daz ist als vil gesprochen, daz diu gall die kraft hât, daz si hitzt und trückent reht sam ain feur, und dar umb hât si got der lebern zuo gesellt, daz si ir helf kochen daz ezzen, daz ir gesant wirt von dem magen BdN 28,22; der gallen aigenkait ist unstætichait, tobung, behendichait, scherpfen der sinn, newvindichait, gedürstichait, hôhvart, gir, unkäusch, gedæhtnüss, snell antwürt ebd. 28,27. – Tiere ohne Galle: Aristotiles spricht, daz ain iegleich tier, daz niht gallen hab, lang leb, als der helfant, der hirz, daz kamel, der delphin oder daz merswein BdN 29,18; vor allem von der Taube (häufig als Exempel, vgl. unten unter 4.2): [das Taubenmännchen] ist ganzer triuwen vol, / wan ez hât niht gallen EnikWchr 2673; daz ist gar ain sänftig vogel. diu taub reizt niht noch grimmt mit irm snabel und ist ân gallen, sam Beda spricht BdN 179,28. nu prüevt wie Lucifern gelanc / unt sînen nôtgestallen. / si wârn doch âne gallen: / jâ hêr, wâ nâmen si den nît, / dâ von ir endelôser strît / zer helle enpfâhet sûren lôn? Parz 463,6    2 mit Bezug auf den bitteren Geschmack: dar umb reibent die köch die lebern mit des stürn gallen, daz si die überigen süezen verlies BdN 257,6; in Küche und Medizin deswegen meist mit Honig kombiniert: sô nim eines hannen gallen unde temper si mit honecseime Barth 145,23. 155,17; nim eines lammes galle mit honige gemengit SalArz 34,57. 36,34; Ipocr 93; BenRez 53; in Vergleichen: dô wir zem wazzere quâmen / undiz in dem munt genâmen, / dô was iz bitter als ein galle SAlex 4942; der dranck was bitter als der doit, / hi was noch garczer dan ein galle MinneR497 943    3 bibl. Essig (nach der Vulgata) und Galle als Getränk Jesu in der Passion ( Mt 27,34): galle unt ezzich was sin tranch VEzzo 251; man zesamene goz / ezzich und gallen AvaLJ 151,3; der munt der tranch ezzich und gallen PrOberalt 73,6; in dem swam er verbark / suͦren eßich und gallen ark. / er bot ez im zu dem munde HvNstGZ 2946. 2677. – als Höllenstrafe: man scenchet uns den win, des wir gerne ubere mohten sin, / ezzich unde gallen AvaJG 28,9    4 übertr. mit Bezug auf die Geschmacksqualität (4.1) oder das mit der Galle verbundene Temperament (4.2); die jeweils andere Deutung kann mitgemeint sein    4.1 ‘(Bitteres:) Widerwärtiges, Abstoßendes; Betrübliches’ dich [Minne] solde wol verdriezen / din süez honic ze giezen / und mischen zuo der gallen, / daz dû den frouwen laest gevallen, / daz in billich wære / widerzæm und unmære Ottok 18177; Iw 1580; ich sihe die bittern gallen mitten in dem honige sweben: / diu welt ist ûzen schœne [...] / und innan swarzer varwe Walth 124,36; dîn [der Welt] sûze verborgenlîche in ir / [ treit ] arger gallen bitterkeit Kreuzf 7625. den ist alle dise welt ein bitter galle Tauler 26,30; ich [die wahre Kunst] bin verdorben als ein mist, / sam bitter als ein galle [bei Hofe und Mäzenen] KvWKlage 16,2; [sündhafte Priester] sint ein schande unt ein galle / gäistlîcher samnunge Erinn 228; sumerzît, / diu all der werlt freude gît! / diu ist ein gall worden mir EnikWchr 5135; disen tac, / den ich wol iemer heizen mac / die gallen in dem jâre Iw 7547. daz sie nicht envallen / in der sunden gallen HeslApk 12268; daz er hint ist gevallen / in der unkusche gallen Vät 16660; in der hell gallen SHort 2446; fuͤr dez ungelukches gallen Teichn 443,75; da in der ruwe tal / der mensche trank des todes gall Mügeln 146,2; daz er icht valle / noch stige in dis todes galle Hiob 12502; Minneb 2614; steigernd: alles tôdes übergenôz / und aller triure ein galle Tr 2017. do Noê erhôrt der werlde nôt, / daz si solt ligen tôt / gemeiniclîch alle, / daz dûht in gar ein galle EnikWchr 1718; ez wirt dir noch ein galle [das wirst du noch bereuen] ebd. 8208    4.2 ‘Zorn, Hass, Falschheit’    4.2.1 in Genitiv-Umschreibungen: dô sante er ûz eine tûben âne der untriuwen gallen Gen 708; in iwerm herzen sol dehain galle des nides wesen Spec 35,35; ein gall der erge Mügeln 48,15; den hoen got erwegte zornes galle ebd. 65,12    4.2.2 gallen hân, tragen (jmdm. / gegen jmdm.), ein galle jmds. sîn ‘(jmdm.) feindselig gesonnen sein’ mich griulet, sô mich lachent an die lechelære, / den diu zunge honeget und daz herze gallen hât Walth 30,13; ich hân gên dir niht gallen EnikWchr 20793; si was geminne in allen; / sin truoc niemanne gallen / ûzen noch innerhalp der wât Tr 12952; er ist [...] sîner friunde ein galle SM:Go 2: 4,11    4.2.3 âne / sunder gallen, gallen frî ‘ohne Falsch’ wîp sint âne gallen KvWLd 8,15; du bist ane gallen / glich der turtiltuben, / sancta Maria MarldM 61; swer der wâren minne phlît, / der hât die güete âne gallen LvRegSyon 2021; mit triuwen âne gallen / si sich underkusten Wig 9605; vil gar sunder gallen / umbe greif er unde kust in Vät 12156; frou Güete gallen frî KvWKlage 10,1. wan an den vrouwen allen / enist nimêre gallen, / [...] noch enhabent dekeiner trüge niht / noch aller valsche keinen, / wan daz si kunnen weinen / âne meine und âne muot, / als ofte sô si dunket guot Tr 13896; sist kiuscher dann ein kint von siben jâren, / ir herze in solker süezze stât, / daz ez noch niender gallun hât SM:Wi 9: 3,8; grôz herze und kleine gallen, / dar ob was sîn [Gahmurets] brust ein dach Parz 317,26    4.2.4 ‘feindselige, böse, falsche Person’ nu swîc, du übele galle; du heizest liegen mich? / daz ich hînte rechen alsô über dich, / daz dir dîn zorn erhillet sô lûte nimmer mêre Kudr 1278,1; [Cundrie:] die besten über elliu lant / sæzen hie mit werdekeit, / wan daz ein galle [Parzival] ir prîs versneit. / tavelrunder ist entnihtet: / der valsch hât dran gepflihtet Parz 314,28; und wil in ergetzen / [...] maniger untriwen [...] und verrætnusse, / diu ze maniger stunde / ûz valschem herz und munde / ist gegangen und gevallen / der selben bêheimischen gallen [König Wenzel II.] / gen dem bruoder sînes wîbes Ottok 71925; so ist auch nicht poser gallen / denn der ungehorsam lebt / und der ordnung wider strebt Teichn 405,16

MWB 2 61,13; Bearbeiter: Plate

2galle swF. aus lat. galla. ‘Geschwulst’ (bes. bei Pferden am Hinterbein) über bain noch kain galle lag / an dem pfertt runzitt GTroj 21078; er bet so vil mit knie vallen / daz an den knien waren gallen / gewachssen sam den olbenten Märt 5888

MWB 2 63,28; Bearbeiterin: Herbers

gallenbitter Adj. ‘bitter wie Galle’ dez ungetruͤwen zunge / hat manig wandelunge: / zucker suͦsz ist das wort, / gallen bitter ist jr ort LS40 118

MWB 2 63,33; Bearbeiterin: Herbers

gallenbitterîn stF. für die Gallenflüssigkeit: bilis : gallenbiterin VocOpt 1.119

MWB 2 63,36; Bearbeiterin: Herbers

gallensûf stM. ‘Gallentrank’, übertr. ‘Trank der Sünde’ [ die kuschen kindere ] achten minner dan ein kaf / uf die vertumeten [verfluchte] unvlat, / die da besulet [befleckt] kusche wat / und gibet dem menschen gallensuf PassIII 578,83

MWB 2 63,38; Bearbeiterin: Herbers

gallentrunc stM. ‘bitterer Trank’ alsam daz hermelîn den unc [Schlange] / versêren mac in sîner tunc [Höhle] : / altherre junc, / dîn gallentrunc / lêrt in den sprunc / an dem er sich ze tôde erviel KvWLd 1,154

MWB 2 63,43; Bearbeiterin: Herbers