Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gâch - gaffen    


gâch Adj. auch (z.B. Herb 2401 u.ö.; Roth 4106; Eracl 3464 ). – Adv. gâche (nur WernhMl 7760 ), gâch (adv. Akk., nur Iw 4873; Frl 7:19,13. 8:3,11; Ottok 5883; WernhMl 4676. 9896 ). – Rückbildung vom Adv. gâhe (vgl. auch die Kompos. mit gâch-) zum Adj. → gæhe, mit dem es in der Überl. wechselt, wobei aber gæhe meist attr., gâch meist präd. gebraucht ist (vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 26 Anm. 1). 1 ‘schnell, rasch’
1.1 unpers. mit sîn/werden und Dat. d. P. ‘es eilig haben’
1.1.1 ohne weitere Bestimmung
1.1.2 mit näherer Bestimmung; die Bed. geht häufig in ‘begierig sein, verlangen’ über, vgl. bes. die Beispiele für gâch nâch/ze etw.
1.2 andere unpers. Konstr.
1.3 pers., attr. (sonst gæhe )
2 ‘heftig, ungestüm’
   1 ‘schnell, rasch’    1.1 unpers. mit sîn/werden und Dat. d. P. ‘es eilig haben’ (ohne Dat. nur sprichwörtlich [TPMA 2,410 ] so ie gaher, / so ie gar unnaͤher! RvEWh 9131 )    1.1.1 ohne weitere Bestimmung: der brvder was niht laz, / in die tzelle lief er geringe, / gach wart dem bertinge ReinFu K,970; den sînen wart vil gâch / unde ranten ime alliz nâh SAlex 2640; er ilte, im was gach Herb 2050; er gêt vil sanfte, im ist niht gâch Wig 4986; dô was in ernst und gâch UvZLanz(K) 6699. 2991    1.1.2 mit näherer Bestimmung; die Bed. geht häufig in ‘begierig sein, verlangen’ über, vgl. bes. die Beispiele für gâch nâch/ze etw. – mit Gen. d. S.: ist iu nu zornes gâch Parz 515,17; wie ist iuch tretens mich sô gâch? ebd. 522,21; im was niht wan gebetes gâch RvEBarl 14441. – mit Präp.-Gruppe: sus was im an den risen gâch Iw 4989; dô was im gâch an die vart. / mit urloub er enwec reit UvZLanz 668. im was gein Artûse gâch Parz 128,15; der sunnen was gein hœhe gâch ebd. 196,10; dem muoz gein sorgen wesen gâch ebd. 731,29; im was mit zorne gein in gâch Wh 324,9. nach Reinhartes kel im [Bauer] gach was ReinFu K,466; lâ dir nâch mir wesen gâch, / heb ûf dîn kriuze, gâ mir nâch! RvEBarl 5345. 6543; swenne got sihet, daz wir sîn der eingeborne sun, sô ist gote sô gâch nâch uns und îlet sô sêre Eckh 1:194,3. iu ist mit der rede ze gâch: / slâfet ein lützel darnâch Iw 827. 996. 3163. im [Hochmeister] was uf dy Littown gach Hiob 15545. dô was im von dem künege gâch Parz 150,29; dâ [Gesang der Nachtigall] warne ich [Wächter] friunde bî, / dur daz in gâch von minnen sî KvWLd 15,12. die da fluhen, den was gach / vber daz geuelde / hin zv dem gezelde Herb 11784; ienen was zv der flucht gach ebd. 14004; zv Reinhartes schaden wart in gach ReinFu K,1436; dô fuor in balde ein knappe nâch: / dem was zer botschefte gâch, / die er werben solte Parz 517,12; Rennewarte was zer spîse gâch Wh 276,3; im wart zer âventiure gâch UvZLanz(K) 7874; mir was ze sînen hulden / alze liep und alze gâch Iw 4187; dem rîter was zer vreise gâch Wig 1845; zer toufe wart dem grâven gâch ebd. 8207; zu suͤnden ist dir gewesen gach HvNstVis 241. – mit ze und Inf.: dem was ze knien für si gâch Parz 237,12 u.ö.; des wart im zervarne gâch RvEBarl 553. – mit Inf. (vgl. → gâhen 3.3): sô sol uns wesen gâch / verloufen in [in kleinen Weihern gefangenen Fischen] die rinnen, / sô mugen si uns niht entrinnen KvFuss 2711(La. A). – mit Adv.: Reinharten wart dannen gach ReinFu K,172; war ist dir nu so gach, / du ubermuͦter kaiser? Rol 7626; sô gâch was im wider dan Wh 317,16; swâ sô si [Liebe] den zwîvel siht, / dâ von enscheidet si sich niht, / dar ist ir nôt unde gâch Tr 13837    1.2 andere unpers. Konstr.: jmdm. gâch tuon ‘machen, dass ihm gâch ist’ gant diube dar und stelent eim biderben man sin guͦt, tuͦt er den [...] gach [scheucht sie auf] mit iagenne oder mit ruͤfenne StRAugsb 100,27. – jmdn. hât gâch ‘ihm ist gâch (Grimm, Dt. Gr. 4, 287): iedoch hêt in ein teil zuͦ gâch / uffe den helit reinin Athis E 126    1.3 pers., attr. (sonst gæhe): ern kêrt sich niht an gâhez schehen: / müezeclîche er wolde ersehen / wiez ze bêder sît dâ wær getân Parz 69,7. 121,6; dem gâhiu hêrschaft wirt erkorn [dem rasch eine Machtstellung zufällt] RvEAlex 1487    2 ‘heftig, ungestüm’ (fast nur attr., dafür sonst meist → gæhe ; präd. nur lât iuwern zorn niht wesen gâch Wig 11551 ): etwenne wirt des hercen vmmacht [Herzversagen] von gaher vorchte oder von gaher vroude SalArz 46,40; der tot mit snellem vlucke ein werk het do bestanden / mit lebens gahem zucke JTit 2638,2; si lâgen gâhes endes tôt KvHeimHinv 823; Serv 3404. gâher tôt ‘plötzlicher Tod’ si wânden alle ze Rôme, / ez [das Sterben] chôme von dem gâhen tôde Kchr 7559; da wirt er [der Antichrist] oͮch mit dem gahen tode erslagin mit dem gotis worte Lucid 135,9; nieman mohte danne / dem gâhen tôde enbresten Wig 3724; Frl 5:20,6. – ‘gewaltig’ in gahes wunder er des quam [ ut miraretur praeses vehementer Mt 27,14 ] EvStPaul 1972

MWB 2 41,36; Bearbeiter: Bohnert

gâcheit stF. ‘Hast, Übereilung’ das man es [Gebet] dvrnehtecliche spreche, niht mit bestumpfeten worten von gacheit, niht slaflichen von tracheit, niht verlazenlichen von italkeit DvAStaff 95; da von [Unkeuschheit] kumet och gacheit unt ungestuͦmikeit an allen dingen SiebenTodsündenIII 333

MWB 2 42,62; Bearbeiter: Bohnert

gâchen swV. gâhen swV.

MWB 2 43,5;

gâchheil stN. auch gocheyl ( Albrant 3,41. 3,50 ). ‘schnell wirkendes Heilkraut; Schafgarbe’ (vgl. Marzell 1,87f. 253; Etymol.Wb.d.Ahd. 4,13f.): du salt snydin gachheyl cleyne und suyt das mit wine unde floze daz dem rosse in den hals: zo sterbyn dy worme Albrant 3,5. 1,3; Glossenbelege des 11.-14. Jh.s s. AWB 4,21

MWB 2 43,6; Bearbeiter: Bohnert

gâchlîchen Adv. vgl. auch gæhelich, gâhenlîche. ‘eilig, rasch’ der bote gâhen began / und sagte ez gâhlîchen / dem fürsten Dietrîchen Bit 9091; Dietr 6820 (s. gæhelich )

MWB 2 43,13; Bearbeiter: Bohnert

gâchmuot stM. ‘Ungestüm, Jähzorn’ (vgl. gæher muot unter gæhe 1): gachmut ist in [ colerici ] ein teil zu groz Physiogn 65; der [ colericus ] muoz durch nôt gâhmuotes sîn, wan im diu galle schiere enbrinnet Barth 128,10

MWB 2 43,17; Bearbeiter: Bohnert

gâchmuotic Adj. ‘jähzornig’ suelre ist heizer vnde trukener nature, der ist gachmuͦtich vnde kuͤne vnde het gerne uil wibe vnde ist an der minnen vnstete Lucid 50,14

MWB 2 43,22; Bearbeiter: Bohnert

gâchmuoticheit stF. ‘Eile, Hast’ mit grozer gamutikeit / ilter hin zu dem grabe PassIII 160,42; gemuticheit PassI/II 361,74 (Umlaut wohl analogisch nach gæher muot)

MWB 2 43,26; Bearbeiter: Bohnert

gâchschric stM. ‘rascher Sprung’, hier: ‘Versündigung’ woldist du [der hl. Johannes] mich engalten / maniger gachscriche [La. ascrickeâschric ] , / da mit mich dicher denne diche / der tievel hat verleitet, / so wære mir manigen tach gireitet / diu ewige verdammunge Litan(M) 447

MWB 2 43,30; Bearbeiter: Bohnert

gâchspîse stF. ‘schnelle Speise, Imbiss’ sî gienc und was in kurzer zît / her wider komen unde truoc / guoter gâchspîse gnuoc Iw 1222; nu truoc diu hûsfrouwe dar, / [...] swaz si guotes mohte, / daz ze gâchspîse [Hs. gaher speise ] tohte KvFuss 1894

MWB 2 43,36; Bearbeiter: Bohnert

gâchtouf stM. , gâchtoufe stF. ‘Nottaufe’ wer dich getoufft hab, es sî pfaff oder ley, als etwan ze gâchtouff geschicht: der ist dîn geistlich vatter SchwSp(W) 345,90; swer einem kinde der gâchtoufe helfen wil, der sol diu wort sprechen, daz dâ iht verwandelt werde [ohne dass etwas verändert werde] PrBerth 2:228,24

MWB 2 43,42; Bearbeiter: Bohnert

gâchtoufen swV. ‘nottaufen’ das chint gæchtauffent di frawen und stirbet dar nâch gæchling RbRupr 202

MWB 2 43,49; Bearbeiter: Bohnert

gâchzornic Adj. ‘jähzornig’ iedoch vint man etleich frawen, die part habent oben an dem mund, und daz ist ain zaichen, daz si gar haizer nâtûr sint und gæchzornig BdN 12,21

MWB 2 43,52; Bearbeiter: Bohnert

gack Subst. lautmalend für das Gackern des Huhnes; in Anspielung auf das bekannte Sprichw. ‘wenn ein Huhn ein Ei gelegt hat, gackert es laut’ (vgl. TPMA 6,209): als das hun das da hat gelacht [gelegt] , / yederman han ichs balde gesagt: / »gack gack gack gack gack!« han ich gejehen Pilgerf 7814

MWB 2 43,56; Bearbeiter: Bohnert

gadem, gaden stN. auch swN. ( WüP 104,2; Urk.-Belege s. Gürtler, er-Plurale 123), stM. ( BrEb 66; Frl 7:1,10 ). – Dat. Pl. auch gadym Cranc Jes 35,7; gadden UrkFrankf 2,319 (a. 1332); Nom. Akk. Pl. auch gedime UrkCorp (WMU) 436,11 und gedemer ( BrEng 4; Urk.-Belege s. Gürtler, er-Plurale 122f., s.a. WMU 1,546). 1 ‘Gebäude, Haus’
2 ‘Stockwerk, Geschoss’
3 ein (Wohn-)  Raum verschiedener Größe und Verwendungen
3.1 ‘Saal’
3.2 ‘Zimmer, Kammer, Gemach’
3.3 ‘hoch gelegener Verschlag’
4 ‘Verkaufsraum, Verkaufsstätte, Bude’
5 ‘Kasten, Schrein’
6 bildl. (zu 1 oder 3 )
7 Einzelnes
7.1 ‘hohes Gerüst, Gestell’
7.2 ‘Stall, Stallung’
7.3 ‘Lagerstatt’ eines Tieres
7.4 ein Maß
   1 ‘Gebäude, Haus’ obe sie [Postulantin] dan uollesteit, so leide sie man sie wyder in daz gadem der nuwen sustere BrEb 58; elleu gadem und heuser [...] suln auch nimmer hoher gepauwet werden, denne als dez kirchofes maure hoh ist NüP 167; si [Elefanten] trugen castell und gaden HvNstAp 3869. – Anbau eines Hauses: daz hinnan hin nieman [...] dekainen fv́rschvtz [vorspringenden Anbau] mache [...] vf die straze mit stvban, mit loͮben, mit gaͤdemern, mit vmbeloͮfen oder mit aͤrgern UrkCorp (WMU) 2354,5. – Aufbau über einem Tor: eyn gadin was uf der phortin der uzsirn muyrn Cranc Uzl 254,32 (vgl. PL 196,540ff. mit Abb.) – für die Hölle: wie gern ich woͤlt / das ich zuͦ minem kinde soͤlt / ab gaͮn hin inder helle gaden! KvHelmsd 2223    2 ‘Stockwerk, Geschoss’ in deme nideristen gademe [der Arche] was aller vogele gechrademe Gen 699; ez sol auch niemant cheinen laden noch chein tuͤr anhahen [...] an dem undern gadem gen der straz herauz NüP 138; daz ich zway gadem eins turͦns vber ein ander gemovrre UrkCorp (WMU) 1595,8; Kreuzf 2967; SSp(W) 3:66,3; StRMünch 417,22. 417,25. – als Maßangabe: er mag [...] pauen was er wil, das zwair gaden hoch ist UrkÖsterrErbl 69,3 (a. 1237); swa ein mawer sie zwischen zweier haͤuser, deu bi drein gadem hohe sie oder hin uͤber UrkRegensb 726 (um 1320); wan si in [Virgilius] ûf mit sinne gar / an den turn zôch zwâr / wol drîer gadem hôch EnikWchr 23909; sîn rîch gezelt [...] gieng übr alliu diu gezelt / diu geslagen wâren ûf daz velt, / volleclîche wol ein gadem Georg 1555    3 ein (Wohn-)  Raum verschiedener Größe und Verwendungen    3.1 ‘Saal’ ain unmâzen michel gadem Kchr 5717; dô nam der degen [Volker] widere den schilt an die hant, / und gie ûz dem gademe für den türn stân NibB 1836,3; doch uber sin [Damokles] houbt in arcium gadem [Saal der artes (= Kunstwerke), Thronsaal, aula regia (Anm. z.St.)] / [...] / hiz er hengen eyn scharfez swert Hiob 6159; so sun [sollen] si alle in eim gadme slâfin BrEng 22    3.2 ‘Zimmer, Kammer, Gemach’ (zum Wechsel mit kemenâte s.a. Heyne, Hausaltertümer 1,360): do wart der engel gesant [...] ze der magde reine, do si in dem gademe saz eine AvaLJ 4,3; WernhMl 2188; ez lît vor disem gademe ein ritter tôt erslagen NibB 1007,3 (vgl. zer kemenâten ebd. 1006,3 ); do was bi Priamis trone / ein kamere vil schone [...]. / Priamvs hiez in daz gaden / sine ratgeben laden Herb 7227. 9249; Wernh 5657; PrOberalt 91,25. dô allez daz entslâfen was / in gademe und in palas, / daz dâ lac in dem hûs HvFreibTr 5920; iz enwas dar uffe [im palas ] niender gaden, / ez enwær von golde gemal Rennew 7876; GTroj 4894. si gurten sich mit sverten / si gingen dare warten / uon gademe ze gademe / si sluͦgen si alle zesamene VMos 30,23; sy yltte getrautte / von gadem ze kemonatte GTroj 21090; mangez er der gadem erlief Parz 247,3. – als Schlaf-, Ruhegemach: daz gadem, dâ sie lac / die künegîn und slâfes pflac HvFreibTr 2709; Wernh A 4048; Herb 13390; KvWTroj 8497; Rennew 11379. – als Klosterzelle: nû gienc er an eime tage / [...] / vür sant Francisken gaden, / iemitten dô er bette drinne LvRegFr 2087; ez waz ein geistlich wip in eime clostere [...]. einez dagez stunt si in irme gademe und shach hin uͦz durch ein venster HlReg 12,3. – als Gefängnis (oder zu 1 ?): daz im die burger ein gaden gemachet hant, daz er ouch dar inne sol beliben untz an sinen tot StBZürich 19 (a. 1319) (s.a. Anm. z.St.); der [Vogt] hiess in besliessen in ein gaden Seuse 76,16; KvWTroj 23380. – Raum, in dem etwas aufbewahrt wird, ‘Vorratskammer, Lager’ beide gadem unde schrîn / sol dir allez offen sîn Helmbr 837. 853; sus vuort er in in sîn gaden. / dâ sach er kisten wol geladen / bî grôzen schrînen ligen vol [mit Schätzen] RvEBarl 6035; nu giengen si aber in daz gaden / dâ die phelle lâgen StrAmis 1716; HlReg 34,7; mitt der frowen er do gie / in ain gaden hie / da er wol vier und zwainzig bogen vand GTroj 1694    3.3 ‘hoch gelegener Verschlag’ stîget dort hin uf daz gaden! StrKD 159,19    4 ‘Verkaufsraum, Verkaufsstätte, Bude’ swer [am Sonntag] sin gaden vf tvͦt oder sine creme oder sinen kelre, daz er iht drvs verkouffen wil, der ist dem priester fivnf schillinge schuldig SchwSp 154a; swaz fuoter ouch die gädemler koufen, daz sullent sie offenlich veile haben in potigen in den vordern gädemern und niht hin hinder bergen und ûf tiurunge behalten StRMeran 423; alle mezzerer unde alle kramer di ze gadem stant die mugent ir mezzer wol verkaufen einzen unde sament StRAugsb 42,28. 40,24 u.ö.; und sol auch ir dheiner dhein kammer, gewelb noch gaden niht besteen [mieten] hie in der stat NüP 272 u.ö.; WüP 29,4; UrkKlostern 1,274 (a. 1339); StrAmis 1716. under den gademen bezogen auf eine Reihe von Läden oder Werkstätten: nieman sal gewant sniden zv Erforte dan uffe deme vrige [Freigut] vnsis herrin des bisschoffis vndir den gadimen UrkCorp (WMU) 1161A,14; wir Bertolf van Gluele, Johan Hircelin, die meistere sijn der bruͦderscheffe vnder den geddemen [Gilde der Gewandschneider in Köln] ebd. 53,3; WüP 65,4    5 ‘Kasten, Schrein’ vil schœner vrouwen umbe in [Dietrich] saz, / die kurzten ime die stunde. / sî zugen vür in werkes gaden ["bewegliche arbeitspulte oder kasten" DWB 4,1,1,1134] , / sî truogen dar krâm unde laden Virg 207,4; sliuz ûf balde mir daz gadem Neidh SL 21:5,5 (vgl. schrîn, kisten ebd. SL 21:6,1-4, s.a. NeidhWB 81 )    6 bildl. (zu 1 oder 3 ): swer den [Christus] ze hûse haben sol, / der bedarf der tugende wol, / die in des herzen gaden / ûz dem himelrîche in laden LvRegSyon 424; der goͤtlich geist gesicht alle die gaden vnd wonungen der sel [ omnes officinas mentis ] RvBib 99,20; NvJer 55; durchtrechtic wart der gotlich gadem [Maria] / driglestic vunkenricher kunft Frl 7:1,10. – rein umschreibend?: nu hilffet niht, wie vil min kradem / geschryet an ir helffe gaden Minneb 3518    7 Einzelnes    7.1 ‘hohes Gerüst, Gestell’ man lût ûf des karrutschen gadem / die glocken Loheng 5041 (vgl. ein grôze glocke ein karrutsche zôch, / diu dar ûf gemachet was mit bûwe hôch ebd. 5001f. )    7.2 ‘Stall, Stallung’ ûzer deme gademe erz [Alexander das Pferd Buzival ] reit VAlex 321 (vgl. marstal ebd. 261 )    7.3 ‘Lagerstatt’ eines Tieres: in den gadym [ in cubilibus ] , in den do woneten vor trachen, wirt ufgen roris und semden gruende Cranc Jes 35,7    7.4 ein Maß: oder alle ander mesur, wag oder gebicht [...], oder alle andre gebicht vnd gadem StatTrient 143

MWB 2 43,63; Bearbeiter: Bohnert

gademære stM. ‘Zimmermann’ quosdam concives nostros ex opere manuum suarum dictos chudruwanær et quosdam dictos gademær et quosdam cognomento schriͤnær UrkRegensb 32 (a. 1244); suͤmlich unser purigaͤr von ir hantwerche genant chuderwaner [= kurdewæner ] , suͤmlich gademer und ettliche schreinaͤr ebd. 162 (a. 1315)

MWB 2 46,11; Bearbeiter: Bohnert

gädemler stM. ‘Inhaber einer Verkaufsbude oder eines Verkaufsraumes’ (s. gadem stN. 4 ): daz ist daz gesetzede über die gädemler die in die stat ziehent und veile wellent haben StRMeran 425; ouch sol kein burger noch gädemler niht mêr kornes koufen dan er in sînem hûse bedarf ebd. 415. ez sol ouch menniclich, ez sî gastgeber oder gädemler, daz fuoter verkoufen und geben bî einem rehten vierteil ebd. 423. 413. 414. 422. 423. 425. – als Beiname: Cvnrad dem Gedemler UrkCorp 2432,5

MWB 2 46,18; Bearbeiter: Bohnert

gademliute st. Pl. gademman stM.

MWB 2 46,28;

gademman stM. Pl. -liute. ‘Kleinhändler, Inhaber einer Verkaufsbude oder eines Verkaufsraumes’ (s. gadem 4 ): kain burger sol mit kaime gaste kain geselleschaft haben an dem salce [...], kain gadenman [...] sol keinem gaste sin saltz verkaufen StRAugsb 46,11; fur die gadenlude BerufeFrankf 48b (a. 1346). – als Zusatz zu Pers.-Namen: Wolframus Gademannus UrkFrankf 2,82 (vor 1317); Mathias gatdeman BerufeFrankf 48b (a. 1320) u.ö.

MWB 2 46,29; Bearbeiter: Bohnert

gademstat stF. ‘Stelle, Anwesen, worauf ein Stall steht’ (vgl. SchweizId 11,1725f. mit weiteren Belegen): daz herre Ingolt von Spiringen disem kloster hat gegeben ein gaden stat an Ranft, ein gaden stat zir Bvzzen, ein gaden stat ze Leime; dise drie gaden stete hat er dar vmbe gegeben, daz er wil, daz man sin iargzit iêrgelich bigange an dem zehinden tage nah sant Martis tage mit dem zinse so abe disen gvͦtern kvnt UrkCorp 1228,18; uf dem berge sind 5 gadenstette; da hat diu heirschaft das recht, das si umbe mitten oͧgsten nemen sol als das mulchen [Milchproduktion eines Tages] , das in funfthalben tagen in den selben gadenstetten wirt UrbHabsb 1:478,14; UrkEngelb 52,227 (a. 1322). 51,142 (a. 1301)

MWB 2 46,39; Bearbeiter: Bohnert

gademvrouwe swF. ‘Inhaberin einer Verkaufsbude’ (vgl. → gademman); als Zusatz eines Pers.-Namen: Mya gadinvrouwe BerufeFrankf 48b (a. 1326)

MWB 2 46,54; Bearbeiter: Bohnert

gader Adv. gater

MWB 2 46,58;

gaf stN. kaf

MWB 2 46,59;

gaffelstirne swF. zu Etymol. und Bed. vgl. G. Ehrismann, PBB 20 (1895), S. 49. Scheltwort, ‘dreistes, freches Weib’ din antlútz sol nit als der gaffelstirn unschemlich hochtragent sin und [erg. du solt nit ] das hoͮbt hin und her werffen von toͮber laszheit Seuse 481,8; du bösi goffel stirne / der tüfel far dir in din hirne Sibotel 649; SHort 2229

MWB 2 46,60; Bearbeiter: Bohnert

gaffen swV. kapfen

MWB 2 47,3;