Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   enbellec - enblüemen    


enbellec Adj. ‘schräg, quer hindurch’ (Terminus der Heraldik, s.a. bellunge , billungs ; vgl. enbellen ): Lancelot, der sich in den walt verborgen hett, sah sie komen vnd hett ein roten schilt vmb sin hals mit einr wißen barren in bellig [afrz. de bellinc ] LancKarr 210

MWB 1 1592,56; Bearbeiter: Runow

enbellen Adv. ‘quer über, quer hindurch’ (Terminus der Heraldik; wohl zu afrz. en belin(e), vgl. Rosenqvist 2,230f.; s.a. enbellec ); nur WhvÖst in Beschreibungen von Wappen: von siden riche swengel / sah man da dem banier bi; / silber wizzer lewen dri / da durch gestrecket warn / enbellen WhvÖst 16824; ain banier [...], / durch daz sich ain wurm bog / in bellen nach des wapens kri ebd. 14571 u.ö.

MWB 1 1592,62; Bearbeiter: Runow

enbërn stV. 1 ‘nicht oder zu wenig haben, ohne etw./ jmdn. sein’ , meist mit Gen., vereinzelt mit Akk. ( PrBerthKl ; Mechth )
1.1 von Sachen und Abstrakta
1.2 auf Personen bezogen
2 ‘verzichten (können) auf, (gut) auskommen ohne’
2.1 von Sachen und Abstrakta
2.2 von Personen
3 ‘etw. nicht tun, unterlassen; von etw. abstehen’
3.1 unverneint
3.1.1 mit Gen.
3.1.2 mit negiertem Obj.-Satz. ‘auf etw. verzichten’
3.2 niht/ niene ~ wellen/  mügen ‘nicht auf etw. verzichten, etw. unbedingt wollen’
3.2.1 mit Gen.
3.2.2 mit Akk.
3.2.3 mit Obj.-Satz
3.2.4 ohne Obj.
   1 ‘nicht oder zu wenig haben, ohne etw./ jmdn. sein’, meist mit Gen., vereinzelt mit Akk. ( PrBerthKl ; Mechth )    1.1 von Sachen und Abstrakta: swie gar ich nû ir hulde enbir, / [...], / sî müese ir zorn allen lân / und mich in ir herze legen Iw 1634. 6811; swelich man dar quam / vnd die spil vernam, / mochte man der stat enporn han, / er hette immer da gestan Herb 9320; wa wart iͤ creature so erhaven, / [...], / dat si godes muͦder hiͤz ind were / ind doch des magtduͦms niͤt enbere? MarlbRh 60,36; der enbirt / des gelouben, der ist verlorn / und zuo der helle geborn KvHeimUrst 1156; div chleinen chindelin, div vntauft von hinnan schæident, div mvzzen gotes antlutz enbern PrBerthKl 3,44; Tr 19371; Eracl 1705; EbnerMargBr 63,17. – mit Ersparung des Obj.: eigenlîcher nimet man got enbernde dan nemende Eckh 5: 23,8    1.2 auf Personen bezogen: waz sol ich, swenne ich dîn enbir? Iw 1466; ei wiͤ arm is he, de sin [Gott] enbirt! MarlbRh 103,14. 121,10; wie sol ich dich, lieb, alsus lange enberen? Mechth 7: 31,10; ReinFu K,431. – ‘jmdn. vermissen’ morgine, so man sin inbirt / vnd bi mir vundin wirt, / so sprech ich daz ich in hab irslagin / vnd zuͦ mir in daz hol getragin Athis A 81; der wirt [...] hiez si [seine Frau] her zuo mir gân, / [...] / swie er ir dort enbære Craun 1224    2 ‘verzichten (können) auf, (gut) auskommen ohne’    2.1 von Sachen und Abstrakta: der prister [...] wolte der habe niht enpern Herb 15871; Wig 3239; liep haet ich gerne, leides enbaere ich wol MF: Mor 11a: 3,4; swanne min herre [...] vnsers dienstes enberen wolt UrkCorp (WMU) 2180,35; der ist vil sæliger, der aller dinge mac enbern und ir niht enbedarf, dan der alliu dinc besezzen hât mit nôtdurft Eckh 5: 300,6; Parz 521,7; UvZLanz 7776. der werlde und ir wunne enpir [entsage] , / daz ist dir êwiclîche guot LvRegSyon 346    2.2 von Personen: ich wil aller der enbern, die mîn enbernt MF: Reinm 17: 3,1. 25: 5,7; der tumben man dâ wol enbirt KvHeimUrst 1328; du solt mir des gelouben, / daz ich kûme dîn enbir [es kaum ohne dich aushalte] KvWLd 15,58; dis ertrich mag din [Maria] noch nit enbern Mechth 3: 23,15; Tr 19545; UvZLanz 2771    3 ‘etw. nicht tun, unterlassen; von etw. abstehen’    3.1 unverneint    3.1.1 mit Gen.: iwers diens wil ich enbern: / ich ensol niwan hulde gern Parz 554,15; mir entouc niht zenberne / swes ir an mich gesinnent UvZLanz 516; wachter, dîns sangis imbir, / unz daz âne zwîvel komn sül der tag SM:Had 33: 2,9; so twinget liebe mîn gemüete, / sô daz ich des niht enber, / ich enhabe vür guot, swaz si mag an mir begên SM: UvS 15a: 3,4; vil dicke von heimlîch geschiht / daz [d.i. daz, des ] man vil wol enbære, / ob diu heimlîch niht enwære PleierTand 3303; Lanc 361,20. welt ir uns iuwerr helfe wern, / so muge wir trûrens wol enbern [sein lassen] Wh 247,22    3.1.2 mit negiertem Obj.-Satz. ‘auf etw. verzichten’ vrischez obez enbere / wol, daz ein obez von vuler art bi im nicht enwere Frl 5:35,10    3.2 niht/ niene ~ wellen/  mügen ‘nicht auf etw. verzichten, etw. unbedingt wollen’    3.2.1 mit Gen.: nv er es niht wil enpern, / so svllen wir in des gewern Herb 12309; dû solt mich einer bete gewern, / dern wil ich niht von dir enbern Tr 3368; ich mohte niht der rede enbern RvEBarl 11870; Eracl 1819; Iw 4444    3.2.2 mit Akk.: ab he iz nichit inperi wil Mühlh 99,21. 174,10; wil ez der voget niht enbern UrkCorp (WMU) 1953,31    3.2.3 mit Obj.-Satz: daz her doch niene wolde intberen / daz her sine brudere bete / daz sie die gnade teten / mit ir gebete ingegin gote Ägidius 1614. – mit konjunktionslosem konjunktivischen Satz (mit oder ohne Negation, vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 147,3): do enwolt vrowe Ade niht enbern, / siu enfüer mit ir gesellen UvZLanz 2812; vnd [der vitztum ] wolt niht enbern, man solt daz reht des ersten dar vmb sprechen UrkCorp (WMU) 2284,18; PrStPaul 106,5    3.2.4 ohne Obj.: vindet ein man urteile, unde wirt si im widerworfen, unde si ist niht reht, wil der rihter niht enbern unde ener [jener] dem diu urteile schade was, si sprechent in wol dar umbe an SpdtL 199,6

MWB 1 1593,7; Bearbeiter: Runow

enbesten swV. 1 ‘etw. abstreifen, entblättern’
1.1 mit Gen.-Obj.
1.2 refl.
2 jägerspr. ‘enthäuten, abziehen’ (vgl. bast 3 )
   1 ‘etw. abstreifen, entblättern’    1.1 mit Gen.-Obj.: sin herze was versnitten / mit des zornis strale / und hiez alda zemale / die heren maget engesten [entkleiden] / ir cleider vnd enbesten / ir reines libes gewande [Gen. Pl.] Martina 108,108    1.2 refl.: so wart daz grune loub / in kurzen ziten also toub, / daz ez sich von den esten / zumale muste enbesten HeinzelRitt 16    2 jägerspr. ‘enthäuten, abziehen’ (vgl. bast 3 ): man enbestet dâ den hirz Tr 2813; vil kündeclîche enbaste er / beidiu sîniu hufbein ebd. 2898 u.ö.; ich tuon ein hût von einem rinde enbesten Kolm (B) 119,13 (¹KonrW/7/509)

MWB 1 1594,26; Bearbeiter: Runow

enbicobe stSubst. eine Stoffart (s.a. cambicolor ): hutten und gezelt, / di waren reich von samitt, / enbicobe und capit HvNstAp 3630

MWB 1 1594,39; Bearbeiter: Runow

enbieten stV. ‘(jmdm.) etw. (Nachricht, Botschaft, Auftrag, Gruß etc.) ausrichten, zukommen lassen’, häufig mit Dat.d.P. und Akk.d.S. bzw. Obj.-Satz.; durch präp. Erg. mit kann der Überbringer gekennzeichnet werden, vgl. z.B.: bî [durch] deheinem andern boten / wolde si iuz enbieten Wig 1754; eine präp. oder adv. Erg. zur Angabe der Zielrichtung kann das Dat.-Obj. präzisieren oder ersetzen, vgl. z.B. waz der dô sînen friunden hin ze Rîne enbôt, / daz ist mir niht gewizzen NibB 1427,3; al daz ich dar enbiete, des sult ir niht verdagen ebd. 734,2 1 ‘eine Nachricht/ Botschaft überbringen lassen; etw. ausrichten (lassen)’
1.1 häufig in Grußformeln ‘jmdm. etw. (gute Wünsche, Segen etc.) wünschen, ausrichten’
1.2 ‘etw. bestätigen, versichern’
2 ‘etw. ankündigen, verkündigen’
3 ‘etw. (untertänig) anbieten, zusichern’
4 ‘etw. gebieten, zu etw. auffordern’
   1 ‘eine Nachricht/ Botschaft überbringen lassen; etw. ausrichten (lassen)’ er inbôt sînem bruoder alle sîne nôt, / in welihemo leide er wâre mit sînem ôheime zweinzich jâre Gen 1487. 2493; Kartanensen er enbôt, / sie ne chômen unt wurden ime undertân, / er hiez si alle an daz crûce slahen VAlex 651; den sînen konemâgen enbôt er an den Rîn, / er wolde harte gerne dâ z’ir hôchgezîte sîn NibB 763,3; daz enbôt er in den palas Parz 813,23; diu vrowe enbôt ir mannen / bî dem abbte zehant, / daz si burc unde lant / behielten wol nâch êren UvZLanz 4638. 5488; UrkCorp (WMU) 2138,31    1.1 häufig in Grußformeln ‘jmdm. etw. (gute Wünsche, Segen etc.) wünschen, ausrichten’ edile keisir Constantin, / dir intbutit din muͦter holden muͦt, / heil unde allis liebis gnvͦc TrSilv 474. 530; vnserm getriwen vrivͦnt [...] enbivt ich [...] vnser gebet mit ganzzen triwen UrkCorp (WMU) 761,7; wir Rudolf von gots genaden pfalenczgraf bi dem Rein vnd herczog ze Bayern enbieten [...] dem rat der stat ze Nuͤrenberg vnsern gruͦz vnd allez guͦt ebd. 2370,41; GrRud βb 22; Rol 734    1.2 ‘etw. bestätigen, versichern’ und sol auch der rihter ze hof enbieten uff sinen aid, daz diu anlaitin geschehen si aun gevaerde mit sinen offenen briefen MGHConst 4:30,33 (a. 1298)    2 ‘etw. ankündigen, verkündigen’ ez ist zweierleie wizzen in disem lebene des êwigen lebens: daz ein ist, daz ez got dem menschen selber sage oder ez im bî einem engel enbiete Eckh 5: 240,3; do wolte er in aller erste enbietin sine kvnft Spec 6,9. – mit präp. Erg. zur Angabe des Empfängers: Perses [...] inbot sin uolcwich in daz Krich lant Elmend B 154. – mit Übergang zu 4: der engel chünigîn / sol über drî tage vervarn, / ir bivilde sul wir bewarn. / alsô hât uns got enboten / bî Gabriêle sînem boten KvHeimHinv 453    3 ‘etw. (untertänig) anbieten, zusichern’ si enbietent dir die toufe, / den cins uon ir houbte Rol 739; ih enbôt ir [der Amazonen] kuninginnen / mîne holde minne SAlex 6473. – häufig dienest ~ : die enbuten alle ir dienest in Sîfrides lant NibB 737,2. 1497,3; er enbôt ze Löver in daz lant / Artûse unt des wîbe / dienst von sîme lîbe Parz 625,16; sîn herze enbôt sîn dienst dâ her / der küneginne ebd. 650,1; SAlex 5529; ReinFu K,1873; Wig 10028. al diu werlt [...] diu enbiete [richte, wende] niuwan ôre her, / betrahte und sehe daz wunder an Tr 9222    4 ‘etw. gebieten, zu etw. auffordern’ ze Kalabre er enpôt, / daz sim hulfen zû der nôth VAlex 599; so sol er [der Richter] dem selben lantmanne enbieten, daz er soliche missetat bezzere UrkCorp (WMU) 372,37; haben wir entboten disen brief schreiben DRW 2,1541 (SteirGBl.; a. 1298); Rol 2025; Parz 731,13; StRAugsb 93,12. – mit Ersparung des Akk.-Obj. oder Ersparung eines Nebensatzes (vgl. 2DWB 8,1348): Merses [...] inbot sinem volke in daz Crichinlant [kommandierte sie nach Griechenland] Elmend A 154

MWB 1 1594,42; Bearbeiter: Runow

enbildelich Adj. ‘aller Bildhaftigkeit entledigt’ wan aber dú sele von dez sweren libes krankheit dem lutern guͦt in entbiltlicher wise [ohne Phantasiebilder, in rein geistigem Schauen, s. Anm.z.St.] nit mag blosseklich alle zit an gehaften, so muͤsse si etwas biltlichs haben, daz si wider in leite Seuse 391,2

MWB 1 1595,48; Bearbeiter: Runow

enbilden swV. ‘jmdn. seiner gewohnten Erscheinung entledigen, berauben’ wer hât gelêret dich den list, / daz dû bist sus enbildet? / dîn antlitze ist erwildet / der forme UvTürhTr 2385. – meist in myst. Texten: und dar umbe, als sich der mensche mit minne ze gote blôz vüegende ist, sô wirt er entbildet und îngebildet und überbildet in der götlîchen einförmicheit, in der er mit gote ein ist Eckh 2:278,5; der sehste grât ist, sô der mensche ist entbildet und überbildet von gotes êwicheit ebd. 5: 112,19 u.ö.; Tauler 68,39. 159,22. – mit Refl.-Pron.: her umbe sol der mensche gar vlîzic sîn, daz er sich entbilde sîn selbes und aller crêatûren Eckh 5: 12,22; Tauler 257,34

MWB 1 1595,55; Bearbeiter: Runow

enbinden stV. 1 ‘jmdn./etw. losbinden, aufbinden, befreien’
2 übertr. ‘jmdn./etw. (von etw.) erlösen, befreien’
2.1 meist mit präp. Erg., überw. von , vereinzelt ûʒ
2.1.1 bes. bei Liebenden, von sorgen/ herzeleit/ nôt etc.
2.1.2 ‘jmdn. (von Sünden) freisprechen, Absolution erteilen’
2.1.3 in der Paarformel binden unde ~
2.2 mit Gen.d.S.
3 bildl.
3.1 ‘etw. lösen, lockern’
3.2 ‘etw. beenden’
3.3 bezogen auf die Geburt
3.4 ‘(jmdm.) etw. erklären, verständlich machen, Aufschluss über etw. verschaffen’
   1 ‘jmdn./etw. losbinden, aufbinden, befreien’ den scatz den wir funten duo wir unsere secche enbunten, / den brâhte wir widere ze mînes hêrren chamere Gen 2340; dâ hieng ich [Gunther] angestlîchen die naht unz an den tac, / ê daz si [Kriemhild] mich enbunde NibB 650,2; der vuchs dô zuo dem slangen sprach, / do er in als gebunden sach: / ‘enbint dich selben; nicht enbît [...]!’ Boner 71,49; En 8243; Eracl 1195. – mit Dat.d.P.: so sal min umi sieni hendi zu rechti inpindi Mühlh 112,6; dîniu bant ich dir enbinde / dâ mite dû gebunden wære KvHeimHinv 790; die vrouwen im enbunden / die riemen alle sâ zehant Wig 2739. 7992. – refl. ‘sich lösen’ dô sich diu starke wide enbant / und im enbunden wart sîn hant Wig 6508    2 übertr. ‘jmdn./etw. (von etw.) erlösen, befreien’ Helena die daz cruce uant / dar got die werlt ane intbant / nach der ufferstande Roth 4404; [der] heilant, / der allez manchunne enbant SüklV 22; wol mir iemer me, so bin ich denne entbunden! Mechth 7: 35,40; minne, mîn dich underwint, / [...]. / nu bint die guoten oder mich enbint KLD:GvN 2: 4,3; SM:HvS 5: 3,3. 1: 22,3. – mit Refl.-Pron.: tuon ich niht den willen dîn, / sô hâstû dich enbunden wol / und muoz ich eine schuldic sîn Winsbeckin 12,9. – die Seele ~ ‘in Freiheit (vom Leib) setzen’ (euphem. für ‘sterben’): dim knecht geruͦch sin lon geven, / als he wandelt dit dötlich leven! / du [Maria] muͤzs in bedenken in der stunden, / als sin sele wirt entbunden! MarlbRh 133,6; ein mensche begerte lange úber alle gabe und úber alle pine, das got sine sele entbunde mit eime heligen ende Mechth 7: 16,3; hierher auch: ob mich der tôt enbindet Wh 68,22. – rechtsspr. ‘(von einer Verpflichtung) freisprechen’ wenne die selben zwo persone ersterbent, so sin wir embunden und lidig, diz lipding fúrbaz ze werenne old ze richtenne UrkBern 5,166 (a. 1320)    2.1 meist mit präp. Erg., überw. von, vereinzelt ûʒ: got der sende an mînen leiden man den tôt, / daz ich von dem ülven [alberner Mensch, Tölpel] werde enbunden! MF:Reinm 64: 3,2; von ungemache / uns hât enbunden iuwer hant KvWSchwanr 1265; so wart die magt besant / vnd dar braht so zuhant. / der rat sie von der klage entbant Krone 25672. – mit Refl.-Pron.: von den groszen arbeiten, / [...] man sich entbinden / nit enmöhte Krone 27299. [Christus] wart versêret und du [Maria] swanger durch den menschen funden: / der liebe urkünde sol uns dort von leide tuon enbunden KvWLd 32,43    2.1.1 bes. bei Liebenden, von sorgen/ herzeleit/ nôt etc. ~ : dîn lachen mich enbinde / von den sorgen KLD: GvN 3: 2,11. 33: 2,8; SM:JvW 1: 3,2; wil sî mich niht von herzeleide enbinden, / daz kan ich âne tôt niht uberwinden SM:WvT 4: 3,6; von herzesêre enbinden RvEBarl 11797    2.1.2 ‘jmdn. (von Sünden) freisprechen, Absolution erteilen’ uor gote birt ir inbunten / uon allin werltlichen sunden Rol 3931; ûz niuwen sünden uns enbint! KvWLd 1,157; ain iegleich pâbst oder priester, der dâ zuo geweiht ist, daz er enpinden mag den sünder von allen seinen panden BdN 217,8; AvaLJ 85,2; TrSilv 246; PrMd (J) 354,27    2.1.3 in der Paarformel binden unde ~ : vnd von der gewalt der heiligen vursten von himelriche sancti Petrj et sancti Pauli, an der stat wir gewalt haben, di svndere binden vnd enbinden von irne svnden, so geben wir allen den, die dc crvce enpfahent [...], applaz aller der svnden UrkCorp (WMU) 93,3. – auch ohne präp. Erg.: man sol in [den Papst] lân geniezzen, daz er wol die kristenheit / mag binden und enbinden SM:We 1: 1,6. – und mit Ersparung des Obj.: sie [Priester] hant gewalt ze enbindende vnde zuͦ bindende Lucid 89,1; von priester wirde vindet man in dem tempel grales / wie er bindet vnd enbindet JTit 6143a (App.)    2.2 mit Gen.d.S.: ich wil uns des enbinden Parz 717,18; swelch meister wêre, / der in der note enpunde / [...], / den wolt er wol ergetzen StrKD 2,7; Rennew 15415    3 bildl.    3.1 ‘etw. lösen, lockern’ do daz chint [Johannes] wart besniten [...], / an den selben stunden sin zunge wart enbunden AvaJo 12,2; dû kanst herzeleit vertrîben / und enbinden sorgen bant SM:St 2: 2,4; sî hât mir den strik noh niht enbunden / und die wunden ungeheilet SM:Ta 2: 5,5; SM:HvS 4: 2,1; in trunkenheit wirt manig sache enbunden [aus der Verschwiegenheit gelöst (FrlWB 79)] Frl 9:7,10; Rennew 32291. – refl.: owê, mîns hertzen wunden enbunden sich hânt [sind aufgebrochen] , / die mir wân [l. wâren ] verheilet SM:Tu 5: 1,1    3.2 ‘etw. beenden’ obe ir rôter munt mir gunde daz sîn kus die nôt enbunde KLD:GvN 16: 3,2; wolde fröide sorge enbinden, / sît daz fröide ie sorge enbant, sô wurd ich von sorgen frî ebd. 6: 1,9; ein wîp ich gesehen hân, / ist diu niht ân wandel gar, / sô wæn ich lange irre var, / ê ich mîn frâg [mein Nachfragen] enbinde, / daz ich die rehten vinde Helbl 1,1171. eit/ gelübede ~ ‘einlösen, erfüllen’ des han ich mine truwe gegeben. / wellent siz denne wider reden, / [...], / minen ait ich enpinde Rol 2798; din geluͤbde solt du enbinden Rennew 5043    3.3 bezogen auf die Geburt: ich sach [...] ein vrouwen [Maria] , die was swanger. / [...] sie wolte wesen enbunden [von Kindesnöten befreit (FrlWB 79)] Frl 1:1,5; von dem engel nit wart vermiten, / er entroste sie zu hant, / sa daz er von noͤten sie enbant, / und des kindes sie genas Rennew 32612    3.4 ‘(jmdm.) etw. erklären, verständlich machen, Aufschluss über etw. verschaffen’ juncherre, nu ruͦche uns enbinden / ob du bist von hoher art Rennew 17832; sol ich ditz den kunden untbinden Brun 2767; kein tor entbint die glose [kein Narr kann die Geheimnisse der Natur erklären (FrlWB 79)] Frl 7:41,19; Pilatus 1,145. Orias de wort entbant [verkündete] , / hey heysch den sperwer weder KarlGalie 11976

MWB 1 1596,5; Bearbeiter: Runow

enbinnen Adv., Präp. auch inbinnen, selten enbinne. ‘innerhalb, innen, in’ 1 Adv.
2 Präp.
2.1 lokal (meist mit Dat.)
2.2 direktional mit Akk. ‘(hinein) in’
2.3 temporal mit Dat.
   1 Adv.: dô ich ir ougen unde munt / sach wol stên und ir kinne, / dô wart mir daz herze enbinne / von sô süezer tumpheit wunt MF:Veld 1:3,5; etteswa hie enbinnen, / in turmen oder in zinnen Herb 9851; ein mantil wol mit sinnin, / bezogin wol inbinnin / mit herminin uedirin Athis D 142; Mechth 7: 48,17; En 10257. – in der Paarformel enbûzen unde ~ : si [die Lilie] is wiz enbuzen ind enbinnen MarlbRh 127,17; die burgere, die [...] uzer irme rechte sin gedain, die suͦlen vort me in iren renten inde erue sitzen in buzen inde enbinnen UrkCorp (WMU) 61,45    2 Präp.    2.1 lokal (meist mit Dat.): di gotis kint, / di enbinnen diser mûren sint SAlex 6912; als Iohannes hat beschriben / [...] / enbinnen dirre lere Pass I/II 58,50; enbinnen lande UrkCorp (WMU) 83,5; in binnin der stat ebd. 255,36; TrSilv 59. – ~ jmds. brôte sîn ‘zur Hausgemeinschaft gehören’ ein man der mac sinen son wol vz zen [ziehen] [...], der in binnen sinem brote ist UrkCorp (WMU) 2265,45. – mit Gen.: dit sint diͤ wort, diͤ bit sim geiste / got, aller wisheit aneginne, / lerd enbinnen dins herzen sinne MarlbRh 76,26    2.2 direktional mit Akk. ‘(hinein) in’ vort so sal vͦnse herre von Kolne [...] enbinnen die stat [...] senden den proist van Achge UrkCorp (WMU) 83,34; dit koren [Korn, Getreide] [...] suͦlen wir der [...] vrouwen gelden inde antwerden aller iarlichs [...] ze Colne in binnen die stat ebd. N223,10    2.3 temporal mit Dat.: des solen wir sagen vnsen wille in binnen zuein mainden UrkCorp (WMU) 61,35; in binnen fvnf iaren ebd. 1000,20

MWB 1 1597,58; Bearbeiter: Runow

enbir Subst. zu enbërn . ‘was man nicht hat’ irbarmen, vride ist ir [sündhafter Menschen] enpir HeslApk 23066

MWB 1 1598,27; Bearbeiter: Runow

enbîten stV. 1 ‘warten, zögern’
2 ‘auf etw./ jmdn. warten, etw./ jmdn. erwarten’
2.1 mit Gen.
2.2 mit Obj.-Satz
   1 ‘warten, zögern’ hie enbitens ouch nimêre: / Tristan und sîn vriunt Rûal / die schiffeten [...] heim wider ze Parmenîe Tr 5172. 2466; niht enbîtet, / zû dem her ir rîtet / und sêt, daz sie unfûgen niht Kreuzf 845. 3876    2 ‘auf etw./ jmdn. warten, etw./ jmdn. erwarten’    2.1 mit Gen.: dâ [in der einœde ] sol ich zallen zîten / sîner [Christi] gnâde enbîten LBarl 569; ist daz ich under wegen sî / vier tage oder drî, / zehant enbîtet mîn nimê, / entrinnet wider über sê Tr 8721; dône chunden die argen schalche niht / der rehten zît enbîten KvHeimUrst 261; MarlbGr 539; Serv 3501. ôwê wie kûme ich des enbîte! [ich kann es kaum erwarten] Eracl 892. nû vernemt [...], / wâ got vor allen tagen was / und vor aller geschefte: / [...] / in im selben er was. / enbor truoc in sîn gotheit. / owê, wie sanfte er enbeit / dirre werlde gruntveste! [s. Anm.z.St.: ‘wie bequem kam er doch ohne diese Welt aus’ (wörtl.: ‘konnte er auf die Schöpfung dieser Welt warten’)] Aneg 96    2.2 mit Obj.-Satz: ia enbait er uil chume / daz er Turpin uant Rol 4382

MWB 1 1598,30; Bearbeiter: Runow

enbîʒen stV. auch inbizen (vgl. ínbîʒ ); sw. Prät. EvBeh Lc 11,37. 1 intr. ‘essen, eine Mahlzeit zu sich nehmen’
2 mit Gen.-Obj. ‘Nahrung (Essen und/ oder Trinken) zu sich nehmen, (von) etw. kosten’
3 in der Wendung enbizzen sîn ‘gespeist haben, verköstigt sein’
   1 intr. ‘essen, eine Mahlzeit zu sich nehmen’ des anderen tages dô man enbaiz, / dô brâht er si, gotewaiz, / ze hove Kchr 11948; snellîche dâ enbizzen wart Parz 803,27; daz ich dem botten ze enbîssenne geben sol, der mir den zins da bringet UrkCorp (WMU) 2654,40; kuͦmit und inbizzet! EvBeh Io 21,12; NibB 944,2; StatDtOrd 32,22. dô bat en etlîcher Pharisêus daz her inbizzete bî ime EvBeh Lc 11,37    2 mit Gen.-Obj. ‘Nahrung (Essen und/ oder Trinken) zu sich nehmen, (von) etw. kosten’ duo bevalech got deme manne [...] daz er sîn ouge chêrte von eineme boume, / noch des inbizze des dâ ûfe wuohse Gen 279. 388; swanne ein brûder beginnet zu sîchene, sô mac er uffe sînem bette zu drîn mâlen ezzen unde doch alsô, daz er dâ vleisches, eiere, keses, vische unde wînes iht enbîze StatDtOrd 68,25; ich enbeiß nie eßens noch trinckens dort innen Lanc 469,6; KvWHerzm 445. ich sag eu daz ze war daz ir deheiner miner wirtscheft enbizzet [Lc 14,24: gustabit coenam meam ] die her geladen waren PrOberalt 121,20; der [ napf vol wines ] was vil heiz. / do des der arm man enbeiz, / do bruͦt ez in an den munt StrKD 62,24; der allerpeste / prunne deß ye man enpayß HvNstAp 18005; Kchr 7556; Tr 11458. – mit Akk.-Obj. (?): der marcrâve alêrst enbeiz / gâhes pitît mangeiz Wh 103,23    3 in der Wendung enbizzen sîn ‘gespeist haben, verköstigt sein’ er was noch nicht enbizzen ReinFu K,861; dô si enbizzen wâren, si wolden dannen varn NibB 1688,1; des morgens, so der voit enbizzen ist vnd an sin gerihte sitzet, so sal er von erst rihten vber alle die clage der schultheizen UrkCorp (WMU) 29,30; Parz 45,20. – übertr.: sæch aber ich die stunde, / daz mir von ir munde / wurt ein küssen, wol wær ich enbizzen! SM:Ro 8: 1,10

MWB 1 1598,52; Bearbeiter: Runow

enblæjen swV. refl. ‘abkoten’ welch ros won dem futir ist czu rehe [starr] , daz bleit sich unde kerit alle vire of. dem sal man seyfe in den lip stoßen: zo enbleit is sich Albrant 3,25

MWB 1 1599,25; Bearbeiter: Runow

enblanden stV. 1 ‘jmdm./ sich etw. zur Aufgabe machen, auferlegen, aufbürden’
1.1 mit Akk.-Obj.
1.2 mit Gen.-Obj.
1.3 mit Obj.-Satz
2 in Wendungen
2.1 ëʒ dem lîbe/ den (armen unde) handen ‘sich anstrengen, etw. in Angriff nehmen’
2.2 den ougen/ den handen etc. jâmer/ leit (o.ä.) zum Ausdruck von Trauergesten (Weinen, Kleider vom Leib reißen, Händeringen)
3 als Part.-Adj. ‘mühselig, widerwärtig, lästig’
3.1 in der Verbindung ~ wësen ‘sich bemühen’
3.2 in der Wendung sich etw. ~ lâʒen (wohl elliptisch für ~ sîn lâʒen ) ‘etw. mit Eifer betreiben’
   1 ‘jmdm./ sich etw. zur Aufgabe machen, auferlegen, aufbürden’    1.1 mit Akk.-Obj.: der ditze hât getihtet, / [...] / er heizet Wirnt von Grâvenberc. / der werlte ze minnen / enblient erz sînen sinnen Wig 143; ob [...] si iender dehain arzât vunde / in allen den landen, / der im [sich] daz wolte inblanden, / ob er ir hêrren mahte gehailen Kchr 12422. 11557; got eine mac iu helfen hin, / ob er imz enblanden wil: / wand im ist nihtes ze vil Iw 6343; der knabe enblient dem rosse daz / (mit sporn ruorte erz deste baz) / daz ez deste wîter spranc Bit 2953; JTit 3741,4    1.2 mit Gen.-Obj.: misch daz allez ze samen unde soufe daz siben tage [...]. mügestû dir des niht enblanten, sô nim louterz regenwazer [...] und trinchez Barth 158,7; ee nün dye lerer ain not / litenn in fromden landenn / und in predigens da enplanden, / sy peleibent hie haim pey mir Märt 9748; dez wold er in nicht enplanden Teichn 40,65    1.3 mit Obj.-Satz: wie mugt ir iu enplanden / daz ir so ungelaubehaft seit? GvJudenb 3480; möht ich dâmit bringen / mîn sun ûz den banden, / darumb ich mir enplanden / wolt, daz ich immer arm wære Ottok 4982    2 in Wendungen    2.1 ëʒ dem lîbe/ den (armen unde) handen ~ ‘sich anstrengen, etw. in Angriff nehmen’ noch muoste erz enblanden / grimme den handen, / esn wære anders niht geschehen Er 2688; wir müezenz starke enblanden / den armen unde den handen Iw 6391; swer mit schilt sich decken wil vor schanden, der sol ez dem lîbe wol enplanden KLD:UvL 38: 4,2. 16: 2,1; iwer iegelicher wirt ein helt, / ob irz dem libe enblanden welt TürlArabel *A 23,4. einen [Räuber] er [Erec] schiere / ouch tôten von dem rosse stach / unde daz sîn sper zebrach. / dô enblient erz dem swerte [kämpfte mit dem Schwert weiter] Er 3396    2.2 den ougen/ den handen etc. jâmer/ leit (o.ä.) ~ zum Ausdruck von Trauergesten (Weinen, Kleider vom Leib reißen, Händeringen): si begunde ir leit enblanden / den ougen unt den handen KvFuss 2151; Swämmelîn [als Überbringer der Todesbotschaft] anders niht ensach, / wan mit wintenden handen / den jâmer vaste enblanden / den ougen und der waete KlageC 3760. ëʒ den ougen/  handen ~ : swaz in [den Frauen] ze leide geschiht, / dâ wider tuont die guoten niht, / wan daz siz phlegent enblanden / ougen unde handen / mit trehenen und mit hantslegen Er 5766; dâ wart geweinet unt geschrît / ûf dem palase wît: / daz volc von drîzec landen / möhtz den ougen niht enblanden Parz 231,26    3 als Part.-Adj. ‘mühselig, widerwärtig, lästig’ der hunger wuohs ze Rôme in dem lande, / daz jâr wart harte enblanden, / daz liut hête michel ungemach Kchr 10402. 14127 u.ö.; der kampf dûht in enblanden UvZLanz 2087; unser leben ist enblanden, / suͤl wir ez lange liden Rennew 684. 30862. – mit Dat.d.P.: wurde iz in enplanden, / des fruͦte sich min sele Rol 2450. 7987; ir [der Seelen] leides was genuoc, / man was in vaste enblanden [quälte sie sehr] Tund 1131; Gâwâne wart enblanden / daz er den swæren schilt getruoc Parz 567,4    3.1 in der Verbindung ~ wësen ‘sich bemühen’ nuo wis niht enblanden, / daz verdiene ich gern ze aller zît UvZLanz (K) 2472    3.2 in der Wendung sich etw. ~ lâʒen (wohl elliptisch für ~ sîn lâʒen) ‘etw. mit Eifer betreiben’ lât iu den reien wol enblanden [tanzt nach Kräften!] Neidh (HW) 13,23; si liezen in strit enblanden [Anm.z.St.: ‘sie ließen den Streit mühselig werden (strengten sich sehr an)’] Rab 441,1 u.ö.; wie daz wurd understanden, / daz liez er im enplanden, / daz daz geschæhe mit îlen Ottok 22997; Kudr 718,4. – mit präp. Erg. anstelle des Obj.: swaz herren mohten gesîn / in Swâben oder an dem Rîn, / die schuofen nâch ir muote / mit des rîches guote. / ouch liezens in enplanden / in welhischen landen [bemühten sich, ihren Einfluss in Frankreich auszuweiten] / nâch keiser Fridrichs tôt Ottok 113

MWB 1 1599,29; Bearbeiter: Runow

enblâsen stV. ‘anblasen, blasend entfachen’ dar vnder hiezen sie machen / fur [...]. / do enwolde ez vnden noch obe / brinne [...]. / sie waren im vil vaste mite, / daz sie ez enpliesen Herb 15760. – übertr.: daz sint die ubelin blasbelge des ubilin smides des tuvelis die entblasin den zorn PrLpz (L) 140 (Glossar. s.v. blâsbalc)

MWB 1 1600,43; Bearbeiter: Runow

enblecken swV. selten Prät. -blahte ( Helbl 4,417). 1 tr.
1.1 ‘etw./ jmdn. entblößen, aufdecken’
1.2 mit präp. Erg., hier mit Refl.-Pron. ‘etw. ablegen’
1.3 bildl.
1.4 ‘etw. zu erkennen geben, zeigen’
2 refl. ‘sich zeigen, zutage treten’
   1 tr.    1.1 ‘etw./ jmdn. entblößen, aufdecken’ mit manegem dicken umbevanc / was ir antlütze verdecket / und niht ze sehen enblecket Parz 778,30. 818,22; er enplect daz houbet über al / unde zeigt, dâ er was kal Ottok 87184; der den vater decket / do er lag und waz enplecket, / da sint edel luͤt von worden Teichn 517,18; owê daz nû der selbe list [das Verhalten der Aspis, sich die Ohren zu verschließen] / niht mangen herren decket, / der bœser rede sîn ôre enblecket [sein Ohr öffnet für …] KvWLd 25,9; KvWPant 1605. – von den Zähnen: an allen disen dingen sol sich der gaischlich mentsche flisseklich huͦten [...]: lachen ane zen embleken; sehen ân ogen steken [starren, fixieren] ; reden ân hende streken PrGeorg 334,7 als Drohgebärde ‘blecken’ ez ist noch ein bewæret dinc, / sô man den fremden hunt ze vil / streichen unde triuten wil, / daz er enblecket sînen zan KvWEngelh 3537; [der Hund] enblaht die zend unde grein Helbl 4,417; KLD:Schulm 2:2,11    1.2 mit präp. Erg., hier mit Refl.-Pron. ‘etw. ablegen’ wan er [der Mensch] hât der sunden dorn / alsus an sich gestecket / und hât sich ouch enblecket / von der wirdekeide Erlös 500    1.3 bildl.: diz sint diu goukel hüetelîn / mit den der tiufel unkust bedecket, / die er doch hin nâch enblecket Renner 4074; si künnen ir schande wol bedecken / und ein kleine unzuht enblecken / eins andern und gar wîten ströuwen ebd. 22592. [Der Körper verhüllt die Seele wie eine Wolke die Sonne] were aber der wolke davon entplecket [weggezogen] , / so hette die sele so clar gesichte Pilgerf 6014    1.4 ‘etw. zu erkennen geben, zeigen’ daz wolde dir entecken / der alle dinc entplecken / kan mit siner ceswen hant / die dir waren umbekant Daniel 748; do wart ir vreud enblecket in sunnen varwer glenze JTit 165,1. – übertr. ‘etw. bloßstellen, bekanntmachen’ der schilt ist ein dach daz niht schande kan decken. / sîn blic [Blitzen] læt enblecken an êren die weichen KLD:UvL 16: 4,4; swer sines bruder missetat / im zu deheiner smacheit / saget unde machet breit / unde sie also enplecket Vät 19675    2 refl. ‘sich zeigen, zutage treten’ ûz der vinster gein dem liehte / het er sich enblecket Parz 613,13; wer mac des heizen fiures rôst / verbergen und verdecken? / ez kan sich wol enblecken / und öugen mit dem glanze sîn KvWTroj 21016; swâ gegen der sunnen sich enplect / der glast von den helmen Ottok 30025. 15752 u.ö. also kumt her [Christus] mit den wunden / vrischen an daz gerichte, / so daz an nimmer nichte / got vater sich entblecket, / wen in der sun bedecket / mit angenomener menscheit HeslApk 8947

MWB 1 1600,50; Bearbeiter: Runow

enblenden swV. ‘blenden’ mîn tumber sin vermîde daz, / daz mîn kunst niht enlêre, / daz männeglîch sîn vlîz dar zuo kêre, / wie man daz buoch bescheide. / ist daz durch liebe noch durch leide / noch zorn noch gâbe enblende, / daz man iuch von dem rehten wende, / swer daz tuot, der verliuset gotes hulde SpdtL 77,7

MWB 1 1601,40; Bearbeiter: Runow

enblenken swV. ‘etw. enthüllen’ do im Sigun enblenken solt ir lip biz dar sich leit der borte. / daz ander was verhullet JTit 4159,2

MWB 1 1601,47; Bearbeiter: Runow

enblîben stV. 1 ‘von etw. fern bleiben’ mit Dat.d.S.
2 ‘zurückbleiben, übrig bleiben’
   1 ‘von etw. fern bleiben’ mit Dat.d.S.: alle menschen die och gerne guͦte menschen weren, beginnent dis und des und gont alles mit den sinnen umbe und entblibent also der luter worheit und enkoment in sich selber nút Tauler 236,28; wie wir der worheit entbliben ebd. 75,26 u.ö.    2 ‘zurückbleiben, übrig bleiben’ ja werden si, di do entbliben sin, sich machen uz Jherusalem Cranc Jes 37,32; so sicht der geist [...], obe ime do út entbliben si Tauler 88,6

MWB 1 1601,50; Bearbeiter: Runow

enblîchen stV. ‘bleich werden’ man zuckt sy [die in Ohnmacht Gefallene] uff zehannd: / ir farb was ir enblichen, / ir krafft von ir gewichen FrSchw 7945

MWB 1 1601,60; Bearbeiter: Runow

enblœʒen swV. 1 ‘etw. bloßlegen, frei machen; jmdn. entblößen’
1.1 allg.
1.2 bes. ‘etw./ jmdn. entkleiden’ (überw. in Passivkonstr.)
1.3 von Waffen ‘zücken’
2 ‘jmdn./ etw. von etw. befreien’
2.1 mit Gen.-Obj.
2.2 mit präp. Erg. von
3 refl. ‘sich entblößen, entkleiden’
4 ‘(jmdm) etw. zu erkennen geben, offenbaren, zeigen’
   1 ‘etw. bloßlegen, frei machen; jmdn. entblößen’    1.1 allg.: man snyde von eyme czwige eynis boumis eyn stucke vnd entplose das stucke, das do blebin ist an dem boume Pelzb 121,14; enblœzet iwer houbet Parz 746,27; als wir mit enblœztem antlütze aneschouwen den glanz und die klârheit gotes Eckh 1:397,3; dô intblôzetin [deckten ab, öffneten] si daz dach dô her was, unde machten iz offin und si lîzen nider daz bette in dem der gichtige lac EvBeh Mc 2,4; JTit 5809,1. – mit präp. Erg.: er enblôzt imz houbet schier / von helme und von herssenier Parz 212,27. 748,3    1.2 bes. ‘etw./ jmdn. entkleiden’ (überw. in Passivkonstr.): ir brüste lûter unde klâr / stuonden ouch endecket, / enblœzet unde enblecket / ir sîten wâren unde ir lîp KvWSilv 974; nacket unde enblœzet gar KvWEngelh 3085; nû wart diu magt enbloezet schier. / an sich dructe sie der degen stolz und fier Loheng 2364; GTroj 6439    1.3 von Waffen ‘zücken’ Hen das swert aber entblost myt elenthaffter hant Alph 1204; jst daz zwen man oder mer in zorn gegeneinander auf wischten, vnd dhein wer enplosten StRVilsh 86    2 ‘jmdn./ etw. von etw. befreien’    2.1 mit Gen.-Obj.: den herzeric [Luftröhre des erlegten Wildes] er [Tristan] dô gevienc / [...] / und enblôztin aller sîner habe [streifte alles ab, was daran hing] Tr 2973. – meist in Passivkonstr.: dô wart enblœzet sîner habe / vil manec werder Franzeis KvWTurn 1024; er wirt enbloͤßet aller wat HvNstGZ 2889; diu sêle muoz als gar enblœzet werden alles des, daz zuogevallen ist Eckh 2:549,6. 5: 41,20; GTroj 20802; Boner 51,27. wer sein [des Maulwurfs] pluot streicht an die stat, dâ ainz enplœzt ist seins hârs [wo einer keine Haare mehr hat] , sô wehst im daz hâr wider BdN 160,31    2.2 mit präp. Erg. von: [der Strauß] hât ain sô dick haut, daz in niht freuset, wenn er von den federn enplœzt wirt BdN 223,29; daz ertreich enplœzt ist von dem wazzer an den steten, dâ die läut wonent und andreu tier, die ân luft niht geleben mügent ebd. 100,34; KvMSph 10,5; enbloͤs mich von aller unlidekeit Seuse 318,16; Eckh 3:266,1    3 refl. ‘sich entblößen, entkleiden’ ez sol kain brvͦder pie dem fivr sich vnerlich vnd vngeistlich nach wertlicher lvte gewonhait enblozen, wan daz zimet niht geistlich lvte SpitEich 40,8; als sich div keyserinne habe / enbloͤzet, so suͤlt ir abe / den slayer tuͦn vnd kuͤssen sie TürlArabel *R 270,4. sende swære ein sendebære vinden kan, / swenne enblœzet sich der tan / und die winde stôzent dran KvWLd 5,13. – mit Gen.-Obj. ‘sich einer Sache entledigen’ jârlanc wil diu heide mit leide / vrîjen unde enblœzen sich / liehter bluomen wünneclich, / die der süeze meie kunde bringen KvWLd 17,2    4 ‘(jmdm) etw. zu erkennen geben, offenbaren, zeigen’ sîn rôtez bluot er [Christus] uns ze schaden vor gerihte enblœzet KvWLd 32,35; wan nichtes nicht ist bedackit daz nicht intblôzet werde, noch vorborgen daz man niht wizzen werde EvBeh Mt 10,26. – übertr.: do rief er eime knappen dare / vnd enblozzete im gare / sin leit vnde sine swere Herb 11252; [wenn] sein [des Anklägers] botwaren [Verleumdung] vor dem gerihte enbloͤzzet wirt, dem botwarer sol man div zvnge auz dem halse sneiden UrkCorp (WMU) 2345,3; so enbloͤz ich min herz Seuse 174,7. merket gar ebene: der geschrift ist gar rehte, der sie entdecket [auslegt, erklärt] und sie entblœzen wil Eckh 2:288,2

MWB 1 1602,1; Bearbeiter: Runow

enblœʒunge stF. 1 ‘Offenbarung’
2 ‘Entäußerung, Verzicht’
3 der ~ stat , übers. calvariae locus ‘Schädelstätte’ als lat. Bezeichnung für den Berg Golgatha (pseudoetymol. zu lat. calvus ‘kahl’ ?)
   1 ‘Offenbarung’ von der entblœzunge des bildes [Gottes] in dem menschen sô ist sich der mensche gote glîchende Eckh 2:276,7; daz bekentnisse entgeistet den geist. diu entgeistunge des geistes ist ein entblœzunge aller wîse der einekeit, die die persône beslozzen hânt in rehter wîse Überschall (Pf) 519,39    2 ‘Entäußerung, Verzicht’ aller vollekomenheite hœster grât [ lît ] an enplœzunge des geistes von allem anevalle der unglîchnisse unde von trôste der crêâtiure PrEkkewint 232; ‘unde mîn sêle wart minnelôs’: daz ist diu entplœzunge aller mîner krefte unde mîner sinne Eckh (Pf) 507,37    3 der ~ stat, übers. calvariae locus ‘Schädelstätte’ als lat. Bezeichnung für den Berg Golgatha (pseudoetymol. zu lat. calvus ‘kahl’?): dô si quâmen an di stat di da heizet Golgatâ: daz ist der intplôzunge stat EvBeh Mt 27,33. Mc 15,22

MWB 1 1603,6; Bearbeiter: Runow

enblüejen swV. auch ontpluychen. ‘erblühen, aufblühen’ (übertr.): sîn herze ime enblüete; / wan in dô der Minnen bolz / hât alsô sêre troffen Virg 1000,6; daz dirde casteel hies ruychendale; / in dem casteel roecht also wale. / Amor beguͦnde syn hertz tzontpluychen, / so dedent dair die lieben ruychen. / nyen roese, fyole noch muͦschaet MinneR 496 231; von dem werke in gotte vnd von der gebvrt, da der vater gebirt sinen eingebornen svn, vnd von dem vs flvsse entblvͤget der heiliger geist Eckh 2:456,9; so ist got die erste sach / on dez wesen nichtz enpluͤt, / weder rich noch ander guͤt Teichn 581,93

MWB 1 1603,24; Bearbeiter: Runow

enblüemen swV. ‘entjungfern’ (Lehnübers. zu lat. deflorare): des legirs der Brûnhavin pflac / mit der magit alvorwâr / volliclîch en ganziz jâr / alsô îdoch, als sî darnâch / mit geswornem eide jach, / und mit meitlîchim zeichin, / [...], / sich offinlîch berûmete, / daz er sî nî intblûmete, / joch nî unkûschlîch angewant NvJer 19071; doch tet diu schœne dem gelîch, / als ob si leidic wære / [...], / daz ir enblüemet was der lîp KvWTroj 17059. Partonopier, getriuwer man, / wirde ich keines mannes wîp / für dînen werden süezen lîp, / sô muoz ich sîn vertüemet, / der mich hât enblüemet / an allen sælden iemer, / wand ich enwirde niemer / frî noch fröudenhaft als ê: / mir ist nâch dir ze tôde wê KvWPart 15670

MWB 1 1603,37; Bearbeiter: Runow