emʒeclich
Adj., Adv.
auch emizclich, entzichlich; adv. auch -lîchen.
‘beständig, fortdauernd’
an lietkerze emizclic in der selbvn celle brinne vnzi morgin
BrZw
22;
mit rewe, mit chlage, mit emtzichlichem weinen unser suͤnde
PrOberalt
46,37;
aber das sol nichtt emssigklichen geschehen, nur tzwir oder
dreistunt in dem jare HvHürnh
15,4;
PsM
H 44,8;
Seuse
205,19.
–
‘eifrig, beharrlich’
mit emziclicher bet Ottok
1651;
mit einem emzeklichen flisse Tauler
383,9;
stætes und ämzicleich BdN
289,8;
mit entzichleicher arbait Teichn
357,25;
SalArz
4,9.
–
‘wiederholt, oft’
die da emzichlichen swerent, die werdent vil dikch maneide
PrOberalt
57,32;
Ihesus was empziklichen dar komen mit sinen ivngern
EvAug
264,12;
darvͤber han ich an gesehen den rainen gotesdienst, der da emtzichlichen
[regelmäßig (?)] geschiht UrkCorp
(WMU)
N174,36
MWB 1 1589,20; Bearbeiter: Runow
emʒege
Adv.
zu
emʒec
Adj., auch emzegen, enzic.
‘beständig, eifrig’
man nimit eine magit unte leittet sie in die stat, da der
einhurn emzige wisit JPhys
3,7;
da hin chert er allir emzigisti sin gemvͦte
Spec
67,25;
darumbe sante er in uil empzigen sine boten ebd.
149,4
u.ö.
–
‘wiederholt, oft’
also ir êmizige uernomin hâbt, wie Maria Magdalena unde ein
enderiv Maria sint [...] ze deme grâbe chomin
Spec
56,3.
– allg. Intensität ausdrückend ‘sehr’
duo sprach er [Gott] deme wîbe
manech leit. / [...] swenne si swanger wurte, / ê si
gebâre, daz der sêre vile wâre / dei si ane ire lîbe emzege muose lîden
Gen
471;
requies ist ein opiate. [...] swer
si nemen wil der sal enzic [üppig] ezzen. vnde sal si dar
nach nemen SalArz
105,29;
Ottok
86415
MWB 1 1589,38; Bearbeiter: Runow
emʒegen
swV.
1
‘etw. eifrig/ stetig tun’
2
‘jmdn./etw. häufig aufsuchen’
1
‘etw. eifrig/ stetig tun’
emzeget iwer chirechgenge, iwer gebete, iwer almoͮsen unde
ander goͮtiv werch Spec
99,14;
das here gotes dienist emczigen Konr
1,12;
so emtzig wir daz gesanch der hiligen engel mit lesen und mit
singen PrOberalt
108,35;
TrudHL
133,23.
–
unde gedahtec bin nathes mit herzen mime unde gemizzegethe
[prüfte eingehend] unde scub geist min [
et meditatus sum nocte cum corde meo et excercitabar et scopebam
spiritum meum
]
PsTr
76,6.
–
‘etw. stetig wiederholen’
den namen Jhesus Cristus den emsegot ich dick anander EbnerMarg
28,25;
drei puͤchstaben, die ich alle tag emptzig in meinem muͦt vnd in meinem
herzen GestRom
42
2
‘jmdn./etw. häufig aufsuchen’
ze Bâbenberch was ain biscof, / der emzigete dike des
chuniges hof Kchr
16461;
der chünig sol sich entziehen das er nichtt vil emssig die
gesellschafft seiner undertan und aller maist schwacher leüt HvHürnh
11,2.
74,2
MWB 1 1589,54; Bearbeiter: Runow
emʒegunge
stF.
‘Beständigkeit, Beharrlichkeit’
so heizet volhertun [l. volhertunge
‘Beharrlichkeit’
] ein empzigunge [
continuatio
] dez guotes bis an daz ende des lebennes ThvASu
208,19;
daz wîrrouch smeket wol und riuchet wol [...]. alsô
sol ouch unser gebet widersmeken oder widerriechen mit emzigunge, sô daz wir ez
emziclîchen tuon sülen PrHermet
349
MWB 1 1590,10; Bearbeiter: Runow
emʒlîche
Adv.
auch -lichen.
‘beständig, eifrig’
die stat, / da der einhurne emzlichen wiset nach der sinnen spise
MillPhys
28,2;
sein gebet er emzlichen las Serv
3272;
nv ist reht vnde brudirlih, / daz wir umbeinander gemeinlih /
diner irbarmunge / herre keiser allir kuninge / vil emzliche cloppen
Litan
1397;
Lilie
36,36;
Tauler
423,9
MWB 1 1590,18; Bearbeiter: Runow
en
Negationspartikel
→
ne
MWB 1 1590,25;
en
Präp.
→
in
MWB 1 1590,26;
en-
→ ent-
MWB 1 1590,27;
en|a-
s.a. enta-
MWB 1 1590,28;
enalgerihte
Adv.
‘sogleich’
dû salt ez [den Zweig] ûz der erden / geziehen vile
lîhte, / sô sal enalgerihte / rehte ein alsô getân / an der selben stat stân
En
2818;
do chom der spiritus sanctus / [...] / in einer tuben
pilde / von himele nal grihte / ze der liute gesihte ArnoltSieb
1,5;
er machte enalgerihte / undern frouwen einen grôzen schal
Eracl
2152.
3891;
Kchr
1338;
PrLpz (L)
70,25
MWB 1 1590,29; Bearbeiter: Runow
enallengâhes
Adv.
‘unversehens, plötzlich’
daz vaz [...] zerais dem havenaere
[Töpfer] en allen gahes under den handen Konr
(Sch)
179,26;
vgl. die häufige Wendung in allen gâhen ( →
gâhe
swF.) sowie mit al (aller/ allen/ alles) verstärktes →
gâhes
Adv.
MWB 1 1590,37; Bearbeiter: Runow
enallenthalben
Adv., Präp.
‘auf allen Seiten, überall’
1 Adv. 2 Präp. mit Gen.
1
Adv.:
dô besanter sîne man / in allenthalben bî dem mere. / er hête
gerne ein grôz here SAlex
2189.
2441;
[Jesus] geruͦch min dürre herze salven, / dat ich ouch
entgruͦn in allen halven! MarlbRh
2,8;
in allenthalben hie und dar Brun
1715.
–
‘genau, aufmerksam’
waz diu buhse bedûte, / [...] / merke in
allenthalben: / sie bezeichent die salben, / die diu minne ie hât gereit
En
9941.
– wohl hierher:
den heln er im do ab gebrach. / [...] / das bluͦt
begunde rinnen / an allenthalben durch das golt EckenlE2
140,7
2
Präp. mit Gen.:
di toten lagen in allenthalben sin Rol
4146
MWB 1 1590,43; Bearbeiter: Runow
enallezît
Adv.
‘zu jeder Zeit, immer’
si [Rolands Krieger] furten uaile
den lip. / si gerechten sich in alle zit / durch den heiligen gelouben ersterben
Rol
3252;
do uachten wol des kaiseres man /
[...]. / ir herze stunt in alle zít / also in da uon
gehaizen was [danach, was ihnen dafür verheißen war]
ebd.
4520
MWB 1 1590,56; Bearbeiter: Runow
enalmitten
Adv.
auch nalmitten
Rol
4803,
(vgl.
enmitten
).
‘ganz in der Mitte, mitten’
1 lokal 2 direktional
1
lokal:
do gesach ich sitzen einen man / in almitten under in
Iw
419;
Genelun gestunt in almittin Rol
1194;
ûf ainer brucken / da gesamenten si sich in almitten
Kchr
11273
2
direktional:
er stach Oliuirin [...] in nalmitten
durch den lip Rol
6376.
5181;
alsô er kom in almitten Kchr
5670;
dô kom Lanzelet geriten / durch daz volc in almiten
UvZLanz
5188;
En
7779;
StrKarl
626;
Eracl
1268
MWB 1 1590,63; Bearbeiter: Runow
enalrihte
Adv.
‘geradewegs, mitten’
durch schilt unt durch satelpogen, / durch den lip nal richte
/ den spiez zuchter uf mit chrefte Rol
4415
MWB 1 1591,9; Bearbeiter: Runow
enalverte
Adv.
‘geradewegs’
si fuoren enalverte / daz mos joch die herte, / beidiu berc
unde tal Wernh
933
MWB 1 1591,12; Bearbeiter: Runow
enanderhalp
Adv.
‘auf der anderen Seite’
daz sie bewarten die tor. / einenthalben saz Antenor, / in
anderthalp Troylus, / andersit Deiphebus, / einsit Polidamas, / andersit Eneas. /
alsus teilten sie sich Herb
4099
MWB 1 1591,15; Bearbeiter: Runow
enandersîte
Adv.
auch -sîten.
‘auf der anderen Seite’
er het inandir sit irkorn / den helit Dionisin
Athis
B 108;
Aimon in ander sitin / ge varin quam ebd.
A** 53
MWB 1 1591,20; Bearbeiter: Runow
enantworten
swV.
→ în antwürten
MWB 1 1591,24; Bearbeiter: Runow
ê|narre
swM.
jmd., der sich in Bezug auf das Gebot der Unauflöslichkeit der Ehe töricht verhält
(und Ehebruch begeht):
got wolde des niht günnen / sant Pêtern und der pfaffheit, / daz diu ê würd
abgeleit, / wand er sie ze triuwen bant / mit sîner götlîcher hant: / ich mein die
kristenlîchen ê / [...]. / nû ist manic ênarre, / der in
sîner pharre / um strîchet nach wîben Helbl
2,995
MWB 1 1591,25; Bearbeiter: Runow
enbarmen
swV.
‘sich erbarmen, Mitleid haben’
inbarmet uch alle die oren havent Lilie
19,29
MWB 1 1591,33; Bearbeiter: Runow
enbarn
swV.
1 tr. 1.1
‘etw. entblößen, zeigen, zu erkennen geben’
1.2
‘(jmdm.) etw. kundtun, offenbaren, anvertrauen’
2 refl. 2.1
‘sich (jmdm.) zeigen, zu erkennen geben’
2.2 mit Gen.-Obj. 2.2.1
‘jmdm. etw. zeigen, zu erkennen geben, an den Tag legen’
2.2.2
‘etw. loswerden, ablegen’
1
tr.
1.1
‘etw. entblößen, zeigen, zu erkennen geben’
manig mundel rosenvar / sin wizze zende enbarte
WhvÖst
2409;
Brandan so lange mvoste varn, / vnz daz ym got syne hohen guote wolte
vmbarn Wartb
Rs 50,5;
wa ich in die welt var / und mein chunst also enpar /
schon gen aller menschen sin Teichn
183,18.
– in der Verbindung daz swërt ~
‘zücken’
div swert si enbarten, / den herten tot si garten
Wernh
A 4279;
daz swert von siner siten wart do schier enbart WolfdD
484,1;
GTroj
6522
u.ö.
1.2
‘(jmdm.) etw. kundtun, offenbaren, anvertrauen’
swie ungerne duz enbarest, / und swie dû lougenende varest, / dû minnest
einen man iedoch En
10567.
4510;
ich lîde sanfter vil den tôt / dan ich die sache dir enbar
KvWEngelh
5971;
der wil und kan [...] die
warhait wol enbarn WernhMl
8747;
KvWTroj
5244.
1875;
LobGesMar
12,3.
– mit Präp.-Obj. umbe/ von:
dannoch hete er [der Abt] im
[Gregorius] niht enbart / umbe sîn tavel und
umbe sîn golt Greg
1650;
dô ich daz mære enbarte / von dem guoten Gêrharte
RvEBarl
16131.
– mit Obj.-Satz:
ir sult iuch wider si [
die iuwers landes walten
] enbarn / daz ir zehant wellet varn / durch got ze dem
heiligen grabe Greg
571;
Wâlwein [...] begunde
Lanzelete enbarn, / wie ez umb den mantel was gevarn UvZLanz
6621.
– mit Ersparung des Obj.:
ez stêt dâ von geschriben dort, / als ein prophête
hât enbart: / [...]
RvEBarl
2683;
Marien vnde daz kint er nam / vnd machte sich vil drate also / vf den
wech gen Egypto / als im der engel hete enpart Pass I/II
28,42
2
refl.
2.1
‘sich (jmdm.) zeigen, zu erkennen geben’
an daz mere sluͦc er [Moses] di
ruten / der grunt sich inbarte [wurde sichtbar]
VMos
46,12.
68,6;
der gottes lerëre, / [...], /
fuer durch ler in Venedi, / da pede ene, dis und dy / gemain haydenn warn: / er
torst sich nicht wol enparn Märt
5572;
lat iuwer singen varn, / ir gugelgiegen
[Narren] , sinnes arn! / gat iuch enbarn / der
künste scharn [zeigt euch in eurer Blöße vor den künsten
(FrlWB 79)] / und sitzet an die sunnen warn Frl
5:118G,15.
–
‘sich jmdm. anvertrauen, seine Liebe gestehen’
die sich helent under in, / sît daz si sich enbârent
/ und danne ir schame vârent / und gestent sich an [Abstand
nehmen von] liebe, / die sint ir selber diebe
Tr
12381;
sî hât herze und al die sinne, / der muoz ich mich gar enbarn
KLD:SvL
3:1,6
2.2
mit Gen.-Obj.
2.2.1
‘jmdm. etw. zeigen, zu erkennen geben, an den Tag legen’
er hât sich zuht gein mir enbart Parz
189,3;
wilt dû dichs gegen mir niht enbarn, / Nasion der tiufel muoz ez mir
ervarn Wartb
Rs 14,4;
und wær mir daz hertz unwis, / sit sich diu raine hat
enbart / gein mir so suͤzzer wort zart? WhvÖst
2059;
nieman sich enbart / sins wapens daz er fuͦrt ebd.
14462.
1318;
Wh
114,11
2.2.2
‘etw. loswerden, ablegen’
es hant vil frowen och den muͦt / zesamende sich
gesellen, / Marien gesechen wellen / und alle warhait selb ervarn, / da
mitte zwivels sich enbarn WernhMl
13368
MWB 1 1591,35; Bearbeiter: Runow
enbeidenthalben
Adv.
→
beide
Num. 1.1.1
MWB 1 1592,31;
enbeinzen
Adv.
‘einzeln’ (aus en bî einzen, vgl.
einez
):
diu [Messer] mag er wol verkaufen
enbeinzen unde sament StRAugsb
42,34
MWB 1 1592,32; Bearbeiter: Runow
enbeiten
swV.
1
‘auf jmdn./ etw. warten, jmdn./etw. erwarten’
1.1 mit Akk. 1.2 mit Gen. 1.3 mit Ersparung des Obj. 2 unklar ob hierher oder zum Simplex mit proklitischer Negationspartikel
1
‘auf jmdn./ etw. warten, jmdn./etw. erwarten’
1.1
mit Akk.:
ich [David] inbeitote minen
trehtin. unt er anscǒwote mich JPhys
8,24;
in allen unseren arbeiten sculn wir in demo gedingen gotes helfe enbeiten
Alkuin
68
1.2
mit Gen.:
si enbaite sîn [
ir lieben hêrren
]
[...], / unz in ir got sande ze lande
Kchr
11673;
do ouch wier des iungisten tages enpeiten wellen UrkAltenb
71
(a. 1293);
dw solt ir nicht enpeiten HvBurg
3343
1.3
mit Ersparung des Obj.:
daz tuͦt allez Roͮlant, [...]
enbeitet uile chume [kann es kaum erwarten]
Rol
2266
2
unklar ob hierher oder zum Simplex mit proklitischer Negationspartikel:
den guten Durndarten [Rolands
Schwert] , / den uorchten si harte, / daz sin da niemen enbaite
Rol
6597.
7738;
ich enbeite ir vil chawme! / ich vircht das sy sich sawme
HvBurg
1229
– ohne Obj. ‘warten, zögern’
[Gurmûn] enbeite ouch dô niemêre: / er vuor mit eime
starken her / über lant und über mer, / biz daz er zÎrlande kam
Tr
5912.
7732
MWB 1 1592,35; Bearbeiter: Runow |