Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
      eierære stM.
      eierbrî stM.
      eiergelt stN.
      eierklâr stN.
      eierkuoche swM.
      eierlîn stN.
      eiermarket stM.
      eiermuos stN.
      eiern swV.
      eierschal stswF.
      eiersetzen swV.
      eiersmalz stN.
      eierteic stM.
      eiertoter stM.
      eiervël stN.
      eigelîche Adv.
      eigen Adj.
      eigen Prät.-Präs.
      eigen stN.
      eigenære stM.
      eigendienest stM.
      eigendierne stF.
      eigendiu stF.
      eigenen swV.
      eigenerge stF.
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   eierære - eigenerge    


eierære stM. ‘Eierhändler’ ein armer eirær. / [...] / er truoc kæs und hüener vil EnikWchr 24958; Takpreht der eirær ebd. 24990. 25072

MWB 1 1513,30; Bearbeiter: Schnell

eierbrî stM. breiförmige Eierspeise: der sezehende [ eischet ] einen eierbri, / [...] / der sibenzehend [...] wil ein eyerkuͦchen KgvOdenw 2,95

MWB 1 1513,33; Bearbeiter: Schnell

eiergelt stN. ‘Eierzins’ (als geldwertige Ablösung der Eierabgabe): daz ich ledichleich gegeben han [...] an dem gelt, daz ich [...] schuldich gewesen pin, [...] viertzehen huͤner vnd zehen schilling ayr geltes UrkKlostern 1,300 (a. 1344)

MWB 1 1513,36; Bearbeiter: Schnell

eierklâr stN. ‘Eiklar, Eiweiß’ darna lege eyn eyer clar dar vbber vnde laz ez legen dar vffe OvBaierl 140,8

MWB 1 1513,41; Bearbeiter: Schnell

eierkuoche swM. ‘Eierkuchen’ der sibenzehende giht: ‘ich enruͦchen’ / und wil ein eyerkuͦchen KgvOdenw 2,98

MWB 1 1513,44; Bearbeiter: Schnell

eierlîn stN. Dimin. zu ei: diu airl gepernt si [die Spinnen] zwischen den webnetzeln BdN 294,34

MWB 1 1513,47; Bearbeiter: Schnell

eiermarket stM. ‘Eiermarkt’ auch sol under iedem toͤr ein kyeser [Prüfer] sin, und [...] einer an dem eyermarkte WüP 65,3

MWB 1 1513,49; Bearbeiter: Schnell

eiermuos stN. eine Eierspeise: eyermuͤser, kachelmutzen [Topfgebäck] , / der endarf man da niht tutzen [verschweigen] KgvOdenw 2,109

MWB 1 1513,52; Bearbeiter: Schnell

eiern swV. ‘Eier legen’ diu tier, die dâ airnt, als die vogel BdN 30,2. 196,12. 201,18 u.ö.

MWB 1 1513,55; Bearbeiter: Schnell

eierschal stswF. ‘Eierschale, Kalkschale des Vogeleies’ nim die eigerschal dannan div ivngen hoͮnlv sint gehecchet Ipocr 99; daz häutel der airschaln BdN 481,4; Pilgerf 2741. – als Hohlmaß: fulle sîn drîe aierschal Barth 153,32; tuͦ darzuͦ ein eyer schaln vol wines BvgSp 39; OvBaierl 139,9. – med. vor allem als Kalklieferant: nim puluer der gebrant si uon eier schalen vnde blas im in di naselocher SalArz 41,31. 27,7; Albrant 3,5

MWB 1 1513,57; Bearbeiter: Schnell

eiersetzen swV. subst. ‘Eierlegen’ diu henn arbait vast in dem airsetzen und singet doch nâch der gepurt BdN 194,1

MWB 1 1514,3; Bearbeiter: Schnell

eiersmalz stN. eine Eierspeise (mit heilender Wirkung): nim ein gluͤgende isen vnd búrne sie [Hämorrhoiden] vffe den grunt. dar nôch heile sie mit oley, dz mit eiger smalz gemaht sy, dz ist dir guͦt ElsArz 232

MWB 1 1514,6; Bearbeiter: Schnell

eierteic stM. ‘Eierteig’ mache ein blat von eyern vnd zvͦ teile daz, fuͤlle dar vf die materien [...] vnd machez naz von eyer teyge vnd legez in siedenz smaltz vnd backez BvgSp 27. 11

MWB 1 1514,11; Bearbeiter: Schnell

eiertoter stM. ‘Eidotter’ swer ein geswer habe uon dem blute. der [...] sal eyertoter druber legen mit rosen ole SalArz 76,18; mengez aber mit eyger totern vnd tuͦ ein smaltz drin BvgSp 66. 80

MWB 1 1514,15; Bearbeiter: Schnell

eiervël stN. auch eyerville. ‘Eierschale’ ih bin same der ubele uisch, / uor sunden durh grate / vnde bin sam stete / sam ingegen des windis bru daz mele, / vnde insamen ingegen dem ysene daz eier uel Litan 482; tusent spang von isen sint im [dem Krodokil] recht alsam ein eyer ville [La. velle ] JTit 3886,4

MWB 1 1514,19; Bearbeiter: Schnell

eigelîche Adv. egelich

MWB 1 1514,26;

eigen Adj. 1 ‘jmdm. eigen, zugehörig’ (oft in Verbindung mit einem Poss.-Pron.)
1.1 bezogen auf Verfügungsgewalt über (Land-)Besitz
1.1.1 ~ lant/ rîche ‘eigenes Reich’
1.1.2 viur/ rouch ‘eigener Haushalt’
1.2 bezogen auf Personen
1.2.1 ‘leibeigen, hörig’ (im Ggs. zu vrî )
1.2.1.1 im Minnesang
1.2.1.2 subst.
1.2.1.3 noch attr. oder bereits Kompos.? (vgl. eigenholt, eigenknëht, eigenliute, eigenman, eigenschalc, eigenvrouwe, eigenwîp )
1.2.2 zur Betonung enger Verwandtschaft oder Zugehörigkeit
1.3 die Eigenart von jmdm./ etw. bezeichnend ‘eigen, charakteristisch’
1.3.1 wille ‘freie Entscheidung’
1.3.2 in der Verbindung eigenes dankes/ willen ‘freiwillig, von sich aus’
1.4 minne ‘Selbstliebe’ (vgl. eigenminne )
1.5 eine (ausschließliche) possessive Relation betonend und verstärkend
2 Einzelnes
2.1 viur ‘selbstentzündetes Feuer’
2.2 vom Aufgang der Sonne innerhalb der Sternkreiszeichen ( ‘kosmischer Aufgang’ )
2.3 vür ~ ‘gewiss, verlässlich’
2.4 Adv. Komp. ‘eigentlicher, eher’
   1 ‘jmdm. eigen, zugehörig’ (oft in Verbindung mit einem Poss.-Pron.)    1.1 bezogen auf Verfügungsgewalt über (Land-)Besitz: mînen êigenen uuîngárton ne / móht íh behûotan Will 12,2. 73,2; minen aigenn hof ze Mangaren UrkCorp (WMU) 3188,7. N639,32. – subst.: er [Christus] chom zuͦ sinen eiginen [ in propria venit Io 1,11] . sin inphiengen in nieht. die aue in enphiengen. den gehiez er daz si gotes chint wâren JPhys 26,20; Parad 22,6    1.1.1 ~ lant/ rîche ‘eigenes Reich’ er floch uil scantliche / in sinem aigen riche Rol 6325; in tugentlîchen zühten si rûmte ir eigen lant NibB 526,1; mîn hant [...] / vil manegen man betwungen hât, / daz er guot und eigen lant / muoste hân von mîner hant RvEBarl 8629; von sînem eigenlande RvEAlex 8624; Parz 25,3; Wig 658; Loheng 3317    1.1.2 ~ viur/ rouch ‘eigener Haushalt’ gerne wolde ich [...] bî eigenem fiur erwarmen Walth 28,3; daz sullen erhafte besezzene lute sin mit eigeneme rouche StRFreiberg 177,26. 84,11    1.2 bezogen auf Personen    1.2.1 ‘leibeigen, hörig’ (im Ggs. zu vrî): er were fri oder eigen, / si cherten uf di heiden, / si zeichinoten sich mit chrucen Rol 165; alle die eigene liute, die zv der chirchen gehoͤrent UrkCorp (WMU) 2050,8. kunst manchen hat gefriet, / der eigen von gebürte was Mügeln 209,12    1.2.1.1 im Minnesang: ich muoz iemer ûf gedinge / sîn ir [der Minnedame] eigen kneht SM: HvStr 2: 5,5; ich bin ir eigen dienestman SM:HvS 1: 4,4; ich was frî, nu bin ich eigen KLD: BvH 12: 4,5    1.2.1.2 subst.: fur aigen wil ich dir dinen Rol 8941; nu ist doch unser eigen Sîfrit ir [Kriemhilds] man NibB 724,3; [ich] wil ùch dann fúr eigen / das cleynot laszen hie Krone 27864; ein eigener mit sinen genozen UrkCorp (WMU) 879W,41    1.2.1.3 noch attr. oder bereits Kompos.? (vgl. eigenholt, eigenknëht, eigenliute, eigenman, eigenschalc, eigenvrouwe, eigenwîp): ein wîp mac gewinnen êkint, vrîiu kint, eigen kint unde kebskint. ist si eigen, man mac si vrî lâzen SSpAug 141,18; Appolony, herre mein, / laß mich dein aigen dieren sein HvNstAp 13869; dem wîbe diente duo diu frowe / [...] / sam si wære ir aigen diu Kchr 1603; NibB 838,4; aygen hof UrkIndersd 70 (a. 1337)    1.2.2 zur Betonung enger Verwandtschaft oder Zugehörigkeit: dîn eigine mâge huoben dich ane ir gebâge [Zank] Gen 2940; dine eigen mage GenM 113,26; sîner eigenen kinde / was er sô vlîzec niht sô sîn [Tristan] Tr 2186; sie ist uwer eigen wip Lanc 137,6. 137,9. ~ bluot ‘Blutsverwandtschaft’ so jamerlich er got anrief. / ‘[...] sol ich tœten min eigen bluot [Kind] !’ Kistener 938. – subst.: des engulte du da heime do dich hazzoten dine eigen GenM 113,25; Gen 2939    1.3 die Eigenart von jmdm./ etw. bezeichnend ‘eigen, charakteristisch’ swer eigen tugent iemer sol gewinnen, / der sal sîn in sîner jugende beginnen VAlex 353; er vraget sein dar umb, daz er siu an ir aigen worten vieng PrOberalt 170,18; sîn selbes eigen natûre und wesen Eckh 5: 45,6. 5: 403,3; werden, machen und gebern ist der materien eigen, / die nimmer ewig mag gesin Mügeln 6,15; BdN 16,31    1.3.1 ~ wille ‘freie Entscheidung’ daz ich unbethwunlich von aigem guten willen [...] han verchaufft minen hove UrkCorp (WMU) 3556,6. 2814,42. – ‘eigenes Wollen’ (vgl. eigenwille ): darzu du [Seele] auch geeret pist / das du dein aigen willen hast, / das du tust und last / nach deinem willen wie du wil HvBurg 4911; daz wære aleine ein volkomener und ein wârer wille, daz man ganz wære getreten in gotes willen und wære âne eigenen willen Eckh 5: 227,7; ich leben mines eignen willen Mechth 2: 23,16. 2: 1,8    1.3.2 in der Verbindung eigenes dankes/ willen ‘freiwillig, von sich aus’ nicht ungerne, sundir sînis eigin dankis PrMd (J) 342,13; er [der heilige Geist] chuͤmet auch eigens danches PrOberalt 110,38. drû dinc sint, die gruntvestene sint eines iegelichen geistlichen lebenes, [...] daz ander ist verzîhunge [Verzicht] eigenes willen StatDtOrd 29,10    1.4 ~ minne ‘Selbstliebe’ (vgl. eigenminne ): manige lúte [...] vallent [...] in eigene minne ir selbes Tauler 77,3; dis ist ein schedeliche gevengnisse, eigene minne ebd. 77,22 u.ö.    1.5 eine (ausschließliche) possessive Relation betonend und verstärkend: do in [Abraham] unser herre versucht und hies in sinen liben sun, sinen aigen sun opphern PrOberalt 12,34; dô brach er ûz sîn eigen hâr Parz 42,15. 475,21; daz ir der herre Gâwein / was liep als ir eigen lîp Wig 1347. 6417; och warent etlich heidene, die opfirtent an disen tagen ir eigen menslich bluot dem hellegote der da heizit Pluto MNat 17,33; UrkCorp (WMU) 429,9. unser herre mant uns daz wir unser eigen suͤnte merchen PrOberalt 129,14; daz hât ze däutsch kainen aigenn namen BdN 141,20    2 Einzelnes    2.1 ~ viur ‘selbstentzündetes Feuer’ ist aber daz daz selb guͦt verprennet wirt von asang oder von eigem fiwr UrkCorp 2969A,26; daz [...] kein vngelucke oder schade geschehe von schure [...] oder von eigem vivͤre UrkCorp (WMU) 2664,45.    2.2 vom Aufgang der Sonne innerhalb der Sternkreiszeichen ( ‘kosmischer Aufgang’): mit ainer uͤbertreffenden sprache [ antonomastice ] haiz wir daz himelzaichen werltleich aufgen, in dem und mit dem deu sunne dez morgens aufget. und der aufgank haizzet der aigen und der vorderst und der tegleich aufgank KvMSph 34,2    2.3 vür ~ ‘gewiss, verlässlich’ der genaden hort / hat nymer weder grunt noch ort, / aber nyemant wais fur aigen / wem er die genad well erczaigen Teichn 610,21    2.4 Adv. Komp. ‘eigentlicher, eher’ ie daz werg der sêle merre ist, ie iz minre gotis ist. dar umme gebirt di sêle eigenre sunder bilden danne in bilden HvFritzlHl 26,9

MWB 1 1514,27; Bearbeiter: Runow

eigen Prät.-Präs. alem. auch heigen (oder gehören die konjunktivischen aspirierten Formen zur alem. Nebenform habegen [=haben]? Vgl. DWB 4,2,814; 2 5Mhd. Gr. § M 113, Anm. 2; s.a. Frnhd. Gr. § L 57,3). 1 ‘etw. (als eigen) haben’
1.1 ‘besitzen’
1.2 kraft/ reht ~ ‘in Kraft treten, Geltung haben’
2 ‘haben’
2.1 in abgeschwächter Bed.
2.2 als Hilfsverb
   1 ‘etw. (als eigen) haben’    1.1 ‘besitzen’ al daz wir eigin daz sî gemeine Gen 1615; iz ist reht, daz der leie / eine chonen aige / unde er ir rehte mite vare VRechte 408. 517; es enmag nieman burger werden, nuwonde er heige zem minsten ein ahtot teil an einim huse UrkCorp (WMU) 248A,23; von swem man es heige alde rehte vnd redeliche gewinne ebd. 1453A,18. – ‘innehaben’ die creature ihht ein substancien, die gemezzen ist unde geendet [ creatura habet substantiam modificatam et finitam ] ThvASu 260,20    1.2 kraft/ reht ~ ‘in Kraft treten, Geltung haben’ daz nv dis craft haige UrkCorp (WMU) 134,7; das si recht gegen dem selben Chuͦnrate Stephan heigin ebd. 1622,11. gewalt ~ ‘Verfügungsgewalt haben’ daz si den gewalt heigen, das selbe cil ce lengeronne zwei iar UrkCorp (WMU) 506,18    2 ‘haben’    2.1 in abgeschwächter Bed.: daz diz geschehen ist ze Basele vnd wirz gerne stete heigen UrkCorp (WMU) 744,43    2.2 als Hilfsverb: bi dem aide, den wir gesworn haigen UrkCorp (WMU) 1601,44; der den schaden heîge gitan ebd. 187,10; swc Hartmann an die burger von Lv́cerren zesprechen heige ebd. 507,19

MWB 1 1516,14; Bearbeiter: Runow

eigen stN. 1 ‘Eigentum, Eigentumsrecht’ (vgl. 2 HRG 1,1265-1267)
1.1 allg.
1.1.1 in Abgrenzung zu anderen Formen der Verfügungsgewalt
1.1.2 geerbtes
1.2 häufig ‘eigener Land-/ Grundbesitz, Liegenschaften’ (im Ggs. zum Lehen)
1.2.1 ‘zinspflichtiger Grundbesitz’
1.2.2 in Verbindung mit ledec/ vrî/ lûter etc. ‘von Abgaben freier Landbesitz’
1.3 bezogen auf Abhängigkeit von Personen (nicht immer sicher zu trennen vom Adj.)
1.3.1 oft im Minnesang
1.3.2 übertr.
2 ‘natürliche Beschaffenheit, Eigenart’
   1 ‘Eigentum, Eigentumsrecht’ (vgl. 2HRG 1,1265-1267)    1.1 allg.: daz ist reht, swer ein dinc coͮfet, daz er ez fúr eigen habe Lucid 72,5; so sol daz vorgenanthe hus der stat eigen sin, vnde mac die stat do mitde dun, swaz sie wil UrkCorp (WMU) 3438,39; ettleich sach sind tödleich, vnd ettleich vmb erb vnd vmb aigen vnd weltleich dinkch vnd chryeg Schachzb 43,4. – übertr. (mit Übergang zu 2?): der niht ensuochet [...] dan lûter got, dem entdecket got und gibet im allez [...], daz ez im als eigen wirt, als ez gotes eigen ist Eckh 1:187,6    1.1.1 in Abgrenzung zu anderen Formen der Verfügungsgewalt: ich wil nû teilen, ê ich var, / mîn varnde guot und eigens vil Walth 60,35; allez sin gvͦt, ez sin geriht, vogtay, aigen oder lehen UrkCorp (WMU) 1475,14. 1672,32; daz er sî ungeweltic habe gemachet ir eigens oder ander ir guotes SpdtL 121,5. 97,14; Mühlh 131,12    1.1.2 geerbtes ~ : daz aigen ist her chomen von vnsern vôrdern UrkCorp (WMU) N277,6; des guͦtes, daz eigen vnd erbe ist ebd. 465A,12; an egini edir an erbi Mühlh 132,25; daz ih meinem œhaim [...] han gegeben mein anerstorben gvͦet vnd aigen UrkCorp (WMU) N824,7    1.2 häufig ‘eigener Land-/ Grundbesitz, Liegenschaften’ (im Ggs. zum Lehen): Parmenîe daz ist dîn / und muoz dîn eigen iemer sîn Tr 4458; wil ich sînes willen phlegen / mit gâbe, mit lêhen, mit eigen Wh 184,13; min eygen daz Schrotsdorf mit allem dem, daz dor zve gehoret UrkCorp (WMU) 406,27; Rol 329; Parz 523,26    1.2.1 ‘zinspflichtiger Grundbesitz’ daz ieglich man gît abe sîneme eigen / daz finfte teil sîner chorne zi des chuniges urbore Gen 2634. 2614; Ilmarsdorf von des schenken æigen ain hof der giltet zwælf mvtte waitzen, [...], ahte hvnre, hvndert æier UrbBayÄ 1439,a    1.2.2 in Verbindung mit ledec/ vrî/ lûter etc. ‘von Abgaben freier Landbesitz’ ein huͦbe [...] ze choͮfenne ze Ebringen fuͥr lidig eigen UrkCorp (WMU) 106,37; daz si den selben hof ewichlichen schvln haben in aines lautern aigenes weise ebd. 1041,23; der sînen willen und sich selber læzet, der hât alliu dinc gelâzen als wærlîche, als sie sîn vrî eigen wæren und sie besezzen hæte in ganzem gewalte Eckh 5: 195,5. 5: 295,4. – übertr. ‘frei verfügbares Eigentum’ herzen trût, ir wüestet an mir iuwer frîgez eigen KLD:GvN 7: 2,3    1.3 bezogen auf Abhängigkeit von Personen (nicht immer sicher zu trennen vom Adj.): dc Bvͦrchart von Liebenstain hat ein kneth, der waz sin aigen UrkCorp (WMU) 2737,3; swelch engel den menschen vz dem gewalte gecoufet hete, dez eigen solte er uon rehte sin Lucid 72,8; daz si [die Christen] billich wesen solten / sin [Gottes] eigen und sin erbechint StrKD 112,57; Wig 967    1.3.1 oft im Minnesang: in den dingen ich ir dienstman / und ir eigen was MF:Mor 9: 2,2; ich hân ir niht ze gebenne wan mîn selbes lîp; / derst ir eigen MF:Reinm 32: 2,2; ich gap ir mich gar für eigen KLD:BvH 5: 4,2. KLD:UvL 10: 6,7    1.3.2 übertr.: er muß des todes aigen wesen HvNstAp 11223; wart ieman spotes eigen Krone 2657    2 ‘natürliche Beschaffenheit, Eigenart’ sô ensmecket ez [ wîn und spîse ] niht nâch sînem eigene Eckh 1:187,13; tier als ein künn, der name sal / gemeinlich predigen von in al / nach eigen und nach underscheit MügelnKranz 245. – in der Verbindung von/ in ~ e ‘aus Eigenem’ daz dinc lebet, daz bewegunge nimet von sînem eigene Eckh 2:384,2; allez, daz dû nimest, daz nimest dû in dînem eigene ebd. 2:383,9

MWB 1 1516,42; Bearbeiter: Runow

eigenære stM. ‘Eigentümer’ wir sein [...] des vorgenanten gotshaus vnd des brobst scherm vnd gewern fvͤr allev ansprach als aigner reht ist in dem land ze Oesterreich vnd ob der Ense UrkEnns 5,336 (a. 1323)

MWB 1 1517,49; Bearbeiter: Runow

eigendienest stM. ‘Dienst eines Leibeigenen, Leibeigenschaft’ taͤt [der aus der Leibeigenschaft Entlassene] dann vnredleich wider den herren [...], so solt vnd moͤcht der herr den menschen wider aischen ze seinem aigen dienst, vnd waͤr wider aigen RechtssA E 97,13

MWB 1 1517,54; Bearbeiter: Runow

eigendierne stF. eigen Adj. 1.2.1.3

MWB 1 1517,60;

eigendiu stF. eigen Adj. 1.2.1.3

MWB 1 1517,61;

eigenen swV. 1 ‘etw. übereignen, als eigen übergeben’
1.1 von Sachen
1.2 von Personen
2 ‘etw. als eigen erhalten’
3 refl. mit Gen. und präp. Erg. ‘sich etw. (widerrechtlich) aneignen’
4 ‘etw. zuschreiben, zuordnen’ , mit Dat.
   1 ‘etw. übereignen, als eigen übergeben’    1.1 von Sachen: daz die lehen geeygenet werdent deme stifte zu Meinze UrkCorp (WMU) 1919A,26; dc der [...] Teggenhvsen die [...] schvͦppvͤssan [Maßeinheit für Landbesitz] , dîe ich von im ze lehen het, aigent [...] in der vor genenten swesteron hant ebd. 1825,3. 222A,10. daz untoͤdemklich kleit dez kúnftigen iemer werenden liehtes ieme wirt geeigent in einer verdrossenheit aller zitlichkeit Seuse 390,23    1.2 von Personen: und swen sînr muoter brüstelîn / entwennet wirt daz kindelîn, / du soltz nâch mînem gebotte / eigenen gotte WvRh 420; mir sint nút widerzem die bleichen leftzen dines mundes noch widerstendig die bluͦtigen arme dins libes, me si [...] eignent mich dir [Christus] gentzlich Seuse 550,25; von gotes mild geeigent sin / die geiste gar dem himel und den speren Mügeln 29,11; mit Refl.-Pron.: lege abe allez, daz dîn ist, und eigene dich gote, sô wirt got dîn eigen, als er sîn selbes eigen ist Eckh 2:108,1. 1:239,8. – bildl. jmdn. dem tôde ~ ‘jmdn. töten’ umb sînen oeheim was er zornes ungerünic, / den im der Lutringaer dem tôde het geigent Loheng 5263; sîne künige über halp dem tôde wurden geeigent ebd. 5707    2 ‘etw. als eigen erhalten’ sie haben daz gerihte geigent von der herschaft ze Burgowe UrkCorp (WMU) 2188,28    3 refl. mit Gen. und präp. Erg. ‘sich etw. (widerrechtlich) aneignen’ noh [ sulen die vorgenante Moͤtnitzer ] sich des an dehain dingen aigenen [...], swaz des gerihtes ist, das an den toͤd get UrkCorp (WMU) 3040,16    4 ‘etw. zuschreiben, zuordnen’, mit Dat.: was man aber in gelẅkch tüet, das mag man smaykchunder geleichsenhait aygen Schachzb 83,99

MWB 1 1517,62; Bearbeiter: Runow

eigenerge stF. ‘eigene, aus sich selbst heraus entstandene Bosheit’ Lucifer nam den argen mut / daz her got dachte vorkeren / [...] / und wart von eigen erge ark HeslApk 11579

MWB 1 1518,33; Bearbeiter: Runow