eitbrief
stF.
‘mit Eid beschworene Urkunde’
dit is der eyt, den unse bruͦder doyn solin. [...]
und sal ouch swerin ze halden, [...] dat da gesat is, also
as der eytbreif behelt UrkKölnZunft
1:62,9
(a. 1344)
MWB 1 1568,1; Bearbeiter: Diehl
eitbuoch
stN.
‘Buch mit Eidformeln’
dat egein rait, de na uns kuͦmen sal, sal setzen
[...] in dit eidbuͦgh enich puͦnt, id in sij overmitz
alle rede, de vuͦr inde na gesessen haint UrkKöln (St)
1:16,14
(a. 1321);
in dit eydboich eid me zuͦ schriven ebd.
1:34,35
(a. 1341).
1:27,23
(a. 1341)
u.ö.
MWB 1 1568,6; Bearbeiter: Diehl
eiten
swV.
1 intr. ‘glühen’
2 tr. 2.1
‘etw. erhitzen’ , oft ‘einen Ofen heizen’
2.2
‘etw. brennen’
2.3
‘etw. (durch Erhitzen) läutern’
3 refl. ‘heiß werden, brennen’
1
intr. ‘glühen’
ir munt [...] ist noch heizer danne ein sinder
[Schlacke] von der gluot / und eitet alse eins traken
giel KLD:RvB
4:1,4;
sîn herze in jâmer eitte Rädlein
177
2
tr.
2.1
‘etw. erhitzen’, oft ‘einen Ofen heizen’
der kuninc hiz do wirchin / einin ovin erinin. / den hizzer
dri dagi eddin [l. eiddin
] , / du dru kint zi demo ovini leiddin ÄJud
43;
dô hiez er bald bereiten, / einen ofen eiten, / und warf
diu kleinôt dar in EnikWchr
8852
u.ö.;
Vät
3835;
Pass III
107,27;
daz man ein hûs koufe gar, / dâ man die spîs offenbar /
solt all bereiten / und die kezzel eiten EnikWchr
28586.
–
e man vollen vur geeite [es zum Lodern
brachte] , / so was daz opfer gar verbrant
Herb
15829
2.2
‘etw. brennen’
man sol si [
weinhafen
] auch wol aiten NüP
157
2.3
‘etw. (durch Erhitzen) läutern’
diu mînen wort muoz er mir lân / durch den vil liehten
tegel gân / der camênischen sinne / und muoz mir diu dar inne / ze vremedem
wunder eiten, / [...] / als golt von Arâbe
Tr
4893;
wis gegrüezet, morgenrœte! / hilf den sêlen ûz der nœte / die daz vegefiur
dâ eitet MarGr 18
151
3
refl. ‘heiß werden, brennen’
in dem oven sam der ziegel / eitet sich unt wird gerœtet, / sus wârn al die
sünde ertœtet MarGr 18
399
MWB 1 1568,12; Bearbeiter: Diehl
eiter
stN.
‘Gift, schädliche Flüssigkeit’ (überw. von Schlangen):
ein ander slahta [Eigenart der
Natter] íst: so siu uuíle drinkán, so uzspîget siu zêrest daz
eitér ÄPhys
11,17;
er hiez si [die Juden] uiperen
geslæhte, daz si wæren uon eiter same die slange Spec
101,16;
alsô des wazzeres strân / uber daz aiter ran, / swer sîn
niderhalp enpaiz, / der muose sterben gotewaiz Kchr
7555;
ein guldin fingerlin, / daz wider den zouber solte sin / vnd
wider eitter vnde fur gift gut, / wider den wurm vnde wider des fures glut
Herb
1029;
si tuͦnt alsam der zauberær: so er diu gift macht, so
bestrichet er daz vaz ze oberist mit dem hoͤnig, ze niderist da giuzzet er daz
toͤtlich eitter in den grunt PrOberalt
139,28;
aitter, tötlich gift unnd manig annder ungevelligkait
HvHürnh
18,6.
– besonders ‘Wundflüssigkeit, Eiter’
der saf an di eiterden ougen gestrichen, vertribet daz eiter
Macer
57,9;
sustu etter in deme glase, dat bedudet suchtage der lenden
OvBaierl
49,4;
sô rainigt ez [Holundersirup] diu
fliezenden ôrn von dem aiter [
a sanie
] und von der unsauberkait BdN
348,13;
im durchbrast diu gelwe hout. / warc [Eiter] unde
æiter dar ouzran. / leipliche varwe er gewan Serv
3221;
di wunde und daz eiter [
vulnus et livor (Is 1,6)]
TvKulm
2172;
Hiob
1000.
– übertr.:
dû bist bitters eiters vol, / dâ dîn herze inne swebet
Iw
156;
so werdet ir geheilet uon dem bitteren eitere aller iwer
sunden Spec
102,3;
daz diu sele heilet, so daz aitter der suͤnden auz gezogen
wirt PrOberalt
118,27;
er macht uß dir, o meit, der himel leiter; / an dir wir
klimmen uß des fluches eiter Mügeln
146,10;
du jüdisch eiter [das Leben unter dem Gesetz des Alten
Bundes] , / die huf der alden e, die wart zerbrochen Frl
2:20,14
MWB 1 1568,37; Bearbeiter: Diehl
eiterbære
Adj.
‘giftig’
dô wart daz cleit [das Medea für Iason gefertigt hatte, vgl.
11296: ein gift wart drîn verstricket
] enzündet. / ez was vil gar durchgründet / mit eiterbæren dingen. /
dâ von die flammen dringen / begunden ûz im alzehant KvWTroj
11321;
der selbe unreineclîche schîn / wol eiterbæren würmen touc ebd.
9823
MWB 1 1569,8; Bearbeiter: Diehl
eiterbirne
Subst.
Bezeichnung der Erdbeere, die bei allergischen Reaktionen Nesselfieber hervorrufen
kann (das 2. Kompositionsglied ungedeutet, evtl. verschrieben aus ber
oder breme vgl.
eiterbrâme
und AWB 3,239):
fravulum: eiterbirne VocBV285
3:556,44
MWB 1 1569,15; Bearbeiter: Diehl
eiterbitter
Adj.
‘bitter wie Gift’
ey reiner man Jhesus, / wie manig bitter zorn sus / vor dinen
oren wete! / wie gutlich du in dete, / so waren sie eiter bitter
HvNstGZ
2527
MWB 1 1569,21; Bearbeiter: Diehl
eiterbîʒec
Adj.
‘von Giftbissen geplagt’
Moyses hiez den slangen / in der wuostenunge hangen, / daz di
da lachen [Heilmittel] namen, / di der eiterbiszic wæren
VEzzo
320
MWB 1 1569,25; Bearbeiter: Diehl
eiterblâtere
swF.
‘eiterndes Geschwür’
swer daz pulluer auf die aytter platern legt die verswynndent vber nacht, vnd
swer seyn layt auf eynn nater pizz der wirt da von gesunt Barth (H)
546
MWB 1 1569,29; Bearbeiter: Diehl
eiterbluome
swF.
eine Blumenart:
canina uel amorusca: gens blvͦme, eiterblvͦme VocBV324e
21
MWB 1 1569,33; Bearbeiter: Diehl
eiterbrâme
swF.
‘Giftdorn’ (zur Bezeichnung der Erdbeere, die bei allergischen Reaktionen
Nesselfieber hervorrufen kann, vgl.
eiterbirne
):
fravulum: eiterbramen VocBV455
3:556,43
MWB 1 1569,35; Bearbeiter: Diehl
eiterec
Adj.
‘giftig’
in den selbenn wassern sind krotenn unnd natern und anndre
aittrege tier, unnd ditz wasser ist siech HvHürnh
51,6;
mîn lant hât wurme vil, / eitrige und schedelîche Tund
160;
PrRoth
75;
Barth
156,8.
– übertr.:
[der Engel] seit im [Josef] oͮh
dar untir / die kumftigen sorgen, / div dannoch was uerborgen / in des
kunges [Herodes] eitirgem rate Wernh
D 4817;
ir herze was gereizzet / mit êitirigem hazze ebd.
D 4875.
–
‘eitrig’
purulentus fetidus, sanie fluens [Laa. eteric,
eterich (vgl. Bd. 3,34)]
SummHeinr
2:417,374
MWB 1 1569,39; Bearbeiter: Diehl
eitergalle
swF.
‘giftige Galle’
der ungetriuwe man; / [...] verderbet, daz ê was
gesunt. / sîn zunge eitergallen hât, / [...] / sîn rûnen
tœtet manegen lîp RvZw
209,4.
– personif.:
do sprach di aytter galle [das
Schandmaul] , / deß teufels maußvalle, / Strangwilionis wirtin
HvNstAp
16051
MWB 1 1569,50; Bearbeiter: Diehl
eitergift
stN.
‘Gift, Giftgabe’
von welhem eitergift / hast du dise chraft, / daz dich niemen mag ertoten
ArnoltJul
516;
der duͦfel eiter gift HvNstVis
149;
eidergift der nathere PsTr
139,3;
wer honig in deme mvnde hat / vnde in deme herzen eitergift PrHess
6,583.
22,23
u.ö.;
daz vertribet daz eitergift Lucid (H)
16,13
MWB 1 1569,56; Bearbeiter: Diehl
eitergiftec
Adj.
‘giftig’
die gar schön junckfrau die von irr kinthait gelert wart und
getzogen mit schlanngen aitter, allso das si verwanndelt was von irr natur in
schlanngen nature. unnd an der weil sach ich
[Aristoteles] si fleissigklich an unnd vand von
lisstenn das si aittergifftigk was HvHürnh
25,2;
daz die sele reine / wirt da von svnden meine / clarer dan ein spigelglas, /
die for gar eitergiftig was PrHess
55,314
MWB 1 1569,63; Bearbeiter: Diehl
eitergiftecheit
stF.
‘Giftigkeit’
diese zwa grefinnen gvt [Beichte und Buße] /
[...] die sele machent wol gesunt, / die die dvfele
hant verwont / mit ir eitergiftekeit / der svnden PrHess
66,427
MWB 1 1570,8; Bearbeiter: Diehl
eitergifteclich
Adj.
‘giftig’
weme der falsche [Teufel in Gestalt der Schlange]
dregit haz, / den sendit siner zvngen drift / mit falschen reden ir vergift, / ir
eitergifteclichiz ort / der zvnge bruwit dicke mort PrHess
52,115
MWB 1 1570,12; Bearbeiter: Diehl
eitergîtec
Adj.
‘giftgierig’
vil wurme eitergitik gent dar JTit
6158,2
MWB 1 1570,17; Bearbeiter: Diehl
eiterhaft
Adj.
‘giftig’
die iuden, die in der woͮste uon eiterhaften slangen
gehecchet wrden Spec
101,30;
so wirt daz wasser eiterhaft von den wurmen
Lucid
59,10;
der lîp ist ain aiterhaftez hore TrudHL
128,22;
di dritte [
colera
] is grune vnde wirt in dem magen uon heizeme crute
[...] di selbe ist eiterhaft SalArz
4,11.
– übertr.:
dô sprach der karge Theodas / (vil eiterhaft sîn zunge was) / als im der
tievel geriet LBarl
12271;
an einen list vil eiterhaft / dar kêrt er al sîne kraft ebd.
12562
MWB 1 1570,19; Bearbeiter: Diehl
eiterhaftic
Adj.
‘giftig’
si [Theriak] hat gut vnde weret
den eiterhaftigen wurmen daz si nicht gehecken [stechen]
mugen SalArz
74,8
MWB 1 1570,29; Bearbeiter: Diehl
eiterhecken
stN.
‘das Giftstechen’
du und daz wip [die Schlange und Eva] traget oͮf ein
andir nit, / [...] / si trette dir oͮf daz hoͮbet; so si
dich habe betoͮbet, / so lage ir uersen ebene mit dinem eitir hechene [
tu insidiaberis calcaneo eius (Gn 3,15)]
GenM
16,30
(vgl.
eitergez hechen Wernh
192)
MWB 1 1570,32; Bearbeiter: Diehl
eiterîn
Adj.
‘giftig’
dâ blæt der eiterîne nît / dem vriunde misselinge / an
iegelîchem dinge Tr
15060
MWB 1 1570,38; Bearbeiter: Diehl
eiterklôʒ
stM.
‘Giftklumpen’
di tyevelynne kunde / gifft werffen auff [l.
auß
] der nasen, / [...]. / si schneutzet auf in
zway aiter chloß, / di waren zwayer feuste groß HvNstAp
9045
MWB 1 1570,40; Bearbeiter: Diehl
eiterklûse
stF.
‘Giftblase’
dû luftes nît, dû eiterclûse Walth
149,41
MWB 1 1570,44; Bearbeiter: Diehl
eiterkrût
stN.
Pflanze mit Wirkstoffen gegen den eiter der Ohren:
origanum, [...] daz haizet ôrkraut
und haizent ez etleich aiterkraut, aber ez haizt pilleich ôrkraut, wan ez ist den
siechen ôrn guot BdN
301,20
(vgl.
sô rainigt ez [Holundersirup] diu
fliezenden ôrn von dem aiter ebd.
348,13)
MWB 1 1570,46; Bearbeiter: Diehl |