enzwicken
swV.
1 tr. ‘etw. lösen, vertreiben’
2 refl. ‘sich lösen, befreien’
1
tr. ‘etw. lösen, vertreiben’
vil sorghen se [die Dame] vntzwicket Wizlav
L 7,23
2
refl. ‘sich lösen, befreien’
Ekwart, îl hin und goum [achte darauf] , / daz der
vorder schranboum [Schranke] / inder sich entzwicke
Helbl
15,245;
[wenn das Herz von Liebe entzündet ist,] lieb wil sich
entzwicken / und klaget uf [wegen (s. Anm.z. St.)]
minne Frl
8:15,17
MWB 1 1771,44; Bearbeiter: Runow
enzwischen
Adv., Präp.
auch inzwischen, enzwischent, en-/intuschen.
1 Adv. 1.1 lokal ‘dazwischen’
1.2 temporal ‘inzwischen’
1.3
‘untereinander, gegenseitig’
2 Präp. ‘zwischen’
2.1 mit Dat. 2.1.1 lokal 2.1.2 temporal 2.2 direktional mit Akk.
1
Adv.
1.1
lokal ‘dazwischen’
ci demi allir bezzistin lante / [...] / dâ die
becche miliche vluzzin, / diz suͦze honig dar inzuschin Anno
49,8;
von der burc bis an den se / vnde waz da enszwischen was
Herb
7437;
nuͦ salt du [Täufling] in des
namen baden, / die [l. der
] den hiemil vͦf heldit / vnde der erden weldit. / der bekennit al
die dinc, / die da inzívssen sint TrSilv
254;
io was hie inzwischen / manic ungeuerte
Ägidius
1532;
Lanc
322,4.
–
ein rîlich blîât, / der zweier hande varwe erschein: /
sich kunde an im wol underein / rôt unde grüene mischen, / und was darûf
enzwischen / zernæjet wol zam unde wilt KvWTurn
342;
MNat
11,1
1.2
temporal ‘inzwischen’
ir hânt dem rîche wol gedienet und alsô, / daz iuwer lop dâ enzwischen
[seither] stîget unde sweibet hô Walth
85,3;
ê wir daz grîfin an, / sô sul wir hî inzwischin / ein teil geschichte
mischin, / dî bin der vorloufnin zît / [...] sîn
geschên NvJer
18030
1.3
‘untereinander, gegenseitig’
want ich gebieden uch dat ir uch intusschen minnet, / alse ir wizet dat
ich uch haven geminnet Lilie
60,5
2
Präp. ‘zwischen’
2.1
mit Dat.
2.1.1
lokal:
do heten si in [Jesus]
gehangen inzwiscen zwein scachmannen AvaLJ
151,6;
ungwentum iacobi calisticum.
[...] ist goͮt den der inzwissen den lidirn we
ist Ipocr
295;
zwene morgen akkerz, die entswúschen Phaͤffingen vnd Boltringen an der
Ammer ligen UrkCorp (WMU)
3453,41;
Wig
6943.
– übertr.:
da wart ein fraislich champh / in zwischen den
haiden unt den christen Rol
5325;
Wig
553;
Seraphin is ein middelere / entüschen god ind
allem here MarlbRh
88,34.
18,33;
si gont einen engen phat enzwischent friden und
unfriden und enzwischen hoffenunge und unrechter vorchte
Tauler
218,23.
116,13;
Konr
3 W1,98;
Tr
17506
2.1.2
temporal:
enzwissin den zwein messin vnsir frowin UrkCorp (WMU)
752,32;
entswshent winnahten vnd fochsnaht
[Fastnacht]
ebd.
1999,4.
– mit Adv. und Dat.:
intuschin hie [jetzt] inde Sente
Martinis mossin [Messe]
UrkCorp (WMU)
21A,38.
796,9.
–
‘innerhalb’
jst ouch, daz der burgen dekener abe gat da entzwischent den
zwenzik jaren UrkCorp (WMU)
2558,9
2.2
direktional mit Akk.:
ouch hæte Tristan geleit / sîn swert bar enzwischen si; /
hin dan lac er, her dan lac si Tr
17413
MWB 1 1771,52; Bearbeiter: Runow
enzwîvel
Adv.
‘zweifelhaft’
der mennischen genist ist enzwîvil, die mit gesuntim lîbe
vravelichin êzzint, so si scholtin vastin Spec
64,8
MWB 1 1772,36; Bearbeiter: Runow
epacte
F.
‘Epakte’, Zahl der am 22. März eines Jahres vergangenen Tage des Mondzyklus;
zur Festlegung der Ostergrenze (vgl. LexMa 3,2041):
einer hande zal, heizit epacte, die leret welhes tages der
mane enzundet werde MNat
15,12
MWB 1 1772,39; Bearbeiter: Runow
eparche
M.
‘Herrscher, Statthalter’ (aus gr. eparchos):
hin / vour er dô er daz gesprach / dâ der eparche [gemeint ist
Kaiser Konstantin] sîn gemach / het in sînem slâfe
StNik
390
MWB 1 1772,44; Bearbeiter: Runow
epgrunde
stN.
→ abegründe
MWB 1 1772,48;
epfel-
→ apfel-
MWB 1 1772,49;
êphenninc
stM.
‘Gerichtspfennig’
omnes illi, qui dant epfeninge, debent dare annuatim panwerch
UrkTirol
1:3,143
(a. 1239);
omnes homines qui de iure dare debent epfenninge de bonis eorum
UrkÖsterrM
131
(a. 1272)
MWB 1 1772,50; Bearbeiter: Runow
ephich
stMN.
auch eppe, ephe, epf.
‘Sellerie’ (Apium graveolens; vgl. Marzell 1,345f.):
apium vel selino: ephe / ephich SummHeinr
1:204,434;
ephih ist goͮt den zornegen liuten PrüllK
24;
der eppe ro gessen oder getrunken: das saf hilfet den, der mit
arbeiten pisset Macer
9,6;
fenichel und epich Barth
158,2;
apium haizt epf. daz kraut ist haiz und trucken
BdN
382,14;
petersil hât vil der kreft, die der epfeich hât ebd.
413,33;
Gen
251;
SalArz
11,51
MWB 1 1772,55; Bearbeiter: Runow
ephichblat
stN.
‘Sellerieblatt’
zu den sichen ougen. nim eppes bletere vnde rip si mit
gruneme kese. vnde lege daz uf di ougin SalArz
36,45
MWB 1 1773,1; Bearbeiter: Runow
ephichrinde
F.
‘(abgeschälte) Sellerierinde’
gip im [dem Fieberkranken] uenchel
rinde. oder eppen rinde di gesoten sin mit oximel SalArz
72,33
MWB 1 1773,4; Bearbeiter: Runow
ephichsaf
stN.
‘Selleriesaft’
so sal man dem siechen geben scariole saf. vnde eppe saf
SalArz
71,54;
salbe dich mit eppe saffe ebd.
78,9
u.ö.
MWB 1 1773,7; Bearbeiter: Runow
ephichsâme
swM.
‘Selleriesame’
man sal im [der am Blasenstein
leidet] ouch gebin alle di dinc di den harn machen uaste gen. daz
is [...] eppesame. petirsilge same SalArz
59,8
u.ö.;
der eppe same mit wassere unde mit ezzege genutzet verstophet
den buch Macer
9,12;
Ipocr
222
MWB 1 1773,10; Bearbeiter: Runow
ephichsouc
stM.
‘Selleriesaft’
nim wermuotsouch unde ephichsouch unde maratrisouch unde
mische die alle under einander Barth
143,15;
swer di [
hitzeblatern
] hat. der sal [...] ofte baden. vnde sal
sich bestrichen [...] mit eppe suge so er uz dem bade ge
SalArz
78,54.
65,16
MWB 1 1773,16; Bearbeiter: Runow
ephichwurz
stF.
‘Selleriewurzel’
diptamnum: ephiwrz VocBV67
3:498,6;
nim venichlwurz und epfeichwurz und petersilwurz und seut
die in erdgallensaf [...] und gib ez dem ze trinken, der
krankeu gelider hât BdN
397,26
MWB 1 1773,22; Bearbeiter: Runow
ephimera
F.
eine (kurze) fiebrige Erkrankung:
effimera daz ist ein swer. vnde
[...] geschit etwenne uon der sunnen hitze. so wirt daz
houbit heizer denne ander teil des libes. vnde tut uil we SalArz
66,53;
swenne di effimera ist uon der sunnen hitze ebd.
67,16.
67,27
MWB 1 1773,27; Bearbeiter: Runow
ephot
Subst.
(hebr., vgl. Glr.z.St.) ‘Gewand des Hohepriesters’
Jeronimus heizzet die alben [weißes liturgisches
Gewand] ephot Lucid
87,7
MWB 1 1773,33; Bearbeiter: Runow
ephöu
stN.
auch ebehou; zu ahd. ebah, mit pseudoetymol. Anlehnung an
ahd. howi
‘Heu’ (vgl. 2DWB 7,90 (s.a. AWB 3,1).
‘Efeu’
edera quod arboribus reptando hereat: ephoͮ SummHeinr
1:191,269
u.ö.;
ad capitis dolorem. nim wormatun. rutam. ebehoͮe. daz an der
erde wahsset Ipocr
7.
15.
52;
mule daz ephoͮwe cum uino InnsbArz
5
MWB 1 1773,36; Bearbeiter: Runow
epiphanie
F.
‘Epiphanias, Tauffest Christi; Dreikönigstag’
dis beschach [...] an dem fritage nach der epiphanie
UrkCorp (WMU)
503,4;
dur daz began wir des in epiphania niht. der toͮf, den wir ze
osteren begant, der ist vnsers herren Ihesu Cristi Lucid
115,13;
[Überschrift:] in epyphania. an dem zwolften tage
Tauler
16,20
MWB 1 1773,43; Bearbeiter: Runow
epistelære
stM.
Bez. für den Kleriker, der in der Liturgie die erste Lesung (aus den
Apostelbriefen) abhält:
[Bildüberschrift:] accolite episteler vnd ewangilier
Pilgerf
814 (App.)
MWB 1 1773,50; Bearbeiter: Runow
epistele
swF.
1
‘Brief’
2 bezogen auf die apostolischen Briefe der Bibel
1
‘Brief’
da von so sprichet St. Augustinus in einer epistelen ‘zuo
Volysianum.’ ThvASu
38,15.
52,25;
[Kapitelüberschrift:] von der episteln Aristotilis, die
gesantt ward ze der pet [auf Ersuchen] des grossen
chüniges Alexannders von Macedony HvHürnh
Reg. 3.
1,11
2
bezogen auf die apostolischen Briefe der Bibel:
also leret uns sant Paulus in der selben epistel wie wir uns beklaident mit
tugenden PrGeorg
241,5;
alliz daz geschribin stat [...] in einir epistiln zcu
den Romer PfzdHech
161,3;
sancte Peters epistole Tauler
91,2;
Seuse
347,27;
Eckh
1:161,3
u.ö.;
mit lat. Flexionsendung:
er hiez machen alle stunt / die wîsen prophêten kunt, / diu
vünf buoch von Moysê, / die alten und die niuwen ê, / die boten, die epistolas, /
den salter RvEBarl
13585.
– in der Liturgie ‘erste Lesung’ (aus den Apostelbriefen, vgl. LexMA
3,2069f.):
an den sunnetagen sal man in die epistelen unde daz
ewangelium lesen StatDtOrd
32,29;
Sente Stephan und Sente Laurentius lasen das ewangelium und di epistelen
HlReg
67,6
MWB 1 1773,54; Bearbeiter: Runow
epistîtes
Subst.
ein Edelstein:
karfunkl unt silenîtes, / [...]
cerâuns unt epistîtes Parz
791,6;
epistutes ist ain scheinent stain rôtvar. der den pei dem
herzen tregt, den macht er sicher und senftigt urleug oder krieg BdN
446,8
MWB 1 1774,11; Bearbeiter: Runow
epistrates
Subst.
ein Edelstein:
crisopassus und cristall, [...]
epistrates, galactide HvNstAp
18156
MWB 1 1774,16; Bearbeiter: Runow
epitafum
stN.
auch epitafium.
‘Grabschrift’
dar an [am Grabstein] stunt
[...] / sîn [Pallas]
epitaphium gescriben / und wie her tôt was gebliben / und wie her hiez und wer her
was En
8333;
ich vant drî und zweinzec bâre, / alsô manegen tôten künec dâ
ligen / gekrœnt. ir namen sint unverswigen: / ze ende ieslîcher bâre drum / hât ir
eppitafîum / an breiten tavelen Wh
464,20;
dar zu, du werde frawe, kum / und schrib daz epitaphum: /
‘hie ligt tot durch mynne / und von getruwem synne / mines diners freude selig’!
Minneb
2638;
Parz
107,30;
Wig
8256;
UvEtzAlex
4936.
– allg. ‘Inschrift’
die aber zem grâle sint benant, / hœrt wie die werdent
bekant. / zende an des steines drum / von karacten ein epitafum / sagt sînen namen
und sînen art Parz
470,24.
781,15
MWB 1 1774,18; Bearbeiter: Runow
epizikel
stM.
‘Epizykel’ (kleinere Kreisbahn, auf der sich die Planeten innerhalb ihres
Umlaufs um die Erde scheinbar bewegen; zur Erklärung der Unregelmäßigkeit der
Planetenbewegung innerhalb des geozentrischen Weltbildes; vgl. LexMa
6,2202):
ez hat auch ein igleich planet an dy sunne einen chraizz, der haist
‘epiciclus’. und ‘epiciclus’ ist ein chlainer zirchel, durich dez selben umbchraizz
wirt des mones leichnam gefueret, und dez epycikels center alle zeit wirt gefuret in
dem umbchraizz deferenter Sphera
93,33
MWB 1 1774,34; Bearbeiter: Runow |