enwanc
Adj.
Bed. unklar; ‘wendig’ (?):
si [die Taube] fliuget niht ze hôh iedoch / und ist
gar enwanc joch LvRegSyon
1684
MWB 1 1761,43; Bearbeiter: Runow
enwar
Adv.
‘gewahr’
er sach umme und wart enwar / wie ein wolf was kumen dar
Vät
37265
MWB 1 1761,46; Bearbeiter: Runow
enwëc
Adv.
seit dem 14. Jh. auch →
wëc
.
1 lokal ‘weg, nicht mehr da’
2 direktional ‘hinweg, fort’
1
lokal ‘weg, nicht mehr da’
wir sehen wol, daz der sne uf den hohin bergin niemer zergat.
jn dem tal ist er schiere enwec Lucid
40,8;
Segremors [...] sah das der ritter
enweg was Lanc
314,7;
nu ist es enweg Mechth
7: 49,15.
– übertr. mit temporaler Bed.:
oder zi genantin iaren, die noch nit inwek sint UrkCorp (WMU)
680,30
2
direktional ‘hinweg, fort’
wol uf her gast, ir sult enwec! Tannh
12,19;
nû balde enwec, vil tumber man! RvEBarl
411;
wolt ir also schier enweg? Lanc
258,24.
– meist mit Bewegungsverben, z.B.:
sie woldin alle in uech gan Roth
3274;
alsô fûrin sie inwec PrMd (J)
351,14;
mit unsiten si ir zuo sprach / und hiez si enwec strîchen
Iw
1975;
Tristan spranc enwec zehant Tr
2935;
sus muosen sie rîten / [...] /
mit dem gougelær enwec UvZLanz
7460;
cumit he dan inweic Mühlh
104,11;
er floch enweg Tauler
15,31.
–
her Gâwein [...] hete sich vor
enwec gestoln Iw
6886.
– übertr. mit temporaler Bed.:
daz unreht ist daz leit / [...],
/ wande ez ungemechlich enwech gat, / doch ez manich man hat
VRechte
343;
dô was der lange tac geschriten / enwec KvWTroj
26434
MWB 1 1761,48; Bearbeiter: Runow
enwedele
Adv.
→
enwadele
MWB 1 1762,8;
enwëder
Pron.
→
newëder
MWB 1 1762,9;
enwëge
Adv.
‘unterwegs, auf der Reise’
frowe, ih der muoze nû niene hân, / daz ih dir gerihten mege:
/ ih pin allezan in wege Kchr
5900;
ich wil in kurzen zîten / in beteverte rîten / und bin vil
lîhte lange in wege Tr
13687
MWB 1 1762,10; Bearbeiter: Runow
enwer
Adv.
‘wehrhaft’
die vrowe hielt sich enwer / gegen dem manne Pass I/II
378,79
MWB 1 1762,15; Bearbeiter: Runow
enwette
Adv.
‘um die Wette’
sehet die ane [...], die da enwette lofent uf der
straze PrRoth
36;
der werde ritter lobelich / und diu vrouwe hôchgeborn, / die leiten sich ân
allen zorn / z’ein ander an daz bette / und fröuten sich enwette / mit herzen und
mit lîbe KvWTroj
9138;
ein bette, / daz mit gezierde enwette / was nâch wunsche wol bereit ebd.
28973;
Tr
17472.
–
‘schnell, eifrig’
ir wâret an mir stæte: / ze mîme siechbette / kâmet ir enwette LBarl
3431;
er [der sündhafte Leib] ist bi vns hie zehuse / in
der menschelichen cluse / und gat mit vns enwette / zetische vnd zebette
[...] / diz ist vnser fleisch vnd bluot / daz vns
mengen schaden tuot Martina
258,73.
130,45.
– in der Paarformel
~ unde enwiderstrît:
si zwêne wâren under in / alle stunde und alle zît / inwette
unde inwiderstrît / wider ein ander dienesthaft Tr
18746.
16893;
er wart vil sêre enwette / gestrâfet unde in widerstrît KvWPart
8508;
KvWAlex
1124
MWB 1 1762,17; Bearbeiter: Runow
enwiderstrît
Adv.
‘(miteinander) wetteifernd, eifrig, heftig’
an swem sô vil der sælde lît, / der mac sich vreuwen zaller zît / in
widerstrît / als an dir, vrouwe reine LobGesMar
27,3;
ein niuwer sumer, ein niuwe zît, / ein guot gedinge, ein lieber wân, / diu
liebent mir en widerstrît Walth
92,11;
ein ebenhiuze der sunnen / ist der wâpenroc untz kursît: /
ieweders blic en widerstrît / hât sô kostebæren glast Wh
129,2;
sie kêrten alle enwiderstrît / an disen guoten man ir nît
RvEBarl
515.
7466;
si [die Spielleute] spilten alle en
widerstrît Wig
1686;
StrKD
8,160.
– als Paarformel
→ enwette unde ~
:
Tr
16893.
18746;
KvWAlex
1125
MWB 1 1762,36; Bearbeiter: Runow
enwiderstrîten
stV.
mit Dat. ‘einer Sache entgegenstehen, im Widerspruch stehen zu etw.’
die selben gebresten solte Christus an sich nemen, die
ervolget werdent von der sünde der gemeiner menschlicher nature, unde doch einwider stritent [
repugnant
] si niht der volkomenheit der kunst unde der gnaden
ThvASu
86,12
MWB 1 1762,49; Bearbeiter: Runow
enwiht
Adv., Pron.
→
niht
MWB 1 1762,56;
enwîten
Adv.
‘in der (bzw. die) Breite’
ein geworke [Mauerwerk] , daz sich breite / al umbe
in allen sîten / enlenge unde enwîten / ze iegelîchem steine / gûter spannen eine
En
9450
MWB 1 1762,57; Bearbeiter: Runow
enz-
s.a. ents-
MWB 1 1762,61;
enzat
Adv.
‘in alle Richtungen, überall (hin)’ (vgl.
zetten
):
der strît geschach ûf dem mer. / galîn und barken
[...] fuoren ûf dem mer enzat EnikWchr
28725;
ob ichs genennen torste, / die dienstman, die gênt enzat Helbl
8,555;
so man in [einen großzügigen
Herren] nu begraben hat, / dennoch get sein lob enzat / manig jar
nach seinem vall Teichn
47,56;
nu [heutzutage] get man nur umb
guͤt enzat [in die Welt hinaus]
ebd.
383,40
u.ö.
MWB 1 1762,62; Bearbeiter: Runow
ênzeclich
Adj.
→
einzeclich
MWB 1 1763,7;
enzeichenen
swV.
‘sich unkenntlich machen’
er [Galahut] was vor im und
begreiff yn mit dem bridel [am Zügel] , nochdann hett er
[Lyonel] sich entzeichent so er meist mocht; er fraget
yn wo er hien wolt Lanc
557,3
MWB 1 1763,8; Bearbeiter: Runow
ênzel(e)n
Adv.
→
einzel
Adj.
MWB 1 1763,13;
ênzelinc
Adj.
→
einzelinc
MWB 1 1763,14;
ênzellich
Adj.
→
einzellich
MWB 1 1763,15;
enzëlt
Adv.
auch in zelt und ein zelt.
1
‘im Passgang’ (von Pferden) 2 übertr. ‘leichtfüßig, beschwingt’
1
‘im Passgang’ (von Pferden):
nu sach er verre dort hin dan / vier gewâfende man / über
ungeverte und über velt / ein lützel balder danne enzelt / vliehende galopieren
Tr
8946.
– überwiegend in der Verbindung
~ gân:
ez [das Pferd] gienc vil drâte über velt /
schône sam ein schef enzelt Er
1439;
ir keins ros gieng ein zelt, / sie muͦsten laufen vil
vaste / zu ere dem werden gaste Rennew
29102;
iuwer meidem [Hengst] gie niht enzelt, / er
dravete unde schûfte [galoppierte]
Helmbr
1780;
Krone
14415;
Seifrit
7833;
HvNstAp
6072.
– in der Wendung baʒ danne ~
‘geschwind, schnell’
do ouch der lewe wart gewar / und er sach des esels ganc, / hey wie
vrolich er ufspranc! / sin louf was gegen im uberz velt / verre baz danne enzelt
Pass III
511,95;
sin ross gieng bas denn in zelt / hürtteklich über daz
veld GTroj
20323;
die küngin [auf ihrem Pferd] bas
den in zeltt / uff ainen witten palast gie ebd.
596.
21069
2
übertr. ‘leichtfüßig, beschwingt’
ja gienc
virwenentliche [unerschrocken] inzelt / Bonthart
rechte alsame ein tier GrRud
I 47;
vrouwen lachen bringet gelt, / daz mannes herze in vröuden gein ir lachen vert
in zelt RvZw
33,5;
noch ist einer dâ, / dem gêt wol sîn schîbe [bezogen auf die
rota fortunae, vgl. Wießner, Komm. 199. 150] enzelt
Neidh
WL 31:6,6;
div scham gein selden gat enzelt Martina
19,92.
– ironisch:
die öden torper giengen ein zelt / als ein gans auf einem eis / die ire
genslein hat verlorn Neidh (S)
2,16 c6:3,6
MWB 1 1763,16; Bearbeiter: Runow
enzëmen
stV.
‘jmdm. angemessen sein, geziemen’
mit dem fvre diner minne, / [...] / di
den herzen den luterin sin binjmint, / zv sprechene di wort di dir inzemint
Litan
138;
er [...] wisete daz gegen sidele /
eime herren deme iz wole inzam GrRud
A 8.
Ab 21;
dâ bite ich gotes helfe zuͦ, / daz ich die rede alsô getuͦ, / daz sie gote
muͦze enzeme Kröllwitz
4688;
Athis
A* 40;
EbvErf
1981.
–
luzzel man ichtes da virgaz / daz der hogezit inzam
GrRud
A 12;
diz sagete in ir kunst gewis / daruber, swanne eclipsis / kumt als dem rechte
entzimt, / daz licht sich nicht so lange nimt / der sunne, als ez do geschach
Pass III
544,47
MWB 1 1763,47; Bearbeiter: Runow
enzenden
swV.
‘etw. entzünden’
ûz allen halspergen sô liuhtet sîn gewant, / sam in vinsterm hûse ein kerze
wære enzant OrtnAW
412,2
MWB 1 1763,60; Bearbeiter: Richter
enzenen
swV.
‘jmdn. der Zähne berauben’
si [die Laster wîn unde wîp
] vil mænigen munt entzenent / und oͮgen vil verswellent SHort
4198
MWB 1 1763,63; Bearbeiter: Runow
enzetten
swV.
→
enzat
Adv.
MWB 1 1764,1;
enziân
stM.
‘(gelber) Enzian’ (Gentiana lutea, vgl. Marzell 2,626ff.):
enciana ist heiz unde trocken an dem dritten grade
Macer
63,1;
nym encian unde stos den in wyͤne unde guͤs ys deme rosse nuͤn
tage in den hals: so wirt ys gesunt Albrant
2,15;
genciana: encian VocBV947
3:541,61;
SalArz
75,40;
OvBaierl
95,5
MWB 1 1764,2; Bearbeiter: Runow |