entscheidenliche
Adv.
‘deutlich, unmissverständlich’ (vgl.
entscheiden
4):
der vorgenante Dîterîch / von Esebek intscheidinlîch / hatte vor disen nôten /
[...] / geoffenbârit sînin tôt NvJer
20483
MWB 1 1700,1; Bearbeiter: Runow
entscheidigunge (?)
→
entschedigunge
MWB 1 1700,5;
entscheidunge
stF.
1
‘Urteil, Urteilsspruch’
2
‘Auslegung, Bedeutung’ (übers. lat. solutio )
1
‘Urteil, Urteilsspruch’
ja inturste nymant [außer Habakuk]
mit so kunyr stymme gote zu entscheydunge der gerechtikeit reyzin
Cranc
Vorr. Aba 345,17
2
‘Auslegung, Bedeutung’ (übers. lat. solutio):
vure mich [Daniel] hin vor des
kunigis [Nebukadnezars] angesichte, so wil ich im di
entscheidunge [des Traumes] sagen Cranc
Dan 2,24
MWB 1 1700,6; Bearbeiter: Runow
entscheinen
swV.
‘jmdm. etw. offenbaren, zuteil werden lassen’
[an Maria:] dinen trost mir so entscheine, / daz ich rue
mit Abraham und Jakob, / do man singet daz ewige lob Brun
10525
MWB 1 1700,14; Bearbeiter: Runow
entscheit
stN.
‘verbindliche Aussage, Bescheid’
do di rittir daz entscheit / hortin sulchir mildekeit / von hern Allexandro, /
si woren disir rede vro PfzdHech
232,26
MWB 1 1700,18; Bearbeiter: Runow
entschel
Subst.
Bed. unklar:
ich [Maria] bin der wec, der sorge entschel
[Beseitigung, Beseitiger?] / der füert ûz
wüestenungen Tougenhort
237
MWB 1 1700,22; Bearbeiter: Runow
entscheln (?)
swV.
Bed. unklar:
di kunigin ir muͤmel niht enschalte [La. sust
entschalte
]
JTit
809,4
MWB 1 1700,25; Bearbeiter: Runow
entschemen
swV.
‘jmdn. in Schande bringen, beschämen’
das er mir uß großer nott halff von dryen rittern die mich entschempt haben
wolten Lanc II
359,20
MWB 1 1700,27; Bearbeiter: Runow
entschepfen
swV.
‘jmdn. verunstalten, entstellen’
in hæte alsô beswærde / entschepfet und der breste sîn KvWAlex
313;
ich [Lucifer] was in dem himelriche / den schonen
engeln geliche / da moht ich niht beliben / [...] als bin
nv entscheppfet Martina
217,55.
276,4;
wie ist daz schoene antlüt dîn [Jesus bei der
Passion] / entschepfet von dien streichen WvRh
10504;
das antlút [...] entzieret wart und entschoͤphet
EngelbTr
69;
KvWEngelh
5705;
Seuse
551,26.
545,8.
– übertr.:
so daz mich der súnd schimel / entschepfet
SHort
4215;
da het in svnde / also gar entschepphet Martina
148,73
MWB 1 1700,31; Bearbeiter: Runow
entschîben
stV.
‘vor etw. wegrollen’ (mit Dat.); Bildwort in Anlehnung an die schîbe
der Fortuna:
iu hât mîn her Tristan / niht ze laster getân [...].
/ er tuot ir [Isolde] als man ie tete / bîligenden wîben.
/ ir müget sîner sælde entschîben, / welt ir an vröuden wol gelegen UvTürhTr
708
MWB 1 1700,44; Bearbeiter: Runow
entschicken
swV.
‘jmdn. entstellen, verunstalten’
als sint siv [die gestürzten Engel] nv entschicket
/ swer siv an blicket / der verlvset sine sinne Martina
92,89.
199,95.
– refl.:
sich hat din menschenbilde / so wunderlich enschicket, / daz sin min herz
erschricket Kerbelkraut
183
MWB 1 1700,50; Bearbeiter: Runow
entschîdunge
stF.
‘Entscheidung, Einigung’
allir der vorgesprochin rede vnd entschydunge der enscheyder
[Schiedsrichter] gewest her Hanke von Knoblauchsdorff
UrkGlatz
82
(a. 1344)
MWB 1 1700,56; Bearbeiter: Runow
entschieben
stV.
‘etw. erklären, ausdeuten’
ich wil die schrift entschieben Martina
167,35
MWB 1 1700,60; Bearbeiter: Richter
entschieʒen
stV.
‘aufsteigen, emporschießen’
nun beger ich mit allen hailigen, das dir dein einigs lieb entschiesz und das
doch das insiegel nit brech sich selber in deinem hertzen HvNördlBrf
49,21
MWB 1 1700,62; Bearbeiter: Richter
entschihten
swV.
1
‘ein Urteil sprechen, etw. schlichten’
2 refl. ‘seine Angelegenheiten ordnen’
1
‘ein Urteil sprechen, etw. schlichten’
wen als man vor gerichtin / sache sal entschichtin, / so sullin si [
di statschribere
] so schribin, / di worheit jo zcu blibin PfzdHech
280,30.
243,27
2
refl. ‘seine Angelegenheiten ordnen’
disir [zum Tode Verurteilte] bat mit listin / daz
he en wolde vristin / biz daz he sich entschichte, / sin dinc zcu hus berichte
PfzdHech
227,20
MWB 1 1701,1; Bearbeiter: Richter
entschînen
stV.
‘erscheinen’
der teufel entschein eynem bruder yn der gestalt cristi
Vät
Überschrift vor 22743;
ein teil [des weltumfließenden
Ozeans] ist geflozzen / engegen, da vns die svnne enstat. /
[...] / daz dritte teil da engein, / da der mittag
entschein: / daz ist in meridie Herb
14180
MWB 1 1701,10; Bearbeiter: Richter
entschit
stM.
‘Schiedsspruch’
ich Ludweich der Grans tuͦn chunt alle den, di disen brief ansehent, daz
Hainreich [...] vnt sein erben
[...] sein aidem enschied lizzen vmb alle den chrieg
vnt ansprach UrkRait
452
(a. 1305)
MWB 1 1701,16; Bearbeiter: Richter
entschiuhen
swV.
‘jmdn. meiden, verabscheuen’
du vorsmehest den armen nicht, / du entschuwetes nicht den
sundere, / du entschuwetes nicht den mordere, / der bi dir an dem cruze hing
Brun
11399
u.ö.
MWB 1 1701,21; Bearbeiter: Richter
entschœnen
swV.
‘jmdn. der Schönheit berauben’, übertr.:
du hâst mîne tohter gehônet, / ir schœnen lîp entschônet: / si hât von dir
lasters mâl UvTürhTr
700;
wie sie [die Nichte des Einsiedlers
Abraham] was gehonet, / an sunden untschonet, / do wart ir harte
leide Vät
32392
MWB 1 1701,26; Bearbeiter: Richter
entschrenzen
swV.
‘etw. zerreißen’
der purper und diu sîde / wurden sêre engenzet. / ir wâpencleit zerschrenzet
[La. entschrenzet (vgl. Bartsch, Troj.
z.St.)] / wart von swertes orten KvWTroj
3996
MWB 1 1701,32; Bearbeiter: Richter
entschrunden
swV.
‘etw. verletzen, verwunden’
dâ stêt [Io 19,34] ein ritter mit
dem sper / habe sîn sîten ûf getân; / war um hât man daz verlân / daz man nicht
setzt ‘verwundet’, / ‘geslagen’ oder ‘enschrundet’, / ‘durchstochen’ oder sulches
icht? JvFrst
10828
MWB 1 1701,36; Bearbeiter: Richter
entschûfeln
swV.
‘jmdn. herausschaufeln, ausgraben’
weste ich minen vater da / in deme grunde [in der
Hölle] vertreten, / dem wolde ich so vil nachbeten, / als einem
andern tuvele, / wand ich in nicht enschuvele / uz der tiefen helle gat Pass
III
591,68
MWB 1 1701,42; Bearbeiter: Richter
entschulde
stF.
‘Ausrede, Rechtfertigung’
vfstandi aber zim werke gotis vnder ander sih mazziclic
scunden. dur der slaffer insculde [stehen die Mönche zum Gottesdienst
auf, schinden sie sich maßvoll gegenseitig, damit nicht die Schläfrigen eine
Ausrede haben]
BrZw
22
MWB 1 1701,48; Bearbeiter: Richter
entschuldec
Adj.
vgl. die Wendungen jmdn./sich →
schuldec
/
unschuldec
gëben.
in der Wendung jmdn.
~
gëben
‘jmdn. als entschuldigt ansehen’
geruche mich entschuldig geben, / vil lieber frunt, dez bitte ich dich
EvStPaul
8709
MWB 1 1701,54; Bearbeiter: Richter
entschulden
swV.
‘jmdn./ sich von Schuld freisprechen, entschuldigen’
wil aber sich des ieman [der einen Geächteten beherbergt
hat] entschvlden daz er nit enwesse daz er in der æhte was. der
swer des zen heiligen. vnd si ledic SchwSp
66a;
von diu so nemugen sich des an dem jungesten tage weder die juden noch die
heiden niht ensculden Konr (Sch)
245,23;
BrZw
66;
Mechth
7: 13,9.
–
‘jmdn. von einer Pflicht entbinden, befreien’
jb merre di menigi ist [wenn die Gemeinschaft
größer ist] der kelner werde insculdvt von der kuchi
BrZw
35.
–
‘eine Einladung ablehnen’
[der Eingeladene (Lc 14,20)] / bat sich mit huldin ave
der insculdin Gen
2909
MWB 1 1701,59; Bearbeiter: Richter |