ensteclich
Adj., Adv.
‘innig, liebevoll, gnädig’
dû [Gott] ê sie
[Maria] gesoͮget hetest mit dînir ensteclicher minne
TrudHL
14,21;
die süezen trähene dîner ensteclichen gestungede
[Hingabe]
TrudHL (O)
144,9;
di liez ouch nu die reine / mit ensteclicher weine / in ruwelichen leiden /
mit sufzen von ir scheiden Elis
6914;
si lac den frouwen alles ane / mit gar ensteclicher mane, / di kint zu doufene
hetten ebd.
8214
u.ö.
– adv.:
unser herre alleine, / der [...] ir di bane wisete /
zu ir vaterlande heim, / des licht ir enstecliche engleim
[leuchtete]
Elis
9070
MWB 1 1656,60; Bearbeiter: Runow
enstellen
swV.
→
entstellen
MWB 1 1657,8;
ensten
swV.
zu enste stF.
‘jmdm. lieb werden, sich beliebt machen’
sô er [Esau] iz [die
Jagdbeute] denne hine heim brâhte mislicher muose er gedahte, /
vile wole er iz phefferôte, sînem vater er dâ mite enstôte Gen
1080
MWB 1 1657,9; Bearbeiter: Runow
en|stet,
en|steten
Adv.
‘an der Stelle’
dô lâgen si ensteten, / unz in der kunic enkegen kom
Ottok
9563;
alsô lâgen si enstet ebd.
15339.
–
‘auf der Stelle, sogleich’
so wil ich [Gott] das der sunnen
schein / zeir ursprunge wider chere / und sich der tach so mere, / oder wil
er [Ezechias] das sy ste en stete, / ich erhore auch
dar an sein bete HvBurg
2229
MWB 1 1657,14; Bearbeiter: Runow
ensticken
swV.
→
entsticken
MWB 1 1657,22;
enstiften
swV.
→
entstiften
MWB 1 1657,23;
enstîgen
stV.
→
entstîgen
MWB 1 1657,24;
enstlich
Adj.
‘liebevoll, gnädig’
nû lâ mir die suͦzen trahene̜ dîner enstlichen gestungede
TrudHL
144,9
MWB 1 1657,25; Bearbeiter: Runow
enstôʒen
stV.
→
entstôʒen
MWB 1 1657,27;
enstricken
swV.
→
entstricken
MWB 1 1657,28;
en|strîte
Adv.
‘wetteifernd, um die Wette’
ich han geschafft umb ein gewant. / daz wiͤrt zu der
hochczeit, / daz iͤr dar inn get enstreit / mit der hertzoginn zu chor
Teichn
360,40.
– in der Verbindung
~ gegen:
ein kristalle, lûterr danne ein glas
[...]; / des süeze enstrîte gegen wac / bisem und spicâ
nardî [Moschus und Lavendel]
Wig
10365;
ir schœne gap den andern schîn / enstrîte gegen dem liehten
tage ebd.
10522
MWB 1 1657,29; Bearbeiter: Runow
enstrûchen
swV.
→
entstrûchen
MWB 1 1657,38;
ensweime
Adv.
‘gleitend, schwebend’
mîn herze hebet sich ze spil, / ze vröiden swinget sich mîn
muot, / alse der valke envluge tuot / und der are ensweime MF:Reinm
7: 5
MWB 1 1657,39; Bearbeiter: Runow
en|t-
s.a. en|d-
MWB 1 1657,43;
ent-
Präf.
en-/ent- in deutschen verbalen Präfixbildungen hat sich aus zweifacher Wurzel
germ. *in- bzw. *and- entwickelt. Es ist davon auszugehen, dass
germ. and- (in allen westgerm. Sprachen) bereits in voreinzelsprachlicher
Zeit zu an-, on-, in- reduziert wurde. Infolgedessen kam es im Ahd. zu einer
Vermischung des aus and- entstandenen in(t)- mit in-.
Der Unterschied zwischen in(t)- (^< and-) und in- ist im Ahd.
z.T. noch daran erkennbar, dass bei einigen ursprünglichen in-Verben der
Anteil der t-losen Präfixvariante in- deutlich höher ist als bei
den ursprünglichen int-Verben. In mhd. Zeit haben sich die Grenzen verwischt.
Hier zeigt sich eine allomorphische Spaltung des Präfixes in die Varianten
ent- und en-, deren Distribution weitgehend vom Anlaut des
Basisverbs abhängt (vgl. 2
5Mhd. Gr. L 74 und ausführlich 2DWB 8,1339). Die Lemmaansätze des
MWB nehmen diese Tendenz auf und berücksichtigen je Folgegraphem nur einen Ansatz: So
erscheint en- bei den Verschlusslauten b, d, g und p, t,
k sowie bei z; alle übrigen werden unter ent- angesetzt.
Die Verteilung von enph- und entv- richtet sich nach den zugrunde
liegenden Simplicia. Als Orientierungshilfe erscheinen z.T. Doppelansätze. Außerdem
helfen Verweise beim Auffinden der Lemmata.
MWB 1 1657,44; Bearbeiter: Runow
ent|ænegen
swV.
refl. ‘sich entledigen, verzichten’ (mit Gen.d.S.):
auch habe wir vns der selben zehenden gevzzert vnde verzigen vnde aller dinge
enteniget UrkCorp (WMU)
3130,44
MWB 1 1658,7; Bearbeiter: Runow
ent|ânen
swV.
auch entænen ( Reinfr ,
KvWTroj ).
1 tr. mit Gen. 1.1
‘jmdn. einer Sache berauben’
1.2
‘jmdn. von etw. befreien’
1.3
‘jmdn. vor etwas bewahren, verschonen’
2 refl. mit Gen.-Obj. 2.1
‘sich von etw. befreien, etw. loswerden’
2.2
‘auf etw. verzichten, sich entziehen’
1
tr. mit Gen.
1.1
‘jmdn. einer Sache berauben’
dabî hât mich entânet mîner sinne / mîns herzen trôst und
ouch mîn küniginne SM:WvT
2: 1,5;
er ist unschuldic und ich frî / aller valschen tæte. / ob aber ich im hæte
/ dienstes lôn entwænet, / dâ von würde entænet / mîn lîp keiner wirde
Reinfr
5248.
– in der Wendung jmdn. des lîbes ~
‘töten’
ich wart / verraten von Walwanen, / der wil mich hie
entanen / des libes WhvÖst
5016
1.2
‘jmdn. von etw. befreien’
das ist sein angst und sein chlag / und pitet got alle
tag / das er in [den geistlichen man
] der [
bechorunge
] entane, / und wierdet ier doch nicht ane HvBurg
2659;
ach got, wiltu entane [Inf.] /
mich vræuden und libes WhvÖst
10584
1.3
‘jmdn. vor etwas bewahren, verschonen’
doch wolte si [Thetis] des wænen, / si möhte in
[Achill] wol entænen / der veigen misselinge
KvWTroj
4658
2
refl. mit Gen.-Obj.
2.1
‘sich von etw. befreien, etw. loswerden’
die gevangen schar, / der wolt ich mich entanen gar
RvEWh
12800;
ich [...] / han von dem gote
Tervigande / beide shaden und shande. / ich wil mich sin entanen
Rennew
27627.
33856;
die gedenke vielen in / sîn herze sô ze grunde, / daz er niht enkunde /
noch moht sich ir entænen Reinfr
4025;
der herre ouch kurzelîche hât / der wâfen sich entænet [die
Waffen abgelegt]
ebd.
2627.
–
‘frei sein von, sich abwenden von etw.’
Alyse, [...] / nu wise mine
sinne / der pflege diner meisterinne, / [...] / die
sich kunde entanen / swaz gein valshe sich gezoch Rennew
7464
2.2
‘auf etw. verzichten, sich entziehen’
du bist gebildet, mensche, nach im [Gott] . /
[...] du solt dich siner helfe niemer vrevenliche
entanen Marner (W)
1:2,6;
der bete dich, frawe, entane Rennew
19573;
EckenlE2
204,11.
– in einem mit sô eingeleiteten Rel.-Satz:
swc rechtvnge der meiier vnd der banwart vnz her hatten an dien
gvͤtern, so wir vns entânet han, die svlen si hinnan vúr lidekliche han
UrkCorp (WMU)
273,5
MWB 1 1658,11; Bearbeiter: Runow
entb-
→
enb-
MWB 1 1658,51;
entd-
→
end-, ent-
MWB 1 1658,52;
ente
stswF.
→
ant stM.
MWB 1 1658,53;
ent|edeln
swV.
‘jmdn./ etw. des Adels/ der hohen Würde berauben’
sünde diu entedelt alleine die [menschliche]
nâtûre, diu nâch dir [Jesus] gebildet ist, niht die
irdenische mâterje, diu dû wol gemachet hâst DvAOff
22;
diu sêle mit den obersten kreften rüeret die êwicheit, daz ist got, und mit
den nidersten kreften rüeret si die zît, und dâ von wirt si wandelhaftic und
geneiget ûf lîphaftiu dinc, und dâ von wirt si entedelt Eckh
2:134,4.
– mit Refl.-Pron.:
der och irbermede niht hat / der [...] hat sich selb
entedilt gar / vnd ist der edilkeite bar Martina
26,67
MWB 1 1658,54; Bearbeiter: Runow
en|teil
Adv.
in der Verbindung
~ tuon mit Dat.d.P.
‘jmdm. etw. zuteil werden lassen’
der nie ahte gewan / ûf dehein êre, / und hât doch
heiles mêre / dan einer der die sinne hât / und dem sîn muot ze tugenden stât. / dem
hât daz got enteil getân HartmKlage
761;
im kunde nimer werden wê, / dem daz in teile was getân, / daz
er drîn [l. dar în, in das prächtige
Zelt] mohte gân UvZLanz
4833;
Parz
75,20.
–
‘jmdm. etw. (vorher-) bestimmen’
die vnse gote sin, / die wolden, daz ez gesche, /
[...], ez was in teile vns getan Herb
18418;
is ez dir [Eneas] enteil getân, / daz ez dir wol
sal ergân, / des dû hâst begunnen En
2807;
ûrm hêren [...] is sie
[Lavinia] enteile getân [zur Frau
bestimmt]
ebd.
3991
MWB 1 1659,1; Bearbeiter: Runow
en|teilen
swV.
1
‘jmdm. etw. nicht zuerkennen’ mit Dat.d.P. (vgl. Mechth Anm.z.St.) 2
‘jmdm. etw. (eine Aufgabe/ Strafe) zuteilen’
1
‘jmdm. etw. nicht zuerkennen’ mit Dat.d.P. (vgl. Mechth
Anm.z.St.):
vor dem selben hatte ich angest, das mir die helige smacheit
und dú luter gottes liebi wúrde mitte entteilet Mechth
4: 2,23;
swie mir mîn erbe intdeilet sî Crane
3314
2
‘jmdm. etw. (eine Aufgabe/ Strafe) zuteilen’
deme sweren cruces ioche, / daz im ist vf geseilet, / als im hat enteilet /
die minne, durch die er es truch Pass I/II
68,81;
si begunden im enteilen / daz si in solden tot slan ebd.
237,84
MWB 1 1659,16; Bearbeiter: Runow
entel
stN.
Dimin. zu ente
‘Entlein’
iuwer tugentlîcher munt / solt îtel zucker ezzen. / ich wil sîn vergezzen /
alsam daz entel der sê HvBer
1,15
MWB 1 1659,26; Bearbeiter: Runow
entenbluot
stN.
‘Entenblut’
nim cynamomi. negelin. ingeber.
[...] trachen blut. hasen renne. beren galle. vnde
reher renne. vnde kalbes renne. enten blut. petrolei. igliches ein srupulum
SalArz
97,13
MWB 1 1659,29; Bearbeiter: Runow |