kerzelîn
stN.
Dimin. zu
kerze
.
‘(kleine) Kerze’
nu was ein cleinez keertzelin / vorborgen gesetzet verre hin dan. / daz selbe
lucht unde bran BMisstr (DVN)
368.
– bildl. (in einem missverstandenen Bild):
mîn ougen, den ir liehten schîn / zierten zwei brûniu krenzelîn
[La. brinnendev kertzlin
] , / diu sint nu vinster und übel gestalt, / wenne über in hanget ein
rûher walt Renner
18140
MWB 3,1 224,21; Bearbeiter: Hansen
kerzenguʒlieht (?)
stN.
hier md. (rip.) kertzengoitleit, vgl. Glr.z.St. und mnd./mnl.
gote
‘Guss’, vgl. aber auch E. Dornfeld, Untersuchungen, Breslau 1912, S.
70 (mit abweichender Erklärung des goit).
‘Kerze’
weder zo Bunne mit der vart / maichde hie sich, her Haveneit
[bildl. ‘der Herr Habenichts’
] , / ind droich [trug] myt eme
kertzengoitleit HagenChr (G)
5391.
5361
MWB 3,1 224,30; Bearbeiter: Hansen
kerzenlieht
stN.
auch kerz(e)-.
‘(brennende) Kerze’
durch wäzrigen dunst scheint daz lieht grüen, als wir oft
sehen in ainer warmen stuben, dâ nazzeu tüecher inne truckent
[...] : sô danne ain kerzenlieht dar inn prinnet, sô
scheint ain grüener kraiz umb die flammen BdN
100,1;
ich nam mangen umbsweif, / biz ich ein kerzenlieht begreif: /
dâ schouwet ich daz kindelîn EnikWchr
12302.
24127;
si plag ieso gereide / [...], / daz si brante ir
wirouch / unde ir kerzeliechter ouch / den heiligen al dort obe / zu minne unde ouch
zu lobe Elis
8584;
uf stunt er vnd ging von dan, / da ein kertz lieht bran, / vnd nam es in sin
hant Krone
14841;
UrkKlostern
1,315
(a. 1346).
– im Vergleich:
ir ougen sam daz kerzenlieht / lûhten unde wâren niht / noch ze grôz noch ze
kleine Philipp
840;
diu ougen in ir houpten brunnen alse ein kerzenlieht WolfdA
103,1;
OrtnAW
200,3;
Spec
34,32
MWB 3,1 224,38; Bearbeiter: Hansen
kerzenstadel
stM.
‘Kerzenständer, Leuchter’ (nur bildl.):
sin liecht her [Gott] entprante
[...] / und stacte daz uffe sie [die
Apostel] , / daz sie kertzenstadel hie / sines heiligen liechtes
weren / und der werlde liecht geberen HeslApk
1824;
daz her [Satan] liecht trager hiez
/ und an den gnaden sich nicht liez / daz her vor deme grozen / gote vor sinen
genozen / des liechtes kerzen stadel truc ebd.
10889;
Kchr
3149(La.)
MWB 3,1 224,56; Bearbeiter: Hansen
kerzentâht
stM.
‘Docht’ (nur als Bestandteil eines fingierten Personennamens):
Lôdowîc quam ouch aldar, der pfarreman ze Spire, / und ouch von Bunne
Kerzendâht Wartb (S)
121,8.
124,1
MWB 3,1 225,1; Bearbeiter: Hansen
kerzestal
stN.
auch kerzen-, kerz-, kerstal; vereinzelt (verschrieben?)
cherczal;
Pl. -stal, vereinzelt -stallen.
‘Kerzenständer, Leuchter’
er tet als ein man de wil / sin gebet sprechen und sal, /
und machte ein schon kerzstal / und dar uf ein liecht, daz bran Vät
32038;
dô liez er schînen wol daz lieht: / [...] / er staht
ez ûf daz kerzenstal, / er liez ez schînen überal LBarl
9617;
zwei edele kerzestallen / von lûteren cristallen
SAlex
5975;
bî dem kerzestal an der want Renner
5667;
noch stet ein fuz obir Prage zcu Sente Vit, / den man einen [l.
einem (Hs. einē)] cherczal geit
[von dem man sagt, dass er Teil eines Leuchters war]
Dalimil (B)
49,68;
candelabrum: kercestal quasi candelaferum, quod candelam ferat
SummHeinr
1:346,467.
2:11,249;
ain kerstal PrGeorg (Sch)
21,277;
Barth
156,6;
LobSal
129.
– bildl. und im Vergleich:
si sint vor got zwai kertzen stal, / die vor im leuchtent
über al Märt
9989;
allsus mitt aller tugenden kron / lúchtet Marÿa clar und schon. / dar umb
ist sÿ och wol gelich / ainem kertzstal in dem tempel rich KvHelmsd
658.
684;
Philipp
1588
MWB 3,1 225,5; Bearbeiter: Hansen
kerzestoc
stM.
‘Kerzenständer, Leuchter, Kandelaber’
candelabrum: kerzstok EvAlem
33 (Mc 4,21).
33 (L 11,33)
MWB 3,1 225,27; Bearbeiter: Hansen
kerzetac
stM.
‘Kerzentag’, in der Wendung unser vrouwen ~
zur Bez. des Hochfestes ‘Darstellung des Herrn, Mariä Lichtmess’ (2.
Februar):
biz zu vnser frowen kertze dage UrkRhStädteb
114
(a. 1329)
MWB 3,1 225,30; Bearbeiter: Hansen
kerzewîhe
stF.
‘Segnung der Kerzen, Kerzenweihe’, in versch. Wendungen zur Bez. des
Hochfestes ‘Darstellung des Herrn, Mariä Lichtmess’ (2. Februar):
so denn der tag kom der kerzwihi Seuse
29,14;
an dem nehsten tag nach vnser frowen tag der kerzewihi
UrkHohenz
1,126
(a. 1310).
1,154
(a. 1342);
an dem mentag nach vnser frauwen tag zu der kertzwihe aller nehst
UrkWürzb
39,404
(a. 1331)
MWB 3,1 225,34; Bearbeiter: Hansen
kerzîn
Adj.
‘aus Kerzen bestehend oder als Kerze dienend, Kerzen-’
manegen kerzînen schoup [Gebinde,
Bündel] / truogen knappen vor den rîtern dan Parz
641,16
MWB 3,1 225,43; Bearbeiter: Hansen
kerzlach
stN.
‘(kleine) Kerzen’ (Koll./Dimin. zu
kerze
, vgl. Mhd. Gr. Wortb. § S 53 mit Lit.):
got danck dir deiner beutel und kerzlach und diner letzelten
[Lebkuchen] ; du solt mir aber kainen so groszen mer
senden, es ist ze fer HvNördlBrf
33,107
MWB 3,1 225,47; Bearbeiter: Hansen
kës
stN.
Bed. unklar, ein Untergrund (vgl. ahd. kes
‘Eis’ AWB 5,141, nhd. Kees ‘Gletscher’, s. Kluge, S. 481 mit Lit.;
vgl. aber auch
kis
):
daz [Pferd] hete sölhen ganc, / daz
er daz tou niht erswanc, / swenn ez der wilde Dodines / stolzlîche ûf daz kes / und
über daz mos rande [trieb]
UvZLanz
7108
MWB 3,1 225,53; Bearbeiter: Hansen
kesser
stM.
‘Fangnetz, Kescher’ (vgl. mnd. kesser Schiller/ Lübben
2,458):
uf der insiln voet man di rotin perlin mit eyme kessir
MarcoPolo
50,17
MWB 3,1 225,60; Bearbeiter: Hansen
keste
stF.
→
kestene
MWB 3,1 225,63;
kesten
swV.
→
kestenen
MWB 3,1 226,1;
kestenboum, kastânienboum
stM.
auch questen-.
‘Kastanienbaum’
der kestenpaum hât sein fruht in ainer rauhen spitzigen
schaln BdN
317,11
u.ö.;
castanea: kesteneboum Gl
3:386,37
(BStK726).
2:698,39
(BStK752).
3:468,52
(BStK827).
3:352,66
(BStK927);
VocOpt
48.087;
kastânjen boume ein
schache [Waldstück] / dâ stuont mit wînreben hôch: /
in der dicke er in enpflôch Wh
88,26.
– hier wohl Baum mit Maronen, Esskastanien (sonst meist nicht
entscheidbar):
margrat [Granatapfel] und vîgenboum dâ bî ir
manigen saehet, / dar umb von questenboum ein hac [
dar umbe ein questenboumîn hac Rückert, Loheng.]
Loheng
6138
MWB 3,1 226,2; Bearbeiterin: Baumgarte
kestenboumîn
Adj.
→
kestenboum
stM.
MWB 3,1 226,15;
kestene, kastânie
stF.
überw. in der Pl.-Form kesten, Sg. keste (
SalArz ); zu castinea, einer Nebenform von mlat.
castanea (vgl. Pfeifer, EtymWB, S. 632); kastânie spätere
Neuentlehnung aus castanea (Pl.:
castâne Parz
378,17;
castanien BdN
93,6;
castanein; castanean; castaneen Pelzb
118,10.
128,3.7
), Sg.
castanee Pelzb
128,16.
1 die Frucht des Kastanienbaums, ‘Kastanie’ (ob Ess- oder Rosskastanie ist nicht immer zu entscheiden) 2
‘Kastanienbaum’
1
die Frucht des Kastanienbaums, ‘Kastanie’ (ob Ess- oder Rosskastanie ist
nicht immer zu entscheiden):
von den chesten SalArz
8,6;
der ercenie saltu geben als groz als ein keste ebd.
93,50
u.ö.;
da erhal manc rîchiu tjoste guot, / als der würfe in grôze
gluot / ganze castâne Parz
378,17.
– Esskastanie, Marone:
ein irdisch paradîs, / dar inne bluote manic rîs, / daz
kesten unde vîgen truoc KvWTroj
9603;
KvWPart
2322;
KvWEngelh
5238;
StRMeran
413
2
‘Kastanienbaum’
wis gegrüezet [Maria] , walt der kesten!
MarGr 18
229.
– auch in der lat. Form:
castanea gepfropt dy gedigit seldin Pelzb
128,4;
her [der Baum] ist ouch genust und ru sam eyn
castanea MarcoPolo
10,11.
– (neben anderen essbare Früchte hervorbringenden Bäumen)
Maronenbaum:
umb und umb zuo tal / stuonden vruhtbær boum ân zal: / nuz, epfel, biren,
küten und ouch kesten Wigam (B)
1166;
ein irdisch paradîs: / kesten, vîgen, mandelrîs
[...] dar inne wuohsen KvWPart
11090
MWB 3,1 226,16; Bearbeiterin: Baumgarte
kestenen, kesten
swV.
auch kasten; zu lat. castigare; vgl.
kestigen
.
1
‘jmdn. bestrafen, quälen’
2
‘sich kasteien, büßen, sich Entbehrungen und Härten aussetzen’ , hier subst.
1
‘jmdn. bestrafen, quälen’
sô die liut [Akk.] die vîent chestent
Priesterl
56;
chestenet bin ih unde gediemuͦtet bin ih harte [interl. zu
afflictus sum et humiliatus sum
]
PsM
37,9;
chestente chestenot mich got [interl. zu castigans
castigavit me dominus
]
ebd.
117,18
2
‘sich kasteien, büßen, sich Entbehrungen und Härten aussetzen’, hier
subst.:
wer im [Gott] offenlichen adir
tougen / dinet mit almosen und mit vasten / mit beten mit weinen und mit kasten
Brun
11858
MWB 3,1 226,43; Bearbeiterin: Baumgarte
kestennuʒ
stF.
Frucht (Nuss) des Kastanienbaums, ‘Kastanie’
wer die kestennüz zestœzt mit salz und dar nâch mit honig
mischet, daz ist guot wider die slangen pizz BdN
317,18
MWB 3,1 226,54; Bearbeiterin: Baumgarte
kestenunge
stF.
vgl.
kestigunge
.
‘Strafe, Züchtigung’
mîne chestenunge / möcht nimmer dehäin zunge / ze rechte fur
bringen Erinn
803;
chestenunge miniv [interl. zu castigatio mea
]
PsM
72,14
MWB 3,1 226,58; Bearbeiterin: Baumgarte
kestenwalt
stM.
‘Kastanienwald’
[in dem Land] ist grôß ein kestenwalt Mai
51,40
MWB 3,1 226,62; Bearbeiterin: Baumgarte
kestigâte
stF.
vgl.
kestigunge
.
‘Strafe, Züchtigung’
die ungehorsam die betingwe er an deme selben anegenge der sundin mit slegin
vnde mit der kestigate dez lichamen [
corporis castigatio
]
BrHoh
2
MWB 3,1 227,1; Bearbeiterin: Baumgarte
kestige
stF.
vgl.
kestigunge
.
‘Strafe, Züchtigung’
durch des vberhuores sunte vile manige chestige er in ane
sante Gen
809
MWB 3,1 227,6; Bearbeiterin: Baumgarte
kestigen
swV.
auch kastigen (
Elis
1673;
NvJer
27573
); zu lat. castigare.
‘jmdm./ dem eigenen Körper (zum Zwecke der Disziplinierung) Gewalt antun’
1
‘sich, den eigenen Körper (aus religiösen Gründen) harten Übungen, Entbehrungen
und Verstümmelungen unterziehen’
2
‘jmdn. (meist körperlich) bestrafen, züchtigen’
3
‘jmdn. quälen, peinigen, jmdm. Gewalt antun’
1
‘sich, den eigenen Körper (aus religiösen Gründen) harten Übungen, Entbehrungen
und Verstümmelungen unterziehen’
daz oͮch der brode lîp, der die sunti da tuͦt, mit vâsten
gechestigit werde Spec
44,22;
er [
der gaischliche mentsche
] sol och sinen lip mit discipline, mit vastenn, mit wachenne, mit
venienn [kniefälligen Gebeten] , mit bettenne und mit
andren guͦten dingen kestigen und nit ze zart haben, daz er nit werde ze gaile
[ausschweifend]
PrGeorg
333,25
u.ö.;
hie bi kastiget sie iren lip, / [...] / mit strichen
unde mit slegen vil Elis
1673;
EvAug
45,7;
Serv
2212;
Albert
400;
[es sind] etlîche kûsch [
eunuchi
] di sich selbir habin castiget [
qui se ipsos castraverunt
] durch daz rîche der himele EvBeh
Mt 19,12.
– auch ‘sich mühen, plagen, quälen’
so der man und daz wip die wochen chestiget sinen lip / so schulen si an
dem suntage genade unde reste haben GenM
8,29;
ohne Akk.:
wande die [ausgehungerten
Belagerten] man dâ sach ligen, / die begunden kestigen / mit
maniger hande kummer Ottok
74286
2
‘jmdn. (meist körperlich) bestrafen, züchtigen’
want gewalt der vatir hât / zu kastîgen den son vil wol
NvJer
27573;
diu goͤteliche straphe mit der got die suͥnder hie straphet unde kestigot
PrSchw
1,17;
HvBurg
693.
– in Rechtstexten:
wa ers nüt mit dem guote ab gelegen mag, das man in an dem libe darumb
kestigen sol DRW
7,510
(LuzernRatsbüchlein; a. 1332);
[der im Turm einsitzende gotshus dienstman
] sol da liegen, unz er gnade vindet, unde so er genuog gekestiget
wirt, so sol ouch der herre gnade han RbBasel
12,9;
StRBern
3:72,48.
– auch ‘im Zaum halten, bändigen, zur Vernunft bringen’
der nante yne [...] ‘eya, herze
one zaum’, wann yn nyman gekestigen kunde an demselben tag da yn der konig macht
zu ritter Lanc
53,4;
er qwam wiedder zur kónigin und saget ir das er sinen
sun nicht gekestigen kunde, er wolt úmmer vehten wiedder den ritter ebd.
632,18.
– abgeschwächt ‘tadeln, Vorwürfe machen’
ein priester was under yn, der myn herren Gawan sere
kestiget [...] er sprach das im zu recht kein ere da
von komen solt das er wapen trüg des samßtages als man none geludet hett
Lanc
593,17
3
‘jmdn. quälen, peinigen, jmdm. Gewalt antun’
der kúng an sinnen tumm / das edel volk von Israhel / kestigot an lib und an
sel / und dett inn an vil maͤnig pin KvHelmsd
2518.
2712.
–
gott der hat mengerley crúzze, mit den er sin frúnd kestget
Seuse
108,22;
Eckh
5: 48,3;
HeslApk
7193.
–
an etw. ‘hinsichtlich einer Sache Leid zufügen’
swer hat ein vbel wip, / dem ist gecchestiget der lip / an frivde ze allen
ceiten; / der muz mit læide streiten Warnung
1154.
– subst.:
buze dine schult! / halt sin kestigen, syne zucht
Hiob
9109.
–
‘foltern’
geschee, das man einen kestigete und verjehe
[gestehe] der ettliche dinge, darumb man sin libe
und sin gut solte angriffen, das gut sol angriffen ein meister und ein rat und
nit ein schultheiss noch ein vogt UrkStraßb
4,2:106,19. 14
(a. 1322).
– wohl abgeschwächt ‘auf die Nerven gehen’
‘waz wirret dir, thohter mîn?’ / ‘mich kestigt der sun dîn’
Mai
221,28
MWB 3,1 227,9; Bearbeiterin: Baumgarte |