Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kërn|gerste - kerze    


kërn|gerste swF. eine Getreideart, ‘Zweizeilige Gerste’ (vgl. AWB 5,134): hordeum distitum vel cantitum [d. i. cantherinum ] : kerngersta SummHeinr 2:56,455

MWB 3,1 218,43; Bearbeiter: Hansen

kërnîn Adj. ‘aus Korn, körnern’ (vgl. kërne ), hier in der Wendung ~ brôt: so man daz korn ab dem velde fueret, so sol der keller [s. këllære ] von ie der wagenleisen [Fuhre] ein garben nemen; och sol man dar vs zeren [verzehren] kernin brot vnd zigern [Quark] essen WeistGr 4,373 = WeistGr 1,167 (a. 1303?)

MWB 3,1 218,47; Bearbeiterin: Baumgarte

kërnobeʒ stN. ‘Kernobst’ daz dreilay chernobs sey marillen cherssen vnd weisel Barth (H) 556

MWB 3,1 218,54; Bearbeiter: Hansen

kërnvar Adj. im Farbton Getreide bzw. Weizen ähnlich, ‘getreidefarben, weizenfarben’ ir [Marias] vel was lûter unde clâr / und dâ bî schône kornvar [La. kernvar, übers. triticei coloris (vgl. App.z.St.)] / reht als milch unde bluot, / sô man diu ze sämen tuot WvRh 1304

MWB 3,1 218,56; Bearbeiter: Hansen

kërp stM. Stock, Span oder Stab aus Holz, in den (zur späteren Rechnungslegung) best. Zeichen eingekerbt werden, ‘Kerbholz’ (vgl. LexMa 5,1115, 2HRG 2,701ff.): – hier bildl.: jo der man uf sinen kerp [wohl ‘auf eigene Rechnung’ ] / vil baz berichtit sin gewerp / wen daz he dem vremdin / hulfe in sinen gremdin [in seiner Not] PfzdHech 213,21

MWB 3,1 218,62; Bearbeiter: Hansen

kerrât stF. (vierzigtägiges) Bußfasten (vgl. kerrîne ): vnd was ein solcher mensch damit abpüszt so er ein kerrat get als vil wirt im dort pen nachgelassen und so man gibt ain kerrat so wirt im als vil nachgelassen als so er ain kerrat gegangen hiet und als vil er damit hiet abpüsset als vil erlangt er ablas der pen durch den antlas BWB (Sch) 1,1280 (Ald. 111; a. 1250)

MWB 3,1 219,6; Bearbeiter: Hansen

kerren swV. auch querren; Prät. karte. ‘(jmdn. oder etw.) peinigen, quälen’ (faktitive Bildung zu kërren stV.): ein vogel den andern zerret, / ein tier daz ander querret Renner 7984; sit daz so swere kerret / der mynnen glut und auch ir hitze, / daz man synn und auch die witze / verluset alle da von gar Minneb 5420; tivel [...] / die di sel charten GvJudenb 3746

MWB 3,1 219,14; Bearbeiter: Hansen

kërren stV. (IIIb) auch gërren (3.Pl. Prät. gurren Erlös 144 ). ‘ein (grelles) Geräusch von sich geben’ 1 von Tieren
1.1 von Pferden
1.2 von Schweinen
1.3 von Mäusen
1.4 vom Gesang der Vögel
2 von sich bewegenden Gegenständen
3 von Naturereignissen (hier im Vergleich)
4 von Menschen, ‘schreien, brüllen, klagen’
   1 von Tieren    1.1 von Pferden: dô grâzten unde kurren / ir ros, wan si sich fröuten KvWEngelh 2706; di roß triben auf di melm [wirbelten Staub auf] : / dise waygeten [wieherten] , ene kurren, / di dort mit den fussen schurren, / dise roß hie sprungen HvNstAp 6265. 7437. – meist als Schmerzenslaut beschrieben: er slug di roß, das si churren HvNstAp 9433; diu ors von den stichen sere chuͤrren Rab 688,6. 741,4; daz [Pferd] beiz daz keisers pfert gar / durch die manen, daz ez kar EnikWchr 27815; Parz 69,12; EnikFb 3335; subst.: des wart da vil gewundert / von den, die sanfte lebten und dirre vreise waren uz gesundert, / niht wan von luͤte wuͦf [Klage] und orse kerren JTit 4107,3. 1714,4(La.)    1.2 von Schweinen: ein hane sol kren, [...] kerren ein swin Frl 5:34,1; do machete der tuͦuil in dem kirchoue maniger hande stimme. da huͦltin wolve. da brummen also bern. da ruͦhletin [brüllten] alse lewin. da kuͦrrin alse swein. und luͦttetin alse die esele PrLpz (L) 72,25; als in einem sake ein swîn, / daz vert unde kirret SM:Had 17: 3,3; subst.: daz ir ritet sam die frazze / in deheinen hof, da chue stant, / und diu swin ir cherren niht lant StrKD 146,270; Frl 8:25,15    1.3 von Mäusen: die mäus kerrent wenn der môn vol ist [ mures voces edunt luna plena ] BdN 153,8    1.4 vom Gesang der Vögel: embor die vogel swungen, / sie gurren unde sungen / ieglîcher sîne wîse Erlös 144    2 von sich bewegenden Gegenständen: des wazzers muͦchte lichte, daz ein rat wol brechte kerren Rumelant (K) 4:4,1; subst.: er [der Löwe] fürht auch der reder schoteln [Zittern, Rütteln] und ir kerren an dem wagen BdN 143,16; von sînem [des Rades] kerren daz ez tet / der rîter spranc ûf an der stet / von einem herten troume Wig 6891. – bildl. und im Vergleich: o we, dv cherrender wagen PrBerthKl 5,33; er klaffendez hufisen! / owe, er karrende tur! / er kirret wider unde fur / als in slaf ein blenkende lin [wie ein klapperndes Fenster (vgl. Anm.z.St.)] Jüngl 918; der berschrecken [Heuschrecken] fitche lut / die luten also grimme: / sam der wagene stimme, / so sie so lute kerren [vgl. vox alarum earum sicut vox curruum Apc 9,9] HeslApk 14169    3 von Naturereignissen (hier im Vergleich): dâ wart von starken slünden / ein sturm, daz von den ünden / diu drozze wart ze enge, / daz sich von dem wâcgedrenge / diu güsse begunde werren, / blôdern [rauschen] unde kerren / als ein windesprût [Wirbelsturm] ûf dem mere Weinschwelg 140    4 von Menschen, ‘schreien, brüllen, klagen’ do lag sy schrient vnd kar / her ich sagen für war Sibote l 843; sî lac under im und kar: / jâ, hêrre, daz ist daz mir war Sibote 710. – subst.: vil manic betler gein im krôch / mit kinden vil, und bâten gâp mit kerren Loheng 3066. – bildl.: in siner clvse der iamer kirt Martina 72,16; Renner 10268. – in der Wendung wider etw. ~ ‘gegen etw. anarbeiten, etw. bekämpfen’ swaz der kunic guotes tête, / des vergunde er [sein Bruder] ime stête. / er was der wider [d.i. drwider ] kerrende / und al sîn tuon bewerrende [behindernd] EbvErf 1637; bildl.: ez ist dehein arbeit, diu ez wirret, niwan daz herze, daz der wider kirret Trost 48. – im Vergleich oder im Zusammenhang mit Tierlauten (vgl. 1 ): ir ungenemen Saracein / kurren als die zucht schwein HvNstAp 3800; oͤrsh und man da kurren, / die der tot so grimt WhvÖst 17692; sy lifen mit gescreyge dar, / recht als dy hungerygen swin / kerren wen man sy trybet in / eycheln oder in dis ecker Hiob 11300

MWB 3,1 219,22; Bearbeiter: Hansen

kerrînære stM. jmd., der sich einem (vierzigtägigen) Bußfasten unterzieht (zu kerrîne stswF., vgl. mlat. carinarius MlatWB 2,285): vier bischolf zuo trâten, / die die kerrînære / und ander büezære / in die kirchen beleiten Ottok 28300

MWB 3,1 220,31; Bearbeiter: Hansen

kerrîne, karrîne stswF. ‘(vierzigtägiges) Bußfasten’ (aus mlat. carina, vgl. MlatWB 2,284f. s.v. 2. carina mit Lit.): hoͮbthafte sunde heizzint die, da charrîne unde iâruasten nach hôrent, also sint manslahte, uberhuor, sippehuͦr Spec 5,23; gnuoge enpfâhent kerrîn, / unt vastent vür die missetât TeufelsÄchtung 294; si legete irme libe ane gar herte und strenge karinen mit vastene, mit wachene und mit swere erbeite HlReg 29,15; gebet, messen, gottes wort, guͦter lúte leben, vasten unde carrinen loͤsen die selen von dem vegefúr Mechth 6: 10,1. 6: 10,4; Brun 8804; Kchr 12692. – Ablass von bestimmter Höhe (vgl. MlatWb 2,284): di enphahent ablaz irr sunde von den byssoffen, hundert kerrin vnd funf iar totlicher sunde, ob si ir sunde werlichen rewen vnd si gebihtet habent UrkCorp (WMU) 3581,35

MWB 3,1 220,36; Bearbeiter: Hansen

kerschlich Adj. ‘munter, aufgeweckt, verständig’ (hier ironisierend; wohl zu mnd. karsch ‘munter, frisch’ Schiller/  Lübben 2,431f., vgl. Glr.z.St.; oder l. kerclicher ? vgl. kerclich 1): [Elegast und Karl wollen Eckerich bestehlen:] Ellegast mit den czeyln [Schwänzen] sy [die Wachhunde] czuͦ houffe bant / vnd hinck sy hoch an dy steynen want. / der keyßer sprach vff ein nuwe: / ‘bint vff! [binde (sie) los!] sy sint oͤrem heren getruwe.’ / Ellegast sprach: ‘ist dy der hunde hanngen nicht lyep, / wz stylestu den, ein kerschlicher dyep!’ KarlElegast 485

MWB 3,1 220,53; Bearbeiter: Hansen

kërse F. auch kirse, kirs (vgl. aber auch 2krësse swMF.), alem. kriesi, kries (StBZürich , VocOpt ). Frucht des Kirschbaums, ‘Kirsche’ der kersen nam sie guoten war, / ob ir deheiniu sô töhte, / daz man sie gezzen möhte Eracl 3466 u.ö.; von den kirsen SalArz 8,23; der kersen saf ebd. 94,50. 14,24; cerusa: kries, kriesi VocOpt 48.099; alle die, so kriesuͥ und kêfen [Zuckerschoten] feil habent StBZürich 144; BdN 347,23; Pelzb 118,3 u.ö. – verschiedene Sorten unterscheidend: von den suren kirsen, daz sint wiseln [Weichselkirschen] BvgSp 83; so nim suwer kirsen saf SalArz 94,48; di kirsin heysin vngerisch Pelzb 122,26. – im Vergleich, bezogen auf rote Farbe: da hub Banin syn heubt off und schampt sich vil me dann er da vor gethan hett und wart röter under synen augen dann ein kirß Lanc 115,35; si wart noch grüener dan ein gras / und dar nâch als ein kirse HBirne 454; als etwas Geringes (hier zur Verstärkung einer Verneinung, vgl. ähnl. ei stN. 3.3 u.a.): niht gen einer kirse erkanten si noch er die penitente, / diu dran gen hohen selden was ein kerne / von grozer kraft der wurtze JTit 4942,2. – phras. ëʒ ist niht guot mit hërren ~ ëʒʒen i.S.v. ‘Höhergestellte begegnen Untertanen nicht auf Augenhöhe’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 246): ez ist nicht guot / mit hêrren kirsen ezzen. / si hânt sich des vermezzen, / wer mit in kirsen ezzen wil, / dem werfent sie der kirsen stil / in diu ougen Boner 8,33

MWB 3,1 221,1; Bearbeiter: Hansen

kërseboum stM. auch kirs(e)-, kerze-, kezere-, alem. kries- ( VocOpt ). ‘Kirschbaum’ sie hete kersboume ein teil / in ir garten gezogen Eracl 3460; wer ainen kerspaum ze mittelst durchport und stœzt ainen weidenast dar ein, alsô daz er daz loch füll über al, der paum pringt kersen ân kern BdN 347,21; der kirsboum wil habin kalde luft vnd vucht ertriche, sundir sumeliche kirsboume wollin syn in gebirge vnd in der hoe Pelzb 126,21 u.ö.; cerasus: kriesboͮn VocOpt 48.098; cerasus: kersboum Gl 3:352,71. 3:38,19. – bildl. (phras.?): dehein man suochen solde / ûf eim kerspoum birn WälGa 3800. – in Orts- und Hofbezeichnungen: et primo bi dem kezereboͮme bi den bluͥwelen an den nuͥflenzen vineta quedam [...] 5 1 / 2 hofstette UrbTennenb 170. 171; daz ich [...] leh Arnolde dem Muren von Múlnhvsen daz hvs vnd die hofstat, dem man sprichet zem kirseboͮme UrkCorp (WMU) 2796,11

MWB 3,1 221,31; Bearbeiter: Hansen

kërsegarte swM. hier kirse-. Nutzgarten mit Kirschbäumen, ‘Kirschgarten’ alles daz gvͦt, daz si dri hatten ze Binningen in dem dorfe [...], ane [...] den kirsegarten nebent dem wiger UrkCorp (WMU) 3349,19

MWB 3,1 221,50; Bearbeiter: Hansen

kërsenmuos stN. ‘Kirschenmus’ der denne woͤlle machen ein kirsen muͦs, der breche die stile abe vnd siede sie mit ein wenic wins vnd slahe sie denne durch ein tuͦch BvgSp 82. 9

MWB 3,1 221,55; Bearbeiterin: Baumgarte

kërsenzëhende stswM. ‘Kirschenzehnt’ decima: krisenzehenden SchwäbWB 4,420 (Buck; a. 1315); wir geloben ouch lassen ze volgen den kirsen zenhenden vnd die lantgarbe der kirsen vmb die stat ze Rotenburg UrkHohenb 503 (a. 1361)

MWB 3,1 221,59; Bearbeiterin: Baumgarte

kërsestein stM. hier kir-. ‘Kirschkern’ der erste [Kirschbaum] wirt gepflanczt mit deme kirsteyne oder mit deme kerne in octobre, odir in nouembre Pelzb 127,31

MWB 3,1 222,1; Bearbeiter: Hansen

kêr|snuor stF. im Buch als Lesezeichen dienende Schnur: registrum: kersnuͦr [vgl. ebd. die Erläuterung (Hs. 15. Jh.): registrum [...] est zona vel multitudo zonarum interposita foliis quaternorum, ut scriptura, que queritur, cercius inveniatur et facilius inveniri posset ] VocOpt 23.049

MWB 3,1 222,5; Bearbeiter: Hansen

kerubîn stM. auch -îm; aus mlat. cherubim, cherubin, wie dieses als Pl. wie auch als Sg. verstanden. 1 Engelswesen (vgl. LThK 5,1405f.)
2 als Name eines Erzengels:
3 ein Engelchor in der obersten Hierarchie der neun Engelchöre
   1 Engelswesen (vgl. LThK 5,1405f.): – Pl. ‘Cherubim’ hoch úber alle engel schar, / da ewenklich die cherubin / dir muͤssend under taͤnig sin KvHelmsd 4553; so koment die cherubin mit irre clarheit unde erlúchtent disen grunt mit irme gotvarwen liechte Tauler 376,7. 368,18; den engelen geliche, / di da heizent cherubin Glaub 3188; LobGesMar 40,12; RvEWchr 11938. – Sg. ‘Cherub’ daz in gener ouch behage, / der uf dem cherubim sitzet Brun 1132; der eine cherubin sundir rum / bezeichent Marien magetum ebd. 4471. 4154. 4469; von Maria: vrowe, Cherubin in erden, / laz uns dine gesellen werden MarlbRh 74,33    2 als Name eines Erzengels: : einen engel er dô hiez, / der was geheizen Cherubîn, / daz er si [Adam und Eva] dar [ins Paradies] wider în / deheinen wîs iht lieze Aneg 1488; der erzengel Cherubîn Wh 49,11 u.ö.; der engel Cherubin / der kan wol wisen mich die wege Rennew 30276 u.ö.; Gen 517; VMos 9,26. 10,16    3 ein Engelchor in der obersten Hierarchie der neun Engelchöre: do geschuͦf er dri chore / in der oberisten hohe / der eine heizet Trôn / [...] der andere heizet Cherubin / [...] der dritte heizet Seraphym VMos 3,13; de echt [achte] chor is, des lutercheit / al andre chore üvergeit. / [...] im is offenbar gods heimlicheit, / drümb he Cherubin den namen entfeit MarlbRh 70,6; sus quam ich zu dem achten [Chor] ; / Cherubin ist er genant Pass I/II (HSW) 18631 u.ö.; HvNstGZ 8003; Hawich 2577

MWB 3,1 222,11; Bearbeiter: Hansen

kêrunge stF. auch chorunge. 1 ‘Kehrtwendung’
2 ‘Hinwendung’ , hier i.S.v. ‘Heimsuchung, Versuchung’
3 ‘Bekehrung’ , in der Bez. des Festtages ‘Pauli Bekehrung’ (25. Januar)
   1 ‘Kehrtwendung’ Gawein auf dem velde nam, / do er über di bruk cham, / vil manig cherunge Krone 7444    2 ‘Hinwendung’, hier i.S.v. ‘Heimsuchung, Versuchung’ also schiere so si [reuige Sünder] denne ein chorunge des leidigin tieuilis begriffet, leidir, daz si ê da geriwestin [bereuten] , daz viragezzint si danne unde chêrint widere zvͦ den suntin Spec 74,2    3 ‘Bekehrung’, in der Bez. des Festtages ‘Pauli Bekehrung’ (25. Januar): daz ist geschehen ze Salzpvrch [...] an sand Pauls tag ze der chervng UrkCorp (WMU) 3196,26

MWB 3,1 222,43; Bearbeiter: Hansen

kërvele swstF. auch kerbele, kirbele, vereinzelt auch kernel, kerle ( Kerbelkraut (DVN) 128. 227 ). als Würz- und Heilkraut verwendete Pflanze, ‘Kerbel’ (Anthriscus Cerefolium, vgl. Marzell 1,330f.): cerifolium heiset zu dute kerbele. di ist trockener unde heiser nature Macer 29,1; swer di kerbelle izset in starchem essege, si vertribet daz spien ebd. 29,10 u.ö.; kirbele ist heiz an deme dritten gradu. vnde trucken an dem andirn. jr saf erwecket den harn SalArz 12,9. 7,53; ob er chervelen sohc [Saft] trinchet PrüllS 1,9; ein krut ist kerle genant, / daz kam in unser essen Kerbelkraut (DVN) 128; es [das Kraut] heisset kernel, zware ebd. 227; Ipocr 197. – in Gl. (vgl. auch AWB 5,137ff.): cerifolium vel sacropia vel pedero: kervila SummHeinr 1:192,275. 2:223,224; satureia: keruele GlAnzfKdVz 8:96,68. 8:95,33; sarminia: cheruille Gl 3:679,19 (BStK287). 3:489,38 (BStK887). wildiu ~ ‘Wiesenkerbel’ (Anthriscus silvestris, vgl. Marzell 1,331ff.): sarmina: wildiu keruila SummHeinr 2:51,328. 1:192,276; das selbe subert ouch tifen wunden unde heilet si, ob di wurzel mit wilder kerbiln unde mit honege gestosen druf wirt geleit Macer 51,17

MWB 3,1 222,55; Bearbeiter: Hansen

kërvelkrût stN. eine Pflanze, ‘Kerbel’ (vgl. kërvele ): es [das Kraut] ist geheizen kernelkrut [Hs. kernel krut ] Kerbelkraut (DVN) 261

MWB 3,1 223,15; Bearbeiter: Hansen

kërwe (?) swF. ein (kerbendes?) Arbeitsgerät des Bergmannes (oder zu kerbe swF. ‘Korb’?): wir bedorften [außer einem Seil] dennoch mere / kerwen, kratzen [ein Kratzwerkzeug] und keilhowen [Spitzhacke] Erz III 56,141

MWB 3,1 223,18; Bearbeiter: Hansen

kerzære stM. jmd., der Kerzen oder Wachs als Zins zu leisten verpflichtet ist, ‘Wachszinsner’ (vgl. WMU 2,997 und DRW 7,782 s.v. Kerzer): alle spitalær, kerzeͣr, kamerer vnd amptlv́te UrkCorp (WMU) 3493,35

MWB 3,1 223,23; Bearbeiter: Hansen

kerze swF. ( st. SM:WvK 4: 5,3 s. 1.4 ) 1 ‘Talg- oder Wachslicht, Kerze’ (als Lichtspender oder im kultisch-sakralen Bereich)
1.1 allg.
1.2 ôsterliche ~ ‘Osterkerze’ (vgl. LThK 7,1173f.)
1.3 gewundene ~ als Bez. für große, in sich verdrehte bzw. aus mehreren Wachskerzen zusammengedrehte Kerzen (vgl. Schultz, Höf. Leben 1,92f. und die ähnliche wandelkerze ) daneben auch als Bez. für aus Werg zusammengedrehte und in Wachs o.ä. getränkte, fackelartige Kerzen? (vgl. DWB 5,614f.)
1.4 bildl. und im Vergleich
2 bergm. Bez. für ein Leitgestein
   1 ‘Talg- oder Wachslicht, Kerze’ (als Lichtspender oder im kultisch-sakralen Bereich)    1.1 allg.: vil kerzen was enzündet NibB 504,1; nime bilsenole unde bere [vermenge] daz mit wahse unde mach eine cherzen Barth 139,34; ob sîne kerzen wæren schoup [Strohfackeln] ? / nein, si wâren bezzer gar Parz 191,18; zu unser frauwen messe, so man kerczen wyhet Lanc 114,10; der knapp gab im sin hant vol kerczen ebd. 212,2 u.ö.; cereus a cera: wahsin kerz SummHeinr 1:346,468; BdN 77,22; Lucid 115,17    1.2 ôsterliche ~ ‘Osterkerze’ (vgl. LThK 7,1173f.): an den briefen die man schribet an die grozen osterliche kerzen MNat 13,5    1.3 gewundene ~ als Bez. für große, in sich verdrehte bzw. aus mehreren Wachskerzen zusammengedrehte Kerzen (vgl. Schultz, Höf. Leben 1,92f. und die ähnliche → wandelkerze ) – daneben auch als Bez. für aus Werg zusammengedrehte und in Wachs o.ä. getränkte, fackelartige Kerzen? (vgl. DWB 5,614f.): sus riten si gein Aurimunt: / vor Melchinor wart do enzunt / manic gewunden kertze groz, / vil der busunen doz / wart erschellet krefticlich WhvÖst 6009; eine kerzen ir ieslîchiu truoc, / grôz, gwunden, diu vaste bran Wig 7399; sinem gaste vil gemaitt / gebott er an den stunden / mitt kertzan gewunden / lichten, warend armes gross GTroj 7892; cereos, qui gewudene [l. gewundene ] kerzen nuncupantur UrkFrankf 1,360 (a. 1297)    1.4 bildl. und im Vergleich: so gelichen wir der kercen, uon der andere enbrinnent unde si selbe erlisscet Spec 139,6; diu kerze lieht den liuten birt, / unz daz si selbe z’ aschen wirt Freid 71,7; AHeinr 101; BdN 72,10; ir kind Jhesus der minnenklich / ist wol der kertzen och gelich / umb drivaltig aigenschafft / die man vindet an des liechtes krafft: / das ist der taͮcht, wachs und fúr KvHelmsd 692. – bezogen auf Leuchtkraft: ach, got, wie brinnet mir mîn herze / nâch der lieben frowen mîn / noh mêre danne tûsent kerze SM:WvK 4: 5,3; der [Rubin] was der kristallen dach / und brehende als ein kerzen lieht Wig 10378; die helige gewonheit [...] sol iemer brennen als ein kerze unverloͤschen in der himmelschen vriheit Mechth 7: 36,52; UvZLanz 4804; Tr 11133. – bezogen auf die Form: der wurm der was sinwel / als ein kerze hin zetal Wig 5060; si gie als ein kerz sleht [kerzengerade] / ze allen zîten ûfgereht EnikWchr 1067. 722. A II,1069; als ein kerze gedrân / was der stein âne mûre, / ein turn von nâtûre UvZLanz 7122 (vgl. 1.3)    2 bergm. Bez. für ein Leitgestein: geslacht quartz mit kupper vlinken / wandilt mit dem gange. / [...] so getane kerze / truck mich nie ze keinen stunden, / swo ich die noch han funden, / donen were erzte nahen bi / so swartz sam ein bli / und geben silber gar wol Erz III 56,162

MWB 3,1 223,28; Bearbeiter: Hansen